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Advent in den Blogs – Der Fußball-Weihnachtskalender, Tür 6: Mitten in das Schalker Herz

Im Dezember 1977 trat am ersten Samstag des Monats der MSV Duisburg beim FC Schalke 04 an. Es war das letzte Spiel der Hinrunde, und viel erhoffte ich mir nach den Ergebnissen der davor liegenden Jahre nicht. Bei den drei Niederlagen in den Spielzeiten zuvor war der MSV zweimal mit fünf Gegentoren nach Hause gefahren. Andererseits lag eines der beeindruckendsten Spiele der MSV-Geschichte gerade knapp einen Monat zurück. Das war jener legendäre MSV-Heimsieg gegen den FC Bayern München, bei dem Bernard Dietz den MSV nach zweimaligen Rückstand in der 78. Minute mit 4:3 in Führung brachte und als einziger und damit viermaliger Torschütze des MSV bis dahin für die Führung sorgte. Fünf Minuten später brachte ein Tor von „Ronnie“ Worm die endgültige Entscheidung. Das 6:3 von Norbert Stolzenburg war dann noch das Sahnehäubchen in diesem Spiel.

Bis zu diesem kalten Dezembersamstag hatte ich also eine der besseren Spielzeiten vom MSV gesehen, der in meinem jugendlichen Empfinden schon seit Ewigkeiten mein Verein war. Als mein Stiefvater mir anbot, nach Gelsenkirchen zu fahren, war das eine Überraschung. Seine Heimat war Oberhausen, sein Sport war früher der Feldhandball und am MSV-Geschehen nahm er erst Anteil durch mich. Da vor den Heimspielen Schalkes auf der A 42 schnell ein Stau vor der Stadionabfahrt entstand, wollte er früh in Meiderich aufbrechen. Viel zu früh. Problemlos erreichten wir den Parkplatz, der noch so gut wie leer war. Nur vereinzelt schlenderten Zuschauer zusammen mit uns zum Stadion. Die Stadiontore waren noch geschlossen, und die Ordner verteilten sich gerade auf die Eingänge. In den Kartenhäuschen wurde alles getan, nur keine Eintrittskarten verkauft.

In der blau-weißen Schalker Umgebung fiel mein etwa zwei Meter langer MSV-Schal in denselben Farben nicht weiter auf. Ganz im Gegenteil, wie sich herausstellte. Als ich zu einem Kassenhaus laufen wollte, sprach mich ein Mann an. Ob ich mir ein paar Mark verdienen wollte?, fragte er. Eintritt für das Spiel müsste ich auch nicht zahlen, fügte er hinzu und mein Platz befände sich sogar auf der Sitzplatztribüne. Ich müsste nur vor dem Spiel am Eingang die Eintrittskarten der Zuschauer abreißen. Er würde auch dafür sorgen, dass ich auf jeden Fall so früh gehen könne, dass ich zum Anpfiff an meinem Platz sei.

Ich zögerte. Doch aufmunternde Worte von meinem Stiefvater zusammen mit der Aussicht, das erste Mal einen Sitzplatz einzunehmen, gaben den Ausschlag. So stand ich kurz danach an einem Eingangstor. Die Schalker Zuschauer freuten sich am vermeintlichen Blau-Weiß des Schals um den Hals des ungewohnt jungen Kartenabreißers. Für mich sahen die Ordner alle nach Rentnern aus. Aber wahrscheinlich war es damals nicht anders als heute, und auch Männer im mittleren Alter rissen die Karten ab. Nur Sicherheitsunternehmen gab es eben nicht als Sub-Unternehmer, und Fan-Utensilien waren fast immer eine Angelegenheit von Jugendlichen. Deshalb fiel der Schal am Stadioneingang besonders auf. Denn erwachsen waren damals nahezu alle Zuschauer ab Mitte zwanzig.

Besonders wohl fühlte ich mich nicht. Keineswegs wagte ich all den Männern zu widersprechen, die mir väterlich und erwartungsfroh den Schalke-Sieg verkündeten. Dafür hielt sich der Ansturm in Grenzen. Das Entwerten der Eintrittskarten war kein Problem. Kurz vor dem Spiel durfte ich dann mit einer ersten Gruppe von Ordnern zu meinem Tribünenplatz gehen. Er befand sich nahe an einer Kurve, auf dem Oberrang der Tribüne, etwas abseits von den anderen Zuschauern. Unter all den älteren Männern, die sich schon seit Jahren zu kennen schienen, fühlte ich mich einsam. Dieses Fußballspiel des MSV wurde anders als das Gemeinschaftserlebnis Stadion, das ich bislang kannte.

An die erste Halbzeit des Spiels habe ich nur verschwommene Erinnerungen. Ich meine, das Spiel war ausgeglichen, und der MSV gestaltete das Spiel offen. Das Halbzeitergebnis von 0:0 könnte meine Erinnerung bestätigen. In der Pause wurde das Geld ausgezahlt. Ich weiß nicht mal mehr, wie groß die Summe gewesen ist. Zwanzig Mark? Fünfzehn? Als die zweite Halbzeit begann wusste ich allmählich nicht mehr, ob ich vor dem Spiel richtig entschieden hatte. Auf dem Stehplatz hätte es mir mehr Spaß gemacht, das Spiel zu sehen. Andererseits wusste ich, am Montag konnte ich in der Schule eine gute Geschichte erzählen. Und diese Geschichte wurde noch besser.

Das Spiel blieb zwar zäh, aber dann erhielt Kurt Jara etwa Mitte der zweiten Halbzeit in zentraler Position an der Mittellinie den Ball und begann in die gegnerische Hälfte zu dribbeln. Kurt Jara war 1975 vom FC Valencia zum MSV gekommen. Zusammen mit dem Niederländer Kees Bregmann hatte er die Spielkultur des MSV verwandelt. Größere technische Fertigkeiten waren auf dem Rasen ab Mitte der 1970er Jahre zu sehen. An jenem Tag in Gelsenkirchen hielt sich das allerdings in Grenzen. Dafür lief Kurt Jara ungehindert Richtung Schalker Tor und setzte zum Schuss an. Solche Weitschüsse begleitete er mit einer sehr typischen, weit ausholende Armbewegung. In meiner Erinnerung taucht diese Armbewegung immer wieder auf. Dabei weiß ich nicht mal genau, ob ich sie für das Schalke-Spiel nicht aus einem Heimspiel oder aus einem Sportfoto in meine Erinnerung hineinkopiert habe.

Mit Sicherheit weiß ich, Volkmar Groß im Tor der Schalker war bei dem Schuss chancenlos. Dieses 1:0 durch Kurt Jara in der 72. Minute war zugleich der Endstand des Spiels. Unter all den älteren Schalker Herren wagte ich nicht, mich laut zu freuen. So erhielt ich an diesem Nachmittag in Gelsenkirchen neben freiem Eintritt und dem zusätzlichem Taschengeld noch eine überraschende Übung in Selbstbeherrschung. Erst bei der Rückfahrt konnte ich den von mir nicht erwarteteten Auswärtssieg genießen. Und ich begann mich zu freuen über die erste und einzige Siegprämie, die ich als Zuschauer erhalten habe. Eine Siegprämie vom Verlierer, vom FC Schalke 04.

Tür 7 öffnet sich morgen an dieser Stelle.

Der Fußball-Weihnachtskalender ist ein gemeinsames Projekt von @berlinscochise, Zebrastreifenblog, Cavanis Friseur, turus.net, Nachspielzeiten und 120minuten.

Informationen zur Fußballblog-Weihnachtskalender-Idee und eine Liste mit allen bisherigen Türchen, die natürlich fortlaufend aktualisiert wird, findet Ihr hier.

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Fremdschamkitzel auf Schalke

Als ich gerade eben den Lobgesang auf Schalkes Trainer Domenico Tedesco in der Süddeutschen Zeitung las, machte mich einer der ersten Sätze neugierig auf einen Werbespot des Vereins. Die Merchandising-Abteilung des Vereins will nämlich die Umsätze im Kleidungssegment steigern. Der Verein möchte auf einer der bescheuertsten Modewellen der jüngsten Zeit mitsurfen – der Ugly Christmas Fashion.

Schon angesichts dieser Mode werde ich augenblicklich zum grantligen alten Zausel. Was für einen unglaublichen Spaß machen diese Pullover bei der After Christmas Family Show, wenn ihr euch mit euren Freunden trefft. Überall diese lachenden Gesichter, besonders bei uns Pulloverstrickern. Tatsächlich wird für so einen Mist Geld ausgegeben. Was haben wir gelacht, als wir merkten, dass nicht der hässlichste Jugendpullover aus dem Kleidersack genommen wird, sondern für den Einmalauftritt was unglaublich profimäßig Designtes gekauft. Mann, was fühle ich mich alt, wenn ich hier kopfschüttelnd über so einen Mist ins Nachdenken komme.

Doch bevor ich gar nicht mehr mit dem Schimpfen aufhören kann, gucke ich mir einfach den Werbespot der Schalker an und erfreue mich an Fußballern und jungen Frauen, die nicht schauspielern können. Dafür hat sich so ein Ugly-Dingens-Gedöns dann doch wieder gelohnt.

 

Was offenbart die RAG-Stiftungs-Fantasie eines Jahrhundertheimspiels über das Ruhrgebiet?

So ein Montagsspiel des MSV Duisburg verschafft mir Zeit für eine kurze Betrachtung über das Ruhrgebiet. In dieser Region macht sich das unzureichende Vertrauen in sich selbst immer wieder bemerkbar, manchmal an überraschender Stelle, beim Fußball und dem Bergbau dieses Mal. Vom „Jahrhundertheimspiel“ oder auch nur „Jahrhundertspiel“ war letzte Woche nämlich die Rede. Der RAG-Stiftungs-Leiter, Werner Müller, hatte am Dienstag über das besondere Jahr 2018 geredet. Es ist das Jahr des Abschieds vom Steinkohlebergbau in Deutschland, und dieser Abschied soll im Ruhrgebiet angemessen gewürdigt werden. Als eine der geplanten herausragenden Veranstaltungen wurde ein besonderes Fußballspiel angekündigt. Eine Mannschaft des Ruhrgebiets unter Führung vom BVB und Schalke soll gegen die polnische Nationalmannschaft spielen. Die Nachricht sorgte für Verwirrung allerorten, weil anscheinend keiner der namentlich Beteiligten definitive Zusagen für dieses Spiel gegeben hat.

Nun kann man sagen, bei der Planung des Jahresprogramms ist etwas schief gelaufen. Die RAG-Stiftung ist vielleicht vorgeprescht, und alles war  ein handwerklicher Fehler dieser Planung. Für mich ist dieser Fehler aber ein Symptom für eine tiefer verwurzelte Haltung der Entscheider im Ruhrgebiet der eigenen Region gegenüber. In dieser Haltung paart sich die Sehnsucht nach Größe mit einem ausgeprägten Minderwertigkeitskomplex. Diese Haltung lässt Entscheider bei vermeintlich öffentlich wirksamen Ereignissen wie diesem Fußballspiel fasziniert ja rufen, ohne die Verankerung für dieses Vorhaben in der Wirklichkeit geprüft zu haben.

Dieser Haltung entspringt auch ein Kulturangebot wie die lit.ruhr, für die viel Geld von den im Ruhrgebiet ansässigen Stiftungen nach Köln zur lit.cologne fließt. Statt die im Ruhrgebiet vorhandenen Strukturen zu nutzen und ein eigenes populäres Literaturfestival des Ruhrgebiets aufzubauen, wird auf die Aura der lit.cologne gehofft. Die Sehnsucht nach populärer Größe des Kulturellen steckt in der lit.ruhr, mit deren Premiere in diesem Jahr eine fünfjährige Fördermaßnahme der Kölner Literaturszene beschlossen wurde. Der Leiter des Literaturbüros Ruhr, Gerd Herholz, hat dazu bei den Revierpassagen die entsprechenden Anmerkungen gemacht.

Diese Sehnsucht nach Größe zeigt sich schon im PR-Sprech der Veranstaltungsankündigung. Tatsächlich steht das Wort „Jahrhundertheimspiel“ in der Pressemitteilung der RAG-Stiftung. Diese Sehnsucht nach Größe kann konstruktiv wirken, wenn sich darin der Wunsch nach wahrgenommener Bedeutung verbirgt. Aber diese Bedeutung muss aus der Wirklichkeit des Ruhrgebiets heraus entstehen. Viel zu oft wird diese Bedeutung woanders gesucht. Beim „Jahrhundertheimspiel“ etwa geht es nicht um das Fußballspiel, mit dem eine Region den Bergbau würdigt. Es geht um ein von oben nach unten verordnetes Bild für die Menschen außerhalb des Ruhrgebiets.

Deshalb stehen BVB und Schalke im Zentrum der Pressemitteilung. Es sind jene Mannschaften mit überregionaler Strahlkraft und der populären Geschichte einer Feindschaft. Es geht um das Bild für die Welt, dass für dieses besondere Fußballspiel die Feindschaft aufgehoben ist. Wen soll das Fußballspiel aber würdigen? Eigentlich sollen doch die dem Bergbau verbundenen Menschen im Ruhrgebiet damit gewürdigt werden. Eigentlich geht es um die gesamte Städtelandschaft.

Hat irgendjemand nach der ersten Idee zu diesem Fußballspiel genauer darüber nachgedacht, was Fußball im Ruhrgebiet bedeutet? Das besondere Interesse für Fußball macht einen Teil des Ruhrgebiets ja tatsächlich aus. Aber dieses Interesse gilt vielen Vereinen, und wenn man eine Ruhrgebietsmannschaft spielen lassen will, darf nicht ein einziger Vereinsname im Vordergrund stehen. Selbst wenn man dabei die bundesweit erzählte Rivalität vom BVB und Schalke überwinden will. Eine Ruhrgebietsauswahlmannschaft braucht eine Entwicklung aus der Lebenswelt dieser Region heraus. Demgegenüber war man blind angesichts der Faszination über ein „Jahrhundertheimspiel“, das die verfeindeten Marktführer der Region zusammenbringt.

Die Pressemitteilung zu dem Fußballspiel bestätigt meine Vermutung. Nahezu alles, was dort rund um diese Idee des Fußballsspiels erklärend steht, ist schlichtweg falsch. Ein deutlicheres Zeichen für mangelndes Nachdenken kenne ich nicht.

Ziel von „Glückauf Zukunft!“ war immer auch, Zukunftsimpulse und die Würdigung des deutschen Steinkohlenbergbaus und seiner Leistungen in die richtige Balance zu bringen. Im Jahr 2018 wird es daher einen Fokus auf Abschiedsveranstaltungen geben. Einer der Höhepunkte wird das Jahrhundertheimspiel sein. Als Zeichen besonderer Verbundenheit mit dem Bergbau wird eine Ruhrgebietsauswahl unter der Führung von Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 gegen die polnische Nationalmannschaft antreten. Polnische Arbeitnehmer waren die ersten Gastarbeiter im Ruhrgebiet. Sie trugen erheblich zum Wiederaufstieg Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg bei. Aus Polen stammende Fußballspieler sind zu Leistungsträgern in ihren Vereinen geworden. Ernst Kuzorra und Jakub „Kuba“ Błaszczykowski sind zwei Spieler in einer ganzen Reihe von polnischen Spitzenfußballern in Ruhrgebietsvereinen.

Weder waren polnische Arbeitnehmer die ersten Gastarbeiter im Ruhrgebiet, noch war Ernst Kuzorra Pole. Kuzorras Eltern stammen aus Masuren. Sie waren polnischstämmig, hatten als Ostpreußen einen deutschen Pass. Zwar wurden sie im Zweifel auf jeden Fall als „Polacken“ beschimpft, doch Ernst Kuzorra selbst wurde in Gelsenkirchen geboren. Er verstand sich als Gelsenkirchener. Durch die Hintertür schleicht sich eine Diskussion der Gegenwart ein. Was sind noch einmal die türkischstämmigen Kinder und Enkel?
Polen waren auch nicht die ersten Gastarbeiter im Ruhrgebiet. Sie waren die ersten, die in so großer Zahl kamen, dass ihre Lebensweise in einzelnen Teilen des Ruhrgebiets den Alltag bestimmten. Die erste größere Gruppe von Gastarbeitern waren aber Belgier und Italiener, erstere wegen ihrer Erfahung im Bergbau, zweitere wegen ihrer Erfahrung im Tunnelbau. Erst ab der Reichsgründung 1871 wurden so viele Arbeitskräfte im Bergbau gebraucht, dass auch in anderen Regionen, eben im Osten, gezielt geworben wurde. Allerfeinste Pressemitteilungs-Komik schließt sich übrigens an, wenn diese ersten polnischen Gastarbeiter im Ruhrgebiet noch zum Wiederaufstieg Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg beigetragen haben. Das waren eben noch harte Männer damals, die Kumpel ohne Presslufthammer, die waren anderes gewöhnt und wollten auch noch mit 80 und 90 in den Pütt.
Wenn man durch die Berichterstattung zusätzlich weiß, dass eigentlich ein Spiel gegen die deutsche Nationalmannschaft geplant war, zerfällt auch der letzte Rest an innerer Folgerichtigkeit dieses Spiels. Zurück bleibt der schale Geschmack eines Events um des Events Willen. So zeigt sich das Ruhrgebiet einmal mehr in der Sehnsucht nach verlorener Bedeutsamkeit und Größe, ohne sich um die tatsächlich vorhandenen Chancen einer selbstbewussten Identität zu kümmern.

Die ganze Region? Aber, Herr Weinzierl!

Wenn ein Bayer der Süddeutschen Zeitung in einem Interview über seinen Eindruck spricht, welche Bedeutung der FC Schalke 04 hat, dann weiß man als Ruhrstädter sofort, der Mann ist noch nicht lange im Ruhrgebiet zu Hause. Schalke-Trainer Markus Weinzierl weiß noch nicht viel über das Ruhrgebiet, wenn er die drei Wörter „ganze Region“ und „Schalke“ in einem Satz unterbringt. Also, Herr Weinzierl, Sie können ja nichts dafür, aber das sollten Sie Herrn Heidel auf jeden Fall  raten, der FC Schalke 04 braucht für seine neuen Mitarbeiter noch eine Einführung in Heimatkunde. Das Ruhrgebiet – eine Region der Fußballstadttteile, oder so ähnlich.

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Sich erinnern mit dem Umbro-Trikot – Auswärtssiege in Saarbrücken und Schalke

Stefan Naas sammelt MSV-Trikots. Das machen einige Anhänger des MSV Duisburg. Stefan Naas lässt uns aber auf seiner Seite im Netz MSV-Trikots.de am Wachstum seiner Sammlung teilhaben. Die letzte Errungenschaft seiner Sammlung ist ein Umbro-Auswärtstrikot aus der Saison 1977/78. Zu dem Trikot erzählt er eine kurze Geschichte, die eine Frage offen lässt. Denn eigentlich war der Ausstatter der Mannschaft in jener Saison adidas. Wer seine Seite noch nicht kennt, wird sich zudem beim Weiterklicken durch die Sammlung noch an das ein und andere Spieler der eigenen MSV-Vergangenheit erinnern können.

In jener Saison wurde das Trikot zweimal getragen. Es ist ein schöner Zufall, dass ich bei einem dieser Spiele dabei war, und auch ich über diese Auswärtsfahrt bereits eine schöne Geschichte erzählt habe, eine Geschichte, die eine der ersten für mein Fan-Gedächtnis vom MSV Duisburg gewesen ist. Beim 1:0-Auswärtssieg des MSV gegen den FC Schalke 04 habe ich nämlich seinerzeit von diesem FC Schalke 04 als MSV-Fan eine etwas ungewöhnliche und wahrscheinlich nicht beabsichtigte Siegprämie für meine Auswärtsfahrt erhalten.

Ich nutze mal die Gelegenheit, um auf das Fangedächtnis hinzuweisen. Ich hatte es begonnen, um Geschichten zu sammeln, die ihr aus eurem Leben mit dem MSV Duisburg für besonders erinnerwert haltet. Schreibt sie auf, schickt sie mir. Jetzt ist Sommerpause. Da habt ihr vielleicht etwas mehr Zeit. Es reichen auch Stichworte, wenn ihr nicht selbst länger was schreiben wollt. Dann würden wir uns demnächst mal vor einem Spiel des MSV treffen. Ihr erzählt dann. Ich nehme auf und transkribiere.

Ablenkung beim Warten aufs Endspiel – Wolfgang aka Walter Hellmich

2015-05-13_1Mit dem morgigen Spiel des MSV gegen RB Leipzig ist es wie mit dem Unheimlichen. Es fasziniert und bereitet Sorgen zugleich. Wir müssen hinschauen und fürchten zugleich die Folgen. Eigentlich hatte ich mich zu Beginn der Woche mit dem Sonntag überhaupt nicht beschäftigen wollen, ehe es nicht Sonntag ist. Nun schleiche ich täglich drum herum. Ich hübsche meinen FB-Account mit Traditionstrikot hier auf, drapiere dort den Fanschal von der einen Seite der Garderobe an die andere und suche verzweifelt mein allererstes MSV-Trikot, das ich zur Kommunion als Teil einer Fußballgrundausstattung bekommen habe. Dieses Trikot im 60er-fashion-style kann ich im Gegensatz zu meinem zweiten Trikot nicht mehr anziehen.

Das Hummel-Trikot aber wird wesentlicher Bestandteil meines 70er-Jahre-Looks am morgigen Sonntag sein. Irgendwo habe ich auch noch eine weiße Schlagjeans. Es wird nur an den Clogs mangeln, ein kleiner Makel an der Aura erfolgreicher Zeiten, die wir alle auf den Rängen verbreiten werden müssen. Auf dass mein Friseur bis Ende Mai weiter auf meinen Anruf für einen Termin warten muss.

Um diese Stunden bis zum Anpfiff etwas erträglicher zu machen, habe ich noch was. Christoph Biermann hat mit „Wenn wir vom Fußball träumen“ ein lesenwertes Buch geschrieben, in dem er die Entwicklung des Fußballs in den letzten Jahren mit der Betrachtung des gegenwärtigen Ruhrgebiets kurzschließt. Er erzählt vom Fußball als bedeutsamen Sinnstifter der Region, erinnert sich an sein Aufwachsen mit dem Fußball von Westfalia Herne und dem VfL Bochum und deutet die regionale Entwicklung dieses Fußballs mit der Mentalität der Region. Er schreibt über das, was mich auch umtreibt und kommt zu Schlüssen, die ähnlich auch in diesen Räumen schon zu lesen waren. So wird es euch nicht überraschen, dass ich dieses Buch eben als sehr lesenwert empfehle. Es ist im besten Sinne zudem Heimatliteratur. Es regt zum Nachdenken über das Ruhrgebiet an, über die Hindernisse in dieser Region und Selbstbeschränkungen, die sich in der Ruhrstadt ergeben.

Nicht zuletzt schenkt er uns in Duisburg einen Moment des Schmunzelns. Natürlich schreibt er auch über den MSV Duisburg, und wenn er über die jüngste Geschichte des Vereins schreibt, fehlt in dem Kapitel Walter Hellmich als Protagonist des Geschehens nicht. Später aber greift er den MSV in einer Reihe von Vereinen noch einmal als Beispiel für Pott-Mentalität auf, und dabei beginnen die Bilder in meinem Kopf doch einen schönen Tanz. So wie wir Walter Hellmich in der Öffentlichkeit haben kennengelernt, legt er doch großen Wert auf die äußeren Zeichen seines erfolgreichen Unternehmertums. Ein Ailton etwa kam zum MSV wegen der besonderen Geschichte, die auch auf Walter Hellmich abstrahlte. Es gibt viele dieser Beispiele auch außerhalb des Fußball.

So ein Mann ist empfindlich, so vermute ich, er ist empfindlich, wenn es um diese äußeren Zeichen dieser Gesellschaft geht, die seine erreichte Position zum Ausdruck bringen. Wie empfindlich muss er erst sein, wenn es um seinen Namen geht. Vergänglich ist aller Ruhm, Schall und Rauch sogar die Namen, bald vergessen. Auf Seite 187 beginnt das Vergessen schon mit einem falschen Vornamen. Ob es Höchsstrafe für einen Patriarchen wie Walter Hellmich ist, weiß ich nicht genau, aber einen Stich wird es ihm vermutlich versetzen. So er denn davon erfährt.

 

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Gastbeitrag: Klaus Hansen erinnert an Spitzenereignisse rund um den MSV – Folge 1

Egal ob Wedaustadion, MSV-Arena oder Schauinsland-Reisen-Arena, der Sozialwissenschaftler Klaus Hansen kommt seit der ersten Bundesliga-Saison zu den Spielen des MSV. Letztens schickte er mir noch ein Interview, das er in den 1990ern mit dem legendären Stadionsprecher des Wedaustadions, Gunter Stork, geführt hatte. Nun landete vor ein paar Tagen eine Mail in meinen Posteingang mit einem weiteren seiner Texte.

„Ein verbales Lokalderby mit einseitigem Ausgang – Das große Problem von Oberhausen heißt Duisburg“, hieß der Text. Für das von Sebastian Scharte herausgegebene Buch „Wer ist die Macht vom Niederrhein und vom Ruhrpott sowieso?“ über Rot Weiß Oberhausen hatte Klaus Hansen ihn geschrieben. Die Gelegenheit nutzte er, um mit einer Sammlung von 25 bemerkenswerten Ereignissen rund um den MSV augenzwinkernd darauf hinzuweisen, welcher Verein in der Ruhrstadt im Grunde die einzig wahren Spitzenleistungen aufweisen kann. Ihr könnt euch denken, welcher Verein als unangefochtener Sieger aus dem Buch herauskommt, wenn ein MSV-Anhänger ihn schreibt.

Ich greife mal ein paar Erinnerungssplitter aus seinem Text heraus und stelle sie mit der Zeit online. Wunderbares Nostalgie-Futter. Deshalb bleibt manch Bekanntes dabei. Bitte schön! Und danke schön, Klaus Hansen.

 

Der MSV war der erste Tabellenführer in der Geschichte der Bundesliga – wenn alles mit rechten Dingen zugegangen wäre!
Nach dem allerersten Spieltag der Fußballbundesliga, 24. August 1963, sah die Tabelle so aus:

1. 1. FC Köln 2:0 Tore 2:0 Punkte
2. FC Schalke 04 2:0 Tore 2:0 Punkte
3. Meidericher SV 4:1 Tore 2:0 Punkte

Damals entschied nicht die Tordifferenz, sondern der Torquotient über die Platzierung. Nach heutiger Rechenweise, wo die Tordifferenz maßgeblich ist, wäre der MSV der historisch erste Spitzenreiter der Bundesliga gewesen. – Aber der MSV zeigte sich sportlich fair und überließ einer Stadt wie Köln, die ja sonst nichts Vorzeigbares hat, gerne den Vortritt.


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