Posts Tagged 'FC St. Pauli'

Als Kommentar zur Spieltagsterminierung reicht auch mal ein Lied

Montag, zweimal, nacheinander, nein, das muss nicht sein. Selbst wenn ich das als Vertrauensbeweis seitens der DFL in die weitere Entwicklung des Vereins unserer Herzen ansehe.

Advertisements

Abschiede, ein Sieg und der rastlose Aytekin

Was gibt es zwei Tage nach dem 2:0-Sieg über den FC St. Pauli im letzten Spiel der Saison noch zu schreiben? Wir haben Sommerpause. Die Mannschaft sei auf Mallorca, las ich gestern. Der Sieg rundete eine Saison, wie wir sie nicht erwartet hatten. Vom letzten Juli bis vorgestern bot der Verein unserer Herzen uns jede emotionale Befindlichkeit eines Fußballfan-Lebens. Wir durften staunen über fußballerische Klasse der Mannschaft, die dennoch verlor. Dann konnten wir uns mit den gesammelten Siegen einen entspannten Ablauf der Restspielzeit vorstellen. Wir wurden immer erfolgreicher und durften heimlich oder auch laut von einem Aufstieg reden. Aber was wäre eine Saison ohne eine Serie von Misserfolgen nach schlechtem Spiel? Unsere Gefühle wären nicht vollständig angesprochen gewesen. Die Sorge vor dem Abstieg bot uns die Mannschaft ebenso noch wie die entspannte Sommerlaune auf der Zielgerade der Saison.

Was soll ich also noch über ein nicht mehr so wichtiges Spiel schreiben? Meine gute Laune hält an. Allenfalls nervt schon jetzt die Dauer der Sommerpause. Was für eine Zeit des Stillstands und welch klägliche Versuche des Fußballunterhaltungsbetriebs, sie mit nebensächlichen Wettbewerben wie dieses Jahr in Russland der WM zu füllen.

Die Abschiede gehen mir allerdings noch durch den Kopf, bei denen es ja nur um Spieler ging, von denen die sportlich Verantwortlichen glauben, ihre Leistungsstärke reiche nicht mehr für die kommende Saison. Bei diesen Abschieden wurde offensichtlich, wie gut es den sportlich Verantwortlichen, Ilia Gruev und dem Trainerteam sowie Ivo Grlic gelingt, im Kader ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu  entwickeln. Davon ab trägt auch die Vereinsführung dazu bei. Es kommt nicht von ungefähr, wenn die Ersatzspieler die Verabschiedungszeremonie in der Pause begleiten. Das ist nur eines der Zeichen für die Stimmung im Kader. Darin steckt eine gerichtete Energie, die der Leistung einer Mannschaft zugute kommt. Diese Abschiede wurden gut bewältigt. Keine falschen Töne ließen sich vernehmen, und dass auch Kingsley Onuegbu in seinem Königsgewand während der Halbzeitpause noch einmal eine besondere Würdigung erhielt, war eine gelungene Geste.

Das Spiel gegen den FC St. Pauli fühlte sich in der  ersten Halbzeit sehr nach einem Freunschaftsspiel zwischen zwei gleichwertigen Gegnern an. Eine Führung für St. Pauli war genauso wahrscheinlich wie eine für den MSV. Keine Frage, dass das 1:0 durch Moritz Stoppelkamp nach der Ecke in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit uns sehr viel besser gefiel. Er lief zur rechten Zeit in den leeren Raum. Das war ein typisches Tor für ihn, dank dieser Verbindung von Erfahrung und spekulierender Bewegung, die man dann Instinkt nennt.

In der zweiten Halbzeit sah es nur kurz so aus, als wolle St. Pauli sich für den Ausgleich noch anstrengen. Immer mehr überließen sie dem MSV den Ball für deren Offensivaktionen. Alleine am Spielfeldrand schien St. Paulis Trainer Markus Kauczinski sich nicht zufrieden geben zu wollen. Er kämpfte darum, Einfluss auf seine Spieler zu nehmen. Vielleicht legte er damit eine Grundlage für die unerklärliche Rudelbildung in der Nachspielzeit. Friedlich plätscherte das Spiel dahin, bis die Nachspielzeit angezeigt wurde und den Spielern St. Paulis anscheinend dann erst auffiel, dass sie nicht ewig Zeit haben, ein Tor zu erzielen. Erst regte sich Markus Kauczinski noch einmal auf. Dann geriet Moritz Stoppelkamp mit einem Spieler St. Paulis aneinander, der während des eigenen Angriffs bis zur Mittellinie beim gemeinsamen Trab mit Stoppelkamp unentwegt auf ihn einschimpfte. Als dann der Ball noch einmal in das Areal von beiden kam, gab es kein Halten mehr. Hoch die Tassen und alle kamen zum gemeinsamen Aufregen hinzu. Geschubse hier, Geschubse da. Was für eine kuriose Entwicklung.

Der Schiedsrichter, Deniz Aytekin, hatte das schnell wieder im Griff, und damit komme ich zu seiner besonderen Leistung. Ich habe noch nie bewusst ein ganzes Spiel unter seiner Leitung wahrgenommen. Der Mann läuft und läuft und läuft. Ist er während des Spiels einmal stehen geblieben? Konnte er die Beine still halten, als er in der Nachspielzeit Markus Kauczinski ermahnte? Oder trabte er auf der Stelle? Ununterbrochen ist er in Bewegung. Er pfeift einen Freistoß, läuft nur kurz an die Stelle der Ausführung und vertraut darauf, dass sämtliche Regularien von den Spielern eingehalten werden. Es war natürlich fast die gesamte Zeit ein einfaches Spiel für ihn, aber sein ständiges Kreises auf dem Platz ist sehr eigen und auffällig, wie ein Mensch gewordener Radar zur Spielüberwachung. Was ihm ja bestens gelingt.

Wer sich so spät aufregt und nicht merkt, dass er das macht, nur weil er verliert, wird sofort bestraft. Das 2:0 kurz vor dem Schlusspfiff war eine gelungene erzieherische Maßnahme für den FC St. Pauli. Ob sie gewirkt hat, werden wir nächste Saison sehen, und ich muss jetzt schauen, wie ich die Zeit der Sommerpause rumkriege. Ich finde schon was. Keine Sorge.

Mein Eishockey-Spiel beim FC St. Pauli

Manchmal gehe auch ich ins Stadion, und der Fußball auf dem Rasen ist weniger wichtig als ich selbst. Denn ohne mich hätte dieser Fußball nicht stattgefunden. Gut, an die 30.000 Zuschauer dieses Spiels und bestimmt auch die Spieler selbst sind sicher anderer Meinung, aber dieses Spiel des MSV beim FC St. Pauli erinnerte mich an eine zutiefst existentielle Frage. Was die Menschheit seit Jahrtausenden als Problem des Erkennens zunächst philosophisch und dann auch naturwissenschaftlich hin und her bewegt, bearbeitete ich am Sonntagnachmittag bei St. Pauli im Stadion. Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Ich habe das gesamte Spiel gesehen, ohne alles gesehen zu haben – das Ausgleichstor zum 2:2 etwa, aber auch die vermeintlichen Fouls vor den Elfmetern auf der Gegenseite. Dieses Spiel vom MSV gegen St. Pauli hätte es für mich nicht gegeben, wenn ich nicht gesehen hätte, was ich nicht gesehen habe.

Es war wie beim Eishockey. Wer zum ersten Mal ein Eishockey-Spiel sieht, sieht auch nichts vom Spiel, weil der Blick des Betrachters der vom Puck gesteuerten Bewegung des Spiels zunächst fast immer hinterher hängt. Man muss das Spiel sehen lernen. Was beim langsameren Fußball genauso ist, aber nicht auffällt, weil wir meinen, es sei einfach, dem Ball zu folgen. Aber auch den Fußball muss man sehen lernen. Womit ich vor Jahrzehnten begonnen habe. Deshalb sah ich gestern, was meine Augen nicht haben wahrnehmen können. Das meiste hat mein Kopf erledigt und die fehlenden Momente des Spiels immer wieder ergänzt.

Als Spezie eines Herdentieres habe ich bei dieser Wahrnehmung die Hilfe der Herdenstimmung nutzen können. Hinzu kamen Eindrücke der Hamburger Voll- und Teilzeit-MSV-Anhänger, mit denen ich nun schon zum wiederholten Male im norddeutschen Raum einen Auswärtsspieltag des MSV verbracht habe. Alles in allem ergibt sich nun eine ansehnliche erste Halbzeit, in der der MSV das Spiel sicher in der Hand hatte. Souverän wurde dem Druck der Paulianer in den ersten zehn Minuten stand gehalten. Danach war deutlich, gegen diese MSV-Defensive fand St. Pauli kein Mittel. Die Souveränität von Gerrit Nauber wirkte in die Mannschaft hinein. Wir durften auf eine gelungene Offensivaktion mit Torerfolg warten oder uns auf ein Unentschieden einrichten.

So war die Führung durch das Elfmetertor von Kevin Wolze keine überraschende Folge dieses Spiels vom MSV, auch wenn wir den Elfmeterpfiff selbst mehr als willkommene Gabe sahen. Der Schrecken war dann groß, als Gerrit Nauber durch einen Schuss ausgeknockt wurde. Stabile Seitenlage auf dem Spielfeld kommt nicht häufig vor und ließ Schlimmes ahnen. Als er dennoch weiterspielte, war die Hoffnung auf sein Durchhalten groß.

Er kam nach dem Halbzeitpfiff nicht mehr aus der Kabine, und damit war klar, nun würde es sehr schwierig. Denn St. Pauli bestätigte die Vermutung, nach dem Wiederanpfiff mit sehr viel Druck aufzutreten. Die Defensive des MSV begann zu schwimmen, und unsere Hoffnung, dass die Mannschaft die normalerweise 10 bis 15 Minuten vermehrte Offensivkraft des Gegners in einer solchen Begegnung schadlos überstehen würde, schwanden schnell. Nicht nur der Ausgleich fiel, St. Pauli ging in Führung. Für den MSV bestand sofort die Möglichkeit, die Niederlage noch zu verhindern, weil sich St. Pauli nach dem Führungstor ebenfalls sofort wieder zurück zog. Die MSV-Defensive war entlastet, und die Mannschaft konnte auf den Ausgleich hin spielen. Vielleicht brachte die rote Karte gegen St. Paulis Spieler einen Vorteil. Sicher bin ich mir  nicht. Ich glaube, ein Ausgleich  wäre auch beim elf gegen elf möglich gewesen, so unermüdlich wie die Zebras sich Richtung Tor St. Paulis bewegten. Das Tor von Stanislav Iljutcenko habe ich mir dann wieder sehr lebendig vorgestellt.

Wie der MSV dieses Unentschieden erspielt hat, macht Freude. Diese Mannschaft reagiert variabel auf Spielstände und Spielsituationen. Diese Mannschaft strahlt eine Selbstsicherheit aus, die beeindruckt. Die Hektik des Spiels in der zweiten Halbzeit ging von den verunsicherten Paulianern aus. Die Zebras ließen sich davon nicht anstecken, sondern nutzten die dadurch entstehende Unruhe beim Gegner. Hoffen wir nur noch, dass Gerrit Nauber möglichst nächsten Spieltag wieder da ist. So weit möchte ich dann doch nicht selbst die Wirklichkeit in meinem Kopf herstellen müssen und ihn im Spiel gegen Dresden mir vorstellen, obwohl er nicht auf dem Spielfeld steht. Sonst wird meine Wirklichkeit dann mittelfristig so anders als die von euch, dass es schwierig werden könnte.

 

 

Trainerentlassungen sind komplett überwertet

Als der FC St. Pauli letzte Woche ein zweites Mal so hoch verlor, überlegten wir im Stadion kurz, welche Folgen diese hohen Niederlagen für den MSV beim Auswärtsspiel morgen haben könnten. Zum einen gab es bei uns die optimistische Fraktion mit dem Credo, der Gegner sei noch mehr verunsichert, die andere Fraktion dachte, jetzt hat es der MSV schwerer, weil sich St. Pauli nach zwei solchen Niederlagen vor eigenem Publikum erst recht beweisen will.

Solche Überlegungen sind nun durch die Einflussgröße Trainerentlassung hinfällig geworden. Der neue Trainer Markus Kauczinki verändert die Ausgangslage komplett. Die Spieler des Gegners müssen sich neu zeigen. Sie strengen sich deshalb vielleicht gerade jetzt im ersten Spiel unter dem neuen Trainer besonders an. Es gibt vielleicht vom neuen Trainer andere Spielideen, auf die Ilia Gruev noch nicht vorbereitet ist. Andererseits lässt sich aus der Arbeit Kauczinkis in Ingolstadt oder Karlsruhe etwas ablesen. Dass das beim MSV versucht wurde, davon dürfen wir bei Ilia Gruevs Arbeitsweise ausgehen.

Trainerwechsel haben statistisch betrachtet keinen Erfolg. Das ist inzwischen oftmals schon geschrieben worden, was nichts an den so oft hilflosen Versuchen das Schicksal zu beeinflussen ändert, wie gerade der 1. FC Köln sehr schön beweist. Ebenfalls sagt das nichts über den Einzelfall aus, geschweige denn etwas über das spezielle erste Spiel nach einem Trainerwechsel. Aber in diesem Fall gibt es den Transfermarkt mit der sehr schönen Statistikseite „Trainereffekt“, die ich bislang noch nicht kannte. Mit einem Blick lässt sich dort überprüfen, welche Auswirkung ein Trainerwechsel kurz- oder langfristig hatte. Die Daten beziehen sich nur auf die Bundesliga, aber das reicht erst einmal für ein beruhigendes Gefühl.

In der laufenden Saison hat es in der Bundesliga  vier Trainerentlassungen gegeben. Die Bilanz der vier neuen Trainer lautet: ein Sieg, eine Niederlage, zwei Unentschieden. Für den Sieg war Jupp Heynckes verantwortlich, und der fällt mit seinen bayernspezifischen messianischen Fähigkeiten ohnehin aus der Wertung.

Ich fasse die Trainerwechsel während der laufenden Saison für die letzten 6 Spielzeiten mal tabellarisch zusammen:

2016/2017: 10 Trainerwechsel – 2 Siege, 4 Unentschieden, 4 Niederlagen
2015/2016: 7 Trainerwechsel – 1 Sieg, 3 Unentschieden, 3 Niederlagen
2014/2015: 9 Trainerwechsel – 5 Siege, 1 Unentschieden, 3 Niederlagen
2013/2014: 11 Trainerwechsel – 4 Siege, 5 Unentschieden, 2 Niederlagen
2012/2013: 10 Trainerwechsel – 4 Siege, 4 Unentschieden, 2 Niederlagen
2011/2012: 11 Trainerwechsel – 5 Siege, 3 Unentschieden, 2 Niederlagen

Die Stichprobe ergibt bei 58 Trainerwechsel für das erste Spiel unter dem neuen Trainer 21 Siege, 20 Unentschieden, 16 Niederlagen. Wenn wir mit einem Unentschieden in Hamburg zufrieden sind, reist der MSV also mit einem kleinen Vorteil nach Hamburg. Und wenn wir der Statistik eine zeitliche Dimension geben, lässt sich gar ein Trend ablesen. Der Sieg im ersten Spiel nach einem Trainerwechsel wird seit zwei Spielzeiten immer unwahrscheinlicher. Tut uns leid, FC St. Pauli, Zahlen lügen nicht, allzu viel braucht ihr morgen nicht zu erwarten.

Spontanheilungen gibt es, wenn auch selten

Allmählich beginnt für mich die Zeit mit dem MSV Duisburg, in der mir die Worte zu den Spielen der Mannschaft ausgehen und nichts anderes mehr übrig bleibt als die Fakten des Zustands. Das ist wie im richtigen Leben. Immer will alles gedeutet werden. Immer will alles auf Sinn abgeklopft werden. Immer könnte im Geschehenen eine Einsicht stecken, die Veränderung mit sich bringt. Je aussichtsloser eine Situation aber scheint, desto weniger gibt es zu sagen. Es bleibt das schweigende Warten, nur unterbrochen vom Verkünden der Fakten. Es bleibt das Weitermachen bis zum sich abzeichnenden Ende. Es bleibt das Genügen an diesem Weitermachen und eine gewisse Pflicht.

Der MSV Duisburg hat gegen den FC St. Pauli gestern mit 0:2 verloren. Die Mannschaft hat gut gespielt. Alleine die Leistung von Zlatko Janjic fiel gegenüber der seiner Mitspieler ab. In der ersten Halbzeit kontrollierte der MSV das Spiel. Ruhig und diszipliniert wurde gegen einen abwartend spielenden FC St. Pauli der Spielaufbau versucht, und wahrscheinlich war meine durchgängige Nervosität dem Abstiegskampf geschuldet. Jeder Angriff St. Paulis, der nur in Strafraumnähe kam, sorgte mich mehr, als ein Angriff des MSV auf der anderen Seite in selber Position mir Hoffnung machte. Vielleicht entspricht diese Gemütslage auch der der Mannschaft in ihrem Abstiegskampf. Wir alle sind nicht frei im Kopf, obwohl die Fakten des Spiels bis zum Halbzeitpfiff dazu keinen Anlass boten. Torchancen gab es auf beiden Seiten nicht.

Nach dem Wiederanpfiff schien der FC St. Pauli zunächst druckvoller spielen zu wollen. Die Mannschaft griff früher an und versuchte, mehr Spielkontrolle zu erhalten. Doch der MSV hielt dagegen und erneut befand sich das Spiel wieder im Gleichgewicht. Im Unterschied zur ersten Halbzeit wirkte es nun dynamischer. Die Spieler des MSV suchten früher den Weg zum Tor. Für die Spieler des FC St. Pauli war dieser schnelle Zug zum Tor ohnehin taktischer Bestandteil des Spiels, weil sie auf Ballverluste des aufbauenden MSV hofften und sie erzwingen wollten.

Entsprechend gab es sogar eine Ahnung von Torchancen für den MSV. Die Mannschaft schaffte es einige Male, in den Strafraum zu dringen. Abwehrbeine verhinderten freie Schüsse, weil beim Kleinklein innerhalb des Strafraums die Spieler zu lange brauchten, Pässe zu verarbeiten oder freie Bälle unter Kontrolle zu bringen. Der FC St. Pauli war dagegen vor allem mit einem Distanzschuss einmal gefährlich. Es war klar, die Mannschaft, der  ein Tor gelingen würde, ginge wahrscheinlich als Sieger vom Platz.

Dieses Tor fiel für den FC St. Pauli in der 64. Minute. Ein Spielzug über den rechten Flügel, bei dem die Defensive des MSV den Gegner bis in den Strafraum spielen ließ und die jeweils Ball führenden Spieler nicht aggressiv genug attackiert wurden. Pass, Zug in den freien Raum, Pass, freier Schuss, Tor.

Drei Minuten zuvor war Kingsley Onuegbu  für Janjic eingewechselt worden. Gerade hatte ich zu hoffen begonnen, die Strafraumszenen könnten angesichts seiner Ballbehauptung auf engem Raum wirklich gefährlich werden. Nun war diese Hoffnung weggeweht. Auch das ist ja ein Zeichen für Stimmung rund um den MSV. Meine Hoffnung hätte ja lebendig bleiben können. Ein Gegentor war gefallen, mehr nicht. Dennoch lastete dieses Gegentor nun auf dem Spiel und machte es mir schwerer an einen Erfolg des MSV zu glauben. Ich vermute, die Spieler werden ähnlich eine zusätzlich Last zu tragen gehabt haben.

Der MSV mühte sich für den Rest des Spiels. Victor Obinna wurde nach seiner langen Verletzungspause erstmals wieder für 11 Minuten noch eingewechselt. Thomas Bröker kam kurz vor Schluss. Doch zwingende Chancen ergaben sich nicht mehr. In der letzten Spielaktion verlor Kevin Wolze in der eigenen Hälfte den Ball gegen einen Spieler St. Paulis, der anschließend alleine aufs Tor zumarschieren konnte und erfolgreich abschloss. Über dieses zweite Tor des Gegners ärgerte sich Kevin Wolze offensichtlich mehr als ich. Stoisch nahm ich es als Schicksal.

Dieses Erleben weckt keine schönen Bilder in mir. Ich fühle mich erinnert an Tage, die ich mit Schwerkranken verbracht habe. Ich sehe Behandlungen, von denen nicht klar war, ob sie heilend, lebensverlängernd oder einfach nur überflüssig waren. Ich sehe Ärzte von Wahrscheinlichkeiten sprechen. Ich sehe Ärzte, die traurige Wahrheiten mitfühlend, aber klar aussprachen, und ich sehe Ärzte, die dennoch Raum ließen für das Schicksal. Diese Welt ist trotz aller wissenschaftlichen Anstrengung noch voller unerklärbarer Begebenheiten. Spontanheilungen gehören dazu. Sie geschehen, ohne dass die Medizin erklären kann, wieso sie geschehen. Sie geschehen selten, so dass die statistischen Daten keine kausalen Schlüsse zulassen. Bislang habe ich immer, wenn ich Zeit mit einem schwerkranken Menschen verbracht habe, irgendwann an Spontanheilungen denken müssen.

Die schönsten Fußballtorten der Welt als Spieltagsvorbericht – XXVII – FC St. Pauli

Mit freundlicher Unterstützung von „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss“ präsentiert der Zebrastreifenblog in loser Reihe die schönsten Fußballtorten der Welt.

Wenn wir uns an den unglamourösen Fußball der Präprivat-TV-Historie erinnern, ernährte sich auch der gemeine Profi-Fußballer von Bier und Zigaretten. Ewald Lienen hingegen bevorzugte schon zu Oberligazeiten des MSV Müsli, wie wir aus den Erzählungen seiner Mitspieler wissen. War er als Trainer dann einer der ersten, die sich auch um die Ernährung ihrer Spieler kümmerten? Ich meine mich zu erinnern, die staunenden Geschichten über „Zettel-Ewald“ aus den Anfangstagen seiner Trainerkarriere kamen nie ohne den Hinweis auf den all umfassenden pädagogischen Ansatz seiner Arbeit aus. Wenn es sportlich gut lief, war das eine amüsante Randnotiz. Wenn es schlecht lief, war das das Einfalltor für die grundsätzliche Frage nach der Trainerentlassung.

Ob sich Ewald Lienen bei den Profifußballern heute noch immer mit Ernährungsfragen beschäftigen muss? Wahrscheinlich ist er gelasssener geworden. Und wahrscheinlich gibt es den Ernährungsberater als Kostenstelle im Saison-Etat und die Fußballer selbst sollen ja auch alle so ungemein vernünftig sein.  Alle wollen schließlich immer auch der Mannschaft helfen. Aber so ein Stück Kuchen vor dem Spiel gegen den MSV? Wär das nicht was? Schön schwer im Magen liegend. Ich hätte nichts dagegen, wenn die Laufbereitschaft des Gegners heute etwas beeinträchtig wäre.

Den Gleichschritt der drei Tabellenletzten hat der TSV 1860 München ja gestern aufgekündigt. Oder war es der SC Paderborn am Freitag schon? Das käme mir besser zupass. Euch wahrscheinlich auch, wenn ihr nicht vornehmlich wegen der Pauli-Fußballtorten vorbeischaut. Der Sieg ist an diesem Spieltag der Gleichschritt. Lieber MSV, nehmt euch Hannover 96 zum Vorbild. Ich schicke vorsichtshalber dennoch auch Bilder von St.-Pauli-Fußballtorten in die Welt. Vielleicht wirken ein paar Stücke Kuchen  auf unerklärliche Weise auf die Leistungsbereitschaft dieses FC St. Pauli. Mit allen Mitteln für den Sieg.

Mrs und Mr Backorphine sind für folgendes Kuchenkunstwerk verantwortlich. Diese Torte ist nur eine von vielen Motivtorten, die das Paar auf ihrem Backorphine vorstellt.

St. Pauli Kuchen Backorphine

Love in all heißt der Blog von Susi Stengl, die diesen Kuchen gestaltet hat. Eines können nur sehr erfahrene Experten für Fußballkuchen der Unterart FC St. Pauli erkennen. Dieser Kuchen war nicht der Profimannschaft gewidmet, er wurde für eine Spielerin beim FC St. Pauli gebacken. Wie es gemacht wird, erzählt Susi Stengl bei Love in all.

Fußball_Cake_Pops-1024x767

Als Profibetrieb gestaltete die Bäckerei Grimm eine Torte.

st_pauli_torte

Auf der Seite vom GAL-Politiker, Farid Müller. ist folgende Torte zu finden. Er war 2010 GAL-Abgordneter im Hamburger Senat, als der Verein anlässlich des 100. Vereinsjubiläums dort empfangen wurde und von der GAL-Fraktion diese Torte überreicht bekam.

geburtstagstorte_pauli

 

 

Sämtliche Folgen von Die schönsten Fußballtorten der Welt findet ihr mit einem Klick weiter.

Kees Jaratz nach dem Spiel beim FC St.Pauli Radio – Versprochen ist versprochen

Versprochen ist versprochen, das Wort wird nicht gebrochen; auch wenn ich am Dienstag geschrieben habe, diese 2:0-Niederlage gegen den FC St. Pauli möglichst schnell vergessen zu wollen. Damit der Kopf frei wird für den erhofften Erfolg gegen den FSV Frankfurt. Bei dem Gespräch gestern Abend mit Michael Hein wurde das Ganze also noch einmal sehr viel lebendiger.

Wir beide haben das Spiel ähnlich gesehen, obwohl Michael im Stadion war und ich vor einem Fernseher. Leichte Unterschiede deuteten sich an, als es um die Chancenzahl in der ersten Halbzeit ging. Da musste ich in Michaels Wertung reingrätschen. Vor allem aber habe ich festgestellt, den Schiedsrichter hatte ich gar nicht wirklich im Blick. Mir war er bis auf den Elfmeterpfiff überhaupt nicht sonderlich aufgefallen. Er war eben anwesend und pfiff manchmal Foul, verteilt auf beiden Seiten. Für Michael hat er das gesamte Spiel über sehr schlecht gepfiffen.

Bei diesem Gespräch habe ich erst gemerkt, wie sehr mich meine Hoffnung auf Erfolg immer wieder abgelenkt hat in diesem Spiel. Ich war doch oft damit beschäftigt, gedankenverloren auf den Bildschirm zu starren, weil ein Angriff des MSV frühzeitig unterbrochen wurde oder eine der große Chancen doch kein Tor ergab.

Zum Podcast geht es mit dem Klick auf das ganz unmissverständliche Symbolbild.

2015-09-17_Podcast2


JETZT BESTELLEN
Das Buch über den Sommer 2013 in Duisburg rund um den MSV bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 8,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Bloglisten

Advertisements

%d Bloggern gefällt das: