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Die schönsten Fußballtorten der Welt als Spieltagsvorbericht – XXVII – FC St. Pauli

Mit freundlicher Unterstützung von „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss“ präsentiert der Zebrastreifenblog in loser Reihe die schönsten Fußballtorten der Welt.

Wenn wir uns an den unglamourösen Fußball der Präprivat-TV-Historie erinnern, ernährte sich auch der gemeine Profi-Fußballer von Bier und Zigaretten. Ewald Lienen hingegen bevorzugte schon zu Oberligazeiten des MSV Müsli, wie wir aus den Erzählungen seiner Mitspieler wissen. War er als Trainer dann einer der ersten, die sich auch um die Ernährung ihrer Spieler kümmerten? Ich meine mich zu erinnern, die staunenden Geschichten über „Zettel-Ewald“ aus den Anfangstagen seiner Trainerkarriere kamen nie ohne den Hinweis auf den all umfassenden pädagogischen Ansatz seiner Arbeit aus. Wenn es sportlich gut lief, war das eine amüsante Randnotiz. Wenn es schlecht lief, war das das Einfalltor für die grundsätzliche Frage nach der Trainerentlassung.

Ob sich Ewald Lienen bei den Profifußballern heute noch immer mit Ernährungsfragen beschäftigen muss? Wahrscheinlich ist er gelasssener geworden. Und wahrscheinlich gibt es den Ernährungsberater als Kostenstelle im Saison-Etat und die Fußballer selbst sollen ja auch alle so ungemein vernünftig sein.  Alle wollen schließlich immer auch der Mannschaft helfen. Aber so ein Stück Kuchen vor dem Spiel gegen den MSV? Wär das nicht was? Schön schwer im Magen liegend. Ich hätte nichts dagegen, wenn die Laufbereitschaft des Gegners heute etwas beeinträchtig wäre.

Den Gleichschritt der drei Tabellenletzten hat der TSV 1860 München ja gestern aufgekündigt. Oder war es der SC Paderborn am Freitag schon? Das käme mir besser zupass. Euch wahrscheinlich auch, wenn ihr nicht vornehmlich wegen der Pauli-Fußballtorten vorbeischaut. Der Sieg ist an diesem Spieltag der Gleichschritt. Lieber MSV, nehmt euch Hannover 96 zum Vorbild. Ich schicke vorsichtshalber dennoch auch Bilder von St.-Pauli-Fußballtorten in die Welt. Vielleicht wirken ein paar Stücke Kuchen  auf unerklärliche Weise auf die Leistungsbereitschaft dieses FC St. Pauli. Mit allen Mitteln für den Sieg.

Mrs und Mr Backorphine sind für folgendes Kuchenkunstwerk verantwortlich. Diese Torte ist nur eine von vielen Motivtorten, die das Paar auf ihrem Backorphine vorstellt.

St. Pauli Kuchen Backorphine

Love in all heißt der Blog von Susi Stengl, die diesen Kuchen gestaltet hat. Eines können nur sehr erfahrene Experten für Fußballkuchen der Unterart FC St. Pauli erkennen. Dieser Kuchen war nicht der Profimannschaft gewidmet, er wurde für eine Spielerin beim FC St. Pauli gebacken. Wie es gemacht wird, erzählt Susi Stengl bei Love in all.

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Als Profibetrieb gestaltete die Bäckerei Grimm eine Torte.

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Auf der Seite vom GAL-Politiker, Farid Müller. ist folgende Torte zu finden. Er war 2010 GAL-Abgordneter im Hamburger Senat, als der Verein anlässlich des 100. Vereinsjubiläums dort empfangen wurde und von der GAL-Fraktion diese Torte überreicht bekam.

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Sämtliche Folgen von Die schönsten Fußballtorten der Welt findet ihr mit einem Klick weiter.

Kees Jaratz nach dem Spiel beim FC St.Pauli Radio – Versprochen ist versprochen

Versprochen ist versprochen, das Wort wird nicht gebrochen; auch wenn ich am Dienstag geschrieben habe, diese 2:0-Niederlage gegen den FC St. Pauli möglichst schnell vergessen zu wollen. Damit der Kopf frei wird für den erhofften Erfolg gegen den FSV Frankfurt. Bei dem Gespräch gestern Abend mit Michael Hein wurde das Ganze also noch einmal sehr viel lebendiger.

Wir beide haben das Spiel ähnlich gesehen, obwohl Michael im Stadion war und ich vor einem Fernseher. Leichte Unterschiede deuteten sich an, als es um die Chancenzahl in der ersten Halbzeit ging. Da musste ich in Michaels Wertung reingrätschen. Vor allem aber habe ich festgestellt, den Schiedsrichter hatte ich gar nicht wirklich im Blick. Mir war er bis auf den Elfmeterpfiff überhaupt nicht sonderlich aufgefallen. Er war eben anwesend und pfiff manchmal Foul, verteilt auf beiden Seiten. Für Michael hat er das gesamte Spiel über sehr schlecht gepfiffen.

Bei diesem Gespräch habe ich erst gemerkt, wie sehr mich meine Hoffnung auf Erfolg immer wieder abgelenkt hat in diesem Spiel. Ich war doch oft damit beschäftigt, gedankenverloren auf den Bildschirm zu starren, weil ein Angriff des MSV frühzeitig unterbrochen wurde oder eine der große Chancen doch kein Tor ergab.

Zum Podcast geht es mit dem Klick auf das ganz unmissverständliche Symbolbild.

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Selbstvertrauen stärken mit dem Hamburger Blick

Manchmal kann der Blick von außen Selbstvertrauen stärken. Schon Ewald Lienens Worte auf der Pressekonferenz nach der 2:0-Niederlage des MSV gegen den FC St. Pauli halfen, neuen Mut zu schöpfen. Bei WAZ/NRZ wird er in der Nachberichterstattung zitiert:

Wenn ihr so weiterspielt, wird das auch irgendwann belohnt

Darin steckt natürlich die Botschaft, Ruhe bewahren. Was man nicht selten von gegnerischen Trainern hört, die sich der anderen unterlegenen Mannschaft verbunden fühlen. Ob diese Prognosen dann auch eintreffen, müsste allerdings mal jemand nachprüfen. Dieser Satz aber war es ja nicht alleine. Hinzu kam Ewald Lienens Bemerkung, dass das Spiel auch anders hätte ausgehen können.

Wichtig ist der Zeitpunkt dieser Botschaft. Wir befinden uns am Anfang der Saison. Kurz vor der Winterpause hätten solche Worte weniger Gewicht. Nicht nur die Mannschaft kann ihr Selbstvertrauen mit Ewald Lienens Worten stärken, einige enttäuschte Anhänger des Vereins sollten sich seine Worte ebenfalls zur Brust nehmen. Schaut man sich im Netz um, gibt es viele Anhänger vom MSV, bei denen die Enttäuschung nach dem Spiel ihre großen Zweifel an der Mannschaft füttert.

Für alle mit diesen Zweifeln habe ich mal beim Online-Fanzine des FC St. Pauli, dem Übersteiger-Blog, nachgeschaut, wie dort das Spiel betrachtet wird. In Hamburg erinnert man sich noch an die letzte Saison, als St. Pauli lange Zeit in der Tabelle unten mit dabei war. Im Spielverlauf für den MSV erkennen sie einiges wieder. Die Wertung aus Hamburger Sicht bringt deshalb gegen die weiter starken Zweifel in Duisburg ebenfalls ein paar Argumente auf.

2015-09_pauli_uebersteiger

Zum gesamten Text weiter mit einem Klick. Also, weiter daran arbeiten: Positives mitnehmen. Enttäuschung vergessen.

Bitter, bitterer, am bittersten

Seit gestern Abend versuche ich die Ruhe zu bewahren. Das hat absolute Priorität. Nur mit Ruhe stellt sich der Erfolg ein. Keine Sorge darf vor dem Anpfiff des nächsten Spiels in unseren Köpfen sein. Die Mannschaft, ich, wir alle auf den Rängen, wir müssen gerade das nächste Spiel so beginnen, als gäbe es keine Vorgeschichte. Wir müssen im Heimspiel gegen FSV Frankfurt diese verdammte 2:0-Niederlage gegen den FC St. Pauli vergessen haben. Wir müssen vergessen haben, wie die Mannschaft in Hamburg so lange hat mitgehalten und wie sie tatsächlich die Chance besaß, einen oder gar drei Punkte mitzunehmen nach Duisburg. Wir müssen vergessen haben, wie die Mannschaft alles gab, was ihr möglich war und sie dennoch erneut verlor. Sonst lähmt die Enttäuschung. Sonst wächst die Angst, ohnmächtig den Niederlagen ausgesetzt zu sein. Zwei Punktespiele nacheinander gab es das Versprechen auf Erfolg. Wir müssen diese Spiele so vergessen, als hätte es sie nie gegeben.

Es war kein schönes Spiel zwischen dem FC St. Pauli und dem MSV Duisburg. Es gab keinen Spielfluss, es gab kaum erfolgreiche Spielzüge, Kombinationen, egal ob im Kurzpassspiel oder mit langen Bällen. Vielleicht kombinierte St. Pauli etwas erfolgreicher im Mittelfeld. Fast immer war damit aber an der Strafraumgrenze des MSV Schluss. Im ganz engen Raum besaßen die Hamburger auch keine spielerischen Möglichkeiten mehr. Sie passten vielleicht genauer, schossen aber mindestens ebenso unpräzise wie der MSV. Das Spiel bestand vor allem aus vielen aufreibenden Zweikämpfen.

Die klareren Möglichkeiten, ein Tor zu erzielen, besaß sogar der MSV. So frei wie in der 2. Halbzeit Kevin Scheidhauer – und  war es Steffen Bohl? – tauchte genau ein Spieler St. Paulis vor dem Tor der Duisburger auf, und das war Lasse Soblech, als er den Elfmeter zum Führungstreffer St. Paulis in der 70. Minute einschoss. Selten wird ein Elfmeter dieser Art gepfiffen, und wenn, so nennt ihn alle Welt unberechtigt. Einerseits. Andererseits bewegte sich Dustin Bomheuer ungeschickt in dieser Situation und gab dem Schiedsrichter Anlass zu glauben, sein Ziel sei nicht der Kopfball gewesen, sondern der Körper des Gegenspielers, den er mit dem Gewicht seines ganzen Körpers zu Fall bringen wollte. Es wirkte nur so aus einer bestimmten Perspektive, und das ist eine Kleinigkeit, aber es sind genau diese Kleinigkeiten, die den MSV momentan scheitern lassen.

Im Grunde haben es die Zebras vom Anpfiff an gut gemacht. Sie haben kein Spiel aufkommen lassen. Läuferisch und kämpferisch waren sie präsent. Auch in der Offensive konnten sie auf dem Niveau mithalten. Mit dem Pfostenschuss von Andreas Wiegel gab es auch in dieser ersten Halbzeit die größere Chance für den MSV. In der Halbzeitpause der Sky-Übertragung wurde das auch von einem verletzten Pauli-Spieler anerkennend angemerkt. Er hoffte für die 2. Halbzeit auf das Durchsetzen der spielerischen Überlegenheit.

Mit Beginn der 2. Halbzeit wurde das Spiel tatsächlich offener. Bis zum Elfmeterpfiff war aber überhaupt noch nicht entschieden, welche Mannschaft durch diese Offenheit bevorteilt werden würde. Natürlich war es wahrscheinlicher, dass St. Pauli den größeren Nutzen zöge. Abschlussschwach waren sie bis dahin aber immer noch, und wie gesagt, es war Kevin Scheidhauer, der völlig frei zum Schuss kam, auch wenn nach der Flanke der Ball nur schwer zu nehmen war. In diesem offener werdenden Spiel wurde in einer Spielsequenz auch wieder erkennbar, wie anfällig eine aufgerückte Mannschaft des MSV für Konter ist.

Das Spiel hatte Schwung aufgenommen, auch der MSV bekam etwas Raum. Ein Angriff wurde druckvoll vorgetragen, im Strafraum abgewehrt und schon lief der Konter, gegen den die Defensive machtlos wirkte. Ein einziges Mal kam das vor. Das nur angemerkt für all diejenigen, die glauben, der MSV hätte offensiver agieren müssen. An der Stelle war deutlich zu sehen, warum das ein ganzes Spiel nicht gelingen kann.

In solch einem Spiel wie gestern gibt es nur wenige Torchancen. Wenn die nicht genutzt werden, darf kein Gegentor fallen, sonst geht das Spiel verloren. Dieses Gegentor fiel mit Hilfe des Schiedsrichters, der den Elfmeter pfiff. Das zweite Tor wäre eine unbedeutende Zugabe geworden, wenn es nur nicht wieder Michael Ratajczaks gegenwärtiges Leistungsvermögen in den Blick gerückt hätte. Bei solchen Schüssen aus einer Distanz von knapp außerhalb Strafraums macht er momentan oft keine gute Figur.

Zu dem Zeitpunkt spielte die Mannschaft des MSV schon nur zu zehnt. Andreas Wiegel hatte verletzt ausscheiden müssen. Das Wechselkontingent war ausgeschöpft. Die Verletztung erweist sich heute als Kreuzbandriss, und das ist die andere bittere Nachricht, weil Andreas Wiegel in seinem ersten Spiel nach der letzten langen Verletzung sich mit einer starken Leistung präsentierte. Die Verletztung war die Folge eines Fouls von Marc Rzatkowski, für das er die gelbe Karte erhielt. Damit war er gut bedient. Es war eines jener Fouls, bei denen im Ansatz klar ist, der Gegenspieler ist das Ziel und der soll das gefälligst spüren. Diese Verletzung steigert den bitteren Nachgeschmack der Niederlage ins Unerträgliche.

Vergessen wir das alles wieder. Nur so entsteht nicht das Gefühl von Vergeblichkeit. Nur so lässt sich das Glück trotz der kleinen Fehler im Spiel des MSV auch manchmal zwingen. Am besten am nächsten Sonntag schon.

Kees Jaratz zu Gast beim FC St. Pauli Radio

Letzten Donnerstag sprach ich mit Michael Hein vom FC St. Pauli Radio. Der Podcast ist seit heute Nachmittag online. Fast 45 Minuten haben wir geplaudert – eine Zeit, in der ich u.a. Victor Obinna zu Obanni machte. Was mich über mein Gedächtnis nachdenken lässt und in Hamburg wahrscheinlich niemandem auffällt, da er heute Abend ohnehin nicht spielt. Zudem gab ich kaum einen Hinweis auf derzeitige Stärken des MSV sowie Spieler, die auf dem Platz stehen könnten. Hintergrund natürlich: Ich wollte den erhofften Erfolg nicht gefährden. Ewald hört nachher noch mit. Ansonsten war das eine sehr angenehme Plauderei: Ein Klick aufs Bild und schon könnt ihr sie hören.

2015-09_pauli

Hymnen auf Belek

Winterpausenlob

O Belek, in deutschkalten Wintern, du heilender Ort.
Wer deine so heiligen Rasen voll Glauben betritt,
dem fegst du die Hinrundenschuld und -fehler hinfort.

So viele gewannen durch dich ihren Glauben zurück.
Die Blinden erzielten die Tore  aus weiter Entfernung,
Die Lahmen erliefen sich Bälle und weinten vor Glück.

O Belek, wir werden dich immerzu  loben und preisen.
Du hilfst bei der Angst vor dem Abstieg und Meisterschaftssorgen.
O Belek, den Zweifelnden werden Siege im Spiel es beweisen.

 

Winterpausenlob (2015 dub remix)

O Belek, zuerst bei dir der SV Werder Bremen vom 6. bis 14. Januar.

Sonne, Tore  und  Erfolg.

O Belek, bei dir der VfL Borussia Mönchengladbach vom 8. bis 15. Januar.
O Belek, der DSC Arminia Bielefeld bei dir vom 9. bis 17. Januar.

Neuer Mann kommt gut. Neu ist gut, neu ist gut!

O Belek, der FC Augsburg bei dir vom 11. bis 19. Januar
O Belek, Hannover 96 bei dir vom 11. bis 20. Januar

Abstiegsangst. Abstiegsangst. Abstiegsangst.

O Belek, der 1. FC Kaiserslautern bei dir vom 12. bis 22. Januar.
O Belek, der FC St. Pauli bei dir vom 12. bis 22. Januar.

Der Geist im Team, der Trainingsspotter Muezzin.

O Belek, der SC Paderborn bei dir vom 13. bis 22. Januar.
O Belek, der BSC Freiberg bei dir vom 16. bis 23. Januar.

Über. Stark. Siege. Mut. Über. Stark.

O Belek, die SpVgg Greuther Fürth bei dir  vom 16. bis 24. Januar.
O Belek, Hertha BSC in Belek vom 18. bis 24. Januar.

Sonne, Tore  und  Erfolg.

O Belek, der 1. FC Nürnberg bei dir vom 19. bis 26. Januar.
O Belek, und auch die Offenbacher Kickers kommen vom 2. bis 9. Februar.

Alle kommen. Alle kommen. Alle hoffen. Alle hoffen.

Die Vierzig

Die Zweite Liga ist verdammt langweilig geworden. Zum dritten Mal nacheinander verspielt der 1. FC Köln seine nun auch wirklich allerletzte Chance, den dritten Tabellenplatz zu erreichen. Nächste Woche wird das mit großer Wahrscheinlichkeit sogar zum vierten Mal passieren. Da will ich mal hoffen, dass sich die Mannschaft unserer Zuneigung diesem Trend nicht anschließt. Mehr als ein viertes Unentschieden nacheinander sollte im Spiel gegen den FC St. Pauli gleich drin sein. Wenn dieses Mehr auch noch durch ein besseres Spiel zustande käme, als wir es bei den letzten beiden Malen gesehen haben, könnte ich auch den symbolhaften Gehalt der Vierzig, wie er im Wikipedia-Artikel zur Vierzig zusammengefasst wird, in Teilen bestätigen.

Dort heißt es, die Vierzig stände in Mythologie und Religion für „Prüfung“ und „Bewährung“. Was wir im Fußball ja tatsächlich kennen, wenn die Trainer von den notwendigen Zielen der Saison reden. Doch beides erhält in besagter Mythologie anscheinend auch eine deutende Richtung, die ganz im Gegensatz zur Symbolgestalt der Vierzig im Fußball steht. „Initiation“ und „Tod“ sollen ebenfalls mit ihr verbunden sein. Manchmal musste in so ein Symbol schon einiges reingepackt werden, damit es für das vielfältige Leben auch ordentlich angewendet werden konnte. Der Fußball fehlt im Wikipedia-Artikel übrigens völlig. In der Rubrik „Kultur, Literatur, Musik und Geistesleben“ hätten dazu weitere Sätze ausreichenden Platz.

Denn schließlich gilt die Vierzig im Fußball als Zahl  der Dauerhaftigkeit, des Ligaerhalts und der gemeinschaftlichen Erlösung. In der Vierzig verbindet sich die Hoffnung auf die Zukunft mit dem Blick auf die Mühsal des alltäglichen Frondienstes im sportlichen Wettstreit. Die Vierzig steht für Bescheidenheit und übersteigerten Optimismus zugleich.  Mich interessiert die Vierzig allerdings nur als Schwellenzahl, als eine Zahl des Übergangs und der Vergänglichkeit. Die Zweiundvierzig ist ihrem Wesen nach die sehr viel schönere Zahl. Die Zweiundvierzig steht für Vollkommenheit im Spiel, Sicherheit beim Torabschluss und gemeinschaftliches Feiern an Sonntagen vor Christi Himmelfahrt.

Typisch Duisburg – Von Stadtteilfreundschaft und Suche nach dem Selbstbild

Manchmal werden auch in Stadionzeitungen bunte Geschichten erzählt, die nur am Rande mit dem Fußball zu tun haben und mehr mit der Stadt, aus der der Gegner kommt. In Viva St. Pauli, der Stadionzeitung des FC St. Pauli, war anlässlich des Heimspiels am Sonntag gegen die Zebras, jene auch in den Duisburger Lokalmedien immer wieder gern erzählte Geschichte von der Stadtteilfreundschaft zwischen den beiden Hafenstadtteilen zu lesen. Ein freundliches Bild über Duisburg konnten die Zuschauer vom FC St. Pauli mit nach Hause nehmen.

Bei allem kritischen öffentlichen Reden über Duisburg, die Stadt braucht auch solche Geschichten. Das kam mir in den Sinn, weil neulich eine erste von der Bürgerstiftung Duisburg organisierte Diskussionsveranstaltung mit dem Thema „Typisch Duisburg“ die Zukunft Duisburgs zum öffentlichen Thema machen wollte. Es soll weitere Veranstaltungen dieser Art geben. Der Bericht der WAZ über die Veranstaltung findet sich mit einem Klick weiter hier. Im Blog von „Zebras Welt“  – nicht verwandt oder verschwägert –  gibt es Video-Clips von den Statements der Veranstaltungsteilnehmer. Unter anderem ist ein Oberbürgermeister Sören Link zu sehen, der momentan auf mich noch den Eindruck macht, als besäße auch sein Selbstbild von einem obersten Repräsentanten der Stadt Entwicklungspotenzial. Er präsentierte sich – noch – nicht als jemand, der einem Prozess vorangeht. Ich habe den Eindruck, sein Leitbild ist momentan vor allem das Funktionieren der Verwaltung, zum anderen scheint er sich mehr als Moderator in seinem Amt zu sehen. Von daher wird etwa auch verständlich, warum er sich erst relativ spät zur drohenden Insolvenz des MSV Duisburg öffentlich äußerte.

Die Einladung auf das Podium der Veranstaltung an den Oberbürgermeister ging zum Teil nach hinten los, weil wegen der Anwesenheit von Sören Link zunächst die Kritik an der Poltitk im Vordergrund stand. Die Konzentration auf die Qualitäten eines zukünftiges Duisburgs verlor sich wohl dabei für einige Zeit. Das passt zu einem Eindruck, bei dem ich mich gerne eines Besseren belehren lassen möchte. Mir geht es tatsächlich auch immer wieder durch den Kopf, neben der Kritik an Duisburg gibt es sowohl beim öffentlichen Reden als auch im Kneipengespräch nicht oft einen stimmigen Ton für Heimatverbundenheit. Neben der Kritik mangelt es an einem stabilen, positiv besetzten öffentlichen Bild von der Stadt, in dem sich Duisburger erkennen und auf das sie sich beziehen können. Wenn Duisburger sich in Duisburg wohl fühlen, dann meist als Ergebnis privaten Wohlgefühls. Das „anderswo ist auch scheiße“ klingt hier weniger selbstbewusst als in Bochum. Wie dieses Selbstbild sich zu einer Ruhrgebiets-Identität verhielte, wäre für mich im Übrigen eine besonders interessante Frage.

So sammel ich Momente wie die Stadtteilfreundschaft zwischen St. Pauli und Ruhrort als Futter für solch  einem stimmigen Ton der Heimatverbundenheit. So eine Stadtteilfreundschaft ist eine bunte Geschichte, die dennoch im Bild von Duisburg ihren Wert hat. Und weil der Hafen so zentral für die Geschichte Duisburgs ist, ist es kein Zufall, dass Ruhrort an einer weiteren Stelle, den Aktivitäten des Kreativkreises Ruhrort, über die Stadtgrenzen hinaus Strahlkraft gewonnen hat. Diese Aktivitäten wurden nicht als Projekt von oben in den Stadtteil hineingepflanzt, sondern ergeben sich aus dem Handeln vieler Einzelpersonen vor Ort. Das öffentliche Bild von Ruhrort und damit Duisburgs formt sich aus durch das Wirken an der Basis der Stadt. Genau das geschah, und es geschieht weiter, was die Veranstaltung der Bürgerstiftung auf anderer Ebene institutionalisieren möchte: bürgerliches Engagement. Es ist ein Balanceakt so etwas immer wieder als Erzählung in die Öffentlichkeit zu bringen und gleichzeitig damit nichts schön zu reden. Probieren wir ihn mal immer wieder.

Der Spielbericht als Verdrängungsarbeit

Gute Geschichten brauchen ein starkes Thema, auf das sich das Erzählte hin ausrichten lässt. Das ist selbst bei einem kurzen Text über ein Fußballspiel so. Das nahe liegende zentrale Thema bei einem Fußballspiel ist meist das Ergebnis des Spiels. Heute morgen allerdings kommt jedes starke Thema für die Geschichte vom  Spiel des MSV Duisburg beim FC St. Pauli in einen Konflikt mit einem sehr viel stärkeren Thema. Wenn es um den Tod geht, interessiert jedes Unglück ohne lebensbedrohliche Folge nur noch am Rande. Bis Donnerstag brauche der Verein 2,3 Millionen Euro, so meldet die WAZ.

Wenn 2.500 Duisburger Anhänger durch eine fünf Mann starke Sicherheitskontrolle mit bekannter Leibesvisation müssen, bilden sich schon mal längere Schlangen. Ich weiß nicht, ob alle zum Anpfiff dann im Stadion waren.

Bei dieser Nachricht muss ich schon einige Verdrängungsarbeit leisten, um mir die Bilder vom Auswärtsspiel der Zebras in Hamburg wieder in Erinnerung zu rufen. Und auch dann fällt mir nicht als erstes das Spiel selbst ein oder eine Szene aus dem Spiel. Mir fällt so eine merkwürdig leichte Stimmung ein, die ganz oft bei Begegnungen mit anderen Zebra-Fans zu spüren war und mich sehr an die Zeit vor dem Pokalendspiel in Berlin erinnerte. In Gesprächen war die drohende Insolvenz zwar Thema, aber was war daran in Hamburg im Moment zu ändern? Genauso wenig, wie an der Verletztenmisere etwas zu ändern war. Und so schien eine Stimmung zu entstehen, die sich unabhängig machte von der Gegenwart, die wieder enthüllte, dass Fußball mehr ist als das Spiel.

In Hamburg war wieder all das beobachtbar, was jede im Verein handelnde Person überdauert, so es in den Anhängern des MSV Duisburg, egal in welcher Liga spielend, lebendig bleibt. Und das war zu spüren, ob ich nun auf Anhänger der Zebras traf, die in Gruppen unterwegs waren, im Familienverband angereist waren oder sich gar alleine zum Stadion auf den Weg gemacht hatten. Diese Stimmung war entstanden unabhängig vom Alter. Es gab die jugendlichen Fans, die am Samstag eindeutig vorhatten die Nacht zum Tag zu machen. Da waren die Eltern von fast erwachsenen Kindern. Es waren die Rentner da und ihre Frauen.

Die fünf jungen MSV-Fans sammelten und nahmen Pfandflaschen an.

Anschließend fallen mir auch die bekannten Firmenschilder in gelb mit dem blauen Namen Hellmich ein, und ich denke an die rührigen jungen Pfandflaschensammler, die mit allem Einsatz ein Zeichen setzen wollten und niemals in auch mehr als drei Tagen annähernd so viele Flaschen sammeln könnten, um solch eine Summe Geld zusammen zu bringen. Oder ich denke an Chris Schulze, den Stadionsprecher, der mit dabei ist, eine „Retterparty“ am 14.12. in der Alten Feuerwache in Hochfeld zu organisieren. Ab 21 Uhr, Eintritt als Spende von € 5,02.

All das fällt mir ein,  und dann erst ärgere ich mich, weil mir die Geschichte von einem der kuriosesten Unentschieden vom MSV der letzten Jahre nur wegen weiterer drei Tore des FC St. Pauli zur 1:4-Niederlage durch die Lappen gegangen ist.  Was war das für ein unerwartetes Tor durch Benni Kern zum Ausgleich fast mit dem Pausenpfiff. Eine Flanke aus Verlegenheit schlug er in den Strafraum, so hoch und so langsam, dass sie wahrscheinlich von fast allen Zuschauern längst abgehakt war. Wir hatten keinen kopfballgefährlichen Stürmer im Strafraum, wir hatten nicht einmal einen Spieler im Strafraum. Und dann lassen die Verteidiger den Ball für den Torwart durch. Der aber dachte wahrscheinlich, mein Verteidiger wird schon köpfen. Und so titschte der Ball einmal auf und sprang über den Torwart hinweg ins Tor. Großartig! Von diesem Tor mussten sich eine Menge Zuschauer im Stehplatzbereich des Gästeblocks erzählen lassen. Wir standen ganz oben in Vierreihen mit oft sehr eingeschränkter Sicht. Der Umbau des Stadions durch das Unternehmen von Walter Hellmich ist noch nicht vollendet.

Die Hoffnung auf das Unentschieden blieb in der zweiten Halbzeit einige Zeit lebendig. Der FC St. Pauli kombinierte auch nicht sonderlich sicher, viele Pässe gingen ins Nichts. Die Heimfans brauchten die von Michael Frontzeck angekündigte Geduld. Michael Frontzeck konnte darauf setzen, weil seine Stürmer im Strafraum technisch sehr gut waren und so auf engem Raum sich durchsetzen konnten. Diese Durchsetzungskraft fehlte den Spielern der Zebras fast immer. Da gab es keinen der im Eins gegen Eins gefährlich wurde. Aber auch im Zusammenspiel wurde kein Druck entwickelt. Es fehlten die spielerischen Mittel, um gefährlich vor das Tor des FC St. Pauli zu kommen. Dennoch hielt sich die Mannschaft bis zum zweiten Rückstand im Spiel. Das Ergebnis klingt deutlicher als es der Spielverlauf bis dahin erwarten ließ.

Nach der gelb-roten Karte für Zvonko Pamic aber funktionierte die Defensivarbeit nicht mehr zuverlässig. Immer wieder fanden die Spieler vom FC St. Pauli nun die Lücken in der Abwehr, und die Hamburger Spieler genossen es, endlich ihrer Spiellaune nachgeben zu können. Auch deshalb fielen zwei weitere Tore, die Mannschaft hatte nach der gelb-roten Karte wirklich Spaß am Spiel, während die Zebras immer deutlicher ihre Schultern hängen ließen.

Mitzunehmen bleibt als Erkenntnis aber noch das Wissen, mit Roland Müller gibt es einen wirklich guten Torwart im Kader, der auf der Linie unglaublich stark ist. Unfassbar wie er zu Beginn der zweiten Halbzeit einen fulminanten Schuss vom Rand des Elfmeterraums durchs Gewühl hindurch noch hat halten können. Für einen Torwart ist er nicht sehr groß, und deshalb ist zudem zu vermerken, wie sicher und mutig er beim Herauslaufen wirkt. Warten wir ab, ob dieses Wissen über Roland Müller am Freitag noch von Belang für die Zukunft des MSV Duisburg ist.

Und Pressekonferenz mit realistischer, sehr präziser Einschätzung des Spiels von Kosta Runjaic, sowie die Stimmen nach dem Spiel gibt es ja auch noch.

Nacktrodeln am Millerntor

So, nicht mehr lange bis zum Anpfiff und irgendwie muss die Zeit rumgebracht werden. Zeitung lesen am Frühstückstisch, das Hamburger Abendblatt, und dazu später. Angesichts der Verletztenmisere sammel ich seit Freitag mal wieder die hoffnungsvollen Zeichen, die mir begegnen. Mein Fieber durch die Erkältung war gestern schon mal so weit wieder runter, dass ich in den Zug nach Hamburg habe steigen können. Schon mal ein gutes erstes Zeichen für das Spiel. Krankenstand auf Zuschauerrängen bessert sich. Dass ich dann vor dem Bahnhof sogleich dem Mannschaftsbus der Zebras begegnete, der den Tross wahrscheinlich gerade am Hotel abgeliefert hatte, passte dann ebenfalls gut.

Es fügte sich alles, Anschlüsse im Nahverkehr funktionierten reibungslos und die sich überall öffnenden Türen waren für mich mit einem Mal wie eine Defensive des FC St. Pauli, die dem Ball führenden Julian Koch nach einem unwiderstehlichen Antritt eine Lücke gewährt. Gedankenschnell nutzt er sie und kann, … aber so weit belaste ich die hoffnungsvollen Zeichen nie. Die Wirklichkeit muss ja auch noch was zu tun bekommen. Jedenfalls ist es auch ein Zeichen von Kosta Runjaic, dass Julian Koch von Anfang an spielt. Es wäre schön, wenn die Mannschaft ein Unentschieden mit nach Hause nehmen könnte. Wieder einmal gilt es die finanziellen Schwierigkeiten für 90 Minuten zu vergessen. Wieder einmal gilt es, ein Spiel mit der Last eines großen Nachteils anzutreten. Es fallen ja nicht nur sehr zentrale Spieler aus und fehlen mit ihren spielerischen Qualitäten der Mannschaft. Darüber hinaus muss ja die Hoffnung neu entfacht werden. Es muss sehr viel mehr im Kopf passieren, als ohnehin im Moment passieren muss. Jede zusätzliche Schwierigkeit mindert erst einmal Hoffnung. Doch die Unterstützung durch die Duisburger Zuschauer  wird da sein. Gestern Abend sind wir ihnen immer wieder begegnet. Die Hoffnung im Gästeblock wird vorhanden sein.

Im Gegensatz zu der Hoffnung im Harz. Und damit komme ich zurück zum Regionalen im Hamburger Abendblatt. Aber erst mal zum Sportteil: Dort konnte ich lesen, wie Michael Frontzeck das Spiel zu gewinnen hofft. Mit geduldigem Druck ausüben, was heutzutage nicht originell sondern das einzige Mittel ist gegen die erwartete dichte Defensive des Gegners. Was auch hier immer wieder betont wird, weiß Michael Frontzeck ebenfalls, es sei ein schmaler Grat zwischen Druckaufbau und Geduld gerade vor eigenem Publikum. Viel ließ sich der Hamburger Tageszeitung als Spielvorbereitung also nicht entnehmen. Dafür wurde ich aber mit etwas anderem belohnt, was im Regionalteil, betitelt mit „Der Norden“ zu lesen war. Und nun sind wir endlich beim Harz, beim Nacktrodeln und dem großen Verlust für die strukturell so benachteiligte Region:

Zu viele Zuschauer:
Nacktrodeln wird abgeschafft

Braunlage    Der Harz verliert eine seiner attraktivsten Großveranstaltungen: Das Nacktrodeln in Braunlage wird es nicht mehr geben. Grund sind die gestiegenen Zuschauermassen, die nicht mehr zu bewältigen seien, teilte der Veranstalter mit. Im vergangegen Winter hatten 25.000 Fans das Nacktrodeln sehen wollen.

Nun erfahre ich erst jetzt von diesem exquisiten Ereignis, ohne dass ich die Gelegenheit hatte zu seinem Ersticken im Erfolg beizutragen. Schade. Da gibt es nun etwas, was die Menschen den Harz wieder entdecken lässt, und dann sind es wiederum zu viele dieser Menschen. Es ist wie im Fußball, das Gleichgewicht lässt sich nicht immer leicht finden. Ich hoffe, der FC St. Pauli erweist sich gleich als die Nacktrodelveranstaltung Hamburgs.


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