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Wegwerfgesellschaft VfL Wolfsburg

Wenn ich mich im Moment zu Wort melde, könnt ihr sicher sein, da bewegt mich etwas sehr. Da es beim Verein aller Vereine im Moment ruhig ist, geht es um etwas anderes.  Irgendwann gibt´s immer ein erstes Mal. Ich musste dazu recht alt werden. Bestimmte Fußballvereine auf besondere Weise nicht zu mögen, gehört für viele Zuschauer ja zur Grundausstattung ihres Fandaseins. Bislang konnte ich mit zelebrierter Feindschaft nicht allzu viel anfangen. Mir sind andere Vereine immer gleich gewesen. Sie waren Gegner, die kamen und gingen, die besiegt wurden oder nicht. Sie spielten in anderen Ligen und erregten mal mehr, mal weniger meine Aufmerksamkeit.

Felix Magath nun schafft es mit seinem Wirken beim VfL Wolfsburg in dieser Saison, dass ich diesem Verein nicht nur den Abstieg gönne. Am besten sollten sich auch noch sämtliche Funktionäre überwerfen. Ein paar Rückrufaktionen des Spielerwagenparks wegen unklarer Bremsgeräusche der VW-Luxuslimousinen wären auch nicht schlecht, und als besonderen Spaß stelle ich mir einen feinen Lebensmittelskandal im Cateringbereich der VIP-Logen vor.

Ganz Kind seiner Generation scheint Felix Magath die Gedankenlosigkeit der Wegwerfgesellschaft in seinem Umgang mit Spielern auszuleben. Vielleicht weil dieses tiefe innere Bedürfnis in der Warenwelt inzwischen nicht mehr allzu offen seine Erfüllung finden darf. Passt nicht. Weg damit. Neues muss her. Mein Mitleid mit den Spielern hält sich angesichts ihrer Gehälter in Grenzen. Mir geht es um die Botschaft dieses Handelns. Wenn etwas nicht klappt, geben wir eben das nächste Geld aus. Ich habe den Unmut gegenüber dem Mäzenatentum von Dietmar Hopp nie so recht verstanden. In Wolfsburg wäre dieser Zorn gerecht. Dort spielt Geld in dieser Saison auf eine obszöne Weise keine Rolle.

In Tippspielen war bislang meine einzige nicht ganz sichere Bank der Sieg des MSV Duisburg. Die Niederlage des VfL Wolfsburg ist nun hinzugekommen. Ein bisschen Aberglauben gönne ich mir dort. Vielleicht folgt der prophezeienden Energie ja doch eine entsprechende Reaktion in der Wirklichkeit. Selbst wenn ich mir auf diese Weise meinen Schnitt beim Tippspiel versauen sollte. Ich will mir nicht vorwerfen müssen, ich hätte nicht alles versucht.

Keine Neuverpflichtung beim MSV Duisburg

Das stärkt mein Vertrauen in die sportliche Leitung des MSV Duisburg, im Moment also vor allem in Milan Sasic: Es wird kein weiterer neuer Spieler verpflichtet, berichtet Der Westen.  Dahinter steht nach allen aufgekommenen Gerüchten eine wohl begründete Entscheidung. Unabhängig von jeglichen Qualitäten des Spielers Rob Friend schien mir der Zeitpunkt des Interesses an ihm auf leichte Nervosität im Verein hinzudeuten. So sie denn vorhanden war, ist sie überwunden. Wir können uns den Lustkauf gegen Alltagsfrust nun mal nicht leisten. Da fehlt einfach VW im Haus, damit das Geld für Gute-Laune-Shopping-Touren immer reichlich vorhanden ist.

Fügung gibt es auch in Gelsenkirchen

Nun darf man sich vorstellen, dass beim Stochern im Nebel des Abwehrspiels beim FC Schalke 04 jeder, der im blauen Trikot mal vorbei kommt, zum möglichen Retter in der Not werden kann. Man sieht ja einfach die Hand vor Augen nicht mehr. Schon vor dem ersten Spiel des FC Schalke 04 in der Champions League war Frank Fahrenhorst kurz als möglicher Abwehrspieler für die erste Mannschaft vom FC Schalke 04 von einigen Journalisten erkannt worden. Dann hatte sich der Nebel doch wieder gelichtet und den Blick auf andere Spieler wieder frei gegeben. Doch zur großen Enttäuschung der Schalke-Welt haben sie die Mannschaft nicht aus dem nebelverhangenen Tal rausgeführt. Jetzt ist gerade immer wieder mal neben Christoph Metzelder nur noch Frank Fahrenhorst zu sehen. So etwas meinte ich gestern mit Fügung, als ich von dem sprach, was zur guten Spielweise des MSV Duisburg hinzukommen muss, wenn es um das große Nichtauszusprechende gehen soll. Da geht ein Spieler aus der Zweiten Liga in die Regionalliga um mit seiner Erfahrung der zweiten Mannschaft vom FC Schalke 04 Sicherheit zu geben, und plötzlich ward er beim Stochern im Nebel von Felix Magath gesehen. Was für ein Moment der Hoffnung, wenn man sich verloren glaubt und nun nicht mehr alleine fühlen muss. Da ist es auch erst einmal nicht ganz so wichtig, ob der entdeckte Mann im blauen Trikot die Abwehr wirklich aus dem Nebel führen kann. Möglich ist in Zeiten großer Verirrung alles. Durch Fügung eben.

Der bald zulässige Magath-Vergleich?

Ich habe die letzte Nacht unruhig geschlafen. Immer wieder wurde ich wach und musste daran denken, ob ich im heutigen Spiel des MSV Duisburg gegen den TuS Koblenz als Zuschauer fehlerlos bliebe. Schlaffes Stehplatz-Stehen gibt es bei mir zwar nicht, ich drücke das Kreuz immer durch und stütze mich nie auf einen Wellenbrecher, aber weiß ich, was Milan Sasic noch einfällt, wie professionelles Stehplatz-Stehen auszusehen hat? Ich mag es nicht, angeraunzt zu werden. Wenn mir jemand sagt, dass ich was falsch mache, soll er das im vernünftigen Ton sagen. Gestern Abend dachte ich wegen der Stimmung im Verein sogar kurz an ein Probestehen beim FC, hier in Köln, und habe mich nach dem Zähneputzen vorsichtig in ein paar Soldo-Raus-Rufen versucht.

Seit ich nun gerade den Clip von der gestrigen Pressekonferenz des MSV Duisburg gesehen habe, bin ich sehr erleichtert. Unbeschwert und motiviert gehe ich in das Spiel heute Abend, weil ich ein erstes Zeichen für die konstruktive Aufarbeitung der letzten Woche gesehen habe. „Der neue Sasic beim MSV“ titelt Der Westen. Auf der Pressekonferenz hat sich Milan Sasic ganz deutlich und ohne Vorbehalte dazu bekannt, Fehler gemacht zu haben. Zwar erklärte er an einem Beispiel, wie es zu seinen verärgerten Anrauzern kommt, aber er hat das fehlerhafte Verhalten eines Mitarbeiters nicht als Entschuldigung benutzt. Darauf kommt es an. Deshalb können wir seinen Worten glauben, er wolle dieses Verhalten abstellen. Das wird nicht einfach sein. Er wird Rat brauchen und Strategien, um seine gewohnten Wege zu verlassen. Wir wissen alle, wie schwierig so etwas ist, das rechte Maß, die passenden Worte und den richtigen Augenblick für Kritik zu finden.

Hört man sich seine Erklärung bei dem Einzelfall an, fallen mir sofort verschiedene Möglichkeiten auf, daraus zu lernen. Er schildert ein klassisches Beispiel für sich anhäufenden Ärger und einer vom Verursacher dann nicht nachvollziehbaren Überreaktion in dem Moment, wenn sich der Ärger entlädt. Hinzu kommt, nicht jede der Grundregeln im Fußballgeschäft scheinen alle Mitarbeiter zu kennen. In dieser Weise müssten solche Situationen von den Konfliktbeteiligten analysiert werden. Auch das ist schwierig, nicht umsonst gibt es im Bereich der Unternehmensberatung eine große Unterabteilung Konfliktmanagement.  Bruno Hübner ist da gefordert. Das dazu notwendige Vertrauensverhältnis zu Milan Sasic scheint mir gegeben. Die Pressekonferenz machte jedenfalls diesen Eindruck.

Oft wurde Milan Sasic in den letzten Tagen zur Verteidigung seiner Persönlichkeit und seines Verhaltens mit Felix Magath verglichen. Bislang war dieser Vergleich unzulässig. Im von den Medien tranportierten Bild erweist sich Felix Magath vielleicht so autoritär wie Milan Sasic, sein Verhalten aber sowohl Fußballern gegenüber als auch den anderen Vereinsangestellten wirkt rationaler und kalkulierter. Zudem konnte er seine Vorstellungen von Professionalität viel strategischer durchsetzen als es Milan Sasic beim MSV Duisburg je möglich sein wird. Milan Sasic kann nicht die Strukturen beim MSV Duisburg von jetzt auf gleich verändern, wie es Felix Magath sowohl zu Beginn seiner Zeit beim VfL Wolfsburg als auch beim FC Schalke 04 gemacht hat. In Duisburg fehlt dazu das Geld. Milan Sasic muss seine Vorstellung von professionellerem Arbeiten mit den vorhandenen Mitarbeitern verwirklichen.

Das geht nicht von jetzt auf gleich und man muss diese Mitarbeiter bei der Veränderung mitnehmen, sonst torpedieren sie die Anstrengungen. Das kennen Unternehmensberater aus ihrem Berufsalltag und machen daraus amüsante Kurzvorträge, die manchmal sehr an das Geschehen beim MSV Duisburg erinnern.

Nach dem Spiel gegen Hansa Rostock war von Anfang an klar, allein aufgrund der finanziellen Lage wird der MSV Duisburg mit Milan Sasic in die nächste Saison gehen. Für mich war die alles entscheidende Frage für die zukünftige Stimmung im Verein, wie sehr würde Milan Sasic seine starke Position im Verein gegen die entstehende öffentliche Stimmung ausspielen. Er ist einer möglichen Versuchung nicht erlegen, vielleicht hat es sie gar nicht gegeben. Im Gegenteil seine Worte tragen zur Verbesserung der Stimmung bei. Sie lassen hoffen, dass der Vergleich mit Felix Magath in der Zukunft einmal stimmen könnte. Dass ich dabei auch an den möglichen Erfolg denke, versteht sich von selbst.


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