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Ein Fußball für St.Pauli- und Zebra-Fans

Wenn keine Tore in einem Spiel fallen und wir dennoch nicht gelangweilt sind, muss in diesem Spiel etwas zu erleben gewesen sein, für das sich der Fußball in seiner schon immer vorhandenen Weise lohnt. Das Spiel vom MSV Duisburg beim FC St. Pauli war das komplette Gegenmodell zum Fußball als Unterhaltungsprodukt. Es war ein Spiel für die Anhänger dieser zwei Mannschaften auf dem Platz. Es war ein Spiel ohne viele Torgelegenheiten. Es war ein Spiel voller Fehler, über die wir uns ärgern konnten. Es war ein Spiel, in dem wir dennoch immer wieder neu auf ein Tor hoffen konnten, ein Tor aus dem Nichts, wie es nun einmal im Zufallssport Fußball geschehen kann.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber dass mich dieses Spiel gepackt hat, macht mich für sämtliche Super-Hyper-Mega-Fantasie-Ligen mit irgendwelchen Super-Hyper-Mega-Stars als Zielpublikum ungeeignet. Gerade habe ich gelesen, die Generation der 20-30jährigen empfindet das aufgesplittete Fußballangebot als attraktiv. Ich weiß nicht, wer die Umfrage gemacht hat. Wahrscheinlich waren es die, die mit dem Unterhaltungsangebot Fußball nicht nur Geld verdienen wollen, sondern getreu dem Leitgebot unserer Welt Umsätze steigern und Profite maximieren wollen. Was mit einem Zufallssport nur unter erschwerten Bedigungen geschieht. Es sei denn, man kontrolliert immer mehr die Zufälle. Bei Klub-WM jedenfalls denke ich an Zirkus oder Wrestling und nicht mehr an einen Wettbewerb.

Der eine Punkt auf St. Pauli ist für mich ein Erfolg. Ich gehöre nicht zu der doch zahlreichen Anhänger-Fraktion, die mangelnden Mut beklagt und die vergebene große Chance auf drei Punkte bedauert. Ich habe keinen mangelnden Mut gesehen. Im Gegenteil, wenn ich diese Mannschaft in den letzten Spielen sehe, wie sie sich aus der eigenen Defensive mit kurzen Pässen ins Mittelfeld spielt, ob gegen starkes Pressing oder halbherziges Anlaufen, dann bin ich immer wieder vom Mut dieser Spieler beeindruckt. Da sehe ich, wie aus Mut Sicherheit geworden ist. Natürlich gab es im Verlauf des Spiels zwei bis drei Ballverluste auf dieser Strecke, die mich in Schockstarre fallen ließen. Aber diese verlorenen Bälle führten in diesem Spiel zu keinen großen Chancen der Hamburger.

Ich weiß, die Forderung nach mehr Mut bezieht sich auf das Offensivspiel. Doch mehr Offensivkraft bedeutet weniger Stabilität in der Defensive. Dieses Risiko muss in den Spielen gegen Ingolstadt und Sandhausen eingegangen werden. Gegen St. Pauli war dieses Risiko fehl auf dem Platz.

Die wirklich großen Chancen für St. Pauli hatte es nur in den ersten sechs Minuten gegeben. Einen Dreischritt haben wir gesehen von einer großen Chance über die sonst vom freien Alex Meier im Schlaf verwandelte Chance hin zum Billardball, der bei nur minimal veränderten Abprallwinkeln am Nauber- oder Wiedwaldkörper ins Tor getrudelt wäre. Damit war der Druck auf das Duisburger Tor aber fast schon vorbei. Danach gewannen die Zebras ihre Sicherheit und versuchten sich selbst im Spiel nach vorne.

Vor dem Tor von St. Pauli wurde das dann eine übersichtliche Angelegenheit. Der Ball kam einfach nicht in die Spitze zu John Verhoek. Wenn es Torgefahr gab, entstand sie durch Dribblings aus dem Mittelfeld heraus. Meist war es Cauly Souza, der sich beim Zug Richtung Tor versuchte. Sein Schuss ging auch an den ausgestreckten Arm von St. Paulis Defensivmann. Natürlich gab es schon genügend Elfmeterpfiffe in solchen Situationen. Der MSV bekam diesen Elfmeter nicht. Schiedsrichter nutzen Entscheidungsspielräume. Wahrnehmung ist individuell. Als Erklärung für die Entscheidung gab es wohl die Nähe des Verteidigers zum Schützen. Nun ja, diese Distanz war nicht wirkich nah, aber auch nicht deutlich weit. Wir Menschen legen Regeln aus, zum Nachteil des MSV in diesem Fall.

In der zweiten Halbzeit habe ich im Grunde genommen nur auf das Glückstor des MSV gehofft und das Glückstor St. Paulis befürchtet. Zwar versuchte St. Pauli mehr Druck zu entfachen. Es gelang ihnen nur nicht. Zwei Schüsse blieben das Ergebnis. Einmal war es noch wirklich gefährlich, doch Felix Wiedwald reagierte stark. Den zweiten Schuss brauchte er nur aufzunehmen. Ein freier Schuss genau auf Mann, den nehmen wir gerne.

Als Ahmet Engin für John Verhoek eingewechselt wurde, hoffte ich kurz auf die etwas andere Spielweise des MSV vor dem Strafraum. Harvard Nielsen war in die Mitte gerückt. Er ist wendiger als Verhoek, aber bei hohen Bällen natürlich weniger präsent. Doch Engin konnte sich am Flügel kaum durchsetzen. So kam es gar nicht erst zu Kombinationsversuchen mit Nielsen oder anderen Spielern vor dem Strafraum. Gefährlich wurde es für St. Pauli nicht mehr. Hans Albers mit seinem Trostlied musste nicht hervorgeholt werden.

In meinem Tabellenrechner war eine Niederlage verzeichnet. Der MSV ist nun einen weiteren Punkt im Plus. Wir wissen aber alle, entscheidender sind die Spiele gegen Ingolstadt und Sandhausen.

Zwölf unerhörte Aussagen über das Spiel von Jahn Regensburg gegen den MSV

  1. Ein gerechtes 1:1-Unentschieden im Spiel von Jahn Regensburg gegen den MSV Duisburg zeigt auch, warum die Heimmannschaft oben in der Tabelle steht und die Zebras unten. Gerade deshalb lässt das Unentschieden in Duisburg die Zuversicht zurückkehren gegen spielstärkere Mannschaften auch Punkte erringen zu können.
  2. Das Spiel war in der Schlussphase für Anhänger der Zebras wieder einmal gesundheitsbedrohlich. Vom zu hohen Blutdruck ganz zu schweigen, drohten Knochenbrüche den anderen Anhängern des MSV im Ostende um mich herum. Die Barhocker, auf denen sie saßen, hätte ich kurz vor dem Schlusspfiff fast weggetreten. Als die Zebras den Ball nicht aus dem Duisburger Strafraum rausbekamen, standen diese Barhocker mir bei meinen Befreiungsschlägen aus der Ferne doch sehr im Weg.
  3. Felix Wiedwald hat die Situation schließlich für die Mannschaft und uns alle geklärt. Zuvor schon hatte er zwei- oder dreimal (?) mit großartigen Reflexen todsichere Chancen der Regensburger zunichte gemacht. Bei undurchsichtigen Situationen im Strafraum hat er wahrscheinlich laut „Leo“ gerufen und „Jetzt lasst mich mal alleine machen. Lasst die endlich schießen.“ Wahrscheinlich hat er abends in Duisburg noch reihenweise allen möglichen fallenden Kram lässig aufgefangen. Und auch den Führungstreffer der Regensburger zum 1:0 hätte er bestimmt verhindert, wenn der Ball nicht durch einen in die Schussbahn rutschenden Spieler der Zebras abgelenkt worden wäre.
  4. Trotz der Vorteile für Regensburg in der ersten Halbzeit war die Führung des Jahn nicht unbedingt erwartbar. Den kontinuierlichen Druck auf das Duisburger Tor gab es nach der Anfangsphase nicht mehr. Doch in den ersten zehn Minuten des Spiels war der Qualitätsunterschied der Mannschaften offensichtlich. Die Defensive des MSV wurde ein ums andere Mal überwunden.
  5. Der MSV überstand die Anfangsphase und versuchte vor allem mit langen Bällen selbst ins Spiel zu kommen. Chancen ergaben sich keine. Cauly Souzas Schuss nach einem schnellem Umschaltspiel war für mich zu ungefährlich, um als wirkliche Chance durchzugehen. Im Grunde war dieser Abschluss bezeichnend für die Offensivkraft der Mannschaft. Es fehlte im und rund um den  Strafraum fast immer die Präzision bei Pässen, Ballverarbeitung und Schüssen.
  6. Entsprechend sahen die wenige Kontermöglichkeiten in der ersten Halbzeit bei Balleroberungen im Mittelfeld aus. Kam ein Spieler in Ballbesitz, legte er ihn sich zu weit vor.
  7. So wirkte der MSV in der ersten Halbzeit spielerisch unterlegen.
  8. Nach der Pause änderte sich das Bild, weil die Zebras aus langen Bälle in die Spitze halblange Bälle machten. Die Mannschaft entwickelte ein sicheres Kombinationsspiel aus der eigenen Hälfte heraus. Sie ließen die Regensburger laufen und gaben ihnen das Gefühl vergeblich pressen zu wollen.
  9. Dieses sichere Kombinationsspiel, manchmal gegen ein Pressing bis an die eigene Torauslinie, beeindruckte. Sowohl Gerrit Nauber als auch Tim Albutat erwiesen sich immer wieder als  nervenstark und ballsicher. Wenn hier die Vorwärtsbewegung im Blick ist, darf die Defensivleistung in der zweiten Hälfte nicht vergessen werden. Enis Hajri hatte ausgewechselt werden müssen. Doch Gerrit Nauber strahlt wieder jene Sicherheit und Ruhe aus, die wir in der letzten Saison von ihm kannten. Er gibt einem U19-Spieler wie Vincent Gembalis den Rückhalt für dessen Leistung.
  10. Der Qualitätsunterschied beider Mannschaften zeigt sich in der zweiten Halbzeit dadurch, dass die Spielkontrolle durch den MSV kaum Torchancen schaffte. Mit ähnlicher Überlegenheit schufen die Regensburger jedes Mal sehr große Torgefahr. Den Zebras  fehlte einmal mehr in der Spitze die Sicherheit des Zusammenspiels. Die nötige sehr schnelle Ballverarbeitung gelingt einfach nicht präzise genug.
  11. Der Ausgleich zuvor war durch einen Elfmeter gefallen. Der Torwart der Regensburger war in den eigenen Verteidiger und John Verhoek gesprungen, hatte zu fausten versucht und traf Verhoek am Kopf. Der Schiedsrichter pfiff Foul. Kevin Wolze zeigte sich nervenstark und verwandelt den Elfmeter sicher. Es war ein wichtiges Tor, nicht nur weil damit nach dem Abpfiff der Punkt gesichert wurde, sondern auch weil es den Aufwand der Mannschaft belohnte. Solch eine Belohnung für ein mutiges Kombinationsspiel kann weitere Stabilität bringen.
  12. Bei Angst vor dem Abstieg befragen Sie den Tabellenrechner von Kees Jaratz. Da ich die Ergebnisse für den MSV so schlecht wie möglich bei gleichzeitigem Klassenerhalt prognostiziert habe, befindet sich der MSV mit dem Unentschieden in Regensburg nun schon einen Punkt im Plus. Morgen werdet ihr sehen, wie gut das aussieht.

Ein 1:0 als romantisches Liebesdrama

Vorfreude vor dem Spiel

Welch romantische Liebesgeschichte haben wir alle am Freitag erlebt. Natürlich wird ein erster Kuss von einem man der eine woman zunächst hoffnunglos geliebt hat und sie dann doch irgendwann in den Armen hält nicht so ekstatisch bejubelt wie ein Siegtor in der Nachspielzeit. Aber dieser Jubel beim Kuss vor Publikum, den kenne ich aus amerikanischen Romantic Dramas, nachdem die Geschichte so erzählt wurde, wie das Spiel zwischen dem MSV und dem 1. FC Magdeburg sich entwickelte. Ich habe sofort sowohl Struktur als auch Bilder vor Augen. Zwei glückselige Gesichter nach dem einen so lange erwarteten Kuss. Die Kamera zieht in die Totale zurück. Wir sehen eine Menschenmenge, die erst erwartungsvoll zugeschaut hat und dann in Jubel ausbricht.

Wir auf den Rängen haben dem Ringen des MSV mit dem 1. FC Magdeburg um die große Liebe, den Sieg, nie ganz still zugeschaut. Wir haben geschrieen und die Zebras angefeuert, schon in der ersten Halbzeit, besonders aber als es Mitte der zweiten Halbzeit so schien, der MSV könne dauerhaften Druck auf das Magdeburg Tor entwickeln. Diese Illusion war nach etwa zehn Minuten vorbei. Von da an waren wir aus Sorge immer auch zur rumorenden Menge geworden. Von da an gab es nur noch zwischendurch vereinzeltes Aufbäumen auf den Rängen gegen das torlose Unentschieden, das wieder ein halbgares Ergebnis gewesen wäre. Nichts, aus dem sich hätte Hoffnung ergeben können, aber auch kein kräftiger Zug Richtung Abstieg.

Die Zebras hatten den Sieg dieses Spieltags vor einer Woche nur aus der Ferne einmal kurz gesehen. Das reichte für die schönsten Träume. Wenn es mit diesem Sieg etwas werden könnte, so dachten alle, ließe sich wieder vorsichtig in die Zukunft sehen. Enttäuschte Hoffnungen der letzten Wochen könnten endlich ganz vergessen werden. Doch kaum malte sich jeder dieses wunderbare Zusammenkommen von MSV und Sieg in den schönsten Farben aus, betrat der 1. FC Magdeburg die Spielfläche. Nach dem Anpfiff des Films, war eines sofort klar: Die Magdeburger hatten sich in Schale geworfen und wollten auch ein erstes Date mit diesem so besonderen Sieg.

Doch die Zebras ließen sich zunächst nicht von den Absichten der Magdeburger beeindrucken. Kühl ließen sie jedes frühe Pressing dieses Nebenbuhlers ins Leere laufen. Vielleicht waren Andreas Wiegel und Ahmet Engin in der eigenen Hälfte manchmal etwas nervöser, wenn sie im Ballbesitz waren. Im Großen und Ganzen aber wirkten die Zebras überraschend stabil, wenn sie den Ball im Kurzpassspiel nach vorne bringen wollten. Den Ball sicher behalten und geordnet in den Angriff kommen. Die Defensive nie vernachlässigen. Das war die Devise. Bis zur Strafraumgrenze der Magdeburger gelang dieser Ballvortrag auch. Danach war allerdings Schluss. Weder Pass noch Flanke kamen gefährlich vor das Magdeburger Tor. Einen Ertrag aus der erst bestehenden Spielkontrolle gab es nicht.

Das überrascht nicht, wenn wir uns das Romantic Drama ansehen. Der Liebende kommt an die Angebete trotz allen Mühens nicht ran. Im Gegenteil, irgendwann trifft sich die Angebete sogar mit einem anderen. Wir hätten also wissen können, dass die Magdeburger noch vor der Pause mit dem Sieg fast so weit schienen, dass sie sich nicht nur das erste Mal geküsst hätten. Die wären gleich zusammen ins Bett gehüpft, und der Heiratstermin hätte binnen weniger Minuten festgestanden. Doch Felix Wiedwald hatte etwas dagegen. Er wollte dieses Ende nicht sehen. Er hielt, was zu halten war. Einen besonders gefährlichen Schuss lenkte er an die Latte. Wir hätten also eigentlich gleich beruhigt sein müssen. Welches Romantic Drama endet schon nach 45 Minuten mit einer Hochzeit? Im Stadion hat man das so allerdings nicht parat. Ich war ganz drin in diesem Film. Ich verzweifelte allmählich. Sollten etwa gar nicht meine Helden des Romantic Dramas zusammenkommen?

Die Magdeburger hatten bei ihrem Kampf um das Herz des Sieges eine schwere Verletzung zu beklagen. Christian Beck war mit Enis Hajri bei einem Kopfballduell zusammengestoßen. Wie sich später herausstellte, hatte Beck einen Jochbeinbruch erlitten. Enis Hajri konnte nach dem Tackern seiner Platzwunde weiterspielen.

Nach der Pause setzte sich das Spiel erst einmal ereignislos fort. Auch das kennen wir aus aus dem Romantic Drama. Die Zeit nach dem ersten Höhepunkt ist besonders schwer zu gestalten. Vielen Filmen mangelt es in diesen Szenen an Spannung und Emotion. Irgendwie muss die Zeit gefüllt werden und den schlechten Geschichten fehlt die Tiefe für etwas Neues. Man sieht immer dasselbe. Dann bleibt Raum für Nachdenken und Fragen. Etwa: Tim Albutat macht aus dem Stand heraus ein sehr gutes Spiel. Oder: Schafft Moritz Stoppelkamp zumindest Räume für seine Mitspieler, wenn er nicht in Ballbesitz ist? Läuft er so viel und zieht Gegenspieler auf sich, dass die Flügel frei werden? Sobald er den Ball hat, wirkt er wie ein Schatten seiner selbst. Einmal habe ich sogar gedacht, Pässe auf ihn sind Pässe zum Gegner. Ich war in dem Moment aber auch komplett ohne Hoffnung. Ich sah nicht, wie die Mannschaft torgefährlich werden könnte. Flanken gingen weiterhin ins Leere. Schöne Kombinationen endeten dort, wo es wirklich gefährlich wurde.

Zu meiner Beruhigung hielten die Magdeburger aber auch ihre Anstrengungen wieder in Grenzen. Wäre mir das Romantic Drama bewusst gewesen, hätte ich gewusst, im letzten Drittel des Films geht unser Held noch einmal aufs Ganze. Der MSV verstärkte den Druck. Das Stadion nahm diese Energie auf. Für wenige Minuten wollten auch wir den Ball ins Tor schreien. Den Schlusspunkt dieser kurzen Drangphase setzte ein Freistoß, der kläglich vergeben wurde. Danach schien die Mannschaft erst einmal wieder ohne Energie zu sein. Wenigstens den Ball in den eigenen Reihen halten. Kontrolliert sein, kein Gegentor einfangen. Aber wie sollte auf diese Weise der Sieg jemals einen erhören?

Ekstase nach dem Spiel

Es lag eigentlich auf der Hand. Kurz vor Ende des Films sollte jene Situation sich wiederholen, an der unser Held beim ersten Mal so kläglich gescheitert war. Die Zebras kamen noch einmal in jene Situation, die der beginnenden Drangphase ein jähes Ende gesetzt hatte. Ein Freistoß natürlich. Dieser von Kevin Wolze getretene Freistoß flog dieses Mal in den freien Raum des Magdeburger Strafraums. Enis Hajri lief perfekt hinein und köpfte die Zebras zum Sieg. Das Romantic Drama hatte sein Happy End für die Zebras. Oft folgt diesem Kuss des Paares am Ende noch ein kurzer Epilog – ein paar Monate später: Hochzeit, Schwangerschaft oder eine andere Zukunftsaussicht. Uns gefiele das natürlich auch gut. Das Insert: Drei Monate später. Dann nur noch Bilder, und ihr wisst, welche Bilder ich nach diesem Insert sehen möchte.

Felix! Der vom Glück begünstigte und erfolgreiche

Irgendwie ist mir bei dem Leihgeschäft mit Felix Wiedwald nach alter Spruchweisheit à la „man muss die Feste feiern, wie sie fallen“. Das gilt es jedenfalls mal festzuhalten: Felix als Vorname mit Wurzeln im Lateinischen bedeutet ja „vom Glück begünstigt“, „glücklich“ oder „erfolgreich“. Andererseits wäre Felix Wiedwald nun nicht beim MSV, wenn dieser Name schon seine prägende Kraft für die Wiedwald-Karriere vollends gezeigt hätte.

So gibt es neben den Zusammenstellungen seiner besten Paraden wie im folgenden Clip auch jene Clips von enttäuschten Fans in England, die seine Patzer dort zusammenstellten. Uns interessiert natürlich nur das Beste vom Guten wie diese Aktion unten ab Min. 0.29.

 

Wie soll ich nun sagen? Auf die Verpflichtung eines weiteren Torhüters haben wohl die wenigsten von uns als erste Transferaktivität in der Winterpause gehofft. Sehr viel mehr als ungünstig platzierte Freistoßmauern und den einen Meter zu weit stehen vor der Torlinie haben uns ja in den letzten Spielen die vergebenen Torchancen beschäftigt.

Allerdings erinnert Felix Wiedwald an das Wiedererstarken des MSV unter Kosta Runjaic.  Er erinnert an vorsichtige Hoffnungen auf kontinuierliche Weiterentwicklung des Kaders. Er kommt mit einer Aura des Zebra-Erfolgs zum MSV. Zudem hat er dem MSV bei Youtube zu millionenfachen Klickzahlen verholfen. Der Schiedsrichter im Pokalspiel gegen den Karlsruher SC war seinerzeit so verunsichert, dass er Felix Wiedwald nach dem Führungstreffer des KSC kurz vor dem Schlusspfiff die rote Karte zeigte. Damals dachte ich, der gute Ruf von Felix Wiedwald sei gefährdet, weil die Print-Kollegen den Schiedsrichter tatsächlich ernst genommen hatten. Heute zeigt sich, die Fußballwelt war sich im Unverständnis mit den Spielern des MSV und uns auf den Rängen einig.

Willkommen zurück, Felix Wiedwald. Auf die Aura des Klassenerhalts, die du mitbringst!

Ich hab noch ein paar Fotos aus Berlin

Ganz einfach ist es heute nicht mehr, eine Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiv in ein Stadion mitzunehmen. Selbst, wenn die Güte des Objektivs mittelmäßig ist und die Kamera für digitale Zeiten uralt. Wahrscheinlich gibt es inzwischen Kompaktkameras, die Fotos von erheblich besserer Qualität liefern. Aber DFL-Vorschrift ist Vorschrift, und nicht alle Vereinsvertreter der Liga machen sich die Mühe der Unterscheidung. Sogar wenn im Fall des Zebrastreifenblogs gleichzeitig der journalistische Identitätsnachweis die Mitnahme befördern könnte. Um so auffälliger war auch in diesem Fall der 1. FC Union Berlin, wo mir durch die Presseabteilung schnell und unkompliziert das Mitnehmen der Kamera ermöglicht wurde. So gibt es noch ein paar Fotos aus Berlin, auch wenn so ein Blick durch den Sucher für mich höchstens vor und nach dem Spiel machbar ist.

Klassenerhalt als Vorprogramm zum Open Air in Köpenick

2013-05-12_union-msv 007Wir alle freuen uns über den endgültigen Klassenerhalt des MSV Duisburg. Das ist keine Frage. Schöner aber fühlt sich so ein Klassenerhalt an, wenn er durch einen eigenen Punktgewinn zustande kommt. Das ging uns auf den Rängen nach der 2:1-Niederlage im Auswärtsspiel gegen den FC Union Berlin genauso wie Kosta Runjaic und den Spielern. Richtig ausgelassen schien mir also niemand gewesen zu sein. Die Stimmung war gelöst. Richtiger Ärger kam über die Niederlage nicht auf. Doch das leichte Bedauern machte sich trotz des Lächelns in den Gesichtern immer wieder bemerkbar.

Zu verstehen war es kurz nach Spielende nämlich nicht, warum der MSV  Duisburg dieses Spiel verloren hat. Mit etwas Abstand sind die Fehler zu erkennen. Doch gestern fühlte sich schon der Ausgleich von Union wie der dramaturgische Fehler in einem Gute-Laune-Familienfilm an. Diese Führung passte einfach nicht zu der zuvor noch gesehenen spielerischen Leistung der Berliner, 2013-05-12_union-msv 035die bis zum Ausgleich aus eigener Kraft heraus zu keiner Chance kamen. Zwei-, dreimal wurde es gefährlich, weil in der Defensive des MSV Verlegenheitsschüsse von Union zu kurz in die Mitte geklärt wurden, an einen Fehlpass kann ich mich auch erinnern und das war es dann. Die Offensive des MSV war in der ersten Halbzeit nicht besser. Wir konnten die Hoffnung aber auf Standards setzen. Denn Eckstöße sind inzwischen variantenreich und an guten Tagen torgefährlich. Gestern war ein guter Tag. Erst ein freier Schuss über das Tor und dann der abgeblockte Seitfallzieher von Sören Brandy als spektakuläre Torchance. Das dürfen Sören Brandy und Jurgen Gjasula gerne wiederholen. Nicht immer steht ein Abwehrspieler im Weg.

2013-05-12_union-msv 047Nach der Pause gelangen zudem die Kombinationen immer öfter auch bis in den Strafraum hinein, zumal die schnelle Führung durch Kevin Wolze diesem Angriffsspiel weitere Sicherheit gab. Das Tor belebte jedenfalls das Spiel. Schnell war zu merken, Union wollte vor dieser fantastischen Heimspielkulisse nicht verlieren. Besser wurde das Berliner Zusammenspiel allerdings zunächst nicht, nur ungestümer und energischer. Das reichte aber, um das Spielgeschehen Richtung Duisburger Tor zu drängen. Die unangenehme Konsequenz war der Ausgleich. Noch immer aber hatte ich nicht das Gefühl, dieses Spiel könne verloren gehen. Jurgen Gjasula erhielt die Chance zur erneuten Führung. Alleine vor dem Torwart stehend zielte er genau in dessen Arme. Wir hatten den Eindruck, weil er schon alleine an der Strafraumgrenze stand, glaubte er für einen Moment, er habe im Abseits gestanden. Zu viel gedacht.

Wer kurz danach aber im Strafraum so ungeschickt foult wie Goran Sukalo,  wird bestraft. Vom Gästeblock haben wir2013-05-12_union-msv 064 dieses Foul nicht sehen können. Für uns kam der Pfiff in einer Spielsituation, die nicht sonderlich gefährlich wirkte. Leider konnte Felix Wiedwald seine Rettungstat aus dem Spiel der letzten Saison nicht wiederholen. Damit war das Spiel knapp zehn Minuten vor Schluss entschieden, auch wenn es auf dem Platz noch hoch her ging. Die Spieler schenkten sich nichts. Es ging für beide Mannschaften bis zum Abpfiff um alles. Nicht nur deshalb war dieses Spiel einen Besuch in Berlin wert. Die Atmosphäre in der Alten Försterei ist jedes Mal großartig.

Für die Fans von Union begann nach dem Spiel schon die Vorbereitung auf die kommende Saison. Die neuen Dauerkarten konnten schon gekauft werden, während die Spieler Autogramme gaben und beim Mini-Open Air lokale Bands ihr Bestes. Wir waren in der Zeit schon auf dem Weg zum S-Bahnhof Köpenick, weil die Rückfahrt Richtung Mitte ebenso lang zu werden drohte wie die Hinfahrt. Pendelverkehr wegen Gleisarbeiten mit Zugwechsel nach jedem zweiten Bahnhof. Wir begnügten uns also mit dem Vorprogramm Fußballspiel und hörten nur von Ferne wie eine Band namens Kietz Keime mit ihrem „irisch inspirierten Folk-Punk“ begann. Dank der Band bei youtube könnt ihr euch nun fühlen, als wäret ihr mittenmang dabeigewesen.

Fehlt noch die Pressekonferenz nach dem Spiel sowie die Stimmen von Sören Brandy – mit knapper treffender Spielanalyse im zweiten O-Ton -, Dustin Bomheuer und Jurgen Gjasula. Sehr schön übrigens, wie bei Uwe Neuhaus dessen Pott-Heimat in der Sprachfärbung kräftig durchschlägt, als er zu reden beginnt. Das wirkt so, als sammele der private Uwe Neuhaus auf dem Weg zum zum öffentlichen Trainer Neuhaus eben noch ein paar Gedanken ein.

Der Spielbericht bei Sky mit einem Klick weiter.

Die Frühjahrskollektion der Tore in letzter Sekunde

Wenn Spielenden mit Toren in letzter Sekunde gerade in Mode sind, möchte ein Verein wie der MSV Duisburg bei der entsprechenden Frühjahrsmesse für Tore in letzter Sekunde nicht fehlen. Die Vorstellung seiner Kollektion entspricht natürlich den momentanen Möglichkeiten des Vereins. Beim MSV Duisburg sind keine Star-Designer am Werk, sondern ehrbare Handwerker, deren Kreativität sehr von der Tagesform abhängt. Gestern Abend im Spiel gegen den 1. FC Köln war wenig originelles Arbeiten für die Kollektion zu sehen und dafür viel aus Stoffresten Zurechtgeschneidertes und einiges von der Stange. Das wirkte solide, war aber zunächst zu wenig, um den Erfolg der  Konkurrenten aus Köln zu gefährden. Diese hatten in der laufenden Saison schon eine beachtliche Auswahl der Last-Minute-Fashion vorgelegt. Das letzte Mal sogar noch im Spiel zuvor gegen den VfR Aalen.

Hinzu kam eine ungewohnte Nervosität der Duisburger Handwerker in den ersten fünfzehn Minuten. Viele Lücken waren in der Defensive zu sehen. In der Zweiten Liga gibt es allerdings mit Hertha BSC nur eine Mannschaft, die solche Lücken auf jeden Fall bestraft. Viele Zuspiele misslangen auch noch in der weiteren ersten Halbzeit. Die Ballannahme funktionierte nicht oft und die Kölner Konkurrenten standen enger am Mann als die Zebras umgekehrt. Als sich die Nervosität endlich legte, blieben noch etwa fünf Minuten, in denen sich das Spiel im Gleichgewicht befand. Dann fiel das Führungstor des 1. FC Köln. Daniel Brosinski misslang es, eine Abwehraktion spielerisch zu lösen. Sein Gegenspieler Thomas Bröker nahm ihm den Ball ab und wurde von Daniel Brosinski bei seinem Schlenzer nicht entschieden genug gestört.

Nach dieser Führung entstand ein nur selten aufregendes Spiel. Der MSV Duisburg mühte sich ohne wirkliche Ideen und Möglichkeiten zu haben, die gut aufgestellte Defensive der Kölner zu überspielen. Zu Beginn der zweiten Halbzeit stellten sich der FC sogar noch tiefer auf.  Es blieb kaum Raum, um in die Nähe des Tores zu kommen, während der Raum auf der anderen Seite sich verführerisch leer für Konter anbot. Der MSV kam an seine Grenzen. Druck entstand nicht, und man musste auf jede einzelne Spielsituation hoffen, die durch eine Aneinanderreihung von Zufällen vielleicht doch noch Torgefahr gebracht hätte. Zudem machte es sich der MSV in der Vorwärtsbewegung manchmal unnötig schwer, weil die Mannschaft keinen vernünftigen Rhythmus fand zwischen Einzelaktionen und Zusammenspiel. Das war Ranisav Jovanović, der seine Mitspieler auf dem Flügel nicht mehr sah und selbst dorthin bei seinen Sprints vor der engen Mitte des Spielfelds auswich. So standen sie sich dann zu zweit im Weg. Das war aber auch Jürgen Gjasula, der nahc seiner Einwechslung keinen guten Tag erwischte und wie niedergedrückt wirkte. Seine Pässe kamen nicht an, seine Dribblings blieben erfolglos. Tanju Öztürk hatte sich zwar ins Spiel gekämpft, deutlich war aber auch, dass er noch einiges Entwicklungspotenzial ausschöpfen muss, um irgendwelche Gerüchte-Geschichten über Vereinswechsel auch nur annähernd zu rechtfertigen.

So plätscherte das Spiel in der zweiten Halbzeit dahin, unterbrochen nur von der Aufregung durch einige Konter des FC, die der MSV Duisburg durch eine Kombination von guten Reaktionen Felix Wiedwalds, der Abschlussschwäche des FC und etwas Glück ohne Gegentor überstand.  Gefährlich für den FC wurde es nur einmal in dieser Halbzeit durch einen Distanzschuss von Timo Perthel. Bis dann die letzte Spielminute der Nachspielzeit anbrach und ein Freistoß für den MSV Duisburg im Halbfeld gepfiffen wurde. Felix Wiedwald verließ sein Tor und kam an den Fünfmeterraum des FC. Gab es an dieser Linie überhaupt noch freie Bodenfläche. Was war das für ein Gedränge. Der Ball flog hoch hinein, Spieler sprangen und als Dustin Bomheuer köpfen konnte war der erfolgreiche Verlauf der Flugbahn sofort zu erkennen. So nah war er am Tor. So präzise nahm der Ball seine Richtung. Schon zuvor war nicht nur sein Kopfballspiel in der Defensive gegen Stefan Maierhofer sehr gut gewesen. Selbst früh pressende Kölner konnten ihn beim Ballvortrag nicht irritieren. Es ist sehr zu hoffen, dass er zumindest in der nahen Zukunft noch beim MSV spielen wird.

Wenn eine Mannschaft wie der FC dem Sieg so nah war und sie diesen Sieg für das Fortbestehen von Hoffnungen so braucht, bringt ein Ausgleich in fast der letzten Sekunde das intensivste Erleben von Enttäuschung. Auf den Rängen war das Spiel schon als gewonnen gefeiert worden. Auf der Bank des FC hatte sich mit Sicherheit ebenfalls schon die Vorfreude auf den Punkteeinstand mit dem FC Kaiserslautern breit gemacht. Alles verloren und vergeben. Nicht nur weil der Ausgleich für den MSV Duisburg wie ein Sieg war, fühlte er sich für den FC wie eine Niederlage an. Schon im Hinspiel haben wir das torlose Unentschieden wie einen Sieg gefeiert. Mit einem Tor aus der Last-Minute-Kollektion fühlt sich so ein Unentschieden aber nochmal so gut an.

Ohne Schiri-Hilfe siegen wir uns zum erst einmal Nichtaussprechbaren

Aller guten Dinge sind drei. Deshalb werde ich auch nach diesem Heimspiel des MSV Duisburg gegen den FC Energie Cottbus ein paar Worte zum Schiedsrichter schreiben. Aber nicht, weil das schon nach dem Abpfiff am Freitag  auf der Hand lag, sondern weil Ranisav Jovanović nicht nur ein großartiges Spiel gemacht hat, er hatte da was zum „Schiri“ zu sagen. Dazu später. 2:1 gewonnen! Das war der Sieg, der schon sicher stellt, was ich aus altem Aberglaube noch nicht ausspreche. Ich freue mich jedenfalls auf weitere Siege.

Eigentlich fasst mein Gefühl in der Zeit nach dem Anschlusstreffer des FC Energie Cottbus kurz vor dem Schlusspfiff den Charakter dieses Heimspiels vom MSV Duisburg am besten zusammen. Da gab es so eine merkwürdige Mischung aus fast sorgloser Gelassenheit kombiniert mit Panickattacken und Vorfreude in mir. Das war schon in der ersten Halbzeit so, weil das Spiel selbst wenig Anlass bot, intensiv dabei zu sein. Wäre dieses Spiel ein TV-Film gewesen, hätte ich schnell zum Buch gegriffen, am PC was nachgeschaut und höchstens bei spannungsgeladener Musik oder Dialogfetzen hingeschaut. Was Cottbus kann, war hin und wieder in der Zone etwa 5 Meter vor dem Strafraum zu sehen. Da wurde schnell im Doppelpass gespielt. Spieler kreuzten und standen für Momente frei, doch der entscheidende Pass in den Strafraum gelang nie. Nur zu Beginn sah dieses schnelle Spiel etwas bedrohlich aus, der MSV hielt dagegen und schnell war Cottbus nicht mehr so mutig wie zu Beginn. Der MSV schaffte zudem immer wieder in Einzelsituationen Druck auf das Cottbusser Tor.

Die Sorge über das Fehlen von Goran Sukalo waren also unbegründet. Dass Julian Koch pausieren musste, hielt ich sogar für eine passende  Notwendigkeit. Angesichts seiner Geschichte beim MSV fällt so ein Satz schwer, aber in den letzten Spielen hakte es bei seinem Auftritt immer mehr. Das Rochieren auf den Positionen und die Hereinnahme von Tanju Öztürk sowie Andreas Ibertsberger schwächten das Spiel des MSV Duisburg also überhaupt nicht. In so einem Spiel fällt dann ein Tor nicht aus einem kontinuierlichen Fluss heraus, sondern jede Situation durch einzelne Spieler mit Zug zum Tor kann die große Chance ergeben. Ranisav Jovanović gehört im Moment zu den Leistungsträgern dieser Mannschaft. Das zeigt nicht nur sein Tor nach dem grandiosen Lauf mit Ball über den halben Platz. Wie er in der zweiten Halbzeit immer wieder hohe Bälle gegen manchmal drei Gegenspieler angenommen hat und sie je nach Spielsituation nahezu jedes Mal variabel und sicher verarbeitete, war sehr beeindruckend.

In der zweiten Halbzeit intensivierte Cottbus das Spiel, aber der MSV zog sich keineswegs zurück. Die Mannschaft spielte weiterhin nach vorne, was das Spiel über eine längere Strecke in ein wildes und ungestüm wirkendes Hin und Her verwandelte. Was soll ein ruhiger, sicherer Spielaufbau aus der Defensive, wenn vorne mit Maurice Exslager und Jovanovic zwei Stümer stehen, von denen der eine wegen seiner Schnelligkeit und der andere wegen seiner Lufthoheit die wild nach vorne gekloppten Bälle erobern kann? Missversteht mich nicht, ich glaube, das war das richtige Rezept, um die Pressing-Versuche der Cottbusser ins Leere laufen zu lassen. Das war die beste Lösung für die vorhandenen Möglichkeiten.

Ein typischer Exslager-Sprint brachte ihn in den Strafraum, wo das stochernde Bein des Gegenspielers auch ein Geschenk war. Ich erinnere mich jedenfalls mehr an meine Gelassenheit als an die spannungsvolle Vorfreude auf ein Tor. Sprich: An der Stelle im Strafraum schien mir Exe noch gar nicht so torgefährlich gewesen zu sein. Exe fiel, der Schiedsrichter pfiff und als Branimir Bajic den Ball zum Elfmeter an sich nahm, wurde meine Hoffnung auf das Tor schon größer. Diese 2:0-Führung schien alles sicher zu machen, doch was wären wir MSV-Fans ohne die gewohnten Zitterminuten am Ende. Der Anschlusstreffer fiel, und die letzten 6 oder sieben Minuten – wieviel waren es? – wurden noch einmal zum zähen Ringen. Da versuchte die Zebras sich in eine gestreifte Mauer zu verwandeln, und die Cottbusser schossen nicht drüber sondern mit aller Macht immer gegen die Mauer. Lücken entstanden so nicht. Mörtel und Mauerteile erwiesen sich als stabil.

So lässt sich nun immer wieder mal an die nächste Saison denken, das Nichtaussprechbare kommt mir bildhaft in den Sinn. Und was die Bilder angeht, so war der dpa-Fotograf im richtigen Moment am richtigen Platz. Auch die Rheinische Post hat für den Artikel über das Spiel  das wunderbare Gruppenfoto  von Tanju Öztürk, Sören Brandy, Maurice Exslager und Ranisav Jovanović übernommen, als die vier ein Gemälde nachgestellt haben. Ich bin mir nur nicht sicher, welche Epoche sie im Sinn hatten. Männergruppen mit Blick in die Ferne, das sind – so meine ich – Szenen des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die Kunsthistoriker unter euch werden´s besser wissen.

Fehlt noch der Schiedsrichter, und damit zur Pressekonferenz nach dem Spiel sowie den O-Tönen von Maurice Exslager und Sören Brandy sowie Ranisav Jovanović. „Rani“ ist es, der die stehende Redewendung des Fußballs „der Schiri war heute nicht der Grund, dass wir heute“ in einem überraschenderen Bedeutungszusammenhang verwendet. Der „Schiri“ hieß Benjamin Cortus und wird wahrscheinlich erleichtert aufseufzen, wenn er die Worte von „Rani“ hört. Ob der DFB überall seine Ohren hat und nun sämtliche zurück liegenden Siege des MSV  in blindem Aktionismus überprüfen wird? Wir leben schließlich in Zeiten, in denen Funktionäre versprechen allem nachzugehen.

Olé olé olé…Olé olé olé Meidericher Ess Vau Meidericher Ess Vau

Es ist eine Binsenweisheit, dass in der Zweiten Liga Mannschaften aus der unteren Tabellenregion größere Siegchancen gegen Spitzenmannschaften haben, als es  in Liga Eins der Fall ist. Darüber hinaus hatte ich nach den letzten Spielen des MSV Duisburg Zebras ohnehin nicht mehr das Gefühl, Fan einer Mannschaft aus der unteren Tabellenregion zu sein. Im Grunde fühlte ich mich wie der Anhänger einer ambitionierten Mannschaft aus dem Mittelfeld. So schien es mir vor dem Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig keine übergroße Aufgabe zu sein, den Gegner zu besiegen. Nur hin und wieder kitzelte leise der Zweifel, meldete sich die Sorge, einem Selbstbetrug aufgesessen zu sein.

Die Entwicklung des Spiels bestärkte mich aber. Der MSV Duisburg konnte von Beginn an der besseren Spielanlage der Braunschweiger genügend eigene Qualitäten entgegen setzen, die im Ergebnis ein Gleichgewicht der Kräfte brachten. An gelingenden Kombinationen der Eintracht ließ sich erkennen, warum für diese Mannschaft der Aufstieg möglich ist. Nur dass diese Kombinationen fast immer spätestens mit drei, vier Meter Abstand zum Strafraum gestoppt wurden. Die Spieler des MSV Duisburg liefen und liefen ihre Meter für die Denfensive, und wenn man Daniel Brosinski in der zweiten Halbzeit nach einer ausgeführten Ecke von links quer über das gesamte Spielfeld auf seine rechte Verteidigerposition sprinten sah, wo er den konternden Stürmer auf dem linken Flügel noch einholte, wurde jedem klar, wie groß  Einsatz und Wille der Zebras war, dieses Spiel zu gewinnen.

Der Spielaufbau des MSV in der ersten Halbzeit geriet zuweilen etwas holzschnittartig, war grob und mit manchem Fehlpass gespickt. Im Gegensatz dazu  konnten sich die Braunschweiger darauf verlassen, dass Spieler an freie Positionen nachrückten, wohin dann auch blind gepasst wurde. Nur eben Torgefahr entwickelte auch dieses Passspiel kaum. Und wo die einzige große Torchance für die Braunschweiger durch Domi Kumbela von Felix Wiedwald zunichte gemacht wurde, gab Ranisav Jovanović sofort mit einer ebenso großen Torchance auf der anderen Seite die Antwort.

Zu Beginn der zweiten Hälfte begann der MSV Duisburg mutiger nach vorne zu spielen. Die Mannschaft attackierte noch entschiedener und vielleicht zwei, drei Meter früher. Doch diese Meter waren entscheidend. Die Ballverluste der Braunschweiger häuften sich und aus einem dieser Ballverluste entwickelte sich der Angriff, der zum Siegtor durch Maurice Exslager führte. Wer war das noch mal, der an den Distanzschussfähigkeiten von Maurice Exslager zweifelte? Was war das für ein Schuss! Nachdem Exe den Ball mehrere Meter in seinem typischen Spurt getrieben hatte, wobei er zudem mit Jovanović vor der Abwehr kreuzte. Und dann hielt er aus vollem Lauf aufs Tor drauf. Das war kein Glück. Das war Technik. Wenn er da weitermacht, wird auch ein Sieg des MSV Duisburg demnächst früher sicher gestellt. Denn für uns sah es so aus, als sei seine große Chance auf das zweite Tor viel einfacher zu verwandeln gewesen.  Es hätte uns die Nerven beruhigt.

Wir hätten uns auch viel weniger über den Schiedsrichter aufregen müssen. Was war denn das für eine Schiedsrichterleistung? Nun schon zum zweiten Mal direkt hintereinander. Wenn man die gelben Karten auf der einen Seite gibt, müssen sie doch  auf der anderen Seite auch gegeben werden. Das Julian-Koch-Foul hat es von den Braunschweigern mindestens dreimal ebenfalls gegeben. Und wenn ich an die Einwurfentscheidungen denke auf unserer Seite, steigt mein Blutdruck immer noch. Offensichtlicher konnten die Braunschweiger nicht als letzte am Ball gewesen sein. Der MSV bekam den Einwurf dennoch nicht. Vier Minuten Nachspielzeit. Wofür? Gefühlsmäßige Spielverzögerung? So ein Quatsch!

Am Ende war es egal. Den Braunschweigern fiel nach dem Exslager-Tor nicht viel ein. Die Defensive des MSV stand sicher, dazu ein souveräner Felix Wiedwald und in der Offensive zeigten die Spieler des MSV Duisburg nun sogar, dass auch sie kombinieren können. Da war sogar immer wieder ein blitzschnelles Kurzpassspiel zu sehen, ballsicher und souverän. Lange haben wir auf eine Stimmung wie in diesem Spiel warten müssen. Sicher, es hat seit der Pokalerfolgs-Saison andere wichtige Siege gegeben. Doch gestern erinnerte die Atmosphäre an die legendären Siege gegen Kaiserslautern und Cottbus im Pokal. Und gestern waren nur etwas mehr als 11.000 Zuschauer dort. Dieser Sieg war begeisternd, wichtig und sagt mir, du bist Fan einer ambitionierten Mannschaft aus dem Mittelfeld der Zweiten Liga.

Und hier noch die Pressekonferenz sowie die Stimmen nach dem Spiel von Maurice Exslager, Julian Koch und Goran Sukalo.

Ein Schiedsrichter als Spielgestalter

Es war ein anstrengendes Spiel zwischen dem MSV Duisburg und dem 1. FC Kaiserslautern. Es war anstrengend für die Mannschaften, die sich im Kampf um den Ball verausgabten. Es war aber auch anstrengend für uns Zuschauer. Ein Grund war der Schiedsrichter mit seinen wirren Versuchen das Spiel zu regeln und der damit zu einem so nicht vorgesehenen Spielgestalter dieser Begegnung wurde.

Normalerweise halte ich mich mit den Schiedsrichtern nicht auf. Einzelne Fehlentscheidungen geschehen und sie gehören zum Spiel. Aber es passiert selten, dass ein Schiedsrichter wie Herr Schriever mit seinen Pfiffen das Spiel so konsequent auf die gesamten 90 Minuten bezogen mitbestimmt.  Der Mann war derart überfordert und verunsichert, dass wir in der Halbzeitpause vorhersagten, ein Kaiserslauterner Spieler werde ebenfalls noch vom Platz gehen. Ich hatte den Eindruck, die zwei falschen Entscheidungen kurz nacheinander gegen den MSV Duisburg im ersten Spieldrittel haben ihn völlig aus der Bahn geworfen. Zunächst zog er die gelbe Karte gegen Ranisav Jovanović wegen einer vermeintlichen Schwalbe, entscheidend war aber vermutlich der nicht gegebene Elfmeter nach dem Foul an Sören Brandy. Auf mich machte er den Eindruck, als sei er sich seines Fehlers bewusst und versuchte danach verzweifelt mit möglichst einfachen Pfiffen bei möglichst jedem Körperkontakt, das Spiel nicht vollends aus der Hand zu geben. Dummerweise kam ihm Goran Sukalo durch seine unbedachte Rangelei mit Alexander Baumjohann in die Quere. Da musste er erneut eine schwierige Entscheidung treffen, und schon lag er wieder, dieses Mal nur knapp, daneben. Gelb für beide Spieler wäre richtig gewesen. Was nebenbei gesagt, für Sukalo gelb-rot bedeutet hätte. Es gibt also von meiner Seite keine Absolution für Goran Sukalo.

Vergessen wir den Schiedsrichter, wenden wir uns der Mannschaft zu und das war der zweite Grund für die Anstrengung auch auf den Rängen. Wieder gab es gegen eine Mannschaft aus dem oberen Tabellenviertel die Aussicht auf den Sieg. Diese Kaiserslauterner waren nicht gut genug, die kompakte Defensive des MSV Duisburg zu überwinden. Sie hatten einen anderen Plan als der TSV 1860 München mit seinem schnellen Kombinationsspiel in der letzten Woche. Sie wollten mit schnellen Bällen über die Flügel agieren und suchten natürlich immer wieder mit langen Bällen auch Mo Idrissiou. Doch dieser Plan scheiterte.

Das wollte auf der Pressekonferenz nach dem Spiel der Kaiserslauterner Trainer Franco Foda nicht wahrhaben. Für mich sieht er das Spiel der Kaiserslauterner zu rosig. In der ersten Halbzeit hätte seine Mannschaft das Spiel bestimmt. Wenn man den Ballbesitz als einzigen Maßstab nimmt, mag das stimmen. Dabei vergisst er allerdings, seiner Mannschaft fehlten die außerdem noch notwendigen spielerischen Mittel, um mit dem Ball in den eigenen Reihen etwas zu machen, was das Tor des MSV Duisburg wirklich bedroht hätte. Das Spiel über die Flügel blieb harmlos und die einzige große Chance der Kaiserslauterner ergab sich alleine aus einem altbekannten Fehler des MSV Duisburg. Einige Spieler waren noch damit beschäftigt, vom heftigen Protestieren gegen einen Schiedsrichterentscheidung umzuschalten auf notwendiges Verteidigen, während die Kaiserslauterner den Ball schon nach vorne trieben.

Das wird hoffentlich Kosta Runjaic auch immer wieder sehen, damit er im nächsten Sommer viel Arbeit drauf verwendet, seinen Spielern klar zu machen, dass nur nach Schiedsrichterpfiffen das Spiel unterbrochen ist und sie sonst permanent präsent sein sollten.

Dem MSV Duisburg wurde nicht nur ein Elfmeter versagt.  Die Mannschaft hatte danach sogar noch eine große Torchance nach einem Eckball. Wann kamen in der letzten Zeit schon einmal drei Mann gleichzeitig frei zum Kopfball? Und den nach dem Strafraumgestocher abgewehrten Ball nahm auf Höhe der Strafraumgrenze Maurice Exslager auf, der leider nicht die exquisite Schusstechnik besitzt, um diesen für einen kurzen Moment freien Ball im rechten Torwinkel zu versenken. Sein Schuss ging deutlich über das Tor.

Nach der roten Karte für Goran Sukalo blieb die Defensive bis zur Halbzeitpause stabil, und wir richteten uns auf die Abwehrschlacht in der zweiten Halbzeit ein, mit der Hoffnung auf besagte rote Karte für die Kaiserslauterner. So kam es dann auch, und kurioserweise schien es so, als hätten beide Mannschaften in der letzten Viertelstunde des Spiel nicht mehr so recht gewusst, wie risikoreich sie nun noch spielen sollten. Kosta Runjaic hatte in der 63. Minute die Defensive mit der Hereinnahme von Tanju Öztürk für verstärkt, in der 64. Minute  wechselte Franco Foda  zwei neue Offensivspieler ein und in der 65. Minute ging Mo Idrissou mit gelb-rot vom Feld. Die durch die Auswechslungen angedeutete Taktiken waren durch das wiederhergestellte Kräfteverhältnis in Frage gestellt. Beide Mannschaften agierten nun immer vorsichtiger und dachten weniger an den Sieg als die drohende Niederlage.

Der Schlusspfiff brachte dann einerseits für mich die Erleichterung, den beim MSV Duisburg immer auch aus heiterem Himmel möglichen Gegentreffer nicht gesehen zu haben. Andererseits machte sich aber auch ein wenig Enttäuschung bemerkbar, die Chancen nicht genutzt zu haben, den Elfmeter nicht zugesprochen bekommen zu haben und auch nicht das dusel-glückliche Siegtor in der Nachspielzeit geschafft zu haben. Wie gesagt, ein in jeder Hinsicht anstrengendes Spiel.

Die Pressekonferenz und nach dem Spiel die O-Töne von Felix Wiedwald, Maurice Exslager, Goran Sukalo und Julian Koch.

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