Posts Tagged 'Fernsehrechte'

Und schon wieder 42.000 Euro mehr für den Etat

Müssen wir das große Glück von Fortuna Köln nun doch noch bedauern? Das Tor von Fortuna-Spieler Oliver Laux im allerletzten Moment der Nachspielzeit brachte der Fortuna den Aufstieg und den MSV Duisburg um ein paar tausend zusätzliche Euros, die bei einem Aufstieg vom FC Bayern München II in die Kasse geflossen wären. Denn zweite Mannschaften von Erst- und Zweitligisten haben kein Anrecht auf einen Anteil an den 12,8 Millionen Euro, die der DFB für die 3. Liga bei der Vergabe der TV-Rechte einnimmt. Weil die zweite Mannschaft vom FSV Mainz 05 aufgestiegen ist, erhöhen sich die Einnahmen vom MSV Duisburg also von ursprünglich 711.000 Euro auf knapp 753.000 Euro. Das ist bei liga3-online nachzulesen. Knapp 42.000 mehr in der Kasse, was die Ausgangssituation für Ivo Grlic bei der Verpflichtung neuer Spieler wahrscheinlich nicht wesentlich beeinflusst.

Welch Vorstellung aber, wenn außer dem MSV Duisburg nur Zweitvertretungen der Erst- und Zweitligisten in der 3. Liga spielten. Diesen Vorteil haben bislang sicher nur wenige im Auge gehabt beim Verteilen der Aufstiegswünsche. Mit einem Schlag um 12,8 Millionen Euro reicher. Mehr Geld als die Zweitligisten im Schnitt aus der Vergabe der TV-Rechte erhalten. Die Zuschauereinnahmen könnten natürlich zurückgehen in so einem besonderen Fall. Andererseits spielte ein Verein mit einem Mindest-Etat von 12,8 Millionen ohne Zweifel um den Aufstieg mit, zumal die Zweitvertretungen ohnehin nicht aufsteigen können. Was für Fragen in so einem zugegeben noch nicht bald abzusehendem Fall aufkommen.

Deshalb Betriebswirtschaftsprofessoren hergehört! Eine dieser Fragen ist doch eine schöne Aufgabe für eure Studenten, ganz nach dem alten pädagogischen Prinzip, das wir schon kennen aus Sammy Drechsels großem Klassiker des Fußballromans „11 Freunde müsst ihr sein …“ Wenn ihr jemandem dauerhaft etwas beibringen wollt, nutzt den Fußball als praxisnahes Beispiel für den zu vermittelnden Lehrstoff. Ganze Examensarbeiten lassen sich aus der Problemstellung gewinnen. Für die Wirtschaftsunternehmem im Fußball ist diese  Grenzkalkulation doch sicher nicht besonders erforscht. Her mit der Formel, die jedem Drittligisten zeigt, ab welcher Zahl von Zweitvertretungen der Erst- und Zweitligisten in der 3. Liga es ihm finanziell derart besser geht, dass der sportliche Erfolg wahrscheinlicher ist.

Und da die richtig guten Nachrichten über den MSV Duisburg vielleicht sogar erst morgen kommen – hoffentlich – fällt mir noch was ganz anderes ein: Was die NBA in den USA  kann, macht sich im Namen der deutschen Basketball-Bundesliga doch auch ganz ordentlich.

 

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Fundstück II: In der Liga der großen Ligen

Passend zum Ausklang der Fußballsaison wurde für die Medien-Seite der Süddeutschen Zeitung am letzten Wochenende auch der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga, Christian Seifert, interviewt. Das Interview gibt es meines Wissens nicht online. Christian Seifert zeigt große Sympathien für Sky und die als Marke der ARD angesehene Sportschau. Angesichts der hohen Summe, die die Deutsche Fußball Liga für die TV-Rechte erzielen konnte, lässt  Seifert erkennen, so eine Summe Geld wird nicht nur für die Rechte an bewegten Bildern vom reinen Sport gezahlt.  Da muss noch ein bisschen mehr als die Fußballer am Ball drin sein. Was genau? Wir lassen uns überraschen.

SZ: Gibt es eigentlich eine Verpflichtung für die Bundesliga-Klubs, Sky künftig umfrangreicher als bisher zur Verfügung zu stehen vor und nach den Spielen für Interviews, Storys und Analysen?

Seifert: Ich habe das ausdrücklich in der Mitgliederversammlung angesprochen: Wenn man so viel Geld bekommt, dann ist das kein Kultursponsoring. Das viele Geld bekommen wir auch nicht, weil die Bundesliga so sexy ist, dass man uns gefallen möchte. Jeder Bieter zahlt so viel, weil er sich positive Effekte für sein Geschäftsmodell verspricht, und zwar völlig egal, ob das Geschäftsmodell auf Gebühren basiert, Abos oder Werbung. Mit diesem Abschluss spielen wir in der Liga der großen Ligen mit, und dann müssen wir uns auch so eine große Liga verhalten. Man muss eine mediale Gegenleistung erbringen, und die besteht nicht darin, 90 Minuten Fußball zu spielen.

In einem Raum mit Bruno Hübners Neuem, als es um TV-Rechte ging

Nur selten berührt der Fußball mein Schreiben außerhalb dieses Blogs. Gestern war das anders, und prompt stand ich vor der Aufgabe mit Bruno Hübners Neuem einen Raum zu teilen. Der Mann kennt mich Gott sei Dank nicht. Was hätte das für peinliche Szenen geben können. Wer weiß, wozu ein Mann fähig ist, der Bruno Hübner an unserem großen Tag in Berlin zur Vereinbarung von Vertragsgesprächen angerufen haben soll. Weiß ich, wozu ich fähig bin?

Da saß Heribert Bruchhagen also auf einem Podium beim Medienforum.NRW und sollte die DFL-Meinung beim zukünftigen Verkauf der Fernsehrechte an der Fußball-Bundesliga zum besten geben. Die Fernsehrechte für die Übertragung von Bundesligafußball sind zwar noch für zwei Jahre bis zum Ende der Saison 2012/2013 vergeben, doch schon in diesem Jahr sollen neue Verträge festgezurrt werden. Von Anfang an machte Heribert Bruchhagen den Eindruck, als beginne auf dem Podium vorne die erste Runde der Verhandlung. Denn ebenfalls gestern wurde der Entscheid des Bundeskartellamts öffentlich, demnach eine Highlight-Verwertung im Internet ab 19 Uhr bei gleichzeitiger Free-TV-Verwertung erst ab 21.45 Uhr möglich wird. Bei so einem Verwertungs-Modell bliebe die ARD-Sportschau ohne Bilder vom Fußball.

Wie positioniert man sich in Verhandlungen? Man besinnt sich auch hier zunächst einmal auf das Zwischenmenschliche und macht dem Lieblingspartner schöne Augen. Da lobte also Heribert Bruchhagen den Pay-TV-Anbieter Sky in höchsten Tönen dafür, durch die samstägliche TV-Konferenz der Fußballspiele die Familien als Zuschauer der Fußball-Bundesliga gewonnen zu haben. Ich hatte immer gedacht, das mit den Familien und dem Fußball sei eine Idee in den 90ern gewesen. Neue Stadien brachten neue Zielgruppen. Aber eigentlich sind solche Überlegungen auch egal, weil Heribert Bruchhagen gegenüber dem ebenfalls anwesenden ARD-Sportkoordinator, Axel Balkausky,  nur die enge Verbundenheit der DFL mit Sky zeigen wollte. Das lief anders als mit Bruno Hübner. Da wurde dieses Mal nicht heimlich sondern vor allen Augen mit dem anderen Partner geflirtet. Das steigert die eigene Attraktivität ungemein. Heribert Bruchhagen hat´s echt drauf, und denkt natürlich an so etwa wie „Freunde bleiben wollen“, wenn er über die Sportschau redet und die ARD in höchsten Tönen für die vergangene Zeiten lobt. Aber wer weiß, vielleicht erweist sich die alte Braut doch noch als die bessere Partie, wenn sie erstmal noch genauer ihre Besitztümer bilanziert hat.

Schließlich geht es um die Frage, wer soll das viele Geld bezahlen, das nach Meinung der DFL die Fußball-Bundesliga als „Premiumprodukt“ wert ist. Verwertungsrechte findet auch Yahoo interessant. Dort will man durch die Erfahrung aus den USA und Großbritannien gestärkt aus der im Internet  bislang „schwach aufgestellten Fußball-Bundesliga“ ein besseres Internet-Angebot machen. Immer nur, wenn es sich rechnet. Doch wenn selbst kaum ein TV-Sender die bislang verlangten Geldsummen refinanzieren kann, halte ich es doch für sehr unwahrscheinlich, dass durch den  Verbreitungsweg per Internet und Smartphone-Applikation das entsprechende Geld verdient wird. Doch diese Einnahmen müssen sein, wenn die Liebe zur ARD als Rechteverwerter nurmehr noch glimmt.

Ich habe den Raum nach der Veranstaltung schnell verlassen. Ich musste einen Text schreiben, und heute dann noch diesen hier. Ich merke, das hat meinem Verhältnis zu Heribert Bruchhagen ganz gut getan.

Klassengesellschaft – Ein paar Zahlen und Fakten

Gestern hatte ich es mir ja schon ausgemalt, ich könnte mich aus höherem Interesse noch einmal mit dem DFB-Pokalfinale auseinandersetzen. Die Verteilung der Einnahmen des DFB im Pokalwettbewerb muss ja noch  geklärt werden. Besonders weil mir dann doch auch aufgefallen war, dem  gestern hier angemerkten Zitat von DFL-Geschäftsführer Christian Seifert konnte ich vor allem wegen meiner klassenkämpferischen Empörungsbereitschaft eine eindeutige Lesart geben. Wahrscheinlich ging es Christian Seifert gar nicht um die konkrete Verteilung von Fernsehgeldern sondern eher um seine allgemeine Haltung dazu, welchen Vereinen im Fußball das meiste Geld zusteht.

Mein Anruf beim DFB bestätigte das. Erinnert wurde ich dabei an die unterschiedlichen Interessenlagen von Deutscher Fußballliga und Deutschem Fußballbund. Christian Seifert spricht für die Vereine der 1. und 2. Liga. Der DFB sieht sich dagegen weiterhin auch als Interessenvertreter der Amateurvereine. Dementsprechend möchte die DFL von dem vorhandenen Geld aus TV-Rechten und Bandenwerbung möglichst wenig in den ersten Runden ausschütten, um damit den wahrscheinlich im Wettbewerb verbleibenden Profi-Vereinen am Ende höhere Einnahmen zu garantieren. Die in jeder Runde verteilten Geldsummen wurden zwischen Vertretern von DFL und DFB ausgehandelt. Für alle in einer DFB-Pokalrunde teilnehmenden Vereine ist diese Geldsumme aber inzwischen gleich hoch.  Anfang 2009 hatte der DFB den Verteilungsschlüssel bis einschließlich zur Saison 2011/2012 festgelegt. Demnach erhalten alle Halbfinalisten jeweils 1,75 Millionen Euro. Der Pokalsieger erhält 2,5 Millionen Euro und der Verlier 2 Millionen Euro. Der Betreiber von www.tv-gelder.de rechnet hier die im Wettbewerb erspielten Summen zusammen.

Klassengesellschaft

»Die Fernsehgelder für den Pokalwettbewerb werden in erster Linie für Spiele wie Bayern gegen Schalke gezahlt, nicht für MSV Duisburg gegen Energie Cottbus – und schon gar nicht für das Spiel eines unterklassigen Vereins«, sagte Seifert.

Die Gießener Allgemeine Zeitung berichtet in ihrem Sportteil über die „Rückrundenbesprechung der Fußballhessenliga“, bei der „DFL-Geschäftsführer Christian Seifert und DFB-Direktor Spielbetrieb Helmut Sandrock über finanzielle und inhaltliche Verbindungen zwischen DFL und DFB“ informierten, sowie „über strukturelle Änderungen für Regional- und Hessenligisten“. Für uns am MSV Duisburg Interessierten fiel dabei das rückhaltslose Bekenntnis zur Klassengesellschaft im DFB-Pokal bei der Verteilung der Fernsehgelder ab. Fallen die Klassenschranken denn wenigstens im Finale? Oder bekommt auch dann der Erstligist den größeren Teil vom Kuchen? Hat da jemand die Antwort schon parat? Oder muss ich selbst nachschauen? Käme das nicht sogar der Quadratur des Kreises nahe? Sich mit dem DFB-Pokalfinale aus höherem Interesse beschäftigen? Ich bin mir da nicht so sicher, gestreifte Trikots tauchen trotzdem in den Bildern im Kopf auf, die sich unweigerlich bei dem Wort DFB-Pokalfinale einstellen. Die Karte fürs Halbfinale ist übrigens im Haus, und bis zum 1. März werde ich ab heute jeden Morgen die Sasic-Lebensweisheit Nummer 1 aufsagen. Rhythmisiert und gereimt, zum einfacheren Merken: Marschierst du mit zu langem Schritte, dann fällst du auf die Fressenmitte.


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