Posts Tagged 'Finanzsituation'

Loblied auf ereignisarme Zeiten

Der Kontrast zur Gegenwart könnte nicht größer sein. Momentan tauche ich tief in die Nachrichtenlage der Zeit vor dem Schuldenschnitt ein. Ich lese von all der Unsicherheit, von Sorgen und Mutmaßungen, wer welche Motive für sein Handeln hat. Ich spüre wieder den Zorn von MSV-Fans. Ich erkenne die große Hoffnung auf eine Zukunft mit sportlicher Perspektive wieder. Ich lese vom Unverständnis, warum der Schuldenschnitt doch nicht so gelang, wie er im Moment der Lizenzerteilung für die 3. Liga angekündigt worden war. Wir wissen, es dauerte nur länger als erhofft.

All das steht so sehr im Gegensatz zur Konzentration der Aufmerksamkeit auf sportliche Fragen in dieser Zeit, dass ich mich gerade über den MSV der Gegenwart sehr freue. Trotz der gemischten Gefühle, die die Bewegtbilder vom Testspiel gegen Standard Lüttich mal wieder in mir wecken. Natürlich erhalten wir durch den kurzen Clip überhaupt keinen Eindruck von der Leistung der Mannschaft, und es ist auch nicht die Niederlage, die das verursacht. Es ist eher so, dass ich trotz der zu sehenden gelungenen Offensivaktionen nach den Gegentoren zwei und drei den „individuellen Fehler“ einfach nicht mehr aus dem Kopf bekomme. Der verfolgt mich seit dem ersten Spiel. Fehler, Gegentor. Einer macht ihn gerade immer. Und wenn´s dann noch beide Torhüter sind …

Der Kommentar zum Kommentar nebst froher Botschaft vom Lokaljournalismus

Eigentlich hatte ich mich dank meiner Lokalzeitung des einen Stadtviertels entschlossen an die beste aller Welten zu glauben. Dies geschah nach längerem Nachdenken über die Bedeutung der gleichnishaften Geschichte von einem Kölner Kanarienvogel, der sich nicht zum Werkzeug eines Verbrechers machen lassen will. So kann sich jeder entscheiden, dachte ich, selbst wenn nur wenige Menschen über Flügel verfügen.

 

 

Kanarienvogel kein Komplize

Nun lässt mich aber die Lokalzeitung, die über das andere Viertel meiner Heimatstadt schreibt, schon wieder zweifeln, ob die beste aller Welten nicht vielleicht doch noch ein wenig besser sein könnte. Ich verstehe den sarkastischen Ton des Kollegen Ingo Blazejewski einfach nicht, mit dem er seinen WAZKommentar unterlegt zum „Wunder von der Wedau„, der Lizenzerteilung für den MSV Duisburg. Ich hatte ihn in der Berichterstattung über die Finanzlage als sachlichen, faktenorientierten Journalisten kennengelernt, und nun fasst er seine über ein Jahr gewonnenen Eindrücke in einem Satz zusammen, der der Realitität in keiner Weise gerecht wird: „Chapeau, MSV! Wer es schafft, so viel Geld zu verbrennen und sich gleichzeitig neues zu besorgen, den kann auch die Pflicht zum Aufstieg nicht schrecken.“

Es sollte dem Kollegen doch über dieses Jahr hinweg  deutlich geworden sein, dass er nicht von dem MSV schreiben kann, wenn die handelnden Personen völlig andere sind als jene, die zuvor mit unterschiedlichen Feuermitteln dem Geld zu nahe gekommen sind. Wie ist das in anderen Bereichen dieser Gesellschaft? Meinetwegen politischen Parteien. Wird nicht nach großem Versagen von Führungspolitikern immer von den Neuanfängen mit unverbrauchten Kräften gesprochen? Neue Frauen und Männer, die erstmal aufräumen müssen und wegen all der Fehler der Vergangenheit Schwierigkeiten haben, das große Schiff Partei auf Kurs zu halten. Kritik beim Aufräumen dieser Fehler ist natürlich erlaubt, aber niemand käme auf die Idee den neuen Führungskräften der Partei vorzuwerfen, dass sie bei der vorletzten Wahl die Partei haben schlecht aussehen lassen.

Oder die Kultur. Gerade eben beruhigt sich das Düsseldorfer Schauspielhaus nach der im November letzten Jahres offenbar gewordenen Finanzlücke im Etat.  Das Theater braucht Geld von Stadt und Land. Der neue Intendant als Hoffnungsträger ist ein alter, nämlich Gunter Beelitz, der nun mit knapperer Kasse ein Programm auf die Beine stellen muss, das mehr Zuschauer bringen soll. Im Grunde eine ähnliche Situation wie beim Sport in Duisburg. Wirft diesem Intendanten das jemand vor? Wird irgendwo geschrieben, Chapeau, Düsseldorfer Schauspielhaus! Erst das Theater leer spielen, dann Geld kassieren und nun mit konsolidiertem Etat ein populäres Programm auf die Beine stellen. Das soll mal einer nachmachen. Ich habe so etwas nirgendwo gelesen. Überall wird über die schwere Aufgabe von Gunter Beelitz geredet.

Nun ist mir klar, der MSV Duisburg als Fußballverein besitzt in Teilen nur jenen Kulturwert, der den etablierten Künsten in unserer Gesellschaft zugemessen werden kann. Zwar gab es Zeiten, da hätten es die Vereinsvorstände gerne so gehabt, dass sie mit Stadtttheatern und Opernhäusern gleichgestellt subventioniert werden, das ist aber mit Recht vorbei. So ein Fußballverein ist nämlich ein vielschichtiges Ding. Und der sarkastische Ton im Kommentar gilt ja vornehmlich dem Wirtschaftsunternehmen MSV Duisburg.

Doch auch in den Kommentaren der Wirtschaftsseiten einer Zeitung wird bei Unternehmskrisen zwischen dem Unternehmen und den handelnden Personen unterschieden. Als Heinrich Hiesinger den Vorstandsvorsitz von ThyssenKrupp übernimmt, wird das allerorten mit einem Wandel der Unternehmenskultur in Verbindung gebracht. Korruption, das war die Vergangenheit. So eine Differenzierung hätte ich mir in einem abschließenden Kommentar zur Finanzsituation beim MSV Duisburg auch gewünscht. Die Kosten der vergangenen Fehler für die Gesellschaft benennen und wahrnehmen, dass mit einem veränderten Personal beim MSV Duisburg auch eine veränderte Vereinskultur Einzug gehalten hat. So ist die Welt eben, sie kann immer überall auch noch ein bisschen besser werden.

Update 17.30 Uhr: Lé Rummel hat im Kommentar unten schon drauf hingewiesen und es gibt weitere Leser des Artikels von Ingo Blazejewski, die ihn als Beifall und Zuspruch für den MSV verstanden haben. Ich kann die andere Lesart  durchaus nachvollziehen, und sie passte auch besser zum Bild, das ich mir durch Ingo Blazejewskis bisherigere Artikeln über den MSV gemacht habe. Doch bin ich mit meinem Verständnis nicht allein. Wenn ich allerdings nur Sprachkritik an dem Artikel üben müsste, wüsste ich die Welt sofort ein bisschen besser. Eins ist für mich sicher, der negative Beiklang des Geld verbrennens ist nicht aus der Welt und wenn er damit den Schuldenschnitt gemeint haben sollte, hat er sich in der Wortwahl vergriffen. Das Geld verbrannt haben andere Verantwortungsträger als die jetzigen.

Wieder Zeit für Dokumentation: Der 23. Mai im Bewegtbild

Schon seit dem letzten Wochenende ist deutlich, wie im letzten Jahr wollen die Anhänger des MSV Duisburg vor der Entscheidung des DFB über die Erteilung der Lizenz „Streifen zeigen“. Zunächst war es der Aufruf, schon jetzt die Dauerkarte für die kommende Saison zumindest vorzubestellen, dann wurde weiter überlegt und gehandelt. Zebrakids e.V. ersteht Generationdauerkarten für bedürftige Kinder, indem auf allen Plattformen um zusätzliche Spenden geworben wird. Über das MSVPortal verspricht  User Plato eine Dauerkarte für die nächste Saison einem Fan zu spenden, der sich den Stadionbesuch nicht leisten kann, und er findet Nachahmer. Schließlich wird  vom User Old School die öffentlichkeitswirksame Aktion initiiert, „Fanshop leer kaufen“. Schnell wird die Ankündigung durch die lokale Presse aufgegriffen. Wie die Bewegtbilder unten zeigen war die Aktion ein Erfolg.

Nicht zuletzt bietet diese nun wieder sichtbare Einheit um den MSV Duisburg zögernden Sponsoren Entscheidungshilfen. Um es im PR- und Wirtschaftssprech zu sagen: Die „story“ stimmt. Unternehmen können dabei sein, wenn etwas Gutes bewirkt wird. Sie können Menschen dabei unterstützen mittels des Fußballs sich in sozialen Fragen zu engagieren, sich mit einem Gemeinwesen identisch zu fühlen. Denn auf die Stadt Duisburg färben diese Aktionen wieder ab. Der Geschäftsführer des MSV Duisburg, Peter Mohnhaupt, bekommt immer bessere Argumente an die Hand. Hoffen wir, dass diese Argumente reichen und seht selbst, was gestern vor dem Stadion passiert ist.

Ein kurzer Eindruck mit einem Clip vom Lokal- TV Studio 47

Andre S. erzählt eine längere Geschichte, in denen Ansprachen an Fans nicht fehlen.

Mehr als einen Fußballverein verlieren, wenn …

Derweil die Verantwortlichen des MSV Duisburg gerade noch beim Geldzusammenkratzen sind, habe ich wieder was zum Thema. Vor dem Pokalfinale am Samstag sprach die Süddeutsche Zeitung mit BVB-Peer Steinbrück, just in jener Zeit NRW-Ministerpräsident als Borussia Dortmund 2005 in HSV-Abstiegsvermeidungsmanier an der Insolvenz vorbeischrappte.  Seit 2010 sitzt er im Aufsichtsrat des Vereins. Kurz kam das Gespräch darauf, wie der in Hamburg aufgewachsene Steinbrück sein Herz für den BVB entdeckte.

Wie kamen Sie zum BVB?

Es gab eine Zeit, in den Jahren 2003 und 2004, als Dortmund ziemlich danieder war und fast in die Illiquidität zu gehen drohte. Da habe ich auf Bitten der neuen Vereinsführung um Reinhard Rauball und Hans-Joachim Watzke versucht, im Rahmen meiner Möglichkeiten behilflich zu sein. Weil mir klar war, dass der BVB im östlichen Ruhrgebiet Identiät stiftete. Wenn angesichts eines schmerzhaften Strukturwandels auch noch der BVB den Bach runtergegangen wäre, hätten die Menschen mehr als einen Fußballverein verloren.

Süddeutsche Zeitung, Samstag/Sonntag 17./18. Mai 2014

Vor dem Sommer letzten Jahres hätte ich eine ähnliche Aussage über das westliche Ruhrgebiet und Teilen des Niederrheins niemals so deutlich ausgesprochen, wenn ich über den MSV Duisburg nachgedacht hätte. Seitdem hat sich das gewandelt. Noch entspricht die Bedeutung dieses Vereins für Stadt und niederrheinisches Umland nicht der von Borussia Dortmund für den östlichen Pott. Was im Übrigen – so meine ich – nicht alleine am Verein liegt sondern auch an einer grundlegenden Stimmung in Duisburg – ein anderes Thema. Im Sommer wurde aber erkennbar, vielen Menschen im westlichen Ruhrgebiet gibt der Verein Identität. Er stiftet Sinn, der über den aktuell gespielten Fußball hinausgeht.

Mit der Geschichte des Vereins lässt sich nämlich etwas erzählen, in dem sich viele Menschen des westlichen Ruhrgebiets wiedererkennen. Die Begeisterung über die  Dokumentation „Meidericher Vizemeister“ rührt nicht zuletzt auch daher, dass Zuschauer sich eigener Wurzeln in ihren Familien bewusst werden können. Seit dem Sommer macht sich rund um den MSV Duisburg etwas bemerkbar, was der Unterhaltungsbetrieb Fußball über Jahre hin erstickt hat. All das, was der MSV Duisburg neben dem Fußball auch ist, verliert zwar ohne den sportlichen Erfolg in der Gegenwart Wert. Umgekehrt ist es aber ebenso.

Es ist bitter, dass jetzt, wenn der MSV Duisburg zum ersten Mal seit Jahren sich anschickt, solide zu wirtschaften, die so dringliche Suche nach dem Geld, von außen gesehen, nichts anderes ist als das, was immer schon aus Duisburg zu hören war. Damit muss der Verein leben, und wir hoffen derweil, dass das fehlende Geld zusammengekratzt wird, versuchen zu helfen, kaufen Dauerkarten zumindest als Zeichen für Sponsoren, auf dass sie im MSV Duisburg etwas erkennen, mit dem ein Unternehmen öffentlichkeitswirksam positive Schlagzeilen machen kann. Denn seit dem letzten Sommer wissen wir sicher, wenn der MSV Duisburg „den Bach runtergeht“, verlieren die Menschen mehr als einen Fußballverein.

 

 

Schon das Bestellen der Dauerkarten hilft beim Schließen der Finanzlücke

Liebe Leute, ab morgen heißt es: Auf in den Zebrashop! Nach den Informationen, die die Zebraherde durch den Vorstand vom MSV Duisburg erhalten hat, trägt jede jetzt schon bestellte Dauerkarte dazu bei, die Finanzlücke von nunmehr 2,7 Millionen Euro bis zum 27. Mai zu vermindern. Es sei betont: Schon die Bestellung der Dauerkarte für die Saison 2014/2015 hilft dem MSV Duisburg. Bezahlt werden muss erst nach dem 27. Mai, wenn die Erteilung der Lizenz sicher gestellt wäre. Es besteht also nicht die Gefahr, dass Geld durch eine Insolvenz verloren ginge. Dementsprechend gibt es keinen Grund mit der Bestellung zu zögern. Jeder, der längst entschlossen ist in der nächsten Saison wieder bei jedem Heimspiel dabei zu sein, sollte im Zebrashop die Bestellung der Dauerkarte seiner Wahl abgeben. Das kann im Übrigen auch jeder machen, der nicht sicher ist, ob er sich die meisten Spiele ansehen kann. Den normalen Eintrittspreis gezahlt, erreichte man den Dauerkartenpreis schon nach 15 Spielen. 19 Spiele hat die Saison. Nur im Zebrashop ist es laut Zebraherde möglich, die Dauerkarte verbindlich zu bestellen, ohne sofort zahlen zu müssen.

MSV-Sieg auch ohne Glück möglich

Chronistenpflicht. So lautet heute das Motto, wenn ich mich noch einmal dem Auswärtsspiel des MSV Duisburg beim 1. FC Saarbrücken zuwende. So viel gibt es nämlich über den MSV Duisburg nach diesem Wochenende zu schreiben. Der Schuldenschnitt ist zu feiern, die Premiere des wunderbaren Dokumentarfilms über die „Meidericher Vizemeister“ stand an und dennoch darf das Spiel in diesen Räumen hier nicht fehlen, sonst zieht schon in ein paar Jahren jemand den Zebrastreifenblog als Beleg dafür heran, dieses Spiel habe nicht stattgefunden. Sonst gäbe es über jedes Spiel wenigstens ein paar Worte, nur über dieses nicht. Alle Spielberichte in anderen Medien müssten demzufolge erfunden sein. So macht sich mancher mit Hilfe vom Netz die Wirklichkeit, und schon klebt am DFB der Zukunft jene Verschwörungstheorie, in der der 1. FC Saarbrücken in der Saison 2013/14 im Kampf gegen den Abstieg maßgeblich benachteiligt wurde.

Beim FCSBlog 2.0 sieht Carsten Pilger hingegen momentan noch den 1. FC Saarbrücken selbst in der Verantwortung. Er zeigt sich enttäuscht vom „Angsthasenfuatsball“ der Mannschaft. Eine harmlose Duisburger Mannschaft hatte er gesehen, und nicht ganz klar wird, ob er damit nur das Spiel in der zweiten Halbzeit meint. Schließlich vermerkt auch er die Chancen der Zebras in der ersten Hälfte, die der 1:0-Führung durch das Tor von Michael Gardawski vorangingen. Den freien Weg aufs Tor hatte ihm Pierre De Wit mit einem steilen feinen Pass in den Lauf eröffnet. Harmlos konnte Carsten Pilger den MSV Duisburg nur deshalb nennen, weil er nicht die Spiele vom MSV gegen Holstein Kiel und die Durststrecke gegen den SV Elversberg gesehen hat. Wir kennen uns besser aus, und ich denke, die meisten von uns waren grundsätzlich zufrieden mit der Spielweise des Vereins unserer Zuneigung.

Zumindest war ich das ab der zehnten Minute ungefähr, als mein Bildschirm nicht mehr nur schwarz war und der Stream endlich ins Laufen kam. Ich habe also die zwei großen Chancen der Saarbrücker in den Anfangsminuten verpasst, von denen der Kommentator des Streams noch bedauernd schwärmte.  Von meinem Anfang an sah ich eine Duisburger Mannschaft, der die Saarbrücker das Spiel überließ und die dieses Mal die Verantwortung für die Spielgestaltung in solider Weise übernahm. Die Mannschaft kombinierte auf engem Raum, um die Chance auf den öffnenden Pass zu suchen. Die Spieler bewegten sich viel, waren präsent und wollten jederzeit ein weiteres Tor. Sicherheit konnten die Zebras auch entwickeln, weil den Saarbrückern selbst nach Balleroberung in für den MSV gefährlichen Zonen des Spielfelds offensiv kaum etwas gelang. Auf die fehlerhafte Ballverarbeitung der Saarbrücker durfte die Mannschaft des MSV Duisburg zählen. Zwei, drei Abspielfehler in der Defensive hätten wirklich gefährlich werden können, doch den Saarbrücker Spielern versprang der Ball oder sie legten ihn sich zu weit vor.

In der zweiten Halbzeit hielten sowohl MSV als auch der 1. FC Saarbrücken ihr jeweiliges spielerische Niveau, und Sorgen machte ich mir nur vor einem immer möglichen glücklichen Tor des Gegners. Dem MSV half dagegen ein  Schiedsrichterpfiff. So ein Handspiel im Strafraum wie das des Saarbrückers Taku Ishihara wird zuweilen gepfiffen und dann wieder auch nicht. Branimir Bajic verwandelte den Elfmeter sicher. Das Spiel war entschieden. Der Sieg fügte der Nachricht vom erfolgreichen Schuldenschnitt  das entsprechende sportliche Resultat zur weiteren Stimmungsaufhellung bei. Allerdings wird auch der dritte Erfolg in dieser Woche keinen Baumann-Kritiker grundsätzlich in seiner Meinung beirren. Dazu müsste die Mannschaft im nächsten Heimspiel nachlegen – mit einer Spielweise, die Anhänger des Gegners harmlos nennen und die wir im Wissen über den Saisonverlauf überaus wertschätzen können.

 

 

 

Die Pressekonferenz nach dem Spiel sowie die O-Töne von Pierre De Wit und Michael Ratajczak.

 

Die Finanzen – Verdrängen und hoffen

Der Januar ist fast vorbei. Ein Monat bleibt nun noch den Verantwortlichen des MSV Duisburg Zeit, die Finanzen grundlegend neu zu regeln. Am 1. März müssen die Lizenzunterlagen beim DFB eingereicht werden. Was vorher notwendig ist, sollte allgemein bekannt sein. Der Schuldenschnitt ist das eine, die dauerhafte Senkung der Stadionmiete das andere. Sinnvoller Weise gibt es von Vereinsseite ohne wirklich neue Fakten keine offiziellen Stellungnahmen mehr. Hin und wieder sprechen Verantwortliche – sei es Udo Kirmse, Jürgen Marbach oder Bernd Maas – beruhigende Worte über die Kontinuität der schweren Arbeit.

Nun muss ich seit eben ein paar Sorgen mehr verdrängen. Bei xtranews wird nämlich Duisburgs SPD-Landtagsabgeordneter Rainer Bischoff zitiert, die Ungeduld wachse. Stadt und Land hätten sich als kooperative Gesprächspartner bewiesen. Der Ball liege nun im Feld des MSV und große Eile sei dringend geboten. Meine Sorge wurde deshalb größer, weil die Verantwortlichen beim MSV Duisburg natürlich auch ohne die Hinweise von Rainer Bischoff wissen, wie wenig Zeit sie für die Lösung der Probleme haben. Rainer Bischoff wollte keine Ratschläge geben, er wollte vorsorgen, falls alles schief gehen sollte. Rainer Bischoff weiß, dass die am MSV interessierte Öffentlichkeit in größter Not versuchen wird, auch wieder die Politik in die Pflicht zu nehmen. Dem will er vorbeugen, und schon jetzt Verantwortung eindeutig bestimmen.

Das ist der zweite Teil, der mir die größte Sorge bereitet. Die wenigen Informationen über die Lage  legen nahe, dass die Verantwortlichen beim MSV Duisburg nicht allzu viel Spielraum in den Verhandlungen mit den Gläubigern haben. Ob das nun Walter Hellmich ist oder die Bodenseebank IBB, beide zentralen Verhandlungspartner für die grundlegende Lösung gehen meinem Eindruck gemäß entspannter in die Verhandlungen als der MSV. Vielleicht tatsächlich, weil auf der einen Seite nur Geld verloren wird, die andere Seite aber, der MSV, alles zu verlieren hat, seine Existenz. Und nun kommt Rainer Bischoff und erhöht den Druck alleine auf Seiten des MSV. Dieser MSV hat nun den schwarzen Peter, obwohl Rainer Bischoff eigentlich wissen müsste, wenn etwa Walter Hellmich und die Bodenseebank nicht wollen, geschieht gar nichts. Im Sommer hatte ich gehofft, die Politik werde Einfluss bei der Lösung des Finanzproblems nehmen. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ich dachte eher an Hintergrundgespräche mit den Gläubigern. Nun also wieder, verdrängen und weiter hoffen.

Update:

Und schon flattert eine Pressemitteilung vom MSV ins Haus. Rainer Bischoffs Botschaft ist angekommen. Meine gerade erfolgreich verdrängten Sorgen machen sich sofort wieder bemerkbar.

Stellungnahme MSV Duisburg

Der MSV Duisburg hat in den vergangenen sieben Monaten mehrfach und offen verdeutlicht, dass die Verantwortung für einen erfolgreichen Schuldenschnitt und damit einer Zukunft für den Verein allein beim MSV und seinem Verhandlungsgeschick liegt. „Wir wissen, dass alle Partner und Fans, Mitglieder und Freunde des MSV in dieser schwierigen und komplexen Situation viel Geduld zeigen müssen“, erklärte Jürgen Marbach, Aufsichtsratsvorsitzender des MSV.

Der MSV betont, dass er auf dem Weg zur Lösung der Situation weitestgehend positive Ergebnisse erzielt hat. „Es gibt für eine solche Situation kein Patentrezept. Und so haben eben noch nicht alle Verhandlungspartner zugestimmt. Wir werden allerdings auch wie bislang weiterhin keine Zwischenstände kommentieren, sondern am Ende ein Gesamtergebnis präsentieren“, betont MSV-Präsident Udo Kirmse.

Seit Ende Juni 2013, nach der Lizenzverweigerung für die 2. Bundesliga durch die Deutsche Fußball Liga, arbeiten die „neuen“ Verantwortlichen des Traditionsvereins aus Meiderich intensiv daran, die enormen, aus der Vergangenheit stammenden finanziellen Probleme im Konsens mit allen unmittelbar Beteiligten zu berichtigen.

„Für die Umsetzung des von uns erarbeiteten zukunftsfähigen Konzeptes benötigen wir unbedingt den Kapitalschnitt“, macht Marbach noch einmal deutlich. Ein im November durch den MSV vorgelegter Kompromiss mit einer niedrigeren als zunächst im Sommer 2013 veranschlagten Quote für den Schuldenschnitt fand leider nicht die Zustimmung aller Gläubiger.

„Die konstruktiven Gespräche mit Politik und Wirtschaft in Duisburg und der Region waren und sind Triebfeder für uns, all‘ unsere Kraft weiterhin in das Bemühen um den Fortbestand des MSV zu stecken“, bekräftigt Kirmse. „Dass der 1. März 2014 dabei als Stichtag für die einzureichenden Lizenzierungsunterlagen steht, ist uns bewusst.“


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