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Der MSV wünscht schöne Weihnachtstage – Ich schließe mich an

Lasst mich diese Weihnachtsgrüße des MSV Duisburg noch einmal auch hier zeigen. Selbst wenn sie bestimmt viele, der hier lesenden schon kennen. Man kann sie auch zweimal sehen. Sie sind schön, diese Weihnachtsgrüße.  Ich gehe mit einem Lächeln in den Tag und schließe mich an. Schöne Weihnachtstage!

Ein dreimal blau-weiß gestreiftes Zebras alaaf!

Ihr kennt mich hier als großen Freund des Karnevals im Veedel. Die Innenstadtkarnevalsexzesse in Köln tue ich mir ja nicht an.  Heute ist es nun wieder so weit, und ich freue mich drauf.  Daran merke ich auch mein Leben zwischen der Kultur des Ruhrgebiets und der Kölns. Früher, in Duisburg, hat mich Karneval nicht sonderlich interessiert. Da lebe ich also zwischen den Kulturen, nehme mir dies und das und habe damit keine Schwierigkeiten. Kenne ich irgendwoher, wird da aber immer als problematischer beschrieben. In der letzten Zeit war ich auch im gesamten Ruhrgebiet viel unterwegs, und überall hingen diese Plakate, die im jeweiligen Ort die große Altweiber-Party dort und dort ankündigten. Hat sich da auch etwas gewandelt? Oder werden heute die Anlässe zum Feiern eben genommen, wo man sie gerade herbekommt. Wahrscheinlich ein wenig von beidem. So viele Fragen.

Da bin ich froh, dass mir in diesem Jahr eine erspart bleibt: Veedelszoch oder Heimspiel. Endlich passt der Spielplan mal wieder einigermaßen zu meinem persönlichen Karnevalskalender. Außerdem darf ich mich freuen, dass Flamur Kastrati wieder spielfähig ist. Vielleicht kann er sich ja im Spiel gegen den FC St. Pauli, klein wie er ist, in den Strafraum schleichen und so herumstehen, dass ein Schuss Richtung Eckfahne an ihm abprallt, sodass der Ball ins Tor rollt. Vielleicht sind die Stürmer der Mannschaft aber auch von vornherein viel besser, als wir es gerade erwarten. Ich bin da grundsätzlich immer zuversichtlich. Auf irgendeine Weise wird es gut ausgehen.

Manchmal ist solch grundsätzliche Zuversicht allerdings nicht angebracht. Dem Spieler des 1. FC Köln Mišo Brečko etwa hätte ein wenig Realismus gut getan, als er mit seiner Fußballer-Standardgroßlimousine das Gleisbett der KVB Richtung Heumarkt befahren wollte. Sein Auto hatte weder die richtige Spurweite für die Gleise, noch war er mit 1,6  Promille so fahrtüchtig, dass er dieses Auto genau auf den Schienen hätte steuern können.  In Köln sind Fußballprofis eben durch den Karneval anderen Verpflichtungen und damit verbundenen Risiken ausgesetzt. Wenn der Spielplan es erlaubt, besteht bei der FC-Sitzung wahrscheinlich Anwesenheitspflicht. Es sollte mal ein Arbeitsgericht klären, ob der Verein deshalb nicht eine besondere Fürsorgepflicht für seine von überall her kommenden Fußball spielenden Angestellten nach einer solchen FC-Sitzung hat. Die sehen, wie es in Köln zugeht, und das wollen die dann womöglich auch so haben. Die denken dann zurecht, Maßhalten ist im Karneval nicht vorgesehen. Ist der Sinn des Ganzen nicht die Regelüberschreitung?

Die Regelüberschreitung verhindern will  die Polizei. Ich bin gespannt, ob Journalisten für ihre Berichte zu den Polizeiaktionen während des Karnevals wieder den besonderen Medienservice der Kölner Polizei in Anspruch nehmen. Während der landesweiten Geschwindigkeitskontrollen neulich waren jedenfalls drei Laienschauspieler als Polizisten im Einsatz. Der Kölner Stadt-Anzeiger hat das dokumentiert.

Es heißt die drei Laienschauspieler seien im Hauptberuf Polizisten, deshalb der Rat an alle Feiernden. Auch Darsteller von Polizisten haben sämtliche Polizeibefugnisse, wenn sie sich als Polizisten ausweisen können.

Und was den Karnevalsauftakt angeht, noch etwas zur Einstimmung: Wir im Stadion kennen ja auch diese Momente der Selbstvergessenheit, in denen jegliche Hemmung gegenüber den eigenen Sangesfähigkeiten dahin geht und das Mitsingen gefühlsduseliger Lieder Energie bringt und Glück verheißt. Im Karneval ist nicht anders, wie im Folgenden das Publikum am Ende einer Stunksitzung dieser Session beweist. Doch auch hier gilt: Selbst die schlechtesten Stimmen können ein schönes Lied wie „Wegen dem Brauchtum“ von Köbes Underground nicht kaputt machen. In dem Sinne schönen Karneval und heute noch ein dreimal blau-weiß gestreiftes Zebra alaaf. Morgen im Stadion beim unerwarteten deutlichen Heimsieg gegen den FC St. Pauli auch gerne wieder helau!

Die Mannschaft sieht nur auf den Misserfolg

Zwei Ausfälle hatte der MSV Duisburg beim Auswärtsspiel gegen den VfL Bochum zu beklagen. Zumindest Emil Julas schmerzende Achillessehne hatte direkten Einfluss auf das Spiel. Statt seiner versuchte sich Flamur Kastrati  darin, lange und hohe Anspiele zu erlaufen. Zwar hatte die Mannschaft schon mitbekommen, Kopfballduelle gewinnt der Norweger eher nicht, die langen Bälle blieben dennoch in der ersten Halbzeit das bevorzugte Mittel, den Ball in die gegnerische Hälfte zu bekommen. Da wusste die Mannschaft noch nicht so recht, auf welche andere Weise sie nach dem Ausfall von Emil Jula Angriffe versuchen sollte.  Erfolgsversprechen sehen allerdings ganz anders aus.

Dagegen lässt sich sicher darüber streiten, wie mein Ausfall durch eine fiebrige Erkältung sich auf das Ergebnis ausgewirkt hat. Vor Ort konnte ich nicht dabei sein, so blieb mir der Blick aufs TV-Bild. Trotz aller stilistischen Bedenken hätte ich jetzt gerne mit dem Kalauer mitfiebernd weitergemacht. Leider gab es da nicht all zu viel mitzufiebern beim Spiel des MSV Duisburg. Etwas regte sich in mir zum Ende des Spiels hin. Da hätte ich den Spielern gerne zugerufen, merkt ihr denn nicht, wie groß die Angst diese Bochumer ist zu verlieren? Vielleicht fiele mein Urteil auch etwas anders aus, wenn ich die ersten zehn bis fünfzehn Minuten des Spiels nicht noch gesundheitsschlafend im Bett gelegen hätte. In dieser Zeit scheint die Mannschaft des MSV Duisburg ja versucht zu haben, das Spiel zu bestimmen.

Nachdem der VfL Bochum aber das Tor zur Führung erzielt hatte, blieb nichts mehr davon übrig. Das Spiel ist nicht in der letzten Minute verloren worden. Das Spiel wurde in dieser ersten Halbzeit verloren, als ein einziges Gegentor jegliches Selbstbewusstsein des MSV Duisburg pulverisierte. Ich verstehe nicht, wieso der Mannschaft ein Gegentor jegliche Kraft nimmt. Warum hat diese Mannschaft keine Routinen, an denen sie sich erst einmal festhalten kann? Das sind Fragen des Interesses. Ich finde das erstaunlich, lese ich doch von guten Trainingsleistungen, die nicht nur Milan Sasic anführte, sondern auch Nutzer des MSVportals gesehen haben.

Ich habe große Sorgen. Ich sehe keinen Fortschritt bei der Entwicklung einer Spielkultur. Ich sehe keine Fortschritte bei der Entwicklung mentaler Stärke. Ich sehe nichts, woran sich diese Mannschaft halten kann, wenn es schlecht läuft. Und es läuft immer schlecht. Wie soll diese Mannschaft außer durch Zufälle Tore erzielen? Der Ausgleich wurde nicht durch kontinuierlich wachsenden Druck auf die Bochumer erspielt. Der Ausgleich fiel durch einen  Freistoß. Er kam aus dem Nichts.  Und nebenbei: Wer schoß den Freistoß? Es war Benjamin Kern. In dieser schon länger anhaltenden Phase der völligen Verunsicherung braucht es Spieler, die sich ihrer selbst sicher sind. Benjamin Kern ist so ein Spieler.  Er strahlt auf dem Platz das aus, was diese Mannschaft in Gänze vermissen lässt. Kevin Wolze strahlt das aus. Goran Sukalo ebenfalls. Aber diese Ausstrahlung springt nicht über auf die gesamte Mannschaft. Die Angst der Bochumer wuchs nach dem Ausgleich und trotzdem hatte ich nicht das Gefühl, die Mannschaft des MSV Duisburg gewinnt psychische Energie durch diese so deutlich spürbare Angst des Gegners. Sicher, die Mannschaft erarbeitete sich Chancen. Doch der Blick dieser Mannschaft liegt auf der verpassten Chance. Der Blick liegt nicht auf der Wiederholung von Chancen. Diese Mannschaft ist anfällig für die Enttäuschung. Diese Mannschaft trauert erst immer einen kurzen Moment darüber, dass aus einer Gelegenheit zu einem Tor sich doch kein Tor ergibt. Erst nach diesem kurzen Moment der Resignation wird wieder angegriffen. Dem Gegner wird so für einen Moment Zeit gelassen, sich wieder zu orientieren. Der Schreck des Gegners wird nicht ausgenutzt. Außerdem ist die eigene Anstrengung sich erneut zu motivieren weitaus größer, als wenn die Mannschaft kontinuierlich weiterspielte. Diese Mannschaft denkt zu viel über den Misserfolg nach.

Mit solcher Spielweise wird diese Mannschaft des MSV Duisburg nicht genügend Punkte schaffen, um dem Abstieg zu entkommen. Das ist kein Pessimismus. Das ist Realismus. Im Moment sehe ich bei der Spielweise der Mannschaft keinen Ansatz, um auf bessere Zeiten zu vertrauen. Natürlich kann diese Mannschaft dennoch Spiele gewinnen, und sie kann genügend Spiele gewinnen, um sich am Ende im gesicherten Mittelfeld zu platzieren. Wir können das allerdings nicht sicher glauben, sondern nur erhoffen, weil – und nun alle zusammen im Chor – im Fußball alles möglich ist.

Ich bezweifel übrigens, dass ein neuer Trainer irgendetwas ändern würde. Viel wichtiger wäre das Engagement eines Sportdirektors, der Milan Sasic auf Augenhöhe begegnet und mit dem er sich vertrauensvoll austauschen könnte.  Vielleicht überrascht euch diese Haltung bei meiner Skepsis gegenüber Milan Sasics Handeln in den letzten Wochen. Aber wir haben unter Milan Sasic schon Mannschaften gut spielen sehen. Es geht um das Abgleichen von Ideal und Wirklichkeit des Spielvermögens dieser Mannschaft. Es geht um das Überprüfen, welche Spieler welchen taktischen Anforderungen genügen können. Es geht um das Überprüfen, wo welche Spieler mit ihren Fähigkeiten am besten zu Geltung kommen. All das müsste ein neuer Trainer ohnehin machen. Warum soll es also Milan Sasic nicht mit einem neuen Sportdirektor gemeinsam machen?

Der Gegenwind ist Rückenwind! – Wirklichkeit und Der Westen

Zu Beginn der Saison habe ich schon einmal eine Überschrift bei Der Westen moniert. Soll hier allmählich die Rubrik Medienkritik zur Standardrubrik werden? Da wird der Artikel zur Pressekonferrenz betitelt: „In Duisburg hapert es an der Kommunikation“. Zum zweiten Mal wird  eine doppeldeutige Überschrift aus dem Hut geholt, und ich beginne mich zu fragen, ist das einfach nur Gedankenlosigkeit oder hat das System? Diese Überschrift hinterlässt beim Leser doch den atmosphärischen Eindruck, der MSV Duisburg hat Schwierigkeiten grundsätzlicher Art. Vielleicht gibt es die, dann müsste aber ein anderer Artikel folgen.

Der Grund für diese Überschrift: Flamur Kastrati antwortet auf eine Frage in der Pressekonferenz zunächst in englischer Sprache und wird danach von Milan Sasic aufgefordert, seine Stellungnahme noch einmal auf deutsch zu sagen. Dirk Retzlaff schildert diesen Vorgang so, als ob er durch Milan Sasics leichten Ärger atmosphärisch belastet gewesen sei. Er sieht Flamur Kastrati dem „Gegenwind“ von Milan Sasic ausgesetzt. Einmal mehr:  hoffentlich hat Dirk Retzlaff nur ungenau formuliert.  Ich erkenne in Milan Sasics Aufforderung jedenfalls vielmehr Rückenwind. Er ermuntert Flamur Kastrati seine guten Deutschkenntnisse zu zeigen. Wer den Artikel liest, stellt sich Unstimmigkeit vor und belastete Gefühle. Davon kann ich in der Pressekonferenz nichts erkennen.

Dank der Kollegin von xtranews.de kann sich jeder selbst ein Bild machen – Ab 3:19 wird die Frage gestellt. Das Ganze dauert etwa anderthalb Minuten:

Ab der zweiten Halbzeit war die Saison noch lang genug

Gestern Mittag habe ich gedacht, nimm dir mal die Mannschaft vom MSV Duisburg im Freitagsspiel gegen den FC Energie Cottbus zum Vorbild und sei beim Schreiben über das erste Heimspiel dieser Saison während der Anfangsphase ganz einfach mal nicht so präsent. Für einen Leser hier ist das dann allerdings dümmer als für uns Zuschauer eines Fußballspiels.  Wenn ich als Autor nicht präsent bin, passiert nichts. Worte bleiben ungeschrieben und der Vorspiel-Text ist auch am Samstag nach dem Spiel der erste auf der Blogseite. Der MSV Duisburg  lässt in so einer Anfangsphase wenigstens zwei Tore zu und kitzelt unser Spannungsgefühl. Schließlich fiel der Anschlusstreffer von Jiayi Shao in der 16. Minute früh genug, damit noch alles möglich schien. Allerdings festigte das Shao-Tor im weiteren Spielverlauf seine äußere Erscheinung als Zufallsprodukt, als das es ins Spiel geschlichen kam. Was unsere Freude über das Tor selbstverständlich dennoch nicht störte.

Der Mannschaft vom MSV Duisburg gelang kaum etwas in dieser ersten Halbzeit. Da klappte es hinten mit der Zeit zwar etwas besser als vorne; aber das war immer noch nicht genug, um gegen sehr gut kombinierende Spieler vom FC Energie Cottbus auch nur den Hauch einer Überlegenheit zu erspielen. Mit einigem Wohlwollen aus besonders optimistischer Perspektive ließ sich allenfalls ein zunehmendes Gleichgewicht zwischen beiden Mannschaften feststellen. Wobei die Cottbusser dank ihres funktionierenden schnellen Passspiels mir bei Ballbesitz eher Sorgen bereiteten als der Ball in den Reihen des MSV mich auf den Ausgleich hoffen ließ.

In der zweiten Halbzeit behielt der Optimist in mir zunächst recht. Das Spiel des MSV Duisburg nahm Fahrt auf. Jürgen Gjasula und Daniel Brosinski waren eingewechselt worden. Endlich fand das Spiel meist in der Hälfte vom FC Energie Cottbus statt. An zwingende Chancen kann ich mich dennoch nicht erinnern. Wenn ein Ball einmal nicht so unpräzise in den Strafraum geflankt wurde, dass er mühelos geklärt werden konnte, kamen Flamur Kastrati oder wer auch immer in solch einer ungünstigen Position zum Schuss, dass ich schon auf die nächste Chance sehnsüchtig wartete, ehe der Ball überhaupt im Aus landen konnte. Hinzu kam die Sorge vor einem jederzeit möglichen Konter, gegen den auch eine beste Abwehr nicht immer ausreichend gewappnet ist.

Aus dieser Spielphase habe ich noch Benjamin Kern vor Augen, der beim Grätschen ein grandioses Timing zeigte und im letzten Moment einen Ball vor dem schon aufs Tor zulaufenden Cottbusser Spieler wegspitzelte. Zugegeben, ich mag die Spielweise von Benjamin Kern und sehe ihm Fehler vielleicht leichter nach als anderen Spielern. Aber im Moment halte ich ihn in bei der Mannschaftsfindung für ebenso unverzichtbar wie Branimir Bajic oder Goran Sukalo. Er war als Verteidiger bislang niemals ein Ausfall. Er spielte immer auf solidem Niveau mit eher häufigen Ausreißern nach oben. Für eine diffuse Haltung der Mannschaft könnte er ein Orientierungspunkt sein. Denn dieser Mannschaft vom MSV Duisburg fehlt es nicht nur noch an der Struktur ihres Spiels, auch die Energien der Spieler bündeln sich noch nicht. Benjamin Kern könnte zur Geschlossenheit beitragen, weil seine Haltung und Bereitschaft das Spiel anzunehmen sichtbarer ist als bei anderen Spielern. Er strahlt positive Energie aus.

Sucht man die der unentwickelten Mannschaftspsyche entsprechenden Momente auf der fußballerischen Ebene, so fällt auf, dass das defensive Mittelfeld beim Pressing wenig aggressiv wirkt. Kampfkraft, so weit vorhanden, verpufft meist. So wird der Angriffsdruck des Gegners auf die Abwehrreihe so groß, dass dort die einzelnen Spieler oft  ein schlechtes Bild abgeben. Da fehlt es an Einheit bei der Defensivarbeit. Und selbst eine Einheit wäre wahrscheinlich überfordert, wenn wie bei beiden frühen Gegentoren während der Vorwärtsbewegung noch in der eigenen Hälfte der Ball verloren wird. Reibungslos lief die Cottbusser Angriffskombination runter, alles orientierte sich auf die Ballverlustseite und schon steht Benjamin Kern alleine mit zwei Gegenspielern auf seiner  Seite. In der zweiten Halbzeit hat mir Kevin Wolze als Linksverteidiger übrigens sehr gut gefallen. Auch wenn er zuvor selten dort gespielt hat. Im Moment scheint er mir auf dieser Position am wertvollsten zu sein.

Als Belohnung für die Anstrengung in der zweiten Halbzeit wäre der Ausgleich gerecht gewesen. Als Ergebnis eines gut organisierten Offensivspiels konnten ihn allerdings niemand erwarten. Einige Male sahen wir in der zweiten Halbzeit Schlaglichter auf die mögliche Spielkultur dieser Mannschaft. Dauerhaft vorhanden war sie nicht. In der ersten Halbzeit ließ mich der MSV Duisburg einigermaßen ratlos auf meinem Stehplatz zurück. Zum Glück folgten nach der Pause 45 Minuten, nach denen ich zwar nicht zufrieden war, die mich aber nach ein paar Minuten haben denken lassen, die Saison ist noch lang.

Saisonvorbereitung – Spieler kommen, Spieler gehen

Ich sagte es schon, in dieser Sommerpause geht mir alles zu viel schnell, und das liegt nicht nur an meinem Alltag. Allein die Abfolge der Spielerverpflichtungen für die neue Saison machte den MSV Duisburg zu einem heißen Anwärter auf den ersten von der DFL ausgelobten Speed-Transfering-Award. Oder wäre der DFB als Hüter der Tradition mit der Wolfgang-Fahrian-Medaille der besser geeignete Preisverleiher?

Wie viele neue Namen mussten wir lernen, und wie schnell musste der Verein sich für Schreibweisen dieser Namen entscheiden. So viel Bildung ist dabei ganz nebenbei möglich. Wann etwa wird statt der slawischen Endung „-ow“ die andere slawische Endung „-ov“ gechrieben? Der MSV Duisburg schreibt nun Karimow für den Karimov andererorts. Ebenfalls wäre herauszubekommen, wann das slawische Doppel-Binnen-i zum  „-iy“ wird? Oder welche der Buchstabenkombination ist überhaupt slawisch? Der MSV Duisburg schreibt  „Domovchiyski“. Vielleicht liesse sich lernen, dass slawisch gar nicht slawisch ist.

Und so einen asiatischen Namen wie Jiayi Shao könnte man bestimmt auch anders transkribieren. Vielleicht sogar Chinesischer? Etwas mehr Beijing statt Peking? Ich müsste ihn mal seinen Namen sprechen hören. Fremde Namen klingen immer gleich fremd. Doch für die Regeln, wie sie geschrieben werden, gibt es auch so was wie Zeitgeist.

Ich schweife ab, dabei haben wir so wenig Zeit. Die Spielzeiten gehen dieses Jahr ineinander über. Wollte ich nach dem Pokalfinale erstmal einen Moment durchschnaufen, schon war ich mit der möglichen Verpflichtung des nächsten neuen Spielers beschäftigt. Und schon verließ Bruno Hübner kurz darauf den Verein. Und schon änderte das überhaupt nichts an der Qualität der schon wieder gemeldeten nächsten Spielerverpflichtung. Wird hier denn gar nichts über neue Spieler geschrieben? Das, so dachte ich zwischendurch mal, wäre ein passender Titel für einen Beitrag. Ich kam nicht mit. Wollt ihr mal eine Chronologie der Kaderzusammenstellung per MSV-Seite sehen mit entsprechendem Speed-Commenting? Die Abfolge der Ereignisse war selbst für den Verein so schnell, dass es weder für den Wechsel von Sefa Yilmaz im Juni in die Türkei noch für die Ausleihe von Daniel Beichler eine offizielle Bestätigung auf der Seite gibt. Das ging nur per Pressemitteilung raus, und wurde von den Medien entsprechend verbreitet. Wenn sich die Ereignisse überschlagen …

30.3.  „MSV verpflichtet Stürmer Emil Jula für drei Jahre“. Früh werden die Weichen für die nächste Saison gestellt.  Gefällt mir sehr!

5.5.     „Aus Wolfsburg: Abwehrspieler Karimov wird ein Zebra„. Damals noch mit „-ov“ geschrieben. Der erste Eindruck bestätigt sich. Den Plänen wird gefolgt!

9.5.     „Perfekt: Shao wechselt zu den Zebras“. Mehr ein Zeichen für die  zurück gewonnene Attraktivität des MSV Duisburg als Arbeitgeber, als dass ich beim Namen in Jubel ausbreche.

12.5    „MSV verpflichtet Kevin Wolze vom VfL Wolfsburg„. Perspektive! Wenig Geld! Perfekter Sasic-Spieler.  Gute Erfahrung mit Wolfsburgs zweiter Reihe in der letzten Saison.

19.5.   „Neues Zebra: Gjasula kommt für zwei Jahre!“ Noch ein klassischer Sasic-Spieler, dieses Mal der älteren Art! Wird noch stärker beim MSV Duisburg als in der lezten Saison!

25.5.    „Sportdirektor Bruno Hübner verlässt den MSV Duisburg„. Schock! Schwere! Not! Enttäuschte Zuneigung. Dann geh doch!

27.5.   „MSV Duisburg leiht Mittelfeldspieler Zvonko Pamic aus“. Business as usual! Das Angefangene wird abgearbeitet. Gut so! Mir doch egal, wenn er weg ist.

29.5.  „Goran Sukalo bleibt – und verlängert bis 2013!
Na also, auch Spieler mit einem musternden Seitenblick
auf fremde Vereine, erkennen, beim MSV Duisburg sieht
die Zukunft vielleicht rosiger aus.

1.6.      „MSV leiht Mittelfeldspieler Vasileios Pliatsikas aus“. Noch eine alte Geschichte wird zum Ende gebracht.

13.6.   „Drei neue Zebras da: Domovchiyski, Fromlowitz & Brosinski!“ Was für eine Mischung! Alte Verhandlungen zum Abschluss gebracht, und offensichtlich etwas ganz Neues mit Fromlowitz eingestielt. Es läuft.

16.6.   „MSV verpflichtet Stürmer Flamur Kastrati„. Und noch ein einer, der unter Sasic seine Schwächen ablegen möchte und Konstanz in die schon gezeigten sehr guten Leistungen bringen möchte. Der MSV ist wieder eine gute Adresse.

18.6.   „Neu beim MSV: Markus Bollmann wird ein Zebra„. Günstig Erfahrung einkaufen. Die gelungene Mischung des Kaders wird im Blick behalten. Bruno Hübner ist endgültig Geschichte.

2.7.      „Klasse: „Baja“ mindestens bis 2013 in Zebrastreifen!
Und noch jemand, der weiß, was gut für ihn und den
MSV Duisburg ist.

4.7.      „Nach Leverkusen: David Yelldell verlässt den MSV“
Gibt dem Torwartgefüge eine weniger konfliktträchtige
Struktur. Bei finanziellem Gewinn.

6.7.    „Keeper Felix Wiedwald wird ein Zebra.“ Und schon ist die Alternative parat. Sagte ich schon, dass die Sache auch ohne Bruno Hübner sofort rund läuft?

Eigentlich halte ich es bei einem Verein wie dem MSV Duisburg nicht für sehr sinnvoll, jeden einzelnen Spieler zu bewerten. Bei einem Verein wie dem MSV Duisburg wirkt das noch mehr wie Kaffeesatz-Leserei als es sonst schon der Fall ist. Und ein Verein wie der MSV Duisburg ist nahezu jeder Verein in der 2. Liga – entsprechend den gesteckten Zielen.

Ich will das erklären. Natürlich lässt sich aus der Karriere eines Spielers etwas über den potentiellen Wert dieses Spielers für den Kader eines Zweitliga-Vereins hochrechnen, aber in dieser 2. Liga ist weniger der einzelne Spieler entscheidend für den möglichen Erfolg des Vereins als die Verwirklichung einer Strategie. Ob der einzelne Spieler die Mannschaft stärken wird, ist schon eine falsch gestellte Frage angesichts der Fluktuation in den Kadern während der Sommerpause. Zehn bleibende Spieler und 17 oder noch mehr hinzukommende. Da muss jemand vorher ein Bild vom Ganzen haben, in das er die Spieler möglichst vorteilhaft platziert.

Verfolgt man die Spielerverpflichtungen des MSV Duisburg, wird deutlich, dieses Bild ist im Verein vorhanden. Das hat bei aller Enttäuschung über den Zeitpunkt des Vereinswechsels von Bruno Hübner mit seiner Arbeit zu tun. Er hat schon früh in der abgelaufenen Saison begonnen, weiter an der Verwirklichung des auf drei Jahre angelegten Plans zum Aufstieg zu arbeiten. Wenn nach seinem Wechsel zu Eintracht Frankfurt die Nachrichten zu neuen Spielerverpflichtungen unterbrechungslos gemeldet werden konnten, wird er dafür Vorarbeit geleistet haben. Welcher Spieler genau als erster völlig ohne seine Dazutun verpflichtet wurde, lässt sich von außen gesehen gar nicht sagen.

Florian Fromlowitz erzählt etwa irgendwo – ich such jetzt nicht extra danach – , der erste Kontakt zum MSV Duisburg sei durch einen Anruf von Milan Sasic zustande gekommen. Da hätten wir die originäre Leistung ohne Bruno Hübner, die beweist, die kleine Krise durch seinen Weggang wurde sehr gut bewältigt. Das ist etwas, was übrigens David Nienhaus mit seinem Contra-Kommentar zur Fromlowitz-Verpflichtung ganz übersieht. Es geht bei diesen Verpflichtungen nicht nur um den einzelnen Spieler. Es geht um das Gefüge. Und das Gefüge auf der Position des Torwarts hat bei aller Leistung von David Yelldell in der letzten Saison nicht gestimmt. Zudem hat die Verpflichtung Strahlkraft, weil da ein Torwart kommt, der seine Erfahrung in der Bundesliga gemacht hat und zwar in einer Zeit, die überaus schwer für ihn gewesen ist. Das wirkt über die einzelne Spielerverpflichtung hinaus. Florian Fromlowitz hat bereits einen Namen, welche Schwächen  auch immer er hat. Seine Verpflichtung ist ein Zeichen für die Öffentlichkeit, für den Spielermarkt und für Gegner. Die Begründung für so eine Verpflichtung ist viel komplexer als ein direkter Vergleich des Leistunsvermögens von David Yelldell und Florian Fromlowitz. Genau das belegt die erfreute Reaktion von uns Fans.

Die Verpflichtung von Florian Fromlowitz bestätigt den Eindruck, beim MSV Duisburg wird planvoll gehandelt und Chancen werden nur im Sinne des Plans ergriffen. Ich erkenne anhand der Spielerverpflichtungen die Konturen eines Bildes, auf das ich hoffnungsfroh neugierig bin. Wenn ich recht überlege, ist die Sommerpause eigentlich doch mindestens eine Woche zu lang. Es könnte heute Abend endlich wieder beginnen.


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