Posts Tagged 'Frank Baier'

Akzente 2018 inoffiziell – Frank Baier und Die Grenzgänger mit Bei Duisburg sind viele gefallen

Am Samstag sind die 39. Duisburger Akzente eröffnet worden. Nie wieder Krieg? lautet das Motto des Kulturfestivals. Auch dieses Jahr begleite ich die Akzente im Zebrastreifenblog mit einem inoffiziellen Programm ohne Bühnenpflicht für jeden Tag.

Der Duisburger Liedermacher Frank Baier widmete politischen Liedern früh seine Aufmerksamkeit. Nicht nur dass er sie in seine Konzertprogramme aufnahm, er gab schon in den vorvernetzten Zeiten Sammlungen dieser Lieder als Liederbücher heraus. So haben ihn auch jene Lieder interessiert, die begleitend zum Ruhrkampf entstanden sind.

Bei Duisburg sind viele gefallen besingt den Tod von Arbeitern im Ruhrkampf, der als bewaffneter Arbeiterwiderstand gegen den Kapp-Putsch in der Weimarer Republik im März 1920 begann. Dieser Widerstand führte zu bürgerkriegsähnlichen Kämpfen zwischen der Arbeiterarmee und den die Demokratie bedrohenden Freikorps. Die Arbeiterarmee konnte trotz unterlegener Bewaffnung die Freikorps besiegen. Als in den Ruhrgebiets-Städten später Teile der Arbeiterschaft zudem die politische Macht ergreifen wollten, gerieten sie in Konflikt mit der Regierung in Berlin. Die Reichswehr wurde in Marsch gesetzt. Deren Oberbefehlshaber zog zur Unterstützung Teile jener Freikorps heran, die sich wenige Wochen zuvor als Feinde der Weimarer Republik erwiesen hatten.

Mit der Folkband Die Grenzgänger hat Frank Baier für sein Programm mit Liedern aus dem Ruhrkampf zusammengearbeitet.

 

Mit einem Klick weiter zu allen Beiträgen des inoffiziellen Akzente-Programms 2018 im Zebrastreifenblog.

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Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Folge 21: Frank Baier – Über unsern Kohlenpott

Gegen Ende der 1970er Jahre gibt der Liedermacher Frank Baier ein Konzert in Aachen. Glauben wir der Quellenangabe entstammt der Clip mit dem Lied „Über unsern Kohlenpott“ aus einem Dokumentarfilm von Florence Kraak und Klaus Helle. „Gegen Spekulanten“ habe ich als möglichen Titel gefunden. Allerdings spricht Frank Baier im Clip noch vom Anfang des Jahres 1979 und die Quelle gibt als Entstehenszeitraum 1976 bis 1978 an. So viel zur zeitlichen Einordnung.

Frank Baier – einmal mit einem Klick bei Wikipedia, einmal mit einem Klick zu seiner Seite –  ist nicht nur schon seit jeher ein  politischer Liedermacher, dessen Aufmerksamkeit deshalb auch dem historischen politischen Lied gilt, er versteht sich zudem als eine Art Historiograph des Ruhrgebietslieds. Zusammen mit Jochen Wiegandt hat er die Sammlung Glück auf! – Liederbuch Ruhr herausgegeben.

„Über unsern Kohlenpott“ ist eine schöne Liebeserklärung an die Region, in der verbesserbare Lebensverhältnisse der Arbeiter subtil zusammengebracht werden mit dem vordergründig beschriebenen Naturerlebnis Ruhrgebiet. Ende der 1970er Jahre war die Naturlandschaft Ruhrgebiet als öffentliches Bild noch eine sehr viel größere Sensation als heute. Für Frank Baier waren TV-Bilder dieser Naturlandschaft Anlass für das Lied. Frank Baier besingt die Landschaft und kontrastiert diese Freizeitlandschaft mit der „Maloche“. Es klingt ironisch, wenn alle, die so „schön schuften“, sich noch gratis Luft und Wasser warm machen. Schließlich geht es in der letzten Strophe um ein gar nicht mehr so schönes Leben als Malocher. So macht sich ein weiterer Sinnzusammenhang bemerkbar. Abhängigkeitsverhältnisse deuten sich an. Irgendjemand, der ungenannt bleibt, ist verantwortlich für die Lebenssituation der Malocher. Das ist anders als in den Texten der Gegenwart, in denen meist nur ein Zustand harten Lebens beschrieben wird. Nicht einmal indirekt gibt es noch Adressaten, denen Verantwortung für dieses Leben aufgebürdet wird.

Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

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Heimatlied – Sektion Duisburg – Folge 10 – Frank Baier und Gunter Gabriel

Die Heimatliedsektion Duisburg weist auch das polititische Lied als Unterkategorie auf. Der Duisburger Liedermacher Frank Baier widmete solch politischen Liedern früh seine Aufmerksamkeit. Nicht nur dass er sie in seine Konzertprogramme aufnahm, er gab schon in den vorvernetzten Zeiten Sammlungen dieser Lieder als Liederbücher heraus. Mit dem im letzten Jahr zusammen mit Jochen Wiegandt  herausgegebenen Glück auf! – Liederbuch Ruhr verfolgte er zudem für die Region ein ähnliches Anliegen wie ich hier für Duisburg. Von den dort erwähnten sechs Duisburg-Liedern kann ich zwei von ihm selbst gesungen vorstellen. Die anderen müsste er mal bei einem Konzertabend mitschneiden lassen, auf dass er mir für den Zebrastreifenblog Kostproben zur Veröffentlichung erlaubte.

Bei Duisburg sind viele gefallen besingt den Tod von Arbeitern im Ruhrkampf, der als Arbeiteraufstand gegen den Kapp-Kutsch in der Weimarer Republik im März 1920 begann. Dieser Aufstand führte zu bürgerkriegsähnlichen Kämpfen zwischen der Arbeiterarmee und der Reichswehr sowie Freikorps. Frank Baier sang das Lied zusammen mit den Grenzgängern bei einem Konzert.

Rheinpreußen ruft Alarm gehört in die Protestkultur der 1970er Jahre. Die Bewohner der Homberger Rheinpreußen-Siedlung kämpften gegen den Abriss ihrer Häuser. Die Siedlung war eine der zahlreichen im Ruhrgebiet gebauten Arbeitersiedlungen, die in den 1970ern im Zuge von Modernisierungsbemühungen abgerissen werden sollten. Frank Baier singt das Lied in der Siedlung Eisenheim, wo Anfang der 1970er Jahre bereits ebenfalls ausdauernder Bürgerprotest den Abriss verhinderte. Mit Schülern einer Herner Schule ist er vor Ort. So ist dieser Clip gleichzeitig ein Zeugnis gemeinsamer Ruhrgebietsgeschichte und verweist auf die Identität dieser Region.

Wiederum ein paar Jahre später wird Ende 1987 die drohende Schließung des Stahlwerks in Rheinhausen und dem daraus sich ergebenden Arbeitskampf deutschlandweit zum Nachrichten bestimmenden Thema. Der Arbeiterprotest findet Rückhalt in der gesamten Region. Der Einsatz und die Verbundenheit der Menschen vor Ort nötigt Respekt ab. Gunter Gabriel verstand sich immer auch als Liedermacher für die Benachteiligten dieser Gesellschaft. So gibt es auch von ihm ein Lied zum Arbeiterkampf der Rheinhausener Stahlarbeiter.

Hinweise auf weitere online zu findende Duisburg-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

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Heimatlied – Sektion Duisburg – Folge 5

Zwischendurch komme ich zu meiner kleinen Reihe über Duisburg-Lieder zurück. Wenn es heute noch einmal um Matthias Lixenfeld geht, dann lässt sich mit ihm auch einiges über Erinnerungskultur und Kanonbildung unserer Gesellschaft erzählen. Gab es in Duisburg mit ihm doch einen Liedtexter und Komponisten, der in einer Reihe steht mit jenen Größen rheinischen Liedguts wie Jupp Schmitz oder Willi Ostermann. Wenn ich über sein Schaffen lese und sein heute hier vorgestelltes Lied über Hochfeld höre, sehe ich eine Traditionslinie musikalischen Schaffens, die in Duisburg keine Fortsetzung gefunden hat. Sollte es anders sein, bitte ich um Hinweise.

Dass ein Mann wie Matthias Lixenfeld kein Berufsmusiker werden konnte, wundert nicht. Dazu brauchte es die Professionalisierung seines Tätigkeitsfeldes, die selbst in Köln zu seiner Zeit erst in den Anfängen vorhanden war. Diese Professionalisierung ist die eine Voraussetzung, um Kultur der Vergangenheit für die Gegenwart zu bewahren. Die andere ist das Interesse der städtischen Gesellschaft. Für das Selbstverständnis von Duisburg wurde dieser Teil städtischen Lebens offensichtlich immer unwichtiger. Vielleicht ändert sich das momentan. Die Gründung der Matthias-Lixenfeld-Gesellschaft ist jedenfalls ein Versuch, diese Traditionslinie Duisburger Vergangenheit in der Gegenwart fruchtbar zu machen und das Werk von Matthias Lixenfeld dem Vergessen zu entreißen.

Schon in der ersten Folge hatte ich die konzertante Aufführung  seines Lieds der Duisburger mit aufgenommen. Dieses Lied wurde aufgezeichnet während einer Feier am 14. November 2010 anlässlich seines 111. Geburtstages. Auf derselben Feier brachten Harald Molder und der Duisburger Liedermacher Frank Baier ein Lixenfeld-Lied über Hochfeld zum Vortrag. Dieses Lied steht in der Tradition der Karnevalslieder seiner Zeit. Die Melodie ist einfach, der Text aber will nicht nur gefallen. In ihm paart sich das Wohlwollen für die Stadt mit einem ironischen Blick. Wenn Duisburg sich um Identität und Selbstbild, um städtisches Selbstbewusstsein kümmert, sollte es sich auch bei Matthias Lixenfeld mal umgucken.  Denn solche Texte schreibt nur, wer die Stadt mag und ihr deshalb jederzeit auch etwas zumuten kann.

Den folgenden Text habe ich vom Youtube-Clip übernommen. Sollte es dagegen Einwände geben, bitte melden, dann wird er hier wieder gelöscht.

Örgeswo en Hochfeld steht jetz en Kamin.
Boh – wat eß da hoch, man kann öhm sehr witt siehn.
Awer wenn et donkel weed, ek frog wat dann?
Gonnt van selws drei Reihe rote Lämpkes ahn.
Seit da nu gebaut eß, weiht en andre Wend.
Kin Atömke Stoff ma mehr en Hochfeld fend.
Propper send die Strote, dä Hemmel blau on klor,
Wie hä an de Reviera niemols wor.

Jo, jo, en Hochfeld, do weiht en Löfke,
Jo, jo, en Hochfeld, do eß en Döfke,
Jo, jo, en Hochfeld, do hölt mer’t ut.
Wie make nächstens noch en Kurort drut!

Hinweise auf weitere online zu findende Duisburg-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

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