Posts Tagged 'Frank Fahrenhorst'

Zerrüttete Beziehung

Manchmal kommen Menschen zusammen und sehen im jeweils anderen, das Versprechen auf gemeinsames zukünftiges Glück. Vielleicht erhoffen sie sich für dieses gemeinsame Glück vom anderen Ergänzung. Leider ist die eine Seite dabei manchmal hoffnungsfroher als die andere, die sich noch gut auch an die schönen Momente mit dem Menschen vorher erinnert. So eine Schieflage zu Beginn braucht sehr viele neue schöne Momente, damit die begonnene Gemeinsamkeit nicht bald wieder auseinander geht. Fehlen diese Momente, führen enttäuschte Gefühle irgendwann zu einem völligen Zerwürfnis:
„IchSo: Er So:“ heißt die Rubrik für Interviews beim Blog Die Erste.tv. Frank Fahrenhorst wird dort über seine Laufbahn befragt, und als der Wechsel zum MSV Duisburg zur Sprache kommt, lesen wir, er hält diesen Wechsel für eine „falsche Entscheidung“.  Ich erinnere mich noch gut, das schwierige Verhältnis zwischen Frank Fahrenhorst und dem MSV Duisburg war früh schon absehbar gewesen.
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Fügung gibt es auch in Gelsenkirchen

Nun darf man sich vorstellen, dass beim Stochern im Nebel des Abwehrspiels beim FC Schalke 04 jeder, der im blauen Trikot mal vorbei kommt, zum möglichen Retter in der Not werden kann. Man sieht ja einfach die Hand vor Augen nicht mehr. Schon vor dem ersten Spiel des FC Schalke 04 in der Champions League war Frank Fahrenhorst kurz als möglicher Abwehrspieler für die erste Mannschaft vom FC Schalke 04 von einigen Journalisten erkannt worden. Dann hatte sich der Nebel doch wieder gelichtet und den Blick auf andere Spieler wieder frei gegeben. Doch zur großen Enttäuschung der Schalke-Welt haben sie die Mannschaft nicht aus dem nebelverhangenen Tal rausgeführt. Jetzt ist gerade immer wieder mal neben Christoph Metzelder nur noch Frank Fahrenhorst zu sehen. So etwas meinte ich gestern mit Fügung, als ich von dem sprach, was zur guten Spielweise des MSV Duisburg hinzukommen muss, wenn es um das große Nichtauszusprechende gehen soll. Da geht ein Spieler aus der Zweiten Liga in die Regionalliga um mit seiner Erfahrung der zweiten Mannschaft vom FC Schalke 04 Sicherheit zu geben, und plötzlich ward er beim Stochern im Nebel von Felix Magath gesehen. Was für ein Moment der Hoffnung, wenn man sich verloren glaubt und nun nicht mehr alleine fühlen muss. Da ist es auch erst einmal nicht ganz so wichtig, ob der entdeckte Mann im blauen Trikot die Abwehr wirklich aus dem Nebel führen kann. Möglich ist in Zeiten großer Verirrung alles. Durch Fügung eben.

Eine Sportredaktion möchte Leser staunen lassen

Das ist in den letzten Tagen noch liegen geblieben. Ich komme auf diesen Zeitungsausschnitt trotzdem zurück, weil mit der kurzen Meldung über Frank Fahrenhorst wieder sehr schön und deutlich gezeigt werden kann, wie Journalismus oft funktioniert und wie auf diese Weise auch Wirklichkeit entsteht.

Da steht also als Essenz der Meldung die Überschrift „Ex-Nationalspieler Fahrenhorst – In Duisburgs Reserve“. Das hat so ungefähr um den Trainingsauftakt vom MSV Duisburg herum für die Sportredaktion der Süddeutschen Zeitung Nachrichtenwert in ganz Deutschland. In Duisburg hat das keinen Nachrichtenwert mehr, weil diese Tatasche jeder am MSV Interessierte seit fast zwei Monaten weiß.

Für Deutschland erhält die Meldung aber auch nur deshalb Nachrichtenwert, weil dank Frank Fahrenhorsts kurzzeitiger Nationalspieler-Vergangenheit der Titel der Meldung möglich gewesen ist. Ansonsten wäre Frank Fahrenhorst  ein Spieler unter vielen, von dem sich sein alter Verein trennen möchte. Für Frank Fahrenhorsts Leistung in der letzten Saison aber war sein Vorleben als Nationalspieler belanglos. Es hatte keine Bedeutung, weil diese Zeit viel zu lang her ist. Bedeutsam wird dieses Vorleben nur, weil der Sportredaktion neben der WM-Berichterstattung noch weitere Sportseiten zur Verfügung stehen, die gefüllt werden müssen. Und so wird aus einem Nichts an Meldung der kleinste Tropfen Besonderheit herausgepresst.

Wenn die Meldung allerdings zu deutschlandweitem unglaublichem Respekt vor der Mannschaft des MSV Duisburg führen sollte, will ich nichts gesagt haben. So stark ist sie, dass nicht mal mehr ein deutscher Ex-Nationalspieler mithalten kann. Ich habe es gerade mal laut vor mich hingesagt. Beeindruckend klingt das nicht. Das „Ex“ stört doch sehr. Oder habe ich einfach die Wirklichkeit der letzten Saison zu deutlich vor Augen? Leser der Süddeutschen Zeitung ohne Kenntnisse der Duisburger Verhältnisse helft mir!

Klinsmann für Klose und Bajic für Fahrenhorst

„Klinsmann für Klose“ las ich heute morgen als Überschrift einer kurzen Meldung im Kölner Stadt-Anzeiger. Seufzend bedauerte ich Mario Gomez, und dachte, nun wird es noch mehr Ärger mit den Engländern geben. Wenn Jürgen Klinsmann statt Miroslav Klose gegen Serbien stürmt, muss die FIFA dem DFB die Sondererlaubnis gegeben haben, einen Spieler nachzunominieren. Dieser gute Draht des DFB zur FIFA gibt den Engländern zwar einen ganzen Stall voll Sündenböcke für ihr Ausscheiden, aber Mario Gomez wird auf seinem Zimmer heimlich fluchen, wenn Jürgen Joachim Löw ihm so einen Michael Schumacher des Fußballs vorzieht. Was haben wir überlegt, wieviel der so herrlich anzusehende und überlegen erspielte Sieg gegen Australien Wert ist. Nach der Meldung von Klinsmanns Aufstellung wissen wir es immer noch ebenso wenig wie die Antwort auf die Frage, warum Miroslav Klose nicht spielen kann. Im ersten Moment erschreckt man vielleicht, wenn Löws Kumpel aus alten Sommermärchen-Tagen der Mannschaft weiterhelfen soll. Aber vielleicht ist es genau andersrum, die Mannschaft spielt so gut, dass sie als eine Art Jungbrunnen dem Kumpel aus alten Tagen durch seine Schaffenskrise als Trainer bringen wird. Im Fußball ist es Gott sei Dank häufig entweder so oder doch ganz anders, wahrscheinlich nur deshalb, damit wir immer was zu reden haben.

In Duisburg bietet dazu eine Spielerverpflichtung die Gelegenheit. Branimir Bajic scheint so eine Art Frank Fahrenhorst von Milan Sasic zu sein, auch wenn er ihn in Koblenz nicht mehr trainiert hat. Da verlasse ich mich mal auf die statistischen Daten bei fussballdaten.de. Wir wissen aber, in der Region seines ehemaligen Arbeitgebers kennt sich Milan Sasic noch immer bestens aus. Wie viel besser muss es also früher gewesen sein, als er die meiste Zeit seines Tages noch im direkten Einzugsgebiet verbracht hat. So wirkt diese Spielerverpflichtung wie eine Maßnahme zur Basissicherung. Grundnahrungsmittel müssen eben auch im Haus sein. Wenn man am Supermarkt mit der einen Buttermarke nicht mehr vorbeikommt, geht man zu dem anderen, der nun auf dem Weg liegt und greift zur anderen Buttermarke.

Die Planungen für die Abwehr sind nach der RevierSport-Kürzestmeldung jedenfalls abgeschlossen, bleibt die offene Frage, wie lange noch sich Fahrenhorst und Schlicke demnächst auf Meidericher Nebenplätzen fit halten werden. Überraschend wäre die Entwicklung nur noch dann, wenn wenigstens einer von beiden plötzlich doch wieder im regulären Vereinsbetrieb auftauchen würde. Bis dahin unterhalten wir uns über die Perspektiven von Bruno Soares.

Fahrenhorsts Fieber und eine Mail aus Bern

Gehört es zu meiner Chronistenpflicht vor einem Spiel, in dem sehr wahrscheinlich Tiago auf der Position von Frank Fahrenhorst eingesetzt wird, von der Mail eines Bloggers aus Bern zu berichten? Es ging in dieser Mail nämlich um besagten Tiago. Aber wenn ich darüber schreibe, sieht das vielleicht so aus, als frönte auch ich einer besonders weit verbreiteten Lieblingsbeschäftigung von MSV-Fans, dem Unken und Meckern. Wo gerade jetzt durch die Nachricht von Frank Fahrehorsts anhaltendem Fieber zwar meine Stimmung nicht weiter beeinflusst wird, aber mit Sicherheit einige  andere Fans erleichtert und guter Laune sind. Der nachfolgende Hinweis soll also keinesweg  Stimmungen gefährden, sondern ist als Angebot für Fans mit Runduminformationsanspruch gedacht.

Die Mail aus Bern kam mit der Frage, wie Tiago sich in Duisburg mache. Viel zu erzählen gab es da aus verletzungsbedingten Gründen ja nicht – Tiagos Verletzung, nicht meine. Im Blog über Young Boys Bern liest sich das dann so:

Der “Champions League erfahrene” (O-Ton Sportchefgott Marcel Hottiger) Spieler Tiago kam von Barcelona II im Jahre 2005 zu YB. An Tiago wurden hohe Erwartungen gestellt, die er leider nur sehr selten wirklich vollumfänglich erfüllen konnte. Dies lag sicher auch daran, dass Tiago nicht der Abwehrchef war, als der er uns vorgestellt wurde. Trotzdem gehörte er zu den Leistungsträgern in der Defensive der Berner. Im Jahre 2008 verliess er dann Bern und wechselte nach Deutschland in die 2. Bundesliga zum MSV Duisburg.“

Das klingt nun noch nicht sonderlich stimmungstrübend. Deutlicher sind andere Worte der Wertung, die ebenfalls von gut informierten Berner Kreisen verbreitet wurden. „Unkonstant“, daran erinner ich mich, außerdem an  „gute Phasen“  und dabei leider immer  „wieder diletanttische Fehler“. Betrachtete ich jetzt die Zukunft des MSV in den bekannten düsteren Duisburger Fanfarben, hieße das für mich, passt wunderbar. Ein gleichwertiger Ersatz für „Gefahrenhorst“. Da ich das aber überhaupt nicht bin, sehe ich trotz Tiagos Verletzung anderthalb Jahre Entwicklungsmöglichkeiten für ihn und hoffe auf eine stabile Abwehr gegen einen Sturm, der von manchem vor der Saison als am torgefährlichsten in der Zweiten Liga angesehen wurde. Gegen den zurzeit torgefährlichsten Sturm hat der Verein aller Vereine im Auswärtsspiel nur zwei Tore hinnehmen müssen.  Arminia Bielefeld kommt übrigens, um zu gewinnen. Aber das wollte der MSV in Kaiserlautern ja auch.

Auswärts beim FC St. Pauli oder Die Spielbewertung herauslesen

So groß ist meine Familie nun auch nicht, und nun kam es schon zum zweiten Mal in diesem Jahr zum Zusammentreffen von bedeutender Familienfeier und Spiel des MSV Duisburg. Alles nur Schuld dieser so kurzfristig terminierten Spieltage, da ich beim Datum der Familienfeier sogar ein wenig Mitspracherecht hatte. Und da das Samstagspiel in dieser Saison zudem so früh stattfindet, gab es nicht einmal die Möglichkeit, eine Radioreportage zu verfolgen. Zu Beginn einer Feier geht das einfach nicht.

Deshalb Meinung bilden wie in alten Zeiten beim Lesen von journalistisch inspirierten Spielberichten bei RevierSport, Kicker, Rheinische Post, Der Westen; von Blogs: Tina oder von Augenzeugenberichten im  MSVPortal. Aus dieser Melange von Fakten und unterschiedlichen Meinungen schließlich Schlüsse ziehen. Das ist in diesem Fall gar nicht so schwierig, weil die Bewertung des Spiels nur in wenigen Fällen auseinander geht. Ein paar Mal lese ich etwas von Enttäuschung, weil aus dem Überzahlspiel bei einer empfundenen Überlegenheit des MSV in der zweiten Halbzeit mehr hätte herausspringen müssen. Lese ich aber gleichzeitig auch von den Chancen St. Paulis in der ersten Halbzeit und der Riesenmöglichkeit zum 3:1, denke ich eher, Leute, seid zufrieden. Das Ergebnis ist genau das vorher Erhoffte. Für mich ist es sogar noch mehr: Es ist erneut ein Beleg dafür, dass die Mannschaft an sich glaubt. Genau das zählt auf die lange Frist der gesamten Saison. Genau das stimmt mich für die nächsten Spieltage zuversichtlich.

Natürlich wirkt die wacklige Defensive weiter bedrohlich, wobei hier unterschiedlich Gewichtungen der Hauptgefahrenquelle gesehen werden. Peter Neururer rückt das defensive Mittelfeld in den Blick, Bodzek und Tararache hätten ihre Arbeit dieses Mal nur unzulänglich erfüllt. Bei seiner Meinung muss man aber auch im Blick halten, er spricht auch als Manipulator der öffentlichen Meinung zum Schutz seiner Spieler. Da möchte er vielleicht Druck von den Abwehrspielern auf jene umverteilen, die ihn dank guter Leistungen in den letzten Spielen besser vertragen können. Liest man die Journalisten, hatte Olivier Veigneau keinen guten Tag. Was ein paar Zuschauerstimmen bestätigen. Frank Fahrenhorst dagegen muss nicht so schlecht gewesen sein wie im Spiel gegen Cottbus, auch wenn erneut manche heftige Kritik von Zuschauern auf ihn niedergeht. Dennoch gibt es zum ersten Mal auch andere Stimmen, die ihm eine eher solide Leistung bescheinigen. Das  scheint mir ein Hinweis darauf, dass es mit seiner Spielqualität in die richtige Richtung geht.

Im Spiel nach vorne wirkt der MSV anscheinend weiter gefestigt und das bei eher mäßigen Leistungen der Einzelspieler. Auch das ist etwas, was mich positiv stimmt. Das Spiel des MSV Duisburg wird durch diese Geschlossenheit weniger anfällig. Selbst ein nicht ganz so guter Sandro Wagner macht dann noch sein Tor. Darauf kommt es an. Und wann hat es zuletzt so viel Spaß gemacht, dem MSV bei seinem Spiel zuzusehen? Denn das ist die übereinstimmende Meinung überall, es war erneut ein Spiel, bei dem beide Mannschaften guten Fußball gezeigt haben.

Maicon-Fans der Fans werden unruhig

Am Anfang einer Saison weiß noch niemand genau, was eine Leistung zu bedeuten hat. Ergebnisse und  Spielweise des MSV bei den ersten drei Pflichtspielen lassen zwar Verbesserungsbedarf erkennen. Ganz offensichtlich ist der aber nur bei Frank Fahrenhorst. Alle anderen Spieler waren auf ihren Positionen mindestens so gut, dass sie das gelingende Zusammenspiel der Mannschaft zumindest nicht behinderten. Es gab darüber hinaus sehr gute Spieler, und nun könnte eigentlich jeder Fan angesichts der vorhandenen Leistung erwartungsvoll nach vorne sehen, ob beim Spiel gegen den FC St. Pauli der MSV Duisburg seine Leistung gegen Cottbus bestätigt.

Allerdings gibt es da einen Spieler, der wie ein kleiner Stachel manche Fan-Seele immer wieder piekt. Maicon ist auch gegen den FC St. Pauli erneut nicht im Kader. Wir wissen, der Mann spielt technisch gut, und es gibt einige Fans, die seine Fähigkeiten im Spiel des MSV Duisburg vermissen. Die Krux bei der Sache Maicon ist allerdings die, dass die Befürworter seines Einsatzes die gleichen guten Argumente haben wie diejenigen, die sagen, die Mannschaft hat gut gespielt und nun soll sie erst einmal ihre Leistung wiederholen dürfen. Im Forum vom Transfermarkt werden die Argumente sehr differenziert ausgetauscht, was mir dann doch besser gefällt als jene Kommentare bei Der Westen, wo es ja gerne auch mal grobschlächtig zur Sache geht.

Ich selbst bin da mehr auf der Seite derer, die Maicon zwar ballsicher, aber in schnellen Spielen immer auch langsam gesehen haben. Deshalb gibt es für mich auch keine Notwendigkeit ihn schon jetzt in der Startelf für Yankov zu bringen. Yankov ist neben Fahrenhorst für mich der einzige Spieler, der in Gefahr geriete, seinen Platz räumen zu müssen. Aber schon nach zwei Spielen? So schafft man keine Stabilität im Mannschaftsgefüge. Denn so schlecht war er nun auch wieder nicht. Es ist natürlich für einen Mann wie Maicon schwer, wenn er aus taktischen Gründen wieder nicht zum Zug kommt. Ein professioneller Umgang mit der Situation ist natürlich, sich dennoch leistungsbereit zu zeigen. Peter Neururer lanciert genau das in den Medien und erklärt, warum er Maicon nicht berücksichtigt. Am Anfang einer Saison weiß also niemand so ganz genau, was eine Leistung wert ist. Was am Anfang einer Saison aber klar zu erkennen ist: Ein Trainer muss seine Mannschaft nicht nur trainieren, sondern auch Stimmungen im Blick haben – bei seinen Spielern natürlich, aber auch bei den Fans.

Wieviel Ballkontakte hatte Starke? – FC Energie Cottbus (H)

Nach dem Spiel gegen den FC Energie Cottbus schillern meine Gefühle zwischen Begeisterung, Zuversicht und einem leisen und deshalb auch immer wieder verschwindenden Hadern. Was für eine Überlegenheit des MSV und dann steht da ein Unentschieden als Ergebnis. Nur oder gerechter Weise? War es erst um die 32. Minute, als Tom Starke das erste Mal den Ball aufnehmen musste? Und hatte er in der ersten Halbzeit fünf oder sechs Ballberührungen? Das hat sehr gut ausgesehen, was der MSV Duisburg gestern Abend gezeigt hat. Was mich daran besonders zuversichtlich stimmt, ist die Entwicklung, die diese Mannschaft genommen hat. Die Startelf kennen wir bis auf zwei Spieler aus der letzten Saison, und es ist tatsächlich so, dass die Sicherheit des Mannschaftsspiel nach vorne die einzelnen Spieler besser macht und natürlich wirkt das Ganze auch umgekehrt. Die besseren einzelnen Spieler machen den Aufbau des Spiels sicherer.

Die Überlegenheit des MSV ergab sich nun nicht, weil der Gegner so schwach war. Cottbus wollte vorsichtig aus sicherer Abwehr heraus beginnen, doch der MSV Duisburg hat die gegnerische Mannschaft von Anfang in die eigene Hälfte gedrängt. Die Überlegenheit wurde gegen gut stehende Gegenspieler erspielt. Kein Gedanke daran, dass Cottbus nur den ersten, meist eine Viertelstunde dauernden Ansturm einer Heimmannschaft überstehen musste. Die Überlegenheit hielt an. Selbst das Gegentor brachte das Spiel des MSV nicht zum Erliegen.

Die Angriffsbemühungen der Cottbusser wurden normalerweise so im Keim erstickt, dass dieser Angriff, der zum Gegentor führte, wie aus dem Nichts kam und so nicht einmal Gelegenheit bot, sich aufzuregen. Dabei war es gekommen, wie wir es die ganze Zeit befürchtet hatten. Auf solch einen Angriff hatten die Cottbusser offensichtlich gewartet. Wahrscheinlich hätten sie gegen ein paar Chancen mehr nichts gehabt. Sie hätten sich aber auch nicht beschweren können, wenn der MSV in Führung gelegen hätte. Die größte Chance war ein Kopfball von Frank Fahrenhorst, der auf der Linie geklärt wurde. Als Abwehrspieler allerdings strahlt Frank Fahrenhorst noch nicht die Sicherheit aus, die Markus Brzenska in der letzten Saison von Anfang an auszeichnete. Natürlich hat die Abwehr in so einem Spiel nicht viel Gelegenheit, sich im eigenen Strafraum auszuzeichnen. Und an solchen Spielsituationen wie vor den zwei Gegentoren gibt es ist nicht sehr viel zu kritisieren. Es sind weniger die Kleinigkeiten im Stellungsspiel als die der Präsenz des Abwehrsspielers, die mich unruhig machen, wenn ich an Gegner denke, die vielleicht einmal häufiger als Cottbus in die Nähe des MSV-Tores kommen. Die Arbeit des Abwehrsspielers muss längst geschehen sein, ehe ein Stürmer im Strafraum an den Ball gelangt. Bei so einem Spiel wie gestern kann es nach einem Konter zu dem Ballkontakt des Stürmers im Strafraum kommen. Verhindern wird der Abwehrspieler den Torschuss dann nicht mehr völlig, aber er kann ihn erschweren und da scheint es mir für Frank Fahrenhorst noch Verbesserungsbedarf zu geben. Weder strahlt er einschüchternde Präsenz noch Ruhe aus.

In der zweiten Hälfte bot sich das selbe Bild wie in den ersten 45 Minuten. Der MSV blieb weiterhin deutlich überlegen, und dennoch musste wieder ein Gegentor aus dem Nichts weggesteckt werden. Erst da, meine ich, war zu erkennen, der Glaube der Mannschaft an sich selbst, begann zu wanken – trotz des weiter erkennbaren Willens den Ausgleich zu erzielen. Denn von dem Moment an gab es einige wenige Versuche den Ball Richtung Tor zu bringen, die zwar noch nicht verzweifelt, aber auch nicht mehr völlig überlegt waren.

Der Ausgleich dann brachte mir zumindest so etwas wie ein Gefühl von Gerechtigkeit zurück. Gerade wie die Tore vom MSV zustandekamen, zeigt die Qualität des Spiels noch einmal in konzentrierter Form. Beide Tore fielen dank einer ausgewogenen Mischung von Einzelleistung und Mannschaftsspiel. Dieses zweite Tor wurde hervorragend vorbereitet durch Sandro Wagner, der sich gegen zwei eng deckende Cottbuser durchsetzte. Als er nach rechts auf Adam Bodzek ablegte, sah man von unserem Platz aus, im Rücken Bodzeks, wie perfekt sich Bodzek zum Ball hin bewegte. Er musste einfach treffen. Das erste Tor wiederum ergab sich aus einem perfekten Abwurf Tom Starkes fast bis an die Mittellinie in den Lauf von Dorge Kouemaha hinein. Kouemaha überdribbelte die herankommenden Cottbusser Verteidiger dank Schnelligkeit und technischen Geschicks, um im richtigen Moment auf den mitgelaufenen und frei stehenden Sandro Wagner zu passen. Der wiederum brachte den Ball sicher ins Tor.

Noch einmal: Auch wenn in manchen Spielberichten heute Sandro Wagner im Mittelpunkt steht, es waren nicht einzelne Spieler sondern die Mannschaft, die sich in der Vorwärtsbewegung sicher war. Immer wieder gab es auf engstem Raum Ballkontrolle dank technischer Sicherheit der einzelnen Spieler und schnellem Kurzpassspiel. Christian Tiffert zeichnete sich da aus. Die Pässe und die Einsatzbereitschaft von Mihai Tararache waren wieder auf einem Niveau, das wir in Duisburg schon nicht mehr geglaubt hatten noch einmal zu sehen. Die Entwicklung von Sandro Wagner ist hervorragend. Endlich behauptet er den Ball nicht nur aufgrund seiner Schnelligkeit. Endlich blitzt seine Technik nicht nur in einigen wenigen Spielsituationen auf, sondern sie ist das ganze Spiel über erkennbar. Sein Kopfballspiel wird zudem immer besser. Chavdar Yankovs spielerische Qualiäten blieben gestern allerdings meist ein Versprechen. Adam Bodzek knüpft an die starken Spiele zum Schluss der letzten Saison nahtlos an.  Zur Verteidigung wird nach anderen Spielen mehr zu schreiben sein. Nachdem Caiuby eingewechselt wurde, war seinem Spiel die noch nicht genügende Bindung ans Mannschaftspiel anzumerken. Als Einzelspieler ist technisch großartig. Seine Pässe finden aber nicht immer die Mitspieler, mehr noch, vor allem seine Querpässe bringen die eigene Mannschaft in Gefahr, einen Konter hinnehmen zu müssen.

Nicht oft habe ich ein derart gutes Zweitliga-Spiel vom MSV gesehen. Natürlich kitzelt da ganz kurz ein Gedanke an die letzte Saison, in der auch das erste Heimspiel gegen Rostock mit eines der besten Spiele der Saison überhaupt gewesen ist. Meine heutige Hoffnung auf stabile spielerische Verhältnisse beim MSV Duisburg beruht aber darauf, dass dieses Spielvermögen das Ergebnis einer Entwicklung ist und damit alles andere als ein Augenblicksereignis. Da sollten noch einige gute Spiele mehr drin sein. Ich bin dabei.

Die Außendarstellung von Fußballverein und Bauunternehmen

Anscheinend achtet man bei der Führung eines Bauunternehmens und der eines Fußballvereins in Personalunion auf verschiedene Dinge im Hinblick auf die Selbstdarstellung. Die Berichterstattung zur Verpflichtung von Oliver Wittke als Geschäftsführer der Hellmich-Unternehmensgruppe macht mich nämlich auf einen grundsätzlichen Unterschied in der Öffentlichkeitsarbeit für beide Bereiche aufmerksam.

Nirgendwo habe ich eine Stellungnahme von Walter Hellmich zu dem Engagement des ehemaligen Landesbau- und Verkehrsministers in seinem Unternehmen gelesen. Dabei hätte ich es gerade in diesem Fall als sehr passend empfunden von Walter Hellmich über die Qualitäten seines neuen Mitarbeiters unterrichtet zu werden. Da haben ja manche Landespolitiker einige Zweifel, wie Oliver Wittke sein Mandat als Landtagsabgeordneter in Einklang bringen will mit den Anforderungen, die an ihn als Geschäftsführer im Bauunternehmen herangetragen werden.

Walter Hellmich als „Boss“ des MSV Duisburg handelt nach außen hin ganz anders. Wenn der MSV Duisburg jemanden neu verpflichtet, wird gerne der interessierten Öffentlichkeit berichtet, dass sich Walter Hellmich vor der endgültigen Vertragsunterzeichnung mit dem Betreffenden noch einmal zusammen setzt. Dabei schauen sich der „Boss“ und der zukünftige MSV-Arbeitnehmer dann „tief in die Augen“. So wurde es neulich bei der Verpflichtung von Frank Fahrenhorst berichtet und ich erinnere mich auch an die Verpflichtung von Jürgen Kohler, bei der Walter Hellmich ebenfalls das Auswahlverfahren mit diesem Qualitätssicherungstest abschloss. Gerade bei Jürgen Kohler wurden die Zweifel an dessen Qualifikation mit diesem Argument vom intuitiven Urteil Walter Hellmichs vom Tisch geräumt.

Es sieht so aus, als dürfe im öffentlichen Reden über Fußball die Folklore des fürsorglichen, geradlinigen und väterlichen Unternehmensführers mit Weitsicht etwas mehr Raum beanspruchen als in der Berichterstattung über Politik und Wirtschaft. In der Welt des Fußballs kann sich Walter Hellmich weiter so zeigen, wie er sich selbst beim Aufbau seines Unternehmens erlebt haben mag. Vielleicht aber braucht Walter Hellmich im Fall seines Geschäftsführers Oliver Wittke auch nur keine Zweifel an dessen Nutzen für sein Unternehmen ausräumen.


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