Posts Tagged 'Friedhelm Funkel'

Vorbildhafte Zebras 1997

Vor dem Spiel morgen gegen Arminia Bielefeld braucht es nicht viele Worte. Im dritten Zweitligaspiel der Saison kommt der erste Gegner, mit dem der MSV zweifellos mithalten muss; mehr noch, gegen diesen Gegner müssen im Heimspiel eigentlich drei Punkte geholt werden. Der MSV sollte gewinnen. Als Notausgang gegen die Enttäuschung versuche ich mir schon seit vorgestern einzureden, ich sei auch mit einem Unentschieden zufrieden. Richtig überzeugen kann ich mich aber nicht.

Ihr wisst natürlich auch, dieser von mir gesuchte Notausgang ist der Leistung in den ersten beiden Spielen geschuldet. Wir haben noch keinen Anhaltspunkt dafür, dass wir der Mannschaft in irgendeiner Weise vertrauen können. Vielen von euch wird es genauso gehen, und wenn ich mir die Worte von Gino Lettieri und Dustin Bomheuer anhöre, habe ich den leisen Verdacht, ihrer Sache sicher sind sich Spieler und Trainer noch nicht. Beide wissen zwar, es gibt keinen Zweifel über das Ziel, mit einem Wort benannt wird es aber nicht.

Für mich klingt es milder, wenn Gino Lettieri davon redet „zu Hause zu punkten“ und Dustin Bomheuer davon, die Punkte zu behalten. Als ob es ein schlechtes Omen wäre, das Ziel auf den Punkt zu bringen. Ich will gewinnen. Wir müssen zu Hause punkten. Probiert das mal aus. Das macht einen Unterschied. Der MSV muss sich sein Selbstvertrauen noch erspielen. Bei der Arminia hat deren Torwart Wolfgang Hesl im Interview-Portrait seines Vereins über ihn weniger Schwierigkeiten das Wort „gewinnen“ auszusprechen. Auch daran ist zu erkennen, die Arminia geht etwas entspannter in das Spiel als der MSV. Noch mehr wird dort über das Auswärtsspiel der Arminia gegen den MSV aber nicht gesagt.

Zurück zum Selbstvertrauen des MSV.  Erfolg stellt sich dann eher ein, wenn man sich vor der zu lösenden Aufgabe, den Erfolg vorstellt. Wer an das Scheitern denkt, verschlechtert seine Chancen. Es gibt also innere Bilder, die beflügeln, und schön ist es, wenn man die Bilderflut heute dazu nutzen kann, diese inneren Bilder hervorzurufen. Im September 1997 hat eine andere Mannschaft des MSV mit 2:1 gegen eine andere Mannschaft der Arminia gewonnen. Probleme, Tore aus dem Spiel heraus zu erzielen, gab es damals auch.  Carsten Wolters hat damit damals sehr beeindruckend ein Ende gemacht.

Denksport mit Huub und ein Flutlichtspiel der Funkel-Ära

Wenn der MSV Duisburg gegen gegen Zweitvertretungen von Bundesligavereinen antritt, können wir aus Pressekonferenzen des gegnerischen  Vereins eine Denksportaufgabe machen. Huub Stevens hat nämlich einiges über das Auswärtsspiel vom VfB Stuttgart II beim MSV Duisburg zu sagen. Ihr dürft euch nur nicht davon irritieren lassen, dass er andauernd einen anderen Gegner seines Vereins nennt. So erfahren wir das Khedira nicht spielt und Cacau auch nicht. Schon wissen wir, selbst wenn das Spiel des MSV gegen VfB II sonntags stattfände, so viele  Überraschungen wird die von Karsten Baumann auf der Pressekonferenz erwartete Wundertüte VfB II nicht bereiten. Die Bundesligaspieler werden in der Bundesliga gebraucht. Dagegen wäre es eine schöne Überraschung für mich, wenn den Zebras nicht nur ein vierter Sieg in Folge gelänge, sondern auch die passablen spielerischen Ansätze der letzten Begegnung gegen die defensiv ausgerichteten Saarbrücker auch vor dem heimischen Publikum zu sehen sein könnten.

Angesichts der guten Nachrichten in der letzten Woche rund um den MSV Duisburg, egal ob in sportlichen, wirtschaftlichen oder filmischen Belangen,  möchte ich uns den Rückblick auf ein anderes Flutlichtspiel des MSV Duisburg gegen den VfB Stuttgart gönnen. Damals, allerdings an einem Sonntag, am 24.11.1996,  kam die erste Mannschaft der Schwaben als Spitzenreiter ins Wedaustadion zum MSV, der als Aufsteiger in die Saison gegangen war. Vor dem Spieltag belegten die Zebras, trainiert von Friedhelm Funkel, den 15. Tabellenplatz, nach dem Spiel war die Mannschaft 13. und der VfB Stuttgart rutschte auf den 2. Platz ab. So etwas geschieht, wenn der MSV gewinnt. 3:1 lautete der Endstand. Die Daten zum Spiel gibt es mit einem Klick weiter beim Kicker. Ein paar Geschichten stecken in diesem Spiel, Geschichten, die längeren Vorlauf für das Schreiben brauchen. Joachim Löw war damals Trainer des VfB. Der heutige VfB-Sportdirektor Bobic hieß zusammen mit Balakov und Elber „Magisches Dreieck“, was seitdem unter VfB-Titelschutz steht. Auf Zebraseite gefielen mir ganz besonders mal ein paar Worte zum Duo Wohlert und Wolters. Ab auf den Notizzettel.

Hier aber nun die Bewegtbilder des damaligen Ran-Berichts mit dem Kommentar von Werner Hansch. Als Ansporn für die Zukunft auf wirtschaftlich gesunder Basis für die mittlere Frist und als vorbildhaftes Ergebnis für diesen Spieltag.

 

Solidarität unter Leidensgenossen im Fußball-Westen

Gestern Abend spuckte Google unter dem News-Suchbegriff „MSV Duisburg“ eine Meldung mit folgender Überschrift aus: „Fußball 2. Liga: Keine Wettkampf-Aggressivität“. Ach, dachte ich, als ich Der Westen als Quelle las, haben die Herren Retzlaff oder Tartemann nochmal was zur Wochenendberichterstattung nachgelegt? Ein Klick, und welche Überraschung. Die Bochumer Kollegen im Haus beschäftigten sich mit Andreas Bergmanns Eindruck vom Spiel. Andreas Bergmann ist übrigens nicht der neue Trainer vom MSV Duisburg sondern vom VfL Bochum. Wie wir seit gestern Abend auch wissen, kann sich der MSV Duisburg zudem große Hoffnung für das Spiel am kommenden Sonntag machen. Denn in Bochum gibt es noch Solidarität und Hilfsbereitschaft. Friedhelm Funkel wurde keineswegs wegen der Erfolgslosigkeit der Bochumer Mannschaft entlassen. Als die ersten Berichte über die trainerlos gewordene Mannschaft von Alemannia Aachen Bochum erreichten, war den Verantwortlichen des VfL sofort klar, sie müssten handeln. Es sind immer die, denen es selbst nicht gut geht, die am meisten geben.

Saisonvorbereitung, die letzte – Symbolfoto-Bildtextbearbeitung

Reibungsloser und sanfter ist ein Übergang noch nie geschehen. Am heutigen Samstag lassen sich für mich Saison- und Spielvorbereitung kaum mehr unterscheiden.  Das eine greift ins andere, wenn ich lese, wie wenig eingespielt viele Trainer der 2. Liga ihre Mannschaften sehen. Milan Sasic dagegen hält seine Mannschaft für den „Start beim KSC gut vorbereitet.“ Das beruhigt mich, und deshalb kann ich mich noch einmal voll und ganz nur um die Saisonvorbereitung kümmern – zum letzten Mal für dieses Jahr. Danach sehe ich mich für die ersten Wochen der Saison mental gut eingestellt und werde von Spiel zu Spiel denken. Letzteres betone ich, weil ein Foto in der Süddeutschen Zeitung vom letzten Donnerstag genau das Gegenteil erreichte. Ich musste an das Ende der kommenden Saison denken. Das Foto zeigt Friedhelm Funkel und Milan Sasic im nachdenklich-angeregten Gespräch. Online finde ich den Artikel leider nicht. Aufgenommen wurde das Foto wahrscheinlich kürzlich beim Freundschaftsspiel zwischen dem MSV Duisburg und dem VfL Bochum.

Wenn ein Artikel von einem Foto bebildert ist, ohne dass der Artikel direkt mit Friedhelm Funkel und Milan Sasic im Gesprächdiesem Foto zu tun hat, können Gedanken schon mal abschweifen. Da reißt dann der an das Symbolfoto geknüpfte Faden des Artikels, in dem über den „Frühstart“ der 2. Liga als allgemein empfundener „Fehlstart“ berichtet wird. Dieser Faden findet sich, in Worten ausgedrückt, in der Bildunterschrift: „Auch Zweitliga-Routiniers erleben mal was Neues: Friedhelm Funkel (links), Trainer des VfL Bochum, und Milan Sasic, Trainer beim MSV Duisburg, mussten noch nie so früh in eine neue Saison starten.“ Mir zeriss es den Faden fast sofort, weil ich im Moment ständig Menschen begegne, die von mir etwas über die Aussichten des MSV Duisburg in der neuen Saison hören wollen. Diese Menschen lesen hier und dort die Sportnachrichten, und da stoßen sie trotz aller Beschwichtigungsmaßnahmen von Milan Sasic auch auf den MSV Duisburg, wenn es um Anwärter für den Aufstieg geht. Dass der VfL Bochum in diesem Anwärterkreis dabei ist, versteht sich von selbst. Und so sah ich plötzlich dieses Foto im Mai nächsten Jahres noch einmal in den großen Zeitungen dieses Landes abgedruckt. Denn Symbolfotos frönen hemmungsloser Promiskuität. Sie nehmen jede Bildunterzeile. Ihr könnt mich einen Kuppler nennen, doch eine nächste Bildunterschrift blieb mir im Kopf und ich kann sie nur bis auf weiteres vertreiben, wenn ich hier darüber schreibe: Auch Zweitliga-Routiniers erleben in Zeiten gemeinsamen Erfolgs mal was Neues: Friedhelm Funkel (links), Trainer des VfL Bochum, erfuhr von Milan Sasic, Trainer des MSV Duisburg, in Duisburg kann so lange Zeit Unaussprechliche nach diesem Spieltag endlich beim Namen genannt werden.

So viel als Abschluss meiner Saisonvorbereitung. Meine Perspektiven für die kommende Saison sind dieselben wie immer. Ich glaube an den best möglichen Tabellenplatz, spreche es nicht in klaren Worten aus und passe meine Erwartungen von Spieltag zu Spieltag dem jeweiligen Tabellenplatz an – immer den best möglichen Ausgang des Geschehens im Blick.

Der Ex hat wieder eine Neue

Wie ich euch kenne, habt ihr das natürlich sofort mitbekommen: Die ist jetzt mit dem Friedhelm zusammen. Lange war der ja nicht allein, wirkt einfach immer noch attraktiv. Schon klar, er kommt nicht bei jeder gut an. Es gibt so viele, die sich für was Besseres halten. Und jünger sind wir auch alle nicht geworden.

Aber wie die jetzt ihre ersten Tage zusammen verbringen, da kriegt man ja richtig Mitleid mit ihm. Wir konnten damals wenigstens noch richtig glücklich sein. Nicht nur eine kurze Zeit!  Uns stand die Welt offen. Das war schön. Damals. Und wir haben nicht rumgesponnen. Wir haben etwas erreicht. Da können die anderen, mit denen er zusammen war, doch nur von träumen.

Mit wem war er zum ersten Mal in einem großen Finale? Als Trainer! Das erste Mal bleibt immer etwas Besonderes. Und dann noch Berlin. Das Pokalfinale! Als wir zusammen waren, konnten wir noch mit Zuversicht in unsere gemeinsame Zukunft gehen. Vernünftig, wie die jetzt heute, das waren wir auch. Aber doch nicht nur. Man kann doch nicht immer nur vernünftig sein. Man muss sich doch auch ein wenig mögen.

Hat er das wirklich verdient, so empfangen zu werden? Schon am Anfang. Bei uns hat er alles das erst am Ende zu hören gekriegt. Wenn es auseinander geht, da gehen einem die Eigenarten des anderen eben auf die Nerven. Aber sich schon am Anfang Gedanken darüber machen, ob das mal gut geht? Ich wünsche es ihm so sehr, dass zu der Vernunft auch ein wenig Zuneigung hinzukommt. So ein neuer Trainer ist doch auch nur ein Mensch.

Von wegen Sommerloch

Nach dem letzten Spiel der Saison 2008/2009 des MSV Duisburg gegen Osnabrück hatte ich kurz überlegt, worüber in diesem Blog in den nächsten Wochen zu schreiben wäre. Natürlich sah ich Zeit für Themen, die ein wenig aus dem Blick geraten waren – das Literarische zum Fußball vor allem. Gleichzeitig meinte ich zu wissen, dass angesichts des mangelnden tagesaktuellen Geschehens das ein oder andere bunte Thema nötig wäre. Denn wie erschiene einem Leser egal welchen Mediums ein Sommer ohne Loch. Das käme ja fast schon Dauerregen gleich.

Doch am Tag nach dem nun wirklich letzten Spiel der Saison 2008/2009 sehe ich erstmal einen Sommerberg. Zu viele Gedanken gehen mir durch den Kopf bei all dem, was nun im Fußball abseits der Spielfelder stattfindet. Unangenehm an diesen Gedanken ist nur, sie sind noch nicht so weit durchdacht, als dass ich sie, ein Thema vertiefend, nutzen kann. Nehmen wir etwa all die Trainerwechsel nach Ende der Spielzeit. Mir fehlt gerade einfach die Zeit, diesen für mich so offensichtlichen Beleg für die weitere Veränderung der Kultur des Fußballs umfassend zu zu deuten.

Da kann ich dann nur vermerken, Matthias Sammer sieht die Entwicklung mit Sorge, doch denkt er an die von den wechselnden Trainern außer acht gelassenen moralischen Standards. Ich sehe da vorerst Entwicklungen und möchte eher soziologisch auf den Fußball blicken, der sich als Unterhaltungssparte unserer Gesellschaft immer bedeutsamer erweist. Da bieten sich für die Akteure dieser Unterhaltungssparte Anleihen aus anderen Branchen an, wenn sie ihnen Vorteile bringen. Eine Moral muss sich in diesen veränderten Zusammenhängen dann ebenfalls weiter entwickeln und braucht solche Stimmen wie die von Matthias Sammer. In der Vergangenheit hatte er noch angemahnt, in den Vereinen müsse ein Bewusstsein entstehen für die besondere Bedeutung des Trainers. Nun gibt es erste Anzeichen für dieses Selbstbewusstsein bei den Trainern und schon muss er den Verfall der Sitten in der Branche beklagen.

Gestern hatte ich den Wert von Worten und Verträgen als nicht weiter bedeutsam in der Fußballbranche beschrieben und das allerdings auf den Durchschnittsfußballer beschränkt. Ich wusste natürlich, damit greife ich zu kurz, brauchte das aber für meine inhaltlichen Zwecke. Heute könnte das nun weiter ausgeführt werden, und schon könnte ich über die Entwicklung eines Berufsethos innerhalb der Branche schreiben.

Dann fällt mir zu Friedhelm Funkel allerlei ein, weil sowohl in Frankfurt über ihn weiter geschimpft wird, als auch bei der Daum-Nachfolge-Diskussion unter Kölner Fans immer wieder sein Name als Schreckensvision fällt. Mich erinnert das nämlich an seine Zeit in Duisburg, wo er schon aus demselben Grund wie heute immer wieder angegriffen wurde. Der Fußball seiner Mannschaften sei unansehlich, ist der Hauptvorwurf an ihn. Ich bin allerdings der Meinung, seiner Arbeit werden diese Angriffe nie gerecht. Das notwendige Stichwort ist hier Realismus. Lese ich doch heute auch über die Arbeit von Christoph Daum beim 1. FC Köln, keinem anderen Trainer hätte man das unansehliche Spiel des FC nachgesehen. So scheint mir das öffentliche Bild von Friedhelm Funkels Arbeit doch sehr verzeichnet zu sein und ich würde dem gerne etwas entgegensetzen.

Oliver Bierhoff  erläutert in der Süddeutschen Zeitung den Einfluss der Wirtschaftskrise auf die Spielstärken der nationalen Fußball-Ligen. Wäre auch ein paar Worte wert. Paderborns von mir erhoffter Aufstieg in die 2. Liga reizt mich aus angeheirateter familiärer Verbundenheit einen Blick nach Ostwestfalen zu werfen. Natürlich will ich auch den beeindruckenden Pokalerfolg des FCR 2001 Duisburg nicht vergessen, und ein paar Bemerkungen zum Wechsel der Spielstätte für das Endspiel im Pokal der Frauen habe ich auch noch im Kopf. Mich erinnern all diese möglichen Themen jetzt an ein Interview mit dem Kölner Kabarettisten Jürgen Becker, in dem er sinngemäß sagt, der Kölner neigt zum Provisorischen, er bringt vielleicht nicht alles zum Ende, doch er weiß immer, wie es auszusehen hätte. Angesichts der angerissenen Themen werdet ihr verstehen, warum ich mich bei meiner Ruhrpott-Herkunft und -Verbundenheit genauso sehr als echter Kölner fühle. Mal sehen, was Provisorium bleibt, und was ich vom Sommerberg demnächst vielleicht doch noch abtrage.


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