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Von der Karl-Liebknecht-Straße zum Sieg in der Karl-Liebknecht-Straße

Kevin Wolze setzte sich am linken Flügel immer wieder durch.

Sagen wir mal so:  Karl Liebknecht war ein Friedrich Ebert der DDR, und Golm ist das Walsum oder Rheinhausen von Potsdam, wahlweise auch das Porz von Köln oder Spandau von Berlin. Wo immer auch während der 50er Jahre in Ostdeutschland eine Straße um- oder neubenannt werden sollte, stand Karl Liebknecht ganz oben auf der Auswahlliste für mögliche Straßennamen. Dementsprechend gibt es seit der Eingemeindung von Golm die Karl-Liebknecht-Straße in Potsdam zweimal, und flüchtiges Bedienen von Navigationsgeräten führte mich am Samstag erst einmal aufs flache Land, wo ich auf einer recht kurzen Karl-Liebknecht-Straße mit einer sehr überschaubaren Bebauung schon beim Einbiegen sofort ein schlechtes Gefühl bekam. Zwischen den kastenartigen Büro-Neubauten war selbst für ein kleines Karl-Liebknecht-Stadion einfach zu wenig Platz. Der zweite Blick bestätigte meinen Verdacht. Kein Stadion, nirgends. So fuhr ich am kleinen Bahnhof von Golm vor, ließ mir in althergebrachter Art von richtigen Menschen den Weg erklären und fuhr mit leichter Unsicherheit über den richtigen Weg, aber ohne weitere Umwege zum Ziel. Das Navigationsgerät hatte ich vorsorglich ausgeschaltet.

Meinem Sohn hat das nicht gefallen. Er meinte, ich hätte mich um die Anfahrt früher kümmern müssen. Im Nachhinein finde ich das auch, kann aber nun verstehen, wie es zu Zeitungsmeldungen über Autofahrer kommt, die ihrem Navigationsgerät bis zum Überfahren von Uferböschungen folgen. Allerdings macht so eine mühevolle Anfahrt auch die Wirkkraft des Stadionbesuchs meines sonst fußballabstinenten Sohnes größer. Hinzu kommen als Gute-Laune-Killer desweiteren: die eineinhalbstündige Anfahrt für die knapp dreißig Kilometer von Berlin aus wegen innerstädtischer Autobahnzufahrtsstraßenstaus sowie der etwa vier Kilometer Fahrt in Schrittgeschwindigkeit auf der AVUS, aber auch der Dauerregen ab etwa der 30. Spielminute, von uns verbracht ohne Überdachung im Gästebereich. Ich denke, seit Samstag sieht es damit gut aus für den MSV in dieser Saison. Mein sonst fußballabstinenter Sohn und ich haben meinen Plan übererfüllt, mit ein wenig Verspätung das zukunftsweisende Spiel des letzten Jahres zu wiederholen. Die Mannschaft hat mit leichten Einschränkungen das ihrige getan.

Noch ist der Ball nicht über der Linie. Doch am Rand des Strafraums herrscht schon Gewissheit über die frühe 1:0-Führung

Es war zwar kein 2:o-Sieg im Liga-Betrieb, doch es geht um das Gefühl, dass diese Mannschaft eine Einheit werden kann. Es geht um gelungene Kombinationen, um die Andeutung von Struktur. Diese Struktur ließ sich immer wieder entdecken. Es gab planvolles Spiel, wenn auch im Mittelfeld gelegentlich der Notausstieg mit dem langen Ball versucht wurde. Was verständlich war angesichts eines SV Babelsberg, der sich immer schnell zurück zog und dann nicht aus der eigenen Hälfte herauslockbar war. So war der lange Pass die sichere Variante gegenüber dem Dribbling mit dem möglichen Ballverlust an der falschen Stelle auf dem Spielfeld. Der Sieg war nicht gefährdet, weil die Tore für den MSV Duisburg sehr früh fielen und der SV Babelsberg 03 im Sturm bei allen Bemühungen in der zweiten Halbzeit vollkommen harmlos war. Gegen eine Mannschaft mit entschlosseneren Stürmern hätte der MSV Duisburg sicher Schwierigkeiten bekommen. Pässe in die Spitze schienen immer wieder möglich zu sein. Vielleicht rührt der Eindruck aber auch daher, weil sich die Spieler des MSV Duisburg ihrer Qualitäten sicher waren. Offensichtlicher sind unpräzise Pässe im Spiel nach vorne oder lange Bälle, die ins Aus geschlagen werden statt auf den Mitspieler. Davor verschließt Milan Sasic keinesfalls die Augen. Wäre ich schon gestern zum Schreiben gekommen, ich hätte ähnliche Worte für die Wertung des Spiels gefunden. „Präzision“ und „Timing“ hätten mitunter gefehlt, meint er und erkennt eine zu große Spannbreite zwischen sehr guten und misslungenen Spielaktionen. Ich denke aber eben auch an die Defensive. Gerade in der zweiten Halbzeit sah man wieder viele gelingende Pässe der Babelsberger in die Spitze hinein.

Nass und siegreich!

Milan Sasic hält es für möglich, dass die Entwicklung dieser Mannschaft noch bis in die Winterpause andauert. Ein ganz klein wenig kitzelt mich da eine Sorge. Einerseits bin ich sehr erfreut über den Realismus, der in Milan Sasics Worten anklingt. Da wird nichts schön geredet. Andererseits bin ich schon nach dem Spiel gegen den FC Energie Cottbus immer wieder über Kommentare gestolpert, die ich von anderen Vereinen auch aus späteren Phasen der Saison kenne. Sie kamen nicht von Milan Sasic sondern von neutralen Beobachtern, und solche Kommentare möchte ich möglichst nicht mehr so oft hören – dass etwa darauf hingewiesen wies, wie gut die Mannschaft eigentlich sein könnte. Am Anfang einer Saison klingt da ja noch nach Potenzial, irgendwann dann nicht mehr. Schluss jetzt und sich freuen auf die nächste Runde im DFB-Pokal. Da denke ich jetzt weiter und halte mich fest an dem Bild von zwei Sololäufen des neu verpflichteten Dzemal Berberovic. Das war sehr dynamisch und erinnerte neben seiner guten Abwehrleistung an ein Element, das dem Spiel des MSV Duisburg schon zu Ende der letzten Saison gefehlt hat. Und dabei ist Berberovic gar kein Nachwuchsspieler mit Zug zum Tor. Hoffen wir, er kann solche Leistungen dauerhaft zeigen.


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