Posts Tagged 'FSV Frankfurt'

Wenn Fußball doch nur ein Ergebnissport wäre

Es gab mal eine Zeit, in der in deutschen Wohnzimmern millionenfach die Eheratgeber des Bertelmann Leserings standen. Männer und Frauen wussten noch, wohin sie gehörten. Er ging in die feindliche Welt hinaus, um mit harter Arbeit das Geld zu verdienen. Sie kümmerte sich um den Haushalt und sorgte für die Kinder. Der Eheratgeber dieser Zeit verrät, auch diese Paare hatten es schwer.

Wenn er erschöpft von der Arbeit nach Hause kam und sich nach Ruhe sehnte, brauchte sie Zuwendung nach einem Tag, an dem sie außer mit den Kindern mit niemandem sonst gesprochen hatte. Er verstand nicht, wieso sie unzufrieden war. Sie hatte doch alle Zeit der Welt, konnte machen, was sie wollte. Er dagegen schuftete, um den Wohlstand der Familie zu sichern. Dort, wo sie jetzt waren, wären sie ohne seine Arbeit niemals hingekommen. Sie dagegen vermisste nicht mehr als ein kleines Zeichen, dass auch er etwas fühlte in dem gemeinsamen Leben. Sie wollte mit ihm zusammen lachen, liebevoll sein, vielleicht auch weinen, all das spüren, was ihr wichtig war.

Vielleicht sollten wir alle beim MSV uns die alten Eheratgeber des Bertelsmann Leserings ansehen. Wir erleben gerade eine Saison, die mich an eine Ehe der 50er Jahre erinnert. Wir auf den Rängen sehnen uns nach Gefühl. Dort auf dem Spielfeld und auf der Trainerbank geht es um das Ergebnis. Wir auf den Rängen sehen den Moment des Spiels. Dort auf dem Rasen und auf der Trainerbank steht das Ziel für die gesamte Saison im Mittelpunkt.

Was für eine widerspruchsreiche Saison erleben wir gerade. Fünf Spieltage vor Saisonende kommen nur etwa 12.800 Zuschauer ins Stadion, um einen weiteren wichtigen Schritt Richtung Aufstieg zu erleben. Dann gewinnt der MSV Duisburg das Spiel gegen den FSV Frankfurt nach 0:2-Rücksstand mit 3:2. Zudem führt der MSV Duisburg mit 6 Punkten Abstand auf den Relegationsplatz weiter die Tabelle an. Diese Tabellenführung gibt es seit dem 9. Spieltag. Die Stimmung rund um den Verein ist dennoch so, als würden wir seit Wochen vergeblich auf den Relegationsplatz schielen.

Das liegt natürlich auch an den gezeigten Leistungen der Mannschaft, und dass der Fußball nicht ausschließlich eine rationale Sache ist. Es geht eben nicht immer nur um das Ergebnis. Auch ich konnte mich nach dem Spiel gestern nicht richtig freuen. Die erste Halbzeit hatte meine Stimmung auf eine Weise in den Keller gebracht, dass dazu mehr als ein in acht Minuten heraus gespielter Sieg nötig gewesen wäre. Hätte die Mannschaft so einen Eheratgeber mal gelesen, hätte sie nach dem Führungstor noch ernsthaft versucht, ein weiteres Tor zu erzielen. Damit erst wäre die erste Halbzeit halbwegs in Vergessenheit geraten. Doch mit dem weiteren Verlauf bis zum Schlusspfiff machte sich die Sicherheit als notwendiges Spielkonzept wieder deutlicher bemerkbar und brachte die erste Halbzeit sogar wieder in Erinnerung.

Hätten allerdings auch wir auf den Rängen den Eheratgeber schon gelesen, könnten wir vielleicht besser verstehen, dass ohne das erfolgreiche Erledigen der Arbeit, sprich das Erreichen des Saisonziels, unser Ärger über das Ausbleiben eines emotionalen Spiels ganz von selbst verschwinden wird, weil auch dem MSV das Verschwinden in die sportliche Bedeutungslosigkeit droht. Sicherheit ist womöglich für diese Saison kein schlechter Gedanke.

Natürlich passt das Bild der 50er-Jahre-Ehe nicht vollkommen. Sobald die sportliche Leistung in den Blick gerät, geht es nicht mehr um gegenseitiges Verstehen sondern nur noch um die Leistung. In der ersten Halbzeit mangelte es dem MSV an allem, was für den Sieg eines Fußballspiels nötig ist. Wenn fast bei jeder Ballberührung eines Zebras die Sicherheit als erklärtes Spielprinzip im Kopf vorhanden zu sein scheint, entsteht kein Offensivdruck. Wie soll die Mannschaft so ein Tor erzielen? Hinzu kamen zwei Gegentore, bei denen die Defensive der Zebras so gut wie nicht vorhanden war. Bei so einem Spielstand ist Sicherheit als Spielkonzept nicht ganz gelungen gewesen.

In der zweiten Halbzeit sah man, wie das gelingen kann. Der vornehmliche Gedanke der Spieler schien nun nicht mehr die Sicherheit zu sein, sondern die Bewegung Richtung gegnerisches Tor. Die Offensivaktionen selbst unterschieden sich gar nicht so sehr von denen in der ersten Halbzeit. Alles geschah nun nur schneller und damit wurden die Frankfurter vor Probleme gestellt. Der FSV hatte nicht mehr jedes Mal die Zeit, die Defensive zu formieren, und nur dann macht so eine Defensive Fehler. Enis Hajri hatte schon in der ersten Halbzeit einige Flanken in den Frankfurter Strafraum geschlagen. Sie blieben ungefährlich. In der zweiten Halbzeit war das anders. So eine Flanke aus dem Halbfeld schlug er erneut. Vergeblich kam der Torwart aus seinem Tor heraus, und so fiel ein Kopfballtor fast ähnlich dem von Zlatko Janjic in Halle. Ein Tor, was in der 2. Liga eher selten fällt, weil die Flanke so lange in der Luft ist, und die Defensivspieler samt Torwart sicherer spielen.

Auch beim zweiten Tor zwang der Offensivdruck des MSV zu einem noch gewichtigeren Fehler. Tugrul Erat setzte sich am rechten Flügel mit rasantem Sprint durch. Die scharfe Flanke  in den Rücken der Defensive halbhoch vor das Tor folgte. Diese Art Flanken sind immer gefährlich. Wenn ein gegnerischer Verteidiger den Ball ins eigene Tor bringt, nehmen wir das ohne Murren, aber mit zwiespältigem Gefühl, weil auch damit die Leistung des MSV nicht alleine dasteht. Im Grunde war dieses Spiel ein Sinnbild für die Saison, bei der wir uns immer auch auf die Misserfolge der Gegner verlassen können. Das Führungstor durch Enis Hajri per Kopf nach einer Ecke war dagegen ein deutliches Zeichen für den Willen zum Sieg. So wuchtig ging er zum Ball, so sehr rannte er seine Freude aus sich heraus.

Die Frankfurter waren schockiert. Sie hätten weiterem Druck nicht stand gehalten. Dazu kam es nicht. Der Fußball war nach der Führung wieder zur rationalen Sache geworden. Wenn Fußball nur ein Ergebnissport wäre, hätten wir alle zusammen den Sieg nach dem Schlusspfiff unbändig gefeiert. Doch Emotionen spielen im Fußball eine ebenso große Rolle. Das haben schon die Eheratgeber des Bertelmann Leserings Ende der 50er Jahre gewusst.

Ohne Tore keine Worte

Nicht dass ich hier schwarze Pädagogik betreiben möchte, aber allmählich wird es Zeit, auch an ungewöhnlichen Stellschrauben zu drehen. Und da ich ja im Fußball ein großer Anhänger des Magischen Denkens bin, musste ich Gewohnheiten unterbrechen. Der Kopf muss frei werden, damit die Stürmer des MSV Duisburg in einem Punktespiel wieder Tore schießen, damit irgendjemand aus der Mannschaft wieder mal den gegnerischen Torwart überwindet. Deshalb gab es ohne Tore im Spiel des MSV Duisburg gegen den FSV Frankfurt dieses Mal keine Worte zum Spiel.

Lest euch die alten Spielberichte durch zu einem torlosen Unentschieden wie den über das Spiel gegen Halle. Das passt schon. Der Ablauf eines solchen Spiels ist beim MSV doch meist recht ähnlich, um Details brauchen wir uns nicht zu kümmern. Davon ab ist das Unentschieden gegen Frankfurt wahrscheinlich wertvoller als das gegen Halle. Gegen Aalen sieht es am Samstag dann ganz anders aus. Kleinigkeiten entscheiden in der 3. Liga, und wenn schon im Umfeld des MSV der Kopf frei geworden ist, wird das Folgen haben bis aufs Spielfeld hinunter. Meine ich. Doch. Das wirkt.

Bedauernswerte Absteiger-Kollegen

Seit dem Wochenende geht mir immer wieder ein Gedanke durch den Kopf: Nicht der erste Tabellenplatz zeigt uns, wie erfolgreich der MSV in diese Saison gestartet ist. Dieser erste Tabellenplatz ist nur die zwangsläufige Folge einer stabilen Spielanlage der Mannschaft. Diese Mannschaft spielt variabel. Sie hat mehr als eine Möglichkeit, ein Spiel anzugehen. Die Spieler wissen, worauf sie sich verlassen können.

Das geht mir so durch den Kopf, und ich schaue wieder auf die Tabelle, um auf den Tabellenplätzen 14 und 20 die bedauernswerten Absteiger-Kollegen zu entdecken. Das unterstreicht, wie gut beim MSV Duisburg seit Anfang des Jahres schon gearbeitet wurde. Schließlich hatte der SC Paderborn genauso lange Zeit wie der MSV, um sich auf den schlechten Saisonausgang vorzubereiten. Dass die Fankfurter anscheinend in Schockstarre den Abstieg auf sich zukommen sahen , mit den entsprechenden Folgen in dieser Saison, verstehe ich nach deren letztjähriger Hinrunde allerdings gut.

 

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Wenn Fieberfantasien wirklich werden – Kees Jaratz, Gott der 2. Liga

Erinnerungen sind selbst auf kurzer Strecke keine verlässliche Quelle für die Fakten der Vergangenheit. Ende März hatte ich mit hohem Fieber im Bett gelegen. Wir hatten uns mit dem Abstieg des MSV angefreundet, doch hohes Fieber setzt das normale Denken gerne außer Kraft. Plötzlich spürte ich wieder die Macht des Tabellenrechners, den ich zum Wohle des MSV einsetzen wollte. Die Fieberfantasie sah wieder vielversprechend aus. 

Meine Hoffnung auf den direkten Klassenerhalt war in den letzten drei Wochen aber anscheinend so groß, dass ich den damals schon wunderhaften Relegationsplatz als Vorhersage gar nicht mehr richtig im Kopf hatte. Ich dachte, ich hätte den 15. Platz prognostiziert.

Doch weit gefehlt, der MSV hat mit Ausnahme der Verdrehung der Heidenheim- und Nürnberg-Ergebnisse genauso  gespielt, wie ich es gewünscht habe. Es sieht so aus, als sei die Wirklichkeit Kraft des Tabellenrechners erst geschaffen worden. Allerdings haben einige der anderen Vereine die Wirklichkeits-Baupläne anscheinend verkehrt herum gehalten. Da das aber Frankfurt und Düsseldorf gleichzeitig gemacht haben, hat sich das wieder ausgeglichen.

Ich weiß es nicht genau, wie oft ich den Tabellenrechner in kritischen Saisonphasen zum Wohle des MSV inzwischen angewendet habe. Viermal? Bislang hat sich die Wirklichkeit in Abstiegsfragen immer daran gehalten, was ich vorhergesagt habe. Gott der 2. Liga spielen, fühlt sich gut an. Ihr wisst schon, Allmacht und so. Wundert euch nicht, wenn Fußballanhänger demnächst in einer Nischensekte ihr Seelenheil finden können.

Diese göttliche Größe strahlt übrigens gerade nicht auf die beiden Relegationsspiele aus. Da verfalle ich wieder in alten menschlichen Aberglauben. Alles in mir sträubt sich, es zu schreiben, was wir alle wünschen.  Das Schicksal möchte ich nicht herausfordern. Soll das mit dem Nischenangebot fürs Seelenheil was werden, sollte der MSV in Zukunft solche Entscheidungsspiele vermeiden.

Die Wirklichkeit

14. Fortuna Düsseldorf:  35 (31)   + 4
15. TSV 1860 München:  34 (32)  + 2
16. MSV Duisburg:  32 (32) +/- 0
17. FSV Frankfurt 32 (35) – 3
18. SCP Paderborn: 28 (28)  +/- 0

 

Die Prognose

2016-34

Nicht an Sonntag denken, um den Sonntag zu erleben

In meinem Alter hat einem der eigene Körper nur bei sehr viel Glück und seltenenen genetischen Anlagen Erfahrungen mit den Segnungen der Medizin erspart. Nur der Deutlichkeit halber, es sind Segnungen. Wir Älteren kennen etwa noch den Zahnarztbesuch im Wissen ums mögliche Bohren ohne reibungsmindernden Wasserfluss am Zahnarztbohrer sowie der schmerzlindernden Spritze. Manche OP wurde bewältigt, manche Ungewissheit von diagnostischen Verfahren ertragen.

Das Spiel des MSV Duisburg gegen RB Leipzig am kommenden Sonntag weckt in mir kurioserweise dasselbe Verhalten, wie es sich bei mir in solchen möglicherweise körperlich unangenehmen Begegnungen mit den Segnungen der Medizin einstellte. Ich versuche bis zum Tag x, jeden Gedanken an das Ereignis selbst zu vermeiden. Zu groß ist die Sorge vor den erwarteten Schmerzen. Am Tag selbst aber bin ich auf eine Weise konzentriert und gefestigt, die es mir ermöglicht, jeden Moment des Geschehens mit vollem Bewusstsein wahrzunehmen und mit allem, was kommt, umzugehen.

Der Ausfall von Viktor Obinna macht es für mich noch notwendiger, die Beschäftigung mit dem Spiel des MSV gegen RB Leipzig erst am Sonntag zu beginnen. Auch was der Rotebrauseblogger schreibt, brachte keine Gelassenheit. Im Grunde bestätigt er nur mein eigenes Denken, das ich nur nicht in Worten formuliere, weil es die Aura des schlechten Vorzeichens mit sich bringt. Aber wenn er das macht, kann ich schnell den Gegenzauber sprechen und alle guten Geister des Pott-Fußballs beschwören, damit seine Prognose der SC Paderborn hätte es am Sonntag sehr viel einfacher als der MSV Duisburg nicht wirklich wird. Ja, im Grunde bestätigt er zudem meine Befürchtung, wie ernst es RB Leipzig am Sonntag noch sein wird.

Lassen wir das also, viel lieber denke ich bis Sonntag daran, dass in meinem Leben bei all meinen sorgenvollen Zeiten mit den Segnungen der Medizin am Ende alles gut ausgegangen ist. Ich lebe noch. Wenn sich der MSV daran vielleicht ein Beispiel nehmen könnte für einen nächsten Schritt auf dem Weg zum entsprechenden Zweitligaschicksal.

Nun gut – noch einmal der Tabellenrechner am 33. Spieltag

Normalerweise kann ich Paradoxien sehr viel abgewinnen. Es sei denn, es handelt sich um den Tabellenrechner und das Abgleichen mit der Wirklichkeit am vorletzten Spieltag. In allen vorherigen Spielzeiten hatte sich dieses Abgleichen zu diesem Zeitpunkt der Saison schon erübrigt, weil der MSV mein herbeigewünschtesgerechnetes Saisonziel erreicht hatte. Nun müsste ich dieses Mal angesichts des Tabellenstandes noch immer meine Rechnung mit der Wirklichkeit abgleichen. Nichts ist entschieden. Doch bei nur einem noch ausstehenden Spieltag erledigt sich das ebenfalls von selbst. Es bleibt nichts mehr zu erzählen. Eigentlich ist dieses Abgleichen auch diese Saison wieder überflüssig, nur aus ganz anderen Gründen, als es bislang der Fall war.

Eines fällt mir aber noch ein, weil es die gegenseitige Abhängigkeit der Bedingungsgrößen für so eine Tabelle sehr schön deutlich macht. Vor dem letzten Spieltag hatte ich den Sieg von Fortuna Düsseldorf befürchtet. Ein Unentschieden im Spiel gegen Frankfurt wäre aber nur gut gewesen für den MSV, wenn die Zebras in Sandhausen gewonnen hätten. Nun verbessert der Sieg der Fortuna die Ausgangslage für den MSV. Ohne diesen Sieg könnte ein Unentschieden des MSV im Spiel gegen Leipzig niemals langen, um den Relegationsplatz zu behalten, selbst wenn Frankfurt im Heimspiel gegen 1860 ebenfalls nur Unentschieden spielte.

Natürlich wissen wir, mit Sicherheit bleibt der MSV auf dem Relegationsplatz nur, wenn das Spiel gegen Leipzig gewonnen wird. Gelassen hätte ich das schon nicht schreiben können, bevor ich gestern die Nachricht las, dass Victor Obinna für den Rest der Saison ausfällt. Nun muss ich mich um meinen Optimismus für dieses Spiel gegen Leipzig sehr bemühen. Deshalb verstoße ich gegen eines der Grundgesetze des Profifußballs und schaue am nächsten Spieltag nicht nur auf uns. Damit werde ich nicht alleine sein. Wir alle werden verdammt aufmerksam auch nach Frankfurt sowie nach Paderborn schauen und auf die tatkräftige Mithilfe von 1860 sowie Nürnberg hoffen.

14. TSV 1860 München:  34 (32)  + 3
15. Fortuna Düsseldorf:  32 (31)   + 2
16. MSV Duisburg:  29 (32) – 2
17. FSV Frankfurt 29 (32) – 2
18. SCP Paderborn: 28 (28)  +/- 0

2016-34

Soll und Haben im Tabellenrechner – 32. Spieltag

Alten Traditionen folgend werde ich bis zu endgültigen Entscheidungen über das Schicksal des Vereins unserer Zuneigung die Wirklichkeit und meine Fieberfantasien mit dem Tabellenrechner gegenüberstellen. In der Klammer steht meine Punkteprognose am Ende der Saison, dann folgt inwiefern die bisherigen Ergebnisse von meiner Prognose abweichen.

Leider führte der Trainerwechsel beim TSV 1860 München zu dem in der letzten Woche befürchteten Aufwärtstrend. Nun liegt die Mannschaft drei Punkte über meinem Endergebnis und bliebe bei weiterem vorhergesagten Verlauf definitiv in der Liga. Beim FSV Frankfurt ist es genau umgekehrt. Der Verein spielt schlechter, als ich gedacht habe und würde absteigen.

Leider hat diese schlechte Leistung Auswirkungen auf die Perspektiven des MSV. Denn der FSV Frankfurt spielt am nächsten Sonntag bei Fortuna Düsseldorf. Ein Unentschieden wäre für den MSV das beste Ergebnis. Dann wären wir auch bei nur 4 Punkten in den zwei Spielen auf Platz 15. Dieses Unentschieden scheint mir jetzt doch sehr zweifelhaft zu sein. Ein Sieg der Fortuna ist wahrscheinlicher, und dann landeten wir bei 4 Punkten auf dem Relegationsplatz. Müssen wir eben noch beide Spiele gewinnen. Es wird auf jeden Fall knapp. Wie gesagt, das Torverhältnis kann entscheiden.

14. TSV 1860 München:  31 (32)  + 3
15. Fortuna Düsseldorf:  29 (31)   +/- 0
16. FSV Frankfurt 29 (32) – 1
17. MSV Duisburg:  28 (32) +/- 0
18. SCP Paderborn: 28 (28)  +/- 0

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Soll und Haben im Tabellenrechner – 31. Spieltag

Alten Traditionen folgend werde ich bis zu endgültigen Entscheidungen über das Schicksal des Vereins unserer Zuneigung die Wirklichkeit und meine Fieberfantasien mit dem Tabellenrechner gegenüberstellen. In der Klammer steht meine Punkteprognose am Ende der Saison, dann folgt inwiefern die bisherigen Ergebnisse von meiner Prognose abweichen.

Auf den ersten Blick sieht alles so aus, als folge die Wirklichkeit noch meinem Plan. Besser noch, der FSV Frankfurt gesellt sich als ernsthafter Anwärter auf einen direkten Abstiegsplatz hinzu. Gut, Paderborn sammelt mehr Punkte als gedacht, aber da ist noch immer Luft bis der MSV erreicht wird, wenn der MSV macht, was wir uns wünschen. Unangenehm war der Heimsieg des TSV 1860 München, weil sich daraus hoffentlich nicht ein Aufwärtstrend durch den Trainerwechsel einstellt. Passiert ist nichts, weil die Mannschaft vorher zwei Punkte wider Erwarten verloren hatte. Ich habe diesen neuen Stand in die Tabellen unten nochmals eingerechnet.

Es gibt einen Vorteil für den MSV an den letzten beiden Spieltagen. Die Konkurrenten im Abstiegskampf spielen noch gegeneinander. Von diesen Spielen wird der MSV bei jedem Spielergebnis profitieren, wenn, ja wenn der MSV am Freitag gegen Fortuna Düsseldorf gewinnt. Das ist notwendig. Am Freitag heißt es für den MSV wieder, Endspielstimmung, ein Sieg muss her. Sonst müsste aus einem Heilungswunder eines der Wiederauferstehung von den Toten werden.

14. Fortuna Düsseldorf:  29 (31)   +/- 0
15. FSV Frankfurt 29 (32) +/- 0
16. TSV 1860 München:  28 (32)  +/- 0
17. SCP Paderborn: 28 (28)  +/- 0
18. MSV Duisburg:  25 (32) +/- 0

Nachdem ich den Tabellenrechner seine Arbeit hatte machen lassen, endete die Saison für mich wie unten. Beim gegenwärtigen Stand der Dinge und wenn sich die Vereine an meine weiteren angenommenen Ergebnisse hielten, stände der MSV Duisburg nun sogar auf dem 15. Platz. Es wird knapp. Das Torverhältnis kann entscheiden.

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3. März 2016 – Tagesbulletin

In anderen Zeiten hätten wir uns über einen späten Ausgleich noch heute gefreut. In anderen Zeiten hätten wir das Gefühl, dieser Punkt des MSV Duisburg gegen den FSV Frankfurt könne noch einmal sehr wichtig werden. Während ich das schreibe, sträubt sich alles in mir gegen den Satzanfang, gegen dieses „in anderen Zeiten“. Doch die Wahrheit ist nun einmal so, dass dieser eine Punkt zwei Punkte zu wenig sind.

Mich hat das Tor von Thomas Meißner in der Nachspielzeit für die Spieler gefreut, weil ich selbst in jedem einzelnen Spiel in einem Mannschaftssport, unabhängig von Tabellenständen, gewinnen will. Mich hat es gefreut, weil mir jedes noch so unbedeutende Freizeitspiel mit zusammengewürftelten Mannschaften so vorkommt, als könne eine Niederlage das Ende von allem bedeuten. Sämtliche Buzzer-Beater-Begeisterungen meines Basketball-Lebens waren diesem Tor unterlegt. Freundlich sah ich all den Spielern zu, die sich freuten und für die ein Moment lang die derzeitige Tallensituation völlig verschwunden war. Für einen Moment hatte es nur dieses eine Spiel gegeben, in dem es bis zum Abpfiff um alles ging.

Endlich einmal kann die Mannschaft drei Tore in einem Spiel erzielen und gewinnt dennoch nicht, weil der Gegner ebenfalls drei Tore erzielen kann. In der Defensive sind die Spieler zu verhalten, nicht bissig genug, wenn die gegnerische Mannschaft sich dem Strafraum nähert. Die gegnerischen Spieler werden begleitet, ohne wirklich gestört zu werden. Im Strafraum selbst wird es zu hektisch, wenn durch offene Bälle vermeintlich Gefahr entsteht. Dann soll der Ball möglichst schnell, möglichst weit aus dem Strafraum getreten werden, und trifft dennoch irgendein Bein, das im Weg steht oder landet bei einem Gegenspieler, der im Rückraum lauert.

Die Mannschaft hat sich nie aufgegeben, obwohl  das frühe Gegentor in der 5. Minute, die 2:0-Führung nicht lange nach der Halbzeitpause und das 3:1 jeweils herbe Nackenschläge gewesen sind. Schon nach dem Spiel gegen den FC St. Pauli kam ich von dem Bild des Patienten nicht mehr los. Auch heute denke ich an ärztliche Bulletins statt an Spielberichte. Der MSV durchlebte eine kurze Krise, doch konnte die Situation wieder stabilisert werden. Niemand kann noch große Hoffnung machen. Alle geben ihr Bestes. Wir müssen abwarten.

Wollen reicht nicht, um es auch zu können

Etwa zehn Minuten vor Spielende zerriss etwas in mir. Wäre ich ohne meine Freunde im Stadion gewesen, vielleicht wäre ich schreiend vor die Köpi gelaufen, wäre dort wie ein eingesperrtes Raubtier hin- und hergerannt, hätte mich zwischendurch hingeschmissen und mit den Fäusten auf den Boden getrommelt. Ich hasste diese Ohnmacht, gegen den Rückstand nichts ausrichten zu können. Ich hasste den Fußball in dem Moment. Mich empörte das Gegentor als unfassbare Ungerechtigkeit. Ich hasste es, diesen verdammten Ball nicht in das Tor der Frankfurter schreien zu können. Ich verdammte das Schicksal. Ich war mit den Freunden dort, sagte etwas, was ich nicht mehr weiß, hörte beruhigende Worte, die ich nicht mehr wiedergeben kann und blieb ausgelaugt und ratlos bis zum Schlusspfiff stehen.

Null zu eins lag der MSV zurück. Ich hatte keine Hoffnung mehr auf den Ausgleich. Diese Hoffnungslosigkeit war Selbstschutz. Wie sollte diese Mannschaft in dem Spiel je ein Tor erzielen? Mit dem Anpfiff war eine Mannschaft zu sehen gewesen, die das Spiel bestimmen wollte. Bis auf die Ränge war zu spüren, diese Mannschaft des MSV will gewinnen. Das war auch an der offensiven Aufstellung abzulesen.

Die Spieler liefen viel und erstickten fast alle Frankfurter Angriffsversuche im Keim. Entweder ging es schnell und steil über die Flügel in die Frankfurter Hälfte. Immer wieder wurde aber auch ansehnlich kombiniert. Das Ergebnis war deutlich mehr Ballbesitz für den MSV und ein FSV, der vorsichtiger zu werden schien. Bei all dem schaffte es der MSV nur einmal, den Ball annährend gefährlich auf das Frankfurter Tor zu bekommen. Gefährlich bedeutet, nach einer Kopfballweitergabe stand Stanislav Iljutcenko am langen Pfosten im Fünfmeterraum für einen weiteren Kopfball vollkommen frei. Er köpfte genau auf den Torwart.

Für all den Einsatz blieb der MSV zu harmlos. Zu dem Zeitpunkt begannen unsere Sorgen. Wenn schon jetzt keine Torgefahr entstand, wie sollte das erst zum Spielende einer müder gewordenen Mannschaft gelingen? Die Sorgen wurden noch größer, als der FSV Frankfurt mit sehr viel weniger Anstrengung das Führungstor erzielte. Ein Eckstoß konnte nicht entscheidend geklärt werden. Der Ball fiel im Fünfmeterraum auf den Boden. Aus dem Rückraum rutschte von irgendwoher ein Frankfurter zum Ball und schoss ihn halb im Liegen ein.

Dem Entsetzen auf den Rängen entsprach die Niedergeschlagenheit auf dem Spielfeld. Immer wieder erlebt die Mannschaft bei all ihrem Einsatz statt des Erfolgserlebnis den Rückschlag. Die Halbzeit wurde leidlich zu Ende gespielt. Der Schiedsrichter bot ein Ventil für alle unliebsamen Gefühle. Es waren keine Fehler bei den großen Entscheidungen, es waren die kleinen Momente des Spiels die ärgerten, wenn er den gleichzeitigen Körperkontakt im Zweifel für dahin sinkende Frankfurter pfiff.

Der MSV fand auch in der zweiten Halbzeit keine Mittel, den FSV dauerhaft unter Druck zu setzen. Feltschers Flankenläufe alleine schafften keine Torgefahr, da der Strafraum überfüllt war mit kopfballstarken Frankfurter Spielern. Diese Flankenversuche hätten variiert werden müssen. Das vergebliche Bemühen wirkte zermürbend. Wenn schon ich ohne körperliche Anstrengung mutlos auf meinem Stehplatz werde, wie muss es erst den Spielern ergehen, die für eine Chance so viel arbeiten. Wuchs die Hoffnung auf die Ausgleichschance einmal, erwarteten wir sehnsüchtig, dass der Torwart des Gegners überhaupt einmal eingreifen musste, dann erstarb diese Hoffnung auf halbem Weg. Der Durchbruch von Onuegbu gelang doch nicht, der freie Schuss von Holland ging am Tor vorbei, die Freistöße am Rand des Elfmeterraums ebenfalls.

Wenn der Selbstschutz Hoffnungslosigkeit für die Offensive funktioniert, gibt es immer noch eine Hintertür für grimmigen Ärger. Schließlich gab es noch Defensivaktionen des MSV. Ein Pressing der Frankfurter nach einer Balleroberung wollte die Mannschaft spielerisch lösen. Michael Ratajczak passte in die gefährlichste Zone des Spiels überhaupt, zentral außerhalb des Strafraums, was wunderbar ist, wenn der Ball genau gespielt wird. Der schnelle Gegenangriff über das zentrale Mittelfeld wäre dann möglich. Genaues Zuspielen ist Michael Ratajczaks Sache nur selten. Ein Frankfurter Spieler nahm den Ball problemlos auf, schon waren Spieler und Ball wieder zurück nahe dem Duisburger Strafraum, wo ihn der hinterherrennende Tim Albutat mit eingesprungener Kampfsportgrätsche von hinten ummähte. Rot für Albutat  Ärger auf ihn und Ratajczak für mich.

Wie steckt die Mannschaft solch eine Erfahrung weg? So sehr fühlte sich dieses Spiel danach an, als ob sie wolle, aber nicht könne. Wieder hören wir in der Pressekonferenz nach dem Spiel den Trainer des Gegners sagen, wer so spielt wie der MSV, muss Ruhe bewahren, dann wird er auch belohnt. Schwer vorstellbar, dass das gegen Eintracht Braunschweig geschehen kann, eine Mannschaft, die zuletzt so erfolgreich war. Noch heute habe ich wenig Hoffnung für dieses nächste Heimspiel. Jetzt muss ich schon auf Hoffnung hoffen. Oh je.


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