Posts Tagged 'FSV Mainz 05 II'

Auch mal nur die Pflicht erfüllen

20170217_182041_burst01_resized_mIn Frühlingslaune hatte ich Mitte der Woche die Bahnkarte nach Mainz gebucht. Die Sonne schien, und draußen wärmte es sich auf 15 Grad auf. Am Freitag war es dann so frühlingshaft doch nicht mehr, weder den Tag über beim Spaziergang durch Mainz noch am Abend beim Spiel des MSV gegen die U23 von Mainz 05. Es ist eben Februar. Allerdings regnete es nicht an dem Tag trotz grauem Himmel. So war es nicht zu kalt. 20170217_174126_burst01_resized_mFür diesen Monat blieb immer noch gutes Ausflugswetter, auch wenn es einen nicht unbedingt in Hochstimmung versetzte. Insofern passte das Wetter perfekt zum Spiel des Abends. Schließlich sahen wir einen 2:0-Sieg beim Tabellenletzten; einen Sieg, dessen Grundlage in der ersten Halbzeit gelegt wurde; einen Sieg, der in der zweiten Halbzeit mehr recht als schlecht über die Zeit gebracht wurde.

Zufrieden fuhr ich nach Hause und wusste dabei eines, die Stimmung wird noch besser werden, wenn das Verfolgerduell zwischen Magdeburg und Osnabrück am nächsten Tag abgepfiffen ist. Jedes Ergebnis in diesem Spiel würde ein gutes Ergebnis für den MSV sein.

20170217_183613_burst01_resized_mWenn auf die 18.000 Plätze eines Stadions sich nur etwas mehr als 1.800 Zuschauer verteilen, kommt einem der Anblick aus dem Gästeblock heraus ins Stadionrechteck ziemlich trostlos vor. Gut, dass sich mindestens die Hälfte dieser Zuschauer um mich herum befand und lautstarke Heimspielatmosphäre die Normalität eines Fußballspiels in der 3. Liga wieder in Erinnerung brachte. Zu dieser Normalität gehören Trainerwarnungen wie die von Ilia Gruev vor dem trügerischen Bild einer Tabelle, damit eine Mannschaft auf dem letzten Platz dieser Tabelle nicht unterschätzt werden sollte.

Die ersten Minuten des Spiels zeigten, wie notwendig solche Warnungen sind. Die U23 von Mainz 05 spielte mutig nach vorne, wirkte aggressiv und entschlossen zum Abschluss. Ein Distanzschuss an die Latte war das Ergebnis, weil das Defensivverhalten des MSV in diesen ersten Minuten zu nachlässig war. Das änderte sich nach diesem Lattenschuss und die Zebras übernahmen die Spielkontrolle. Die Mainzer wurden in ihre Hälfte gedrängt. Angriff um Angriff wurde ruhig und kontrolliert vorgetragen. Der Druck auf die Mainzer Defensive war hoch. Die Mainzer machten immer häufiger Fehler.

Der Führungstreffer durch Dustin Bomheuer fiel nach einem Freistoß von rechts nahe der Strafraumgrenze. Andreas Wiegel schlug den Ball präzise in den Lauf von Dustin Bomheuer, der frei und wuchtig einköpfte. Lehrbuchmäßig. Besser geht es nicht. Nur drei Minuten später fiel das 2:0 durch ein sehr schönes Tor von Kingsley Onuegbu. Der Pass kam in seinen Lauf halbhoch in den Strafraum hinein. Wunderbar nahm er den Ball an, um ihn am Gegenspieler vorbeizulupfen. Dabei kam er vom direkten Weg aufs Tor ab, rechts Richtung Strafraumrand, was ihn nicht daran hinderte, den halbhohen Ball in feiner Drehung aufs Tor zu bringen. Auch dieses Tor war ein Lehrbuchbeitrag in Sachen Ballannahme und Schusstechnik. Trotz sicherer Führung gaben sich die Zebras nicht zufrieden. Sie wollten ein drittes Tor. Doch zwingende Chancen blieben bis zur Halbzeitpause aus.

Nach der Halbzeitpause blieben dann 45 Minuten, um sich an die Warnung von Ilia Gruev zu erinnern und gleichzeitig zu erkennen, warum die Mainzer am Tabellenende stehen. Von Spielkontrolle durch die Zebras konnte nun keine Rede mehr sein. Die Mainzer spielten offensiver und brachten nun ihrerseits immer wieder Angriffe bis in den Strafraum vom MSV oder dessen Nähe. Dennoch blieb die Mannschaft für diese Vielzahl von Angriffen zu harmlos. Pässe waren nicht präzise und Schüsse auf das Tor von Marcel Lenz waren mit einer Ausnahme leicht zu klären. Marcel Lenz spielte, weil Marc Flekken sich beim Training verletzt hatte.

20170217_205248_resized_mSo abgeklärt das nachträgliche Fazit auch wirken mag, leicht anzusehen war diese zweite Halbzeit bis etwa zur 80.Minute nicht. Es gab ja keine Garantie für erfolglose Mainzer Angriffe. Weil auch nicht erkennbar wurde, dass die Zebras die Spielkontrolle zurückgewinnen konnten, war diese zweite Halbzeit eine lästige Pflichtaufgabe mit zwischenzeitlichem Ärger, mancher Sorge und immer wieder bestätigter Erleichterung über eine Mainzer Mannschaft, die nur beim ersten Blick gefährlich wirkte. In den letzten zehn Minuten kehrte aber Ruhe ein. Die Mainzer resignierten ein wenig, die Zebras wirkten wieder sicher. Meine Zufriedenheit machte sich wieder bemerkbar.

Als nun am Wochenende die Ergebnisse der Mannschaften auf Platz 2 bis 4 den Spieltag komplettierten, wurde meine Laune, wie erwartet, noch besser. Dieses Tabellenbild mit neun Punkten Vorsprung des MSV auf Platz 3 stimmt doch sehr zuversichtlich. Wie passend, dass am nächsten Spieltag nun der FC Magdeburg zum Heimspiel kommt. Den MSV in seinem Lauf hält nicht der Letzte noch der Zweite der Tabelle auf. Ich suche schon mal vorsichtig nach passenden Schlagzeilen für das kommende Wochenende.

20170217_142023_resized_mFür die Zeit, bis ich wirklich an Schlagzeile und Spielbericht arbeiten kann, beschäftige ich mich vielleicht mit einem Bildungsangebot, auf das ich in Mainz bei meinem Spaziergang gestoßen bin. In diesem traditionsreichen Mainzer Lehrinstitut wird seit Jahren gute Arbeit in einer Nische unseres Bildungskanons geleistet. Wer dort Kurse buchen möchte, wende sich vertrauensvoll an mich. Ich leite die Anfrage dann weiter.

Werbung

Drei Minuten Wettkampfmodus reichen zu guter Stehplatzleistung bei einem 4:0

Nach dem Schlusspfiff im Spiel des MSV Duisburg gegen die zweite Mannschaft von Mainz 05 war ich sehr zufrieden. In meinem Alter ist es gut, die Kräfte auch mal schonen zu können. Zumal das Pokalspiel am nächsten Sonntag gegen Union Berlin wahrscheinlich vollen Einsatz verlangen wird. Etwa drei Minuten Wettkampfmodus genügten mir auf meinem Stehplatz, um den 1:0-Vorsprung in eine etwas gesichertere Zwei-Tore-Führung zu verwandeln. Das war Effizienz, die Nerven schonte, dem Blutdruck zugute kam und meine grundsätzliche Entspannung aus der ersten Halbzeit in einen Dauerzustand verwandelte. Derart unaufgeregt schaue ich mir Spiele des MSV eigentlich nur nach einem endgültigem Abstieg an. Wann es das letzte Mal so gewesen ist bei einem Spiel, bei dem es für den MSV um etwas geht, daran kann ich mich nicht mehr erinnern.

Meine Wettkampfeffizienz auf dem Stehplatz war möglich, weil die Spieler des MSV von Anfang an sehr wohl die nötige Spannung und Konzentration im Spiel zeigten, um erfolgreich zu sein. Kingsley Onuegbu stand zum ersten Mal in dieser Saison beim Anpfiff auf dem Spielfeld, und so versprach es interessant zu werden, wie der kontrollierte Spielaufbau mit diesem völlig anderen Stürmertyp als bislang funktionieren würde. Eines war von Anfang deutlich, an dem Grundsatz, den Spielaufbau so weit wie möglich kontrolliert zu versuchen änderte sich nichts. Es gab lange Bälle auf den King, doch sie waren Ausnahmen von der Regel, wie die Mannschaft ihr Spiel offensiv gestalten wollte. Sie waren Variationen eines Spiels, dessen Grundsatz weiterhin der kontrollierte Ballbesitz war.

Erleichtert wurde dieser Plan durch eine frühe Führung. Schon in der 13. Minute köpfte Zlatko Janjic das 1:0, nachdem sich Kevin Wolze schön auf dem Flügel durchgesetzt hatte und frei zur Flanke gekommen war. Danach gab es also die Gelegenheit, das zu schaffen, was in Münster gescheitert war, den Sieg durch ein zweites Tor wahrscheinlicher zu machen. Geduldig wollten wir sein zusammen mit der Mannschaft.

Die Geduld wurde nicht belohnt. Andererseits konnte ich völlig entspannt bleiben, weil die Mainzer Offensive zunächst im Grunde nicht vorhanden war. Erst zum Ende der Halbzeit hin gelang es den Mainzern zwei-, dreimal über die linke Defensivseite des MSV durchzubrechen. An meiner Grundentspannung änderte das nichts. Dazu war das Spiel insgesamt zu langsam. Diese Ballkontrolle des MSV verlangt in der Vorwärtsbewegung irgendwann Tempo, eine plötzliche schnelle Aktion. Sonst bleibt jede Spielaktion harmlos und bewirkt keinen Druck auf die gegnerische Defensive. Dieses Tempo gab es nicht, weil Pässe zu unpräzise waren und Spieler zu langsam. Auf beiden Seiten war das so. Gut, dass ich entspannt war. Gut, dass ich mich nicht aufregte.

Denn in der zweiten Halbzeit setzte sich erfolgreich fort, was zuvor ohne Tor geblieben war. Für den verletzten Zlatko Janjic war Stanislav Iljutcenko ins Spiel gekommen. Statt längerer Pässe variierten nun Einzelaktionen sowohl von Iljutcenko als auch von Thomas Bröker das kontrollierte Flügelspiel. Allmählich gelang es nun, Tempo ins Spiel zu bringen. Ich selbst begann in den Wettkampfmodus zu kommen, damit endlich das zweite Tor fiele. Durchbrüche über die Flügel führten nun zu Flanken in den Strafraum, und das war das Spiel von Kingsley Onuegbu. Zweimal war er an der richtigen Stelle. Einmal schoss er freistehend ein, nachdem sich Kevin Wolze einmal mehr auf der Außenbahn durchgesetzt hatte. Meine Entspannung war augenblicklich wieder da. Das andere Mal sprang er höher als seine Gegenspieler und köpfte nach einem Eckball ein. Mit diesen zwei Toren war das Spiel in der 69. Minute entschieden.

Stanislav Iljutcenko war damit noch nicht zufrieden und attackierte weiterhin die Mainzer Defensive beim Spielaufbau. Eine Minute später nahm er einem Mainzer Verteidiger den Ball ab und stürmte auf das Tor zu. Souverän umkurvte er den herauslaufenden Mainzer Torwart und erzielte das 4:0. Wenn man so entspannt ist wie ich, darf man auch mal die völlige Zufriedenheit auskosten. Ich dachte, jegliche Spekulation über ein Torverhältnis könnte sich mit der Zeit als völlig überflüssig erweisen.

Heute lässt mich meine Entspannung sogar ein wenig Wasser in den Wein gießen, damit etwas klar erkennbar wird. Nach den ersten drei Spielen gab es viele Fans, die in Kingsley Onuegbu den Heilsbringer beim Beheben der Abschlussschwäche sahen. Sie können sich bestätigt fühlen. Doch die Aufstellung vom King hat einen Preis. Der MSV zahlt mit dem Verlust von Tempo in der Offensive. Wenn der King spielt, verliert der MSV Dynamik im Spiel.

Die erste Halbzeit zeigte die Begrenzung des kontrollierten Spielaufbaus mit Kingsley Onuegbu in der Spitze ganz deutlich. Das Spiel war langsam, plätscherte dahin und steile Bälle in die Spitze waren vergebliche Bälle – mit einer Ausnahme, bei der Kingsley Onuegbu schon kurz nach der Mittellinie den Ball erhielt und dank seiner körperlichen Präsenz und Technik bis in den Strafraum laufen konnte, wo er letztlich den Ball verlor. Ob mit oder ohne Foul ließ sich von der Gegenseite aus nicht genau erkennen. Die steilen Pässe in den Strafraum aber gingen ins Nichts. Das waren jene Pässe, die Stanislav Iljutcenko in Osnabrück annehmen konnte, um sich sogar Eins-zu-Eins-Situationen gegen den Torwart zu erspielen. Wir kennen das Ergebnis, Tore gab es keine, also, Nachteil hier Abschlussschwäche.

Kurzum: Es gibt keinen deutlichen Vorteil bei den unterschiedlichen Besetzungen, auch wenn der hohe Sieg das im ersten Moment suggeriert. Es werden Mannschaften defensiv besser aufgestellt sein, und dann wird entweder der Pass auf den King zum Problem oder er selbst wird im Strafraum gar nicht an die Stelle gelangen, um seine Tore machen zu können. Momentan gibt es keine ideale Lösung in der Besetzung des Sturms, weil der Vorteil des einen Spielers mit einem Nachteil einhergeht. Erst die Entwicklung des Spiels erweist, ob die Entscheidung für eine bestimmte Aufstellung richtig oder falsch war. Das ist banal, aber nach dem hohen Sieg möchte ich in all meiner Entspanntheit doch darauf hingewiesen haben. Ganz lässig mal rauszuhausen, das könnte auch alles mal anders kommen, das fühlt sich schon gut an, wenn alles bestens gewesen ist.

Saisonabschluss Teil 1 – Soll und Haben im Tabellenrechner: 38. Spieltag

Nach all dem Feiern des Aufstiegs will ich mich mal an den Saisonabschluss in diesen Räumen hier machen. Es gibt mit dem Tabellenrechner einen losen Faden, den ich mir als erstes vornehme – aus einem einfachen Grund: Zum zweiten Mal habe ich recht gute Erfahrungen damit gemacht. Zum zweiten Mal konnte ich schon früh meine Nerven beruhigen, weil der Tabellenrechner mir große Zuversicht gab, das Saisonziel des MSV wird erreicht.

Wenn also mal wieder Not am Mann ist, kurzer Hinweis und ich schaue wieder, wie unter möglichst schlechten Vorzeichen für den MSV eine Abschlusstabelle zustande kommt, die uns allen Freude macht. Ich gebe zu, ich habe großen Spaß daran, die alles entscheidenden Tabellenplätze recht genau kalkuliert zu haben.

Eines erweist sich bei diesem Abgleichen auch noch: Bis ungefähr zum letzten Viertel der Saison haben die Trainer der in einem Spiel favorisierten Drittligisten immer wieder darauf hingewiesen, in dieser Liga könne jeder jeden schlagen. Die Zahlen bestätigen das. Bei  meiner Prognose bin ich fast immer von Favoritensiegen ausgegangen. Der erste Blick auf die Tabelle zeigt, wieviel Punkte mehr die Vereine im unteren Tabellensegment geholt haben, als es die Prognose nach der einfachsten Bewertungsgrundlage erwarten ließ.

Um so klarer wird auch erkennbar, wie sehr die ersten drei Mannschaften sich vom Rest der Liga unterschieden. Sie zeigten in jeweils unterschiedlichen Phasen der Saison stabil positive Ergebnisse. Der MSV war im letzten Viertel des Saison erfolgreich, als es entscheidend wurde. Im Rückblick lassen sich die Unentschieden zu Beginn der Saison auch anders bewerten. Was in der Anfangsphase der Saison für das Ziel Aufstieg nicht erfolgreich genug war, erweist sich in dieser Perspektive als das Fundament des Aufstiegs. Diese Unentschieden machen die Siegesserie zum Saisonende zu einem Erfolgsendspurt.

Im Abgleich seht ihr die Abschlusstabelle samt Punkten; in der ersten Klammer steht meine Prognose der Platzierung, in der zweiten Klammer meine Prognose der Punktezahl am Saisonende, daneben die endgültig Punkteabweichung von dieser Punkteprognose.

1. (1.) Arminia Bielefeld  74  (77) -3
2. (2.) MSV Duisburg 71 (70) +1
3. (3.) Holstein Kiel 69 (69) 0
4. (4.) Stuttgarter Kickers 65 (67) -2
5. (12.) Chemnitzer FC 59 (50) +9
6. (10) Dynamo Dresden 56 (54) +2
7. (6.) Energie Cottbus 56 (60) -4
8. (5.) Preußen Münster 54 (65) -11
9. (9.) SV Wehen Wiesbaden 53 (55) -2
10. (11.) Hallescher FC 53 (53) 0
11. (8.) VfL Osnabrück 52 (57) -5
12. (7.) Rot-Weiß Erfurt 51 (59) -8
13. (14.) VfB Stuttgart II 47 (42) +5
14. (13.) Fortuna Köln 46 (43) +2
15. (17.) SG Sonnenhof Großaspach 46 (36) +10
16. (18) Mainz 05 II 42 (34) +8
17. (15) Hansa Rostock 41 (41) 0
18. (17) Borussia Dortmund II 39 (30) +9
19. (16.) SpVgg Unterhaching 39 (36) +3
20. (20) Jahn Regensburg 31 (27) +4

Enttäuschung nach dem letzten Spiel in diesem Jahr

Da hat Der Stig am Freitag den Mund etwas zu voll genommen. Aber einen wie den Stig ficht das überhaupt nicht an. Dem kannst du tausendmal sagen, Spiele werden nicht allein dadurch entschieden, dass man vorher mächtig herumimponiert und mit den Fäusten mal so richtig auf der breiten Brust rumtrommelt. Den besseren Fußball musst du danach auch noch spielen. Der schimpft einfach weiter. Kaum kriegten die ein Gegentor, traute sich die ganze Mannschaft nichts mehr zu. Dann stellten die das Spiel nach vorne glattweg ein. Mit diesem Schimpfen konnte er gar nicht aufhören nach dem Spiel vom MSV Duisburg gegen die zweite Mannschaft von Mainz 05.  Mit Angst, sagte Der Stig, mit Angst als eine der ganz großen Teamstärken ist noch niemand aufgestiegen. Das ist natürlich Unsinn. Die Zebras waren in der ersten Halbzeit vorsichtig, vor Schreck vielleicht. Denn darin war ich mir mit Stig einig, die Angst vor einem Tor der Mainzer in der ersten Halbzeit war zunächst berechtigt. Und auf so was sagt Der Stig nur, eben. So ist er, Der Stig.

So ein Spiel ist tatsächlich ja auch ein Ringen um den psychischen Vorteil auf dem Platz. Wer fühlt sich überlegen, wer beschäftigt den Gegner mehr, wie gefährlich sind die Torchancen? Aber so ein Vorteil entsteht nicht einfach durch Vorsatz. Entscheidend ist auf dem Platz. Die  Mainzer spielten schnell, kombinierten sicher und schlossen schlecht ab. Letzteres stellte sich aber erst mit der Zeit heraus. So spielte die Abschlussschwäche im Ringen um den Vorteil erst keine Rolle. Der MSV Duisburg versuchte mit sehr kontrolliertem Offensivspiel dagegen zu halten. Ballkontrolle beim MSV bedeutet aber zugleich wenig Dynamik im Spiel, lieber einmal mehr den Ball zurecht legen und sicherheitshalber den Pass zur Seite zu spielen. Dementsprechend entstand Dynamik weniger durch schnelles Zusammenspiel als durch das Dribbling einzelner.

Dabei war der MSV Duisburg durch einen Elfmeter früh in Führung gegangen. Für kurze Zeit hatte es so ausgesehen, als könnte sich ein entspanntes Spiel für uns Anhänger der Zebras entwickeln. Zumal nach der Führung tatsächlich ein Konter mit drei Stationen über das halbe Spielfeld gelang und wir alle nur noch auf den letzten Querpass zu den einschussbereiten Spielern im Strafraum warteten. Wer war mitgelaufen? War es Kevin Scheidhauer, dem dieser Pass nicht gelang? Ich weiß es nicht mehr. Der Ausgleich fiel nach einer Ecke zehn Minuten nach der Führung. Schon die sehr genaue, sich länger hinziehende Aufstellung der Mainzer im Strafraum sorgte mich sehr. Es war so offensichtlich, wie die Mainzer ganz exakte Position besetzen wollten. Sie zogen die Gegenspieler weit auseinander. Da blieb viel Raum für das Blocken von Gegenspielern. Das bereitete mir große Bauchschmerzen, weil mir die Gefahr solcher Spielsituationen aus dem Basketball so vertraut sind. Gut ausgeführte Blocks sind nicht wirklich zu verteidigen. Es gibt immer den kurzen Moment, in dem der Gegenspieler frei ist. Ob nun der direkte Gegenspieler um den Block herumläuft oder eine Übergabe erfolgt. Der Ball musste nur präzise genug in die Mitte kommen.

Danach war es um die Leichtigkeit im Spiel des MSV Duisburg geschehen. Sorge bestimmte das Spiel des MSV Duisburg, während die Pass- und Schussgenauigkeit der Mainzer in Strafraumnähe herbe Abstürze erlebte. Zur zweiten Halbzeit zeigte die Mannschaft des MSV Duisburg sofort deutlich, dass sie das Spiel gewinnen wollte. Die Mainzer zogen sich zurück und das Spiel nahm fast durchweg nur eine Richtung. Doch wenn es einmal gelang über die Außenspieler bis zur Grundlinie vorzudringen, gingen die Flanken ins Nichts oder im Strafraum dorthin, wo kein Spieler vom MSV Duisburg stand. Es war auch egal, ob diese Flanken von links oder rechts kamen, auch wenn der Flankenlauf über links, meist von Kevin Wolze, gefälliger anzusehen war.

Als wir in den letzten Minuten dann nach Ballverlust oder vergebener Möglichkeit die beiden Kevins der Mannschaft im Abseits haben stehen bleiben sehen, sah mich Der Stig grimmig triumphierend an. Ich wusste, um so was ging es ihm auch. Die Spieler gaben zu früh auf, sie waren zu früh frustriert. Sie sahen nicht jede Spielsituation als neue Chance. Sie empfanden jede Spielsituation als Möglichkeit zu erneutem Versagen. Ich glaube nur nicht wie Der Stig, dass man sich eine andere Haltung einfach vornehmen kann. Bei den Spielern des MSV Duisburg muss Erfolg für diese Haltung hinzukommen. Das ist natürlich bei allen Sportlern so, aber ein Spieler der 3. Liga braucht zum Selbstbewusstsein wahrscheinlich doch ein wenig mehr Erfolg als ein Spieler der Bundesliga.

So entfaltete der MSV Duisburg zwar Druck in der zweiten Halbzeit. Torgefahr blieb aber weitestgehend aus. Eine Halbchance hatte Kevin Scheidhauer. Unermüdlich suchte er die Räume, lief viel und doch wirkte er bei Abschluss und entscheidendem Pass zum freien Mitspieler immer verunsicherter. Und dann waren da noch zwei Ecken für Mainz 05 kurz vor dem Abpfiff. Die Szene kannte wir aus der ersten Halbzeit. Beide Male hätte gut ein Tor fallen können, doch dieses Mal hatte der MSV  Duisburg Glück. Verdient wäre dieser Sieg für Mainz nicht gewesen, aber auch nur mit Glück hätte der MSV gewinnen können – trotz aller Anstrengung, die es ohne Zweifel von allen Spielern gegeben hat. Es fehlten die spielerischen Möglichkeiten. Einerseits konnte mit diesem Unentschieden der Rückstand auf den zweiten Platz verkürzt werden, andererseits haben drei andere Mannschaften sich nun einen Vorteil gegenüber dem MSV erspielt und es gibt den neuen Punkterückstand auf den dritten Platz. Der zweifellosen Anstrengung folgen einmal mehr die Zweifel über die weiteren Möglichkeiten des MSV in dieser Saison.

Dänen lügen nicht – Wie? Jetzt will auch noch Mainz gewinnen?

Heute morgen hatte ich die Schnauze voll. Ich, der Stig. Kees hat heute sowieso keine Zeit oder wenn doch, bin ich schneller. Ich habe jetzt auch genug hospitiert. Letztens habe ich schon gedacht, ich glaube, es hackt, als Kees diesen eiapopeia-paradiesische-3.Liga-Mist rausgehauen hat. Fußballer, die vom gewinnen wollen faseln, brauchen klare Ansagen. Wenn diese Fußballer beim Gegner spielen, verstanden? Das kann ich. Da könnt ihr drauf an. Gerade dann, wenn so ein Gegner-Fußballer vom Abstieg bedroht ist.

Also, was soll das? Der 18. kommt zum Tabellenvierten, und was lese ich bei denen auf der Seite: „Wir müssen so früh wie möglich damit anfangen, daran zu glauben, dass wir es schaffen werden. Und wir glauben auch daran, dass wir am Samstag gewinnen können“. Das sagt der Trainer von denen. Hömma, so heißt das im Pott. Das war mit das erste, was ich hier gelernt habe, als ich aus  Aarhus ankam. Hömma, das gibts in verschiedenen Tonlagen, und jetzt gerade hat mein hömma nun weiß Gott nicht diesen niedlichen dänischen Akzent, der uns für euch Deutsche so harmlos und freundlich wirken lässt.

Versteht ihr in Mainz, was ich damit sagen will? Ich sage es jedem von euch gerne auch einzeln: Hömma! Dieses hömma heißt: Hast du sie noch alle? Euren Glauben könnt ihr euch für die Rettung eurer Seelchen aufbewahren. Die werden das nach dem Spiel morgen nötig haben. Trainer, du trainierst eine Ausbildungsmannschaft. AUSBILDUNG! Weißt du, das steht auch auf eurer Seite. Da müsst ihr euch erst mal hinten anstellen. Mal ein bisschen vorsichtig probieren. Mal den Mund nicht so voll nehmen. Ich sehe doch, was geschieht: Gerade noch Abstiegskandidat in der zweiten Mannschaft, der immer gewinnen will, morgen schon mit oder ohne Führerschein Luxusautos zerfalten und die Flatrate bei den  Outdoor-Fotoautomaten-Aufstellern buchen. Ihr könnt froh sein, wenn ihr nicht mit drei Toren Unterschied vom Duisburger Rasen gejagt werdet. Einer muss es doch mal sagen: Jeder kann jeden schlagen, das ist der größte Unsinn, den ich je gehört haben. Ein MSV Duisburg ist nicht jeder. Verstanden?!

Drei Punkte über Soll

Schon alleine die Nachricht vom 4:3-Auswärtssieg des MSV Duisburg bei der Zweiten Mannschaft von Mainz 05 hellt meine Stimmung auf. So hatte ich es mir gestern vorgestellt: Der MSV hilft mir über meinen von Duisburg verursachten Liebeskummer hinweg. Über das Spiel schreiben, heißt heute Nachrichten aus zweiter Hand verbreiten. Aber ein paar Stimmen aus dem MSVPortal ergeben zusammen mit den Spielberichten, hier etwa bei WAZ/NRZ,  und dem speziellen Spielverlauf ein Bild. Druckvolles, schnelles Offensivspiel ist in dieser Saison immer das Ziel. Mit zwei starken Spielanfängen nacheinander zeigt sich zudem die Lehre aus dem Spiel gegen Regensburg. Die Defensive bleibt bis auf weiteres ein heikles Thema, wenn in den letzten zehn Minuten eine Führung mit drei Toren noch gefährdet scheint. So lange vorne mehr Tore fallen, als hinten hereingelassen werden, soll uns das aber nur bedingt stören, weil die Saison mit dieser Spielweise besonders unterhaltsam werden könnte.

Zumal nicht wenige Fan-Biologen vermuten, dass den MSV-Fans eine besondere Schlussminutenangst-Resistenz angeboren ist. Die körperlichen Belastungen des mit den Schlussminuten eines MSV-Spiels verbundenen Stresses scheinen viele besonders gut aushalten zu  können. Andererseits gibt es auch solche Zuschauer wie mich. Ich muss darauf hoffen, so selten wie möglich, die Führungen des MSV in den Schlussminuten bedroht zu sehen, sonst werde ich womöglich bei dem ein oder anderen Spiel den Schlusspfiff abseits der Ränge erwarten müssen. Es bahnt sich schon seit einiger Zeit an, dass meine Nerven nicht mehr die besten sind.

Mein SC-Paderborn-Fahrtenbuch zum Aufstieg verrät mir übrigens, der MSV liegt drei Punkte über dem Soll. Kling gut und kann am Samstag gegen Halle noch besser werden. Die Tore im Bewegtbild samt der vergebenen Ausgleichschance für die Mainzer in der Schlussminute gibt es in der lokalen Nachrichtensendung des SWR ab Minute 12 mit einem Klick weiter.

Und schon wieder 42.000 Euro mehr für den Etat

Müssen wir das große Glück von Fortuna Köln nun doch noch bedauern? Das Tor von Fortuna-Spieler Oliver Laux im allerletzten Moment der Nachspielzeit brachte der Fortuna den Aufstieg und den MSV Duisburg um ein paar tausend zusätzliche Euros, die bei einem Aufstieg vom FC Bayern München II in die Kasse geflossen wären. Denn zweite Mannschaften von Erst- und Zweitligisten haben kein Anrecht auf einen Anteil an den 12,8 Millionen Euro, die der DFB für die 3. Liga bei der Vergabe der TV-Rechte einnimmt. Weil die zweite Mannschaft vom FSV Mainz 05 aufgestiegen ist, erhöhen sich die Einnahmen vom MSV Duisburg also von ursprünglich 711.000 Euro auf knapp 753.000 Euro. Das ist bei liga3-online nachzulesen. Knapp 42.000 mehr in der Kasse, was die Ausgangssituation für Ivo Grlic bei der Verpflichtung neuer Spieler wahrscheinlich nicht wesentlich beeinflusst.

Welch Vorstellung aber, wenn außer dem MSV Duisburg nur Zweitvertretungen der Erst- und Zweitligisten in der 3. Liga spielten. Diesen Vorteil haben bislang sicher nur wenige im Auge gehabt beim Verteilen der Aufstiegswünsche. Mit einem Schlag um 12,8 Millionen Euro reicher. Mehr Geld als die Zweitligisten im Schnitt aus der Vergabe der TV-Rechte erhalten. Die Zuschauereinnahmen könnten natürlich zurückgehen in so einem besonderen Fall. Andererseits spielte ein Verein mit einem Mindest-Etat von 12,8 Millionen ohne Zweifel um den Aufstieg mit, zumal die Zweitvertretungen ohnehin nicht aufsteigen können. Was für Fragen in so einem zugegeben noch nicht bald abzusehendem Fall aufkommen.

Deshalb Betriebswirtschaftsprofessoren hergehört! Eine dieser Fragen ist doch eine schöne Aufgabe für eure Studenten, ganz nach dem alten pädagogischen Prinzip, das wir schon kennen aus Sammy Drechsels großem Klassiker des Fußballromans „11 Freunde müsst ihr sein …“ Wenn ihr jemandem dauerhaft etwas beibringen wollt, nutzt den Fußball als praxisnahes Beispiel für den zu vermittelnden Lehrstoff. Ganze Examensarbeiten lassen sich aus der Problemstellung gewinnen. Für die Wirtschaftsunternehmem im Fußball ist diese  Grenzkalkulation doch sicher nicht besonders erforscht. Her mit der Formel, die jedem Drittligisten zeigt, ab welcher Zahl von Zweitvertretungen der Erst- und Zweitligisten in der 3. Liga es ihm finanziell derart besser geht, dass der sportliche Erfolg wahrscheinlicher ist.

Und da die richtig guten Nachrichten über den MSV Duisburg vielleicht sogar erst morgen kommen – hoffentlich – fällt mir noch was ganz anderes ein: Was die NBA in den USA  kann, macht sich im Namen der deutschen Basketball-Bundesliga doch auch ganz ordentlich.

 

,


JETZT IM BUCHHANDEL
Die berührende, oft komische und tief emotionale Geschichte über ein Leben in Duisburg mit dem MSV

Und sonst

Statt 14,95 € nur noch 8,90 € Hier bestellen

Oder das und einiges andere mehr mit Klick

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Sponsored

Bloglisten


%d Bloggern gefällt das: