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Von Pro-und-Contra-Simulationen und einem Siegertrikot

Ein Mann zwei Meinungen trifft manchmal sogar bei mir zu, zumuten möchte ich euch das Lesen zweier gegensätzlicher Ansichten in einem einzigen von mir geschriebenen Text vor dem Heimspiel gegen VfB Stuttgart II aber nicht. Wer weiß, ob die sensiblen Naturen unter euch nicht mit längerwierigen Orientierungs- und Verständnisstörungen reagieren und sie gleich auf den Rängen beim Support versagen. Deshalb habe ich mich für heute und vielleicht auch für die Zukunft an einen meiner Bekannten  erinnert. Fürs Publikum geschrieben hat er bislang noch kein Wort. Aber wenn einer starke Meinungen hat, ohne sich jedes Mal um Argumente zu kümmern, warum es nicht mal mit ihm versuchen. Im WAZ/NRZ/Reviersport-Konglomerat gibt es so was ja auch immer mal wieder. Der Stig  ist Däne, und Dänen lügen bekanntlich nicht. Was ein guter Kolumnen-Titel wäre, wenn alles gut läuft.

Der Stig soll heute eigentlich erstmal nur hospitieren. Aber er redet mir gerade ständig rein, ich solle jetzt schreiben: „Ich glaube, es hackt. Eigentlich reicht ein Wort für diesen Pro-und-Contra-Blödsinn: Überflüssig! Es geht um nichts. Man muss niemanden überzeugen, niemand hat Argumente, aber Meinungen haben wir alle. Da brauchen wir keine Zeitungen für.“

Ich sagte ja, starke Meinungen hat der Mann, aber so stimmt das natürlich nicht. So ein Pro und Contra kann ja sehr übersichtlich gegensätzliche Meinungen mit ihren Argumenten gegenüberstellen. Das steht doch sogar im Lehrplan des Deutschunterrichts. Für die 7. oder 8. Klasse? Kontroversen werden von verschiedenen Seiten betrachtet. Es wird geübt, Argumente für die verschiedenen Perspektiven zu finden, um schließlich einen Schluss daraus zu ziehen. Das Ganze mündet in der Pro-und-Contra-Klassenarbeit. Diese Klassenarbeit ohne die dort verlangte eindeutige Meinung taucht als Pro-und-Contra-Simulation eben in den Blättern der Funke-Gruppe gerne mal auf. Früher war es mal die Trainer-Frage, nach den Erfolgen der letzten Woche, war die Zeit reif für die Frage nach der Aufstiegsreife des MSV.

Dummerweise gibt mir die Funke-Gruppe kein Argument in die Hand, das ich dem Stig zur Ehrenrettung der Pro-und-Contra-Artikel entgegenhalten kann. Ich habe nicht das erste Mal das Gefühl, für die Contra-Position wird in der Reviersport-Redaktion Streichhölzchen gezogen. Dann muss einer ohne jegliches Wissen über die Situation beim MSV Duisburg schnell ein paar Sätze in die Tasten hauen. Den armen Stefan Loyda hat es dieses Mal getroffen. Die beste Lösung für ein Argument in so einem ahnungslosen Fall lautet, die Zukunft ist ungewiss. Der Winter wird kommen, aber ob Deutschland genügend Energie für alle Heizungen hat, bleibt die Frage. Erst an den  kältesten Tagen wird sich zeigen, ob das Land reif für den kommenden Winter ist. Ein Tipp des alten Deutschlehrers für die Klassenarbeit: Pro und Contra beziehen sich immer aufeinander. Am besten nimmt man die Argumente der Gegenseite und überlegt, ob sie nicht auch auf andere Weise betrachtet werden können. Thorsten Richter hat doch ein paar Argumente für die Aufstiegsreife gefunden. Oder sollte es einfach überhaupt keinen Grund,  der … Ich spreche es lieber nicht aus.

Der Stig sagt gerade zu mir: „Sach ich doch. Lass uns lieber über dein blödsinniges Waschen reden. Das ist unterhaltsamer und viel wichtiger.“ streifen_zeigenIch habe als Vorbereitung auf das heutige Spiel nämlich das Siegertrikot der letzten Heimspiele gewaschen. Stig war entsetzt, als er das hörte. Er ist der Meinung, Siegertrikots von Fans werden erst nach Niederlagen gewaschen. Punkt.

Da halte ich dagegen, ich unterstütze das Selbstvertrauen der Mannschaft. Deshalb habe ich gewaschen. Als Zeichen gegen den Aberglauben und das Vertrauen auf Glücksbringer. Die brauchen keine grünen Auswärtstrikots, um den Heimgegner zu schlagen. Wer endlich wieder auch zu Hause Streifen zeigt und dem aufkeimenden Aberglauben eigene Spielstärke entgegenhält, braucht jede Unterstützung der eigenen Stärke. Dieses ganze Glücksbringer und Aberglaubegedöns ist so irrational, das hilft niemandem, sich damit Unterstützung zu holen. Ich finde es gut, dass sie sich jetzt wieder alleine darauf verlassen, was sie können.

Tach, ich bin’s, der Stig. Kees habe ich mal kurz von den Tasten geschubst. Ich mag den Kerl ja, aber wenn er von etwas keine Ahnung hat, soll er den Mund halten. Schwachsinns-Pro-und-Contra. Da gibt es kein Contra. Es gibt nur Pro. Wenn es der Mannschaft hilft, soll sie die grünen Trikots wieder anziehen. Um gut zu sein, brauchst du ein gutes Gefühl. Das gilt auch für die Ränge. Jedes kleine Zeichen hilft. Geh mir weg mit dem Siegertrikot waschen. Immer schön die Serie ausbauen und niemals Siegertrikots waschen. Spart außerdem Wasser, Waschmittel und hilft der Umwelt.  Wenn einer auch auf so was steht, meine ich.

Ich frage mich gerade, ob ich Stig nicht wieder rausschmeiße. Ich mag ihn ja sonst gut leiden, aber  manchmal ist er etwas gewöhnungsbedürftig, wenn man längere Zeit mit ihm verbringt. Davon ab, ist es mir gerade egal, ob waschen oder nicht, Hauptsache, das Spiel endet gleich mit dem Ergebnis, das wir uns erhoffen.

Kein Auftakt nach Maß ist kein Grund für Panik

Schön ist so ein Saisonauftakt mit einer 3:1-Niederlage gegen den SSV Jahn Regensburg nicht. Dabei habe ich das Schlimmste, die ersten 20 Minuten des Spiels, nicht einmal mitbekommen, Ausflugsgewohnheiten während Großfamilientreffen in Wolfenbüttel sei Dank. Eine zweite Halbzeit lang habe ich mich aus dem Familientreffen ausklinken könnnen und dachte beim 2:1-Rückstand so was wie behebbar und vorläufig. Allerdings schwand meine Zuversicht schon nach ein paar Minuten Spielzeit. Zwar waren Wunsch und Willen der Spieler des MSV Duisburg zu erkennen, Torchancen ergaben sich aber kaum. Außerdem erreichten viele Pässe das Ziel nicht und im Gegenzug wirkte Regensburg immer so, als könne der Konter mit einem Tor enden, zumal wenn kleinere individuelle Fehler in der eigenen Spielhälfte immer mal wieder passierten. Ein überlegenes Spiel mit Regensburger Furcht vor dem Ausgleich war nicht zu erkennen. Mein Schluss: Der Rückstand war kein Zufallsergebnis.

Dennoch hatte ich den Torschrei auf den Lippen, als Kingsley Onuegbu und Zlatko Janjic im Strafraum zum Torschuss kamen. Als diese beiden großen Chancen ungenutzt blieben, schien mir das dann auch noch klar, an der Chancenverwertung hat sich trotz neu zusammengestellter Mannschaft gegenüber der letzten Saison noch nicht viel verändert. Wenn der Rest der Mannschaft aber ebenfalls nicht dauerhaft zuverlässig spielt, müssen Tore nach solchen Chancen allen, um zumindest das Unentschieden zu erreichen. Der nächste Fehler in einer gefährlichen Zone kann passieren. Eine Unachtsamkeit nach weitem Abschlag des Regensburger Torhüters Stephan Loboué zum Beispiel. Dieses eine Mal traf der durchbrechende Regensburger Spieler nur die Latte. Das nächste Mal fiel dann das dritte Tor, als der Ball im Spielaufbau verloren ging, der Steilpass in die Spitze durchkam und Michael Ratajczak nicht entschlossen genug dem Pass in den Strafraum entgegenlief.

Von den Abwehrfehlern in den ersten 20 Minuten habe ich gestern noch gelesen, von einer Mannschaft, die im Gegensatz zum Gegner nicht von Anfang an im Spiel war. In den TV-Ausschnitten konnte ich übrigens nicht erkennen, dass Matthias Kühne eine noch viel schlechtere Leistung als seine Mannschaftskollegen gezeigt hat. Beim ersten Tor hat er sicher nicht gut ausgehen, aber am zweiten Tor ist er doch nur in der Folge beteiligt, als es ihm nicht mehr gelang, den Fehler von Christopher Schorch zu beheben. Aber TV-Ausschnitte sind eben TV-Ausschnitte.

Nebenbei gesagt, für die am MSV interessierten Leser von Zeitungen ergibt sich seit dieser Saison ein einheitlicheres Bild. Die Kooperation von Rheinischer Post Verlagsgesellschaft und Funke-Gruppe im Lokalbereich des sich überschneidenden Einzugsgebiets führt zu identischer Berichterstattung in Rheinischer Post und WAZ/NRZ. Nicht immer, aber immer öfter.

Von Wolfenbüttel aus ging es gestern wie meist in dieser letzten Juli-Woche in die angeheiratete Heimat, um den Kölner Karneval Paderborns, das Libori-Fest, zu feiern. Zum ersten Mal sah ich dort eines der vielen Konzerte  gemeinsam mit dem youtube-celebrity-Fan des SC Paderborn. Entrückt saß er kurz auf der Treppe zum Franz-Stock-Platz, trug Trikot,  Fan-Cap und ging dann doch schnell wieder. Wahrscheinlich um nach der Playstation auch noch seinen allerletzten Besitz zu verkaufen. Die Eintrittspreise des SC Paderborn sind ja deutlich teurer geworden. Ich denke, sein erstmaliges Auftauchen bei meinen so häufigen Besuchen Paderborns ist eine Erscheinung. Das will gedeutet werden. Denn seht: Der SC Paderborn, Bundesligaaufsteiger der letzten Saison, gewann sein erstes Spiel erst am fünften Spieltag. Mit einer 1:0-Heimspielniederlage gegen 1860 begann die Saison. Sie setzte sich fort mit einer 4:0-Auswärtsniederlage beim späteren Absteiger Cottbus. Zwei Unentschieden waren die ersten beiden kleinen Erfolge. Sogar in Paderborn wurden Fans unruhig und schimpften auf den Trainer. So seht, Großes kann unscheinbar beginnen. Sehet, was ich gesehen habe. Höret die gesprochenen Worte in der Stadt des Heiligen Liborius.


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