Posts Tagged 'Fußball im Film'

Hauptsache Fussball – Eine DVD-Besprechung

Als ein Verliebter dem Rest der Welt sein Verliebtsein zu erklären ist nicht einfach. Letztens schwärmte ich hier von Hermann Gerland herum, sammelte im gefühligen Nebel ein paar halbwegs rationale Momente der Begründung und dachte eigentlich, wenn der Rest der Welt nicht sofort von selbst Hermann Gerland anhimmelnd zu Füßen liegt, kann denen sowieso keiner helfen. Lieber noch einmal das ungeschnittene Interview mit Hermann Gerland auf der DVD „Hauptsache Fussball – Junge Fussballprofis auf dem Weg ins Spiel“ ansehen, weiterschwärmen und schweigen. Aber gut, dass die Macher von „Hauptsache Fussball“ neben dem Bonusmaterial auch den eigentlichen Dokumentarfilm mit auf die DVD gepackt haben. Deshalb kann ich nämlich nun, statt glückselig lächelnd dazusitzen, doch noch ein paar Worte schreiben und jedem Fußballinteressierten auch mit Argumenten empfehlen, bei dieser DVD schnell zuzugreifen.

„Hauptsache Fussball“ dauert lange 140 Minuten, dazu gerechnet die 57 Minuten Bonus-Material, und nach dem Ansehen der DVD hat man nicht nur Einblicke in Denken und Handeln von unzähligen Akteuren des Fußballgeschäfts gewonnen. Außerdem sind diese Akteure mit ihren sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten überaus präsent geworden. Das ist dieser eine so beeindruckende, grundsätzliche Wert dieses Films. Dem Produzenten und Regisseur Andreas Bach und seinen Co-Regisseuren Marco Jankowski sowie Burkhard Vorländer ist es gelungen, das Vertrauen ihrer Interviewpartner so zu gewinnen, dass sie die sonst schnell aufgebaute Kulisse dieses Fußballgeschäfts beiseite schieben konnten. Der Blick war frei auf das Innenleben dieser Bühne. Für die Macher muss sich eine unglaublich große Fülle an Material ergeben haben, die es zu bewältigen galt. Viele disparate Stimmen und ebenso viele Bilder waren rund um das Grundthema „junge Profis im Fußballgeschäft“ zu einer erzählerischen Einheit zu formen.

„Hauptsache Fussball“ ist angelegt wie ein Roman mit einigen Nebenlinien der Erzählung. Das thematische Zentrum der Dokumentation sind die Erfahrungen von jungen Spielern an unterschiedlichen Arbeitsplätzen in der Unterhaltungsbranche Fußball. Das geht vom Nationalspieler Holger Badstuber bei Bayern München über zwei Torhüter mit unterschiedlichen Perspektiven auf der Suche nach dem richtigen Verein hin zu Tobias Schweinsteiger beim Drittligisten oder Fabian Bäcker als Nachwuchsspieler auf dem Sprung in den Profikader des Bundesligisten. Ihre Trainer wie Hermann Gerland, Jürgen Gelsdorf oder Michael Frontzeck kommen ebenso zu Wort wie der Spielerberater Jörg Neblung, der für die jungen Spieler passende Arbeitsplätze finden will. In den Nebenlinien geht es immer wieder um die Bedeutung von Fußball im Leben der Menschen. Es geht aber auch um das öffentliche Bild von Vereinen wie Bayer Leverkusen oder dem FC Schalke 04, es geht um Meinungen von Fans und Journalisten. Zudem nimmt der Regisseur des Films Andreas Bach das eigene Fan-Dasein und das seiner Familie als erzählerisches Moment in den Film mit hinein.

Ein erster Eindruck lässt sich durch den Trailer mit Holger Badstuber vom FC Bayern München und dem Nachwuchsspieler von Borussia Mönchengladbach Fabian Bäcker gewinnen.

In diesen Interviews mit den Akteuren des Fußballgeschäfts, den Spielern, dem Spielerberater, den Trainern, Managern oder Nachwuchskoordinatoren, in diesen Interviews wird über den beruflichen Alltag im Fußball geredet, über die Bedeutung des Fußballs für die einzelnen Sportler und immer wieder über die Bedingungen, unter denen dem Beruf nachgegangen wird. Oft ziehen  gerade die Trainer den historischen Vergleich. Sie sehen – manchmal auch mit Skepsis – auf die veränderte Gesellschaft, in der Kinder heute aufwachsen. Sie beschreiben mit welcher Persönlichkeit und mit welchen Eigenschaften Jugendliche heute in die Vereine kommen. Sie haben die Entwicklung dieses Sports in den letzten zehn Jahren im Kopf und die Folgen der so immensen Professionalisierung in den Vereinen für die jungen  Spieler.

Die Interviews sind unterhaltsam mit atmosphärischen Bildern rund um den Fußball zusammengeschnitten, so dass die Dokumentation einen filmischen Rhythmus erhält und mehr ist als die Aneinanderreihung von „sprechenden Köpfen“. Andreas Bach, Marco Jankowski und Burkhard Vorländer haben auf jeden Fall einen Film für alle Fans des Fußballs gemacht. Noch etwas besser wäre der Film geworden, hätten sich die Macher in den Nebenlinien etwas zurückgenommen und sich gerade zum Ende des Films mehr auf das Hauptthema, die jungen Profis, konzentriert. Auch ein Roman kann im letzten Drittel nicht mehr sehr weit abschweifen vom Zentrum seiner Handlung, ansonsten droht er zu zerfasern. Einen ähnlichen Eindruck macht mir das letzte Drittel der Dokumentation. Hier wäre weniger mehr gewesen.  Die 140 Minuten bekommen im letzten Drittel Längen, wenn die 11Freunde-Mitarbeiter ihre nur für Fußballfans spaßigen Scherze treiben und der Filmemacher Andreas Bach Bilder aus einer Art Filmtagebuch der eigenen Stadionbesuche in den Film schneidet. Ohne diese Längen wäre der Film überragend und auch für ein Publikum ohne Fußballinteresse durchgehend interessant, nur wir Fußballfans nehmen jedes dieser Bilder gerne. Solche Worte verträgt der Film. Sie mindern nicht die uneingeschränkte Kaufempfehlung an alle, die hier normalerweise lesen.

Mehr Informationen über den Film finden sich auf einer eigens eingerichteten Seite im Netz. Dort sind auch Trailer zu sehen, die vor dem 21. Mai in diesen Räumen hier keinen Platz erhalten können. Schließlich müssen wir am MSV Duisburg Interessierten die Kräfte für das DFB-Pokalfinale bündeln, und auch wenn ich mich sonst an jeder Fan-Geschichte erfreue, im Moment gibt es für Sympathiebekundungen auf jeden Fall ein richtig und falsch.

Hauptsache Fussball – Junge Profis auf dem Weg ins Spiel. Ein Film von Andreas Bach, ab € 15,99.

Verliebt in Hermann Gerland

Seht es mir nach, auch wenn ich nur ganz kurz an den Schreibtisch komme, ein Mensch, der von einem anderen Menschen so erfüllt ist wie ich heute, der muss das der Welt laut sagen – selbst wenn die Welt dann erstmal nur mitbekommt, da ist einer schwer verliebt.

Selig lächelnd könnte ich stundenlang von Hermann Gerland schwärmen.  Und wie das mit Verliebten so ist, behaupten sie, jedes Wort aus dem Mund der oder des Angebeteten besitzt einen nie zuvor gehörten Zauber. Hermann Gerland erzählt interessant, intelligent, uneitel und zutiefst mitfühlend. Er strahlt eine tiefe innere Ruhe aus und die Ruhrpott-Färbung seiner Sprache erinnert immer daran, wo er herkommt. Weil er so erzählt, berührt er immer auch das Leben und Werte außerhalb dieses zum Unterhaltungsbetrieb gewordenen Sports.

Manchmal sind die Extras auf einer DVD das, was den eigentlichen Wert einer DVD ausmacht. „Hauptsache Fussball“ heißt der Film von Andreas Bach auf der DVD. Für mich ist der großartige Wert dieser DVD das ungeschnittene Interview mit Hermann Gerland als eines der Extras darauf. Der Film „Hauptsache Fussball“ als Hauptprogramm der DVD ist nicht schlecht. Doch wer sich nicht für Fußball interessiert, dem wird er bald langweilig. Ein erstes Zeichen, das in der nächsten Woche der Erläuterung bedarf. Fußballinteressierte hören allerdings viele O-Töne. Ich finde, dem Film fehlt die Konzentration auf das im Untertitel behauptete Grundthema: „Junge Profis auf dem Weg ins Spiel“. Wie gesagt, nächste Woche schreibe ich darüber ausführlicher. Mir reicht es heute weiter von Hermann Gerland zu schwärmen und einen Trailer des Films hier reinzustellen.

Halbzeit – Ein Clip

In der Welt des professionellen Fußballs wird nicht nur gespielt, sondern auch viel geredet. Interviews bringen dann manchmal schiefe Sätze hervor, die zu geflügelten Worten werden. Legendär ist die Sammlung solcher Fußballersprüche auf der nicht mehr aktiv betriebenen Seite Blutgraetsche.de. Wenn man eine Auswahl dieser komischen Sätze in einen Zusammenhang bringt, entsteht so etwas wie surrealer Sinn,  eine minimale Handlung und damit ein gelungener Kurzfilm.

Schalke-Trainer Brandner: Flucht bei Pokalspiel!

Wenn ihr jetzt in eurer Erinnerung kramt, wann denn, verdammt noch mal, dieser Brandner Trainer bei Schalke gewesen ist, sage ich euch, ihr werdet nicht drauf kommen. Außer ihr seht hin und wieder erste Filme von jungen Regisseuren, die dann zunächst auf Festivals laufen und anschließend im öffentlich-rechtlichen Fernsehen irgendwann kurz vor Mitternacht. Dann aber werdet ihr sofort wissen, 2007 war er der Schalke-Trainer. In „Autopiloten„, dem Debutfilm von Bastian Günther.

Der von Walter Kreye gespielte Georg Brandner ist einer von vier Männern im mittleren Ruhrgebiet, von denen Bastian Günther in seinem Film erzählt, deren Leben sich zwar kaum berühren, die aber eins gemeinsam haben, wirklich gut geht es ihnen an dem einen Tag ihres geschilderten Lebens nicht. Das soll hier keine Filmkritik werden, doch ein paar Worte zur Einordnung von „Autopiloten“ seien gestattet, ehe ich auf ein sicher nicht unbekanntes, dennoch gerade für die Figur des Schalke-Trainers interessantes Phänomen beim Filmemachen mit dem Thema Fußball zu sprechen komme.

Bastian Günther verzichtet in „Autopiloten“ auf einen starken Plot, vielmehr wirkt es sehr alltagsnah, undramatisch und dokumentarisch, wie er das Geschehen um die vier Männer miteinander verwebt. Deshalb aber auch hat der Film manchmal Längen, wenn man verstanden hat, wo die Männer in ihrem Leben stehen. Die zwei älteren Männer, Brandner, und ein von Manfred Zapatka gespielter ehemals erfolgreicher Schlagersänger haben die beste Zeit ihres Lebens hinter sich und versuchen mit Selbstbetrung und Flucht an ihrem neuen Platz im Leben etwas Gutes zu finden. Die Leben der beiden Männer mittleren Alters, ein von Wolfram Koch gespielter, frei arbeitender Videoreporter und ein von Charly Hübner gespielter Vertreter für Badewannenlifte wirken glück- und zuweilen sogar trostlos. Diese Trostlosigkeit durchzieht den ganzen Film. Dennoch hat er vor allem wegen des kämpferischen Naturells des Videoreporters nicht durchweg die Schwere, die man nun vermuten könnte. „Autopiloten“ greift zudem stimmig Atmosphärisches des Ruhrgebiets auf. Das zeichnet den Film aus. Aufgegriffen wird dieses Ruhrgebiet durch das Grundmotiv der die Region durchschneidenden Autobahnen und deren immer rauschenden Verkehr, gleichzeitig ein Bild für den berührungslosen Alltag der Menschen, der einfach abläuft und dahin geht.

„Autopiloten“ ist nach meinem Geschmack etwas zu lang geraten und ist mir manchmal in seiner Tristesse etwas zu aufdringlich. Dennoch lohnt es sich, ihn anzusehen. Mit dem Film beginnt die „Renaissance Medien“ die DVD-Reihe  „Neue Deutsche Filme„,  in der ab diesem Monat regelmäßig die Werke junger deutscher Regisseure herausgegeben werden.

Und damit kommen wir zurück zur Figur des Schalke-Trainers Georg Brandner und dem Problem vom Fußball in fiktiven filmischen Zusammenhängen zu erzählen. Das ist hier um so interessanter, als Bastian Günther gar nicht einmal vor dem Problem stand, das Fußballspiel selbst zu inszenieren. Er wollte mit Brandner den Trainer von Schalke 04 am Tag des Pokalsspiels gegen Borussia Mönchengladbach zeigen. Brandners Position im Verein ist nach anhaltendem Misserfolg schwach. Ihm droht der Rausschmiss, wenn er verliert. Zudem redet ihm die Vereinsführung in seine Arbeit hinein. Dieses Figurenprofil gilt es nun zum authentischen Leben zu erwecken, und das scheitert. Im Gegensatz zum restlichen Film wirken die auf den Fußball bezogenen Szenen nicht authentisch. Was der Figur Brandner immer wieder holzschnitzartige Züge verleiht.

Es sind nur wenige Szenen, dennoch finde ich dieses Scheitern der Inszenierung bemerkenswert. Weder eine Pressekonferenz, noch eine Trainingseinheit und ein Interview vor dem besagten Pokalspiel vermitteln die angestrebte ungebrochene Filmwirklichkeit. Bemerkenswert finde ich es deshalb, weil hier im Gegensatz zum großen Problem der Inszenierung des Fußballspiels kein Fußballtalent des Schauspielers nötig ist. Auch die dem Fußballspiel inne wohnende eigene Dramatik, die der Dramaturgie eines Films meist zuwider läuft, spielt hier keine Rolle.

Ich frage mich nun, wieso ich die Darstellung der auf den Trainerberuf bezogenen Momente als Bruch erlebe? Hat ein Schauspieler vielleicht nur wenig Gestaltungsfreiheit, um die Illusion von Wirklichkeit herzustellen, weil der Fußball mitsamt handelnden Personen in typischen Fußballsituationen permanent präsent  ist. Ich kenne nicht den Berufsalltag von Vertretern für Badewannenlifte, also nehme ich, was ich sehe, als schauspielerische Konvention für die angestrebte Wirklichkeit. Dagegen kenne ich bereits das öffentliche Bild eines Fußballtrainers im Berufsfußball. Muss deshalb mehr achtgegeben werden, auf winzige Details der Stimmlage oder des im Dialog verwendeten Vokabulars, damit die Stimmigkeit der Szene entsteht? Oder braucht es mehr erzählerischen Raum für die Entstehung der Illusion, weil die erzählten Situation für sich genommen Klischees sind? Ich bin mir da nicht sicher. Vielleicht habt ihr ja eine Idee.


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