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Vom Pokalaus hin zum Aufstieg – Eine Kostprobe aus der MSV Fußballfibel

Schon 1991 hatte es der MSV als Zweitligist verdient im Pokal gegen den Bundesligisten 1. FC Köln weiterzukommen. Damals wurde der Pokal noch mit Hin- und Rückspiel ausgetragen. Torlos endete das Hinspiel. Anschließend erhöhten am 7. Mai die MSV-Anhänger an einem Dienstagabend das Verkehrsaufkommen auf A57 und A3.

Zwischen 15.000 und 17.000 Duisburger unterstützten die Zebras in Köln. Damals hatte ich keinen Fotoapparat dabei. Smartphone gab es noch nicht. Ohnehin teilt das Foto, 19 Jahre später aufgenommen, eine deutlich bessere Stimmung mit, selbst wenn man kaum was erkennen kann. Dieselbe Konstellation, dieses Mal die Entscheidung in einem Spiel, dieses Mal gewann der MSV 2:1. Die legendäre Pokal-Saison ging weiter.

Unlängst hat der Verlag noch eine Leprobe per Facebook geteilt, die mit dem 91er-Pokalspiel ihren Anfang nimmt. Die will ich euch nicht vorenthalten.

Im Müngersdorfer Stadion saßen Hatte, Spille, Heili, Riesenhatte und ich mit vielen anderen Duisburgern im Unterrang der Nordkurve. In der zweiten Halbzeit füllte sich der Block über uns mit Kölner Hooligans. Als Oberkörper vor- und zurückschwangen, Fäuste drohend geschüttelt wurden sowie unartikuliertes Geschrei die Luft füllte, glich die Szenerie doch sehr dem Ausschnitt einer Dokumentation von Heinz Sielmann, Deutschlands Tierfilmer Nummer eins jener Tage. Weder konnten die einen runter, noch die anderen hoch. Der Flüssigkeitsaustausch hielt sich auch in Grenzen. Mir fehlte nur der oft altväterlich klingende Sielmann-Kommentar zum rituellen Imponiergehabe.

Keine Vereinszeichen und schwarzgraue zivile Kleidung wie in Köln oder grüne Bomberjacken wie andernorts bei einer geschlossen auftretenden Gruppe im Fußballstadion gab es noch nicht lange in Deutschland. Von Großbritannien aus war die Subkultur rübergeschwappt. Die Kölner Hooligans über uns waren irgendwann wieder weg. Wahrscheinlich trafen sie an anderer Stelle noch auf MSV-Anhänger.

Zu Auswärtsspielen fuhren wir als größere Gruppe weiter zusammen. Im Wedaustadion waren Hatte, Spille und Heili auf die Tribüne gezogen, während ich mit Jörg und Reiner, ebenfalls alte Schulfreunde, auf der Geraden neben dem Marathontor in den ehemaligen Mob-Gefilden stand. Ein Fußballspiel kann ich mir nur schlecht im Sitzen ansehen. Ich brauche die ständige Bewegung, selbst wenn ich in drangvoller Enge wie beim Aufstiegsspiel 1991 gegen Blau-Weiß 90 Berlin nur etwas hin- und herrücken kann.

Lange vor Ende des Spiels hatten wir aber wieder mehr Platz. In Scharen strömten die Anhänger des MSV runter zum Rasen. Wie nah konnten Fußballzuschauer ihrer Mannschaft kommen, wenn sie be- geistert waren. Trotz all der Diskussionen um Gewalt von Fußballfans herrschte ein grundsätzliches Vertrauen in die Sicherheit im Innenbereich. Dass jemand dort ernsthaft Schaden nehmen könnte, glaubte niemand. In mehreren Reihen umschloss ein Menschenkarree den Rasen. Nach neun Jahren Abwesenheit nahte die Rückkehr in die Bundesliga. Tore waren noch nicht gefallen. Eins von unzähligen Transistorradios gab es an jenem Tag auch in unserer Nähe. Wir wussten, der Aufstiegskonkurrent Stuttgarter Kickers führte zwar, doch das Torverhältnis des MSV war selbst bei der noch möglichen knappen Niederlage besser geblieben. Noch zügelten wir die Begeisterung, noch ließen wir die Freude nur kurz aufwallen, schrien unkoordiniert EM-ES-VAU, reckten die Arme in die Höhe und sahen uns freudestrahlend in der Menge um.

Dort unten am Rand des Rasens sah der Bundesligist in spe wieder wie der Stadtteilverein der 1950er Jahre aus. Es wirkte, als ob jeder jeden kannte. Als ob die Spieler mit den Zuschauern hinterher einen trinken gehen. Als ob alle nicht Zuschauer und Sportler bei einer wichtigen Begegnung des Fußballs waren, sondern ein weiter reichen- der Sinn alle verband. Die Jahre zuvor wurde der Duisburger Alltag durch Nachrichten über immer größere wirtschaftliche Schwierigkeiten bestimmt. Nun gab der MSV den Bürgern der Stadt ein Beispiel, wie Anstrengungen aus der Stadtgesellschaft heraus zum Erfolg führten. Duisburg hungerte nach guten Nachrichten. Der MSV gab sie.

Die MSV Duisburg Fußballfibel habe ich als literarisch ambitionierte Erzählung angelegt, bei denen Erlebnisse aus meiner Fan-Biografie die Grundlage ausmachen. Meine Messlatte war dabei natürlich die Urgeschichte dieses Schreibens, Fever Pitch von Nick Hornby. So habe ich meine Erfahrungen mit und im Fußball immer wieder ins Allgemein-Menschliche gedeutet. Komik sollte nicht fehlen und natürlich auch all die Emotionen, die die Spiele in Anhängern eines Vereins hervorrufen.

Der anfängliche Fehler bei der Aufnahme des Buchs ins Verzeichnis lieferbarer Bücher ist bei einigen Onlinehändlern immer noch vorhanden. Weiter werde ich bei ihnen statt mit Doppel-s mit Doppel-o gelistet, so dass das Buch dort momentan nur unter Koos und Jaratz zu finden ist. Ein Argument mehr für die findigen Buchhändler vor Ort, denen ihr vertraut.

Ralf Koss alias Kees Jaratz
MSV Duisburg. Fußballfibel
Taschenbuch, ‏ 170 Seiten
ISBN: ‎ 978-3730817926
€ 13,99

Briefe aus Westende – Von Jubelsprints und einer Premiere als Feier

Ein Wochenende zum Einrahmen liegt hinter mir. 2:0 gewinnen die Zebras auch ein Spiel, bei dem die Kräfteverhältnisse nicht so eindeutig durch den Tabellenstand wie gegen Würzburg oder äußere Umstände wie gegen Türkgücü München die Siegeserwartungen bestimmten. Dazu am Vortag meine gelungene Premierenlesung beim Heimspiel im Ruhrorter Plus am Neumarkt vor ausverkauftem Haus. Eine Lesung, die zur Feier wurde.

Bei Funkes WAZ/NRZ findet sich hinter der Pay-Wall ein Artikel, der einen lebendigen Eindruck von Lesung und Buch gibt. Diese Momente der Freude am Wochenende rückten die dunkle Wirklichkeit dieser Tage für einige Stunden in den Hintergrund.

Dass der Sieg gegen Viktoria Köln nötig war, darüber brauchen wir nicht zu sprechen. Im Grunde ist alles zu dem Sieg gesagt. Interessant ist allenfalls die uneinheitliche Bewertung der ersten Halbzeit. Manches Urteil dazu scheint mir geprägt durch die erste Hälfte der zweiten Halbzeit. Ihr seht, für mich lässt sich dieses Spiel im Grunde in klar abgetrennte Phasen einteilen – in vier, um genau zu sein.

Phase 1: Ein bemühtes Spiel von beiden Seiten auf Augenhöhe bis zum Lieblingsfehler von Leo Weinkauf. In der Schule wäre jetzt mal wieder der Elternbesuch fällig. So oft haben wir es ihm doch gesagt, aber manchmal sticht ihn der Hafer, und er vergißt alle Regeln, die bei uns herrschen. Dann sagt ein Lehrer: Das hattest du doch schon zwangigmal abschreiben müssen, lieber Leo. Wann lernst du das? Du darfst bei der ersten Aktion deine Ballsicherheit mit dem Fuß beweisen. Danach geht das Spiel weiter. Tausendenmal habe ich dir das gesagt! Kein Stürmer wirft sich heute verzweifelt auf den Boden, weil er beim Torwart ins Leere gelaufen ist. Bei deinem Opa wäre so einer vielleicht am Boden zerstört gewesen. Doch heute ist ein Stürmer sofort wieder da und versucht weiter sein Tor zu schießen.

Fast wäre dieses Tor nach dem Lieblingsfehler von Leo Weinkauf einmal mehr gelungen. Aber vielleicht wird beim Torwart nur das grundsätzliche Niveau dieser Mannschaft besonders deutlich. Letztlich geht es auch bei den Feldspielern immer wieder um die Anschlussschnelligkeit nach einer ersten gelungenen oder auch missratenen Spielaktion. Und da staune ich auch bei anderen Spielern nicht selten über manches Innehalten, während der Gegner in normaler Geschwindigkeit weiterspielt. Belassen wir es dabei.

In diesem nach dem Weinkauf-Fehler beginnenden Mittelteil des Spiels mit Phase 2 bis zum Halbzeitpfiff – unsicher werdende Zebras, ohne besonderen Vorteil für die Kölner – und Phase 3 nach Wiederbeginn – immer überlegenere Kölner – schien das Tor der Kölner in Halbzeit zwei nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Der Dreifachwechsel markierte den Beginn der vierten Spielphase. Welch wunderbares Tor durch Alaa Bakir. Welch Können zeigte er in dem Moment. Welch Hoffnung machte er mit diesem Tor auf Konstanz der Leistung und gesteigerte Widerstandstandskraft, um nicht mehr wie zu Saisonbeginn an Gegenspielern einfach abzuprallen.

Das 2:0 durch Julian Hettwer trieb mir sogar drei, vier Freudentränen in die Augen. Nicht wegen des dann sicher werdenden Sieges, nicht weil ich diesem jungen Spieler Julian Hettwer das Tor so gönnte, sondern weil im Moment des Torerfolgs alle Spieler von jeder Stelle, wo sie sich gerade befanden, zu dem Torschützen sprinteten. Sie sprinteten alle! Sie konnten nicht schnell genug ihre Freude teilen. Dann kamen die Spieler von der Bank noch dazu. Dieses Bild von der Mannschaft bezeugte nicht nur die Freude, sondern auch die große Erleichterung. Wir sahen Zusammenhalt, Gemeinsamkeit und innere Stärke.

Welch Befreiung war danach auch auf den Rängen zu spüren. So unbelastet freudig fühlten wir uns in dieser Saison nur am ersten Spieltag gegen Havelse. Ehrlich gesagt, kann ich bis Mai noch ein paar solcher Spieltage gut brauchen.

Zurück zum Freitag. Vor der Lesung bin ich noch schnell zum Studio 47. In dem Gespräch dort ging es um die Anfänge meiner Fankarriere, um Fußball zu Coronazeiten im Allgemeinen und um den MSV im Besonderen. Viel Meinung war gefragt. Studio 47 sorgt auch für eine Verlosung bei FB oder per mail, kaum dass das Buch im Handel erhältlich ist. Die Gewinner werden am 11. März um 11 Uhr bestimmt. Mit einem Klick findet sich hier eine Leseprobe aus dem Buch als Vorgeschmack. Und nun Film ab:

Außerdem noch einmal der Hinweis: Bei einigen Online-Händlern, so auch bei dem „Größten“, hat sich in die bibliogafischen Angaben ein Fehler eingeschlichen. Irgendjemand hat für die Onlineverzeichnisse aus dem Doppel-s ein Doppel-o gemacht, so dass das Buch dort momentan nur unter Koos und Jaratz zu finden ist. Wie schon geschrieben: Ein Argument mehr für die findigen Buchhändler vor Ort, denen ihr vertraut.

Ralf Koss alias Kees Jaratz
MSV Duisburg. Fußballfibel
Taschenbuch, ‏ 170 Seiten
ISBN: ‎ 978-3730817926
€ 13,99


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