Posts Tagged 'Fußballlyrik'

Spieltagslyrik – In Bielefeld blieb Cauly Oliveira Souza stehen

Nach dem ersten Heimspiel im August gegen den VfL Bochum habe ich schon darauf hingewiesen: Im Zebrastreifenblog geht es in dieser Saison immer mal wieder etwas anders zu. Experimenteller. Die Gründe will ich nicht wiederholen. Wen´s interessiert, ein Klick oben. Nicht nach jedem Spiel habe ich noch Spaß an einem erzählerischen Text. Auch wenn gerade der furiose 4:0-Auswärtssieg gegen Arminia Bielefeld nur durch die Leistung eines jeden Spielers in Gänze gewürdigt werden könnte, richte ich meinen Blick heute nur auf Cauly Oliveira Souza. Sein erstes Tor in diesem Spiel verlangt nach einem Gedicht. Vielleicht erkennt ihr darin dann, dass ich Cauly Oliver Souza nur beispielhaft für die Entwicklung der gesamten Mannschaft besondere Aufmerksamkeit widme.

Seit Bielefeld bleibt Cauly Oliveira Souza stehen

Entschlossen wirkte jeder Antritt,
sicher lag der Ball am Fuß.
Cauly Oliveira Souza
betrat die andere Welt.
Der Rasen grün wie in der Dritten Liga,
die Gegenspieler aber schneller, härter.
Wenn Einzelspieler Abwehrreihen formen
und räumliche Gebilde in großer Vielfalt,
waren sie noch mehr kompakter Körper,
als er es je erlebt hatte.
Doch Cauly Oliveira Souza war sich seiner sicher
und suchte Raum,
ob mit, ob ohne Ball.
Im Gegenkörper, im bewegten, entdeckte er die Lücken
und fand zu oft doch wieder Körper nur.
Sicher lag der Ball an seinem Fuß,
doch er auch auf dem Boden,
abgeprallt von Muskelmassen,
die den Raum schon länger kannten.
Ist das Spiel in Liga Zwei doch auch nur Fußball
verwandelt sich der Sport schon wieder etwas.
Aufgestiegen
Cauly Oliveira Souza
in eine andere Welt,
in der die Regeln anders ausgelegt werden.
Und Cauly Oliveira Souza lernt.
Er lernt von Spiel zu Spiel,
so schnell wie Kinder eine ganze Welt in jedem Augenblick
als ihre voll und ganz begreifen.
Die freien Räume sieht er wie zuvor.
Er muss nur diese Körper jeden Gegners anders in die Läufe einbeziehen.
Er kennt die Größe seiner Gegenspieler.
Sie waren immer schon so groß.
Fünf Spiele brauchte
Cauly Oliveira Souza,
Fünf Spiele, um in neuer Welt
sich gegen die kompakten Körper so durchzusetzen,
dass er in Ruhe sich in Richtung Tor bewegen kann.
Der freie Raum,
der lange Ball,
im Sprint mit einem Gegenspieler,
der größer war, den einen Kopf der Standarddefensive,
dazu auch muskulöser.
Der Kampf um diesen Ball, er musste jetzt beginnen.
Das alles kannte Cauly Oliveira Souza aus vier Spielen.
Und wieder stieß der Abwehrspieler mit seinem Oberkörper
diesen kleinen Cauly Oliveira Souza,
um ihn aus dessen Bahn zu bringen.
So sicher war er seiner Sache.
So sicher wie er selber fiel.
Er wusste immer noch nicht, wie ihm das geschehen konnte,
als Cauly Oliveira Souza schon alleine vor dem Torwart stand.
Der Schuss, das Tor.
Der Blick des Abwehrspielers suchte seine Mannschaft.
So groß war er, der dennoch fiel.
Denn Cauly Oliveira Souza betrat die Welt der Zweiten Liga.
Er lässt nun Abwehrspieler an sich abprallen
und geht seit Bielefeld
trotz starken Rempelns unbeirrt auf seinem Weg.

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Lyrischer Niederrheinpokalfinalistenvergleich

RWE-MSV

Doch, gut, die Hafenstraße weist drauf hin,
was Becken am Kanal für Essen sind.
Doch, ja, das macht für Essen wirklich Sinn,
das sind so Häfen für ein kleines Kind.

Mit wenig Schiffsverkehr, kaum Fläche Wasser,
der Name nur verspricht die weite Welt.
Wenn man dorthin fährt, wird die Aussicht blasser.
Für Essener aber gilt, die Stimmung hält.

Demnächst soll es die Fußballstraße geben.
An die Pokalestraße wird gedacht.
Erst so kann Essen dann auch damit leben,
wie Duisburg Wirklichkeit aus Namen macht.

 

Warum sowohl ich als auch Dustin Bomheuer 2013 recht hatten

So eine Portion Lebenserfahrung ist ja grundsätzlich nicht schlecht. Um mit dem eigenen Leben klar zu kommen, schadet sie jedenfalls nicht. Wenn du mit deiner Lebenserfahrung aber Jüngeren auf die Sprünge helfen willst, müssen die schon ziemlich lebenserfahren sein, um nicht nur lächelnd zu denken, mag ja alles stimmen, doch heute ist alles anders. Schön ist aber das lebenserfahrene Wissen, manchmal haben sie recht, und manchmal haben sie unrecht, die Jüngeren. Was einen wiederum schnell auf die alte Weisheit bringt, jeder muss seine Fehler selbst machen. Als im Frühjahr 2013 nicht klar war, ob Dustin Bomheuer beim MSV Duisburg bliebe, hatte ich ihm mit all meiner Lebenserfahrung einen ungefragten Rat zu seiner näheren Zukunft gegeben: 2015-06-09_bomheuer_rueckblick Ungefragter Rat kommt immer besonders gut an, auch wenn letztlich niemand wissen kann, wie Dustin Bomheuer meinen Rat bei seiner Entscheidungsfindung damals berücksichtigt hätte. Denn  der Zwangsabstieg als unvorhergesehenes Ereignis machte sämtliche Vorhaben auf Seiten des MSV zunichte. Schön ist deshalb: Ich hatte damals recht, aber auch Dustin Bomheuer hatte recht. Irgendetwas hat ihn am MSV Duisburg festgehalten. Er ist nun wieder da. Dennoch kam es ihm zugute, dass er sich 2013 im Frühjahr auch mit anderen Möglichkeiten seines Lebensweges beschäftigt hatte. So führte der Zwangsabstieg des MSV Duisburg zu wenig Unsicherheit bei ihm, weil es wahrscheinlich mit Fortuna Düsseldorf bereits Kontakte gab, als die Nachricht von der Lizenzverweigerung die Runde machte.

Noch einmal ein erstes Mal – Karsten Baumann beim MSV

Heute müssen wir eines deutlich sagen, dieser Sonntag steht mit dem 5. April 2015 im Kalender. Wer demnächst Jubiläen zu diesem Spiel des MSV Duisburg gegen Hansa Rostock, dem ersten Wiedersehen des MSV mit Karsten Baumann und dem deshalb entstehenden Text feiern will, sollte sich bitte an dieses Datum halten. Jeder andere geplante Tag des Erinnerns muss mit mir abgesprochen und gerechtfertigt werden. Ich weiß, meine Möglichkeiten sind begrenzt. Beim Jubiläum in 150 Jahren wird es wahrscheinlich schwierig werden, die Dinge im Griff zu behalten. Dann hat die Welt längst begonnen, Geschichten mit anderen Wahrheiten zu erzählen.

Wilhelm Busch etwa hatte vor dem gestrigen Tag einflussreiche Fürsprecher. Trotzdem bekamen sie das falsche Jubiläum der Erstveröffentlichung von „Max und Moritz“ nicht mehr aus der Welt. Einen Wikipedia-Artikel mit falscher Information hatten viele Medieninhalte-Produzenten nämlich schon vor längerer Zeit als Arbeitsauftrag verstanden. Kommt die Gedenkmaschinerie aber erst einmal in Gang werden, werden Sendepläne geschrieben und dann braucht es größere Anstrengungen als den ein oder anderen  Zeitungs- bzw. Online-Artikel, der vor dem falschen Jubiläum warnt. So konnte sich WDR 2 etwa am gestrigen frühen Morgen mit der „Max-und-Moritz“-Geschichte als Wohlfühl-Mitmach-Radio so richtig wohl fühlen. Im Oktober gibt es das Ganze also noch einmal.

Das vorweggenommene Veröffentlichungsjubiläum von „Max und Moritz“ ist im Zusammenhang mit dem heutigen Spiel des MSV Duisburg gegen Hansa Rostock deshalb von besonderer Bedeutung, weil mein heutiger Text in Teilen die schöne literarische Tradition der Widmungslyrik aufgreift. Und mit so einem kleinen literarischen Stück plus anekdotenreicher Hintergrundgeschichte lässt sich gerne eine Viertelstunde Programm wegsenden. Es folgt der Service für die zukünftigen Medieninhalte-Produzenten: Karsten Baumann war in der letzten Saison Trainer des MSV Duisburg. Sein Vertrag wurde vom Verein nicht verlängert. Der MSV und er wollten aber Freunde bleiben.

 

Die erste Begegnung danach

Für Karsten B.

Noch einmal gibt’s ein erstes Mal
für uns. Du kommst mit deiner Neuen.
Am Ende schmeckte vieles schal.
Es gibt für uns nichts zu bereuen.

Verrätst du das, was wir so machten?
Oft wollen Neue das erfahren.
Wie wir uns freuten, was wir dachten,
als wir noch voller Hoffnung waren.

 

Hymnen auf Belek

Winterpausenlob

O Belek, in deutschkalten Wintern, du heilender Ort.
Wer deine so heiligen Rasen voll Glauben betritt,
dem fegst du die Hinrundenschuld und -fehler hinfort.

So viele gewannen durch dich ihren Glauben zurück.
Die Blinden erzielten die Tore  aus weiter Entfernung,
Die Lahmen erliefen sich Bälle und weinten vor Glück.

O Belek, wir werden dich immerzu  loben und preisen.
Du hilfst bei der Angst vor dem Abstieg und Meisterschaftssorgen.
O Belek, den Zweifelnden werden Siege im Spiel es beweisen.

 

Winterpausenlob (2015 dub remix)

O Belek, zuerst bei dir der SV Werder Bremen vom 6. bis 14. Januar.

Sonne, Tore  und  Erfolg.

O Belek, bei dir der VfL Borussia Mönchengladbach vom 8. bis 15. Januar.
O Belek, der DSC Arminia Bielefeld bei dir vom 9. bis 17. Januar.

Neuer Mann kommt gut. Neu ist gut, neu ist gut!

O Belek, der FC Augsburg bei dir vom 11. bis 19. Januar
O Belek, Hannover 96 bei dir vom 11. bis 20. Januar

Abstiegsangst. Abstiegsangst. Abstiegsangst.

O Belek, der 1. FC Kaiserslautern bei dir vom 12. bis 22. Januar.
O Belek, der FC St. Pauli bei dir vom 12. bis 22. Januar.

Der Geist im Team, der Trainingsspotter Muezzin.

O Belek, der SC Paderborn bei dir vom 13. bis 22. Januar.
O Belek, der BSC Freiberg bei dir vom 16. bis 23. Januar.

Über. Stark. Siege. Mut. Über. Stark.

O Belek, die SpVgg Greuther Fürth bei dir  vom 16. bis 24. Januar.
O Belek, Hertha BSC in Belek vom 18. bis 24. Januar.

Sonne, Tore  und  Erfolg.

O Belek, der 1. FC Nürnberg bei dir vom 19. bis 26. Januar.
O Belek, und auch die Offenbacher Kickers kommen vom 2. bis 9. Februar.

Alle kommen. Alle kommen. Alle hoffen. Alle hoffen.

Hätte Rilke nur mal Fußball gespielt

Wäre Rainer Maria Rilke in Deutschland geboren, gehörte er mit seinem Geburtsjahrgang 1875 und der bürgerlichen Herkunft eigentlich noch jenen ersten zwei Generationen deutscher Fußballer an, die mit ihrem damals in Deutschland neuen Sport auch die militärisch geprägte turnerische Körperertüchtigung der Eltern hinter sich lassen wollten. Doch er war Österreicher und statt mit Fußball gegen die Welt der Eltern zu rebellieren ging er andere, ebenfalls nicht gern gesehene Wege, die ihn 1902 in den Pariser Jardins des Plantes führten.

Wie es seine Art war, hat er darüber erst einmal ein paar Gedichte geschrieben. Der Panther ist eins davon, was nur denjenigen überrascht, der französisch spricht und Tiere in einem Botanischen Garten nicht vermutet. Es gab dort aber eine Menagerie vor der Eröffnung des Pariser Zoos. Hätte Rainer Maria Rilke doch mal Fußball gespielt, dann gäbe es heute einige Sportgedichte mehr unter den Evergreens der deutschen Lyrik. Hat er aber nicht. Bleibt mir also nichts anderes übrig, als sein Werk zu erweitern.

Der Torwart
Im Wedaustadion, Duisburg

Sein Blick ist von den zig platzierten Bällen
so wach geworden, dass er alles hält.
Ihm ist, als sind es Tausend-Bälle-Wellen,
da vor ihm niemand mehr die Stürmer stellt.

Doch wächst sein Körper, wenn die Stürmer kommen,
bis er die Wand ist, die das Tor versperrt.
Nur ihm scheint nicht der Siegestraum genommen,
wenn er sogar im Halbfeld Pässe klärt.

Doch oftmals hält kein noch so großer Wille
das Schicksal auf -. Dann rollt ein Ball hinein
ins Tor zum Netz. Im Stadion herrscht Stille. –
Den schrillen Abseitspfiff hört er allein.

 

 

Bewältigen mit lyrischem Fragment

Alle auf den Zaun, alle auf den Zaun!
Und immerzu denke ich: Lücken.
Mit Trümmern etwas Neues aufbau’n,
das macht man nicht aus freien Stücken.


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