Posts Tagged 'Fußballlyrik'

Doch noch Spieltagslyrik zum letzten Sonntag – Über Motivation am vorletzten Spieltag

Über Motivation am vorletzten Spieltag

Wir sind Verdrängungskünstler,
Menschen voller Widersprüche.
Natürlich werden Spieler in zwei Wochen gehen.
So ist der Fußball, ob die Spieler, ob Vereine,
flexibel fest verbunden. Alles gebend. Immer.
Was werden wir nun auswärts sehen?
Denn Abstieg ist verhindert.
Das Ziel der Spielzeit ist erreicht.
Hilft Spannungsabfall nächstem Gegner?
Die Dritte Liga lehrt in Fürth das Fürchten.
Dort wird ein Sieg so sehr gebraucht.
Wenn es den einen noch um alles geht
und für die anderen um dieses eine Spiel,
bleibt dann der Profi-Ehrgeiz groß genug
für den Erfolg als Spieltagsziel?
Wir sind Verdrängungskünstler,
Menschen voller Widersprüche.
Wir lesen in den Vorberichten Trainerworte
zu Einsatzwillen, zu der Leistung
und blicken auf den Sinn des Sports.
Erfahren von den Journalisten noch,
gewinnen heißt: mehr Fernsehgeld,
denn das hängt ab von dem Tabellenplatz.
Vorletztes Spiel in der Saison.
Es geht um was, was wirklich zählt.

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Spieltagslyrik – Was bei Union Berlin nicht geschah, dich will ich loben

Wenn ein Boot voll läuft und mit Pumpen, Eimern sowie den bloßen Händen das Wasser halbwegs rausgebracht wird, wirkt Kritik an der Ausführung des Wasserschöpfens mehr als kleinlich. Dann bin ich froh, dass jeder Hand anlegt und mithilft, damit das Boot im nächst gelegenen Inselhafen erst einmal Zwischenstation machen kann. Deshalb bin ich zufrieden mit dem Punkt in Berlin, den ich als Zweckpessimist nicht erwartet hatte. Ich bin sogar zufrieden damit, wie er erspielt wurde. Das war angesichts der letzten Spiele notwendig und eine realistische Herangehensweise.

Der MSV wollte diesen Punkt gegen Union Berlin mit allen Mitteln erreichen. Die Zielvorgabe für die Spieler hieß, ein Gegentor verhindern. Wenn wir selbst eines erzielen, ist das gut. Darauf drängen werden wir nicht. Die Berliner waren nach dem ausgeglichenen Beginn nur zum Ende der ersten und für die erste Hälfte der zweiten Halbzeit mit etwas mehr Nachdruck um den Sieg im eigenen Stadion bemüht. Je länger das Spiel dauerte, desto vorsichtiger wurden beide Mannschaften. „Kontrolliert sein“, das stand in großen Lettern auf mindestens zwei, drei Spickzetteln, die allen Spielern in die Stutzen gesteckt waren. Das torlose Unentschieden war ein folgerichtiges Ergebnis.  

Ich weiß nicht, wo ich es gestern im Netz als Überschrift gelesen habe, dieses Unentschieden nutze keiner der beiden Mannschaften. Ich habe den Text nicht aufgerufen, denn nach so einer Überschrift weiß ich, dieser Sportjournalist hat von der Zweiten Bundesliga keine Ahnung. Der MSV hat mit dem ersten Spiel nach meiner Tabellenrechner-Prognose nicht nur schon einen Punkt mehr, als ich kalkuliert habe. Die Mannschaft konnte mit dem Unentschieden den Glauben an sich selbst wieder zurück gewinnen. Sie konnte sehen, dass sie vorgegebene Ziele erreichen kann. Der Druck vor dem Spiel gegen Sandhausen ist nun deutlich geringer geworden. Ein Hohelied auf das Ergebnis:

Nachdem er das Spiel bei Union gesehen hatte

Was nicht geschah, dich will ich loben.
Du bist so oft von großem Wert.
Der Fall, der ist: zu hoch gehoben.
Was nicht passiert, bleibt ungeehrt.

Nicht nur Ereignis führt zum Ziel.
Auch Nichtgeschehen ergibt Sinn.
Denn torlos führt das Auswärtsspiel
zu dem erhofften Punktgewinn.

Nach Niederlagenärger hilft Spieltagslyrik: Fußball an Karsamstag

Natürlich hätte der MSV das Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern mit derselben übersichtlichen Leistung auch gewinnen können, wenn in der ersten Halbzeit Boris Tashchy frei stehend ins Tor getroffen hätte oder einer der Pfostenschüsse hinein gegangen wäre. Das ist aber nun mal nicht geschehen, und der 4:1-Sieg der Gäste ist verdient, wenn auch – um in Fußballerklischees zu bleiben – um ein Tor zu hoch ausgefallen.

Es war ein ärgerliches Spiel des MSV, weil dieselben Schwächen der Zebras zu sehen waren, an denen in der Länderspielpause doch so intensiv gearbeitet worden sein soll. Wenn ich schon bei der ersten Ecke der Kaiserslauterner sehe, dass ein Gegnerstürmer völlig frei zum Kopfball kommt, geht mir natürlich genau jene Ankündigung durch den Kopf, das Defensivverhalten bei Standards zu verbessern. Das ist nicht gelungen – nur ein Beispiel.

Ich habe mich geärgert über dieses Spiel und hatte keine Lust mich zu wiederholen. Diesen Ärger fruchtbar zu machen gelingt nur, wenn ich etwas anderers schreibe als einen Spielbericht mit literarisch anmutenden Einsprengseln. Da muss richtige Dichtung her, Spieltagslyrik, bitte schön:

 

Fußball an Karsamstag

Glocken schweigen, auch die Orgeln.
Jesus starb den Kreuzestod.
Auferstanden ist er Sonntag,
Samstag: Trauer, Leid und Not.

Grabesruhe gibt es nicht mehr.
Spieltag heißt es jetzt stattdessen.
Den Karsamstag kannst du weiter
in die Tonne treten und vergessen.

Wer kann sich nach schlechtem Spiel
in stiller Andacht noch besinnen?
Dreimal sieglos schon zuvor,
mussten wir das Spiel gewinnen.

Tod ist Jesus, und der Mannschaft
geht es auch nicht mehr so gut.
Warum hat er uns verlassen?
Unser Lauf gab Spielern Mut.

Nun fehlt hinten Sicherheit.
Gegner treffen nach Belieben.
Scheunentor ist Flekkens Tor
während wir vorn nur versieben.

Glocken schweigen, auch die Orgeln.
Am Karsamstag auferstehen
ist nicht nur nichts für den Jesus,
auch die Zebras lassen wenig sehen.

Spieltagslyrik – In Bielefeld blieb Cauly Oliveira Souza stehen

Nach dem ersten Heimspiel im August gegen den VfL Bochum habe ich schon darauf hingewiesen: Im Zebrastreifenblog geht es in dieser Saison immer mal wieder etwas anders zu. Experimenteller. Die Gründe will ich nicht wiederholen. Wen´s interessiert, ein Klick oben. Nicht nach jedem Spiel habe ich noch Spaß an einem erzählerischen Text. Auch wenn gerade der furiose 4:0-Auswärtssieg gegen Arminia Bielefeld nur durch die Leistung eines jeden Spielers in Gänze gewürdigt werden könnte, richte ich meinen Blick heute nur auf Cauly Oliveira Souza. Sein erstes Tor in diesem Spiel verlangt nach einem Gedicht. Vielleicht erkennt ihr darin dann, dass ich Cauly Oliver Souza nur beispielhaft für die Entwicklung der gesamten Mannschaft besondere Aufmerksamkeit widme.

Seit Bielefeld bleibt Cauly Oliveira Souza stehen

Entschlossen wirkte jeder Antritt,
sicher lag der Ball am Fuß.
Cauly Oliveira Souza
betrat die andere Welt.
Der Rasen grün wie in der Dritten Liga,
die Gegenspieler aber schneller, härter.
Wenn Einzelspieler Abwehrreihen formen
und räumliche Gebilde in großer Vielfalt,
waren sie noch mehr kompakter Körper,
als er es je erlebt hatte.
Doch Cauly Oliveira Souza war sich seiner sicher
und suchte Raum,
ob mit, ob ohne Ball.
Im Gegenkörper, im bewegten, entdeckte er die Lücken
und fand zu oft doch wieder Körper nur.
Sicher lag der Ball an seinem Fuß,
doch er auch auf dem Boden,
abgeprallt von Muskelmassen,
die den Raum schon länger kannten.
Ist das Spiel in Liga Zwei doch auch nur Fußball
verwandelt sich der Sport schon wieder etwas.
Aufgestiegen
Cauly Oliveira Souza
in eine andere Welt,
in der die Regeln anders ausgelegt werden.
Und Cauly Oliveira Souza lernt.
Er lernt von Spiel zu Spiel,
so schnell wie Kinder eine ganze Welt in jedem Augenblick
als ihre voll und ganz begreifen.
Die freien Räume sieht er wie zuvor.
Er muss nur diese Körper jeden Gegners anders in die Läufe einbeziehen.
Er kennt die Größe seiner Gegenspieler.
Sie waren immer schon so groß.
Fünf Spiele brauchte
Cauly Oliveira Souza,
Fünf Spiele, um in neuer Welt
sich gegen die kompakten Körper so durchzusetzen,
dass er in Ruhe sich in Richtung Tor bewegen kann.
Der freie Raum,
der lange Ball,
im Sprint mit einem Gegenspieler,
der größer war, den einen Kopf der Standarddefensive,
dazu auch muskulöser.
Der Kampf um diesen Ball, er musste jetzt beginnen.
Das alles kannte Cauly Oliveira Souza aus vier Spielen.
Und wieder stieß der Abwehrspieler mit seinem Oberkörper
diesen kleinen Cauly Oliveira Souza,
um ihn aus dessen Bahn zu bringen.
So sicher war er seiner Sache.
So sicher wie er selber fiel.
Er wusste immer noch nicht, wie ihm das geschehen konnte,
als Cauly Oliveira Souza schon alleine vor dem Torwart stand.
Der Schuss, das Tor.
Der Blick des Abwehrspielers suchte seine Mannschaft.
So groß war er, der dennoch fiel.
Denn Cauly Oliveira Souza betrat die Welt der Zweiten Liga.
Er lässt nun Abwehrspieler an sich abprallen
und geht seit Bielefeld
trotz starken Rempelns unbeirrt auf seinem Weg.

Lyrischer Niederrheinpokalfinalistenvergleich

RWE-MSV

Doch, gut, die Hafenstraße weist drauf hin,
was Becken am Kanal für Essen sind.
Doch, ja, das macht für Essen wirklich Sinn,
das sind so Häfen für ein kleines Kind.

Mit wenig Schiffsverkehr, kaum Fläche Wasser,
der Name nur verspricht die weite Welt.
Wenn man dorthin fährt, wird die Aussicht blasser.
Für Essener aber gilt, die Stimmung hält.

Demnächst soll es die Fußballstraße geben.
An die Pokalestraße wird gedacht.
Erst so kann Essen dann auch damit leben,
wie Duisburg Wirklichkeit aus Namen macht.

 

Warum sowohl ich als auch Dustin Bomheuer 2013 recht hatten

So eine Portion Lebenserfahrung ist ja grundsätzlich nicht schlecht. Um mit dem eigenen Leben klar zu kommen, schadet sie jedenfalls nicht. Wenn du mit deiner Lebenserfahrung aber Jüngeren auf die Sprünge helfen willst, müssen die schon ziemlich lebenserfahren sein, um nicht nur lächelnd zu denken, mag ja alles stimmen, doch heute ist alles anders. Schön ist aber das lebenserfahrene Wissen, manchmal haben sie recht, und manchmal haben sie unrecht, die Jüngeren. Was einen wiederum schnell auf die alte Weisheit bringt, jeder muss seine Fehler selbst machen. Als im Frühjahr 2013 nicht klar war, ob Dustin Bomheuer beim MSV Duisburg bliebe, hatte ich ihm mit all meiner Lebenserfahrung einen ungefragten Rat zu seiner näheren Zukunft gegeben: 2015-06-09_bomheuer_rueckblick Ungefragter Rat kommt immer besonders gut an, auch wenn letztlich niemand wissen kann, wie Dustin Bomheuer meinen Rat bei seiner Entscheidungsfindung damals berücksichtigt hätte. Denn  der Zwangsabstieg als unvorhergesehenes Ereignis machte sämtliche Vorhaben auf Seiten des MSV zunichte. Schön ist deshalb: Ich hatte damals recht, aber auch Dustin Bomheuer hatte recht. Irgendetwas hat ihn am MSV Duisburg festgehalten. Er ist nun wieder da. Dennoch kam es ihm zugute, dass er sich 2013 im Frühjahr auch mit anderen Möglichkeiten seines Lebensweges beschäftigt hatte. So führte der Zwangsabstieg des MSV Duisburg zu wenig Unsicherheit bei ihm, weil es wahrscheinlich mit Fortuna Düsseldorf bereits Kontakte gab, als die Nachricht von der Lizenzverweigerung die Runde machte.

Noch einmal ein erstes Mal – Karsten Baumann beim MSV

Heute müssen wir eines deutlich sagen, dieser Sonntag steht mit dem 5. April 2015 im Kalender. Wer demnächst Jubiläen zu diesem Spiel des MSV Duisburg gegen Hansa Rostock, dem ersten Wiedersehen des MSV mit Karsten Baumann und dem deshalb entstehenden Text feiern will, sollte sich bitte an dieses Datum halten. Jeder andere geplante Tag des Erinnerns muss mit mir abgesprochen und gerechtfertigt werden. Ich weiß, meine Möglichkeiten sind begrenzt. Beim Jubiläum in 150 Jahren wird es wahrscheinlich schwierig werden, die Dinge im Griff zu behalten. Dann hat die Welt längst begonnen, Geschichten mit anderen Wahrheiten zu erzählen.

Wilhelm Busch etwa hatte vor dem gestrigen Tag einflussreiche Fürsprecher. Trotzdem bekamen sie das falsche Jubiläum der Erstveröffentlichung von „Max und Moritz“ nicht mehr aus der Welt. Einen Wikipedia-Artikel mit falscher Information hatten viele Medieninhalte-Produzenten nämlich schon vor längerer Zeit als Arbeitsauftrag verstanden. Kommt die Gedenkmaschinerie aber erst einmal in Gang werden, werden Sendepläne geschrieben und dann braucht es größere Anstrengungen als den ein oder anderen  Zeitungs- bzw. Online-Artikel, der vor dem falschen Jubiläum warnt. So konnte sich WDR 2 etwa am gestrigen frühen Morgen mit der „Max-und-Moritz“-Geschichte als Wohlfühl-Mitmach-Radio so richtig wohl fühlen. Im Oktober gibt es das Ganze also noch einmal.

Das vorweggenommene Veröffentlichungsjubiläum von „Max und Moritz“ ist im Zusammenhang mit dem heutigen Spiel des MSV Duisburg gegen Hansa Rostock deshalb von besonderer Bedeutung, weil mein heutiger Text in Teilen die schöne literarische Tradition der Widmungslyrik aufgreift. Und mit so einem kleinen literarischen Stück plus anekdotenreicher Hintergrundgeschichte lässt sich gerne eine Viertelstunde Programm wegsenden. Es folgt der Service für die zukünftigen Medieninhalte-Produzenten: Karsten Baumann war in der letzten Saison Trainer des MSV Duisburg. Sein Vertrag wurde vom Verein nicht verlängert. Der MSV und er wollten aber Freunde bleiben.

 

Die erste Begegnung danach

Für Karsten B.

Noch einmal gibt’s ein erstes Mal
für uns. Du kommst mit deiner Neuen.
Am Ende schmeckte vieles schal.
Es gibt für uns nichts zu bereuen.

Verrätst du das, was wir so machten?
Oft wollen Neue das erfahren.
Wie wir uns freuten, was wir dachten,
als wir noch voller Hoffnung waren.

 


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