Posts Tagged 'Fußballlyrik'

Fußballlyrik – Der neue Trainer

Der neue Trainer

Mit Wochen ohne Sieg
nun Letzter der Tabelle.
Nach Abstieg droht der Absturz.
Was hilft denn auf der Stelle?

Entlassungen von Trainern!
Statistik weiß Bescheid.
Erfolg kommt oder nicht.
Nur lindert Handeln Leid.

Statistik sagt egal,
ob Trainer bleiben, gehen.
Ein Team muss so und so
den Abstiegskampf bestehen.

Statistik sind die Fälle.
Wir aber sind der Fall.
Was wirklich wird, das zeigt
sich erst im Spiel mit Ball.

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Feuchte Fußballbloggerträume – Ein Lied

Feuchte Fußballbloggerträume

Klick, klick, klick
Besucherzahlenblick

Fotos nackter Spielerfrauen,
die lasziv auf Betten liegen
oder sich den Hintern hauen
lassen, wenn die Männer siegen.

Schwuler Profi, der sich outet,
Ehebruch und Megastar.
dessen Torschussquote flautet.
Auch die Welt, wie sie mal war.

Google gibt mir page impressions.
Facebook algorhitmet Blasen.
Die Geschmacksverstärker nutzen.
Findet mich mit Schlagwortphrasen.

Schwul, fail, Foul und komisch.
Freundin von und Wut-PK.
Was die Welt in Massen sucht,
ist in meinem Blog schon da.

Klick, klick, klick
Visitgeneratorglück

Schon mal die lyrische Herbstklage zur Lage

Herbstklage

Noch weiß ich, wie sich Freude anfühlt.
Lebendig ist sie nicht in diesen Tagen.
Erinnerung nur mehr und abgekühlt
durch all die Niederlagenklagen,

durch Schreck bei Pässen in die Leere,
durch Ärger über Abschlussschwäche
vor dem Tor, durch meine Wesensschwere
in dem Wissen, dass sich immer räche,

was vorn vergeben wird. Hinein
geht das dann in das eigene Tor.
Durch dieses Unaufmerksamsein,
wenn man den Ball ins Aus verlor.

Der Sommer brachte uns die Zuversicht.
Der Herbst spricht „Ihr? Tabellenende!“
Trotz allem Einsatz gibt es nicht
die Freude durch die Schicksalswende.

 

Doch noch Spieltagslyrik zum letzten Sonntag – Über Motivation am vorletzten Spieltag

Über Motivation am vorletzten Spieltag

Wir sind Verdrängungskünstler,
Menschen voller Widersprüche.
Natürlich werden Spieler in zwei Wochen gehen.
So ist der Fußball, ob die Spieler, ob Vereine,
flexibel fest verbunden. Alles gebend. Immer.
Was werden wir nun auswärts sehen?
Denn Abstieg ist verhindert.
Das Ziel der Spielzeit ist erreicht.
Hilft Spannungsabfall nächstem Gegner?
Die Dritte Liga lehrt in Fürth das Fürchten.
Dort wird ein Sieg so sehr gebraucht.
Wenn es den einen noch um alles geht
und für die anderen um dieses eine Spiel,
bleibt dann der Profi-Ehrgeiz groß genug
für den Erfolg als Spieltagsziel?
Wir sind Verdrängungskünstler,
Menschen voller Widersprüche.
Wir lesen in den Vorberichten Trainerworte
zu Einsatzwillen, zu der Leistung
und blicken auf den Sinn des Sports.
Erfahren von den Journalisten noch,
gewinnen heißt: mehr Fernsehgeld,
denn das hängt ab von dem Tabellenplatz.
Vorletztes Spiel in der Saison.
Es geht um was, was wirklich zählt.

Spieltagslyrik – Was bei Union Berlin nicht geschah, dich will ich loben

Wenn ein Boot voll läuft und mit Pumpen, Eimern sowie den bloßen Händen das Wasser halbwegs rausgebracht wird, wirkt Kritik an der Ausführung des Wasserschöpfens mehr als kleinlich. Dann bin ich froh, dass jeder Hand anlegt und mithilft, damit das Boot im nächst gelegenen Inselhafen erst einmal Zwischenstation machen kann. Deshalb bin ich zufrieden mit dem Punkt in Berlin, den ich als Zweckpessimist nicht erwartet hatte. Ich bin sogar zufrieden damit, wie er erspielt wurde. Das war angesichts der letzten Spiele notwendig und eine realistische Herangehensweise.

Der MSV wollte diesen Punkt gegen Union Berlin mit allen Mitteln erreichen. Die Zielvorgabe für die Spieler hieß, ein Gegentor verhindern. Wenn wir selbst eines erzielen, ist das gut. Darauf drängen werden wir nicht. Die Berliner waren nach dem ausgeglichenen Beginn nur zum Ende der ersten und für die erste Hälfte der zweiten Halbzeit mit etwas mehr Nachdruck um den Sieg im eigenen Stadion bemüht. Je länger das Spiel dauerte, desto vorsichtiger wurden beide Mannschaften. „Kontrolliert sein“, das stand in großen Lettern auf mindestens zwei, drei Spickzetteln, die allen Spielern in die Stutzen gesteckt waren. Das torlose Unentschieden war ein folgerichtiges Ergebnis.  

Ich weiß nicht, wo ich es gestern im Netz als Überschrift gelesen habe, dieses Unentschieden nutze keiner der beiden Mannschaften. Ich habe den Text nicht aufgerufen, denn nach so einer Überschrift weiß ich, dieser Sportjournalist hat von der Zweiten Bundesliga keine Ahnung. Der MSV hat mit dem ersten Spiel nach meiner Tabellenrechner-Prognose nicht nur schon einen Punkt mehr, als ich kalkuliert habe. Die Mannschaft konnte mit dem Unentschieden den Glauben an sich selbst wieder zurück gewinnen. Sie konnte sehen, dass sie vorgegebene Ziele erreichen kann. Der Druck vor dem Spiel gegen Sandhausen ist nun deutlich geringer geworden. Ein Hohelied auf das Ergebnis:

Nachdem er das Spiel bei Union gesehen hatte

Was nicht geschah, dich will ich loben.
Du bist so oft von großem Wert.
Der Fall, der ist: zu hoch gehoben.
Was nicht passiert, bleibt ungeehrt.

Nicht nur Ereignis führt zum Ziel.
Auch Nichtgeschehen ergibt Sinn.
Denn torlos führt das Auswärtsspiel
zu dem erhofften Punktgewinn.

Nach Niederlagenärger hilft Spieltagslyrik: Fußball an Karsamstag

Natürlich hätte der MSV das Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern mit derselben übersichtlichen Leistung auch gewinnen können, wenn in der ersten Halbzeit Boris Tashchy frei stehend ins Tor getroffen hätte oder einer der Pfostenschüsse hinein gegangen wäre. Das ist aber nun mal nicht geschehen, und der 4:1-Sieg der Gäste ist verdient, wenn auch – um in Fußballerklischees zu bleiben – um ein Tor zu hoch ausgefallen.

Es war ein ärgerliches Spiel des MSV, weil dieselben Schwächen der Zebras zu sehen waren, an denen in der Länderspielpause doch so intensiv gearbeitet worden sein soll. Wenn ich schon bei der ersten Ecke der Kaiserslauterner sehe, dass ein Gegnerstürmer völlig frei zum Kopfball kommt, geht mir natürlich genau jene Ankündigung durch den Kopf, das Defensivverhalten bei Standards zu verbessern. Das ist nicht gelungen – nur ein Beispiel.

Ich habe mich geärgert über dieses Spiel und hatte keine Lust mich zu wiederholen. Diesen Ärger fruchtbar zu machen gelingt nur, wenn ich etwas anderers schreibe als einen Spielbericht mit literarisch anmutenden Einsprengseln. Da muss richtige Dichtung her, Spieltagslyrik, bitte schön:

 

Fußball an Karsamstag

Glocken schweigen, auch die Orgeln.
Jesus starb den Kreuzestod.
Auferstanden ist er Sonntag,
Samstag: Trauer, Leid und Not.

Grabesruhe gibt es nicht mehr.
Spieltag heißt es jetzt stattdessen.
Den Karsamstag kannst du weiter
in die Tonne treten und vergessen.

Wer kann sich nach schlechtem Spiel
in stiller Andacht noch besinnen?
Dreimal sieglos schon zuvor,
mussten wir das Spiel gewinnen.

Tod ist Jesus, und der Mannschaft
geht es auch nicht mehr so gut.
Warum hat er uns verlassen?
Unser Lauf gab Spielern Mut.

Nun fehlt hinten Sicherheit.
Gegner treffen nach Belieben.
Scheunentor ist Flekkens Tor
während wir vorn nur versieben.

Glocken schweigen, auch die Orgeln.
Am Karsamstag auferstehen
ist nicht nur nichts für den Jesus,
auch die Zebras lassen wenig sehen.

Spieltagslyrik – In Bielefeld blieb Cauly Oliveira Souza stehen

Nach dem ersten Heimspiel im August gegen den VfL Bochum habe ich schon darauf hingewiesen: Im Zebrastreifenblog geht es in dieser Saison immer mal wieder etwas anders zu. Experimenteller. Die Gründe will ich nicht wiederholen. Wen´s interessiert, ein Klick oben. Nicht nach jedem Spiel habe ich noch Spaß an einem erzählerischen Text. Auch wenn gerade der furiose 4:0-Auswärtssieg gegen Arminia Bielefeld nur durch die Leistung eines jeden Spielers in Gänze gewürdigt werden könnte, richte ich meinen Blick heute nur auf Cauly Oliveira Souza. Sein erstes Tor in diesem Spiel verlangt nach einem Gedicht. Vielleicht erkennt ihr darin dann, dass ich Cauly Oliver Souza nur beispielhaft für die Entwicklung der gesamten Mannschaft besondere Aufmerksamkeit widme.

Seit Bielefeld bleibt Cauly Oliveira Souza stehen

Entschlossen wirkte jeder Antritt,
sicher lag der Ball am Fuß.
Cauly Oliveira Souza
betrat die andere Welt.
Der Rasen grün wie in der Dritten Liga,
die Gegenspieler aber schneller, härter.
Wenn Einzelspieler Abwehrreihen formen
und räumliche Gebilde in großer Vielfalt,
waren sie noch mehr kompakter Körper,
als er es je erlebt hatte.
Doch Cauly Oliveira Souza war sich seiner sicher
und suchte Raum,
ob mit, ob ohne Ball.
Im Gegenkörper, im bewegten, entdeckte er die Lücken
und fand zu oft doch wieder Körper nur.
Sicher lag der Ball an seinem Fuß,
doch er auch auf dem Boden,
abgeprallt von Muskelmassen,
die den Raum schon länger kannten.
Ist das Spiel in Liga Zwei doch auch nur Fußball
verwandelt sich der Sport schon wieder etwas.
Aufgestiegen
Cauly Oliveira Souza
in eine andere Welt,
in der die Regeln anders ausgelegt werden.
Und Cauly Oliveira Souza lernt.
Er lernt von Spiel zu Spiel,
so schnell wie Kinder eine ganze Welt in jedem Augenblick
als ihre voll und ganz begreifen.
Die freien Räume sieht er wie zuvor.
Er muss nur diese Körper jeden Gegners anders in die Läufe einbeziehen.
Er kennt die Größe seiner Gegenspieler.
Sie waren immer schon so groß.
Fünf Spiele brauchte
Cauly Oliveira Souza,
Fünf Spiele, um in neuer Welt
sich gegen die kompakten Körper so durchzusetzen,
dass er in Ruhe sich in Richtung Tor bewegen kann.
Der freie Raum,
der lange Ball,
im Sprint mit einem Gegenspieler,
der größer war, den einen Kopf der Standarddefensive,
dazu auch muskulöser.
Der Kampf um diesen Ball, er musste jetzt beginnen.
Das alles kannte Cauly Oliveira Souza aus vier Spielen.
Und wieder stieß der Abwehrspieler mit seinem Oberkörper
diesen kleinen Cauly Oliveira Souza,
um ihn aus dessen Bahn zu bringen.
So sicher war er seiner Sache.
So sicher wie er selber fiel.
Er wusste immer noch nicht, wie ihm das geschehen konnte,
als Cauly Oliveira Souza schon alleine vor dem Torwart stand.
Der Schuss, das Tor.
Der Blick des Abwehrspielers suchte seine Mannschaft.
So groß war er, der dennoch fiel.
Denn Cauly Oliveira Souza betrat die Welt der Zweiten Liga.
Er lässt nun Abwehrspieler an sich abprallen
und geht seit Bielefeld
trotz starken Rempelns unbeirrt auf seinem Weg.


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