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Weggelesen: Der Lebenshilfe-Ratgeber für Fußballtrainer – Thomas Bentler: Wenn schon, dann richtig!

Zu Buchmessen fahre ich auch wegen der Zufallsfunde. In diesem Jahr blieb mein Blick auf einen Messestand beim Verlagsort Paderborn hängen. Vorurteilsbeladen wie ich immer mal wieder durchs Leben gehe, überraschte mich ein Verlag meiner angeheirateten Heimat, der im Umfeld der Indepent Verlage seinen Stand hatte und nicht bei den Verlagen mit dem Programmschwerpunkt Religion und Christentum.

Der Lektora Verlag ist in der Poetry-Slam-Szene verwurzelt, Verleger Karsten Strack steht seit Jahren selbst auf der Bühne, und die meisten Autoren dieses Verlags teilen diese Erfahrung. Nun kann man sagen, in gewisser Weise hängt der Erfolg von Fußballtrainern auch von ihrer Perfomance vor dem Publikum Mannschaft ab, und deshalb erregte das Manuskript eines solchen Trainers die Aufmerksamkeit des Verlegers. Doch schaut man sich das Verlagsprogramm genauer an, so gibt es bereits einige Bücher abseits der Slammer-Prosa, und seit diesem Herbst eben auch ein sehr eigenes Exemplar der Fußball-Ratgeberliteratur.

„Wenn schon, dann richtig!“, so heißt das von Thomas Bentler geschriebene Lebenshilfe-Handbuch für den Fußballtrainer an der Basis. Der 35-jährige Thomas Bentler war Trainer von Seniorenmannschaften der unteren Ligen rund um Paderborn und gehört zur Zeit dem Trainerteam der U17 vom SC Paderborn an. In seinem Buch entwirft er das Ideal vom Trainer einer Manschaftssportart und das seiner Arbeit.

Oft flapsig im Ton, stets mit substanziellem Gehalt schreibt er sich am  Ablauf einer Saison samt Sommer- und Winterpause entlang. Gründsätzlich wird er zu Beginn in seinen Anmerkungen zur Einstellung dem Fußball, den Spielern gegenüber, zu Umgangsformen und zur pädagogischen Haltung des Trainers. Alle wesentlichen Momente des sportlichen Alltags nimmt er sich vor. Ob Zusammenstellung des Kaders und des Betreuerteams, ob  Training selbst, die vielen Phasen eines Spiels von Kabinenansprache über Spielverlauf bis hin zum Feiern großer Siege oder dem Verdauen von Niederlagen, immer beschreibt er auf populäre Weise einen Trainer so, wie er idealerweise handelt und reagiert.

Der Haken an solchen Lebenshilfe-Büchern ist immer der Weg hin zum beschriebenen Ideal. Weil solche Wege von den persönlichen Voraussetzungen des Lesers abhängen, können Bemerkungen dazu, nur sehr allgemein bleiben. Um helfende Methoden und Wege zur Verbesserung der eigenen Arbeit muss sich der lesende Trainer also in fast allen Belangen selbst kümmern. Thomas Bentler ist sich dieser Beschränkung bewusst. Er wollte, wie er im Vorwort schreibt, keine starren Handlungsempfehlungen geben. Sein Buch ist quasi eine Merkliste, eine Art Maßstab, an dem Trainer sich selbst und ihre Arbeit überprüfen können. Das Buch hilft jedem Trainer im Breitensport dabei, sich im alltäglichen Trott und bei all den Kompromissen zwischen dem eigenen Berufsleben, der Familie und den Notwendigkeiten einer ordentlichen Mannschaftsbetreuung an Grundsätze der Arbeit eines Trainers zu erinnern.

Ein kleiner Hinweis noch: Ihr könnt das Buch auch direkt beim Verlag bestellen. Genauso günstig und fast genauso schnell wie etwa bei Amazon, aber mehr vom Verkaufspreis bleibt beim local publisher. Was solch kleinen Verlagen wie dem Lektora Verlag nur zu gönnen ist.

Wenn schon, dann richtig

 

 

 

Thomas Bentler
Wenn schon, dann richtig! – … denn Halbgas können andere machen!
Lektora Verlag, Paderborn 2015
220 Seiten
€ 13,90
ISBN: 978-3-95461-049-5

Der harte Hund

Er ist ein Rächer. Er ist der Übervater der Fans. Er soll streng und gerecht sein und seine Kinder, die Fans, nie mehr allein lassen. Zu lange waren sie ohnmächtig dem Bösen ausgeliefert. Nun kommt er endlich zum Schutz seiner Kinder. Mit staunenden Augen sehen die Kinder, wie die Bösen gehorchen, was immer er auch sagt. Sein Name lässt diese Bösen vor Ehrfurcht erstarren. Er ist der harte Hund.

Neururer und Labbadia gründen Selbsthilfegruppe

Peter Neururer möchte anscheinend angesichts der Entwicklungen in den letzten zwei Wochen seine Position im MSV-Geschehen etwas verdeutlichen. Dazu nutzt er seine Verbindungen zum regionalen Fußball-Fachorgan Reviersport. Angesichts des reißerischen Titels vom Artikel ist man geradezu erleichtert, wie moderat Peter Neururer hier dann mit dem Journalisten über Bande spielt und er in wohl gewählten Worten, seine Ansprüche auf den Erfolg in der nächsten Saison reklamiert.

Dennoch erschrecke ich immer wieder aufs Neue vor dem zerfahrenen Handeln der sportlichen Leitung. Wenn ich solche Artikel lese, frage ich mich, wie da die Energie der Arbeit in eine Richtung kanalisiert werden soll. Diese sportliche Leitung wird jedenfalls keine Krise durchstehen. Wenn es in der nächsten Saison nicht von Anfang gut läuft, fliegt da alles auseinander. Es ist natürlich überhaupt nicht auszuschließen, dass es auch gut laufen kann – entgegen der Wahrscheinlichkeit. Ohne Frage ist dieser glückliche Ausgang mein Wunsch. Unangenehm an dem Gedanken ist nur, dass sich die sportliche Leitung so einen Erfolg in Gänze an die Brust heften wird, obwohl der Zufall dabei eine größere Rolle spielte als in anderen Vereinen. Erfolg wäre jedenfalls aus unserer MSV-Sicht in diesem Fall das Unberechenbare und Schöne am Fußball.

Das Schöne an Vereinen wie dem MSV Duisburg ist aber, dass man als Fan seine sozialen Fähigkeiten kontinuierlich schult. Schließlich gibt es in so einem Verein der unterschiedlichen Machteinflüsse keine eindeutige Wirklichkeit des Geschehens. Es gibt bestenfalls Aussagen zu  Vorkommnissen, die müssen aber gedeutet werden. Der Fan beginnt auf Mimik und Gestik der sportlichen Leitung  zu achten, sofern er Stellungnahmen im Bewegtbild betrachtet. Weil einzelne Wörter des Gesagten oft die Aussage über die Maße bestimmen, legt er Texte aus und wird zum Exegeten mit wachsenden textkritischen Fähigkeiten. Ein Fan in einem  Vereinen wie dem MSV Duisburg erhält also, ohne dass es ihm bewusst ist, eine umfassende Weiterbildung seiner sozialen Intelligenz.

Aber es ist ja nicht so, dass es anderswo grundsätzlich besser wäre als in Duisburg. Eine Etage höher, beim HSV,  scheint Herr Hoffmann  auch höchst ungern nur Macht zu teilen. So ein bisschen sportliche Leitung braucht auch ein Vorstandsvorsitzender und das macht er mit links. Ich verstehe, dass Dietmar Beiersdorfer sich dann bei seiner Arbeit behindert fühlt. Dietmar Beiersdorfer hatte eine viel stärkere Position innerhalb des Vereins und vor allem bei den Fans als sie Bruno Hübner inne hat. Das Ergebnis der Kompetenzstreitigkeiten ist aber nun dasselbe: Unruhe, keine konzentrierte Saisonvorbereitung, die Einheit ist nicht vorhanden. Und weil Dietmar Beiersdorfer ein starker sportlicher Leiter war, kommt es zur Trennung.

Da ist es doch ein schönes Bild, wenn Peter Neururer und Bruno Labbadia sich zufällig im Flugzeug nach Mallorca begegnen. Geschieht so etwas, beginne ich zu glauben, Zufälle gibt es nicht. Da erkenne ich göttliche Fügung. Da wollte eine milde, tröstestende himmlische Macht zwei leidgeprüfte Männer zu einer Mini-Selbsthilfegruppe zusammenführen. Wahrscheinlich wird in nicht allzu ferner Zukunft Mallorca zum Mekka „fassungsloser“ Fußballtrainer. Sie werden dort in Runden sitzen, von ihren Erfahrungen erzählen und sich endlich einmal richtig verstanden wissen. Das Rahmenprogramm umfasst übrigens Tarot-Karten-Skat unter der Leitung von Peter Neururer himself.

Bis es so weit ist, beginne ich einfach mal ein paar Worte zu deuten. In Sachen Ben-Hatira hat Peter Neururer jedenfalls den ersten Zug gemacht. Ein mutiger Zug, der Bruno Labbadia und damit den HSV etwas unter Druck setzt. Vertrauen baut das allerdings nicht auf, wenn so ein Flugzeuggespräch plötzlich in der Zeitung steht.  In den Medien lanciert, nennt man so etwas, und das hat einen unangenehmen Beiklang. Vielleicht kommt es doch nicht zur Selbsthilfegruppe auf Mallorca. Ist Peter Neururer einfach nicht der Typ zu. Eine andere Problembewältigungsstrategie fällt mir zu ihm augenblicklich ein: Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner.


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