Posts Tagged 'Fußballweltmeisterschaft 2010'

Halbzeitpausengespräch: WM-Endspiel 2010 in Faule Kredite von Petros Markaris

Im letzten Drittel von „Faule Kredite“, dem 2011 auf deutsch erschienenen Kriminalroman von Petros Markaris, sieht der ermittelnde Kommissar Kostas Charitos zusammen mit seiner Frau Adrinani und Tochter Katerina sowie Schwiegersohn Fanis das WM-Endspiel zwischen Holland und Spanien. In dem Kriminalroman steht die Finanzkrise Griechenlands im Zentrum und mit dieser Begegnung kann Markaris dem EU-Konflikt um die Finanzkrise Griechenlands eine weitere Dimension hinzufügen. Hier muss sich der Süden nicht dem Norden fügen, hier gibt es die Chance auf eigene Weise zu gewinnen. Wenn auch der Kommissar und seine Frau sich nicht für Fußball interessieren, die Sympathien der jungen Generation gehören Spanien.

Gleichzeitig erweist sich dieses kurze Kapitel als weiterer Beleg dafür, wie schwierig es ist, das Erleben von Fußball erzählerisch umzusetzen. Eingeführt wird die Tochter als Fußballfachfrau und Markaris macht ihre Spielkommentare zu einer Karrikatur, obwohl er es offensichtlich ernst meint. Das sind nur zwei von ein paar möglichen Beispielen dafür, wie im Dialog die spannungsgeladene Atmosphäre des Endspiels transportiert werden soll.

„Wenn erst mal ein Tor gefallen ist, kann das Spiel schnell kippen“, lautet Katerinas Antwort. „Die Mannschaft muss die Abwehr aufmachen, wenn sie den Ausgleich erzielen will, und dann kriegt sie bald mal ein paar Gegentreffer bevor sie selbst ein Tor schießt.“

oder

„O nein, verdammt, Robben, zieht an allen vorbei! Gleich gibt´s ein Tor“

Gerade beim zweiten Satz soll Katerina alleine durch diesen Dialogteil aufgeregt wirken, und ich sehe doch nur eine Amateur-Schauspielerin vor mir, die vorgibt bei einem Fußballspiel innerlich dabei zu sein. Erzählter Fußball ist und bleibt schwierig.

Davon ab schildert Petros Markaris in „Faule Kredite“ griechische Wirklichkeit, wie man sie auch in Zeitungsreportagen hat lesen können. Im Roman rückt die Wirklichkeit einem dann noch näher. Renten und Lohnkürzungen, der Überlebenskampf von Immigranten, die Pleiten von Geschäftsleuten und die vollkommene Perspektivlosigkeit für überschuldete Athener, all das wird zum Teil auserzählt, zum Teil angerissen und wirkt lebendig. Das ist die Kunst des Autors.

Allerdings bringt der Roman eine starke Unwucht mit sich. Banker werden ermordet, und natürlich bestimmt die Finanzkrise Griechenlands Gesellschaft und damit die Romanwirklichkeit in jeglicher Hinsicht. Doch immer wieder macht sich mit der Detailsschilderung die Absicht des Autors bemerkbar, die Folgen der Finanzkrise zu schildern. Nicht alle Szenen sind genügend in den Plot integriert. Petros Markaris hat ein Gestaltungsproblem, weil er zu viel Wirklichkeit zeigen möchte und für den eigentlichen Kriminalfall eine zu gewagte Konstruktion wählt. Ohne zu viel zu verraten, sei gesagt, dieser Konstruktion liegt eine Grundidee zugrunde, die qua Genregesetz sich erst auf den letzten Seiten enthüllt und deshalb zu papieren bleibt. Eigentlich ist diese Idee sehr schön und bildhaft. Sie hätte aber mehr Raum im Roman gebraucht, um sich erzählerisch zu entfalten. Denn diese Idee braucht einen Gedankengang zur Erklärung, der um die ein und andere Ecke führt.

Eine positive Besprechung findet sich bei Culturmag.de. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zeigt sich die Rezensentin vom Roman wenig überzeugt.

 

 
 
 
 
 
Petros Markaris: Faule Kredite, Diogenes Verlag 2011
geb. € 22,90
TB € 11,90

Die schönsten Fußballtorten der Welt – Folge XXI – Niederländische Nationalmannschaft

Mit freundlicher Unterstützung von „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben musspräsentiert der Zebrastreifenblog  in loser Reihe die schönsten Fußballtorten der Welt.

Ich hatte gehofft, die niederländische Kuchenbäckerin Bianca de Jong wäre auch die Weltmeisterschaftsteilnahme der Nationalmannschaft ihres Landes im Jahr 2014 ein Kuchen wert gewesen. Vielleicht wartet sie bis zur erhofften Finalteilnahme. Ich kann in dem Fall keine Rücksicht nehmen und greife vor dem Spiel der Niederlande gegen Australien auf ihren Kuchen der letzten WM in Südafrika zurück. In den Finalrunden wollen wir schließlich unsere eigenen Kuchen zur Feier der deutschen Nationalmannschaft essen.

Regelanmerkungen – ganz ohne Technik

Wenn ich an den heutigen Abend denke, macht sich nicht nur das erste Halbfinale dieser Fußballweltmeisterschaft als Einstimmung auf den morgigen Tag spannungssteigernd bemerkbar. Ich muss auch unweigerlich an die letzte Minute des Viertelfinalspiels zwischen Ghana  und Uruguay denken, weil ich selbst heute Abend noch kurz auch Basketball spiele. Denn im Basketball gibt es eine Regel, die auf den Fußball übertragen dazu geführt hätte, dass nicht Ururuay heute Abend gegen die Niederlande spielt sondern Ghana.

Wir, älteren Herren, werden auch an diesem Abend kaum in die Verlegenheit kommen, entscheiden zu müssen, ob ein Mitspieler einen Korb des Gegners per Goaltending verhindert hat. Oft müssen das die Schiedsrichter aber auch bei jüngeren Spielern diesen Regelverstoß nicht pfeifen. Denn ein Basketballspieler weiß, er darf den Ball nicht daran hindern in den Korb zu fallen, sobald der von einem Spieler geworfene Ball den höchsten Punkt seiner Flugbahn überschritten hat.

Auf den Fußball angewendet bedeutete diese Regel, jedes Handspiel zur Verhinderung eines Tores führt zur Schiedsrichterentscheidung Tor. Es ist keine Frage, dass auch aus solch einer Regel strittige Spielsituationen entstehen könnten. Eines wäre aber sicher gestellt, der sich durch die Strafe für das Handspiel ergebene Nachteil im gegenwärtigen Regelwerk für die angreifende Mannschaft verschwände. Das nur durch den Regelverstoß verhinderte Tor verwandelt sich durch den als Strafe für den Gegner gedachten Elfmeter zurück zur Torchance –  zu einer guten zwar, doch auch diese gute Chance birgt das Risiko des Scheiterns, wie wir einmal mehr am Beispiel von Asamoah Gyan gesehen haben.

Meine drei Momente für die deutsche Fußballewigkeit

Wenn die deutsche Fußballnationalmannschaft zu einem gelungenen Geburtstagsfest meiner Frau beitragen kann, weiß sie, was sich gehört und tut alles, um nach der fröhlichen und beschwingten Stimmung im Garten auch das Erleben von begeisterter Freude möglich zu machen.

Darin ist sich Fußball-Deutschland einig, dieser Sieg der deutschen gegen die englische Nationalmannschaft trägt alle Züge jener Spiele, nach denen man in Jahrzehnten noch das Google entsprechende Informations-Orientierungssystem  befragt: Ein erspielter, deutlicher Sieg, der für einige Zeit gefährdet schien. Er war aber auch nur in dem Maß gefährdet, dass es einen angenehm schauerte. Es gab mit dem nicht gegebenen Tor eine für England tragische, falsche Schiedsrichterentscheidung, die sich auch noch an die Geschichte des Wembley-Tores der 66er WM-Begegnung anschließen lässt. Und last but not least, die Mannschaften sind sehr fair miteinander umgegangen.

Für mich besitzt dieses Spiel auf hohem Niveau drei magische Momente, die sich in mein Gedächtnis gebrannt haben. Das ist als erstes dieser präzise, weite Abschlag von Manuel Neuer zu Miroslav Klose, der diesen Abschlag perfekt aufnimmt, der sich durchsetzt und dann zum 1:0 einschießt. Das war nicht nur das idealtypische Zusammenspiel von Torwart und Stürmer, auch die jeweilige Einzelleistung verdient das Prädikat.

Mein zweiter Moment ist jene Szene im deutschen Strafraum, als Arne Friedrich in einer bedrohlichen Angriffssituation halb grätschend klärt und im Wiederaufrichten den Ball kontrolliert, um ihn danach mit technisch brillanter Ballbehandlung dribblend aus dem Strafraum herauszuspielen. Das geschieht alles in einer einzigen fließenden Bewegung, vom Grätschen bis zum Herausspielen. Großartig oder in den Worten Günter Netzers, brasilianisch!

Und als dritten Moment sehe ich die Ballannahme Mesut Özils in der Nähe der Mittellinie vor dem vierten Tor, als Özil und sein Gegenspieler auf nahezu gleicher Höhe beim gepassten Ball ankommen. Im nächsten Moment hat Özil durch seine präzise Ballaufnahme im Sprint fast zwei Meter Vorsprung.

Schwer zu ertragende Niederlagen

Wie Niederlagen zustande kommen, bestimmt die Gefühle nach dem Spiel. Am schwersten sind Niederlagen für mich hinzunehmen, wenn sie meinem Eindruck nach auf wenige, klar erkennbare Entscheidungen im Spiel zurück zu führen sind. Das Spiel der deutschen Nationalmannschaft vorgestern gegen Serbien ist so eine Niederlage für mich. Natürlich lässt sich trefflich beim Schimpfen über den Schiedsrichter des Spiels der Gefühlshaushalt in Ordnung bringen, doch Alberto Undiano Mallenco hat seine kleinliche Spielführung von Anfang an gezeigt, um nicht zu sagen in Szene gesetzt. Aus seiner Auslegung der Regeln hat er nie ein Hehl gemacht, und Miroslav Klose hätte den mit dem Ball davon sprintenden Serben erst attackieren dürfen, wenn er mit ihm auf gleicher Höhe gewesen wäre. Die erste falsche Entscheidung.

Dem folgte Lukas Podolski in Absprache mit Bastian Schweinsteiger. Von Joachim Löw haben wir jedenfalls inzwischen erfahren, die zwei bestimmen untereinander, wer einen gegebenen Elfmeter schießt. Podolski hat in kurzer Folge vor dem Elfmeter mit mehreren deutlich neben das Tor platzierten Fehlschüssen gezeigt, dass ihm an den Tag nicht alles gelingt. Dieses Abhaken und Vergessen des Versagens mag ihm meist möglich sein. So eine Eigenschaft gehört ja zur Grundausstatttung des Berufssportlers. Unsere Psyche lässt sich aber nicht mit völliger Sicherheit so kontrollieren, wie wir  Menschen es zur Bewältigung unseres Lebens gerne hätten. Und je bedeutungsvoller das Geschehen, desto schwieriger wird das Ausblenden des Zusammenhangs einer Handlung. Auch dieses Risiko war also abzusehen. Das geringere Risiko wäre ein Elfmeterschütze Bastian Schweinsteiger gewesen. Denn Schweinsteiger hatte bis dahin ein souveränes Spiel gezeigt. Sein Selbstbewusstsein war so stark, dass ihn selbst zwei, drei Gegner beim Dribbling nur unwesentlich in Bedrängnis brachten und er solche Spielsituationen kontrolliert auflöste. Er hätte den Elfmeter schießen müssen.

Klinsmann für Klose und Bajic für Fahrenhorst

„Klinsmann für Klose“ las ich heute morgen als Überschrift einer kurzen Meldung im Kölner Stadt-Anzeiger. Seufzend bedauerte ich Mario Gomez, und dachte, nun wird es noch mehr Ärger mit den Engländern geben. Wenn Jürgen Klinsmann statt Miroslav Klose gegen Serbien stürmt, muss die FIFA dem DFB die Sondererlaubnis gegeben haben, einen Spieler nachzunominieren. Dieser gute Draht des DFB zur FIFA gibt den Engländern zwar einen ganzen Stall voll Sündenböcke für ihr Ausscheiden, aber Mario Gomez wird auf seinem Zimmer heimlich fluchen, wenn Jürgen Joachim Löw ihm so einen Michael Schumacher des Fußballs vorzieht. Was haben wir überlegt, wieviel der so herrlich anzusehende und überlegen erspielte Sieg gegen Australien Wert ist. Nach der Meldung von Klinsmanns Aufstellung wissen wir es immer noch ebenso wenig wie die Antwort auf die Frage, warum Miroslav Klose nicht spielen kann. Im ersten Moment erschreckt man vielleicht, wenn Löws Kumpel aus alten Sommermärchen-Tagen der Mannschaft weiterhelfen soll. Aber vielleicht ist es genau andersrum, die Mannschaft spielt so gut, dass sie als eine Art Jungbrunnen dem Kumpel aus alten Tagen durch seine Schaffenskrise als Trainer bringen wird. Im Fußball ist es Gott sei Dank häufig entweder so oder doch ganz anders, wahrscheinlich nur deshalb, damit wir immer was zu reden haben.

In Duisburg bietet dazu eine Spielerverpflichtung die Gelegenheit. Branimir Bajic scheint so eine Art Frank Fahrenhorst von Milan Sasic zu sein, auch wenn er ihn in Koblenz nicht mehr trainiert hat. Da verlasse ich mich mal auf die statistischen Daten bei fussballdaten.de. Wir wissen aber, in der Region seines ehemaligen Arbeitgebers kennt sich Milan Sasic noch immer bestens aus. Wie viel besser muss es also früher gewesen sein, als er die meiste Zeit seines Tages noch im direkten Einzugsgebiet verbracht hat. So wirkt diese Spielerverpflichtung wie eine Maßnahme zur Basissicherung. Grundnahrungsmittel müssen eben auch im Haus sein. Wenn man am Supermarkt mit der einen Buttermarke nicht mehr vorbeikommt, geht man zu dem anderen, der nun auf dem Weg liegt und greift zur anderen Buttermarke.

Die Planungen für die Abwehr sind nach der RevierSport-Kürzestmeldung jedenfalls abgeschlossen, bleibt die offene Frage, wie lange noch sich Fahrenhorst und Schlicke demnächst auf Meidericher Nebenplätzen fit halten werden. Überraschend wäre die Entwicklung nur noch dann, wenn wenigstens einer von beiden plötzlich doch wieder im regulären Vereinsbetrieb auftauchen würde. Bis dahin unterhalten wir uns über die Perspektiven von Bruno Soares.

Ganz bald und vielleicht schon irgendwann

Wann ist eine Nachricht eine Nachricht? Die deutschen Nationalmannschaft hat ihr Auftaktspiel bei der Fußballweltmeisterschaft 2010 gegen Australien 4:0 gewonnen: Mit Sicherheit eine Nachricht. Walter Hellmich tritt in naher Zukunft zurück: Ohne zusätzliche Information mit Sicherheit keine Nachricht. Und doch machen BILD- Zeitung und Der Westen daraus jeweils große Artikel. Die eine Zeitung sieht den Juli, die andere sogar schon das Monatsende als Termin. Es mag nun tatsächlich bald so weit sein. Aber bis ich Walter Hellmich auf einer Pressekonferenz diesen Rücktritt verkünden höre, interessiert mich dieses ungefähre Dahinreden nicht. Zu oft habe ich dieses Geraune vom baldigen Rücktritt während der letzten Wochen zu lesen bekommen. Einmal geht das, so ein Schreiben mit Anfangsverdacht, danach aber bitte nur noch den Vollzug melden.

Wir wissen nämlich seit der Jahreshauptversammlung im April, dass Walter Hellmich nicht unbedingt bis zur planmäßigen Wahl im kommenden Jahr in seinem Amt bleiben will. Wenn über den Rücktritt von Walter Hellmich zurzeit berichtet wird, müsste deshalb nicht die Frage nach dem Zeitpunkt zentrales Thema der Berichterstattung sein, sondern die herum schwirrenden Informationen zu den Folgen dieses Rücktritts. Zumindest Der Westen deutet davon etwas an, nämlich die geplante Entflechtung der Verwaltungsstruktur: „Das Amt des Vorstandsvorsitzenden des MSV Duisburg und des Aufsichtsratschefs der Kommanditgesellschaft auf Aktien soll künftig nicht mehr dieselbe Person wahrnehmen.“

Noch interessanter wäre jetzt der nächste Schritt: darüber nachdenken und schreiben, was so eine Entflechtung für den Alltag im Verein bedeutet. Ich habe dazu keine Zeit. Ich muss Fußballweltmeisterschaft gucken, und noch immer dieses Vorwort zu einer Textsammlung schreiben, damit diese Textsammlung endlich in Druck gehen kann. Das ist nämlich auch eine Nachricht: Erscheinungstermin steht wohl fest! Wahrscheinlich Ende Juni erscheint eine Sammlung von Texten, die Förderschüler im Duisburger Norden im Rahmen einer Schreibwerkstatt verfasst haben. Ungewöhnlich offen und voller naiver Poesie gewähren Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren einen Blick in ihre Lebenswirklichkeit. In einer der nächsten Wochen werden das Jugendzentrum Zitrone, der Förderverein Lemonhaus e.V. und die Städtische Förderschule Kopernikusstraße durch gemeinsame Pressearbeit, den Nachrichtenwert dieser Meldung unterstreichen.

For ever true love – Ganz einfach dein WM-Traumteam finden

Du hast einen Traum und diese Hoffnung, voller Vorfreude sein zu können wie all die Menschen mit flatternden Deutschlandfahnen an ihren Autos und an ihren Fensterbänken? Doch du fühlst dich einsam.

Du spürst eine unendliche Sehnsucht nach tiefer Verbundenheit mit elf Männern in kurzen Hosen und engen Trikots? Doch niemand ist da, der am Abend eines Fußballländerspiels dein Herz schneller schlagen lässt.

Du wünschst dir so sehr, Freud und Leid mit einer Mannschaft deines Herzens zu teilen? Doch du hast diese Mannschaft noch nicht gefunden.

Die sympathische Partnerschaftsbörse der Neuen Zürcher Zeitung wird dir zu deiner Traummannschaft verhelfen.

Magst du es vom Naturell her offensiver, und genießt das große Glück dafür aber auch gerne nach einer Standardsituation? Gefallen dir dunklere Farben bei der Oberbekleidung mehr als diese hellen Farbtöne? Und wie hältst du es mit der Moral? Bist du gerne freizügiger und drückst ein Auge zu, wenn jemand sich im Strafraum schwalbenhaft einen Vorteil erschwindelt?

Deine Anfrage und die Antworten auf die zehn Fragen werden bei der sympathischen Online-Nationalmannschafts-Dating-Hilfe der Neuen Zürcher Zeitung diskret behandelt. Der Katalog der Agentur umfasst im Moment 32  Nationalmannschaften, so dass du ab dem nächsten Freitag zumindest in den ersten Wochen auf keinen Fall einen Abend ohne eine Nationalmannschaft als potentielles Partnerteam verbringen musst.

Bedenke nur, nicht immer entflammt das große Gefühl beim ersten Anblick, oft brauchen Gefühle der Verbundenheit auch Zeit, sich zu entwickeln. Begehe nicht den häufigen Fehler jener Menschen, die versuchen, ihren Lebenspartner über eine Online-Partnerschaftsbörse zu finden. Die Soziologin Eva Illouz (der deutsche Wikipedia-Artikel steht zur „Qualtiätssicherung“ an, deshalb hier auch der Link zum englischen Wikipedia-Eintrag) hat vor ein paar Jahren in einem Aufsatz mit dem Titel „Romantische Netze“ angemerkt, dass die Partnersuche im Internet den Einflüssen der Konsumkultur unterliegt und Erwartungen der Suchenden während der ersten Begegnung tendenziell enttäuscht werden. Sie sieht, wie die Rationalität in Form von Kosten-Nutzen-Rechnungen Einzug hält in das Gefühl der Liebe.

Hüte dich also davor, für die vor dem Fernseher verbrachte Zeit von der Mannschaft deines Herzens augenblicklich all die Eigenschaften zurück zu fordern, die du von dieser Mannschaft dir erträumt hast. Auf diese Weise entstehen nur selten dauerhaft innige Gefühle und große Leidenschaften.

Der Dank für das Finden der Mannschaftsvermittlung gilt 5 Freunde im Abseits, wo das Verfahren weniger die Erinnerungen an eine Partnerschaftsböre anstieß als an den Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung. Der Band mit dem Aufsatz von Eva Illouz ist inzwischen auch als Taschenbuch erhältlich. Eine  informative Besprechung findet sich hier

Australien ins WM-Endspiel!

In den letzten Spielen der zurück liegenden Saison hatte Dario Vidosic als rechter Außenverteidiger eine Weiterbildungsmaßnahme durchlaufen. Nun erweist sich für mich heute Milan Sasic nicht als Visionär des Aus- und Weiterbildungsvereins MSV Duisburg sondern als intimer Kenner der FIFA-Verträge zur WM 2010, die mit den teilnehmenden Verbänden abgeschlossen wurden. Sein Bemühen dem australischen Nationalspieler zur Komplettausstattung von Feldspieler-Fähigkeiten zu verhelfen hatte das Ziel Dario Vidosic zum Nutzen des MSV Duisburg einen Stammplatz in der australischen Nationalmannschaft zu sichern.

Denn wie mittels BILD-Zeitung vom Manager des 1. FC Nürnberg Martin Bader zu erfahren ist, erhält der Verein 4.000 Euro Prämie pro Tag der Abstellung für seine Nationalspieler. Das Geld für Dario Vidosic muss sich der Verein mit dem MSV Duisburg teilen. Der MSV Duisburg kann, wie wir wissen, gegenwärtig jeden Euro gut gebrauchen. Was bleibt uns Anhängern dieses Vereins anderes als zu wünschen: Australien ins Endspiel! Mit einem Gegner Deutschland? Auch in dem Fall erinnere ich an die Verantwortung von uns Anhängern. Wir haben eine Wahl zu treffen zwischen lokalen und nationalen Interessen. Für mich ist es deshalb keine Frage, wie ich mich angesichts der Finanzlage vom MSV Duisburg entscheide. Soll sich ganz Deutschland in seiner Enttäuschung doch gegen uns wenden. Dänemark muss ins Endspiel! Wenn für Sören Larsen die FIFA schließlich auch noch zahlte, hätte Bruno Hübner Mitte Juli ein wenig mehr Spielraum für weitere Verpflichtungen. Schließlich wären das unverhoffte Zusatzeinnahmen, die Roland Kentsch doch nicht bei der Erfüllung der DFL-Auflagen schon hatte anführen können, oder? Um Enttäuschungen der Leser hier vorzubeugen, muss ich natürlich den grundsätzlichen Zweifel über den Wahrheitsgehalt einer Meldung in der BILD-Zeitung erwähnen. Vielleicht sollte man mal über einen Beipackzettel zu Risiken und Nebenwirkungen von Worten nachdenken. Der müsste dann heute hier ebenfalls beigefügt werden.

Ungefähr so: Vor der Lektüre des von Ihnen aufgerufenen Textes empfehlen wir das sorgfältige Lesen der folgenden Hinweise zu Risiken und Nebenwirkungen der von uns mit großer Umsicht zusammengestellten Worte. Nach dem Lesen dieses Textes erhält sich die Wirkung durch die im Text verbreitete Information auf längere Frist nur bei Hinzunahme einer weiteren Quelle für diese Information. Sollten Sie sich nicht für das Lesen einer zweiten Quelle entschließen, kann das Wissen zu den behandelten Themen Schaden nehmen. In einigen Fällen kann als Folge von solch beschädigtem Wissen Starrsinn und verstärkte Streitbereitschaft entstehen. Sehr wenige Fälle sind verzeichnet, bei denen sich das beschädigte Wissen zu körperlichen Beschwerden in Form von Prellungen im Gesicht und am Oberkörper ausweitete.

Mit Deutschland kennt Dario Vidosic sich aus

Welches Leihfristende hat eigentlich Dario Vidosic? Da müssen die Verantwortlichen beim MSV Duisburg dran denken. Vielleicht muss ja wie in Stadtbüchereien auch im Fußballgeschäft ein Euro Strafe pro Spieler für das Überziehen der Leihfrist bezahlt werden. Das notwendige Sparen fängt bei den kleinen Dingen an. Und wie schnell ist der Rückgabezettel aus den Augen verloren, gerade wenn in so einem ausgeliehenen Spieler nicht mehr täglich gelesen wird, sondern er aufgrund höherer Interessen an einen der niederländischen Trainer-Weltweisenden weitergereicht wurde.

Noch steht nicht fest, welche Spieler für Australien bei der Fußballweltmeisterschaft dabei sein werden. Wir als Anhänger des MSV Duisburg können aber erste Anzeichen erkennen, dass unser Verein sehr viel dazu beigetragen hat, die Ausgangslage für Dario Vidosic für seine Teilnahme an der WM durch breit gefächerte Weiterbildungsmaßnahmen zu verbessern. Seine Erfahrungen beim MSV Duisburg mit Vorsätzen haben ihn anscheinend zum australischen Experten für deutsche Mentalität werden lassen, der in Interviews den australischen Fußballfans Hoffnung für die Fußballweltmeisterschaft macht. „Vidosic warns cocky Germans„, so fassen die Redakteure von SBS Vidosics Meinung zusammen, die deutsche Nationalmannschaft habe den Vorsatz gegen den WM-Auftaktgegner Australien am 13. Juni zu gewinnen.

Doch nicht nur das intime Wissen über die deutsche Nationalmannschaft als Vorrundengegner könnte Dario Vidosic einen Vorteil gegenüber seinen Konkurrenten bringen. In den letzten Spielen der zurückliegenden Saison hat Dario Vidosic zudem als rechter Außenverteidiger bewiesen, lebenslanges Lernen kann nie früh genug beginnen. Außer auf der Innenverteidiger-Position ist Dario Vidosic nach seiner Weiterbildungsmaßnahme nun auf jeder Feldspielerposition einsetzbar. Sollte er in der Rückrunde der nächsten Saison noch einmal vom MSV Duisburg ausgeliehen werden, müsste das deshalb als Torwart geschehen, weil Vidosic nun der Ehrgeiz gepackt hat, als erster kompletter Spieler in die Geschichte des Fußballs einzugehen.

Vidosic has been a minor revelation in recent weeks at the club level in an unfamiliar role at right back.

“Basically now I can play almost every position except centre back,” said the former Brisbane Roar player who is expected to return to parent club Nurnberg next season.

“The last couple of games I played at right back. I’ve played defensive midfield, attacking midfield, wide on the right or just behind the strikers in a free role.

“It’s definitely a plus for my game and it gives coaches the knowledge that I am very adaptable.”

Wir sehen also, für Dario Vidosic hat es sich beim MSV Duisburg gelohnt. Für den MSV war es wohl eher eine Investition in die Zukunft, wenn am Horizont als Ideal der Zukunft der Aus- und Weiterbildungsverein MSV Duisburg aufscheint.  Im Vorgriff auf diese Zukunft, liebe Freunde der Erwachsenenbildung, erlaube ich mir zur Einstimmung auch von uns Anhängern dieses Bildungsvereins die Bemerkung, dass es sich bei dem niederländischen Trainer-Weltweisenden um Pim Verbeek handelt und bei dem SBS um den Special Broadcasting Service, eine der beiden öffentlich-rechlichen Rundfunkgesellschaften Australiens. In nächster Zeit werde ich dann auch sicher mal ein wenig Wissen über den zweiten Vorrundengegner Serbien zum Besten geben.


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