Posts Tagged 'Gerald Asamoah'

Erwin Kostedde und Gerald Asamoah über Rassismus im ZEIT-Magazin gibt Anlass zur Erinnerung

In der Saison 1967/68 spielte Erwin Kostedde beim MSV Duisburg. Er war aus der Regionalliga von Preußen Münster gekommen und hatte dort als Mittelstürmer überzeugt. In Münster war der 1946 geborene Sohn einer Deutschen und eines afroamerikanischen US-Soldaten auch aufgewachsen. In seinem ersten Jahr in der Bundesliga scheint er beim MSV seine Leistungen in Münster nicht bestätigt haben zu können. In 19 Spielen erzielte er fünf Tore. Nach seiner Karriere erzählte Erwin Kostedde mehrmals, ihm sei sein Erfolg zu Kopf gestiegen. Er habe die Nächte zum Tag gemacht. Seine Einstellung habe nicht mehr gestimmt. Deshalb sei es zum Konflikt mit dem Trainer Gyula Lorant gekommen.

Erst nach seinem Wechsel zu Standard Lüttich nahm die Karriere wirklich Fahrt auf. Er wurde einer der erfolgreichsten deutschen Mittelstürmer seiner Zeit. Allerdings entwickelte sich seine Karriere nahezu zeitgleich mit der von Gerd Müller, der noch ein wenig erfolgreicher war. Nach dem Rücktritt von Gerd Müller aus der Nationalmannschaft wurde er 1974 der erste farbige deutsche Nationalspieler. Da spielte er bei Kickers Offenbach. Seinerzeit war er auch mir als jungem MSV-Fan ein Begriff für Torgefahr, ohne dass ich ihn mit meinem Verein verbunden hätte. Niemand in meinem Umfeld erzählte über seine MSV-Zeit. Davon erfuhr ich erst sehr viel später, als ich mich mehr für die Geschichte des deutschen Fußballs interessierte.

Anlass für die kurze Erinnerung ist ein eindrucksvolles Gespräch im ZEIT-Magazin, das Stephan Lebert und Stefan Willecke mit Erwin Kostedde und Gerald Asamoah geführt haben. Im Kern geht es um den erlebten Rassismus von beiden im Fußball und Alltag. Zu lesen ist das Interview nur für Abonennten. Man kann sich das Gespräch aber anhören. Unterhalb des Vorspanns auf der Seite gibt es ein leicht übersehbares Icon „Anhören“. Computergeneriert strengt das Hören auf Dauer zwar etwas an, doch ist das ein nicht gering zu schätzender Service.

Für Kostedde bedeutete Rassismus auch 1990 eines Raubüberfalls verdächtigt zu werden. Ein „Schalke-Fan“, so betont Erwin Kostedde, war Zeuge des Überfalls und meinte, ihn als Täter identitifizieren zu können. Dabei war anscheinend das einzige, was der Zeuge wirklich erkannt hatte: der Täter war farbig gewesen. Bei der Gegenüberstellung wurde ihm nur Erwin Kostedde gezeigt. Da war der Zeuge sich dann erst einmal sicher. Ein halbes Jahr U-Haft führte zum psychischen Zusammenbruch von Erwin Kostedde.

Erwin Kostedde und Gerald Asamoah gehören zwei unterschiedlichen Fußballergenerationen an. Im Gespräch wird klar erkennbar, wie sich daraus auch verschiedene Möglichkeiten ergeben, Erfahrungen des Rassismus zu bewältigen. In einem für die Gesellschaft insgesamt bedeutsamer gewordenen Fußball hat Gerald Asamoah mehr Unterstützung erhalten als Erwin Kostedde.

Zurück zum Fußballer Erwin Kostedde. Im folgenden Clip ist das Spiel von Kickers Offenbach gegen Bayern München am ersten Spieltag der Bundesligasaison 1974/75 zu sehen. Erwin Kostedde erzielt zwei Tore und ist mit Siggi Held laut Kommentator der „Starspieler“ der Offenbacher. Ein schönes Zeitdokument nicht nur wegen der wehenden Haare bei fast allen Spielern. Klaus Wunder machte zudem sein erstes Spiel für Bayern München. Er war gerade vom MSV zu den Bayern für eine Rekordablösesumme gewechselt. Der Kommentator merkte allerdings an, er habe mehr verteidigen müssen als stürmen zu können. Wobei das Verteidigen damals eine sehr gemächliche Betätigung war.

Halbzeitpausengespräch: AnnenMayKanterei treffen Dirk Lottner

Immer wieder ist es schön, wenn mit einem Hinweis gleich zwei Angelegenheiten von Interesse erzählt werden können. In dem Fall geht es um zwei Folgen des TV-Musikmagazins vom Bayerischen Rundfunk Startrampe mit der Kölner Band AnnenMayKantereit – zum Wikipedia-Eintrag weiter mit einem Klick. Im Herbst letzten Jahres war die Band auch bei mir angekommen. Ihr erstes Lied, das ich hörte, passte gerade zum Auszug unseres Sohnes.

Ich hörte mir weitere Stücke an und lernte eine junge Band kennen mit einem Sänger, bei dem man rätselt, woher er in seinem Alter diese Ausdruckskraft nimmt und wo sein Volumen  herkommt. Die Band spielt eingängige Musik, die auch nach mehrmaligem Hören nicht langweilig wird. Sie verwandeln die Erfahrungen von jungen Menschen zwischen 20 und 30 in schöne Texte. Zur Playlist bei youtube weiter mit einem Klick.

Startrampe nun stellt nicht nur die Musik junger Bands und Solokünstler vor. Konzept der Reihe ist eine Art Personality-Show on the road. Mit einem Oldtimer-Bus reisen die Künstler an Orte, wo sie Menschen begegnen, die eine Bedeutung für sie haben. AnnenMayKanereit sind Fußballfans und wollten Dirk Lottner treffen. Im Grunde ist er ja der Lukas Podolski der 2000er Jahre. Nicht ganz so erfolgreich, aber nicht weniger der kölsche Jong. Wahrscheinlich werden zukünftige Generationen seine Biographie runder schreiben und seine Aufenthalte in Leverkusen sowie Duisburg als unglaubwürdige Phantasien missgünstiger Kölnhasser abtun.

Wenn Fans und Idol sich treffen, fühlt man sich als Unbeteiligter zwar manchmal etwas außen vor, doch für einen flüchtigen Blick auf den Dirk Lottner der Gegenwart reicht es allemal. Wer es noch nicht wusste, auch Dirk Lottner führt nun den Tabakwarenladen der Gegenwart, eine Fußballschule. Die Begegnung mit Dirk Lottner ist ab Minute 7.05 zu sehen.

Der zweite Teil der Tour führt AnnenMayKantereit in den Pott. Sie fahren in ein Bergwerk ein – ab Minute 7.00, um unter Tage ein Lied zu spielen und zudem sehr beeindruckt von den mächtigen Maschinen zu sein. Gerald Asamoah treffen sie ebenfalls – ab Minute 18.15.

 


JETZT BESTELLEN
Das Buch über den Sommer 2013 in Duisburg rund um den MSV bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 8,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Sponsored

Bloglisten


%d Bloggern gefällt das: