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Notizen zu Präsidentenwechsel und Sponsoreneinfluss

Eins halte ich für sicher: Der MSV Duisburg ist auf dem Weg, ein Geschehen, wie das der letzten Tage als einfache Nachricht weitergeben zu können. Der Vorsitzende und der 2. Vorsitzende tauschen ihre Ämter. Noch ist der MSV Duisburg nicht so weit. Der Wechsel an der Vereinsspitze erfolgt zu einem überraschenden Zeitpunkt, was ihm eine besondere Bedeutung beimisst. Es gibt Raum für Spekulationen, die  der seriöse Teil der Lokaljournalisten sachlich und informierend vornimmt. Was wenig mit der Art und Weise zu tun hat, wie dieser Ämtertausch vom MSV kommuniziert wurde sondern mit der Haltung dieser Journalisten. Dirk Retzlaff liegt mit dem Bericht und seinem Kommentar des Geschehens wohl sehr nah an der Wirklichkeit dieses Wechsels, hingegen im Reviersport, wie es sich für den Boulevard gehört, jede Chance auf die populistische Empörungsgeste genutzt wird. Such die Emotion und den Konflikt in der Geschichte, dann blase alles auf und probiere mit dem halbtoten Story-Gaul  wenigstens den Nebenweg Randfigurenkommentar, so lautet einmal mehr die Devise.

Beim Wechsel an der Vereinsspitze lässt sich ein Grundmotiv erkennen, und das ist das Vertrauen in die handelnden Personen beim MSV Duisburg. Dieses Vertrauen ist wichtig, weil Menschen gefunden werden müssen, die bereit sind, dem MSV Duisburg Geld zu geben. Inzwischen ist wieder von fehlenden 4,5 Millionen Euro die Rede. Wir waren schon einmal bei fehlenden 2 Millionen. Dieser Unterschied in der Summe ist aber anscheinend nicht mehr wichtig. Es ist ein weiteres Zeichen dafür, dass das Vertrauen das zentrale Motiv beim Wechsel war und in der Folge dann natürlich das fehlende Geld. Wir wussten bislang übrigens auch nicht genau, welche Menschen den Vereinsverantworltichen vertrauen sollten. Waren es Sponsoren oder Investoren? Was selbstredend ein Unterschied ist, da Investoren Geld verdienen wollen. Sponsoren wollen aber immatierelle Werte geboten bekommen. Nach diesem Wechsel an der Vereinsspitze sieht es nun so aus, als werde die Aufmerksamkeit mehr auf die Sponsoren gerichtet. Aber auch das ist Spekulation.

Wenn von Sponsoren die Rede ist, taucht ein weiteres Mal das Vertrauen als Grundmotiv des Geschehens auf. Dieses Mal aber geht es um das Vertrauen der Fans in die Entscheidungsfreiheit beim MSV Duisburg. Nach der Hellmich-Zeit ist der Einfluss von Geldgebern auf den Verein ein heikles Thema. Verantwortliche und Anhänger eines Vereins wie dem MSV Duisburg kommen aber nicht umhin, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen. Stellen wir uns vor, warum ein Unternehmen dem MSV Duisburg Geld gibt? Wirtschaftliche Argumente finden Unternehmen selbst in der 2. Liga nur selten. Ich erinnere mich an eine Studie zu Sponsoringeffekten im Fußball, die ich auf die Schnelle jetzt nicht finde. Bezogen auf Markenwert, Steigerung der Bekanntheit usw. hat sich für kaum ein Unternehmen das Engagement im Fußballl gerechnet. Das Geld wäre besser in reine Werbung investiert gewesen. Es muss also neben den wirtschaftlichen Gründen weitere Motive geben, warum ein Unternehmen einem Fußballverein Geld gibt.

In Duisburg sind das überaus begrüßenswerte Motive. Denn Schauinsland-Reisen sicherte die Existenz des MSV Duisburg immer auch in der Absicht, den Menschen in Duisburg zu Lebensqualität zu verhelfen. – Irgendwer wird diese Steilvorlage zu Ironie und Sarkasmus puncto Leidensgeschichte mit dem MSV sicher nutzen.  – Gerald Kassner verfolgt also indirekt soziale Absichten bei seiner Entscheidung. Stellen wir uns nun also den Idealfall sponsorenunabhängige Entscheidungen beim MSV Duisburg vor. Das Unternehmen beobachtet, was geschieht und erkennt, der MSV Duisburg geht in seiner Geschäftspolitik einen Weg, der mit unseren Absichten nicht in Einklang zu bringen ist. Wir ziehen uns zurück. Alles wird offen kommuniziert. Der MSV Duisburg hat also die freie Entscheidung, überall sein Geld zu suchen. Wir wissen alle, das ist eine Illusion. Für den MSV Duisburg in der 3. Liga interessieren sich nicht viele Sponsoren. Wenn ein Verein von einem Sponsor mehr Geld erhält als von anderen, enstehen Abhängigkeiten. Daran können die handelnden Personen nichts ändern. Das sind strukturelle Bedingungen. Die völlige Entscheidungsfreiheit ist also ebenfalls eine Illusion. Das hat aber nichts mit unbotmäßiger Einflussnahme seitens des Hauptsponsors zu tun. Das ist einzig und allein eine Einsicht in die Gegebenheiten und verlangt pragmatisches Handeln.

Aus dieser Einsicht gilt es meiner Ansicht nach Konsequenzen zu ziehen. Das ist meine kritische Anmerkung zu dem Geschehen. Denn auch die von Schauinsland-Reisen in Person von Andreas Rüttgers ausformulierte Meinung, es gebe keinen Einfluss auf den MSV Duisburg ist demnach eine idealistische Illusion. Natürlich stimmt das im Grundsinn der Worte. Doch es gibt Menschen, die mit einigem Recht das anders wahrnehmen, weil sich die Bedeutung des Unternehmens sehr wohl als Präsenz in informellen Zirkeln des Vereins zeigt. Der Alltag erfordert realistische Haltungen, und ich denke, es wäre eine sauberere Lösung, wenn sich die besondere Bedeutung des Hauptsponsors Schauinsland-Reisen in den Gremien des MSV Duisburg abbildete. Im Gegensatz zu Walter Hellmich vermischt Gerald Kassner sein Engagement beim MSV Duisburg nicht mit wirtschaftlichen Interessen seines Unternehmens. Die Vorgeschichte des MSV Duisburg verlangt, dass darauf noch einige Zeit lang hingewiesen wird. Kontinuität gehört übrigens auch in diesen Zusammenhang. Die Vorgeschichte macht die häufigen Wechsel an der Vereinsspitze völlig nachvollziehbar. Dazu ein anderes Mal mehr.

Am Vorgang des Wechsels ist für mich einzig zu kritisieren, dass der MSV Duisburg mit dessen Bekanntmachung wie von der Presse getrieben wirkte. Der Verein hatte beim Verkünden des Wechsels nicht die Deutungshoheit. Vielleicht gab es Hintergrundgespräche nach den ersten Gerüchten, und der Verein braucht nicht nur dankbar sein, für die ihm dieses Mal meist gesonnene Berichterstattung. Dennoch fehlt eine starke Geschichte von Vereinsseite für seine Anhänger, die sich direkt bei dem Verein ihres Interesses informieren wollen. Wenn man sich die Strukturen im MSV Duisburg genauer ansieht, ist das Fehlen nachvollziehbar. Die Presseabteilung ist in dem Wirtschaftsunternehmen angesiedelt und übernimmt die Meldungen für den Verein mit. Es zeigt sich so eine Leerstelle der Kommunikation, die sich auch andererorts bemerkbar macht und die Hermann Kewitz in der Rheinischen Post bei seiner Bestandsaufnahme des Geschehens ebenfalls wahrnimmt. In solchem fehlenden Reden mit der Öffentlichkeit geht es immer um mehr als um den eigentlichen Sport. Im Erfolgsfall fällt das übrigens nicht auf. Ein Aufstieg in der nächsten Saison hilft also auch in dem Fall.

 

 

 

Zwischen Fastelovend und der Fußballnormalität mit Hausverbot sowie Kentsch

Zwei Parallelluniversen begegnen sich in diesen Tagen des Straßenkarnevals jedes Jahr aufs Neue in meinem Leben. Sie bewegen sich in unterschiedlichem Tempo. Wenn in der Karnevalswelt trotz immer wieder neuen Erlebens die Zeit gleichsam still steht, nimmt die Welt des Fußballs ihren normalen Lauf. Die armen Frankfurter mussten sogar gestern Abend richtig arbeiten und sind nicht mal als Entschädigung für die Karnevalsabstinenz eine Runde weitergekommen. Ich hoffe für mich und den MSV, wenn international, dann sofort Champions League. Ein Pflichtspiel am Weiberfastnachtstag entspricht nicht meinen Vorstellungen von einem zufriedenstellenden Leben.

Schon in der Vergangenheit musste ich immer einige Mühe darauf verwenden, mein verdoppeltes Leben als Jeck und MSV-Fan wenigstens zum Spieltag hin mit ihren beiden unterschiedlichen Geschwindigkeiten in Einklang zu bringen. Doch in diesem Jahr überfordert mich die Fülle unterschiedlicher Meldungen zum MSV geradezu. Wie soll ich, dem die Veedels-Feier-Lieder noch im Ohr klingen, sinnvolle Sätze zu gleich zwei bis drei gewichtigen Themen beim MSV Duisburg schreiben? Und da ist das Spiel gegen den SV Wehen Wiesbaden noch gar nicht dabei. Das geht heute nur begrenzt. Karneval bringt auch mich in einen Ausnahmezustand, und  Hausverbote im großen Zusammenhang einzuorden wird mir heute zu viel. Da reicht ein: Gut gemacht, MSV Duisburg! Der Verein reagiert auf die unterschiedlichen Vorfälle am letzten Samstag bei An- und Abreise von MSV-Fans nach Dortmund mit einem deutlichen Zeichen. Zudem wird in der Pressemitteilung das weitere Vorgehen erläutert.

Weil ich online von dem Hausverbot noch nichts gefunden habe, hier die Pressemitteilung vom MSV Duisburg im Wortlaut.

Der MSV Duisburg hat nach den Ausschreitungen sogenannter „Fans“ auf der An- und Abreise zum Auswärtsspiel der Zebras am Samstag, 22. Februar 2014, bei Borussia Dortmund 21 Hausverbote ausgesprochen. Diese Hausverbote gelten vorerst für das Heimspiel des MSV gegen den SV Wehen Wiesbaden am Samstag, 1. März 2014.

„Ob diese Hausverbote danach in bundesweite Stadionverbote ausgeweitet werden, entscheidet der DFB“, erklärte Michael Meier, Sicherheitsbeauftragter des MSV; über Vorfälle auf Reisewegen darf allein der DFB urteilen.

Ob darüber hinaus weitere Randalierer durch Stadionverbote vom MSV fern gehalten werden können, sollen weitere Auswertungen der umfangeichen Videoaufzeichnungen und Unterlagen der Polizei zeigen. Meier: „Wir arbeiten dabei wie in der Vergangenheit eng zusammen!“

Der MSV distanziert sich erneut von allen Personen, die Fußballspiele als Plattform für Gewalt, Rassismus und Diskriminierung nutzen. Der MSV verdeutlicht in seinem Leitbild u.a.: Als Zebrafamilie, mit all unserer Vielfalt, sind wir weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus bekannt. Wir halten zusammen, insbesondere in schweren Zeiten.
Integration wird von uns gelebt. Respekt und Toleranz prägen unseren Umgang miteinander.

Wir fordern erneut alle unsere Anhänger auf, gemeinsam mit dem MSV gegen Gewalt, Diskriminierung und Rassismus aufzutreten und bei und rund um unsere Spiele weiter so fröhlich und begeistert Streifen zu zeigen, wie Duisburg das im vergangenen Sommer gezeigt hat!

Aber das ist noch nicht alles. Kaum feier ich mal Karneval, gibt der Sportjurist Christoph Schickhardt  dem Kicker ein Interview, in dem er auf die Entscheidung des DFB zu sprechen kommt, dem MSV Duisburg keine Spiellizenz für Liga 2 zu erteilen. Er ist der erste, der klar sagt, alleine Roland Kentsch ist verantwortlich für den Entscheid des DFB. Die Finanzen hätten keine Rolle gespielt, formale Fragen hätten geklärt werden müssen.

Nun frage ich mich allerdings, welchen Einblick Christoph Schickhardt in das Verfahren hatte, um diese Einschätzung geben zu können? Wer war im Sommer nochmals Rechtsbeistand vom MSV Duisburg in dem Berufungsverfahren? Suche ich jetzt nicht, und sag im Vorgriff auf Dienstag, der Nubbel ist schuld. Mein juristisches Laienverständnis sieht manche formale Frage eng verknüpft mit dem vorgelegten Finanzplan. Wir erinnern uns an das vertraglich festgehaltene Mitbestimmungsrecht von Walter Hellmich bei der Abberufung des Geschäftsführers. Dass sich diese formale Frage nicht ohne Beschäftigung mit den Finanzen hätte klären lassen, liegt auf der Hand. Was Roland Kentsch natürlich nicht aus der Verantwortung entlässt, sondern nur den Begründungszusammenhang ein wenig komplexer macht. Sprich: Mein Laienverstand sagt, wer auf der sicheren Seite sein will, muss argumentativ nachlegen. Aber Rechtssprechung soll ja für Eindeutigkeit sorgen, und vielleicht brauchen Juristen im Nachhinein nur die Sätze des Vertrags und nicht die dahinter stehende Vorgeschichte, wie es zu den Sätzen kam.

In den Zusammenhang, aber natürlich längst eigenes Thema, gehören die Finanzen beim MSV Duisburg als Voraussetzungen zur DFB-Lizenz für die 3. Liga in der kommenden Saison. Ob eine dieser nötigen Voraussetzungen dann noch Schuldenschnitt heißen wird, sei dahin gestellt. Ohne die erneute Hilfe von Gerald Kassner und Schauinsland Reisen ließ sich jedenfalls das beim Schuldenschnitt aufgetauchte Problem der Gleichbehandlung aller Gläubiger nicht lösen. Schuldenkauf, ist das bei WAZ/NRZ genannte Stichwort. Nächste Woche mehr dazu.

Fußball gespielt wird schließlich auch noch. Gerrit Wegkamp begleitet dieses Mal Karsten Baumann auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen SV Wehen Wiesbaden. Wir hören vom Trainer, wieder geht es am Samstag gegen einen Gegner, dessen Konterspiel gefährlich ist. Was schon vor dem Spiel gegen den BVB die Ausgangslage war. In Dortmund hatte der MSV diese Stärke des Gegners einigermaßen kontrollieren können. Mir wäre also auf der PK mal wieder auch ein Wort zur besonderen Gefahrenlage bei Standards lieb gewesen. Einfach für et Hätz un Jeföhl. Für Stimmungen bin ich nämlich momentan noch anfälliger als sonst. Aber seht selbst.

Nun muss ich mich bei so viel Rasanz im Geschehen rund um den MSV Duisburg erstmal wieder aufs Lebenstempo hier vor Ort entschleunigen. Mach ich mit dem dazu passenden Motto-Karnevalspop von Cat Ballou. In dem Sinne noch einmal: „Alaaf!“ und „Helau!“. Wir sehen uns morgen im Stadion. Narrenkappe meines Großvaters wird das nötige Glück bringen. Ich hoffe zudem auf kreative Fankostüme. Den Spielbericht über einen Sieg mit Fotos anzureichern ließe ich mir vor dem Veedelszoch am Karnevalsonntag gefallen.

Ein Zwischenziel – Die Pressemitteilung des MSV zur Klärung der Stadionfrage

Diese Pressemitteilung vom MSV Duisburg darf ich im Wortlaut auch einfach weiterreichen. Was in den letzten Tagen schon in den Lokalmedien als Lösung des Stadionproblems berichtet wurde, erhält nun seine offizielle Bestätigung. Ein Zwischenziel ist das. Das darf man nicht vergessen. Dass es so erreicht wurde, schien vor wenigen Tagen noch fraglich. Die Lösung von einem der beiden großen Probleme scheint greifbar nah zu sein.

Wichtiger Schritt zur Neustrukturierung des MSV Duisburg

Die Gesellschafter der MSV Stadionprojektgesellschaft haben in Ihrer gestrigen Sitzung den einstimmigen Beschluss gefasst, der von Stadt und Land favorisierten Lösung zuzustimmen.

 Insbesondere die Hauptgesellschafter Hellmich, Hövelmann, Kassner vereinbarten eine Übertragung der Stadionanteile, die die Stadt in die Lage versetzt, 50,1% der Anteile zu erwerben. Als Teil dieser Neustrukturierung wurde eine Übertragung der Stadionanteile der Baugesellschaft Walter Hellmich GmbH an die Schauinsland-Reisen GmbH vereinbart.

 Gerald Kassner, Hermann Hövelmann und Walter Hellmich wollen mit diesem Schritt die Gesamtkonsolidierung des MSV Duisburg unterstützen und eine Perspektive schaffen für weitere Firmen und Sponsoren, in Duisburg und am Niederrhein, die sich für den 111 jährigen Traditionsverein engagieren wollen.

 „Die Menschen in Duisburg haben in diesem Sommer bewiesen, wie wichtig der MSV für den Zusammenhalt in unserer Stadt ist. Über alle Generationen hinweg wurde bewusst, dass der MSV nicht nur Aushängeschild dieser Stadt, sondern auch soziales Bindeglied ist“, so Kassner. „Wer den MSV unterstützt, investiert auch in diese Stadt und deren Bürger.“

 Dieser erste Schritt wurde in Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Stadt und des MSV erarbeitet.

 Daher betonen auch beide Parteien, dass die Übernahme der Anteile erst nach endgültigem Beschluss des Rates der Stadt Duisburg, in Absprache mit dem Land NRW und der HSH-Bank, wirksam wird.

 Walter Hellmich und Gerald Kassner betonen, dass die Stadiongesellschafter mit diesem Schritt einen großen Beitrag zur Konsolidierung des MSV geleistet haben, dem aber weitere wichtige Schritte folgen müssen.

 Es müssen jetzt noch einmal alle zusammenrücken um den MSV als ein Verein für die Zukunft aufzustellen, der sich auch der Verantwortung als Verein für die Menschen dieser Stadt bewusst ist.

 Dabei hilft jeder Zuschauer bei den Heimspielen genauso wie Unternehmen die Streifen zeigen und sich als Sponsor für die Zebras engagieren, so Kassner.

 Bis zum finalen Abschluss der Gespräche, darauf haben sich alle Beteiligten vereinbart, wird es keine neuerlichen Bewertungen oder Zwischenstände geben.

Schauinsland-Reisen-Chef Gerald Kassner im Interview über den MSV Duisburg

Wer sich bislang schon intensiv mit der Vorgeschichte zur letztjährigen Einreichung der Lizenzunterlagen vom MSV Duisburg beschäftigt hat, erhält nun in einem WAZ/NRZ-Interview mit Gerald Kassner, dem Geschäftsführer von Schauinsland-Reisen die Bestätigung dessen, was Andreas Rüttgers schon früh im MSVPortal informell beschrieb. Roland Kentsch lehnte ein mit Hilfe von Schauinsland-Reisen erstelltes Finanzkonzept ab, mit dem die Zweitligalizenz hätte beantragt werden sollen.  Damit gehört das Interview in die Quellensammlung einer jeden zukünftigen MSV-Geschichte.

Vor dem Lizenzentzug sollen Sie mit einem Geldkoffer mit 6 Mio Euro und einem neuen Konzept im Arena-Foyer gesessen haben, der Vorstand das Angebot aber abgelehnt haben. Was war da los?

Kassner: Zunächst einmal: Ich bin nicht jemand, der mit einem Koffer voller Geld irgendwo hingeht. Richtig ist, dass wir ein tragfähiges Konzept und eine gangbare Lösung angeboten haben. Das ist nicht angenommen worden. Ich denke, da waren einfach die falschen Leute am Werk.

Darüber hinaus lohnt sich der Klick weiter zur  Online-Seite, auf der der MSV Duisburg im Interview zum Thema wird. Denn in Gerald Kassners weiteren Worte zum Engagement von Schauinsland-Reisen beim MSV Duisburg wird gleichzeitig sein Vertrauen in die derzeit handelnden Personen beim MSV Duisburg deutlich. Etwas für die gute Stimmung mit Blick auf den nächsten Lizenzierungs-Termin, der schon bald ansteht. Das Interview mit Anmerkungen zur Firmenpolitik und zum Wirtschaftsstandort Duisburg beginnt mit einem Klick weiter hier.

Noch einmal Vorstand- und Sponsorenlob, Medienkritik und Bewegtbilder von Fanaktionen

Schon für den letzten Mittwoch hatte ich auf die Nachricht gehofft, die wir heute erst erfahren. In jedem Film wäre das der Fall gewesen. Keinem Publikum hätte ein Drehbuchautor zugemutet sich die letzten zwanzig Minuten des Films ohne nennenswerte Handlung anzusehen. Schließlich glich unser Film der letzten Woche einem Thriller. Dieses als letzte Fanaktion vor dem Stadion angekündigte Abendprogramm wäre in einer perfekten Dramaturgie der Höhepunkt der letzten Wochen gewesen. Wir wussten aber alle schon längst, die erhoffte Nachricht würde nicht kommen. So befand nicht nur ich mich in einer komischen Stimmung. Es war zu spüren, ein einzelnes Thema lässt sich nur schwer über eine lange Zeit hinweg in der Öffentlichkeit halten. Zumal in diesem Fall die aktuellen Wirkmöglichkeiten des Fan-Engagements für den MSV sich erschöpft hatten. Die Welt hatte gesehen, was der MSV Duisburg den Menschen vor Ort bedeutet. Einfluss auf irgendwelche Verfahren waren nicht gegeben. Der Vorstand handelte so, wie es sich fast alle Anhänger  des MSV Duisburg vorstellten. Daran änderte auch  Ralf Birkhans Urteil zum Vorstandshandeln in der WAZ/NRZ  wenig. Die Anspannung richtete sich nur noch auf die erhoffte Nachricht vom DFB. Die meisten von uns waren einfach auch müde geworden.

Dennoch stellten Michael Koch, Hajo Schneider und Detlev Gottschlich für diesen Mittwochabend erneut ein Programm zusammen, und dennoch kamen auch an diesem Mittwochabend wieder etwa 400-500 Menschen an das Stadion. Bilder vom Anfang dieses Programms hat Frank-M. Fischer für Duisburg365.de zusammengeschnitten. Dagmar Albert Horn ist zu sehen, dem es gelang dem Abend die Müdigkeit auszutreiben. Für einen ruhigeren Moment sorgte meine Wenigkeit mit drei Texten. Wer mit Übermotivierte Vierte Offizielle das Wagnis Spaßgedicht am Stadion nachlesen will, mit einem Klick weiter. Ivo hatte meiner Meinung nach ein Würdigung verdient, kein neuer Text, sondern der Abschied nach dem Ende seiner aktiven Zeit. Und der Kommentar zu dem völlig verfehlten Birkhan-Kommentar brauchte jede Öffentlichkeit. Denn eines sollte diese Zeit jedem klar gemacht haben, man sollte in Sachen MSV Duisburg nicht allzu sehr dem vertrauen, was in den Zeitungen steht – nebenbei gesagt, am saubersten wird unterschieden zwischen Meinung und Fakten seit einiger Zeit bei der Rheinischen Post. Das müsst ihr also weiter erzählen. Jedem am MSV Interessierten bleibt nichts anderes übrig als verschiedene Quellen zu lesen und sich selbst eine Meinung zu bilden.

Was im übrigen auch für die Sache „Geld von Pottvereinen“ gilt. Was kochten die Emotionen hoch, weil die Nachricht verkündet wurde, der FC Schalke 04 gibt dem MSV Duisburg Geld. Für einige im Netz meinungsfreudige MSV-Anhänger bedeutete das eine persönliche Schmach. Heute nun lesen wir, auch der BVB hilft. Und wenn man sich diesen Vorgang genau ansieht, ist die Finanzkonstruktion sehr viel komplizierter, als sie das Wort Kredit beschreiben kann. Nur beim Weglassen von viel Wahrheit lässt sich das Geschehen auf die populistische Schlagzeile  bringen: Schalke rettet MSV.  Mir ist übrigens immer noch nicht klar, ob BVB und Schalke nur bürgen und damit helfen, die Auflage des DFB „Sicherheitsbürgschaft “ zu erfüllen wird oder ob tatsächlich Geld fließt. Beide Versionen sind im Umlauf.

Zurück zum Mittwoch, im Clip sind noch kurz die jungen Musiker von Die Jugend von heute zu sehen. Nicht zu sehen sind Michael Wildberg der sein Vorwort zu den neu aufgelegten Erinnerungen von Günter Preuß las, der Rapper Baracuda und Andreas Rüttgers, als Vertreter des Hauptsponsors Schauinsland Reisen, aber auch als einer, der in den letzten Wochen mitarbeitete, um die DFB-Anforderungen zu erfüllen. Auf ihn komme ich noch zu sprechen.

Jetzt also noch Andreas Rüttgers; wer dem Gespräch von Detlev Gottschlich mit ihm zuhörte, erhielt auch einen Eindruck von der ungeheuren Arbeit, die von Seiten der MSV-Verantwortlichen in dieser vergangenen kurzen Zeit hatte geleistet werden müssen. Andreas Rüttgers wies keinesfalls besonders drauf hin. Diese Einsicht konnte aber jeder gewinnen, der kurz nachdachte, wenn er all die Informationen zur möglichen Zukunft vom MSV Duisburg hörte. Über 100 hundert Sponsoren sind bereit, den MSV Duisburg in der 3. Liga zu unterstützen. Mit all diesen Sponsoren hatten neue Vereinbarungen getroffen werden müssen. Dazu musste sicher mehr als einmal miteinander gesprochen werden. Nocheinmal für Liga 3 gab es im Verein keinerlei Vorbereitung. Zudem unterscheiden sich die Anforderungen von DFB und DFL, so dass nicht einfach die Lizenzunterlagen für die DFL mal eben kurz angepasst werden konnten. Diese Lizenzunterlagen für den DFB mussten neu erarbeitet werden.

Wenn man sich allein diese Arbeit vorstellt, liegt es auf der Hand, wie leichtfertig Ralf Birkhan sein Urteil über die Arbeit der Verantwortlichen beim MSV fällte. Andreas Rüttgers machte aber noch mehr deutlich. Der Einsatz für den MSV Duisburg gilt dem Lebenswert der Stadt selbst. Das ist die besondere Botschaft, die hinter dem Engagement für den MSV Duisburg steht. Dieses Engagement von Schauinsland Reisen ist eingebunden in ein Gesamtbild, das der Unternehmer Gerald Kassner von der Stadt Duisburg hat. Es unterstützt die Stadt in ihrem Selbstbewusstsein und in der Wahrnehmung der eigenen Qualitäten. Dieses Engagement ist aber auch eingebunden in die Vision vom MSV Duisburg als Teil einer vielfältigen Stadt des Sports, eine Stadt, in der Eishockey ein Publikum findet, die eine bemerkenswerte Regattabahn besitzt und die mit dem ASC Duisburg sensationell den Deutschen Meister im Wasserball stellt. Der Serienmeister Spandauer SV war besiegt worden. Gerade diese Nachricht war in der spannungsgeladene Zeit rund um den Fußball nicht genug gewürdigt worden. So beschrieb Andreas Rüttgers jenen Moment, in dem das Engagement der Fans und das von Gerald Kassner, dem Unternehmer, eins sind. Mit ihren jeweiligen Mitteln sind sie der Stadt und der Region verbunden, und der MSV Duisburg gibt die Möglichkeit, diese Verbundenheit zu zeigen und zu fühlen.

So war es folgerichtig, dass am Freitag Anhänger des MSV Duisburg dieses Engagement von Gerald Kassner für den MSV Duisburg und die Stadt am Unternehmensitz von Schauinsland Reisen mit einem Flashmob würdigen wollten. Bilder dazu gibt es ebenfalls.

Lesehinweis: Unternehmensportrait Schauinsland-Reisen in Die Zeit

Online ist der Artikel über das Duisburger Reiseunternehmen Schauinsland Reisen auf Zeit online noch nicht gestellt. Das wird nach dem Erscheinen der nächsten Print-Ausgabe am kommenden Donnerstag geschehen. Zu lesen ist in Die Zeit, Nr. 10, 28. 2. 2013, ein mit Sympathie geschriebenes Firmenportrait, das den Erfolg des Unternehmens beschreibt, kurz analysiert und Atmosphärisches nebenbei erzählt. Einmal gute Nachrichten aus Duisburg! Und für uns am MSV Duisburg Interessierten natürlich von Bedeutung, weil dieses Portrait unterstreicht, wie wichtig in diesem Unternehmen gut funktionierende Kommunikation ist. Dementsprechend  wird dieser Hauptsponsor des  MSV Duisburg auch bei der Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen im Verein diesen Werten des Unternehmens begegnen wollen. Nachträglich erhalten wir einen Eindruck davon, wie bedroht diese Zusammenarbeit im Dezember letzten Jahres gewesen sein muss.

Wenn der Artikel online geht, werde ich ihn hier verlinken.

Von wegen besinnliche blauweiß gestreifte Weihnachtszeit

Hmm…darauf war ich jetzt gar nicht eingerichtet. Ich war in Gedanken schon bei der besinnlichen blauweißgestreiften Jahresabschlussbotschaft. Nebenbei noch letzte Geschenke kaufen, und jetzt hat Andreas Rüttgers die lokale Sportpresse zusammen gerufen.  Er schilderte am Freitag seine Sicht auf das Geschehen der letzten Wochen, bewertete dabei vor allem die Rolle von Roland Kentsch und lieferte Stoff für erregende Schlagzeilen. Und schon muss ich mir wieder um Streit Gedanken machen, um Einordnung, um gute oder schlechte Folgen für den MSV. So rechte Lust habe ich dazu im Moment keine. Aber wat mutt, dat mutt. Und wahrscheinlich folgte auch Andreas Rüttgers ganz im Gegensatz zu seinem bisherigen Handeln diesem Motto. Wollen wir also mal gucken, was die Presskonferenz von Andreas Rüttges bedeuten könnte.

Ich kann mir gut den Leser des lokalen Sportteils vorstellen, den eigentlich nur der Fußball des MSV interessiert. Der wird geseufzt haben; typisch MSV, die kommen nicht zur Ruhe – geht das denn immer so weiter?, da sah doch gerade alles so gut aus. Man muss inzwischen schon tief ins Thema einsteigen, um mehr mitzubekommen als den Eindruck von andauernder Unruhe. Bei näherem Hinsehen fällt mir an den Artikeln aber eines sofort auf. Nur die Schlagzeilen zielen auf die Emotion der Leser. Die WAZ titelt „Ex-MSV-Chef Rüttgers schießt gegen Kentsch“.In der Rheinischen Post heißt es: „Rüttgers rechnet mit Kentsch ab“. Und sogar  BILD skandalisiert mit dem Schlagwort von der „Schlammschlacht“ nur per Überschrift. Bei der Berichterstattung selbst halten sich die Journalisten mit emotionalisierenden Wertungen zurück. Es wird wiedergegeben, was Andreas Rüttgers zu sagen hatte. Für mich ein Zeichen dafür, dass wirkliche Informationen an die Öffentlichkeit gelangten.  Im Wesentlichen geht es um die fehlende Summe Geld an den 5 Millionen Euro, die die Insolvenz verhindern sollten und die letztlich Walter Hellmich als Darlehen gegeben hat. Als Sicherheit dienen nun die Transferrechte an allen Spielern des Kaders. Andreas Rüttgers erklärte, als diese fehlende Summe Geld  im Raum stand, hätte es von Seiten der Vereinsverantwortlichen innerhalb von 24 Stunden Sponsoren gegeben, die das Geld bereit gestellt hätten. Als Sicherheit sollte in dem Fall das Transferrecht an nur einem Spieler dienen. Roland Kentsch lehnte das Angebot ab, und nahm das Geld von Walter Hellmich. Es steht die Frage also im Raum, ob Roland Kentsch Entscheidungen trifft, die dem MSV Duisburg mehr schaden als nutzen. Poinitiert meint Andreas Rüttgers, Roland Kentsch und der MSV Duisburg passten nicht zueinander. Die Frage steht im Raum, ist das mehr als ein nicht zueinander passen? Ist das schlechtes Arbeiten von Roland Kentsch?

Alles weitere gehört eher in die Rubrik öffentliche Meinungsbildung, eine Art nachgeholtes Behaupten der eigenen Wahrheit von Andereas Rüttgers gegenüber dem, was vor allem Walter Hellmich in die Welt setzte. So ist in der Rheinischen Post zu lesen, dass Schauinsland-Chef Gerald Kassner nach Hellmichs Retter-Posing für ihn am Telefon nicht zu sprechen war. Was unterstreicht, wie sehr Walter Hellmich mit seinem öffentlichen Auftreten andere Menschen in Duisburg verärgerte.  Andreas Rüttgers ist also auch kein Übermensch und manchmal muss es auch für ihn anstrengend gewesen sein, zu all dem, was in der Öffentlichkeit gesagt wurde, zu schweigen.

Das ist das eine, was ich durch die Pressekonferenz erkenne und was auch als Kommentar zu meinem unlängst entworfenen Bild von ihm gelesen werden kann. Diese Pressekonferenz holt ihn aus den Sphären der moralisch unanfechtbaren Zurückhaltung in die Ebenen des angreifbaren, politischen Handelns um den MSV Duisburg zurück. Denn letzteres ist offensichtlich. Es ging im Nebenprodukt auch um persönliche Befindlichkeit, in dieser Pressekonferenz nutzte Andreas Rüttgers seine Wahrheit über das Geschehen aber zuerst als politische Botschaft. Zu einem Zeitpunkt, in dem der sportliche Betrieb ruht und die Finanzierung der Saison gesichert ist, also in einem Zeitraum, in dem dem der MSV Duisburg wenig durch öffentliche Diskussionen gefährdet wird, platzierte er eine Botschaft, die er mit Argumenten unterfüttert. Wer diese Botschaft noch detaillierter argumentiert bekommen möchte, lese im MSVPortal die vielen Antworten von Adreas Rüttgers unter dem Nick „Diplomat“ auf die in der Berichterstattung offen gebliebenen Fragen.

Die Pressekonferenz besitzt also nur im ersten Moment ein G’schmäckle. Andreas Rüttgers nimmt es in Kauf, weil  seine Sicht der Dinge auch eine Botschaft an die Mitglieder des MSV Duisburg und an seine Gremien ist. Wie in den Gremien des MSV Duisburg damit umgegangen wird, bleibt eine offene Frage. Denn offensichtlich gibt es beim MSV Duisburg, dem Verein, Menschen, die seine Meinung teilen. Andererseits hatte Andreas Rüttgers schon die entscheidende Position im Verein inne. Anscheinend ohne damals genügend Rückhalt zu spüren, die das Kräfte zehrende Arbeiten auch im Konflikt mit Roland Kentsch hätten aushaltbar gemacht. Dass Roland Kentsch gänzlich anderer Meinung ist als Andreas Rüttgers, versteht sich von selbst. Die Antworten auf die Nachfragen der lokalen Presse lassen sich in den betreffenden Artikeln oben lesen. Da steht jetzt Aussage gegen Aussage.

Andreas Rüttgers bekleidet beim MSV Duisburg kein offizielles Amt mehr. Ob das mühsam austarierte Gleichgewicht von Interessen und Macht die Diskussion über den Geschäftsführer Roland Kentsch verträgt, der ja zugleich aktiver Teilnehmer dieses Austarierens ist, müssen andere Personen zeigen. Wir werden sehen.

Das Geld, die Würde und menschliche Größe

Gestern überlegte ich beim Schreiben noch kurz, wie ich die Nachricht von der abgewendeten Insolvenz mit dem Heimsieg des MSV Duisburg in Einklang bringen sollte. Beides waren gute Nachrichten, doch mein Text nahm eine Richtung, die das Thema Insolvenz zum Fremdkörper gemacht hätte. Denn eigentlich wollte ich dabei gleichzeitig über Andreas Rüttgers schreiben und seinem Verhältnis zu Walter Helmich, wie es in der Rheinischen Post geschildert wurde – noch vor der Nachricht über die bis zum Saisonende gelingende Finanzierung des Profibetriebs MSV Duisburg.

Es gibt da ein paar Dinge, die mir noch durch den Kopf gehen. Ein wenig habe ich zwar dabei das Gefühl, solche Gedanken sind überholt, wichtig ist der Blick nach vorne, aber ich denke auch an Deutungshoheit und Gerechtigkeit. Also, ich schreibe trotz Zweifel aus dokumentarischen Gründen. Das ist der Historiker in mir, der weiß, Geschichtsschreibung ist immer auch Deutung. Aufgewallt ist dieses Gefühl – wie bei so vielen Anhängern des MSV Duisburg – angesichts der ersten inoffiziellen Nachricht über die Rettung des MSV Duisburg aus dem Hause Reviersport. Dort wurde Walter Hellmich als „Retter“ des MSV Duisburg gefeiert, und Thorsten Richter, der Verfasser des Artikels,  zeigte sich auch für mich ohne journalistische Distanz zur Person Walter Hellmich.

Inzwischen ist durch Roland Kentsch auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen den SSV Jahn Regensburg betont worden, wie groß der Anteil von Gerald Kassner, des Geschäftsführers von Schauinsland Reisen,  an der Rettung des MSV Duisburg gewesen ist, und dass Walter Hellmich selbst ihn gebeten hatte, darauf hinzuweisen, seinen Beitrag wolle er als einen Teil des Ganzen richtig eingeschätzt wissen. Nicht nur er, Walter Hellmich, sondern viele hätten zur Rettung beigetragen.

Es gibt also viele Sponsoren, die in der Summe die benötigten 5 Millionen Euro aufbringen. Wer da jetzt wieviel gegeben hat, wissen wir nicht bei allen. Was wir aber wissen, sie sind nicht minder Retter des MSV Duisburg denn Walter Hellmich. WAZ/NRZ und Rheinische Post bringen diese Nachricht inzwischen glücklicherweise ebenfalls unter die Leute und rücken somit das Bild vom alleinigen Retter Hellmich gerade. Überregional hatte der Sportinformationsdienst aber schon bequermerweise den ersten Reviersport-Artikel als eigene Meldung übernommen, so dass die überregionalen Print-Medien in ihren kurzen Sportnachrichten ebenfalls Walter Hellmich als Retter ausriefen. Interessieren wird das niemanden in Deutschland, so sehr es sich Walter Hellmich wahrscheinlich wünscht und vielleicht sogar fürs Ego braucht.

Dennoch hat er  Roland Kentsch gebeten, seine Rolle ins rechte Licht zu rücken. Für die Zukunft des MSV Duisburg war diese Pressekonferenz ein Meilenstein, weil durch die Worte von Roland Kentsch das Binnenklima einigermaßen wieder ins Gleichgewicht gebracht wurde. Ich hoffe immer auf das Gute im Menschen, und vielleicht bestätigt Walter Hellmich seine Bitte an Roland Kentsch auch durch eigene zukünftige öffentliche Äußerungen.

In den Wochen zuvor hatte er in Interviews ja noch ganz anders geklungen. Da war er der Einzelkämpfer für seinen Ruf. Da wirkte er auf mich wie eine Art Erich Honecker mit Geld, der überall beweisen wollte, dass sein System trotz maroder Bausubstanz und bröckelnder Fassaden doch erfolgreich war. In diesen Interviews überzog er so sehr, dass es schwer wurde, ihn ernst zu nehmen. Ziel seiner öffentlichen Attacken waren seine Nachfolger, die die ganze Misere verschuldet haben sollten.

Und nun kommt Andreas Rüttgers ins Spiel, dessen Wirken in diesem Zusammenhang manchen verblüfft und die Journalisten der Rheinischen Post, Stefanie Sandmeier und Hermann Kewitz, zu der Wertung verleitete, er reagiere auf Walter Hellmichs Vorwürfe „grotesk“. Andreas Rüttgers hatte lange zu dem Reden von Walter Hellmich geschwiegen. Er sagte erst etwas, als in der ZDF-Sportreportage Walter Hellmich das Handeln aller nach ihm als verachtenswert  kommentierte. Doch Andreas Rüttgers polterte nicht zurück. Er rückte das Arbeiten für den MSV Duisburg in den Vordergrund, und handelte so rational und klug. Denn ihm war von Anbeginn seines Engagements für den MSV Duisburg klar, ohne Walter Hellmich wird dieser Verein nicht überleben. Das mag man bedauern, an der Erkenntnis konnte man nicht vorbei.

Die Reaktion von Andreas Rüttgers ist also nicht grotesk, liebe Stefanie Sandmeier, lieber Herrmann Kewitz. Die Reaktion ist genau das, was permanent von allen gefordert wurde, und was Walter Hellmich weder nötig hat zu leisten, noch dass er dazu die menschliche Größe besitzt. Andreas Rüttgers stellt seine eigenen Belange zugunsten des MSV Duisburg auf eine Weise zurück, die mancher nicht mehr nachvollziehen kann. Auch ohne offizielles Amt fungiert er, wie sein Nick ihm MSVPortal schon andeutet, als Diplomat. Ihm geht es um den Verein. Walter Hellmich geht es um den Verein immer auch als Futtermittel fürs eigene Ego. Der Mann hatte nun das Geld. Dafür gedankt, sympathisch finde ich diese Angelegenheit angesichts seiner öffentlichen Äußerungen in den letzten Wochen nicht.

An der Stelle kommen wir zur Würde. Denn die Frage nach der Würde  steht insgeheim hinter dem Staunen über Andreas Rüttgers Handeln. Auch viele Fans spüren so etwas wie gedemütigt sein, weil das Geld Walter Hellmichs das letzte Puzzleteil für die Rettung des MSV Duisburg wurde. Die Journalisten der RP werden wahrscheinlich in Andreas Rüttgers Worten Schwäche erkennen. Aber all diese Wertungen sind nur eine Frage der Perspektive. Für mich ist diese Pressekonferenz nach dem Regensburg-Spiel ein weiteres Zeichen dafür, dass in dem Verein eine neue Machtbalance hergestellt wird. Andreas Rüttgers wirkt dabei anscheinend intensiv mit. Seine Stärke bezieht er zum Teil aus der Idee MSV Duisburg und sicherlich auch aus dem Wissen, es gibt in seinem Umfeld genügend wichtige Menschen, die seine Arbeit wertschätzen. Ob ihn das Reden von Walter Hellmich manchmal nicht doch anficht, weiß ich nicht, aber ich weiß,   Andreas Rüttgers Handeln zeigt menschliche Größe und ist das Gegenteil von Schwäche. Walter Hellmich reiht sich nämlich ein. Das ist das Ergebnis seines Handelns. Egal, was zu Beginn im Reviersport geschrieben wurde.

Es gibt in Deutschland im Moment auf einem anderen kulturellen Feld ein Geschehen, das in den Voraussetzungen nicht ganz vergleichbar, in der Konfliktstruktur aber ähnliche Konstellationen wie beim MSV Duisburg aufweist. Es geht um Macht, es geht um Geld und es geht um Kultur. Der Suhrkamp-Verlag ist in seiner Existenz bedroht, weil sich die zwei für den Verlag überlebensnotwendigen Parteien beim Ausgleich ihrer Interessen nicht einigen können. Konfliktlösungen wurden per Gericht gesucht.  Da wurde dann mal dem einen recht gegeben, mal dem anderen, und der Verlag wird immer handlungsunfähiger. Beim MSV Duisburg gibt es Interessenausgleich und Konfliktlösung anderer Art, und es scheint zu funktionieren.


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