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Dr. Gerd Görtz ist eine alte Weisheit unbekannt

Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu. Die goldenen Elternworte kamen mir vorhin in den Sinn, als ich einen weiteren Artikel in der WAZ las, in dem der bisherige Vorsitzende des Aufsichtsrat der KGaA Dr. Gerd Görtz zu Wort kam und ganz den Anschein machte, als ob ihm böse mitgespielt worden sei. In der Pressemitteilung des MSV Duisburg gestern hatte der Rückzug von Dr. Gerd Görtz noch als einvernehmliche Entscheidung geklungen. Das sieht Dr. Gerd Görtz anscheinend anders und bewertet das Handeln des Vorstands vom MSV Duisburg als „menschenverachtend“.

All das lässt mich meinem Kommentar von vorhin noch etwas anfügen. Mich  beruhigt diese Reaktion von Dr. Gerd Görtz nämlich, weil sie mir zeigt, der jetzige Vorstand versteht auch etwas von Machtpolitik. Harte, persönliche Konflikte werden niemals ohne scharfe Worte der Verlierer einer Auseinandersetzung als öffentliches Nebengeräusch vonstatten gehen. Auch deshalb ist der Zeitpunkt dieser Konfliktlösung trefflich gewählt. Diese Nebengeräusche werden schnell in all den derzeitigen schönen Geschichten rund um den MSV Duisburg untergehen.

Zudem lässt sich mit einem Rückblick einordnen, was von den Worten von Dr. Görtz sonst zu halten ist. Ich denke zum einen daran, wie Walter Hellmich und mit ihm Dr. Görtz genau dieses Machtinstrument des nahegelegten Rücktritts selbst angewendet haben. Als Vertreter der Fans war Andreas Peters 2008 in den Aufsichtsrat des Vereins gewählt worden. Im Oktober 2009 trat er zurück. Man hatte diesen Rücktritt ihm nahe gelegt. Kommuniziert wurde das Ganze als freiwillige Entscheidung. Der Hintergrund: Andreas Peters hinterfragte kritisch die Finanzsituation und verursachte mit seiner engen Bindung in die Fanszene die ständige Sorge, wieviele der im Aufsichtsrat besprochenen Informationen nach außen fließen konnten. Für mich klingt es deshalb etwas wehleidig, wenn Dr. Görtz sich nun darüber beklagt, dass er  mit solchen harten Bandagen angegangen wird, wie sie von ihm selbst schon benutzt wurden.

Dr. Görtz selbst habe ich bislang nur einmal erlebt. Doch sogar dieses Erlebnis trägt dazu bei, seine heutigen Worte einzuordnen. Es war zu der Zeit, als Walter Hellmich zu Beginn des Jahres 2010 einen immer schwereren Stand als alleiniger Machthaber beim MSV Duisburg hatte. Ich besuchte die Jahreshauptversammlung im April, und in meinem damaligen Text zur Jahreshauptvesammlung war mir Dr. Görtz ein ganze Absatz wert. Wie gesagt, ich hatte ihn bis dahin weder gekannt, noch wusste ich überhaupt, welche Rolle er in dem Verein spielte. Seinerzeit arbeitete ich mich gerade erst in die komplexen Machtinteressen beim MSV Duisburg ein. So trat ich ihm völlig unvoreingenommen gegenüber, und ihm gelang es, mich innerhalb von 30 Minuten misstrauisch zu machen, was er zu verhüllen gedachte. Es ging um die Beteiligung der MSV Duisburg KGaA am damals im Bau befindlichen Seehaus.

Mein Eindruck von damals: „Als das Thema Beteilung der MSV KG am Seehaus aufkam, kanzelte Dr. Görtz denjenigen ab, der das zur Sprache brachte. Diese Beteiligung sei nicht vorhanden. Auf den Einwand, der MSV hätte doch am Bauzaun gestanden, nimmt Dr. Görtz das nur zum Anlass, den Frager möglichst klein zu machen. Dummerweise bestätigt wenig später eine Frau die Beobachtung, ganz sicher habe am Bauzaun MSV gestanden. Darauf wird nicht eingegangen. Erst als der frühere Mitarbeiter des MSV Arnold Nitzki sich zu Wort meldet und erneut nach der Beteiligung fragt, klärt nicht Dr. Görtz sondern Walter Hellmich die Sache auf. Tatsächlich sei die MSV KG als Bauträger dort am Bauzaun aufgeführt gewesen. Später hätten die Gesellschafter beschlossen, sich aus dem Projekt zurück zu ziehen. Nun wusste ich nicht mehr, ob diese Auskunft etwas beinhaltet, das sich mir nicht erschließt, weil ich zu wenig Hintergrundwissen habe. Wie diese Information vermittelt wurde, legt mir das nämlich nahe: Es gibt in dieser Angelegenheit etwas, was ich nicht wissen soll. Zu verantworten hat dieses Gefühl Dr. Gerd Görtz durch seinen Umgang mit einem Tatbestand, der nicht aus der Welt zu schaffen ist, weil ihn zu viele Menschen mit eigenen Augen gesehen haben.“ Heute weiß ich, natürlich ging es bei dieser Frage darum, ob das Wirtschaftsunternehmen MSV Duisburg dazu genutzt wurde, einen Bau von Walter Hellmich mitzufinanzieren.

Kurzum, ich habe wenig Mitleid mit Dr. Görtz. Interessant ist momentan ohnehin nur die Frage, wo sich Walter Hellmich bei all dem positioniert. Denn eins ist gewiss, soll es wenigstens in Liga 3 weitergehen, muss der MSV Duisburg irgendeinen Kompromiss mit Walter Hellmich finden. Momentan sieht es für mich so aus, als könne er demnächst zu diesem Kompromiss bereit sein.

Ein Song als Kommentar zu Walter Hellmich?

Ob Details, ein Song des niederländischen Sängers Wouter Hamel, mit viel Wohlwollen auch als Kommentar zur öffentlichen Meinung über Walter Hellmich durchginge? Egal! Ich habe am Montagabend im Kölner Stadtgarten ein wunderbares Konzert mit dem Sänger und seiner Band gesehen und nahm mir vor,  in der nächsten Zeit mit einem kurzen Abschweifen mal auf seine Gute-Laune-Musik hinzuweisen. Natürlich füllt er in seiner Heimat, den Niederlanden, die Konzertsäle, und am Montag ließ der überproportional große Anteil asiatischstämmiger Konzertbesucher vermuten, dass er in Südkorea oder Japan nicht unbekannt ist.

Und was Walter Hellmich angeht, der öffentliche Druck auf ihn wird größer. Vor zwei Tagen wurde im MSVportal die Petition für eine außerordentliche Mitgliederversammlung verfasst und zur Unterzeichnung freigegeben. Schon berichten heute die lokalen Medien über die Initiative, und der Aufsichtsrat des MSV Duisburg mit Ausnahme vom Aufsichtsratsvorsitzenden Gerd Görtz bezieht mit einem offenen Brief Stellung zur Situation.

Trauerworte

Gestern war „zuletzt„. Die Hoffnung ist tot, und wie es sich bei einem Todesfall gehört, erlebe ich seit gestern Abend immer wieder kurze Momente, in denen etwas in mir sich sträubt, das Geschehene als wirklich anzuerkennen. Dann erweist sich die menschliche Vorstellungskraft als leer laufender Motor zur Rettung des ewigen Lebens. In diesen Momenten scheint die auf das Leben ausgerichtete Energie in uns jeglichen Tod verhindern zu können. Die menschliche Vorstellungskraft ist dann der Wirklichkeit überlegen. Dann spüre ich mit aller Deutlichkeit den völlig offenen Ausgang der Saison. Dann habe ich Frühlingsduft meiner Kindheit in der Nase von all jenen Spieltagen, an denen ich erwartungsfroh auf das Wedau-Stadion zugelaufen bin. Dann sehe ich mich auf den Stehplätzen der heutigen MSV-Arena, wie ich eine Mannschaft beobachte, die sich aufwärmt und aufsteigen kann. Bilder von jubelnden Spielern habe ich plötzlich im Kopf und der eigene Torjubel, in unterschiedlicher Intensität, durchfährt für andere nicht sichtbar meinen Körper. Das zufriedene Hochreißen der Arme bei einem Tor, wenn die Mannschaft überlegen spielt und schon geführt hat. Die ekstatische Begeisterung, wenn in einem ausgeglichenen Spiel der ersehnte Treffer fällt. Ich sehe in freudige Gesichter von Menschen, deren Namen ich nicht kenne, denen ich aber seit Jahren auf dem Stehplatz im Stadion um mich herum begegne. Das alles geschieht innerhalb von Sekunden. Ich trauere, und der der Abschied tröpfelt sich derweil in mein Leben.

Beim Spiel selbst gab es für mich ausschließlich bedrückte Gefühle. Ich hatte vor der Frage gestanden, wie bringe ich Geburtstagsfeier in Duisburg, Anfahrt aus Köln und das Spiel sehen zusammen? Es kam zur Anfahrt während der ersten Halbzeit und bis zum Breitscheider Kreuz kannte ich das Spielergebnis nicht. Dort kamen wir schließlich in die Reichweite von Radio Duisburg und zwischen Knacken und Knistern konnte ich mit großer Anstrengung einen Halbsatz von Marco Röhling zu einem Angriff des MSV Duisburg hören, ehe für Minuten das Radio wieder nur noch rauschte. Erkenne den Spielstand am Tonfall von Marco Röhling, hieß das Rätsel und ohne unbescheiden sein zu wollen, kann ich sagen, darin bin ich gut. Denn augenblicklich hatte ich ein flaues Gefühl im Bauch und beim Zetern und Katastrophen-Aushalten Glück, dass der Autobahnwechsel Richtung Krefeld nicht allzu viel Aufmerksamkeit benötigte.

Ich war mir sicher, der MSV liegt zurück, und als wir auf die A59 auffuhren, war der Empfang von Radio Duisburg nicht mehr gestört und das Popsong-Gedudel beendete Guido Jansen mit dem Aussprechen des befürchteten Spielstands. Ich wollte es nicht wahr haben, doch im Grunde war ich mir sicher, die Niederlage stand fest. Dafür sprach die psychische Dynamik des Geschehens: Die immer wieder kehrende Chance wurde nicht selbst erarbeitet, sondern war Geschenk. Zudem fehlte es in diesem gesamten Bedeutungsraum MSV Duisburg an Geschlossenheit. An zu vielen Stellen brach die Einheit dieses Vereins immer wieder auf. Ob das nun zwischen Trainer und irgendwem war, ob das nun zwischen Spieler und Fans oder Fans und Vereinsverantwortlichen war. All diese Brüche haben Auswirkungen, und das hat nichts Esoterisches, sondern das sind komplexe psychische Prozesse. Geschlossenheit ist aber nötig, einen mindestens gleichwertigen, wenn nicht besseren Gegner zu bezwingen.

Auf einem anderen Blatt stehen die spielerischen Möglichkeiten der Mannschaft. Ein Sieg hätte nur glücken können, wenn die Mannschaft das Spiel erfolgreich zerstört hätte. Ich hatte vor dem Spiel nie an ein Tor aus kontinuierlichem Spielaufbau heraus gedacht. Ein Konter. Ja! Ein Tor nach einer Ecke. Ja! Ein Schuss, abgefälscht und mit sehr viel Glück ins Tor trudelnd! Ja. Aber zwei solcher Tore? Nein. Mit keiner der drei nun oben platzierten Mannschaften hatte der MSV im direkten Vergleich über längere Zeit spielerisch mithalten können. Deshalb war ich mir sicher, das war das Ende der Aufstiegshoffnungen. Natürlich habe ich dennoch in der zweiten Halbzeit vor dem Bildschirm bei jeder Bewegung in die Hälfte der Augsburger gehofft, ein Glückstor könne fallen und dann vielleicht noch eins. Aber es war so deutlich, dass der MSV Duisburg keine spielerischen Mittel fand, gefährlich vor das Tor der Augsburger zu kommen.

Inzwischen ist die Trauer milder geworden. Manchmal kommt mir der Gedanke an die nächste Saison, dann beginnen Sorgen und ich denke lieber erst einmal an etwas anderes. Manchmal erinnere ich mich auch an die Jahreshauptversammlung am letzten Mittwoch und mache mir immer noch Gedanken, was Dr. Gerd Görtz mit seinem Verhalten zu den Fragen der Beteiligung der MSV KGaA am „Seehaus“ verhüllen wollte. Dann wiederum rücke ich ab vom sportlichen Tagesgeschehen und mache mir ablenkende Gedanken zur Neuorientierung des mittelständischen Unternehmens MSV Duisburg in der Unterhaltungsbranche Fußball, an der dieser Verein nicht vorbei kommt. Die neu zusammengestellte Mannschaft ist nur ein Teil dieser Neuorientierung. Diese Neuorientierung aber ist einen eigenen Text wert.

Brandreden, ein Abschiedsgedanke und Hoffnung auf Platz 3

Mittwochs, tagsüber bin ich dann ohnehin ja jede Woche in Duisburg, aber da war doch noch was am Abend? Die Jahreshauptversammlung des MSV Duisburg. Ich wollte mir ein Bild machen vom Geschehen. Selbst sehen, was Walter Hellmich und seine Kritiker zu sagen haben. Selbst erleben, welche Atmosphäre auf der Versammlung herrscht. Ich kam nicht als Anhänger mit Sorgen um den MSV Duisburg, ich kam als Beobachter mit einem mir selbst gegebenen journalistischen Auftrag.

Noch zwanzig Minuten vor Beginn der Versammlung stand eine Schlange vor dem Einlass der Aula der Gesamtschule an der Westender Straße. 390 Vereinsmitglieder waren anwesend, dazu kamen Medienvertreter und Mitarbeiter des Vereins. Es war so voll, dass ein Teil der Anwesenden stehen musste. Die Frage, wie es mit dem Verein und Walter Hellmich weitergehen wird, war offensichtlich von Interesse.

So eine Jahreshauptversammlung des eingetragenen Vereins lässt Welten aufeinander prallen. Da sitzen Männer in Anzug mit Weste und Krawatte, gleichsam für Business-Tagungsswelten eingekleidet, neben MSV-Fans in Jeans und Sweat-Shirts. Die Mode der Saison für die Best-Ager mit farbigem Pulli ist ebenso zu sehen wie in die Jahre gekommener Ausgehschick der Kleinstadthausfrau. Frauen sind in dieser Vereinswelt zwar keine vereinzelten Wesen, doch ihre Zahl ist überschaubar und sie gehören vor allem zur Gruppe der Fußballanhänger. Die Alten kommen aus Meiderich, und sie haben ihren Breitensport, ob Handball, Turnen oder Leichtathletik, schon im Meidericher SV betrieben. Der neunzigjährige Gerd Hasley ist einer von ihnen, und er wird für seine fünfundsiebzigjährige Vereinsmitgliedschaft von Walter Hellmich geehrt. Beim Gedenken an die Verstorbenen des Vereins findet Walter Hellmich auch persönliche Worte für die Witwe eines Verstorbenen, und es gehört zur Tragik seiner Person, dass ihm solche Momente familiärer Vereinsverbundenheit wirklich am Herzen zu liegen scheinen. Auf mich wirkt es so, als mache gerade dieser Teil seines Selbstbildes ihn so empfindlich gegenüber Kritik, die in deutlichen Worten formuliert wird. In einer Familie gehört sich so ein Umgang nämlich nicht.

Deshalb konnte Walter Hellmich gestern wohl auch nicht anders, als mehrmals gegen seine Kritiker zu wettern. Bot sich ihm ein Anlass, kam ein Satz zum anderen, und es wirkte so, als müsse er für seinen Gefühlshaushalt kräftig austeilen. Klug ist solche Augenhöhe mit manchem seiner Kritiker nicht: Keine Unterscheidungen treffen und ausfallende Worte nutzen. „Schmierereien“ seien das im Internet und von manchem glaubte er sogar, das sei „kriminell“. Auf mich wirkte dieser Ärger und dieses Verrennen in Brandreden nicht so, als reagiere er ertappt. Ich habe wieder den Eindruck, als fühle er sich ungerecht behandelt. Das entschuldigt keineswegs seine Rede, rückt aber sein Handeln für den MSV Duisburg in ein anderes Licht.

Mit dem Blick auf die Entwicklung eines neuen Wir-Gefühls beim MSV Duisburg hätte ich in solchen Momenten ihm liebend gern beruhigend die Hand auf die Schulter gelegt und gesagt, Walter, lass es ruhig angehen. Sag es mir gleich unter vier Augen, und dann sehen wir weiter. Denn es ist bedauernwert, wie dieses Agieren von Walter Hellmich das Bemühen um Aufklärung in anderen Momenten in der Nachbetrachtung untergehen lässt. So wurde in der Aussprache nach dem Bericht des Vorstands etwa auch nach dem Vertragsabschluss mit Hellmich-Marketing gefragt. Walter Hellmich antwortete mit dem bekannten Argument, der Vertrag sei vor seiner Zeit abgeschlossen worden. Schon für einen neutralen Beobachter ist dieses Argument zur Entkräftigung der Vorteilsnahme auf Kosten des Vereins unzureichend. Meine Lebenserfahrung sagt mir, die Verantwortlichen haben sich ja nicht erst nach Vertragsabschluss kennen gelernt, da wird schon auch das ein oder andere Gespräch vorher stattgefunden haben.

Klüngeln muss aber nichts Verwerfliches sein. Damit ich das entscheiden kann, brauche ich weitere Informationen, die nicht den Anschein einer Ausflucht machen. Diese Informationen lieferte in meinen Augen der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende und derzeitige Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Köln-Bonn Artur Grzesiek. Er ergriff das Wort und legte dar, dass es bei den damaligen, nämlich 2002 existierenden Verhältnissen beim MSV Duisburg, von großem Vorteil gewesen sei, diesen Vertrag zu unterzeichnen. Die Verlängerung des Vertrags geschah dann deshalb vorzeitig, weil auch zu diesem Zeitpunkt der MSV Duisburg davon besonders profitierte. Die Entscheidung wurde getroffen, nachdem Vereinen und Marketing-Unternehmen befragt wurden, um das Angebot einzuordnen.

Soll ich das jetzt glauben oder nicht? Artur Grzesiek steht für die Lauterkeit des kritisierten Vertrages mit seiner Person ein. Das ist sehr viel.  Alles, was mir zum Urteil nämlich bleibt, ohne dass ich selbst den Marktvergleich anstelle, ist mein Eindruck von Artur Grzesiek. Ich vertraue ihm – aber nicht nur, weil er als Person mit Renomée über Duisburg hinaus sich für eine positive Bewertung des Hellmich-Marketing-Vertrags einsetzt. Er machte zudem zu keinem Zeitpunkt seiner Ausführungen den Eindruck, als ob die Fragen unstatthaft sind. Er nahm den Fragenden ernst. Betrachtet man die Fragen aber als anmaßend, werden nicht nur Medien wie etwa hier auch die Ruhrbarone immer wieder neue Fragen stellen, wer auf welche Weise von seiner Arbeit für den MSV Duisburg profitiert, ohne dem MSV dafür genug  zu geben.

Kann ich Walter Hellmich noch verstehen, auch wenn ich seine Reaktion nicht gut heiße, so wurde mir der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Gerd Görtz gestern innerhalb einer halben Stunde völlig unbegreiflich. Er hat es geschafft, mich, als unvoreingenommenen Beobachter, misstrauisch zu machen, was er zu verhüllen gedenkt. Als das Thema Beteilung der MSV KG am Seehaus aufkam, kanzelte Dr. Görtz denjenigen ab, der das zur Sprache brachte. Diese Beteiligung sei nicht vorhanden. Auf den Einwand, der MSV hätte doch am Bauzaun gestanden, nimmt Dr. Görtz das nur zum Anlass, den Frager möglichst klein zu machen. Dummerweise bestätigt wenig später eine Frau die Beobachtung, ganz sicher habe am Bauzaun MSV gestanden. Darauf wird nicht eingegangen. Erst als der frühere Mitarbeiter des MSV Arnold Nitzki sich zu Wort meldet und erneut nach der Beteiligung fragt, klärt nicht Dr. Görtz sondern Walter Hellmich die Sache auf. Tatsächlich sei die MSV KG als Bauträger dort am Bauzaun aufgeführt gewesen. Später hätten die Gesellschafter beschlossen, sich aus dem Projekt zurück zu ziehen. Nun wusste ich nicht mehr, ob diese Auskunft etwas beinhaltet, das sich mir nicht erschließt, weil ich zu wenig Hintergrundwissen habe. Wie diese Information vermittelt wurde, legt mir das nämlich nahe: Es gibt in dieser Angelegenheit etwas, was ich nicht wissen soll. Zu verantworten hat dieses Gefühl Dr. Gerd Görtz durch seinen Umgang mit einem Tatbestand, der nicht aus der Welt zu schaffen ist, weil ihn zu viele Menschen mit eigenen Augen gesehen haben.

Details des Abends finden sich hier im Live-Ticker beim RevierSport. Im MSVPortal empfehle ich zur Lektüre die Beiträge von „Ballaballa“ um 10:22 Uhr und von „Old School“ um 10:38 Uhr. Beide berichten sehr genau, differenziert und geben ihre Wertung erst nach sachlicher Darstellung des Geschehens. Im MSVPortal kommt die Jahreshauptversammlung eher schlecht weg, was ich nicht nachvollziehen kann. Schlecht kann sie doch nur deshalb bewertet werden, weil es die unrealistische Erwartung gab, jemand käme aus dem Nichts um im Handstreich den Vorsitz des MSV Duisburg zu übernehmen. Gleichzeitig würde sich Walter Hellmich mit einem Kniefall dafür entschuldigen, Fehler über Fehler begangen zu haben.

Der Umgang mit so einem Fußballverein ist ungemein emotional. Wäre die Wahl der Aufsichtsratsmitglieder eine rationale Angelegenheit gewesen, hätte eine wie auch immer aussehende Gegenbewegung zu Walter Hellmich auf jeden Fall dafür sorgen müssen, dass Vertreter der Fans und (!) Arnold Nitzki in den Aufsichtsrat gewählt werden. Wenn da kritisch kontrolliert werden soll, muss jemand gewählt werden wie Nitzki mit seinem Wissen, das er sich über Jahre auf der – sagen wir mal – Gegenseite erworben hat. Er wurde nicht gewählt. Er wurde fünfter, weil Fans glauben, ihre Interessen würden besser durch drei Männer aus ihren Reihen wahr genommen. Das ist nicht rational. Das ist emotionales Handeln. Ich bewerte das nicht. Ich will nur darauf hinweisen, auch jemand, der Walter Hellmichs Arbeit für den MSV Duisburg als nicht mehr konstruktiv bewertet, kennt nicht kraft seiner Kritik den einzigen und wahren Schlüssel für den Erfolg des Vereins.

Ich sehe also lieber dorthin, wo mir eine positive Entwicklung auffiel. Es gab zunächst auf der Vorstandsebene eine Annäherung an die Kritiker, die ebenfalls durch die Rundumschläge von Walter Hellmich schon vergessen ist. Die Ausführungen von Roland Kentsch ließen einen anderen Ton anklingen. Sicher, er ist Angestellter des Vereins und deshalb wird man von ihm auch nur das hören, was aus Vorstandssicht abgesegnet ist. Doch mir geht es um die Anerkennung der Kritik, die in seinen Ausführungen implizit deutlich wurde, betonte er doch die Leistung von „Hellmich Marketing“, indem er sie einzuordnen versuchte. Auf solches Reden muss Bezug genommen werden.

Mir ist nicht klar, was die Alternative zum gestrigen Verlauf des Abends hätte sein sollen. Die Finanzsituation kam zur Sprache. An dieser Situation als solcher wäre durch nichts etwas zu verändern gewesen. Daran ist nur in Zukunft etwas zu ändern mit dem Nitzki-Wort, nicht mehr ausgeben als einnehmen. Was nicht einfach ist, wenn sportlicher Erfolg gefordert wird.

Ich versuche zu verstehen, was die Unzufriedenheit der Kritiker über das aktuelle Verhalten von Walter Hellmich und Dr. Gerd Görtz hinaus ausmacht. Ich bin mir nicht sicher, was nicht zur Sprache kam. Stand da mit dem Hinweis auf die Deckungslücke von etwas mehr als 3 Millionen Euro etwas Raum, was ich nicht verstanden habe? Gab es die konkrete Frage, wie man sie schließen will und niemand hat geantwortet? Ich weiß das nicht (mehr), und ich weiß nicht mal, ob sich daran die Unzufriedenheit wirklich fest macht. Walter Hellmich sagte, er werde in nächster Zeit in Abstimmung mit allen, die dem Verein gewogen sind, nach einem Nachfolger suchen. Wie sollte es anders gehen? Da denke ich ganz pragmatisch. Anders geht es nur, wenn jemand von sich aus großes Interesse daran hat, diese Aufgabe auf sich zu nehmen. Also, warum diese Unzufriedenheit.

Ich erkenne in der Vergangenheit zwei grundsätzliche Kritikpunkte: Zum einen der Vorwurf Walter Hellmich profitiere wirtschaftlich vom Verein mehr als der Verein von Walter Hellmich. Das vermag vermag ich nicht zu erkennen, oder anders formuliert, die Argumentation von für und wider geht in betriebswirtschaftliche Details, in die ich mich erst einarbeiten müsste. Dazu fehlt mir diez Zeit. Der andere Kritikpunkt ist die Darstellung des Vereins nach außen hin und der Umgang zwischen Fans und Verantwortlichen. Da liegt tatsächlich einiges im Argen, aber auch dafür gibt der gestrige Abend Anlass zu Hoffnung. Zum einen wurden zwei Männer in den Aufsichtsrat neu gewählt, deren Verbindung zum Verein ihr Fantum ist. Zum anderen wirkt Roland Kentsch auf mich wie ein geeigneter Kommunikator der Interessen des Vereins- wohl wissend, was ihm gerade wegen dieser Fähigkeiten in Bielefeld nachgesagt wird. Da könnte also ein zartes Pflänzlein neues Wir-Gefühl sprießen. Und noch eins gilt es festzuhalten, der für etwas mehr als einer Stunde anwesenden Mannschaft des MSV Duisburg wurde die Hoffnung mit auf den Weg gegeben, sie möge in Augsburg gewinnen. So fand auf der Jahreshauptversammlung sogar auch noch die leise Hoffnung auf den Aufstieg ihren Ausdruck.


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