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Und das noch: Vertragslaufzeiten damals und heute

16 Jahre sind eine lange Zeit. Diese 16 Jahre hat es gedauert, um die Folgen einer Entscheidung vom damaligen Vorstand des MSV Duisburg zu bewältigen. 1999 befand sich die Führung des MSV Duisburg in einer Übergangszeit. Dr. Hans Spick war noch Vorsitzender des MSV und der heutige DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock wusste wahrscheinlich schon, dass er im Frühjahr 2000 dessen Nachfolge antreten würde. 1999 war das Jahr, in dem der Vorstand des MSV Duisburg dem damaligen sportlichen Leiter des Vereins, Gerd Merheim, keinen langfristigen Vertrag anbot.

Geschichtsschreibung ist immer auch die Suche nach den Verbindungen der Gegenwart mit der Vergangenheit, und Geschichtsschreibung ist immer auch Deutung. In meiner Geschichte des MSV Duisburg gibt es diese Entscheidung des Vorstands vom MSV Duisburg, die den sportlichen Erfolg in den drei Spielzeiten nach dem Bundesligaaufstieg 1996 ans Ende brachte. Gerd Merheim verließ 1999 den MSV Duisburg. Mit ihm verlor der Verein jene Kompetenz, mit der bis dahin die Zusammenstellung erfolgreicher Mannschaften gelang.

Der MSV stieg wieder ab. Mehr als Mittelmaß in der 2. Liga schien nicht mehr möglich zu sein. Finanzielle Schwierigkeiten wurden größer. Walter Hellmich betrat als vermeintlicher Retter und Erneuerer des Vereins die Bühne. Zwei Aufstiege waren Zwischenhochs, die das mit der Finanzierung des neuen Stadions und des Fußballbetriebs einhergehende hohe Risiko vergessen machten. Dann war die 2. Liga doch wieder da. Die finanzielle Katastrophe rückte immer näher. Der Rest der Geschichte liegt noch nicht so lange zurück. Dem Zwangsabstieg folgte im Mai die  Rückkehr in die 2. Liga, die nun nicht mehr Bedrohung sondern Möglichkeit zur Konsolidierung ist nach Schuldenschnitt und Stadionmietenlösung samt neuer Stadiongesellschafterstruktur. Meine Geschichte des MSV Duisburg hat eine  zugespitzte Perspektive.

Diese Zuspitzung unterstreicht die Bedeutung, die der Verlängerung des Vertrags vom MSV Duisburg mit Ivo Grlic zukommt. Bis 2020 erhält er als Sportdirektor die Möglichkeit, seine Vorstellungen umzusetzen und Mannschaften zu entwickeln. Weil sich der Fußball so sehr verändert hat, ist diese lange Vertragslaufzeit heute wohl mehr ein Anliegen des Vereins als von Ivo Grlic. Er hat seine Arbeit so gut gemacht und die Geschichte des MSV Duisburg hat so viel überregionales Interesse erregt, dass sein Name mit Sicherheit von einigen Funktionären in Fußballdeutschland vorsichtshalber notiert wurde. Die Kontinuität nun ist ein Wert an sich. Entwicklung braucht Zeit. Entwicklung ist notwendig für sportlichen Erfolg. Für das Erkennen, wie wichtig längere Vertragslaufzeiten sind, brauchte es 16 Jahre. Ivo Grlic bisherige Arbeit gibt Anlass zur Hoffnung, dass die Entwicklung hin zu weiterem sportlichen Erfolg dann doch weniger Zeit in Anspruch nimmt.

Zukunft durch Vertrauen

Fast könnte man vermuten, die Duisburger Sportjournalisten hätten sich zu einem Bündnis „Zukunft durch Vertrauen“ zusammen geschlossen. Liest man die Berichterstattung nach den ersten Eindrücken vom Training des MSV Duisburg unter Milan Sasic, so bemerke ich in den Artikeln über den Verein aller Vereine eine sehr grundsätzliche Bereitschaft, sich auf die Arbeit dieses Trainers zu verlassen.

Wann hat es das zuletzt gegeben, dass in einem Artikel über ein Training den Lesern das Gefühl vermittelt wurde, hier weiß ein Trainer ganz genau, was er tut? So zeigt dieser Artikel auf Der Westen einen Milan Sasic, der gewissenhaft und konzentriert mit der Mannschaft arbeitet. Er macht das aber eben nicht wie ein noch in der Überschrift des Artikels auftauchender „Feldherr“ per bellendem Befehl  sondern mit den Mitteln einer nachfragenden Pädagogik. Mit so einem Artikel nimmt das öffentliche Bild von Milan Sasic in Duisburg Konturen an. Nun kann ich auf dem Platz den gerechten Vater schon viel besser erkennen. Dieser Vater sieht genau, wo es bei seinen Schützlingen hapert.

Im RevierSport betont Milan Sasic zudem: „Ein Wir-Gefühl braucht Regeln„, und schon erleben wir neben dem belehrenden, gerechten Vater auch noch den Bewahrer des sozialen Zusammenhalts. Deutlicher an das Publikum richten sich die Artikel in der Rheinischen Post. Doch auch wenn es dort heißt:  „Der Trainer kann keine Wunder vollbringen“ und „Viel Arbeit bis zum Fürth-Spiel„, so klingen die Worte in den Artikeln selbst viel hoffnungsvoller als es die Überschriften vermuten lassen.

Auf diese Weise entstehen Grundstimmungen im Umfeld, die nicht durch jede Niederlage irritiert werden. An so einer Stelle müsste der MSV Duisburg seine Marketingarbeit verstärken – bei der öffentlichen Wahrnehmung der eigentlichen Arbeit im Verein, dem Fußballspiel und dem Training. Das als Tip für ein nächstes Mal, um nicht noch einmal Geld für beliebigen und wirkungslosen Aktionismus samt Werbersprachenklischees aus dem Fenster zu schmeißen.

Die Aktion „Zukunft durch Vertrauen“ kann auch auf meine Mithilfe zählen, und da ich bislang noch kein Training gesehen habe, muss ich es für heute bei einem ideellen Zeichen belassen und auf ein gutes Omen hinweisen, das bislang noch nicht recht gewürdigt wurde. Mit Fuat Kilic hat der MSV Duisburg  nämlich nun einen Co-Trainer in den eigenen Reihen, der bis zum Sommer letzten Jahres als Lehrbeauftragter an der Deutschen Sporthochschule Köln tätig war. Was mich sofort an die letzte große Zeit des MSV Duisburg während der 90er Jahre erinnerte. Diese Zeit ist für mich nicht nur mit dem Trainer Friedhelm Funkel verknüpft. Als sportlicher Leiter arbeitete seinerzeit Gerd Merheim beim MSV Duisburg. Gerd Merheim aber war ebenfalls zuvor als Lehrbeauftragter an der Deutschen Sporthochschule Köln tätig. Wenn es seit Ende der 90er Jahre bereits einen dritten Mitarbeiter des MSV Duisburg mit vorherigem Lehrauftrag an der Deutschen Sporthochschule gegeben hat,  könnte dieser Lehrauftrag vielleicht doch kein vorausdeutendes Zeichen sein. Aber sonst …

Für mich begann jedenfalls nach dem Weggang von Gerd Merheim die unstete Arbeit der letzten Jahre. So weit ich mich erinnere, verließ Gerd Merheim den MSV Duisburg, weil der damalige Vereinspräsident Helmut Sandrock ihm keinen längerfristigen Vertrag anbot. Helmut Sandrock ist längst als Funktionär beim DFB  angekommen und erregt zurzeit bei Vertretern des Amateurfußballs einigen Unmut. Aber das ist eine andere Geschichte.


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