Posts Tagged 'Gerrit Wegkamp'

Ein 3:0 nach dem Zwiebelprinzip: Unter der Souveränität die Lage Glück

Englische Wochen haben es in sich. Große Lust verspüre ich nicht an diesem Donnerstagmorgen, über das gestrige Spiel des MSV Duisburg gegen SV Elversberg zu schreiben, besonders weil der Sieg souverän und gleichzeitig auch glücklich war. Wenn beides zutrifft, muss einiges erklärt werden. Aber wie gesagt, eigentlich ist mein Kopf nicht frei für einen gründlich erklärenden Spielbericht. Eigentlich steht heute Aufbauschreiben für die Wochenendbegegnung an, vielleicht noch ein paar Lockerungsübungen in Sachen Heimatlied – Sektion Duisburg, aber doch nicht Gedanken zu einem Spiel, das mit einem sehr frühen Kopfballtor durch Tanju Öztürk in der 2. Minute begann und dann für ungefähr weitere 55 Minuten  sich so anfühlte, als sei es den Spielern des MSV Duisburg gestern genauso gegangen wie mir heute.

Nach diesem frühen Führungstor wollten die Zebras nicht viel riskieren, sie wollten den Einsatz in Grenzen halten und das Spiel dennoch kontrollieren. Was wirklich nicht schön anzusehen war, weil zu so einer Spielkontrolle die nötige Ballsicherheit beim Spiel nach vorne vollends fehlte. Das führte in der Offensive zu großem Gewurschtel, unpräzisen Pässen, ergebnislosen Einzelaktionen und dem Ball abgeben an den Gegner. Der Elversberger Spielaufbau wurde dann in deren Hälfte halbherzig angelaufen. Mir fehlt gerade das passende Wort. Stören möchte ich das nicht nennen, Pressing darf jeder völlig vergessen. Wie gesagt, das wäre nicht weiter schlimm gewesen, wenn die Defensive in der eigenen Hälfte souverän gestanden hätte. Da aber die Sicherheit der Defensive bei solch einer Spielweise  besonders mit der Qualität der Offensive zusammenhängt, war absehbar, dass die Elversberger zu ihren Chancen kommen würden. Die Mannschaft erwies sich als abschlussschwach, zudem kam bei einem Pfostentreffer in der zweiten Halbzeit Pech dazu. Oder war es die Latte?

Ihr seht, ich knüpfe an die Mannschaftsleistung an, Unsicherheiten und Fehler durchzogen das Spiel. Die Konsequenz war großer Unmut auf den Rängen. Das Pfeifkonzert zur Halbzeitpause trotz Führung machte deutlich, das Duisburger Publikum ist mit Ergebnisfußball momentan nicht zufrieden. Ich machte keine Ausnahme, obgleich ich Pfiffe zu diesem Zeitpunkt für verfehlt hielt. Aber auch Fans sind manchmal hilflos wie die Spieler und greifen auf unpassende alte Schlager des Unmuts zurück wie „Wir woll’n euch kämpfen sehen“. Wenn eines sicher ist, die Spieler kämpfen. Die Schwierigkeiten dieses Mal lagen in dem notwendigen Aufbauspiel bei einer solchen Spielanlage in der Defensive.

Als Karsten Baumann dann in der 60. Minute etwa Patrick Zoundi für Gerrit Wegkamp einwechselte, gab es endlich das Ventil für allen Unmut. Pfiffe, „Baumann raus“ und Sprechchöre für Gerrit Wegkamp. Ein großer Teil des Duisburger Publikums hält Karsten Baumann für den Schuldigen an der Spielweise. Ihr merkt, ich gehöre nicht dazu. Natürlich ist er verantwortlich mit seinen Vorgaben für die Spielweise. Ich ärger mich auch und wenn ich mich beruhigt habe, überlege ich, welche Alternative es gibt. Ich sehe keine. Ich glaube nicht, dass ein anderer Trainer erfolgreicher mit der Mannschaft gewesen wäre. Ich sehe aber auch, solche Überlegungen spielen keine Rolle mehr. Es geht nicht mehr alleine um den Erfolg. Es geht um Spielkultur. Es geht um die Entwicklung der Mannschaft. Wahrscheinlich fehlen  zwei, drei Spieler für diese Entwicklung.

Natürlich hat sich Karsten Baumann bestätigt gefühlt, als Patrick Zoundi nicht nur die Angriffe des MSV Duisburg sofort gefährlicher machte, sondern bald auch durch sein konsequentes Nachgehen das 2:0 erzielte. Andererseits beweist diese Einwechslung gleichzeitig auch nicht viel. Patrick Zoundi kommt meist in dieser Spielphase und nicht immer ist er so erfolgreich. Nicht alles ist eben so eindeutig, wie es auf den ersten Blick scheint, ob nun positiv oder negativ über Karsten Baumann geurteilt wird. Ich vertraue auf Ivo Grlics Urteil über die grundsätzliche Qualität von Karsten Baumanns Arbeit. Es ist aber auch klar, die Mannschaft und damit Karsten Baumanns Arbeit wird von vielen MSV-Zuschauern in den nächsten Spielen nicht nur an den Ergebnissen gemessen.

Das dritte Tor wurde zwar ebenfalls durch Patrick Zoundi erzielt, der Beifall muss aber vor allem Phil Ofosu-Ayeh gelten, der in der 79. Minute bei einem Konter noch einen Sprint samt Ball über das ganze Spielfeld hinlegen konnte, ohne dass ihn ein Gegenspieler einholte. Zudem behielt er an der Strafraumgrenze den Überblick,  um quer auf Zoundi abzulegen. So wirkt der Sieg souveräner, als er war. Glück gehörte besonders zu Beginn der zweiten Halbzeit hinzu, als die Elversberger ihre Abschlussschwäche zu überwinden begannen.

Tanju Öztürk und Phil Ofosu-Ayeh mit Kommentaren nach dem Spiel

 

Schon im ersten Jahrhundert muss Epiktek MSV-Fan gewesen sein

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Foto: Hajo Schneider

Nichts da! Wer sich auf Karnevalsfeiern gar von Rabaue-Stücken nicht aus der Bahn werfen lässt, dessen Laune wird auch von Fußballspielen wie dem des MSV Duisburg gegen den SV Wehen Wiesbaden mit seinem 0:0 als Ergebnis nur kurz beeinträchtigt. Allenfalls für einen Moment stand gestern kurz vor vier die Qual des Zuschauens mir noch ins Gesicht geschrieben. Dann aber begann ich schon, das Spiel zu drehen und zu wenden. Das Gute im Schlechten sehen! Wer, wenn nicht wir in Duisburg, kann Kalendersprüchen zur ewigen Gültigkeit verhelfen? Nicht die Dinge selbst sind es, die uns berunruhigen, sondern die Meinungen, die wir uns von den Dingen machen. Hättet ihr gedacht, dass es schon in der Antike MSV-Fans gab? So viel Tradition beim Traditionsverein könnte den ein oder anderen potentiellen Sponsor vielleicht beeindrucken. Brauchen nicht irgendwelche Unternehmen, geführt von Dale-Carnegie-Jüngern, ideologiekonforme Aufmerksamkeit?

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Fotos von kostümierten Fans heben übrigens auch die Stimmung. Und Plaudern – so merke ich gerade – hilft, über das hinwegzukommen, was gestern zu sehen war. Vielmehr was nicht zu sehen war. Bewegung etwa im Spiel des MSV, Kombinationen von mehr als nur zwei Spielern. Tore! Aber gerade bei den Toren sehen wir auch das Gute des Spiels. Trotz einer unglaublich schlechten Mannschaftsleistung in der ersten Halbzeit geriet der MSV Duisburg nicht in Rückstand. Schließlich hat es die Zebras in dieser Saison noch nicht davon abgehalten, ein Tor hinzunehmen, obwohl der Gegner aus dem Spiel heraus keine Torgefahr entwickelte. Es gibt ja noch Freistöße und Ecken. Wenn wir uns das also einmal ganz bewusst machen, sollte sich allmählich etwas Entspannung in euch ausbreiten.

Man muss dann natürlich  darüber hinwegsehen, dass durch das Unentschieden zur Halbzeitpause viele von uns sogar für einige Zeit auf einen Sieg hofften. Wir dachten schließlich, unsere Zebras zu kennen. Eine Halbzeit spielen sie schlecht bis sehr schlecht, die andere Halbzeit aber zeigen die Spieler, was sie können. Gestern strengten sie sich dann nur noch mehr an. Das erinnerte an das Spiel gegen Dortmund. Die Mannschaft bemühte sich und erreichte nicht viel. Wenn dann keine der wenigen ungefähren Chancen zum Tor führt, stellt sich irgendwann dieses lähmende Gefühl ein, sich vergeblich anzustrengen. Es ist mit eines der unangenehmsten Gefühle im Mannschaftssport. Jeder denkt, er gibt alles und versteht nicht, warum die eigene Mannschaft dennoch schlecht spielt. Man sah die Hilflosigkeit den Spielern zuweilen an. Pierre De Wit schien bei manchem Fehlpass und -schuss erst einmal im Rasen einsinken zu wollen. Markus Bollmans hob immer wieder ratlos die Arme. Kevin Wolze suchte gerne das Gespräch mit dem Gegner. Jeder hat eben seine eigene Methode mit dem Frust umzugehen.

2013-03-01_Msv-wiesbaden_karneval 008webEine Szene des Spiels wurde für mich zum Sinnbild der 90 Minuten. Hat man sie gesehen, hat man das ganze Spiel gesehen. Ich weiß nicht mal mehr, ob es in der ersten oder zweiten Halbzeit war, ob ich also Defensiv- oder Offensivaktion sah. Von der KöPi-Tribüne aus gesehen bewegte sich das Spielgeschehen komplett in der linken Hälfte des Spielfelds. Ein Spieler des MSV schlug den Ball an allen Spielern vorbei in die rechte Ecke. Nahezu gleichzeitig sprinteten Phil Ofosu-Ayeh und ein Wiesbadener Spieler dem Ball hinterher. 2013-03-01_Msv-wiesbaden_karneval 003webOb der Duisburger den Ball vor dem Toraus erreicht, war fraglich. Im letzten Moment grätschte er dann den Ball vor Toraus und Gegenspieler ab. Der Ball rollte parallel zur Außenlinie. Doch nur Gerrit Wegkamp hatte die Spielbewegung mitgemacht. Er alleine war zur Außenlinie gelaufen, um anspielbereit zu sein. Und erst kurz bevor er den Ball annahm, bewegte sich der Rest der Mannschaft, um die immense Lücke zwischen linker und rechter Spielhälfte zu füllen.

Das war das Spiel des MSV Duisburg zu einem großen Teil der Zeit: Neun Spieler warten darauf, was der Spieler mit dem Ball gerade anstellt. Bleibt noch einer, der versucht, sich frei zu laufen. Das reichte nicht, um eine eng stehende Defensive zu überwinden. Immer wieder zeigte sich, dass die Spieler oft gedanklich nicht schnell genug sind. Sogar Michael Ratajczak schien bei einem Rückpass oft einen Moment zu lang zu warten, bis er das machte, wozu er sich längst entschlossen hatte, den Ball weit nach vorne zu schlagen.

Alles wird gut Foto: Hajo Schneider

Alles wird gut
Foto: Hajo Schneider

Ihr merkt, beim Drehen und Wenden des Spiels bleiben nur wenige Meinungen über Dinge, die uns zu guter Laune verhelfen. Die Spielweise von Gerrit Wegkamp gehörte für mich noch einmal dazu. Vielleicht hat das aber auch damit zu tun, dass sie noch immer neu und frisch für mich ist und ich sie deshalb unabhängig von der Mannschaftsleistung schätzen kann. In der Summe haben sich meine wenigen guten Meinungen von dem Ding „MSV Duisburg gegen den SV Wehen Wiesbaden“ aber gelohnt. Sonst hätte ich nicht schon vor dem Stadion wieder zuversichtlich in die Zukunft blicken können. Eine gewisse Grundentspannung war auch nötig, weil im Zug zurück nach Köln eine Gruppe Dortmunder Bienen mittleren Alters einige Aufmerksamkeit des Großraumwagens in Anspruch nahm. Dann kann man auch problemlos helfen und schnell antworten, wenn verirrte Bienen laut nach ihrem Schwarm fragen. In dem Sinne, weiter schöne Karnevalstage. Alaaf und helau!

Die Pressekonferenz nach dem Spiel sowie die Stimmen von Kevin Wolze und Sascha Dum.

Und wer es sich unbedingt noch einmal antun möchte, der Spielbericht. Ich habe ihn mir noch nicht angesehen.

Zwischen Fastelovend und der Fußballnormalität mit Hausverbot sowie Kentsch

Zwei Parallelluniversen begegnen sich in diesen Tagen des Straßenkarnevals jedes Jahr aufs Neue in meinem Leben. Sie bewegen sich in unterschiedlichem Tempo. Wenn in der Karnevalswelt trotz immer wieder neuen Erlebens die Zeit gleichsam still steht, nimmt die Welt des Fußballs ihren normalen Lauf. Die armen Frankfurter mussten sogar gestern Abend richtig arbeiten und sind nicht mal als Entschädigung für die Karnevalsabstinenz eine Runde weitergekommen. Ich hoffe für mich und den MSV, wenn international, dann sofort Champions League. Ein Pflichtspiel am Weiberfastnachtstag entspricht nicht meinen Vorstellungen von einem zufriedenstellenden Leben.

Schon in der Vergangenheit musste ich immer einige Mühe darauf verwenden, mein verdoppeltes Leben als Jeck und MSV-Fan wenigstens zum Spieltag hin mit ihren beiden unterschiedlichen Geschwindigkeiten in Einklang zu bringen. Doch in diesem Jahr überfordert mich die Fülle unterschiedlicher Meldungen zum MSV geradezu. Wie soll ich, dem die Veedels-Feier-Lieder noch im Ohr klingen, sinnvolle Sätze zu gleich zwei bis drei gewichtigen Themen beim MSV Duisburg schreiben? Und da ist das Spiel gegen den SV Wehen Wiesbaden noch gar nicht dabei. Das geht heute nur begrenzt. Karneval bringt auch mich in einen Ausnahmezustand, und  Hausverbote im großen Zusammenhang einzuorden wird mir heute zu viel. Da reicht ein: Gut gemacht, MSV Duisburg! Der Verein reagiert auf die unterschiedlichen Vorfälle am letzten Samstag bei An- und Abreise von MSV-Fans nach Dortmund mit einem deutlichen Zeichen. Zudem wird in der Pressemitteilung das weitere Vorgehen erläutert.

Weil ich online von dem Hausverbot noch nichts gefunden habe, hier die Pressemitteilung vom MSV Duisburg im Wortlaut.

Der MSV Duisburg hat nach den Ausschreitungen sogenannter „Fans“ auf der An- und Abreise zum Auswärtsspiel der Zebras am Samstag, 22. Februar 2014, bei Borussia Dortmund 21 Hausverbote ausgesprochen. Diese Hausverbote gelten vorerst für das Heimspiel des MSV gegen den SV Wehen Wiesbaden am Samstag, 1. März 2014.

„Ob diese Hausverbote danach in bundesweite Stadionverbote ausgeweitet werden, entscheidet der DFB“, erklärte Michael Meier, Sicherheitsbeauftragter des MSV; über Vorfälle auf Reisewegen darf allein der DFB urteilen.

Ob darüber hinaus weitere Randalierer durch Stadionverbote vom MSV fern gehalten werden können, sollen weitere Auswertungen der umfangeichen Videoaufzeichnungen und Unterlagen der Polizei zeigen. Meier: „Wir arbeiten dabei wie in der Vergangenheit eng zusammen!“

Der MSV distanziert sich erneut von allen Personen, die Fußballspiele als Plattform für Gewalt, Rassismus und Diskriminierung nutzen. Der MSV verdeutlicht in seinem Leitbild u.a.: Als Zebrafamilie, mit all unserer Vielfalt, sind wir weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus bekannt. Wir halten zusammen, insbesondere in schweren Zeiten.
Integration wird von uns gelebt. Respekt und Toleranz prägen unseren Umgang miteinander.

Wir fordern erneut alle unsere Anhänger auf, gemeinsam mit dem MSV gegen Gewalt, Diskriminierung und Rassismus aufzutreten und bei und rund um unsere Spiele weiter so fröhlich und begeistert Streifen zu zeigen, wie Duisburg das im vergangenen Sommer gezeigt hat!

Aber das ist noch nicht alles. Kaum feier ich mal Karneval, gibt der Sportjurist Christoph Schickhardt  dem Kicker ein Interview, in dem er auf die Entscheidung des DFB zu sprechen kommt, dem MSV Duisburg keine Spiellizenz für Liga 2 zu erteilen. Er ist der erste, der klar sagt, alleine Roland Kentsch ist verantwortlich für den Entscheid des DFB. Die Finanzen hätten keine Rolle gespielt, formale Fragen hätten geklärt werden müssen.

Nun frage ich mich allerdings, welchen Einblick Christoph Schickhardt in das Verfahren hatte, um diese Einschätzung geben zu können? Wer war im Sommer nochmals Rechtsbeistand vom MSV Duisburg in dem Berufungsverfahren? Suche ich jetzt nicht, und sag im Vorgriff auf Dienstag, der Nubbel ist schuld. Mein juristisches Laienverständnis sieht manche formale Frage eng verknüpft mit dem vorgelegten Finanzplan. Wir erinnern uns an das vertraglich festgehaltene Mitbestimmungsrecht von Walter Hellmich bei der Abberufung des Geschäftsführers. Dass sich diese formale Frage nicht ohne Beschäftigung mit den Finanzen hätte klären lassen, liegt auf der Hand. Was Roland Kentsch natürlich nicht aus der Verantwortung entlässt, sondern nur den Begründungszusammenhang ein wenig komplexer macht. Sprich: Mein Laienverstand sagt, wer auf der sicheren Seite sein will, muss argumentativ nachlegen. Aber Rechtssprechung soll ja für Eindeutigkeit sorgen, und vielleicht brauchen Juristen im Nachhinein nur die Sätze des Vertrags und nicht die dahinter stehende Vorgeschichte, wie es zu den Sätzen kam.

In den Zusammenhang, aber natürlich längst eigenes Thema, gehören die Finanzen beim MSV Duisburg als Voraussetzungen zur DFB-Lizenz für die 3. Liga in der kommenden Saison. Ob eine dieser nötigen Voraussetzungen dann noch Schuldenschnitt heißen wird, sei dahin gestellt. Ohne die erneute Hilfe von Gerald Kassner und Schauinsland Reisen ließ sich jedenfalls das beim Schuldenschnitt aufgetauchte Problem der Gleichbehandlung aller Gläubiger nicht lösen. Schuldenkauf, ist das bei WAZ/NRZ genannte Stichwort. Nächste Woche mehr dazu.

Fußball gespielt wird schließlich auch noch. Gerrit Wegkamp begleitet dieses Mal Karsten Baumann auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen SV Wehen Wiesbaden. Wir hören vom Trainer, wieder geht es am Samstag gegen einen Gegner, dessen Konterspiel gefährlich ist. Was schon vor dem Spiel gegen den BVB die Ausgangslage war. In Dortmund hatte der MSV diese Stärke des Gegners einigermaßen kontrollieren können. Mir wäre also auf der PK mal wieder auch ein Wort zur besonderen Gefahrenlage bei Standards lieb gewesen. Einfach für et Hätz un Jeföhl. Für Stimmungen bin ich nämlich momentan noch anfälliger als sonst. Aber seht selbst.

Nun muss ich mich bei so viel Rasanz im Geschehen rund um den MSV Duisburg erstmal wieder aufs Lebenstempo hier vor Ort entschleunigen. Mach ich mit dem dazu passenden Motto-Karnevalspop von Cat Ballou. In dem Sinne noch einmal: „Alaaf!“ und „Helau!“. Wir sehen uns morgen im Stadion. Narrenkappe meines Großvaters wird das nötige Glück bringen. Ich hoffe zudem auf kreative Fankostüme. Den Spielbericht über einen Sieg mit Fotos anzureichern ließe ich mir vor dem Veedelszoch am Karnevalsonntag gefallen.

Prinz Gutti I. macht den Unterschied

Einmal Prinz zu sein, gehörte bislang weder in Duisburg noch in Köln zu meinen vorrangigen Lebenszielen.  Aber wer weiß, welche Zufälle mir noch begegnen? Deshalb habe ich mir nach dem Spiel des MSV Duisburg gegen Rot-Weiß Erfurt erstmal die Kontaktdaten von Prinz Gutti I. rausgesucht und gut beiseite gelegt. Jedem anderen mit Ambitionen zur Narrenregentschaft in Duisburg sei dasselbe empfohlen, um die Pflichtaufgabe des Stadionbesuchs beim Erfahrungsaustausch mit dem diesjährigen Prinzen gut vorzubereiten. Denn es war Prinz Gutti I., der den Fluch des Regentenbesuchs gebannt hat, mehr noch, er wurde zum Glücksbringer. Denn auch wenn der MSV Duisburg viel für den 3:2-Sieg gegen Rot-Weiß Erfurt getan hat, und  „unverdient“ in dem Fall keine Standardkommentar-Karriere machen wird, einiges Glück war dennoch unbedingt notwendige Zutat zur Leistung aller Spieler im Zebra-Trikot.

Eigentlich ging das Spiel des MSV Duisburg in den ersten zwanzig Minuten gut an. Trotz der erwarteten kompakten Erfurter Defensive ergaben sich für die Zebras Chancen. Vor allem fand das Spiel  fast auschließlich in der Gäste-Hälfte statt. Kevin Wolze schoss nach wenigen Sekunden Spielzeit knapp am Tor vorbei, Tanju Öztürk kam etwas später zum Kopfball und zielte dafür auch etwas weiter daneben. Der Mannschaft gelangen Kombinationen auf engem Raum rund um den Strafraum. Die Hoffnung auf weitere Torchancen hatte durchaus Berechtigung.

Doch bei der Spielvorbereitung muss sich das Trainerteam der Erfurter über eine entscheidende Schwachstelle im Spiel der Zebras intensiv Gedanken gemacht haben. Der MSV braucht bei ruhenden Bällen oft recht lange, um wieder spielbereit zu sein. Eine Mannschaft, die den Ausball schnell einwirft oder den Freistoß im Halbfeld ohne Zögern ausführt, kann sich einige mühselige Angriffsarbeit zur Raumöffnung sparen. Erfurt war die erste Mannschaft, die das konsequent ausnutzte. Die großen Erfurter Chancen der ersten Halbzeit sowie das Führungstor ergaben sich aus schnell ausgeführten Spielaktionen nach Schiedsrichterentscheidungen für die Gäste.

So machten sich die Zebras einmal mehr das Leben selbst schwer. Die Erfurter warteten in der 24. Minute einfach nicht mit dem Einwurf, bis sich alle beim MSV auf die kommende Defensivarbeit gedanklich eingestellt hatten. Der Weg zum Tor von Michael Ratajczak war frei, und schon trudelte der Ball nach einem Lupfer Richtung Torlinie. Kurz keimte Hoffnung auf, der zur Torlinie kommende Christian Eichner könne den Ball noch wegschlagen. Gleichzeitig gab es diesen heransprintende Erfurter Spieler. Hoffen und Bangen!  Die Zeit stand still, damit die ersehnte Rettungstat geschähe. Nur keinen Querschläger! Doch das Rettende blieb fern, Christian Eichner wartete. Worauf, war nicht zu erkennen. So rannte der Erfurter Patrick Göbel kurzerhand mitsamt dem Ball ins Tor am wartenden Eichner vorbei. Ein Schock, der die Zebras völlig aus der Fassung brachte. Es dauerte Minuten, ehe sich die Spieler wieder stabilisierten. Zu unserer großen Erleichterung gelang es den Erfurtern in dieser Zeit nicht, ein weiteres Tor nachzulegen. Zwar entfalteten sie weiterhin Druck, doch dauerhaft präzise im Abschluss waren die Gäste dann doch nicht.

Nachdem im Spiel des MSV zumindest wieder Ansätze von Ordnung zu sehen waren, gelangen auch wieder vereinzelte Angriffsaktionen. Einer dieser Angriffe endete in der 36. Minute mit einem Freistoß zentral vor dem Tor in aussichtsreicher Entfernung. Branimir Bajic lief an und schoss, wie man besser nicht schießen kann, zum Ausgleich ins Tor. Zwingend war ein Tor für den MSV in dieser Spielphase nicht.  Was natürlich niemanden bei uns davon abhielt, darauf zu hoffen, die Sicherheit der ersten Spielminuten könnte zurückkehren. Zunächst musste Michael Ratajczak aber mit einem grandiosen Reflex den erneuten Rückstand verhindern, dann erst entfaltete sich nach der Halbzeitpause eine Ahnung vom möglichen Sieg, ohne dass die Zebras noch einmal so spielbestimmend wie zu Beginn werden konnten.

Mit dem Doppelwechsel, Gerrit Wegkamp und Athanasios Tsourakis für Patrick Zoundi und Deniz Aycicek, wurde die Offensivkraft verstärkt und zugleich das Risiko in der Defensive erhöht. Deniz Aycicek hatte bis dahin solide gespielt, etwas unauffälliger als gegen Leipzig, Patrick Zoundi war gut gewesen, hatte sich viele Bälle erlaufen und oft für Unruhe in der Erfurter Defensive gesorgt.  Viel Spielzeit wurde ohnehin nicht im Mittelfeld verbracht. Dort ging es auf beiden Seiten fast das ganze Spiel mit steilen Pässen schnell vorne. Die Alternative dazu waren halbhohe Bälle steil nach vorne. Gerrit Wegkamp versprach mehr Wucht vor dem Tor. Der Mann gefällt mir. Schnörkellos spielend weiß er jederzeit, wie es Richtung gegnerisches Tor geht. In der Nähe des Strafraums zieht ihn das Tor magnetisch an, ohne dass er den Blick für die Mitspieler verliert. So eine Dynamik bei gleichzeitigem Torinstinkt sowie Auge für die Mitspieler hat es beim MSV lange nicht mehr gegeben.

Spielentscheidend war dann der große Auftritt von Prinz Gutti I. von der 66. bis 67. Minute. Er machte unmissverständlich klar, statt des Niederlagenfluchs hatte er Siegesglück mitgebracht. Defensive und Offensive verstärkte sein mitgebrachtes Glück gleichermaßen. Zunächst lenkte es einen freien Schuss der Erfurter nach großem Strafraumdurcheinander an die Latte. Anschließend machte es sich sofort in der Offensive nach einem Freistoß nützlich. Der hoch herein geschlagene Ball tropfte vom Körper eines stehenden Erfurters zum Führungstreffer ins Tor. Verständlich, dass kein MSV-Spieler nach der langen Prinzenbesuchniederlagenserie an so ein Prinzenglück glauben konnte und stattdessen allesamt Kingsley Onuegbu zum Tor gratulieren wollten.

Gefährlich wurde es danach für den MSV Duisburg erstmal nicht. Im Gegenteil, Prinz Gutti I. wollte die Nerven der MSV-Fans beruhigen. Weil Athanasios Tsourakis mit einem seiner Haken-Dribblings sowie dem passablem anschließenden Schuss gute Vorarbeit leistete, brauchte er dieses Mal nur ein Quentchen Glück hinzufügen und schon hob sich das Bein eines Erfurter Abwehrspielers in die Schußbahn, um den Ball für den Torwart unerreichbar abzulenken. 3:1!

Wir gebrannten Duisburger Kinder wussten, so eine Zwei-Tore-Führung verspielen Zebras gerne auch mal kurz vor Abpfiff. Zwar kamen die Erfurter kaum mehr zu kontinuierlichen Angriffen, dennoch überraschte deshalb das zweite Tor der Gäste nach einem Freistoß in der Nachspielzeit wenig. Das kennen wir, so lieben wir unseren MSV Duisburg. Und wenn wir ehrlich sind, schützt so ein spätes Gegentor vor drohender Samstagnachmittagslangweile ohne die Gefahr einer grundsätzlich verdorbenen Laune. Zumal Markus Bollmann anschließend ein breites Repertoire als Eckenherausspieler zeigte. Er nutzte sowohl das gefühlvolle Anspielen der Beine des Gegners als auch den an brachiale Befreiungsschläge erinnernden Schuss aus ein bis zwei Meter Entfernung, der dennoch den Erfurter Spieler berührte, ohne ihn schwerer zu verletzen. Das reichte für den Zeitvertreib bis zum Schlusspfiff.

Gestern Morgen war ich dann übrigens fast versucht, auf der Drittliga-Seite vom Kicker den „Tabellenrechner“ im Menü auch endlich anzuklicken, nachdem ich mehr unbewusst als gezielt meinen Cursor immer mal über den Menüpunkt habe kreisen lassen. Letztlich war mir das dann ein Spieltag zu früh. Das Ergebnis gegen Dortmund wird entscheiden, ob ich uns wie in der Saison 2011/2012 durch meine gar nicht mal allzu optimistische Prognosekraft etwas früher schon zu einem guten Ende der Saison verhelfe.

Bleibt noch die Pressekonferenz sowie die Stimmen von Athanasios Tsourakis, Matthias Kühne und Michael Ratajczak.

Der Spielbericht beim MDR, in dem die Reporter-Sympathie für Rot-Weiß Erfurt die Wertung des Spiels leicht einfärbt.

Radioreporter macht MSV-Aufstieg dringend nötig

Seit gestern weiß ich,  dass ich den MSV Duisburg lieber gestern als heute wieder in der 2. Liga sehen möchte. Vergesst das Geld, was für eine Nebensache gegen die Medienlage. Sehen will ich den MSV, auch wenn ich nicht ins Stadion komme! Dann wäre so eine Radioreportage, wie wir sie uns beim Spiel vom MSV in Chemnitz haben anhören müssen, nur noch der Anlass zur unterhaltsamen Anekdote über eine dunkle Vergangenheit. Wahrscheinlich haben sich die Kollegen vom MDR angesichts akuten Sportjournalistenmangels einfach breit schlagen lassen, auch mal ein Fußballspiel zu kommentieren. Wahrscheinlich sollten wir deshalb mit den gelernten Brauchtumsreportern viel nachsichtiger sein.

Wahrscheinlich sitzen Ronny Maiwald und Alexander Schubert sonst beim „Tag der Sachsen“ in ihrer Sprecherkabine und kommentieren stundenlang vorbeiziehende Fußgruppen in lustigen historischen Verkleidungen. Wahrscheinlich trinken sie sonst beim jährlichen Verbandstreffen der Brauchtumsreporter ihr Bier mit Wicky „De Zoch is ming Ding“ Junggeburth und den SWR-Fassnachtsfachleuten und prahlen damit, wie sie jüngst wieder einen ganzen Tag lang die Zeit kaputtkommentiert haben.  Die haben einfach nicht gewusst, dass selbst ein torloses Fußballspiel eine eigene Spannung mit sich bringt. Wahrscheinlich empfanden sie das Fußballspiel einfach als Brauchtumsumzug ohne festgelegte Wegstrecke und hauten deshalb bei dem Durcheinander vorsichtshalber mal ein paar Dönekes und launige Belanglosigkeiten mehr raus.

Ich habe in diesem dahinplätschernden Dauergeplauder meist nicht mitbekommen, wenn vom Fußballspiel selbst die Rede war. Vorsichtshalber habe ich darum einen Live-Ticker aufgerufen, damit mir wenigstens der aktuelle Spielstand klar war. Als ich die Aufstellung las, kitzelte die Hoffnung auf den Auswärtssieg mächtig. Karsten Baumann wollte der Mannschaft mehr Offensivkraft geben und ließ Gerrit Wegkamp von Anbeginn spielen. Wenn ich nun über das Spiel bei unterschiedlichen Quellen lese, Karsten Baumann auf der Pressekonferenz höre und den dann doch vorhandenen Spielbericht vom MDR sehe, war es mit den Möglichkeiten zum Sieg recht bald schon vorbei. Wir können froh über das Unentschieden sein, und dürfen Michael Ratajcak danken, der einige große Chancen der Chemnitzer zunichte machte. Viel mehr kann ich über das Spiel selbst nicht schreiben.

Es zeigt sich aber einmal mehr, die Mannschaft vom MSV Duisburg kann ihre Leistungen nicht stabil abrufen. Sie spielt nicht sicher genug, um ein Spiel dauerhaft zu gestalten. Darin gleicht sie den meisten Mannschaften der 3. Liga – Heidenheim und Leipzig ausgenommen -, deren spielerische Möglichkeiten vom Spielverlauf abhängig sind.  Tagesform und auch der Zufall entscheiden, welchen Ausgang ein Spiel jeweils nimmt. Deshalb können wir mit diesem Unentschieden zufrieden sein. Zu hoffen ist, dass Christian Eichner sich nicht schwerer verletzt hat. Zu hoffen ist aber auch, dass sich eine Erkenntnis des MDR-Reporters dauerhaft bewahrheitet. Leitmotivisch erkärte er uns ja den entscheidenden Unterschied zwischen der Regensburger und der Duisburger Mannschaft: „Duisburg ist von der Kompaktheit her ein anderes Kaliber.“ Gewonnen hat Regensburg gegen Chemnitz trotzdem, was mich wiederum rätseln lässt, ob wir mit diesem Kaliber nur auf weitere ausbleibende Niederlagen hoffen dürfen oder auf mehr.

Hochgefühle halten lang und länger

Statt fehlender Worte war es fehlende Zeit, die mich heute erst in Erinnerungen an den Samstag schwelgen lassen. Aber so ein Hochgefühl wie nach dem 2:1-Sieg des MSV Duisburg über RB Leipzig lässt sich auch noch einen Tag länger auskosten. Allzu oft war in den letzten Jahren in unserem Stadion so ein ekstatischer Jubel wie nach dem Tor von Kingsley Onuegbu kurz vor Abpfiff nicht zu hören. Was für eine Explosion der Begeisterung! Welch ein Torjubel! Manchmal möchten wir gerne daran glauben, dass irgendjemand die Fäden für so ein Ereignis in der Hand hat. Respekt, würde ich dann sagen, derjenige hat ein hervorragendes Gespür für Dramaturgie und Spannung gewürzt mit einer Prise Moral. An diesem Samstag hatte sich das Geld nicht durchsetzen können.

So ein Jubel entsteht nur, wenn wir alle um unsere Helden bangen; wenn wir lange spüren, wie gefährdet sie sind, wie sehr sie sich mit allem, was sie können und haben für das einsetzen, was sie erstreben. Unsere Helden wollten den Sieg, keine Frage. Aber die Leipziger Mannschaft spielte sehr gut. Wider Erwarten wurde die Hoffnung auf den Sieg früh schon lebendig. Etwas überraschend erzielte Deniz Aycicek nämlich in der 29. Minute die Führung für den MSV. Das Tor verhalf dem Spiel zudem zu einem Moment der Komik. Während in der Mitte vor dem Leipziger Tor Kingsley Onuegbu und Patrick Zoundi nach vergeblichen Schussversuchen sich als Klageduo versuchten, spielte Aycicek einfach weiter und nahm dem Leipziger Abwehrspieler den eigentlich schon geklärten Ball wieder ab.

Nach vorne ging von beiden Mannschaften danach nicht mehr viel Gefahr aus. Schließlich kam die Halbzeitpause, um Atem zu holen. Nach Wiederanpfiff meinten wir uns für kurze Zeit noch mehr beruhigen zu können, weil sich in das Spiel der Leipziger Mannschaft Fehler einschlichen. Die Zebras schienen nicht mehr nur zu reagieren, sie begannen aktiver zu werden. Und wie es sich für eine perfekte Dramaturgie gehört, kommt in genau diesem Moment der Rückschlag. Der Ausgleich fällt und fortan dreht sich alles in die andere Richtung. Nun erarbeiten sich die Leipziger klarere Chancen, die mit ihrer Torgefahr erst jetzt zu der schon in der ersten Halbzeit gezeigten Spielanlage passten. Vor diesen Chancen hatten wir uns schon in den ersten 45 Minuten gefürchtet. Bei uns herrschte nämlich schnell die Meinung, eine bessere Mannschaft hatten wir in dieser Saison in Duisburg noch nicht gesehen.

Das Pressing der Leipziger beindruckte. Die gesamte Mannschaft bewegte sich gemeinsam so, als ob die Spieler weiterhin durch die Hilfsbänder des Defensivtrainings miteinander verbunden waren. Ein ballführender Duisburger stand sofort drei Gegenspielern gegenüber. Das wiederum verweist aber auch auf die Qualität des Duisburger Spiels. Trotz dieses so gut funktionierenden Pressings wurde kontinuierlich versucht, den Ball im kontrollierten Passspiel aus der eigenen Hälfte in den Angriff zu tragen. Nur selten erfolgte als letztes Rettungsmittel aus der Bedrängnis der Befreiungsschlag als Passversuch in die Weite. Dennoch wirkte im Vergleich die Leipziger Spielanlage überlegen. Die Leipziger Stürmer waren beeindruckend schnell, und es war klar, ein kleinster Fehler auf Zebraseite könnte zu einem Tor führen.

Für Zuschauer ohne spirituelle Neigungen sind es ja die Spieler selbst, die auf dem Feld an der perfekten Dramaturgie arbeiten. Dazu passte die erste Ballberührung von Gerrit Wegkamp nach seiner Einwechslung, die sogleich zu einer Torchance führte. Sein Schussversuch wurde erst im allerletzten Moment geblockt. Der Neuzugang war sofort präsent, wirkte selbstbewusst und zwang die Leipziger Defensive sich mit ihm zu beschäftigen. Freiräume entstanden so für seine Mitspieler, und allmählich geriet das Spiel wieder ins Gleichgewicht. Der MSV reagierte nicht mehr nur und musste aufs Glück setzen. Die Spieler gewannen die Kontrolle über das eigene Schicksal zurück.

Und wer sich als Dramaturgie-Perfektionist so gelungen um den großen Bogen kümmert, lässt sich den kleinen Bogen eines sich steigernden spannenden Finales nicht entgehen. In diesen letzten Minuten des Spiels war das Spiel völlig offen. Es wogte hin und her. Beide Mannschaften wollten den Sieg. Die Zebras aber wirkten mit einem Mal entschlossener. Sie waren zu noch mehr Einsatz bereit. Ganz vorsichtig begann ich meinem Eindruck zu trauen, die Zebras glaubten mehr an den Sieg als die Leipziger. Die endgültige Krönung dieser Dramaturgie wurde dann ein sich steigernder Chancen-Dreischritt.

Das Finale begann mit der Ahnung von Torgefahr durch einen Wegkamp-Kopfball nach weiter Flanke. Im Ansatz war zu sehen, die Defensive hatte viel Zeit sich vorzubereiten. In so einem Fall gelingt ein Tor nur mit viel Glück. Die nächste Chance machte schon mehr Hoffnung. Kingsley Onuegbu wurde im Strafraum angespielt, und er, der das Spiel über immer wieder Schwierigkeiten hatte sich durchzusetzen, tanzte mehrere Leipziger Spieler aus, ohne zum Torschuss zu kommen. Der Übermacht musste er sich schließlich beugen. Dann aber kam die dritte Chance, die Vollendung, der Anfang des allgemeinen Durchdrehens, der so lange vermissten Ekstase. Ein Freistoß fliegt in den Strafraum. Ordnung ist dort nur in Ansätzen noch vorhanden. In dem Strafraum konnte alles möglich werden, wenn nur ein Spieler des MSV Duisburg an dem Ball käme.

Der Abwehrversuch landete in der Nähe des Elfmeterpunktes beim MSV, es folgte ein überlegter Kopfball auf den rechts neben dem Tor frei stehenden Tobias Feisthammel, der zurück passte in die Mitte auf den ebenso frei stehenden Kingsley Onuegbu. Jede Richtungsänderung des Balles begleitet ein immer lauter werdendes bangendes Rufen der Erwartung, das schließlich im besagten Jubel explodiert. Natürlich weiß der perfekte Dramaturg, dass so ein Jubel Ausklang braucht, Raum, um sich zu beruhigen. So ein Dramaturg weiß, ein erneutes Kitzeln des Schicksals ist dafür das beste Mittel. Und so blieb noch ein Torschuss der Leipziger abzuwehren. Tanju Öztürk erledigte das kurz vor der Linie. Erst dann kam der Abpfiff. Erst so blieb Hochgefühl und nicht Erschöpfung durch den Jubel.

Und noch das: Es ist immer wieder schön, wenn während Heimspiel-Pressekonferenzen der gegnerische Trainer  spricht an Karsten Baumanns Gesicht abzulesen, wie es in ihm arbeitet. Dabei stehen die beiden Trainer-Meinungen für mich in keinem Widerspruch.

Beim Rotebrauseblogger das Spiel aus Leipziger Sicht, mit ähnlicher Spielbeobachtung aber natürlich anderer emotionaler Wertung.


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