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Das Siegtor vor dem Ausgleich in der Nachspielzeit

Die Mannschaft des MSV Duisburg samt Karsten Baumann und Markus Reiter bringt die Saison eindeutig motivierter zu Ende als ich. Mir fallen im Moment die Worte über die Spiele der Zebras schwer. 1:0 hat der MSV Duisburg diese so wichtige Begegnung gegen den direkten Konkurrenten um Platz 4, dem VfL Osnabrück, gewonnen. Aber der Kampf um Platz 4 entfacht in mir keine besonderen Gefühle. Besonders dann, wenn die Spielweise der Mannschaft weiterhin dem Dauermotto der Rückrunde folgt, was muss der MSV besser als der Gegner sein? Die Zebras gewinnen auch so. Meistens jedenfalls. Im schlechteren Fall gibt es ein Unentschieden. Niederlagen sind ja tatsächlich selten.

Der Kampf um Platz 4 ist wichtig, aber eine sehr rationale Sache. Der Platz 4 ist wichtig, falls das Niederrheinpokalfinale doch verloren geht, wegen der möglichen Einnahmen der dann dennoch möglichen Teilnahme am DFB-Pokal. So viel Irrealialität, so viel Materialismus, so viel schnöde Notwendigkeit des wirtschaftlichen Lebens. Der Fußball als Gegenwelt zum Alltag ist vergessen. Willkommen bei dem, womit ich mich sowieso täglich herumschlagen muss. Vielleicht kommt daher meine Unlust, das Spiel mit Worten noch einmal zu vergegenwärtigen, verbunden mit den Widrigkeiten, die mich momenten sowieso plagen? Vielleicht ist es aber auch nur die stete Wiederholung, die wir auf dem Platz sehen, bei der sich nur die Ergebnisse unterscheiden? Ich finde keine neuen Worte mehr für das, was wir in jedem Spiel sehen. Ich könnte den Spielbericht der Vorwoche nehmen, den Gegner austauschen, das Ergebnis anpassen und schon wären wir annähernd bei dem, was wir in der letzten Begegnung gesehen haben.

Deshalb hat mich auch der Ausgleich von Greuther Fürth beim SC Paderborn in der Nachspielzeit mehr geärgert als jede Aktion eines Spielers vom MSV Duisburg gegen den VfL Osnabrück. In Paderborn ging es um den Vorteil im Kampf um den direkten Aufstiegsplatz zur Bundesliga. Der Ausgleich zum 2:2 war eine Frechheit, weil der Torschütze Ilir Azemi seinen Gegenspieler zuvor wegschubste und er nur deshalb völlig unbedrängt einköpfen konnte. Das war nicht ein Ringen um den Platz im Strafraum. Der Verteidiger hatte keine Chance sich gegen dieses Wegschubsen zu wehren. Schiedsrichter Manuel Gräfe pfiff nicht, schickte dafür den schimpfenden Trainer Paderborns André Breitenreiter auf die Tribüne und verweigerte ihm den Handschlag nach dem Spiel zum Abschied. Da war einer sehr beleidigt. Dieser Ausgleich zum 2:2 war um so ärgerlicher, weil er im direkten Gegenzug nach einer miserabel ausgespielten Konterchance fiel. Dreißig Meter vor dem Tor hatte dieser Angriff noch nach dem sicheren 3:1 ausgesehen. Ihr kennt vielleicht meine Sympathie für den Verein der angeheirateten Heimat?  Es wäre eine große Ungerechtigkeit, wenn Fürth durch dieses eine Foulspiel sich den zweiten Platz des sicheren Bundesligaaufstiegs erstohlen hätte. Gegebenfalls werde ich daran erinnern.

Nach einem so erstohlenen Aufstieg spielte Daniel Brosinski mit Vollbart und den bekannten Langsprints in der Bundesliga? Träte Goran Sukalo dort ebenfalls nochmals an? Vielleicht wie im Spiel gegen Paderborn weiter vorne spielend als bei uns noch? Als ich beide Spieler im grünen Trikot sah, schien mir die vergangene Zweitliga-Saison so ungeheuer weit entfernt. Es war wirklich verblüffend. Die Tage seit dem letzten Spieltag der Saison 2012/2013 waren für unser Leben mit dem MSV Duisburg so angefüllt, dass das Erlebte mindestens für drei Spielzeiten ausreichte. So lange muss es eigentlich her sein, dass Daniel Brosinski und Goran Sukalo mit einem Zebratrikot aufliefen.

Und nun hat der MSV Duisburg nur ein Jahr später gute Aussichten, am Ende der Saison den vierten Tabellenplatz der 3. Liga zu erreichen. Diese Aussicht gibt es, weil gegnerische Stürmer trotz vieler Chancen selten Tore erzielen, wenn sie nicht über lange Meter alleine auf Michael Ratajczak zulaufen. Auch der VfL Osnabrück hätte in der ersten Halbzeit in Führung gehen müssen. Zwar wirkte die Mannschaft in Tornähe zu verspielt und ließ im Strafraum Zielstrebigkeit vermissen, doch sah ich den MSV zwei-, dreimal schon im Rückstand liegen. Vielleicht aber sind die unpräzisen Abschlüsse der Stürmer ein Hinweis darauf, warum die Osnabrücker immer weiter auch in Tornähe das nächste Abspiel suchten. Eins war aber überdeutlich, die Osnabrücker reagierten in jeder Hinsicht schneller als die Mannschaft vom MSV Duisburg. Freie Räume auf dem Spielfeld wurden vorausschauend so besetzt, dass zweite Bälle so gut wie nie bei den Zebras landeten. Das Aufbauspiel des MSV wurde durch frühes Pressing im Keim erstickt.

So war die Frage für die Offensivbemühungen der Zebras eigentlich nur die, ob beim vergeblichen Kurzpassspiel der Ball in der eigenen Hälfte verloren wurde oder der lange Ball, wahlweise von Branimir Bajic oder Michael Ratajczak geschlagen, von den Osnabrückern in ihrer Hälfte fast immer sicher aufgenommen werden konnte. Mir persönlich war der lange Ball dann noch lieber, weil er nicht die sofortige Torgefahr nach sich zog und zumindest die Minimalchance einer offenen Spielsituation erbrachte. Dennoch schafften die Osnabrücker für ihr laufintensives Spiel zu wenig deutliche Torchancen, so dass ich trotz der Osnabrücker Überlegenheit jedes Spielergebnis weiter für möglich hielt.

Als dann noch die Mannschaft des MSV Duisburg die zweite Halbzeit sehr viel entschlossener begann, stellte sich sogar ein spielerisches Gleichgewicht ein. Allmählich begann zudem die Kraft der Osnabrücker etwas nachzulassen. Sie liefen nicht mehr ganz so schnell und viel, dementsprechend hatten die Zebras etwas mehr Platz, um zu agieren. An Chancen aus dem Spiel heraus kann ich mich dennoch nicht erinnern. Die Standards mussten her auf beiden Seiten. Als Branimir Bajic dann seine Torjägerqualitäten der letzten Saison wieder entdeckte, fiel das Siegtor nach dem Standard, Unterkategorie Eckstoß. Einen Ausgleich befürchtete ich danach nur noch selten. Ich muss doch nicht wiederholen in welchen Momenten? Für den MSV hingegen gab es Raum für nicht allzu schnelles Konterspiel. Strukturierte Ansätze waren zu erkennen. Dass ein Sieg die Stimmung schließlich doch viel besser macht als die Niederlage, lässt mich übrigens wieder an Grundwahrheiten des Fußballs glauben.

Dass Regelverstöße nicht immer bestraft werden, gehört ebenfalls zu diesen Grundwahrheiten. Um so mehr gefallen dann solche Geschichten, in denen der Übeltäter von seinem Regelverstoß an ganz anderer Stelle wieder eingeholt wird. So bleibt mir die Hoffnung auf eine Erzählung von großer moralischer Tiefe beim Blick nach Ostwestfalen. Was mir als zusätzliches Angebot zur Fortsetzungsgeschichte des MSV mit dem Grundmotiv „leistungsunabhängiges Ergebnis“ bestens zurecht kommt.

 

 

Ich hab noch ein paar Fotos aus Berlin

Ganz einfach ist es heute nicht mehr, eine Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiv in ein Stadion mitzunehmen. Selbst, wenn die Güte des Objektivs mittelmäßig ist und die Kamera für digitale Zeiten uralt. Wahrscheinlich gibt es inzwischen Kompaktkameras, die Fotos von erheblich besserer Qualität liefern. Aber DFL-Vorschrift ist Vorschrift, und nicht alle Vereinsvertreter der Liga machen sich die Mühe der Unterscheidung. Sogar wenn im Fall des Zebrastreifenblogs gleichzeitig der journalistische Identitätsnachweis die Mitnahme befördern könnte. Um so auffälliger war auch in diesem Fall der 1. FC Union Berlin, wo mir durch die Presseabteilung schnell und unkompliziert das Mitnehmen der Kamera ermöglicht wurde. So gibt es noch ein paar Fotos aus Berlin, auch wenn so ein Blick durch den Sucher für mich höchstens vor und nach dem Spiel machbar ist.

Klassenerhalt als Vorprogramm zum Open Air in Köpenick

2013-05-12_union-msv 007Wir alle freuen uns über den endgültigen Klassenerhalt des MSV Duisburg. Das ist keine Frage. Schöner aber fühlt sich so ein Klassenerhalt an, wenn er durch einen eigenen Punktgewinn zustande kommt. Das ging uns auf den Rängen nach der 2:1-Niederlage im Auswärtsspiel gegen den FC Union Berlin genauso wie Kosta Runjaic und den Spielern. Richtig ausgelassen schien mir also niemand gewesen zu sein. Die Stimmung war gelöst. Richtiger Ärger kam über die Niederlage nicht auf. Doch das leichte Bedauern machte sich trotz des Lächelns in den Gesichtern immer wieder bemerkbar.

Zu verstehen war es kurz nach Spielende nämlich nicht, warum der MSV  Duisburg dieses Spiel verloren hat. Mit etwas Abstand sind die Fehler zu erkennen. Doch gestern fühlte sich schon der Ausgleich von Union wie der dramaturgische Fehler in einem Gute-Laune-Familienfilm an. Diese Führung passte einfach nicht zu der zuvor noch gesehenen spielerischen Leistung der Berliner, 2013-05-12_union-msv 035die bis zum Ausgleich aus eigener Kraft heraus zu keiner Chance kamen. Zwei-, dreimal wurde es gefährlich, weil in der Defensive des MSV Verlegenheitsschüsse von Union zu kurz in die Mitte geklärt wurden, an einen Fehlpass kann ich mich auch erinnern und das war es dann. Die Offensive des MSV war in der ersten Halbzeit nicht besser. Wir konnten die Hoffnung aber auf Standards setzen. Denn Eckstöße sind inzwischen variantenreich und an guten Tagen torgefährlich. Gestern war ein guter Tag. Erst ein freier Schuss über das Tor und dann der abgeblockte Seitfallzieher von Sören Brandy als spektakuläre Torchance. Das dürfen Sören Brandy und Jurgen Gjasula gerne wiederholen. Nicht immer steht ein Abwehrspieler im Weg.

2013-05-12_union-msv 047Nach der Pause gelangen zudem die Kombinationen immer öfter auch bis in den Strafraum hinein, zumal die schnelle Führung durch Kevin Wolze diesem Angriffsspiel weitere Sicherheit gab. Das Tor belebte jedenfalls das Spiel. Schnell war zu merken, Union wollte vor dieser fantastischen Heimspielkulisse nicht verlieren. Besser wurde das Berliner Zusammenspiel allerdings zunächst nicht, nur ungestümer und energischer. Das reichte aber, um das Spielgeschehen Richtung Duisburger Tor zu drängen. Die unangenehme Konsequenz war der Ausgleich. Noch immer aber hatte ich nicht das Gefühl, dieses Spiel könne verloren gehen. Jurgen Gjasula erhielt die Chance zur erneuten Führung. Alleine vor dem Torwart stehend zielte er genau in dessen Arme. Wir hatten den Eindruck, weil er schon alleine an der Strafraumgrenze stand, glaubte er für einen Moment, er habe im Abseits gestanden. Zu viel gedacht.

Wer kurz danach aber im Strafraum so ungeschickt foult wie Goran Sukalo,  wird bestraft. Vom Gästeblock haben wir2013-05-12_union-msv 064 dieses Foul nicht sehen können. Für uns kam der Pfiff in einer Spielsituation, die nicht sonderlich gefährlich wirkte. Leider konnte Felix Wiedwald seine Rettungstat aus dem Spiel der letzten Saison nicht wiederholen. Damit war das Spiel knapp zehn Minuten vor Schluss entschieden, auch wenn es auf dem Platz noch hoch her ging. Die Spieler schenkten sich nichts. Es ging für beide Mannschaften bis zum Abpfiff um alles. Nicht nur deshalb war dieses Spiel einen Besuch in Berlin wert. Die Atmosphäre in der Alten Försterei ist jedes Mal großartig.

Für die Fans von Union begann nach dem Spiel schon die Vorbereitung auf die kommende Saison. Die neuen Dauerkarten konnten schon gekauft werden, während die Spieler Autogramme gaben und beim Mini-Open Air lokale Bands ihr Bestes. Wir waren in der Zeit schon auf dem Weg zum S-Bahnhof Köpenick, weil die Rückfahrt Richtung Mitte ebenso lang zu werden drohte wie die Hinfahrt. Pendelverkehr wegen Gleisarbeiten mit Zugwechsel nach jedem zweiten Bahnhof. Wir begnügten uns also mit dem Vorprogramm Fußballspiel und hörten nur von Ferne wie eine Band namens Kietz Keime mit ihrem „irisch inspirierten Folk-Punk“ begann. Dank der Band bei youtube könnt ihr euch nun fühlen, als wäret ihr mittenmang dabeigewesen.

Fehlt noch die Pressekonferenz nach dem Spiel sowie die Stimmen von Sören Brandy – mit knapper treffender Spielanalyse im zweiten O-Ton -, Dustin Bomheuer und Jurgen Gjasula. Sehr schön übrigens, wie bei Uwe Neuhaus dessen Pott-Heimat in der Sprachfärbung kräftig durchschlägt, als er zu reden beginnt. Das wirkt so, als sammele der private Uwe Neuhaus auf dem Weg zum zum öffentlichen Trainer Neuhaus eben noch ein paar Gedanken ein.

Der Spielbericht bei Sky mit einem Klick weiter.

Die einen planen für sechs Spiele, die anderen für die nächste Saison

Im September letzten Jahres holte der MSV Duisburg im zweiten Spiel unter Kosta Runjaic gegen den VfL Bochum  mit einem torlosen Unentschieden seinen ersten Punkt der Saison. Der MSV blieb dennoch erst einmal Letzter, und der VfL Bochum stand auf dem zehnten Tabellenplatz. Am Sonntag besiegte der MSV Duisburg den SV Sandhausen nach einem wenig ansehlichen Spiel mit 2:1. Der einstellige Tabellenplatz zum Saisonende ist als Ziel ausgerufen. Den Abstieg des VfL Bochum dagegen soll seit Montag nach dem zweiten Trainerwechsel der Saison Peter Neururer verhindern.

Für mich klingt das nach dem Anreiß-Text zu einem Drama, in dem der MSV die langweilige Nebenrolle des alten Kumpels mit intakter Familie spielt. Ich bin ein großer Anhänger von langweiligen Nebenrollen. An ihnen lässt sich oft fürs Leben etwas lernen. Dort verstecken sich die Hinweise darauf, was im wirklichen Leben funktioniert und was nicht. Denn auch wenn ein Happy End in diesem Drama noch möglich ist, wie das Leben danach weitergeht, ist im Drama nicht unbedingt angelegt. Da wissen wir Anhänger des Langweilers längst mehr. Allmählich beginnt sogar Kosta Runjaic an die mittelfristige Zukunft zu denken und nicht nur an das nächste Spiel. Es bereitet mir große Freude, seine zarten Visionen während der Pressekonferenz nach dem 2:1-Sieg gegen den SV Sandhausen zu hören, ganz im typischen Runjaic-Ton der Bodenhaftung. Wenn er von der Zukunft spricht, sind das keine schönen Bilder und populäre Parolen, sondern Kosta Runjaic formuliert Aufgaben.

Vorerst bestanden diese Aufgaben darin, das nächste Spiel zu gewinnen. Gegen den SV Sandhausen wurde diese Aufgabe erledigt. Mehr nicht. Vielleicht braucht ein Gegner, der so defensiv eingestellt ist, doch von Anfang an einen Spieler wie Jürgen Gjasula auf dem Platz, der auf engstem Raum noch die Sicherheit und das Selbstbewusstheit hat, den Ball kontrollieren zu wollen. Zudem erlauben ihm seine Technik und Übersicht die überraschenden und beim Mitspieler ankommenden Pässe in den Rücken der Defensive. Nachdem er in der 54. Minute eingewechselt wurde,  begann die Mannschaft aus dem Spiel heraus torgefährlicher zu werden. Es brauchte also gegen Sandhausen nicht unbedingt Standards wie in der ersten Halbzeit für die Chance auf ein Tor. Maurice Exslager konnte gegen die enge  Defensive der Sandhausener seine Grundschnelligkeit nicht ausnutzen. Wenn er einmal an seinem Gegenspieler vorbeikam, stand der nächste Sandhausener Spieler schon im Weg.

So charakterisierte das Spiel zunächst vor allem die Kopfballstaffette um die Mittellinie herum, bei der sich beide Mannschaften darauf einigten gemeinsam den Ball so lange wie möglich den Boden nicht berühren zu lassen. In dieser Zeit machte ich mir dennoch keine Sorgen um den MSV. Dazu waren die Sandhausener an diesem Tag in der Offensive zu offensichtlich völlig überfordert. Nach vorne gelang ihnen gar nichts, hingegen der MSV zumindest immer wieder in Strafraumnähe kam. So blieb mir die Muße, mich mit dem Sandhausener David Ulm, in Aussehen und Spielweise ein wenig an Olcay Sahan zu erinnern. Ich konnte mich zudem mit dem Rest des Publikums über den offensichtlich etwas übermotivierten Nicky Adler wundern und manchmal auch aufregen. Man konnte den Eindruck gewinnen, so richtig abgeschlossen hat er mit dem MSV Duisburg noch nicht. Felix Wiedwald am Anfang des Spiels als eine Art Teppichstange zu nutzen, um mit Schwung in die Gegenrichtung wieder zurück laufen zu können. Da muss einer erstmal drauf kommen.

Das Führungstor fiel nach einer Eckenvariante, die einen Tag später dem Print-Kollegen vom Reviersport eine eigene Geschichte wert war. Co-Trainer Ilia Gruev ließ die Zebras eine Eckstoß-Ausführung des FC Barcelona trainieren. Und natürlich hat die Geschichte eine besondere Pointe, weil Timo Perthel im Gegensatz zu Lionel Messi das Tor bei der Ausführung gelang. Der schnelle Ausgleichstreffer fiel auch deshalb, weil im Spiel der Zebras von Anfang an eine leichte Nachlässigkeit zu spüren war. Vielleicht ergab sich das aus dem Gefühl der Stärke heraus. Es war deutlich zu sehen, wie selbstbewusst die Mannschaft auf dem Platz stand. Was ihr von Seiten der Sandhausener begegnete, konnte sie in diesem Gefühl nur bekräftigen. Dennoch war der MSV nicht so überlegen, um die Sandhausener Mannschaft an die Wand zu spielen. Da können dann Momente der Unachtsamkeit unangenehme Folgen haben. Unachtsam war aber nicht Timo Perthel, der den Kopfball seines Gegenspielers nicht verhindern konnte. Unachtsam war der Befreiungsschlag beim Angriff zuvor, der sofort wieder beim Gegner im zentrallen Mittelfeld landete. Wer da den Ball unbedrängt einfach wegschlug, weiß ich nicht mehr. Damit bahnte sich der Ausgleichstreffer aber an, weil nur deshalb der Ball sofort wieder in den Strafraum geflankt werden konnte.

Branimir Bajic ist inzwischen als Elfmeterschütze gesetzt. Er verwandelte in der zweiten Halbzeit zum erneuten Führungstreffer. Mit einem Steilpass hatte Jürgen Gjasula zuvor Ranisav Jovanović frei gespielt, der alleine von halblinks in den Strafraum zog und dort vom Sandhausener Torwart Danniel Ischdonat von den Beinen geholt wurde. Es wäre schön gewesen, der MSV hätte ein weiteres Tor nachgelegt. Doch das schlechte Torverhältnis ist nicht nur noch die Folge der hohen Niederlagen zu Beginn der Saison. Da bleibt noch weitere Trainingsarbeit beim Torschuss, damit die Zebras nicht im Zusammenschnitt der größten vergebenen Torchancen der Saison immer mit dabei sind. Andererseits besaß die dreistufige Chance in der Abfolge Jovanovic, Brosinski und Brandy mit der jeweils größer werdenden Wahrscheinlichkeit des Tores auch eine wunderbare Dramaturgie. Auf so etwas müssten wir dann verzichten. Aber was tut man nicht alles für den Erfolg.

Die Pressekonferenz mit dem Ausblick auf die Zukunft durch Kosta Runjaic, sowie die Stimmen nach dem Spiel von Goran Sukalo und Ranisav Jovanović:

Der Spielbericht bei Sky heute mal rüber geholt – leider ohne die Dreifach-Chance mit dem Moment, als Sören Brandy nur hätte einschieben müssen.

Bei unerfüllten Hoffnungen rate ich: Perspektivwechsel

Frühlingswochenende in Berlin und einen Punkt aus dem Auswärtsspiel gegen die Hertha mit nach Hause nehmen. Das war der Plan, als ich Anfang letzter Woche bei Sonne und 18 Grad dem Freund mein Kommen zusagte. Geklappt hat weder das eine noch das andere. Samstagnachmittag begann es zu schneien – mehr Eisplättchen als Flocken. Ein eisiger Wind wehte zudem durch die Stadt, der einem diesen feinen Schnee immer wieder unangenehm ins Gesicht trieb.

Auch Sitzplatzbesucher müssen sturzfrei zu ihren Plätzen kommen.

Auch Sitzplatzbesucher müssen sturzfrei zu ihren Plätzen kommen.

Was war das kalt im Stadion, wo noch kurz vor dem Spiel auf den Rängen Split verstreut wurde. Ich hatte anfangs etwas Mühe, mich neben dem Zehen bewegen und Finger wärmen auf das Spiel zu konzentrieren. Der Mannschaft vom MSV schien das nicht so zu gehen. Damit möchte ich sogleich diese 4:2-Niederlage aus einer anderen Perspektive erzählen, als jener nahe liegenden wie sie sonst in Berichten und Kommentaren zu lesen ist. Verständlicher Weise rücken zuerst Fehler und der Leistungsunterschied in den Blick, weil die Niederlage so deutlich war, die Spieler der Hertha ihre Tore so leicht erzielen konnten und der MSV nach dem frühen Tor durch Adrián Ramos schnell nicht mehr wie eine Mannschaft wirkte, die hätte zurückschlagen können.

Das Einschwören vor dem Spiel half nur bedingt.

Das Einschwören vor dem Spiel half nur bedingt.

Die andere Perspektive ist folgende: Vor einem Spiel gegen eine besser besetzte Mannschaft steht ein Trainer immer vor der Frage, wie defensiv richte ich die Spielweise meiner Mannschaft aus. Mir hat es jedenfalls gut gefallen, dass der MSV in diesem Auswärtsspiel spielerisch mithalten wollte. Es war deutlich zu merken, wie groß das Selbstbewusstsein der Spieler bei der Vorwärtsbewegung geworden ist. Mir hat es gefallen, wie die Mannschaft bis zum Ende des Spiels den Angriff suchte. Das sage ich bei allen Fehlern, die dann passierten, und zwar nicht weil den Spielern wie zu Anfang der Saison die Bälle wegen technischer Mängel versprangen, sondern weil das Pressing der Hertha immer wieder  gut funktionierte.

Ich denke dabei an die Zukunft – ungeachtet möglicher Ab- und Zugänge von Spielern. Denn auch in einem Fußballverein besitzt so was wie Kultur eine  Bedeutung. Ich meine das Bewussstsein von dem, was eine Mannschaft ausmacht und wie so etwas weitergetragen wird. So ein Bewusstsein macht es einfacher, neue Spieler zu integrieren. An so einem Bewusstsein wird auch bei solchen Niederlagen gearbeitet. Es entsteht ein Möglichkeitsraum für Erfolg. Das habe ich gestern sehr geschätzt an der taktischen Ausrichtung, die Kosta Runjaic für dieses Spiel vorgenommen hat.

Unermüdlich

Unermüdlich

Es ist keine Frage, dass die Defensivleistung zu schwach war. Und natürlich hängt das eine mit dem anderen, der offensiveren Spielausrichtung, zusammen. Dennoch glaube ich, gestern hätte die Hertha auch das Spiel gegen einen völlig defensiven MSV gewonnen. Das wäre dann wahrscheinlich ein 1:0-Sieg geworden. Das Tor wäre aber gefallen. Da bin ich sicher. Mehrere Spieler dieser Hertha sind denen des MSV fußballerisch überlegen. Unzweifelhaft blieben ihre Fähigkeiten nicht nur ein Versprechen. Sie waren zu sehen. Weil zudem die Standards der Hertha immer für ein Tor gut sind, ist es schwierig, wenn die Berliner erst einmal in Führung gehen.

Erwartungsfrohe Ostkurve

Mir gefällt außerdem, wie mit der Niederlage umgegangen wird, weil in den Stellungnahmen von Dustin Bomheuer und Sören Brandy Enttäuschung mitschwingt. Der Blick auf die Realität, die spielerische Überlegenheit bleibt dennoch gewahrt. So reden Spieler in einem Entwicklungsprozess.

Den Chronistenblick auf das Spiel überlasse ich heute anderen. In Kicker und WAZ/NRZ liest man einen neutralen bis wohlwollenden Ton zum MSV, die Rheinische Post hingegen mit kritischeren Worten ob der Leistung.  Mit einem Klick geht es weiter zum Spielbericht bei Sky. Außerdem die Pressekonferenz sowie O-Töne nach dem Spiel von Dustin Bomheuer, Julian Koch und Sören Brandy.

Olé olé olé…Olé olé olé Meidericher Ess Vau Meidericher Ess Vau

Es ist eine Binsenweisheit, dass in der Zweiten Liga Mannschaften aus der unteren Tabellenregion größere Siegchancen gegen Spitzenmannschaften haben, als es  in Liga Eins der Fall ist. Darüber hinaus hatte ich nach den letzten Spielen des MSV Duisburg Zebras ohnehin nicht mehr das Gefühl, Fan einer Mannschaft aus der unteren Tabellenregion zu sein. Im Grunde fühlte ich mich wie der Anhänger einer ambitionierten Mannschaft aus dem Mittelfeld. So schien es mir vor dem Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig keine übergroße Aufgabe zu sein, den Gegner zu besiegen. Nur hin und wieder kitzelte leise der Zweifel, meldete sich die Sorge, einem Selbstbetrug aufgesessen zu sein.

Die Entwicklung des Spiels bestärkte mich aber. Der MSV Duisburg konnte von Beginn an der besseren Spielanlage der Braunschweiger genügend eigene Qualitäten entgegen setzen, die im Ergebnis ein Gleichgewicht der Kräfte brachten. An gelingenden Kombinationen der Eintracht ließ sich erkennen, warum für diese Mannschaft der Aufstieg möglich ist. Nur dass diese Kombinationen fast immer spätestens mit drei, vier Meter Abstand zum Strafraum gestoppt wurden. Die Spieler des MSV Duisburg liefen und liefen ihre Meter für die Denfensive, und wenn man Daniel Brosinski in der zweiten Halbzeit nach einer ausgeführten Ecke von links quer über das gesamte Spielfeld auf seine rechte Verteidigerposition sprinten sah, wo er den konternden Stürmer auf dem linken Flügel noch einholte, wurde jedem klar, wie groß  Einsatz und Wille der Zebras war, dieses Spiel zu gewinnen.

Der Spielaufbau des MSV in der ersten Halbzeit geriet zuweilen etwas holzschnittartig, war grob und mit manchem Fehlpass gespickt. Im Gegensatz dazu  konnten sich die Braunschweiger darauf verlassen, dass Spieler an freie Positionen nachrückten, wohin dann auch blind gepasst wurde. Nur eben Torgefahr entwickelte auch dieses Passspiel kaum. Und wo die einzige große Torchance für die Braunschweiger durch Domi Kumbela von Felix Wiedwald zunichte gemacht wurde, gab Ranisav Jovanović sofort mit einer ebenso großen Torchance auf der anderen Seite die Antwort.

Zu Beginn der zweiten Hälfte begann der MSV Duisburg mutiger nach vorne zu spielen. Die Mannschaft attackierte noch entschiedener und vielleicht zwei, drei Meter früher. Doch diese Meter waren entscheidend. Die Ballverluste der Braunschweiger häuften sich und aus einem dieser Ballverluste entwickelte sich der Angriff, der zum Siegtor durch Maurice Exslager führte. Wer war das noch mal, der an den Distanzschussfähigkeiten von Maurice Exslager zweifelte? Was war das für ein Schuss! Nachdem Exe den Ball mehrere Meter in seinem typischen Spurt getrieben hatte, wobei er zudem mit Jovanović vor der Abwehr kreuzte. Und dann hielt er aus vollem Lauf aufs Tor drauf. Das war kein Glück. Das war Technik. Wenn er da weitermacht, wird auch ein Sieg des MSV Duisburg demnächst früher sicher gestellt. Denn für uns sah es so aus, als sei seine große Chance auf das zweite Tor viel einfacher zu verwandeln gewesen.  Es hätte uns die Nerven beruhigt.

Wir hätten uns auch viel weniger über den Schiedsrichter aufregen müssen. Was war denn das für eine Schiedsrichterleistung? Nun schon zum zweiten Mal direkt hintereinander. Wenn man die gelben Karten auf der einen Seite gibt, müssen sie doch  auf der anderen Seite auch gegeben werden. Das Julian-Koch-Foul hat es von den Braunschweigern mindestens dreimal ebenfalls gegeben. Und wenn ich an die Einwurfentscheidungen denke auf unserer Seite, steigt mein Blutdruck immer noch. Offensichtlicher konnten die Braunschweiger nicht als letzte am Ball gewesen sein. Der MSV bekam den Einwurf dennoch nicht. Vier Minuten Nachspielzeit. Wofür? Gefühlsmäßige Spielverzögerung? So ein Quatsch!

Am Ende war es egal. Den Braunschweigern fiel nach dem Exslager-Tor nicht viel ein. Die Defensive des MSV stand sicher, dazu ein souveräner Felix Wiedwald und in der Offensive zeigten die Spieler des MSV Duisburg nun sogar, dass auch sie kombinieren können. Da war sogar immer wieder ein blitzschnelles Kurzpassspiel zu sehen, ballsicher und souverän. Lange haben wir auf eine Stimmung wie in diesem Spiel warten müssen. Sicher, es hat seit der Pokalerfolgs-Saison andere wichtige Siege gegeben. Doch gestern erinnerte die Atmosphäre an die legendären Siege gegen Kaiserslautern und Cottbus im Pokal. Und gestern waren nur etwas mehr als 11.000 Zuschauer dort. Dieser Sieg war begeisternd, wichtig und sagt mir, du bist Fan einer ambitionierten Mannschaft aus dem Mittelfeld der Zweiten Liga.

Und hier noch die Pressekonferenz sowie die Stimmen nach dem Spiel von Maurice Exslager, Julian Koch und Goran Sukalo.

Zebras wollen Braunschweigs berühmtesten Wellensittich zum Schweigen bringen

Entspannen heißt es heute Morgen für uns alle, um am Abend im Spiel gegen Eintracht Braunschweig in der richtigen psychischen Verfassung zu sein. Das gilt für die Spieler des MSV Duisburg. Das gilt aber auch für uns auf den Zuschauerrängen. Stellen wir uns also als allererstes so einen richtig altmodischen Spieltag vor. Die ersten Strahlen der Frühlingssonne erwärmen uns auf dem Weg ins Stadion an einem Sonntagnachmittag. Alle Spiele finden gleichzeitig statt. Stellt euch vor, wie die Spieler das Spielfeld betreten und auf den Rängen noch darüber gesprochen wird, dass Dresden hoffentlich wie erwartet das Heimspiel gegen Hertha verliert. Lasst alles, was ihr über das letzte Wochenende wisst, allmählich dahinschwinden. Die Gedanken kommen und gehen, und irgendwann ist da nur noch die Gegenwart des Heimspiels vom MSV Duisburg gegen Eintracht Braunschweig. Die Ausgangslage kennen wir seit einer Woche. Mit diesem Bild des einheitlichen Spieltags vor Augen brauchen wir nicht mehr wie die Print-Kollegen bei  RP  und WAZ/NRZ von Druck reden, der zugenommen hat.

Ich merke deshalb heute Morgen nur die normale Anspannung und die leise Hoffnung auf ein gutes Ergebnis, obwohl ein Aufstiegskandidat nach Duisburg kommt. Die Mannschaft des MSV Duisburg ist nicht chancenlos. Goran Sukalo und Ranisav Jovanović sind als Leistungsträger der ersten Spiele in diesem Jahr wieder dabei. Andreas Ibertsberger kann in die Mannschaft rücken und mit seiner Erfahrung die Defensive stabilisieren. Mit Dennis Krupke fällt, laut Presse, ein Leistungsträger des Gegners weiter aus.  Ich hoffe auf ein intensives Ringen um Raumgewinn, auf den entsprechenden Kampf um den Ball und auf den einen lichten Moment im Zusammenspiel zwischen Sören Brandy, Ranisav Jovanović und vielleicht noch dem aufgerückten Timo Perthel, der zum Führungstor zu Beginn der zweiten Halbzeit führt. Ich nehme es als gutes Zeichen des Respekts, wenn der Braunschweiger Trainer Thorsten Lieberknecht ein hartes, körperbetontes Spiel erwartet. Ich finde es allerdings etwas übertrieben, dass er, wie die Wolfsburger Allgemeinen Zeitung berichtet, die Spieler des MSV Duisburg in eine Schublade mit Telefonverkäufern und Bankberatern steckt und den Braunschweiger Fans erklärt:  „Dort wird am Rande der Legalität gearbeitet“.

Gestern habe ich übrigens noch einen anderen Weg gewählt, den aufgekommenen Druck aus meiner Spielvorbereitung wieder heraus zu nehmen. Zum ersten Mal in dieser Saison habe ich den Tabellenrechner angeschmissen, und was soll ich sagen, selbst bei äußerst schlechem Ausgang der nächsten zwei Spiele gegen Eintracht Braunschweig und Hertha BSC wird der MSV Duisburg nicht absteigen. Notfalls werde ich den Beweis morgen mit der Veröffentlichung der Abschlusstabelle antreten.

Ich hoffe natürlich, das wird nicht nötig sein, weil der MSV Duisburg heute Abend mit einem Sieg den alten Abstand zum Relegationsplatz wieder herstellt und damit gleichzeitig Flicki, dem berühmtesten Wellensittich von Braunschweig, den Schnabel stopft. „Braunschweig – olé, olé, olé“, ruft er seit drei Jahren, nur unterbrochen von dem legendären nur Hardcore-Fans verständlichen „Flicki, flacki, Flokati“. Was dem Lokalfernsehen mal einen Beitrag wert war. Wir auf den Rängen sehen aber nach dieser Braunschweiger Niederlage in Flicki einen ebenbürtigen Nachfolger des Loriotschen Hundes von Doktor Sommer. Heute Abend werden wir in Duisburg rufen: Euer Wellensittich kann überhaupt  nicht sprechen.

Europaweite Ausbildungsmängel beim Kopfstoß-Opfer-Sein

Was beim Theaterschauspieler, wie etwa das richtige Fallen, zur regulären Ausbildung gehört, muss sich ein Fußballspieler in eigenständiger Weiterbildung selbst aneignen. Ohne professionelle Unterstützung ist das nicht einfach. Verbände und Fußballvereine beschränken sich meist, zumindest nach außen hin, auf die Vermittlung rein fußballerischer Fähigkeiten.  So überrascht es nicht, wenn wir etwa im Bereich des Kopfstoß-Opfer-Seins große Defizite bei der Aufführung feststellen können.

Deshalb bekommen wir solch gänzlich misslungene Vorstellungen zu sehen wie die Mutter aller Kopfstoßschauspiele im Dezember 2005 während des Bundesligaspiels vom MSV Duisburg gegen den 1. FC Köln.  Norbert Meier bekam nach dieser misslungenen Premiere gerade noch die Kurve und schwor dem Kopfstoßschauspiel ab. Albert Streit erholte sich dagegen von der desaströsen Aufführung nicht mehr. Bei sämtlichen weiteren Engagements auf den Fußballbühnen Deutschlands färbte das Misslingen auf seine fußballerischen Qualitäten ab, so dass er vor kurzer Zeit nur noch bei einer kleinen Privatbühne in Köln Unterschlupf suchte.

Wenige Jahre später kam es im DFB-Pokal bei der Begegnung zwischen Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach zu einer Einlage, in der Igor de Camargo seine neu erworbenen Kopfstoß-Opfer-Sein-Kenntnisse dem Publikum zeigen wollte. Mit seiner Darbietung erreicht er schon ein höheres Niveau, auch wenn erneut eine Jury notwendig war, die ein Auge zudrückte, um ihm zum erhofften Erfolg zu verhelfen. Sein Partner bei der Aufführung war damals Roman Hubnik, der bis dahin nur die erste Unterrichtseinheit im Kopfstoß-Opfer-Sein mitgemacht hatte, sich aber zur Mitwirkung dennoch sofort bereit erklärte. Er wollte seinen ambitionierten Kollegen gerne unterstützen.

Der Blick über die Grenze zeigt, auch im europäischen Ausland mangelt es an einer vernünftigen Ausbildung. Vielleicht sollte uns Polen dennoch ein Vorbild sein, urteilt dort die Schiedsrichter-Jury nicht so nachsichtig wie in Deutschland und fordert damit mehr Anstrengung bei der Ausbildung heraus.

Auch Alexander Baumjohann und Goran Sukalo müssen noch viel an ihrer Darbietung arbeiten, die sie letzten Sonntag im Spiel des MSV Duisburg gegen den 1. FC Kaiserslautern zur Aufführung brachten – bei Sky mit einem Klick weiter ab Minute 1’15“. Sie hatten es alleine einer erneut nachsichtigen Schiedsrichter-Jury zu verdanken, dass ihre dilletantische Aufführung nicht in Dieter-Bohlen-Manier in Grund und Boden gestampft worden ist. Ich hoffe, beiden Spielern stehen ehrliche Berater zur Seite, die ihnen den großen Abstand zu einer hervorragenden Leistung deutlich machen. Beide Spieler wirken in ihren Stellungnahmen nach dem Spiel nämlich merkwürdig wirklichkeitsfremd. Goran Sukalo schien gar nicht mehr zu wissen, dass auch er das Kopfstoß-Opfer-Sein in Norbert-Meier-Manier zur Aufführung brachte. Während Alexander Baumjohann trotz des Misslingens weiterhin von der Wirklichkeit eines Kopfstoßes faselte. Das Publikum beider Seiten ist da ehrlicher. Sowohl in Kaiserslautern als auch in Duisburg wissen alle, wie erbärmlich diese Aufführung gewesen ist.

Ohne Sinn für die Realität bleiben wir aber im  Kopfstoß-Opfer-Sein ein Entwicklungsland, geschweige denn dass wir die hohe Schule der Fußballschauspielerei in Deutschland einmal zu sehen bekommen. In Südamerika kann schon mehr gewagt werden, wenn auch das Ergebnis noch nicht vollends befriedigen kann. Zur Aufführung kommt hier sogar: Der Gegner schlägt mir beim Zweikampf ins Gesicht.

Ein Schiedsrichter als Spielgestalter

Es war ein anstrengendes Spiel zwischen dem MSV Duisburg und dem 1. FC Kaiserslautern. Es war anstrengend für die Mannschaften, die sich im Kampf um den Ball verausgabten. Es war aber auch anstrengend für uns Zuschauer. Ein Grund war der Schiedsrichter mit seinen wirren Versuchen das Spiel zu regeln und der damit zu einem so nicht vorgesehenen Spielgestalter dieser Begegnung wurde.

Normalerweise halte ich mich mit den Schiedsrichtern nicht auf. Einzelne Fehlentscheidungen geschehen und sie gehören zum Spiel. Aber es passiert selten, dass ein Schiedsrichter wie Herr Schriever mit seinen Pfiffen das Spiel so konsequent auf die gesamten 90 Minuten bezogen mitbestimmt.  Der Mann war derart überfordert und verunsichert, dass wir in der Halbzeitpause vorhersagten, ein Kaiserslauterner Spieler werde ebenfalls noch vom Platz gehen. Ich hatte den Eindruck, die zwei falschen Entscheidungen kurz nacheinander gegen den MSV Duisburg im ersten Spieldrittel haben ihn völlig aus der Bahn geworfen. Zunächst zog er die gelbe Karte gegen Ranisav Jovanović wegen einer vermeintlichen Schwalbe, entscheidend war aber vermutlich der nicht gegebene Elfmeter nach dem Foul an Sören Brandy. Auf mich machte er den Eindruck, als sei er sich seines Fehlers bewusst und versuchte danach verzweifelt mit möglichst einfachen Pfiffen bei möglichst jedem Körperkontakt, das Spiel nicht vollends aus der Hand zu geben. Dummerweise kam ihm Goran Sukalo durch seine unbedachte Rangelei mit Alexander Baumjohann in die Quere. Da musste er erneut eine schwierige Entscheidung treffen, und schon lag er wieder, dieses Mal nur knapp, daneben. Gelb für beide Spieler wäre richtig gewesen. Was nebenbei gesagt, für Sukalo gelb-rot bedeutet hätte. Es gibt also von meiner Seite keine Absolution für Goran Sukalo.

Vergessen wir den Schiedsrichter, wenden wir uns der Mannschaft zu und das war der zweite Grund für die Anstrengung auch auf den Rängen. Wieder gab es gegen eine Mannschaft aus dem oberen Tabellenviertel die Aussicht auf den Sieg. Diese Kaiserslauterner waren nicht gut genug, die kompakte Defensive des MSV Duisburg zu überwinden. Sie hatten einen anderen Plan als der TSV 1860 München mit seinem schnellen Kombinationsspiel in der letzten Woche. Sie wollten mit schnellen Bällen über die Flügel agieren und suchten natürlich immer wieder mit langen Bällen auch Mo Idrissiou. Doch dieser Plan scheiterte.

Das wollte auf der Pressekonferenz nach dem Spiel der Kaiserslauterner Trainer Franco Foda nicht wahrhaben. Für mich sieht er das Spiel der Kaiserslauterner zu rosig. In der ersten Halbzeit hätte seine Mannschaft das Spiel bestimmt. Wenn man den Ballbesitz als einzigen Maßstab nimmt, mag das stimmen. Dabei vergisst er allerdings, seiner Mannschaft fehlten die außerdem noch notwendigen spielerischen Mittel, um mit dem Ball in den eigenen Reihen etwas zu machen, was das Tor des MSV Duisburg wirklich bedroht hätte. Das Spiel über die Flügel blieb harmlos und die einzige große Chance der Kaiserslauterner ergab sich alleine aus einem altbekannten Fehler des MSV Duisburg. Einige Spieler waren noch damit beschäftigt, vom heftigen Protestieren gegen einen Schiedsrichterentscheidung umzuschalten auf notwendiges Verteidigen, während die Kaiserslauterner den Ball schon nach vorne trieben.

Das wird hoffentlich Kosta Runjaic auch immer wieder sehen, damit er im nächsten Sommer viel Arbeit drauf verwendet, seinen Spielern klar zu machen, dass nur nach Schiedsrichterpfiffen das Spiel unterbrochen ist und sie sonst permanent präsent sein sollten.

Dem MSV Duisburg wurde nicht nur ein Elfmeter versagt.  Die Mannschaft hatte danach sogar noch eine große Torchance nach einem Eckball. Wann kamen in der letzten Zeit schon einmal drei Mann gleichzeitig frei zum Kopfball? Und den nach dem Strafraumgestocher abgewehrten Ball nahm auf Höhe der Strafraumgrenze Maurice Exslager auf, der leider nicht die exquisite Schusstechnik besitzt, um diesen für einen kurzen Moment freien Ball im rechten Torwinkel zu versenken. Sein Schuss ging deutlich über das Tor.

Nach der roten Karte für Goran Sukalo blieb die Defensive bis zur Halbzeitpause stabil, und wir richteten uns auf die Abwehrschlacht in der zweiten Halbzeit ein, mit der Hoffnung auf besagte rote Karte für die Kaiserslauterner. So kam es dann auch, und kurioserweise schien es so, als hätten beide Mannschaften in der letzten Viertelstunde des Spiel nicht mehr so recht gewusst, wie risikoreich sie nun noch spielen sollten. Kosta Runjaic hatte in der 63. Minute die Defensive mit der Hereinnahme von Tanju Öztürk für verstärkt, in der 64. Minute  wechselte Franco Foda  zwei neue Offensivspieler ein und in der 65. Minute ging Mo Idrissou mit gelb-rot vom Feld. Die durch die Auswechslungen angedeutete Taktiken waren durch das wiederhergestellte Kräfteverhältnis in Frage gestellt. Beide Mannschaften agierten nun immer vorsichtiger und dachten weniger an den Sieg als die drohende Niederlage.

Der Schlusspfiff brachte dann einerseits für mich die Erleichterung, den beim MSV Duisburg immer auch aus heiterem Himmel möglichen Gegentreffer nicht gesehen zu haben. Andererseits machte sich aber auch ein wenig Enttäuschung bemerkbar, die Chancen nicht genutzt zu haben, den Elfmeter nicht zugesprochen bekommen zu haben und auch nicht das dusel-glückliche Siegtor in der Nachspielzeit geschafft zu haben. Wie gesagt, ein in jeder Hinsicht anstrengendes Spiel.

Die Pressekonferenz und nach dem Spiel die O-Töne von Felix Wiedwald, Maurice Exslager, Goran Sukalo und Julian Koch.

Der Spielbericht bei Sky mit einem Klick weiter.

Auswärtssieg als Regel und die ganze Wahrheit über Halbzeitpausen

Was wäre das für ein Leben, wenn es für den MSV Duisburg nur Auswärtsspiele in Paderborn gäbe? So ein MSV könnte sich vor Erfolgsfans nicht mehr retten. Der Verein wäre im Nu schuldenfrei, weil keine Miete mehr für lästige Heimspielstätten bezahlt werden müsste. Stattdessen würden in Paderborn Arbeitsplätze für Busfahrer geschaffen, die den Strom der Duisburger Zuschauer ins Stadion vor Ort bewältigen müssten. Und im Möbelladen vom Walter Hellmich des SC Paderborn, Wilfried Finke, sähe man bei Samstagsspielen immer wieder ein paar blau-weiß gekleidete Hektiker auf der Suche nach einem schicken, leicht transportablen Möbel,  um endlich mal all die gesammelten 5-Euro-Einkaufsgutscheine der Eintrittskarten loszuwerden.

Ein verdienter 2:0-Auswärtssieg in Paderborn! Ich rate es jedem Anhänger des MSV Duisburg: Fahrt in die ostwestfälische Metropole des Katholizismus, wenn die Zebras dort spielen. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr, sehr groß, gut gelaunt, die Rückreise anzutreten.  Dabei gab es in der ersten halben Stunde kaum einen Unterschied zu den letzten Spielen. Zunächst spielten die Zebras wie in Pauli oder gegen Union Berlin einigermaßen mit. Das Spiel fand vornehmlich außerhalb der beiden Strafräume statt, und der Gegner suchte dabei etwas konsequenter den Weg zum Tor. So ließ jede Ecke des SC Paderborn meinen Puls etwas höher schlagen. In solchen Momenten geschahen in der letzten Woche die Fehler, die zu den leichten Toren der Gegner führten. Doch wirkliche Aussetzer gab es nicht, dennoch hatten die Paderborner nach etwa 25 Minuten die erste große Chance des Spiels, bei der Roland Müller erneut zeigen konnte, wie stark er auf der Linie ist. Er zeigt unglaublich starke Reflexe kombiniert mit explosiver Sprungkraft. Großartig!

Doch kurz darauf schon zeichnete sich der Unterschied zu den letzten Spielen ab. Die Mannschaft erarbeitete sich wirkliche Torchancen. Ein guter Kopfball von Ranisav Jovanović gegen die Laufrichtung des Torwarts konnte dieser gerade noch mit dem Fuß abwehren, und kurze Zeit später köpfte Branimir Bajic nach einer klugen Kopfballweitergabe durch Goran Sukalo knapp am Tor vorbei. Auch die Paderborner kamen noch zu guten Chancen. Auf der Gegenseite landete der Ball auf der Latte, und ein weiteres Mal verhinderte  Roland Müller mit einer großartigen Parade den Führungstreffer der Paderborner.

Mut machte mir, dass die Zebras sich nicht nur auf reines Konterspiel verließen und die Mannschaft sich bei ruhigem Aufbau dennoch Chancen erarbeitete. Sprich: im Mittelfeld gab es das Spiel öffende Pässe, Lücken in der Defensive wurden gesucht und manchmal gefunden. Verantwortlich dafür vor allem Julian Koch und Zvonko Pamic als Passgeber aber auch Maurice Exslager und Sören Brandy, die mehr zur Mitte hin immer wieder steil liefen und Daniel Brosinski, der auf dem Flügel seine Offensivmöglichkeiten als Verteidiger gut nutzte.

Als Ranisav Jovanović dann, wunderbar frei gespielt, alleine aufs Tor zulief, hätte ich es lieber gesehen, er hätte den Ball über die Linie schieben können. So groß war meine Sorge, dieser Elfmeter könnte vergeben werden. Benjamin Kern aber schoss mutig, wuchtig und ließ keinen Zweifel, dass er dieses Tor wollte. Dass Paderborn nach der roten Karte für  Torwart Lukas Kruse nur noch zu zehnt spielte, war für mich zunächst nicht unbedingt ein Vorteil für die Zebras.

Gut zusammen agierende Mannschaften können diesen fehlenden Spieler problemlos kompensieren, wenn der Gegner nicht sehr schnell spielt. Und an dieser Schnelligkeit beim Umschalten hapert es in der Mannschaft des MSV weiterhin. Schnelligkeit muss diese Mannschaft bei einem Angriff am besten ruhig entwickeln. Ging es in der ersten Halbzeit sofort nach der Balleroberung in die andere Richtung, waren die Pässe nicht präzise genug.  Doch wer Selbstvertrauen durch eine Führung gewinnt, wird auch im Passspiel präziser. Konter konnten gespielt werden, und ein, zwei Chancen durch Einzelaktionen waren alles, was die Paderborner sich erspielen konnten. Mannschaftlich geschlossen erarbeiteten Druck auf das Tor der Zebras gab es nicht. Bliebe noch das Tor von Timo Perthel, der mit Betreten des Spielfelds sofort große Präsenz ausstrahlte. Ich bin so dankbar für jeden Spieler, der bei seinem ersten Schuss aufs Tor nicht drüber oder daneben schießt. Das macht Hoffnung für die Zukunft. Schlusspfiff, und nach dem letzten Spiel der Hinrunde zum ersten Mal nicht auf einem Abstiegsplatz. Sieht gut aus, die Tabelle! So kann das bleiben.

Die Pressekonferenz und die Stimmen von Goran Sukalo, Benjamin Kern, Sören Brandy und Timo Perthel nach dem Spiel:

Neben der Nachricht vom Auswärtssieg ist aus Paderborn noch etwas anderes zu berichten. Wir durften nämlich nach der ersten Halbzeit, ganz versteckt in der Pausenbeschallung , die ganze Wahrheit über die Kabinen-Wirklichkeit in Halbzeitpausen hören. In den letzten Jahren ist dieses Lied an mir vorbei gegangen, oder es ist neu, ich weiß es nicht. Jedenfalls: Vergesst die Mär von Traineransprachen! Vergesst Fußballer, die regenieren! Vergesst alles, was Medien jemals über schimpfende Sportdirektoren gesagt haben! Das alles gibt es nur, weil wir Zuschauer so was erwarten.

Die ganze Wahrheit kennen Schlagertexter aus dem Ostwestfälischen. Anonym und unter dem Siegel der Namens-Verschwiegenheit haben Fußballer aus allen Ligen den recherchierenden Schlagertextern ein großes Geheimnis verrraten. Nicht der Ball steht als Fußballers Freund oder Feind im Zentrum eines Fußballerlebens, die Halbzeiten sind des Fußballers wahre große Lieben. Und was machen Männer, wenn eine große Liebe irgendwann mal vorbei ist? Männer lassen es dann richtig krachen. Abschiedsparty! Und dann her mit der neuen Beziehung:

Halbzeit, es ist so weit,
Halbzeit, ich bin bereit
erste Hälfte ade, du bist Vergangenheit
Halbzeit, es ist so weit,
Halbzeit, die Party steigt
zweite Hälfte, hallo,
ich bin für dich bereit.

In dem Sinn: Spieltag, es ist so weit. Spieltag, wir sind bereit. Letzter Spieltag, ade, du bist Vergangenheit. Spieltag, es ist so weit. Spieltag, die Party steigt. Nächster Freitag, hallo. Ein Sieg in Aalen macht froh!

Der Spielbericht von Sky mit einem Klick weiter hier.

Stimmen des SC Paderborn im Bewegtbild mit einem Klick weiter auf der Seite der Neuen Westfälischen.


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