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Immer neue Sorgen trüben Jubel über Heimsieg

Der Vorsatz von vorgestern als Zuschauer ganz Profi zu sein, erwies sich beim Warten auf den Anpfiff des Spiels vom MSV Duisburg gegen den FC Erzgebirge Aue schwierig. Für die volle Konzentration auf das Spiel musste das Spiel tatsächlich erst einmal beginnen. Ich fühlte mich merkwürdig vor dem Anpfiff. Angeweht kam da so etwas wie Sinnlosigkeit. Das lag weniger an der ungeklärten Situation in Duisburg als an den Nachrichten aus Aachen. Dort war zu sehen gewesen, wie im laufenden Betrieb von jetzt auf gleich der Wettkampfgedanke sich für den Verein verflüchtigte. Fußball dort ist nun nur noch eine Art Leistungsschau und Fußballer-Messe, bei der sich die Aachener Spieler für potentielle Arbeitgeber empfehlen wollen. Aus dem Mannschaftssport wird ein Casting-Wettbewerb. Schon komisch. Solche Gedanken musste ich verdrängen, und dazu brauchte es das Spiel selbst.

Anpfiff, und der MSV Duisburg startete nicht so druckvoll wie erwartet. Das lag zum einen am FC Erzgebirge Aue, die sich nicht so weit zurückzogen wie etwa der FSV Frankfurt. Es lag aber sicher auch an den schlechten Erfahrungen des MSV Duisburg in den letzten Heimspielen. Dennoch bekam die Mannschaft das Spiel in den Griff, ohne – und das konnten wir erwarten – torgefährlich zu werden. Fehler im Spielaufbau musste man vermeiden, und in diesem Spiel wurde es zu Beginn so offensichtlich. Jedes Mal, wenn nach einer Balleroberung schnell umgeschaltet wurde, ging der folgende kurze Pass sofort wieder zum Gegner. Mit einem Kurzpassspiel dagegen, das sich aus einer kontrollierten Spielsituation entwickelte, kam die Mannschaft zum gegnerischen Strafraum. Da gab es zwei, drei Spielzüge, an denen jeweils Toni da Silva beteiligt war, der im engen Raum dennoch die Lücken fand.

Im Nachhinein ist es bezeichnend für das Spiel, dass ihm gegen Ende der ersten Halbzeit offenbar der Oberschenkel schmerzte. Die erste Auswechlung war zu erwarten gewesen. Betrachtet man, wer sich danach verletzte, kann ich Menschen verstehen, die in der Häufung solchen Unglücks böse Geister wirken sehen. So etwas kann kein Zufall sein. So etwas braucht Erklärung. Wollte ich vier wichtige Spieler dieser ersten Halbzeit benennen. So wären das Toni da Silva, Goran Sukalo, André Hoffmann und natürlich Felix Wiedwald gewesen. Alle vier sind nach dem Spiel verletzt. Die Nachricht vom Mittelhandbruch Felix Wiedwald, in der ersten Halbzeit wohlgemerkt, kam nach dem Spiel. Wie schwerwiegend die anderen Verletzungen sind, wird sich im Laufe des Tages erweisen. Gestern dachte ich, eine Mannschaft, die in jeglicher Hinsicht von den Umständen derart unter Druck gerät und dennoch die Krise mit dem Klassenerhalt meistert, wird noch sehr erfolgreich werden, damit die bald erstmal nur verschobene Insolvenz mit Erstliga-Geld auf lange Frist verhindert wird. Galgenhumor.

Zurück zum Spiel, bei allem Bemühen des MSV Duisburg hatte Aue die erste riesige Chance, die eigentlich aus drei riesigen Teilchancen bestand, jede einzelne für ein Tor gut. Felix Wiedwald hielt spektalär zwei Schüsse aus kürzester Distanz und schaufelte schließlich am Boden liegend den Ball aus dem Strafraum, ehe ein Stürmerbein zustochern konnte.

Fehler im Spielaufbau auf Höhe der Mittellinie gab es auch auf Auer Seite und aus einem dieser Fehler ergab sich das Führungstor durch Daniel Brosinski, nach einem Konterlauf von  Sören Brandy, der den  Ball schön quer legte. Die Führung schien die Mannschaft zu verunsichern. Kontrolliertes Spiel bedeutet für die Spieler dieser Mannschaft zu langsam im Kopf sein. Auf mich macht diese Mannschaft den Eindruck, als dürften viele ihrer Spieler keine Gelegenheit haben, zu überlegen, was sie Sinnvolles mit dem Ball machen sollen. Diese Mannschaft ist gut, wenn ein Gegner den einzelnen Spieler ihre Aufgaben alternativlos aufzwingt. Diese Mannschaft wird schlecht, wenn ein Gegner den Spielern Zeit lässt oder die Spieler selbst versuchen, bedächtig den Ball in den eigenen Reihen zu halten.

So schien bald der Ausgleich nur noch eine Frage der Zeit. Auf Höhe der Mittellinie wurde nahezu jeder Ball abgeben und die Auer Stürmer überrannten die Defensive der Zebras in kurzen Abständen. Der Ausgleich kam und das Unentschieden zur Halbzeitpause war nach einer weiteren Großchance der Auer eher glücklich. Zunächst schien es in der zweiten Halbzeit kurz dort weiterzugehen, wo die erste endete, auch wenn Julian Koch nun auf dem Platz stand. Auch das war zu erwarten gewesen – allerdings als Auswechslung für Dzemal Berberovic, der gestern einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte. Die Verletzung von Toni da Silva machte eine andere Option notwendig. Julian Koch gibt dem Spiel der Mannschaft Stabilität. Er wirkt selbstbewusst, bietet sich in engen Situationen an und strahlt am Ball Ruhe aus.

Doch erst mit den nächsten beiden kurz hintereinander notwendigen Auswechslungen von André Hoffmann und Goran Sukalo entwickelte sich die Dynamik des Spiels zugunsten der Zebras. Plötzlich war ein unbändiger Wille auf dem Platz zu spüren. Die Auer Mannschaft kam nicht mehr zu wirklich großen Chancen und nachdem das Führungstor durch Sören Brandy per Kopf nach dem Freistoß gefallen war, ging es darum diesen Vorsprung bis zum Schlusspfiff zu retten. Das machte die Mannschaft mit großem Einsatz und starkem Willen. Maurice Exslager sorgte mit seinen Sprints immer wieder für Gefahr für die Auer Defensive, so dass die Auer Mannschaft ihren Druck nicht mehr erhöhen konnte.

Diese Energie auf dem Spielfeld sprang auf das Publikum über. Ab etwa der 80. Minute herum wollten alle der etwas mehr als 10.000 Zuschauer, natürlich mit Ausnahme der Auer Anhänger, diese Mannschaft zum Sieg schreien. Was auf den Rängen geschah, kam auf dem Spielfeld an und umgekehrt. Da gab es eine Einheit, die an bessere Zeiten erinnerte und die sämtliche Sorgen aus der Gegenwart hinwegfegte. Wichtig war der Moment, wichtig war der Sieg am Tag. Alles andere würde sich zeigen. Siege geben Hoffnung, egal, was Duisburger Sportjournalisten schreiben. Dazu später mehr.

Bilder zum Spiel gibt es von Sky mit einem Klick weiter hier.

Die Presskonferenz nach dem Spiel zusammen mit O-Tönen von Daniel Brosinski, Sören Brandy und Julian Koch eingebunden hier:

Chronistenpflichten: Die Niederlage im Pokalspiel

Viel gibt es am zweiten Tag nach der 0:1-Niederlage gegen den Karlsruher SC im DFB-Pokalspiel nicht mehr zu sagen. So einen Verlauf nehmen Pokalspiele. Die Mannschaft vom MSV Duisburg konnte nicht genügend Druck aufbauen, um dauerhaft gefährlich vor das Tor der Karlsruher zu kommen. Hinzu kamen altbekannte Schwächen im Angriffsspiel, wenn der Ball einmal in die vorderste Reihe gebracht wurde. Nicht umsonst kommen die Zebras im Ligabetrieb bislang nur auf eine einstellige Zahl erzielter Tore.  Den Karlsruhern ging es ähnlich. Das Spiel wirkte sehr im Gleichgewicht dieses torlosen Unentschiedens, und deshalb zeigte so eine gelb-rote Karte wie sie der Schiedsrichter des Spiels, Tobias Stieler, gegen Goran Sukalo gezogen hat,  eine Wirkung.

Sie war ein Impuls, auch wenn nicht sofort klar war, für wen sie den Vorteil bringen würde. Im offenen Spiel hätte vielleicht sogar die zusätzliche Kraft für einen Sieg des MSV Duisburg entfacht werden können. Dazu blieb aber zu wenig Zeit. Bei der Standardsituation hingegen war der KSC eindeutig im Vorteil. All das soll nicht von den Schwächen der Mannschaft ablenken. Das sind einfach bei ruhiger Überlegung spielbestimmende Faktoren. Ob der MSV Duisburg hätte besser spielen können, lässt sich danach immer noch diskutieren. Man sollte dabei aber berücksichtigen, durch die Ausfälle von Branimir Bajic und Benjamin Kern gab es keine eingespielte Verteidigung, und so wurde das Risiko größer, den Druck auf den KSC etwa mit stets offensiv agierenden Außenverteidigern zu erhöhen. Die Mannschaft spielt nicht stabil gut, so dass Ausfälle problemlos kompensiert werden können. Es ist aber weiß Gott nicht so, dass da Spieler auf dem Platz stehen, die sich nicht einsetzen und die zu wenig für den Erfolg im Spiel tun.

Zum Schiedsrichter ist inzwischen auch viel gesagt worden. Seine desaströse Leistung bringt es sogar zur prominenten Nachberichterstattung von unser aller Skandalzeitung BILD.  Noch einmal: man kann diese Schiedsrichterleistung als katastrophal bewerten, ohne sie als Entschuldigung für die Niederlage zu nehmen. Sie erinnerte mich an die Pokalwettbewerbe des Westdeutschen Basketballverbandes. Der Verband trägt diesen Wettbewerb mit einem interessanten Malus-System aus. Spielt eine Mannschaft in den Ligen höher als der ihr zugeloste Gegner, startet sie mit je 20 Punkten Rückstand pro höherer Spielklasse. Der MSV Duisburg trug am Mittwoch auch ein Malus mit durchs Spiel. Das war ohne Frage der Schiedsrichter. Ich freue mich auf die Zeit, wenn die Mannschaft wieder so gut spielt, dass sie so ein Malus problemlos wegsteckt.

Das Spiel als Schleuder für Gefühle

Was für ein Wirbel der Gefühle, um mit so einem unbestimmten ich-weiß-nicht nach Hause zu gehen. Die Zufriedenheit mit dem Auftritt des MSV Duisburg in der zweiten Halbzeit wird immer wieder gestört durch die leise Enttäuschung über den Ausgleich zum 2:2. Manchmal pieckst sogar der Ärger, weil schon zuvor nach dem Vorpreschen von Dzemal Berberovic und der völlig offenen linken Seite für uns auf den Rängen so erkennbar war, dass da nur mit sehr viel Glück der zu erwartende Konter überstanden werden kann.

Bei diesem ständigen Anwehen  der Enttäuschung hilft auch der Rückblick auf die erste Halbzeit nicht. In der habe ich mir zum Ende nicht mehr vorstellen können, dass die Zebras ein Tor erzielen werden. So viel Einsatz wieder und so wenig Gefahr im Strafraum. Wie sollte ein Tor gelingen, wenn die  wenigen Gelegenheiten beim Eindringen im Strafraum ohne Druck zu Ende gespielt werden? Valeri Domochiyski wirkt im entscheidenden Moment schon wieder zu zögerlich. Der Strafraum scheint ein schwarzes Loch für sein Selbstvertrauen zu sein. Dort wird es weggesogen, so dass er schon wieder auf auf die Hilfe des Schiedsrichters hoffte.

Allerdings wirkte auch der Schiedsrichter in der ersten Halbzeit schwer gehandicapt, fehlte ihm doch kurz hintereinander die Hilfe seines Linienrichters bei Entscheidungen an der Torauslinie.  Zwei Eckstöße für den MSV Duisburg wurden nicht gegeben. Diese Eckstöße hätte der MSV aber für besagte Torgefahr unbedingt gebraucht. Deshalb waren diese Fehlentscheidungen besonders ärgerlich.

Zunächst zeigte die Hertha das reifere Spiel, dem der MSV Duisburg mit Kampf entgegen halten wollte. Die Berliner schlagen etwa Flanken jedes Mal scharf und relativ flach an die vordere Ecke des Fünfmeterraums. Dorthin kann der Torwart niemals kommen, zudem ist das Timing der Stürmer so aufeinander abgestimmt, dass aus dem Rückraum der Kopfballspieler noch hineinlaufen kann. In dieser Weise kann der MSV Duisburg keinen Angriff über Außen gestalten. Damit gilt es sich abzufinden. Die Flanken des MSV machen höhere Bögen, bleiben länger in der Luft, sind sehr viel ungenauer und bieten so den Abwehrspielern mehr Gelegenheit, sich auf sie einzustellen. Um so bemerkenswerter ist es, dass Goran Sukalo dennoch, nach einem Standard zwar, zum Kopfball kommt, so wie es dem Tor von Srjdan Baljak zum Ausgleich voranging.

In der zweiten Halbzeit aber entwickelte der MSV Duisburg seine eigenen Mittel um die Hertha unter Druck zu setzen. Das Kurzpassspiel mit dem überraschenden Pass in die Tiefe funktioniert inzwischen sehr gut. So schafft die Mannschaft ihre Chancen, und Sören Brandy seine Erfolgserlebnisse. Was ihm in der ersten Halbzeit alles misslang, klappte in Halbzeit zwei. Es war ein mitreißendes Spiel in dieser zweiten Hälfte, nachdem der Ausgleich gefallen war. Der MSV setzte die Hertha weiter unter Druck, und natürlich wuchs die Gefahr eines Konters durch die Berliner.  Doch zunächst gelang es dem MSV gut, diese Konter im Keim zu ersticken, oder sie endeten im Aus oder Abseits. Die 2:1-Führung entstand dann sogar aus dem Spiel heraus, was Hoffnung für die Zukunft gibt. Die Mannschaft erspielte sich nun auch Möglichkeiten. Standards blieben nicht ihr einziges Mittel.

Wenn dann noch endlich in der Defensive die Spieler hohe Bälle des Gegners nicht mehr per Kopf in die zentrale Position vor den 16-Meter-Raum abwehren, erzielen die Gegner auch mal weniger Tore. Der frühe Rückstand ist wieder die Konsequenz solch einer  Kopfballabwehr und auch später gab es noch zwei, drei unangenehme Situationen zu überstehen, weil der Ball zum Gegner dorthin gespielt wurde, wo die Hertha sofort wieder torgefährlich werden konnte.

Das Bangen um den Sieg dauerte nicht lange an, weil Sandro Wagner recht schnell den Ausgleich zum 2:2 erzielte. Mit den den Gefühlen ging es danach ebenso rauf und runter wie das Spiel hin und her. Sieg oder Niederlage, hieß die Devise für beide Mannschaften bis kurz vor Ende, so dass der Schlusspfiff in der Nachspielzeit von jeweils der Mannschaft ersehnt wurde, die gerade nicht den Ball hatte. Zum Spatz in der Hand seufzend gelugt, die verführerische Taube auf dem Dach sehnsüchtig angestarrt. So richtig wusste keiner mehr, ob er sich freuen sollte und wie gerade die Gefühlslage so war.

Nur einer wird da sicher keine Schwierigkeiten gehabt haben. Änis Ben-Hatira war mit Sicherheit mit sich selbst hoch zufrieden und wird wahrscheinlich selbst eine Umarmung von Maskottchen Hoppelhase als Bad in der Menge empfunden haben. Gesehen habe ich ihn am Ende nicht mehr, und schon wieder war es wie früher, als ich zu seinen Zeiten beim MSV keine Chance hatte, ihn so richtig als Publikumsliebling abzufeiern. Dabei musste ich ihm während des Spiels zu seiner Einschätzung seines Verhältnisses zu den Duisburger Fans gegenüber den Berliner Medien tatsächlich recht geben. In der zweiten Halbzeit wurde er von unserer Kurve so hochfrequent anhaltend bejubelt, dass es sogar wie Pfeifen klang. So einen tollen Publikumsliebling hatte der deutsche Fußball noch nie. Änis, wir wollen ein Kind von dir.  Den Spielbericht bei Sky gibt es mit einem Klick weiter.

Auf der Suche nach dem Zopf im eigenen Kurzhaar

Nichts habe ich vom Spiel des MSV Duisburg bei Eintracht Braunschweig gesehen, nur den lang anhaltenden aussichtsreichen torlosen Zwischenstand vernommen, um dann als nächstes, das Tor zum 3:0-Endstand per WDR2-Moderatorin mitgeteilt zu bekommen. Den Tiefschlag habe ich noch immer nicht verdaut. Das hat bestimmt mit dem trüben Wetter zu tun und mit den Hormonen. Ich lese deshalb auch keine Stimmen zum Spiel aus dem Fanumfeld. Es gibt da zu oft eine Lust am Untergang, der ich im Moment nichts entgegen zu halten habe.

Da lobe ich doch die Wut von Goran Sukalo. So ein Aufbegehren gegen die Wirklichkeit gibt mir etwas Hoffnung für das Spiel gegen Hertha BSC am  kommenden Montag. Der braucht keine aufbauenden Worte von „Coach Kosta“. Wieder einmal ist es schwierig, den Fortschritt dieser Mannschaft überhaupt im Blick zu behalten. Wieder einmal mangelt es an der Chancenverwertung. Es ist die Last der beiden Heimspielniederlagen gegen Aalen und Dresden, die uns die Einschätzung der Leistung so schwer macht. Mit einem einzigen Sieg in  einem dieser beiden Spiele sähe alles schon anders aus. Und ich weiß: hätte, hätte, ist aber nicht.

Zum Beispiel lese ich heute von zufriedenen Mainzern, die beim FC Schalke 04 ebenfalls gut gespielt haben und mit demselben 0:3-Ergebnis nach Hause fuhren. Sie haben teilweise das Spiel bestimmt, nur ihre Chancen auf ein Tor nicht genutzt.  Der Unterschied: der FSV Mainz 05 hat bereits ein Spiel gewonnen. Es muss nicht gleich diese Zufriedenheit sein, aber ein wenig von dieser Mainzer Stimmung könnte ich jetzt gebrauchen. Und die Mannschaft vom MSV Duisburg wahrscheinlich auch. Der Glaube an das eigene Können muss wach gehalten werden. Das ist bei den Enttäuschungen nach großem Einsatz sehr schwierig. Es bleibt nur auf Kosta Runjaics Wirken weiter zu hoffen, damit ich bald aufhören kann, im eigenen Kurzhaar den nur schwer zu findenden Zopf zu suchen, um mich daran aus diesem Stimmungschlamassel rauszuziehen. Bessere Laune durch den Erfolg dieser  Mannschaft. Eine gute Vorstellung.

Geduld zu haben fällt nicht leicht – Unentschieden statt Sieg

Und es wär‘ so schön gewesen, so ein Tor für den MSV Duisburg, zwischen der 46. und etwa der 70. Minute. Doch es wollte nicht fallen. In einem sind wir uns ja alle einig, richtig gefährlich vor das gegnerische Tor kommt die Mannschaft nicht oft und wenn, fehlt ihr (noch) die Treffsicherheit. Es gab die Chancen in dieser Zeit, ein Tor zu erzielen. Es waren keine todsicheren Chancen, sie waren aber gut genug. Ein freier Schuss von Maurice Exslager von der Strafraumgrenze, der deutlich neben das Tor ging. Ein Kopfball im Fünfmeterraum von Adli Lachheb, ebenfalls neben das Tor.

Dazu sahen wir bis auf die letzten zehn Minuten gefällige Kombinationen bis an die Strafraumgrenze, oft ohne die richtige Entscheidung dort, wo es für den Gegner wirklich gefährlich wird: ein Abspiel zu viel, wenn der Abschluss nötig war, ein Ansatz zum Dribbling, wenn der freie Mann auf dem Flügel stand. Das braucht weitere Arbeit, weiteres aufeinander Abstimmen. Der Wert dieses Kombinationsspiels lässt sich daran ermessen, dass der VfL Bochum dicht gestaffelt stand und sowohl die entsprechenden Lücken erst einmal gefunden werden mussten, als auch der entsprechende zusätzliche Druck durch die Defensivabteilung der Mannschaft notwendig war.

André Hoffmann zeigte gestern ein ganz starkes Spiel, sorgte für diesen Druck nach vorne und war zudem zur Stelle, wenn der Ball in der Vorwärtsvorbewegung verloren schien. Gerade in den fünfundzwanzig Minuten nach der Halbzeitpause holte er sich zusammen mit Goran Sukalo nahezu jeden in der Angriffshälfte verlorenen Ball sofort wieder zurück. Dazu kam in der hinteren Linie ein stark spielender Adli Lachheb, der zuverlässig die längeren Bälle der Bochumer ablief. Mit ihm an seiner Seite knüpft auch Branimir Bajic wieder an alte Leistungen an.

Als dieses Führungstor für den MSV Duisburg dann nicht gefallen war, begann das Zittern um das Unentschieden. Solche Spiele haben einen eigenen Verlauf, und es ist klar, wenn eine Mannschaft derart überlegen, aber erfolglos auf ein Tor spielt, wie es der MSV Duisburg für etwa fünfundzwanzig Minuten gemacht hat, dann kann das in einer Niederlage enden. Schließlich ist es schwierig, auch die Abwehrarbeit weiter im Blick zu halten, wenn schon so viel investiert wurde und die Belohnung durch ein Tor immer noch nicht erfolgte. Dann ist die Gefahr groß auch noch die letzte Kraft nur noch auf den Angriff zu verwenden. So hatten die Zebras in den letzten zehn Minuten zweimal großes Glück, dass der VfL sehr aussichtsreiche Konter nicht mit dem Führungstreffer abschloss. Da geht es den Bochumern genauso wie dem MSV, es fehlt ein Stürmer, der im entscheidenden Moment zuschlägt. Dem 1. FC Köln geht es übrigens auch so und einigen anderen Mannschaften mehr. Wir lernen also, neben dem Linksverteidiger sind auch abschlussstarke Stürmer auf dem Spielermarkt nicht oft im Angebot.

Man muss also die Spieler verbessern, die im Kader stehen, und da bemerke ich mit Kosta Runjaics Arbeit einen allmählichen Aufschwung. Nach dem Spiel gestern denke ich übrigens auch, vielleicht sollte Ivica Grlic das Trainerteam noch um eine Honorarkraft erweitern. Ich habe da Abdelaziz „Aziz“ Ahanfouf im Blick. Praktischerweise kennen sich Kosta Runjaic und Ahanfouf  aus der letzten Saison, als beide noch in Darmstadt weilten. Wo heute doch die Trainingsarbeit von immer mehr spezialisierten Fachkräften übernommen wird, könnte Ahanfouf sich in Intensiv-Workshops der darstellenden Künste annehmen. Wie fällt man bei drohendem Körperkontakt so, dass der Schiedsrichter ein Foulspiel erkennt? Seine große Erfahrung würde vor allem Valeri Domovchiyski helfen, der tatsächlich erheblich besser spielt, aber oft noch nicht robust genug ist, wenn er von Abwehrspielern angegangen wird. Er fällt dann einfach um und der Ball ist weg. Frustration droht. Ahanfouf könnte ihm zu Freistößen verhelfen und vielleicht auch beibringen, dass der beidfüßige Absprung in den Strafraum niemals einen Elfmeterpfiff bringt, wenn der Abwehrspieler mit Abstand nebenher läuft.

Wo sich alle einig über die Qualität des Sturmspiels sind, gehen die Meinungen über den Wert dieses Unentschiedens sehr auseinander. Diese Wertungen haben dann nichts mehr mit der Leistung der Mannschaft zu tun, sondern werden durch die Persönlichkeit des Betrachters hervorgerufen.  Ich kann da nicht anders, als die Fortschritte im Spiel dieser Mannschaft zu sehen. Seit gestern bin ich sicher und da hänge ich mich schon mal weit aus dem Fenster, die Mannschaft wird nicht absteigen. Und mit dem Punkt gegen den VfL Bochum startet sie nun noch besser als Fortuna Düsseldorf, die bei besagtem Katastrophenstart in der Saison 2010/11 auch ihr sechstes Spiel nacheinander, gegen eben diesen VfL Bochum, verloren. Fortuna wurde damals dann noch siebter. Wenn alles gut läuft, sollte deshalb  der sechste Platz für den MSV Duisburg nun drin sein. Sich im Mittelfeld tummeln reicht natürlich möglichst bald auch aus.

Filmtipp – auch für die Spieler vom MSV Duisburg

Eigentlich sollte dieser Kurzfilm Pflichtprogramm für den Kader des MSV Duisburg sein. Beim Mannschaftsabend per Beamer an die Wand geworfen, und wahrscheinlich würde mancher dann erst begreifen, warum da nun neben Ivo Grlic dieser legendäre Bernard Dietz mit auf dem Trainingsplatz steht. Sie werden ihn sicher schon mal flüchtig kennengelernt haben, diesen Bernard Dietz, doch was die Anwesenheit von Bernard Dietz für sie selbst bedeuten müsste, das, so vermute ich, haben die meisten wahrscheinlich noch nicht vollends in sich aufgenommen.

Mit dem sehr gelungenen kurzen Film von Tom Theunissen aus dem Jahr 2008 könnte das gelingen. Die Spieler könnten mit diesem Film noch einmal erfahren, wie sehr die Grundlage für jedes Spielen in Systemen die Einstellung des einzelnen ist. Eigentlich müssten sie dankbar sein, dass sie nun wahrscheinlich 14 Tage lang mit Bernard Dietz trainieren dürfen. Er selbst wird so etwas niemals hören wollen. Die Spieler könnten viele Sympathien zurück gewinnen. Sie bräuchten dazu nicht einmal beim TSV 1860 München gewinnen. Sie müssten nur im Spiel durchweg zum Ausdruck bringen, was Bernard Dietz den Kindern in seiner Fußballschule weitergeben will. „Was ich erreicht habe … Ich habe mir das erarbeitet, durch meine Einstellung. Und das wollte ich den Jungs vermitteln, dass sie heute die Möglichkeit haben, sich im Fußball eine Existenz aufbauen zu können.“ Das sagt er bei Minute 9.25.  Ob diese Pädagogik durch gelebtes Vorbild auch bei mehr oder weniger erwachsenen Spieler wirkt? Ich hoffe es sehr. Der Dank gilt ZebraMoviez fürs Hochladen

Die profane Gegenwart findet sich sowohl für etwas mehr als 2 Minuten auf der Seite des MSV in einem Clip von Studio47 als auch in einem Clip bei Goal.com. Der Tag nach der Entlassung von Oliver Reck auf dem Trainingsgelände mit O-Tönen von Goran Sukalo, Felix Wiedwald und Maurice Exslager.

Was ist die beste von all den schlechten Lösungen?

Die schreckliche eine Wahrheit: Die Entlassung von einem Trainer führt meist zu nichts. Die schreckliche andere Wahrheit: Es musste nach dem Spiel gegen Dynamo Dresden etwas geschehen. Oliver Reck und Uwe Schubert alleine besaßen keine Mittel, um mit diesem katastrophalen Saisonanfang umzugehen. Diese Branche kennt in so einem Fall nur die Entlassung eines Trainers. Ich hoffe nur, dass bei dieser Entlassung den Verantwortlichen klar ist, welche Defizite von Oliver Reck zu der Situation führten. Offensichtlich ist eines: Oliver Reck glaubte, er befände sich in einer ähnlichen Lage wie bei der Niederlagenserie, kurz nachdem er das Traineramt übernommen hatte. Dieser grundsätzliche Irrtum machte sich besonders in den immergleichen Durchhalteparolen auf den Pressekonferenzen deutlich. Noch enger zusammenrücken als Mittel gegen ein vorübergehendes spielerisches Unvermögen ist vielleicht dann möglich, wenn eine Mannschaft ein Zentrum besitzt, das Orientierung für diese symbolische Bewegung bietet. Diese gegenwärtige Mannschaft besitzt dieses Zentrum nicht. Auf dem Platz stehen Spieler, die unterschiedliche Vorstellungen vom Spiel haben. Und das ist ohne Frage dem Trainer anzulasten.

Oliver Reck hat auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Dynamo Dresden nicht ein Wort zur ersten Halbzeit verloren. Wie soll jemand ihm vertrauen, wenn er die Mängel dieses Spiels nicht benennt. Muss man mehr zu dem Spiel schreiben als dieses Zitat des Dresdner Spielers David Solga: „Das war ein wichtiger Dreier für uns. Duisburg war sehr angeschlagen und das haben wir genutzt. Nach dem frühen Tor war uns bald klar, dass wir das hier schaffen würden, die ganze Körpersprache der Duisburger war entsprechend.“  Im Reviersport wird er zitiert. Das Führungstor fiel in der vierten Minute. 86 Minuten blieben, um das Ergebnis zu ändern. Doch erst einmal fügen sich die meisten Spieler in die Niederlage? Vom äußeren Anschein ohne Zweifel, von der inneren Haltung her womöglich auch nicht. Es gab Spieler, die schon in der ersten Halbzeit, das Ergebnis ändern wollten. Es gab aber keine Mannschaft, die das ausstrahlte. Es gab kein einheitliches Bild, wie auf das Tor reagiert werden sollte. Sobald etwa Goran Sukalo den Ball bekam, machte er das Spiel langsam. Er signalisierte, wir müssen kontrolliert angreifen, bedächtig sein. So etwas geht nur, wenn irgendeine Struktur für diese Ballkontrolle vorhanden ist. Die gab es in der ersten Halbzeit nicht. Deshalb wirkte Goran Sukalo so, als überschätze er seine Auswirkung auf das Spiel. Er schien sich als erfahrener Spieler zu begreifen, der die Mannschaft organisieren muss. Wenn es danach aber keinen Plan gibt, scheint die Selbstüberschätzung nahe.

Das Spiel des MSV Duisburg war derart schlecht, dass im Kicker geradezu  Lobeshymnen über die „reifere Spielweise“ der Dresdner zu lesen sind. So eine Wertung kann nur durch den direkten Vergelich entstehen. Denn  auch beim Gast passte  nicht viel zusammen. Wieviele Angriffe hat diese Mannschaft wirklich erfolgreich ausgespielt? Wann war sie gefährlich, wenn sie nicht gerade von den Spielern des MSV Duisburg zum Torschuss eingeladen wurden? Eine Kopfballabwehr zentral vors Tor, knapp außerhalb des 16-Meterraums? Wunderbar, sagen da die Dresdner, da schießen wir doch das zweite Tor.  Wie lange flog die Flanke vor dem Führungstor durch die Luft? Im Ärger zugespitzt war ich der Ansicht, zwei zukünftige Absteiger gesehen zu haben. So weit ist es noch nicht.

Dieser Saisonanfang sollte deutlich gemacht haben, wie sehr die Leistung der Rückrunde in der letzten Saison davon abhing, dass Jürgen Gjasula zu seinem Spiel gefunden hatte. Die  Ausfälle der anderen Spieler kamen hinzu. Es blieben Spieler mit Qualitäten, für die Oliver Reck und Uwe Schubert keine gemeinsame Spielstruktur fanden.  Vielleicht hatten sie eine Vorstellung vom jeweiligen Spiel. Zu erkennen war sie nicht. Dann hätte sie erzählt werden müssen. Das wäre die einzige Alternative zur Entlassung gewesen. Jemand hätte den beiden zur Seite gestellt werden müssen. Es wäre ein ungewöhnlicher Weg gewesen, der finanziellen Situation geschuldet. Denn daran denke ich auch bei dieser Entlassung und an das Vorhaben, in diesem Verein mal etwas auf längere Sicht aufzubauen. Nun stehen die Verantwortlichen wieder vor der Aufgabe aus der Not heraus Entscheidungen zu treffen. Wir sehen, in dieser Situation gibt es keine gute Lösung. Es gibt nur die beste von all den schlechten, bei der aber eines gewiss ist. Es musste gehandelt werden. Hoffen wir auf neue Hoffnung. Mehr als das gibt es im Moment nicht.

Vom schönsten Tor der Saison und, ach ja, dem Ende des Rechnens

Recht schnell war das mit der Rechnerei vorbei beim Spiel des MSV Duisburg gegen den FC Erzgebirge Aue. Um uns herum hatte es sogar Kontakt zu Radiostationen gegeben, und Ergebnisse wurden per Knopf im Ohr mitgehört, aber auf dem Spielfeld ließ die Mannschaft vom MSV Duisburg keinerlei Zweifel daran, dass ein Sieg hersollte. Die Auer ließen keinen Zweifel daran, dass sie ihre Qualitäten eher im Verteidigungsspiel vermuteten als im konzentrierten Abschluss. Da brauchte es keine Ergebnisse aus anderen Stadien. Das Thema Klassenerhalt war für mich durch, nachdem die Auer es nicht geschafft hatten aus der einzigen Chance, die ihnen der MSV Duisburg schenkte, ein Tor zu erzielen.

Nebenbei: Verpflichten sich Spieler in Aue eigentlich mit ihrem Vertrag zu verstärktem Oberkörper-Muskelaufbau? Oder gibt es – umgekehrt – im Auer Scouting besondere Pluspunkte für stämmigen Körper und breite Schultern?  Das war mir schon in der letzten Spielzeit aufgefallen. Da gibt es doch einige Spieler beim FC Erzgebirge Aue, die man in Freizeitkleidung vom Ansehen her eher in Kraftsportarten vermuten würde. Dann ziehen sie sich aber Fußball-Klamotten an und los geht´s. In Duisburg zunächst nur nicht so erfolgreich.

Ich war entspannt und konnte deshalb das schönste Tor dieser Saison um so mehr genießen. Das 1:0 war ein wunderbares Teil-Ensemblestück, zunächst vorgetragen über den rechten Flügel durch Dzemal Berberovic, der  an den Rand des Sechszehnmeter-Raums flankt, wo Maurice Exslager mit dem Kopf hinter seinen Rücken in die Mitte zu Kevin Wolze verlängert. Der lässt den Ball von der Brust in den Rückraum abtropfen, wo Goran Sukalo wartet, um mit einem Volley-Schuss den Ball neben den rechten Pfosten ins Tor zu schießen. In der Gesamtheit von Vorbereitung und Abschluss das schönste Tor der Saison. Großartig!

Von Aue kam nicht mehr viel zu diesem Zeitpunkt. Nach vorne ging gar nichts. Dagegen waren vom MSV konstruktive Angriffe zu sehen, sowie zwei Freistöße, denen anzusehen war, dass da mit Verstand und Plan Varianten eingeübt waren, die den Gegner überraschen konnten. Einen dieser Freistöße brachte Kevin Wolze zum 2:0 im Tor unter.

Nach der Halbzeitpause war die Mannschaft vom MSV Duisburg allerdings dann überrascht, dass es sich die Auer doch anders überlegt hatten. Sie wollten sich gegen die Niederlage wehren. Das war so in der ersten Halbzeit nicht vereinbart gewesen. Deshalb schien es so, als begännen die Zebras zu schwimmen. Sie waren im Kopf auf diese starke Gegenwehr nicht mehr eingerichtet. Der Gegentreffer war nur eine Frage der Zeit. Erst von da an hielten sie einigermaßen dagegen, und das Spiel wurde ein zähes Ringen und sich Stemmen gegen den Ausgleich. Letztlich war diesem Ringen Erfolg beschieden, weil die Auer im Spiel nach vorne zu harmlos waren und Felix Wiedwald einen scharf geschossenen Freistoß, den ich schon im Tor sah, doch noch abwehren konnte. Daniel Brosinski hatte zwei-, dreimal die Gelegenheit dieses Ringen vorzeitig mit einem weiteren Tor zu beeenden. Doch dieses Mal zeigte er mit seinen Abschlüssen, was er neben dem Flanken in der Saisonvorbereitung  besonders üben sollte.

So war nach dieser zweiten Halbzeit die Stimmung auch nicht sonderlich ausgelassen, als der Klassenerhalt gefeiert werden konnte. Viele Zuschauer dachten schon an das Spiel gegen Düsseldorf. Vier von sechs zu verabschiedenden Spielern waren anwesend. Bruno Soares wurde dabei am meisten gefeiert. Anschließend ließ man Oliver Reck noch einmal hochleben, der zwar nicht auf den Zaun ging, aber noch ein paar Worte sprach. Erneut waren das hoffnungsfrohe Worte für die nächste Saison. Da könnte tatsächlich etwas wachsen. Ein wenig scheue ich mich von vorhandener Stabilität zu sprechen, auf die aufgebaut werden kann. Das sind die Zweifel, die uns als dem MSV Duisburg zugeneigte Menschen fast alle immer wieder überkommen, wenn wir von der Zukunft dieses Vereins reden sollen. Dennoch überwiegt bei mir die Vorfreude auf das, was kommt.

Für einen Verein wie dem MSV Duisburg ist es ungemein schwierig, sich im Mittelbau des professionellen Fußballbetriebs dauerhaft und ohne finanzielle Schwierigkeiten zu positionieren. Im Moment, so scheint es, kriegen wir gerade noch einmal die Kurve. Und um mit weiteren Gedankenspielen zur nächsten Saison zu enden. Wie im MSVPortal zu lesen ist, war Julian Koch am Sonntag im Stadion. Selbst wenn der MSV Duisburg sein Verein zur Ausleihe in der nächsten Saison dann doch nicht werden sollte. Es ist ein Zeichen für die gute Arbeit beim MSV Duisburg im Moment, dass bei der anstehenden Entscheidung für Julian Koch der Verein unserer Zuneigung als einer von zwei Vereinen mit im Rennen ist.

Nun bleibt noch, am nächsten Spieltag den zehnten Platz zu sichern, und  St. Pauli oder Paderborn die Chance auf das Relegationsspiel zu geben.  Womöglich gelänge dann sogar zum ersten Mal einem Zweitligist in der Relegation der Aufstieg. Weder der 1. FC Köln noch Hertha BSC machen ja im Moment den Eindruck, als könnten sie jemals wieder ein Spiel gewinnen.

Der MSV, der MSV, der MSV ist wieder da!

Wann ist das einmal so gut gegangen? Die Mannschaft des MSV Duisburg zieht sich nach einer Zwei-Tore-Führung zurück, überlässt dem Gegner das Spielfeld und diesem Gegner gelingt nicht einmal ein Anschlusstor? Dieser Gegner spielt wie eine Handballmannschaft immer um den Strafraum herum, und der Mannschaft fällt nichts ein, wie sie gefahrvoll vor das Tor des MSV Duisburg kommen kann. Dieser Mannschaft, Eintracht Frankurt, gelang ein bedrohlicher Schuss auf das Tor von Felix Wiedwald nach der 2:o-Führung. Er kam verdeckt, und der Ball hätte den Weg ins linke untere Eck  finden können. Doch Goran Sukalo bekam einen Fuß in die Schussbahn und lenkte den Ball zur Ecke ab.

Dennoch hatte ich nie die Sicherheit, mit der Oliver Reck nach dem Spiel vor die Presse trat. Er hatte in dieser zweiten Halbzeit nie das Gefühl, die Eintracht könne noch ein Tor erzielen. Das unterscheidet den Trainer vom Zuschauer, der Zuschauer erinnert sich an all die Spiele des MSV Duisburg, in denen in letzten Minuten – sogar gegen alle Wahrscheinlichkeiten – noch etwas schief gegangen ist. Der Trainer befindet sich mit seinen Gedanken nur in dem einen Spiel.

Wir können uns über den 2:0-Sieg gegen den Aufstiegsfavoriten freuen und über den Klassenerhalt. Da lege ich mich jetzt auch in der Öffentlichkeit fest. Mit etwas mulmigem Gefühl hatte ich das schon unter vier Augen Freunden  nach dem Unentschieden in Ingolstadt zugeflüstert. Nach dem Sieg gegen Eintracht Frankfurt bin ich nun doch aber froh, dass tatsächlich niemand aus der Schicksalsagentur, Sparte Rückschläge im Leben, heimlich mitgehört hat.

Natürlich hat man sehen können, dass Eintracht Frankfurts Spielanlage eigentlich der vom MSV Duisburg überlegen war. Der Ball lief besser, die Spieler schienen genauer zu wissen, wo ihre Mitspieler sich gerade befanden. Doch ahnte man immer wieder nur das Potenzial dieser Mannschaft, denn gleichzeitig spürte man auch, diese Eintracht war sich ihrer vermeintlichen spielerischen Überlegenheit zu sicher. Jederzeit zu sehen war sie ja nicht. Dennoch schien die Spieler der Eintracht zu meinen, ihr Spielaufbau werde sich zu überlegenem Spiel entwickeln In der ersten Halbzeit hatte es diese Möglichkeit der Spielentwicklung auch gegeben. Dagegen standen in der Defensive beim MSV Duisburg Einsatz und Laufbereitschaft. Großartig wieder Goran Sukalo, der von der Mitte aus so oft als zweite Absicherung an die Außenlinie ging und dann dort den Stürmer der Eintracht stellte, wenn die Außenverteidiger überspielt waren. Er war immer überall da, wo die Not wuchs.  Großartig war aber auch sein Volleyschuss zur 1:0-Führung.

Im Spiel nach vorne überzeugte wieder der Mut, die Angriffe kontrolliert vorzutragen und spielerische Lösungen zu suchen. Das brachte zwar keine klaren Chancen, erhöhte aber den Druck auf die Eintracht in der ersten Halbzeit. Die Eintracht konnte sich nie sicher sein, ob nicht einer dieser Angriffe sauber zu Ende gespielt werden würde. Zu Ecken hat das dann ja geführt. Und wie wir gesehen haben, entstand aus einer dieser Ecken im zweiten Anlauf die Führung.

Nach der Halbzeitpause warteten wir auf den beginnenden Sturmlauf der Eintracht, doch deren erstes kurzes Aufbäumen von drei, vier Minuten überstand der MSV und war danach wieder gefährlich im Spiel. Eine Doppelchance machte Oka Nikolov noch zunichte. Doch es gab ja wieder eine Ecke mit Gedränge vor dem Tor, in das Bruno Soares hineinrauschte und dabei den Ball irgendwie ins Tor drückte. Wie unbeschwert diese Spieler nun dort auf dem Spielfeld ihre Siege feiern. Welche Entwicklung ist das in den Wochen seit dem Jahresanfang.

Ein wenig Sorgen bereitet mir Jürgen Gjasulas Auswechlung. Schon zum Ende der ersten Halbzeit schien er Schmerzen in der Wade oder am Fuß zu haben. Hoffen wir, da gibt es nur eine Prellung. Die Mannschaft braucht seine Ballsicherheit, seinen Blick und seine Ideen. Da gibt es für mich keine Frage. Der Mut mit jedem Gegner die Augenhöhe zu suchen, hängt mit seiner wieder gewonnen Spielstärke zusammen. Es wäre doch schön, den Rest der Saison von der Siegeslaune der letzten Wochen noch so oft wie möglich begleiten lassen zu können.

Schade um den möglichen Sieg, aber …

Nun konnten wir im dritten Auswärtsspiel hintereinander nach einer Führung des MSV Duisburg auf einen Sieg hoffen. Nur wer hofft, kann enttäuscht werden. Es war schade, dass der Ausgleich kurz vor Spielende fiel, doch welch große Fortschritte hat diese Mannschaft gemacht, seit gegen Union Berlin das Ausgleichstor kurz vor dem Schlusspfiff fiel. Was damals ein Gefühl von Unglück hinterließ, betrachtete ich gestern als ein Ergebnis, das bei einer knappen Führung immer möglich sein kann. Damals war mein Vertrauen in diese Mannschaft jederzeit angreifbar und deshalb trauerte ich um verlorene zwei Punkte. Was man hat, das hat man.  Heute wirkt diese Mannschaft so gefestigt auf mich, dass sie eben in den nächsten Spielen ihre Punkte holen wird.  Sie nimmt den Ausgleich hin, holt damit aber sogar einen Punkt mehr, als ich in meinem Plan „Klassenerhalt“ vorgesehen habe und richtet den Blick auf das nächste Spiel.

Diese Mannschaft ist auf einem guten Weg, der durch späte Ausgleichstore nicht mehr irritiert wird. Wie ruhig und sicher hat sie in der ersten Halbzeit versucht Angriffe aufzubauen gegen einen FC Ingolstadt, der sich sehr weit zurück zog. Der MSV Duisburg war gezwungen, das Spiel zu machen. Die Mannschaft musste der Gefahr begegnen, durch ein Konterspiel ausgeknockt zu werden, durch das schon der SC Paderborn unter die Räder gekommen war. Doch dieses Konterspiel des FC Ingolstadt wurde im Keim erstickt.

Der MSV Duisburg wird sich seiner spielerischen Möglichkeiten immer sicherer. Dieses Spiel war von seiner Anlage her ein völlig anderes als das in Paderborn. Auch deshalb wächst mein Vertrauen in die Mannschaft vom MSV Duisburg weiter. Unterschiedliche Aufgaben werden unterschiedlich gelöst, und über allem steht das Wissen, wir werden Abwehr des Gegners mit spielerischen Mitteln überwinden. Die Mannschaft ist allerdings (noch) nicht so gut, dass keine Fehler passieren. Deshalb reicht eine Führung mit nur einem Tor nicht immer für den Sieg. Deshalb zittern wir zum Ende eines Spiels hin immer mehr. Schnittstelle ist das Stichwort, und die Sportberichterstattung spricht dann gerne von der Abstimmung zwischen Außen- und Innenverteidigung. Da kriege ich Herzklopfen, wenn kurz vor dem 16-Meter-Raum die Pässe steil gespielt werden, weil bei die Raumaufteilung unserer Verteidigung darauf angelegt ist, dass Pässe des Gegners auch immer mal ankommen. Beim folgenden eins gegen eins können wir aber nie ganz sicher auf den Ballgewinn setzen und im noch schlechteren Fall rennt unser einer dem gegnerischen anderen bei dessen einsamen Sprint auf Felix Wiedwald zu hinterher.

Bei meinem Plan „Klassenerhalt“ war sogar eine Niederlage in Ingolstadt einkalkuliert. Der Punktgewinn stimmt mich deshalb trotz kitzelnder Enttäuschung zufrieden. Wie er zustande kam, lässt mich sogar hoffen, das auch aus meiner einkalkulierten Niederlage im Spiel gegen Eintracht Frankfurt etwas anderes wird. Andererseits fallen André Hoffman und Valeri Domovchiyski wegen ihren fünften gelben Karten aus, Goran Sukalos Knie schmerzt und über weitere Folgen von Verdrehen will ich erst mal nicht nachdenken. Das Spiel gegen Aachen ist zwar weitaus wichtiger, aber wie gesagt, was man hat, das hat man.


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