Posts Tagged 'Gruppendynamik'

Friedenssichernde Trainingsmaßnahme

Wenn das Training von nun an mit spannungslindernden Maßnahmen zur Gruppendynamik beginnt, wird der zurzeit öffentlich propagierte Frieden wahrscheinlich bis zum Saisonende irgendwie halten. Ganz wichtig ist dabei aber, dass alle Konfliktbeteiligten die Übung mitmachen. Ich halte die Übung zur Überbrückung der restlichen Saison für so bedeutsam, dass ich das anleitende Video trotz der schlechten Bildqualität hier aufnehmen möchte.

Wird ein Muster nun erkennbar?

Seit Jahren spiele ich Basketball. Schon sehr lange gibt es dabei keinerlei Ambitionen mehr,  außer zu gewinnen. Das einzelne Spiel. Das gilt für mich wie für meine Mitspieler, auch wenn wir zum Teil gegen Mannschaften spielen mit Spielern im Alter unserer Kinder. Eine Voraussetzung für dieses Gewinnen wird aber von mir und meiner Mannschaft oft nur etwas nachlässig beachtet: Das Spiel beginnt mit dem Anpfiff. Wir sind es von unseren mannschaftsinternen Basketballabenden – Training ist das längst nicht mehr – nämlich gewohnt, uns ganz allmählich an schnelle Bewegungen heranzutasten und die für das Siegen notwendige Präsenz auf dem Spielfeld in gegenseitigem Einvernehmen nach und nach erst zu entwickeln. Wir brauchen diese Zeit, schließlich sind wir nicht mehr die jüngsten.

Bei einem Meisterschaftsspiel ist das dummer Weise anders. Da gibt es tatsächlich gegnerische Mannschaften, die suchen von dieser ersten Sekunde des Spiels an den Erfolg. Das ist unangenehm für uns, weil wir diese andere, uns so vertraute Haltung einfach nicht aus dem Kopf bekommen, selbst wenn wir uns lange genug aufgewärmt haben. Obwohl wir die Gefahr so gut kennen, liegen wir dann innerhalb von fünf Minuten mit acht bis zehn Punkten zurück. Ändern lässt sich dieser Spielauftakt fast nie. In meiner Mannschaft hat sich eine Kultur der Spielweise etabliert, die mächtiger ist als unser bewusster Wille diesen befürchteten Rückstand zu verhindern. Wir gewinnen manchmal dennoch. Aus unterschiedlichen Gründen. Manchmal ist der Gegner einfach zu schlecht, um den Vorsprung zu halten. Manchmal bringen wir dank unserer Erfahrung eine jüngere gegnerische Mannschaft aus ihrem Spielrhythmus. Manchmal wird der Gegner zu leichtsinnig und nachlässig.

In dieser Saison scheint der MSV Duisburg immer mal wieder mit einem ähnlichen Problem zu kämpfen wie meine Basketballmannschaft. Wenn ich bei Der Westen lese, wie der Verein aller Vereine in München verloren hat, erinnert mich das sehr an das Spiel gegen Rot-Weiß Oberhausen. Das Freistoßtor fiel nur eine Minute früher als im Niederrhein-Stadion. Die Mauer scheint erneut eher mäßig gestellt gewesen zu sein. Tom Starke kommentiert, erst nach 20 Minuten sei der Schalter umgelegt worden. Das verstehe ich so, vorher war die Mannschaft noch nicht mit der Konzentration auf dem Platz wie es notwendig gewesen wäre.

Mehrmals habe ich in den letzten Wochen lesen können, die Mannschaft sei stärker besetzt als in der letzten Saison wahlweise auch als in der letzten Aufstiegssaison. Mir scheint das nicht falsch zu sein. Dennoch stehen diese starken Einzelspieler weder in jedem Spiel nach dem Anpfiff von Anfang an entschlossen auf dem Platz, noch finden sie regelmäßig zur Einheit. Auch das lese ich nämlich vor allem in den Kommentaren zu dem oben verlinkten Artikel oder im msvportal, es mangelt an Geschlossenheit und Zusammenspiel.

Hat sich da nun etwas verfestigt, was den Erfolg verhindert? Gibt es da nun eine mir und meiner Basketballmannschaft so bekannte Kultur der Spielweise. Ist das ein sozialpsychologisches Phänomen, eine Gruppendynamik des Misserfolgs? Gibt es da eine Atmosphäre innerhalb der Mannschaft, die Konzentration verhindert? Einen Geist der Mannschaft? Gerade dann wenn der Gegner spielerisch nicht überlegen ist, macht sich eine solche Kultur der Spielweise bemerkbar. Gerade dann entscheidet das Auftreten der Mannschaft, wie der Gegner sein Spiel entwickeln kann. So war das gegen Rot-Weiß Oberhausen, so muss es gegen TSV 1860 München gewesen sein.

Wie auch immer man diese Eigenart der Mannschaft nennen will, eins ist sicher, wenn schon erste Muster von Niederlagen erkennbar sind, wird es sehr schwer für die Spieler, sich der Wirksamkeit einer solchen sich ausbildenden Kultur der Spielweise zu entziehen. So unbedingt das auch jeder einzelne in dieser Mannschaft will, braucht es Spiel für Spiel mehr Können und mehr Einsatzbereitschaft, je öfter das Vorhaben missrät. Gelingt es einmal mehr nicht, von Anfang an entschlossen auf dem Platz zu stehen, ergeben sich Ratlosigkeit und Ohnmacht. Denn jeder der Spieler fühlt sich als Einzelperson ja bereit dazu, alles beizutragen den erkannten Fehler nicht zu wiederholen. Doch irgendwann geht es der Mannschaft wie einem Fahrradfahrer auf Feldwegen. Der muss die alten Spurrillen weit umfahren, um nicht gleich wieder drin zu landen und dann unweigerlich nach ein paar Metern zu stürzen.

Manchmal möchte ich wissen, wie in einem Fußballverein nach solch einem Spiel, Gründe für die Niederlage gesucht werden. Was macht Peter Neururer konkret? Gibt es ein offenes Reden von vielen? Ich frage mich das, weil ein Verändern der Spielweise nicht alleine durch das Trainieren des Fußballspiels selbst gelingen wird. Zur Einstimmung der Mannschaftspsyche vor einem Spiel reicht es uns als Basketballmannschaft, wenn wir uns nach dem Aufwärmen gegenseitig versichern, dieses Mal aber von Anfang an der Entschlossenheit der gegnerischen Mannschaft etwas entgegen zu halten. Ich hoffe sehr, beim MSV Duisburg wird das Problem etwas grundsätzlicher angepackt. Wir landen nämlich mit unserer Kultur der Spielweise und dem meist nur symbolhaften Aufbäumen dagegen seit ein paar Jahren stets im Mittelfeld der Tabelle.

Die Gruppe: dein Feind? – Ballsportsitten anderswo

Wenn ich die Vorgänge beim Volleyball-Erstligisten Wuppertal Titans richtig deute, wurde hier forschungsfreudigen Sozialpsychologen, Anthropologen und Spieltheoretikern ein schönes Experiment frei Haus geliefert. Die zu erfolglose Mannschaft war aufgefordert einen Spieler auszuwählen, der in Zukunft nicht mehr der Mannschaft angehören soll. Das humanistische Fazit des Experiments lautet: Die Gruppe solidarisiert sich und lehnt das Ansinnen ab. Welchen Einfluss dieser Entschluss nun auf den Erfolg der Mannschaft haben wird, sei dahin gestellt. Wichtig scheint mir an dem Vorgang vor allem, dass die pseudo-demokratische Vorgehensweise der Vereinsführung damit bloßgestellt wurde. Zwar waren die Spieler aufgefordert, sowohl Trainer als auch Manager miteinzubeziehen in das Statement, doch wurde das Statement im Einzelgespräch mit dem Manager abgegeben. Wer aber sagt in dieser Situation, wo es vielleicht um den eigenen Arbeitsplatz geht, es dem Manager als Arbeitgeber ins Gesicht, dass er für Misserfolg verantwortlich ist?  Interessant auch das archaische Moment des Geschehens. Ein Opferritus sollte zelebriert werden, damit in Zukunft alles besser wird. Da lobe ich mir doch die klaren Neururer-Ansagen, dass in der Winterpause der Kader verkleinert wird. Und wer dafür verantwortlich ist, darüber besteht nun überhaupt kein Zweifel.


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