Posts Tagged 'Hamborn 07'

Derselbe Gegner, andere Zeiten – Hamborn 07

Nach dem Testspiel des MSV gegen Hamborn 07 gestern Abend, bin ich vorhin kurz in die Vergangenheit weggetaucht. Ich hatte mich nämlich an einen Youtube-Clip erinnert aus den Oberliga-Zeiten des MSV, die ja zugleich Oberligazeiten von Hamborn 07 waren. Es war die letzte Oberliga-Saison für den MSV, und die Begegnung war das Spitzenspiel der Liga. Erst in der letzten Minute konnte der MSV trotz großer Überlegenheit im gesamten Spiel das Siegtor durch Michael Struckmann zum 2:1 erzielen. Damit verbunden ist auch noch eine Erinnerung an Michael Tönnies. Ab Minute 2.40 ist er mit einem seiner schönen Strafraumtore zu sehen. Zur rechten Zeit am richtigen Ort, perferkte Körperbeherrschung und rein das Ding. Ausgleich. Alte Zeiten.

 

Advertisements

Der Duisburger Gerd Hennig – Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter

Vor einigen Wochen bat mich ein Bekannter meiner Mutter um Hilfe für seinen Freund Gerd Hennig. Ich kannte Gerd Hennig nicht nur als Bundesligaschiedsrichter in den 1970er Jahren vom Namen her. Schließlich ist er alter Meidericher. Sein Sohn war ein oder zwei Stufen über mir ebenfalls Schüler auf dem Max-Planck-Gymnasium. Gerd Hennig hatte nach der Genesung von einer Erkrankung seine Erinnerungen aufgeschrieben. Die sollte ich mir mal ansehen. So fuhr ich zu Gerd Hennig, der inzwischen in Duissern wohnt. Ich habe ein paar Fotos gemacht und einen dicken Packen Blätter mit auf den Weg bekommen. Handschriftliche Notizen waren das und viele Seiten unterschiedlicher Ausdrucke. Viel Arbeit hatte er hineingesteckt, viel Arbeit steht noch an. „Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter“ hat Gerd Hennig seine Erinnerungen genannt. Mit ihnen möchte er auch für das Schiedsrichtern werben, weil es an Nachwuchs fehle. Ich hoffe, ab nun in loser Folge Ausschnitte dieser von mir bearbeiteten Erinnerungen vorstellen zu können. Heute geht es um die Anfänge von Gerd Hennigs Fußballbegeisterung.

Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter
Von Gerd Hennig

Mein erstes Fußballspiel erlebte ich an einem Sonntag im September 1947, als mich mein Patenonkel zu einem Radsportrennen mitnahm, welches als Doppelveranstaltung mit einem Meisterschaftsspiel zwischen Hamborn 07 und dem VfvB Ruhrort/Laar stattfand. Während mein Patenonkel nur auf die damals noch vorhandene Betonpiste des alten Schwelgernstadions sah, interessierte ich mich vor allem für das von den Schulfreunden angekündigte Fußballmatch auf dem Rasen der Sportarena. Es zog mich derart in den Bann, dass ich in den Folgewochen auf dem staubigen Schulhof nur noch bei meinen Fußball spielenden Klassenkameraden zu finden war. Während die mich als „Nobody“ unter ferner liefen einordneten und als Lückenfüller für ihre Mannschaften nutzten, wurde ich nach Schulschluss auf der Bronkhorststraße als echter Mitspieler akzeptiert. Dort, auf der breiten asphaltierten Straße, spielten wir auf Tore, die wir mit unseren Tornistern markierten, und lieferten uns heiße Kämpfe. Autoverkehr, der uns dabei behinderte, gab es nicht.

Am Nachmittag nach Erledigung meiner Schulaufgaben nutzte ich meinen Kurzhaardackel als Alibi, um zu meinen Spielkameraden zu kommen. Dann ging ich zur Vogesenstraße und band ihn dort mit seiner Leine an ein Stahlrohr. Oftmals gaben ihm vorbeigehende Passanten mitleidig ein „Leckerli“, während ich mit den Nachbarsjungen dem neu entdeckten Fußball hinterherjagte. Wir spielten fast immer mit einem kleinen ausrangierten Tennisball. Nach Spielschluss hatte ich endlich Zeit für meinen treu wartenden Hund, der dann ohne Leine über die Feldwege der anliegenden Schrebergärten tollen durfte. Ich sammelte gleichzeitig Löwenzahn und anderes Grünfutter für unsere Kaninchen im Fahrradkeller.

Das passende Schuhwerk für das Fußballspielen besaß ich allerdings nicht. Es war immer ein Dilemma mit meinen Holzsandalen spielen zu müssen. Mein Vater hatte sie zusammengebastelt. Damit sich meine Faszniation fortsetzen konnte, bedurfte es deshalb eines glücklichen Umstandes. Willy Laacks war ein ehemaliger Klassenkamerad meiner Mutter, der auf der Brückelstraße einen Kohle- und Rohproduktenhandel betrieb. Als sie bei ihm eine Fuhre aus der Emscher gewonnenen Kohleschlamm kaufte, schilderte sie die Sorgen ihres fußballbesesessenen Sohnes so deutlich, dass er mich für den folgenden Sonntagvormittag zu sich einlud. Mit zitternden Knien und erwartungsvoll schellte ich. Zu meiner Überraschung wurde ich vom „Chef“ persönlich begrüßt. Er leitete mich über eine schmale Holztreppe in die obere Etage des bescheidenen Hauses, wo auf endloslangen Regalen Fußballschuhe aller Größen in schwarz und rotbraun lagerten. Ein Paar durfte ich mir aussuchen. Ich entschied mich für ein rotbraunes mit Lederstollen, das ich kostenlos mitnehmen durfte. Die einzige Bedingung dabei war, dass ich mich in der folgenden Woche beim damaligen Meidericher SV anmeldete. Das war schon lange mein Wunsch.

Fortsetzung folgt

 

 

 

Halbfinale im DFB-Pokal mit Duisburger Beteiligung

Und noch etwas zum Zeitvertreib: Mehr für euch als für mich, denn es gibt nur wenig mehr als Daten. Vielleicht sind sie Anstoß für Erinnerungen. Meine ausführlicheren Geschichten dazu erzähle ich ein anderes Mal. Die Zeit kann heute nämlich auch ganz von selbst mit den Anforderungen des Alltags vertrieben werden. Die Verlinkungen führen zu weltfussball.de, wo die jeweiligen Spieldaten am ausführlichsten gelistet sind.

Nicht der Meidericher SV war die erste erfolgreiche Duisburger Mannschaft im DFB-Pokal sondern Hamborn 07. In der Saison 1960/61 trat am Mittwoch, den 23. August 1961, Hamborn 07 gegen den  1. FC Kaiserslautern im Halbfinale des DFB-Pokals an und verlor 1:2. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Hausgeburten waren damals in Städten eher die Ausnahme. Und selbst wenn es im Elisabeth-Krankenhaus Radios gegeben hätte, verstanden hätte ich mit Sicherheit nicht, worum es bei diesen fremden Geräuschen ging.

Das war in der Saison 1974/75 am Mittwoch, den 30. April 1975, schon anders. Da spielte der MSV Duisburg gegen Borussia Dortmund im Halbfinale des DFB-Pokals. Ich stand auf der Gegengerade im „Mob“, wie es damals hieß, an einem Wellenbrecher und hoffte, das Anrennen des MSV nach dem Rückstand in der 58. Minute könnte noch Erfolg haben. Tatsächlich fiel der Ausgleich in der 88. Minute. In der Verlängerung schoss Bernard Dietz das Siegtor. Das großartige Gefühl des Jubels vermengt sich in meiner Erinnerung mit einem kurzen Schrecken, als irgendwann die Menge um uns herum in Bewegung geriet. Dortmunder kamen aus der Südkurve rüber und wollten Rabbatz machen. Ich meine, in dieser Zeit gab es über dem Marathontor noch nicht einmal ein verschließbares Gitter. Als es vorhanden war, wurde es nur bei solchen Derbys verschlossen. Die Menge in Bewegung war äußerst unangenehm, weil ich vom Wellenbrecher nicht wegkam und sich die Qerstange in meinen Körper drückte. Erst bei einem kurzen Nachlassen des Drucks der Masse konnte ich ich an der Stange entlangrutschen und mit den anderen davonfluten.

Obwohl ich in der Saison 1977/78 am Mittwoch, den 25. Januar 1978, mit Sicherheit nach Düsseldorf gefahren bin, habe ich das Auswärtsspiel des MSV Duisburg bei Fortuna Düsseldorf aus meinem Gedächtnis getilgt. Da gibt es kein Fitzelchen Erinnerung an die hohe 1:4-Niederlage.

In der Saison 1990/91 wurden die Pokalspiele nach einem Unentschieden zwar verlängert, aber nicht durch Elfmeterschießen zur Entscheidung gebracht. Es kam zu einem Rückspiel beim Gegner.  Der MSV Duisburg als damaliger Zweitligist erspielte sich am Dienstag, den 23. April 1991, gegen den Erstligisten 1. FC Köln ein 0:0 nach Verlängerung. Zwei Wochen später fand am Dienstag, den 7. Mai 1991, das Entscheidungsspiel in Köln statt. Obwohl im Hinspiel der Einzug ins Finale möglich gewesen war, blieb der MSV Duisburg in Köln chancenlos und verlor 3:0. Es war jenes Spiel, nach dem „mach et, Otze“ zum geflügelten Wort wurde. Der damalige Trainer des 1. FC Köln Erich Rutemöller hatte es zu Frank Ordenewitz gesagt, der eine gelbe Karte erhalten hatte und deshalb im Finale wegen einer Gelbsperre nicht hätte dabei sein dürfen. Die Sperre für eine gelb-rote Karte hätte er dagegen im Liga-Alltag ableisten müssen oder können. Zum Leidwesen Rutemöllers und von Ordenewitz waren die TV-Kameras zu nah, und der DFB musste handeln.

An das DFB-Pokalhalbfinale in der Saison 1997/98 gegen Eintracht Trier erinnere ich mich so, als sei das Spiel vor etwa zwei, drei Jahren gewesen. Am Mittwoch, den 18. Februar 1998, stand es bei dem Auswärtsspiel 1:1 nach der Verlängerung. Ich hatte nicht nach Trier fahren können und war von Köln aus zu Freunden nach Duisburg gefahren. Es war das erste Elfmeterschießen, das ich sah, an dem sämtliche Spieler beider Mannschaften teilnehmen mussten und nach dem es bekanntermaßen am Ende 10:9 für den MSV Duisburg stand.

Bleibt die Saison 2010/2011, am Dienstag, den 1.3. 2011 spielt der MSV Duisburg gegen den FC Energie Cottbus. Endstand? Egal wie, siegen und bis es so weit ist, denke ich immer mal wieder zwischendurch an diese Kulisse in dem ausverkauften Stadion. Es wird gut werden.


JETZT BESTELLEN
Das Buch über den Sommer 2013 in Duisburg rund um den MSV bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 9,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Bloglisten


%d Bloggern gefällt das: