Posts Tagged 'Hans-Werner Tomalak'

Ohne Blick auf Gründe interessiert das Klima nicht

Als Journalist darf man Meinungen haben. Keine Frage. Allerdings missfällt es mir, wenn Meinungen sich in einen Neutralität vorgebenden Artikel einschleichen. Dann ist die Meinung nur unzulänglich greifbar, wird nur als Ton deutlich und wirkt tendenziös. Wenn ich diesen Artikel bei Der Westen über „Ein Klima voll Neid und Missgunst“ lese, scheint der Autor nach meinem Eindruck Sympathien für die Position von Dieter Steffen zu empfinden. Die darf er haben, aber dann muss er auch offen sagen, warum. Mir langt es da nicht, mit der Moral zu kommen und möglicherweise intrigantes Verhalten von Streitbeteiligten aufzudecken. Das interessiert mich alles gar nicht, wer da wie gegen wen „böse“ ist. Das ist Klatsch und gehört, wenn es so in den Vordergrund rückt,  in den Boulevard.

In diesem Streit beim MSV Duisburg geht es mir nicht um das Klima, in dem der Streit stattfindet. Die wichtigste Information in diesem Artikel ist doch die Frage des Aufsichtsrates der  KGaA des Vereins an den Vereinsvorsitzenden nach den Verträgen. Alleine in diesem Fall geht es um Strukturen des Vereins. Da scheint etwas Wichtiges vorgefallen zu sein. Da geht es nicht nur um das Klima zwischen zwei Vertretern des Vereins und dem „mein Schäufelchen kriegt der aber nicht“. Da ist etwas geschehen, was die Frage nach der Macht stellt. Da müsste nachgefragt werden. Das müsste in jedem Artikel über die Führungskrise beim MSV Duisburg in den Vordergrund gerückt werden. Alles andere drumherum kennen wir in den unterschiedlichsten Sphären unserer Gesellschaft als unappetitliche Machtkampfgeräusche. Das lässt sich in den Partein finden, bei großen Wirtschaftsunternehmen und eben auch in Sportvereinen. In den Vordergrund gestellt verdecken diese Machtkampfgeräusche die wichtigen Fragen, um die es geht. Über diese Gründe des Machtkampfes wäre zu berichten, und gleichzeitig wären die Beteiligten wahrscheinlich gezwungen, sich bei all dem Krach, den sie veranstalten, auch mal zu dem zu äußern, worum es ihnen nochmals ging.

Nachtrag: Bei den Gremien bin ich angesichts der täglichen Nachrichten durcheinander gekommen. Also, Hans-Werner Tomalak ist natürlich Vorsitzender des Aufsichtsrates des Vereins MSV Duisburg, und er hat dem Vorsitzenden Dieter Steffen Fragen unterbreitet, die sich sowohl auf das Arbeiten in der KGaA bezogen als auch auf das Handeln des Vorstands. Dieter Steffen wiederum wies ein die auf die KGaA bezogenen Fragen anscheinend zurück und beantwortete die auf dem Nebenschauplatz Vorstandsarbeit.

Als Grund für Streit ist Eitelkeit zu kurz gedacht

David Karpathy ist gestern zurückgetreten. Er war der Aufsichtsratschef der KGaA. Damit ist die gesamte neu gefundene Führungsebene des MSV Duisburg der Nach-Hellmich-Zeit Geschichte. Was bedeutet das nun? Klaus Wille schreibt bei Der Westen einen Kommentar, den er folgendermaßen einleitet: Der MSV Duisburg ist Spielball persönlicher Interessen und Eitelkeiten geworden.“ Mit diesem Kommentar macht er nichts anderes, als was alle am MSV interessierten Menschen auch können. Er schimpft und meckert über die Zustände. Erhellend ist dieser Kommentar nicht. Klaus Wille vertritt Volkes Stimme, ohne diesem Volk auch Argumente für diese Meinung mitzugeben. Was sollen denn diese persönlichen Interessen sein? Das hätte ich gerne gewusst. Persönliche Interessen, das scheint mir ein hingeschmissenes Schlagwort zu sein, das ungedeckt immer gerne gelesen wird, weil ja jeder inzwischen nur noch das Schlimmste denkt von dem, was die Eliten in unserer Gesellschaft bei ihrem Handeln antreibt. Willkommen beim Populismus.

Also, was bedeutet das Geschehen nun? So eine Berichterstattung könnte ja auch einmal davon ausgehen, dass das Geschehen einen anderen Hintergrund hat, als den der persönlichen Interessen und Eitelkeiten. Diese Eitelkeit legt sich natürlich über die eigentliche Ziele, und es ist billig sich daran zu reiben. Interessant wäre es, vermutete Beweggründe für das Verhalten der beiden Parteien aufzuzeigen. Danach kann man sich immer noch über das Alpha-Männchen-Gehabe mokieren. Zu den persönlichen Interessen habe ich schon was gesagt.

Noch einmal, anscheinend geht es bei der Auseinandersetzung in der Führungsebene ja doch auch um Strukturen im Verein, wenn David Karpathy mit genau der Begründung zurück tritt, den Weg für Veränderungen freimachen zu wollen. Wir erinnern uns, er musste ja seinerzeit zum Aufsichtsratsstuhl nahezu getragen werden. Aus tiefstem Herzen hatte er das Amt nicht gewollt. Um so leichter fällt ihm nun der Abschied. Dieter Steffen ist da ein anderes Kaliber, wenn man seine Vita betrachtet. Zwar wurde auch er anscheinend in einem längeren Prozess für das Amt gewonnen, aber er scheint das Gefühl zu mögen, etwas gestalten zu können – auch wenn in seiner Amtszeit bislang davon beim MSV Duisburg nicht viel zu merken war. Auf mich wirkt es jedenfalls stimmig, dass er nicht ohne weiteres den Vorsitz des Gesamtvereins hat aufgeben wollen. So weit erneut die Oberfläche.

Journalisten hätten nun zu fragen, wie die beiden Parteien im Verein sich zu den Strukturen verhalten. Wenn dann keine Antworten gegeben werden, ist das auch etwas, was berichtet werden kann. Aber um diese Fragen geht es, wie wollte Dieter Steffen mit dem jährlichen Verlust des MSV Duisburg in der 2. Liga umgehen? Welche Vorstellung bewegt Hans-Werner Tomalak stellvertretend für den Aufsichtsrat des Gesamtvereins? Möchte er tatsächlich, wie im MSVportal vermutet wird, an bestehende Verträge ran und mit „härteren Bandagen“ verhandeln?

Vielleicht wurden diese Fragen schon irgendwo gestellt und ich habe es nur nicht mitbekommen. Hinweise sind hier dankend erbeten. Ansonsten lässt sich nichts anderes machen, als den Ball flach zu halten und darauf zu hoffen, dass Herr Tomalak weiß, dass er so eine Auseinandersetzung nicht hat anfangen dürfen, wenn er nicht schon längst eine Lösung für die Führungsfragen ausgearbeitet hat.

Zwischen Auswärtssieg und Machtpolitik

Die gute Nachricht ist, der 2:1-Auswärtssieg des MSV Duisburg gegen den FC Erzgebirge Aue hat am Freitag zu keinem Unfall auf der A3 zwischen Limburg und Bad Camberg geführt. Ich befand mich medial nicht auf der Höhe der Zeit. Ohne mobiles Internet im Auto war ich auf das Radio angewiesen. Zwar hörte ich auf keinem empfangbaren Sender eine Reporterstimme aus Aue kommentieren, doch der hessische Privatsender FFH liefert mit der Senderkennung Textmeldungen als Wortlaufband mit. Das Unentschieden begleitete mich bis Limburg. Seitenblicke auf die Mittelkonsole werfen und unfallfrei Autofahren geht dann doch meist gut, und zum großen Glück gibt es nur ganz selten jene Glücksmomente der 90. Minute irgendwo im Osten, während ich das Ende des Spiels hochrechne und auf die Bestätigung des Endergebnisses warte.

Gesehen habe ich also nichts, gehört habe ich nichts und begnüge mich daher an diesem Wochenende mit den zusammenfassenden Augenzeugenberichten. Lese ich den Spielbericht im Kicker, so bestätigt sich mein Eindruck aus dem Spiel gegen Eintracht Braunschweig. Spielerisch bleibt weiterhin Luft nach oben. Die Möglichkeiten der Mannschaft reichen aber ohne Frage auch im Moment, um dauerhaft genügend Punkte Abstand zum Abstiegs-Relegationsplatz zu halten. Das gelingt durch angstfreies Spiel jedes einzelnen. Das kommt durch das gestiegene Selbstbewusstsein. Die Mannschaft braucht nicht mehr zu hadern, weil ihr Einsatz ohne Ergebnis bleibt. In solchen Momenten kehrt Glück zurück, und dann trifft ein Ball in der letzten Spielminute nach einem steilen Pass von Emil Jula auf eine Unebenheit des Rasens und macht eine minimale, unerwartete Bewegung, so dass der herauslaufende gegnerische Torwart ihn beim Abwehrversuch nicht trifft und Maurice Exslager das Angebot zum Siegtreffer annehmen kann.

Während der sportliche Erfolg zurückkehrt, wird unser aller Aufmerksamkeit aber weiterhin auch von den Streitereien auf der Vorstandsebene in Anspruch genommen. Ich habe zu wenig Zeit, um diesen Streit genauer nachzuzeichnen. Das wäre hilfreich, weil dann die Vermutungen über die Gründe dieser Auseinandersetzung mit Argumenten belegt werden könnten. Grob zusammen gefasst scheint es ja sehr wohl um inhaltliche Fragen zu gehen und nicht nur um persönliche Animositäten und Eitelkeiten. Über allem steht die Frage, wie lässt sich der Spielbetrieb in der 2. Liga für den MSV Duisburg finanzieren? Wie können bestehende vertragliche Vereinbarungen aus der Zeit der Präsidentschaft Walter Hellmichs so verändert werden, dass der strukturell sich ergebende, jährliche Verlust des MSV Duisburg in der 2. Liga sich verringert? Vermutet wird im MSVportal, dass Dieter Steffen daran wenig ändern wollte und Hans-Werner Tomalak für diejenigen steht, die das sehr wohl machen wollen. Das wäre die Erklärung, die die Beteiligten in die Guten und die Bösen unterteilt. So entsteht ein Bild in schwarz-weiß, ich selbst glaube in solchen Fällen ja mehr an Grautöne.

Die Berichterstattung in der lokalen Presse vernachlässigt diese inhaltlichen Gründe. Da muss man im MSVportal bei den betreffenden Themen mitlesen, dort die sachlichen Äußerungen identifizieren und sich selbst eine Meinung bilden. Etwa hier: „Neuer Vorstand – neuer MSV“, oder hier: „Wirtschaftliche Situation beim MSV Duisburg“ . So wie über den Streit im Moment in der lokalen Presse berichtet wird, weckt das nur den Unwillen aller am MSV Interessierten. Bei dieser Medieninterpretation des Streits interessiert es irgendwann nur noch die direkt Beteiligten, wer denn welchen Anteil am Streit hat. Alle anderen interessiert nur, wann dieser unangenehme Zustand denn endlich vorbei ist. So stehen in den lokalen Zeitungen an unterschiedlichen Stellen ja inzwischen Nachrichten unkommentiert nebeneinander, die nicht alle stimmen können. Zum Beispiel hat entweder Dieter Steffen, wie im Reviersport berichtet, einen neuen Kandidaten für den Vorstandsposten genannt oder er hat es,  wie bei Der Westen berichtet wird, nicht gemacht. Beides zusammen geht nicht.

Was mir in der Berichterstattung also zu kurz kommt, ist die Frage, wie mit der Auseinandersetzung auch Inhalte verbunden sind. In der regelmäßigen Berichterstattung liegt das Augenmerk auf dem Streit-Bericht selbst. Es wird quasi Oberfläche nachvollzogen, die natürlich nicht mehr ist als das Reviersport-Urteil „Schmierentheater“. Ich allerdings möchte bei dem Ganzen auch an das Interesse der Beteiligten am MSV Duisburg glauben.

PS: Habe gerade im Sky-Spielbericht die Aktion von Emil Jula vor dem Pass auf Maurice Exslager gesehen. Großartig, wie er den Ball annimmt und sich mit dieser Bewegung vom Gegenspieler freimacht! Anderthalb Scorer-Punkte! Mindestens.

Wieder großartig: Hermann Gerland im Bochumer Schauspielhaus

Wem von den Querelen im Vorstand des MSV Duisburg heute Morgen die Laune verdorben ist, der kann hier jetzt schnell weiterklicken zu diesem Mitschnitt von Hermann Gerlands Talk-Auftritt im Bochumer Schauspielhaus anlässlich von „100 Jahre anne Castroper“. Ich habe da gerade meine alte Liebe zu ihm aufgefrischt. Und ich garantiere euch mit Hermann Gerlands Erzählungen über Jungprofis in der Gegenwart und Gewichtsproblemen, die als „Weiberarsch“ erkennbar sind, wird euch der Tag schöner. Jeder halbwegs an Fußball interessierte Mensch sollte Hermann Gerland stundenlang zuhören können. Dieser Mann besitzt so viel Humor, Lebensklugheit und Fußballwissen. Er strahlt Herzenswärme aus bei gleichzeitiger Klarheit in seinen Urteilen über die Wirklichkeit. Und wer den Fußball tatsächlich nur aus Zebra-Perspektive im Blick hat, für den fallen auch zwei Nebensätze zum Duisburger Publikum ab.

Für Worte zu den Entwicklungen auf der Vorstandsebene fehlt mir heute die Zeit. Da müsste tiefer gebohrt werden, damit mehr bei rumkäme, als meine Hoffnung, dass diese Machtspiele inhaltliche Gründe haben, mit deren Weiterverfolgen der Verein vielleicht seine finanziellen Schwierigkeiten in den Griff bekommt. Gegenseitige Abneigung, Eitelkeiten und persönliche Interessen als Hintergrund dieses Konflikts wären ein Desaster.

Der Missbrauch des MSV Duisburg verpufft im Nichts

Manchmal trifft es sich gut, wenn zu wenig Zeit ist, um den immer fließenden Strom des Welt- und Provinzgeplappers sofort zu kommentieren. Am Montag nach dem Pokalendspiel schrieben die einen in Duisburg vom „Sauerland-„, die anderen vom „Pokal-Eklat“. Seid empört, Skandal, Skandal, hörte ich es skandieren. Doch nach der Gratisbewirtschaftung der Lokalzeitungen durch den MSV-Aufsichtsratsvorsitzenden Hans-Werner Tomalak wurde nur eine Pseudo-Geschichte hochgerülpst, über die heute niemand mehr spricht. Mir gibt der Rülpser aber gleich Gelegenheit, an einem Beispiel, das in Duisburg jeder versteht, meinem soziologischen Hobby zu frönen und ein wenig die öffentliche Meinungsbildung unter die Lupe zu nehmen.

Statt mich also darum kümmern zu müssen, wie der MSV Duisburg von Vereinsverwaltern für eigene Zwecke missbraucht wird, sehe ich zufrieden, die für den Fußball bezahlten Menschen beim Verein erledigen trotz aller Widrigkeiten professionell alles, um in der nächsten Saison möglichst erfolgreich zu sein. Es beruhigt mich, wie die Aufgaben von Bruno Hübner so umverteilt werden, dass der Spielerkader weiter Form annimmt. Daniel Beichler und Zvonko Pamic werden ausgeliehen, Goran Sukalo verlängert seinen Vertrag. Milan Sasic macht sich um die Position des Torwarts Gedanken.

Inzwischen hat sich Milan Sasic außerdem so viel Reputation erworben, um als Stimme des Vereins in die Öffentlichkeit zu treten. Seine Sätze auf der Internet-Seite des MSV Duisburg waren notwendig, um nach der Duisburger Lokalpolitikposse den Blick auf das Notwendige zu lenken. Das Unternehmen MSV Duisburg im Verein MSV Duisburg hat nicht nur die sportlichen Belange gut im Blick, der Unternehmensbereich Kommunikation weiß auch um die notwendig gute Stimmung im Umfeld.

Im Verein MSV Duisburg machte sich nun bemerkbar, dass niemand aus eigenem Impuls heraus, die Führungsaufgabe Vereinsvorsitz hat übernehmen wollen. Der Vereinsvorsitzende besitzt nicht nur eine Verwaltungsfunktion. So eine Person bündelt im besten Fall die verschiedenen Strömungen im Verein, vor allem wirkt er als erster Repräsentant für die Idee des Vereins in der Öffentlichkeit. Er steht mit seinem Namen für den Verein. Wahrscheinlich muss Dieter Steffen erst noch ein Gespür für diesen notwendigen Teil seiner Aufgabe entwickeln. Sonst werden sich immer wieder Stimmen vernehmen lassen, die in der Öffentlichkeit allein durch ihre dortige gleichgewichtige Präsenz den Eindruck erwecken, ihre Stimme hätte dieselbe Bedeutung wie die des Vereinsvorsitzenden vom MSV Duisburg.

Diese Aufgabe Dieter Steffens ist um so wichtiger, wenn die anderen Stimmen für den MSV Duisburg in der Öffentlichkeit Interessen verfolgen, die über Vereinsbelange hinausgehen. Als das CDU-Mitglied Hans-Werner Tomalak der Rheinischen Post gegenüber nicht allzu viel Wert auf das Briefgeheimnis legte und die eigenen Worte an den Parteifreund Adolf Sauerland der Redaktion steckte, kümmerte er sich doch wenig bis gar nicht um den Ruf des MSV Duisburg, sondern um den des Oberbürgermeisters aus den eigenen Reihen.

Interessant an dieser Geschichte ist nun keineswegs die Frage, ob Adolf Sauerland vom MSV Duisburg eingeladen war oder nicht. Der MSV Duisburg schreibt in einer Pressemitteilung, er sei eingeladen gewesen. Interessant ist viel mehr die Tatsache, dass diese Frage nicht nur vierzehn Tage später keine Rolle spielt, sondern sie noch am Tag der Berichterstattung in den meisten Online-Kommentaren zu der Geschichte ohne Belang war. Das Ganze wurde meist abgehakt unter Parteiengezänk. Darüber hinaus hatte die Sauerland-muss-weg-Fraktion einmal wieder einen Anlass, sich zu äußern; und die Sauerland-ist-nicht-an-allem-schuld-Fraktion konnte ebenfalls endlich mal wieder vom Leder ziehen.

Die Meinungen beim Thema Adolf Sauerland sind fest zementiert, und ein aktuelles Geschehen weckt nur die nach der Loveparade-Katastrophe entstandenen Haltungen. Adolf Sauerland müsste der NRW-Landesregierung dankbar sein, die gesetzliche Grundlage für ein Abwahlverfahren gegen ihn geschaffen zu haben. Erst dieses Abwahlverfahren wird helfen, die Lethargie und die Zerrissenheit Duisburg zu überwinden, egal ob der Oberbürgermeister abgewählt wird oder nicht. Selbst wenn er sein Amt behalten sollte, hätte Adolf Sauerland zumindest endlich wieder ein Argument, um Mitarbeiter zu überzeugen und zwar nicht unbelastet, aber mit gutem Recht vor die Öffentlichkeit zu treten. Im Moment besitzt er nichts als seinen Willen durchzuhalten. Als ob das  ein Wert an sich ist. Wer eine Stadt so spaltet wie Adolf Sauerland, kann unabhängig von allen anderen Fragen nur erster Bürger dieser Stadt sein, wenn er kraftvolle Visionen für sein Wirken in dieser Stadt hätte. Adolf Sauerland macht diesen Eindruck nicht. Wäre ich Bürger Duisburgs, ich würde für seine Abwahl stimmen.

Der MSV Duisburg reagierte übrigens mit einer Pressemitteilung auf die Vorwürfe von Hans-Werner Tomalak, die hier ausschnittweise zitiert sei:

Anders als unter Bezugnahme auf das Schreiben des Aufsichtsrates des MSV Duisburg 1902 e.V. dargestellt, ist der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland regulär und frühzeitig vom MSV zum Bankett am Abend nach dem DFB-Pokalfinale zwischen dem MSV und Schalke 04 in Berlin eingeladen worden. Von einer kurzfristigen Einladung kann keine Rede sein; der Oberbürgermeister ist zum selben Zeitpunkt wie alle anderen Gäste des Abends eingeladen worden.

Der MSV ist nach Abpfiff des Pokalfinales am Samstag, 21. Mai 2011, also unmittelbar vor Beginn des festlichen Abends im Ritz-Carlton am Potsdamer Platz, von Sicherheitskräften unmissverständlich angewiesen worden, sowohl den Verlauf des Abends als auch das Placement an den Tischen so zu gestalten, wie es dann geschehen ist. Trotz Protestes des MSV hat sich der Club diesen Anweisungen fügen müssen.

„Der Aufsichtsratsvorsitzende des MSV e.V. Hans-Werner Tomalak ist von mir unmittelbar am gleichen Abend über diese Umstände informiert worden. Deshalb kann ich den Schritt des Aufsichtsrates, ein nicht den Tatsachen entsprechendes Bild zu verbreiten, nicht nachvollziehen. Wir sind auch deswegen so stark geworden, weil wir es in den vergangenen Monaten geschafft haben, alle Probleme intern zu diskutieren und zu lösen, und das werde ich weiter so halten. Die jetzt getätigten, unrichtigen Aussagen beschädigen das Bild und Ansehen des MSV enorm“, sagte Dieter Steffen, Vorstandsvorsitzender des MSV Duisburg 1902 e.V.

Nach dieser Pressemitteilung weiß ich mich glücklich, keine Einladung zu dem Empfang erhalten zu haben. Wie unentspannt muss eine Veranstaltung sein, wenn Sicherheitskräfte – die von Hannelore Kraft? – den Abend bestimmen. Aber so kennen wir sie ja, die Männer mit Sonnenbrille und Ohrknopf, mit unbeweglicher Miene starren sie durch die Gegend und letztlich weiß man nicht, ob dahinter nicht das heimliche Lächeln eines Schalke-Fans steckt.

Wäre die Frage einer Einladung von Adolf Sauerland durch den MSV Duisburg wirklich wichtig gewesen, hätte der ein oder andere Journalist nachfragen können, was das denn zu bedeuten habe, Sicherheitskräfte schreiben den Verlauf des Abends vor. So verhilft uns die Berichterstattung zum „Eklat“ sogar noch zu ein wenig Sicherheit in der unübersichtlich gewordenen Welt. Erinnerte sich die Rheinische Post mit CDU-Tomalak doch an die christlich-konservative Grundhaltung von ehedem. Ob es beim WAZ-Konzern sich verbietet, mit einem CDU-Mann so offensiv wie die Rheinische Post ins Horn zu stoßen oder ob in diesem Medienhaus rein journalistische Prinzipien zur Geltung kamen, lässt sich allerdings nicht genau sagen.


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