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Führungskräfte und Sozialkompetenz

Etwa fünf Minuten in der ersten Halbzeit des Spiels vom MSV Duisburg gegen den FC Hansa Rostock reichten mir vorgestern aus, um mich in die nächste Niederlage einzufinden. Ungefähr ab der 17. Spielminute kam ich zu dem Spiel am Bildschirm, und was ich sah, war zunächst eine Zeitlupen-Wiederholung des Führungstors von Hansa Rostock. Außerdem sah ich dann drei bis vier Angriffe der Rostocker. Sie endeten in kläglichen Schussversuchen oder in Flanken, die von Duisburger Verteidigern meist im zweiten Versuch geklärt wurden. Und schließlich sah ich drei bis vier Versuche von einzelnen Spielern des MSV Duisburg den Ball über das Mittelfeld hinweg vor das gegnerische Tor zu schlagen, wo sich Srdjan Baljak sehr alleine fühlen durfte. Auf dem Fußballplatz kann man ja während eines offiziellen Spiels wenig anderes Interessantes machen, als gegen den Ball zu treten. So versuchte der arme Srdjan jedes Mal, die Dreiviertel- bis Ganzfeldpässe zu erreichen, obwohl sie alle weit entfernt von ihm landeten. Ich muss solch umständlich wirkende Worte benutzen, weil in dieser Zeit weder ein Mannschaftsspiel vom MSV Duisburg zu sehen war, noch irgendetwas, was auch nur den Anschein hatte, ein Angriff gewesen zu sein. Nach den fünf Minuten schaltete ich den PC aus und dachte, das wird nichts mit dem Ausgleich.

Hoffen darf man trotzdem. Doch meine nächste Begegnung mit dem Spiel kurz darauf beim Freund war Marco Röhlings Reportage im Webradio von Radio DU etwa zehn Minuten lang in der zweiten Halbzeit. Er bestätigte, dass vom MSV Duisburg in Rostock nichts zu sehen war und es dabei auch blieb. Ich hörte, wie das zweite Tor der Rostocker fiel und erfuhr danach von der Auswechslung Christian Tifferts, bei der Marco Röhling, um es vorsichtig zu formulieren, keine gute Stimmung zwischen Trainer und Spieler ausmachte. Die Niederlage war geschehen. Der Laptop wurde zugeklappt, ich sah meine Bedenken zur Aufarbeitung der Niederlage gegen den TSV 1860 München bestätigt und fuhr zum Anschreiben beim Basketball.

Die dritte Begegnung mit dem Spiel hatte ich gestern mit der Nachberichterstattung und statt mir Gedanken ums Spiel zu machen,  musste ich mich ständig an die ersten Tage nach der Verpflichtung von Milan Sasic erinnern. Damals hoffte ich, Milan Sasic habe aus seiner  Zeit beim 1. FC Kaiserslautern gelernt. Ich hoffte es deshalb, weil in Kaiserslautern von seinem Umgang mit Menschen oft die Rede war. Sogar mit dem Platzwart habe er gestritten, und es war von vielen Spielern die Rede, deren Verhältnis zum Trainer irreparabel zerrüttet gewesen sein soll. Zudem las ich von langen Bällen auf die Stürmer als einzigem Mittel des Angriffs. Wenn ich von Spiel und Stimmung gestern lese, scheint sich etwas zu wiederholen. Milan Sasic streitet mit dem Busfahrer! Das Verhältnis von Milan Sasic und Christian Tiffert wirkt sehr kühl.

Ich befürchte, Milan Sasic ist kein Mann, um eine Mannschaft durch Krisen zu führen. Wir erkennen nun, für einen Trainer mit seiner Persönlichkeit gibt es zwei Möglichkeiten in einem Verein dauerhaft zu arbeiten. Die erste ist banal, seine Mannschaft erreicht die gesteckten Ziele, jemand ist aber an seiner Seite, der der notfalls moderierend eingreift und Frieden stiftet. Der Erfolg hilft in dem Fall, zwischenmenschliche Schwierigkeiten zu überdecken. Als  zweite Möglichkeit sehe ich einen Kader mit Spielern, die allein in ihm und seiner Arbeit die Chance sehen, erfolgreicher zu sein, als sie es sich für ihre Karriere vorgestellt hatten.

Milan Sasic hat einen Vertrag bis 2011, und über Trainerwechsel brauchen wir nicht reden. Deshalb könnte es sich kurioserweise als Vorteil erweisen, dass so viele Spieler zum Ende der Saison wahrscheinlich diesen Verein verlassen. Ein Trainer kann nicht mit allen Spielern seiner Mannschaft konfliktfrei zusammen arbeiten. Er kann nun einmal nur elf Spieler einsetzen. Deshalb muss er sich damit auseinander setzen, mit Spannungen im Kader umzugehen. Wenn Christian Tiffert zum Ende dieser Saison anscheinend so unzufrieden an seinem Arbeitsplatz ist, wie es im Podcast von Radio DU den Eindruck macht, dann hat Milan Sasic bei seiner Arbeit etwas falsch gemacht.

Christian Tiffert ist nicht Änis Ben-Hatira, dem hatte deutlich gemacht werden müssen, welche Einstellung er zur Ausübung seines Berufs in Duisburg haben sollte. Christian Tiffert hat sich in dieser Saison als eine der Stützen dieser Mannschaft erwiesen. Christian Tiffert mag schlechte Spiele gemacht haben und Rostock kann so eines dieser Spiele gewesen sein, doch seine Einstellung zu seiner Aufgabe beim MSV Duisburg schien mir nie fragwürdig gewesen zu sein. Natürlich deute ich hier Zeichen und eigentlich halte ich mich lieber an Fakten, aber in diesem Fall habe ich das entschiedene Gefühl, Milan Sasic hat in seinem Umgang mit Christian Tiffert etwas falsch gemacht.

Wie fühlt sich das an, wenn man sich anstrengt, die gestellten Aufgaben zu erfüllen? Man strengt sich sehr an, doch im Produktionsprozess geschehen immer wieder Fehler. Kollegen machen etwas falsch, man selbst kann manchen dieser Fehler ausbügeln. Gleichzeitig muss auch die eigene Arbeit gemacht werden. Schon diese Arbeit ist kompliziert genug und man weiß, sie wird nicht fehlerlos sein. Der eigene Anspruch ist ein anderer. Man erkennt sogar an vielen Stellen, woran es hapert. Man kann aber nichts anderes machen als sich am eigenen Platz noch mehr anzustrengen. Und dann kommt der Chef.  Der wirft einem vor, man erfülle die besondere Verantwortung für das Produkt nicht richtig. Man mache seine Arbeit nicht gut genug. Man  strenge sich zu wenig an. Der Chef verliert kein Wort über den geleisteten Einsatz. Er verliert kein Wort darüber, dass man versucht mitzuhelfen, Fehler abzustellen. Der Chef redet nur darüber, was man noch immer falsch macht. Mancheinen mag das noch mehr motivieren, für andere aber fühlt sich das nicht gut an, selbst wenn man viel Geld verdient an seinem Arbeitsplatz. Es gehört zu den Aufgaben eines Chefs mitzubekommen, wer wie auf welche Ansprache reagiert.

Dass ich Zeichen zu deuten beginne, beweist mir, beim MSV Duisburg gibt es wieder grundsätzliche Probleme. Ich wünsche mir mal wieder, es wäre anders. Ich wünsche Christian Tiffert zudem bei seinem neuen Verein alles Gute. Wo immer er auch spielen wird, er wird versuchen, für diesen Verein sein Bestes zu tun. Und schließlich wünsche ich dem MSV Duisburg  neue Spieler, die in Milan Sasic und diesem Verein die Chance ihres Lebens sehen. Mitte 2011 sehen wir weiter.

Vom Himmel fiel ein Ball zum Torerfolg – Der Heimsieg gegen Hansa Rostock

Wenn ich derart, nämlich mit präzisen Ergebnisvoraussagen gegenüber Dritten, dazu beitragen kann, den Erfolg des MSV Duisburg zu ermöglichen, bin ich gerne bereit, daran mitzuarbeiten, wovon wir seit letzter Woche bis zur Winterpause nicht mehr sprechen. Dieses Mal kündigte ich den 3:1-Sieg der Bloggerkollegin Tina an, gegen Berlin war es die Tipprunde. An den Auswärtssiegen muss ich allerdings noch was arbeiten, da scheint sich meine wirklichkeitsbestimmende Macht nicht zu entfalten. Vielleicht hat einer der Spieler des Vereins aller Veine eine Idee, woran das liegen kann. Ich bin da ganz offen für Vorhersagebedingungsumstellungen. Peter Neururer sah sich ja vor dem Spiel gegen Hansa Rostock ebenfalls gezwungen, Veränderungen bei der Mannschaftsaufstellung vorzunehmen. Ein anderes taktisches System sollte den Erfolg ermöglichen.

Ob dieser Sieg aber tatsächlich der veränderten Taktik zu verdanken war, lässt sich keineswegs so sicher sagen wie der Sieg für alle aussieht, die nur das Ergebnis kennen. Das war mal wieder ein typisches MSV-Erlebnis gestern im Stadion. Diese Mannschaft gewinnt mit 3:1, doch richtig zufrieden gehen die wenigsten nach Hause. Was war das für ein Gegrummel beim Rausgehen. Grundsätzlich fühlen sich Siege ja besser an als Niederlagen oder Unentschieden, doch um das Stadion herum schwirrten diese unzähligen „aber“  durch die Luft. Ich habe dazu beigetragen. Natürlich ist es in Ordnung, in der zweiten Halbzeit erst einmal abzuwarten, was der Gegner noch macht, wenn man mit drei Toren Vorsprung führt. Dienstag arbeiten wir ja weiter am Projekt „Berlin“. Wenn Rostock nun nur mit gebremsten Schwung aus der Kabine kommt, gibt es eben nicht viel zu sehen. Warum aber habe ich nach dem einen Tor der Rostocker in der 70. Minute bis zwei Minuten vor Spielende die Sorge, der Verein aller Vereine könnte den Sieg noch verspielen? Ich befürchte, das hat dann doch mit der nicht allzu stabilen spielerischen Qualität der Mannschaft zu tun. Andererseits besitze ich ja einen unerschütterbaren Grundoptimismus und sehe, wie diese Zweitligamannschaften, bislang mit Ausnahme von Bielefeld und Kaiserslautern (?), nicht allzu konstant ihre Leistungen zeigen können. Um noch einmal meine stets so lang wie möglich bestehende Hoffnung anzudeuten, von der wir bis auf weiteres schweigen.

Gleichzeitig wird aber auch die Erinnerung an die erste Halbzeit wieder wach, einer Halbzeit, in der wir zwei überaus vorsichtige Mannschaften gesehen haben, die partout keine Fehler machen wollten und natürlich Fehler über Fehler machten. Doch man sah auch eine Mannschaft des MSV Duisburg, die diese Fehler entschiedener ausbügelten als die Rostocker. Spielfluss kam da nicht groß auf. Die Tore ergaben sich ja keineswegs aus dem kontinuierlichen Aufbau von immer mehr Chancen. Mir kommt im Rückblick die erste Halbzeit vor wie der lange Spielzusammenschnitt einer Sportsendung. Zu sehen waren mal längere, mal kürzere Einheiten des Spiels, die aber keinen Rhythmus entwickelten. Alle drei Tore stehen als einzelne Momente des Spiels für sich und fügen sich für mich nicht als Höhepunkte in eine Einheit. Gerade das erste Tor von Frank Fahrenhorst wirkte so,  als ob da ein Ball kurz vor dem Rostocker Strafraum aus dem Himmel gefallen kam. So ein göttliches Zeichen kann dann natürlich zu jenem bewegungslosen Staunen führen, das die Rostocker Verteidigung überfiel. Sie schienen den Angriff des MSV Duisburg für abgeschlossen zu halten, als sie beobachteten, wie Adam Bodzek nach der ersten Klärung des für Rostock wenig gefahrvollen Angriffs zum Volleyschuss ansetzte. Dass er damit nur die kunstvolle Variante eines Passes auf den vor dem Tor völlig frei stehenden Frank Fahrenhorst versuchte, konnten sie natürlich nicht ahnen. Kühl hat Fahrenhorst die Chance verwandelt, und da ich meine Sicht auf die Wirklichkeit den billigen Pointen vorziehe, ist die Torgefahr in beide Richtungen hier völlig fehl am Platz. Denn hinten war Fahrenhorst nicht besser oder schlechter als seine Mitstreiter. Allesamt waren immer mal wieder für ein wenig Ballgeflipper gut, allesamt hatten immer mal wieder kurze Orientierungsprobleme bei der Bestimmung, wie nah der gegnerische Stürmer schon dem Tor gekommen war. Allesamt aber waren immer wieder auch bemüht um kontrollierten Spielaufbau aus der Defensive heraus.

Chavdar Yankov zeigte, wie wichtig er für diesen kontrollierten Spielaufbau ist. Nicht nur wegen seines beeindruckenden Tores war er für mich der beste Mann auf dem Platz. Wenn nach vorne gar nichts ging, konnte ihm der Ball überlassen werden. Raumgewinn brachte das nicht unbedingt, doch die sichere Ballkontrolle war ungeachtet der Zahl der Gegenspieler gewiss. Wie wichtig er für das Spiel des MSV Duisburg ist, wird auch deshalb so deutlich, weil Adam Bodzek zurzeit nur defensiv überzeugt. Unser Sportlehrer hatte sich einmal ein kurioses  Fußballspiel überlegt, bei dem zwei Spieler einer Mannschaft ein Band in der Hand halten mussten und so sich paarweise bewegend einen einzigen Spieler der Mannschaft bildeten. Zwischenzeitlich hatte ich den Gedanken, so einen zweiten Spieler direkt bei sich könnte Adam Bodzek gut gebrauchen. Der übernähme dann den Spielaufbau und Adam Bodzek müsste sich seine gute Defensivleistung nicht immer wieder durch katastrophale Fehler im Spiel nach vorne kaputt machen. Gestern machte er mich immer wieder nervös, sobald er sich den Ball erobert hatte. Dieses Tal der Teilleistung Offensvispiel ist hoffentlich bald durchschritten.

Dass Sören Larsen arbeitet und ackert war von Anfang zu sehen. Inzwischen ist er in der Mannschaft angekommen. Nicht nur wie er sich vor dem zweiten Tor den Ball erobert hat, sondern auch das anschließende, technisch saubere Ausspielen des Torwarts war so sehenswert wie die Reingabe erfolgreich. Ich hätte zudem gerne Änis Ben-Hatira im innigen Jubel mit Larsen gesehen. Schließlich war es hauptsächlich das Tor von Larsen. Zwar gab es den dankenden Fingerzeig, doch auch an Ben-Hatiras  Jubel ist wieder zu erkennen, da gibt es weiter Arbeit bei der Persönlichkeitsbildung. Meiner Meinung nach braucht er während der Woche ununterbrochen jemanden, der ihm sagt, ohne die Mannschaft kannst du nicht glänzen. Sein Spiel war gestern schon mannschaftsdienlicher als in den Wochen zuvor, einiges mehr ist da aber noch möglich. Außerdem darf Christian Tiffert nicht unerwähnt bleiben. Nicht nur, dass seine spielerische Leistung weiter stabil bleibt und über ihn ein schnelles Passspiel immer möglich ist, darüber hinaus zeigt er eine Ausstrahlung und Präsenz auf dem Spielfeld, die andere Spieler mitreißen kann.

War das nun ein Sieg, weil Rostock zu schwach war? Was war die eigene Stärke, um die sich bietende Chance zum Sieg zu nutzen? Verdeckt der Sieg den klaren Blick auf Schwächen? Wie wir die Dinge sehen, bestimmt unsere Gefühle. Weil es keine eindeutigen Antworten auf die gestellten Fragen gibt, gibt es diese gemischten Gefühle in mir. Was wir vom MSV dieser Saison nach so einem Spiel weiter erwarten können, ist wenig vorhersehbar. Was mich nicht hindert, auch in Zukunft meinen Teil zum erhofften Erfolg beizutragen.

DFB mit Lex MSV? Der Grund für mehr Busse und Bahnen?

„DVG setzt mehr Busse und Bahnen ein“. Als ich diese Überschrift las, fragte ich mich sofort, was weiß die Duisburger Verkehrsgesellschaft mehr als ich? Erwartet auch die Polizei einen plötzlichen großen Zuschauerandrang? Nichts deutete die Woche über darauf hin, dass das Spiel vom MSV Duisburg gegen Hansa Rostock morgen ausverkauft sein wird. Den Polizeipressesprecher habe ich nicht mehr erreicht, doch meine weitere Recherche hat mich auf diese Seite von „Der Westen“ geführt:

2009-10-24 DER WESTEN MSV 1. LIGA

(Zum Vergrößern anklicken)

Ganz versteckt, unterhalb der Überschrift,  ist hier der wahrscheinliche Grund für den erwarteten, großen Zuschauerandrang  zu erkennen. Ich nehme an, die entsprechende Pressemeldung zur Aufstockung der Bundeliga um zwei Vereine hat noch eine Sperrfrist bis morgen. Doch bei „Der Westen“ ist man stets der Zeit voraus. Verlinken kann ich den Artikel leider nicht mehr. Anscheinend hat man sich nun doch anders entschlossen und will keinen Ärger mit dem DFB provozieren. Für mich stellt sich die Sache so dar: Der MSV Duisburg und Hansa Rostock spielen die Saison in der 2. Liga zu Ende und haben eine Wildcard für die Bundeliga in der kommenden Spielzeit erhalten. Beim DFB gab anscheinend hauptsächlich die Erstligaausstrahlung von Peter Neururer den Ausschlag, die schon lange geplante Aufstockung der Bundesliga per Wildcard nun endlich in Angriff zu nehmen. Gerade weil  beim MSV Duisburg in den letzten Wochen doch Zweifel deutlich wurden, ob Peter Neururer seinen angestammten Platz in der Bundesliga per Qualifikation des MSV Duisburg in der Meisterschaftsrunde erreichen kann, wollten die DFB-Verantwortlichen auf Nummer Sicher gehen. Als Grund für die Vergabe der zweiten Wildcard an Hansa Rostock kommt aus meiner Sicht nur eine Strukturfördermaßnahme für den Fußball-Osten in Frage. Einen Vertreter vom DFB habe ich an diesem Freitagnachmittag zu dieser sensationellen Entwicklung nicht mehr befragen können. Morgen im Stadion erwarte ich deshalb nicht nur einen Sieg des MSV Duisburg, sondern auch die offizielle Verkündung der heute durchgesickerten Meldung.

25.10. 09 Nachtrag: Der Artikel in „Der Westen“ ist wieder da, und der DFB hat noch immer nichts offiziell vermeldet.

Als MSV-Fan zu „Wetten dass, …“?

Am Ende dieser Saison werde ich mich bei „Wetten dass, …“ bewerben. Dann kann ich nämlich typische Spielsituationen des Vereins aller Vereine allein an der Tonlage von Marco Röhlings Stimme erkennen. Gestern war es so, dass beim Geburtstagskaffee im Nebenzimmer ein Uralt-Transistorradio vor sich hin blecherte und ich am Kaffeetisch sitzend natürlich nichts anderes verstehen konnte als eine Montage von Melodien, Geräuschen und Stimme, was in Konzertsälen auch als Moderne Musik durchgegangen wäre. Die Stimme sprach einen Text, den ich nur verstehen konnte, wenn ich aufsprang und in die Küche hastete. So blieb mir nichts anderes übrig als ein wenig Bewegung und auf den Tonfall von Marco Röhlings Stimme zu achten. Und da bahnte sich in der ersten Halbzeit ja kurz das alte Spiel an. Ein guter Beginn ohne Tor mit allmählichem Gegenhalten der gegnerischen Mannschaft bis diese Mannschaft dann zum Leidwesen … Aber dann wurde ja alles anderes. Meine Hoffnung gestern, etwas müsse hinzugekommen sein zur „harten Arbeit“ während der Winterpause, hat sich erfüllt. Oder auch: die „harte Arbeit“ war nicht Selbstzweck sondern hatte ein Ergebnis.

Denn in der zweiten Halbzeit fand der MSV zur anfänglichen Überlegenheit zurück. Das war unverkennbar an Marco Röhlings Stimme festzustellen. Die besorgte Aufgeregtheit war einer erwartungsvollen Aufgeregtheit gewichen. Das mündete zunächst immer wieder in einen enttäuschten Ton. Was mich schließlich auch mal auf halbem Wege zurückkehren ließ. Die vergebene Chance  brauchte ich nicht nocheinmal beschrieben zu haben. Doch als sich dann zum Ende hin der immer dramatischer werdende Klang der Stimme in einem Aufschrei des Jubels entlud, rannte ich, mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht, in die Küche und ließ mir noch einmal erzählen, wie es zu dem Tor gekommen war. Großartig! Nach Jahren drei Punkte in Rostock. Einen Angstgegner besiegt, auch wenn überall von der schwachen Heimmannschaft zu lesen ist. Das ist beim Verein aller Vereine nämlich kein Grund zu gewinnen, dass so ein Gegner schwach ist. Wir haben in der Hinrunde gegen so viele schwache Mannschaften verloren, dass ich jetzt und heute in diesem Sieg  eine Wende sehen will. Der Spannungsbogen für „Mitten in Meiderich“ trägt. Erstmal bis zur nächsten Woche. Denn auch ich denke nur von Spiel zu Spiel.

Saison 2008/2009: 1. Spieltag Hansa Rostock (H)

Das war doch mal ein guter Anfang, selbst wenn jetzt die erste gelesene Agenturmeldung das Ergebnis mit dem Schlagwort „Dämpfer“ einordnet. Natürlich habe ich auf einen Sieg getippt und gehofft, aber angesichts der Ergebnisse der letzten Jahre gegen Rostock war der Realist in mir vor dem Spiel mit einem gut herausgespielten Unentschieden auch zufrieden. Nun bleibt ein zwiespältiges Gefühl angesichts der Überlegenheit des MSV am gestrigen Abend. Das Spiel macht jedenfalls große Hoffnung auf einen schönen Fußball der Mannschaft während dieser Saison. Wann hat es diese Kombinationen zuletzt gegeben? Pässe über 30m aus der Bedrängnis heraus, die beim Mitspieler ankommen. Da gibt es einen andauernden Zug zum Tor in der Mannschaft. Die Abwehr scheint mir ebenfalls erheblich verbessert gegenüber der letzten Saison. Zu meiner Erleichterung kann der Ausfall von Willi jedenfalls kompensiert werden. Das im Bewusstsein von zwei Gegentoren eines eher schwachen Gegners geschrieben. Doch schwach wurde Rostock angesichts des Drucks vom MSV. Und in der zweiten Halbzeit mit dem einem Mann mehr kamen die Rostocker auch ins Spiel und gaben dieser Abwehr das ein und andere zu tun. Natürlich heißt es abwarten, wie stabil dieses Niveau ist. Der Druck, den diese Mannschaft aufbauen kann, braucht viel Laufarbeit. Da ist eine Führung mit einem Tor immer etwas heikel. Denn Gegentore fallen angesichts dieser Spielweise wahrscheinlicher, zumal ja inzwischen der Konter mit einstudiertem Laufweg aus der massiven Abwehr heraus die taktische Standardoption noch der Mannschaften bis runter in die vierte Liga ist. Ein Fazit ist aber sicherlich auch, mit Hübner als Sportdirektor gibt es endlich einen Mann in diesem Verein, der eine übergeordnete Vorstellung von einer Mannschaft hat und Spielerverpflichtungen dieser Idee unterordnet. Ich glaube fast, das letzte Mal habe ich eine solche Idee zu Anfang der Funkel-Ära gespürt. Aber womöglich färbt sich ja gerade meine Hoffnung auf den Saisonverlauf nur mit ein wenig Nostalgie.


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