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Haßloch, Velbert und die Lieberknecht-Kindheit

Haßloch ist ja nun auch nichts anderes als eine Art kleineres Velbert in der Pfalz. Da ist es doch besser über Haßloch zu schreiben als über Velbert. Das hat den Vorteil nichts zum MSV sagen zu müssen. Meinetwegen gebe ich noch ein wenig Stimme dem Lamento-Chor, aber dann ist auch gut.

Was geschieht da mit der Mannschaft seit zwei Wochen? Das dritte Spiel in Folge verloren. Nicht dass mich der Niederrhein-Pokal in irgendeiner Weise bewegt. Es geht alleine um die Leistung im Spiel gegen Velbert, die ratlos macht und für das Spiel gegen Kaiserslautern wahrscheinlich nicht nur uns Zuschauer verunsichert. Solch eine anfällige Defensive bleibt doch als Bedrohung in den Köpfen auch der Spieler. Momentan ist es anscheinend egal, wer da auf dem Platz steht.

Ich sehe uns schon demnächst mit den RWE-Anhängern eine städteübergreifende Selbsthilfegruppe gründen. Thomas Lieberknecht sollte sich sofort mit Christian Titz zum Erfahrungsaustausch zusammensetzen. Das parallele Geschehen in Essen und Duisburg ist  verblüffend. Was für ein Saisonstart für beide Vereine. Welche frische Begeisterung unter den Anhängern in beiden Städten. Welche Entgeisterung nun nach drei Niederlagen in Folge von beiden Vereinen. Ich lese in beiden Städten dasselbe. Plötzlich bekommen die Mannschaften keinen Zugriff mehr aufs Spiel. Blutleer wirken die Auftritte. Einmal mehr hoch und runter, und es ist nicht absehbar, ob die Niederlage gegen Velbert für den MSV tatsächlich ein TiefPUNKT gewesen ist oder ob sie sich als kleine Stelle einer Fläche erweist.

Wieviel schöner ist es deshalb über Haßloch zu schreiben. Ich bin notorisch neugierig. Wenn ich Menschen begegne, möchte ich wissen, wieso die leben, wie sie leben. Ich komme also ins Gespräch, und manchmal ergeben sich kuriose Zusammenhänge bei dem, was ich erfahre. Mancheiner macht aus solchen Zufällen Romane, die uns dann wiederum eine Anleitung zu sinnvollen Geschichten über das wirkliche Leben sind. Ihr müsst selbst sehen, was ihr damit macht, was ich euch jetzt erzähle.

Neulich sprach ich jedenfalls mit einer Museumsangestellten in Saarbrücken. Sie lebte gerne in der Stadt, obwohl sie vom Dorf kam, und zwar aus der Pfalz. Das betonte sie deshalb, weil es zwischen den Saarländern und Pfälzern eine alte Rivalität gibt, eine lieb gewordene ehemalige Abneigung, die man heute folkloristisch hochleben lässt, wenn es passt. Kölner und Düsseldorfer wissen, wovon die dort unten sprechen. Sie kam aus Haßloch.

Wir in Duisburg haben bei solchen Rivalitäten kaum Karten im Spiel. Manchmal wird ja unter uns Anhängern des MSV versucht, nachbarschaftliche Spannungen als Derbygefühl mit Leben zu füllen. Selbstverständlich ist das nicht. So was braucht eine lange Geschichte der Konkurrenz, die es zwischen Duisburg und Düsseldorf oder Oberhausen in Sachen Fußball vielleicht über kürzere Zeiten gibt. Das führt aber nicht über den Fußball hinaus. Zudem ist es so flüchtig, wenn die Vereine ständig in unterschiedlichen Ligen spielen. Das kommt mir jedenfalls so vor.

Über Fußball haben jene Museumsangestellte und ich dann auch gesprochen, weil ich natürlich sofort auch an Milan Sasics Engangement beim 1. FC Saarbrücken dachte. Bevor sie selbst zu Sasic was sagte, sprach die Dame noch einmal mit besonderem Nachdruck. Sie gehöre natürlich zu den Blauen. Als ob ich ganz selbstverständlich etwas anderes gedacht hätte. Dabei hatte ich gar keine Idee, welcher Verein sonst noch in Frage kam. Aber schon klärte sie mich auf. Nein, niemals hätte es sie zu den Roten ziehen können. Das wäre nie in Frage gekommen. Natürlich, die Pfalz. Der 1. FC Kaiserslautern hätte es sein können. Aber sie zog es zum niederklassigeren 1. FC Saarbrücken. Wie sympathisch, dachte ich. Und dann sprach sie im Plural, sie seien aber froh gewesen, als Sasic endlich wieder weg war. Der Mann kann nicht aus seiner Haut. Er erlebt überall dieselbe Geschichte. Wahrscheinlich hat er in Duisburg noch den besten Ruf. Im Süden hat er jedenfalls sowohl in Kaiserslautern und in Saarbrücken verbrannte Erde hinterlassen und alle Welt gegen sich aufgebracht.

So weit der Fußball. Zunächst. Mir ging aber Haßloch nicht aus dem Kopf, weil ich irgendwas über ihr Heimatdorf schon mal gelesen hatte. Ich wusste aber nicht mehr was. Also habe ich später bei Wikipedia reingeschaut und erinnerte mich dann wieder an die deutsche Durchschnittsgemeinde, die Haßloch für die Marktforschung darstellt. Bei Wikipedia nun waren die Haßloch-Autoren sichtlich darum bemüht, der Gemeinde auch noch mit dem kleinsten Vorkommnis Bedeutung zu verleihen.

Was Haßloch schließlich an diesem Tag so viel amüsanter macht als Velbert. Denn in Velbert mag es vielleicht einen Fußballverein geben, der höherklassige Gegner aus dem Niederrheinpokal wirft, Haßloch aber kennt bedeutende Personen, die vor Ort gewirkt haben, und sei es auch dadurch, dass sie Haßloch für immer verließen.

 

Wenige Zeilen später schließt sich aber der Kreis heute. Denn selbst mit Haßloch ist dem MSV nicht zu entkommen. Zum Wirken der bedeutenden Personen gehört es auch, in jungen Jahren auf grünem Rasen Ballsport zu treiben. Welche Spuren Torsten Lieberknecht als ganz junger Mensch in der Fußballgeschichte des Orts hinterlassen hat, werden wir ihn selbst fragen müssen. Die Haßloch-Wikipedia-Autoren wissen jedenfalls, dass Trommeln zum Handwerk gehört.

 

 

 


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