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Neues für das Fan-Gedächtnis vom MSV Duisburg: Meine Frau war immer dabei – Teil 2 – Karl P. (*1933)

In der Rückrunde der letzten Saison habe ich den ersten Teil der Erinnerung des 1933 geborenen Karl P. veröffentlicht. Es folgt ein zweiter Teil mit der Erinnerung an Burger Hetzel beim MSV der 50er Jahre und an das notwendige Selbstbewusstsein als freier Mitarbeiter einer Tageszeitung auch ohne Vorkenntnisse über Tennis schreiben zu können.

Meine Frau war immer dabei – Teil 2

Ich habe damals immer 20 Mark bekommen für einen Bericht über den MSV. Und dann riefen die mich an. Ich war bei der Firma Haniel angestellt. Da hatte ich meine Lehre gemacht, so 1951. Und da fragte mich der Redakteur vom Generalanzeiger: „Kennen Sie auch was vom Tennis?“ Ich habe sofort ja gesagt. Ich wusste gar nichts. Da hieß es dann, gehen Sie mal morgen zum internationalen Tennisturnier nach Raffelberg. Da spielte Gottfried von Cramm, der berühmte deutsche Tennisspieler. Erstmal habe ich von meinem Chef ein Lehrbuch bekommen, das habe ich dann durchgearbeitet. Ich wusste wohl, wie man zählt, 15, 30 usw. Aber ob die Spieler gut waren, wonach man das beurteilte, das wusste ich nicht.

Jetzt war da ein bekannter Reporter, Heinz Maegerlein. Das war der, der später mal in einer Reportage beim Wintersport sagte, sie standen an den Hängen und Pisten. Das hat den berühmt gemacht. Der Heinz Maegerlein war bei meinem Lauf bei der Deutschen Jugendmeisterschaft in Landau dabei. Ich war ja Leichtathlet. Das war ein paar Monate vorher gewesen, und der hatte eine Reportage über den Lauf gemacht. Jetzt sah ich den mit meiner Frau, und abends im Klubhaus habe ich mich mit dem bekannt gemacht. Der konnte sich an die Reportage noch erinnern.

Ich bin in dem Lauf von einem geschubst worden und gefallen. Ich bin wieder aufgestanden, bin aber nur zweiter geworden. Sonst wäre ich Deutscher Meister geworden. Ich war westdeutscher Jugendmeister, damals. Eine bekannte Olympiakämpferin hatte das Sagen in Landau. Die sorgte dafür, dass der Mitläufer disqualifiziert wurde. Aber da hatte ich nur nichts von. Dr. Otto Pelzer hat mich trainiert. Der war der einzige, der den Nurmi geschlagen hatte, also nach dem Krieg, nach dem Ersten Weltkrieg, 1923. Der war aber schwul. Damals war das noch verpönt. Der hatte auch ein Moped. Wenn der kam, hatte der sonst nichts mit, der hatte seinen Schlafanzug mit und fuhr mit seinem Moped.

Jetzt kannte mich der Maegerlein also. Das wollte ich ja nur, dass der mich kannte. Am nächsten Tag bin ich wieder zu dem Turnier hin und habe den Maegerlein immer beobachtet, wo der sitzt. Damit der mich nicht sieht. Dann bin ich am Schluss zu ihm und habe gesagt: „Herr Maegerlein, ich musste heute zum Fußballspiel, können Sie mir mal sagen, was hier heute los war?“ Der hat mir dann erzählt, das ist der, und der hat so und so gespielt. Dann habe ich meinen Artikel geschrieben, und von da ab war ich der Tennisreporter beim Generalanzeiger. Die haben mich zum Daviscup geschickt, nach Düsseldorf, alles.

Aber zurück zum MSV. Die Derbys. Mit Oberhausen und Meiderich, das war schon etwas. Da sind wir am Kanal entlang nach Oberhausen zu den Spielen, und es hieß immer aufpassen, da wirst du mit Bratpfannen empfangen. Also, wir haben das so nicht erlebt. Aber das wurde so erzählt. Ich meine, da wäre mal was gewesen, aber selbst erlebt habe ich das nicht. Nach dem Krieg fing das ja wieder an. Erst Stadtmeisterschaft, und dann gab es die Bezirksmeisterschaft, linker und rechter Niederrhein. Rheingold Emmerich, VfB Lohberg, Meidericher Spielverein und Rot Weiß Oberhausen, die spielten um die Bezirksmeisterschaft, das weiß ich noch genau, ich wunder mich selbst, dass mir so Namen einfallen. „Burger“ Hetzel, der Mittelstürmer damals.

Der Turek hat gesagt, der Nationaltorhüter von der WM 54, der hat gesagt, zwei Spieler werde ich nie vergessen. Der eine hieß Gaínza aus Spanien und der „Burger“ Hetzel. Der hat dem mal zwei reingemacht, zwei in einem Spiel. Der Turek war ja eigentlich aus Duisburg, und dann war der mit Fortuna Düsseldorf in Meiderich zum Meisterschaftsspiel gegen den MSV. Der Turek konnte nichts machen an den Toren. Wenn ich das heute sehe, wie die Tore schießen, Burger Hetzel konnte das schon damals. Vor der Strafraumgrenze nahm der den Ball, wenn der so hoch kam und dann zog der ab. Aber der ist nie in die Nationalmannschaft gekommen, weil der ein unsolides Leben führte, Kneipe und so was. Der Herberger mochte den nicht. Aber der war besser als der Ottmar Walter. Das war der Mittelstürmer in Deutschland, der Hetzel, wirklich.

Der war dann sogar mal im Gefängnis. Da haben sie den immer zum Spiel mit Polizeischutz rausgeholt. In Hamborn hatte der drei Monate oder so gekriegt, wegen Schmuggel oder so. Eine harmlose Sache war das eigentlich. Also der war eingelocht, und dann wollte der immer spielen. Und der Verein wollte den auch. Das war aber Hamborn 07. Da haben sie dann den Knast aufgemacht und nach dem Spiel haben sie ihn dann wieder hingebracht. Das war an und für sich ein netter Kerl.

Und ab ins „Fan-Gedächtnis“.

Damit verbinde ich zugleich einmal mehr den Aufruf, schickt für dieses Fan-Gedächtnis eine Erinnerung an eure Zeit mit dem MSV, von der ihr wollt, dass sie nicht vergessen wird. Ihr könnt das über das Kontaktformular machen. Oder schreibt mir. Ich komme mit dem Aufnahmegerät vorbei, mache ein Interview und transkribiere das Erzählte. Ich veröffentliche die Erinnerungen erst einmal drüben im großen Fan-Gedächtnis-Archiv. Ich träume aber immer noch davon, eine Sammlung solcher Geschichten im Verlag Die Werkstatt herauszugeben. Der Erlös käme einem sozialen Projekt zugute. Wir hätten zudem eine Art Geschichtsbuch von unten. Alltagsgeschichte aus Duisburg mit dem Schwerpunkt Fußball.


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