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Gleich geht´s los

Wäre ich mein Trainer, wahrscheinlich würde ich mich erst in der zweiten Halbzeit einwechseln. Ich erklärte dann auf einer Pressekonferenz vor dem Spiel, nach der langen Schreibpause habe Kees Jaratz seinen Rhyhtmus noch nicht ganz wiedergefunden, um einen Text in gesamter Länge zu bewältigen. Er müsse langsam wieder an die Mannschaft herangeführt werden. Als Trainer wüsste ich natürlich, wie sehr Kees Jaratz das Spiel mit den Worten vermisst und wie schwer es ihm fällt, erst einmal auf der Ersatzbank Platz zu nehmen. Ich lobte Kees Jaratz für sein Verständnis und versicherte der Presse und aller Welt, wie sehr der Verein in Zukunft noch Kees Jaratz für ganze Text brauchen wird. Dann schwiege ich und überließ es dem Pressesprecher meines Vereins, nach Fragen zu fragen.

Mein Trainer hätte recht, nach der längeren Pause fehlt mir die Leichtigkeit und mein Instinkt. Ich denke zu viel. Wie der Fußballspieler nach einer Verletzungspause, frei vor dem Tor stehend, zu viele Optionen erkennt und die Chance vergibt, so taucht Gedanke um Gedanke auf und drängt darauf in Worte gefasst zu werden. Dabei vergebe ich überhastet Sinn und Bedeutung. Andererseits muss auch mal jemand Verantwortung übernehmen, gerade in einer Einzeldisziplin bleiben da nicht viele übrig. Denn um so eine Einzeldisziplin handelt es sich ja eigentlich hier, und bei so einem ersten Auftritt nach längerer Schreibunterbrechung kann ich auf den harmonischen Wortfluss nicht immer Rücksicht nehmen. Da muss auch mal ein Satz unvermittelt rausgehauen werden – als Duftmarke, wie unsere Sportreporter gerne sagen. Gleich geht´s nach Osnabrück. Das ist so ein Satz, der in seiner brachialen Durchsetzungskraft an Günter Netzers Sololauf mit anschließendem Torerfolg im DFB-Pokalfinale der Saison 1972/73 gegen den 1. FC Köln erinnert. Zumal er damals dem Trainer Hennes Weisweiler mit seiner eigenen Einwechslung während der Verlängerung vorgegriffen hat. In der Anekdote wird es zugespitzt erzählt, Netzer habe sich über ihn hinweggesetzt. So wird mir Günter Netzer zum Vorbild.

Antreten und losschreiben, egal was kommt. Irgendwie wird das Wort schon verwandelt – in Sinn. Denn Schreiben hat auch etwas von Mannschaftssport, weil erst im Vorgang des Lesens, das heißt mit Hilfe von Mitspielern, sich dieser Sinn ergibt. Leser machen mit Texten, was sie wollen.  Der Schreibende bleibt am Ende des Ganzen nicht mehr allein. Das beruhigt ein wenig und so stellt sich allmählich ein ansehnlicher Schreibfluss ein. All die vorbeigezogenen Einzelheiten der letzten Wochen muss ich dabei allerdings vernachlässigen. Mannschaftskapitän, Neuzugänge, Verwaltungsarbeit und Präsidentenfragen, all das wird erst nach und nach wieder Thema sein. Dann kümmer ich mich auch um die mir so lieben Kultur- und Strukturdebatten des Fußballs, wie sie gerade beim FC Schalke 04 und beim Hamburger SV mit unterschiedlichen Schwerpunkten geführt werden.

Heute geht es um den Saisonauftakt und Erwartungen. In dieser Saison kommt der MSV Duisburg als Antwort auf die Aufstiegsfrage nicht vor. Was die meisten von uns nach den Erfahrungen der letzten zwei Jahre doch sehr erleichtert. Mit Abstand wird Hertha BSC  als Favorit für den Aufstieg gehandelt. Da gibt es schon mal die eine Freude in dieser Saison namens, wenn Favoriten straucheln. Das tut mir leid für die Anhänger des Vereins, und ich habe überhaupt nichts gegen ambitionierte Hauptstadtvereine, die Freude ergäbe sich einzig aus dem Impuls der Überraschung. Bochum wird natürlich allein durch die Kraft des Aufstiegsroutiniers Friedhelm Funkel oben mit dabei sein. Einen beträchtlichen Vorteil hat ebenfalls der FC Augsburg mit seiner nahezu unveränderten Mannschaft. Auch der FC Augsburg wird oben mitspielen. Bei Fortuna Düsseldorf bin ich mir schon nicht mehr so sicher. Ich habe nun aber nicht mehr die Geduld, mich um weitere Vereine zu kümmern. Ich denke gerade nämlich an die eine Überraschungsmannschaft der Saison. Die gibt es fast in jeder Spielzeit der 2. Liag. Und der Platz ist per definitionem am Anfang der Saison unbesetzt. Ihr kennt mein unverbesserliches Wesen inzwischen und werdet ahnen, welcher Mannschaft ich liebend gerne diesen noch zu vergebenden  Beinamen verleihen möchte. Denn es wäre eine Überraschung, könnte die neu zusammen gestellte Mannschaft des MSV Duisburg oben mithalten. Ich erwarte das aber überhaupt nicht und werde mal sehen, was da zu sehen ist. Dauerkarte ist ebenso im Haus, wie die Fahrkarte nach Berlin mit Zwischenstation in Osnabrück. Denn wenn ich schon die ersten beiden Heimspiele verpassen werde, muss ich doch wenigstens beim allerersten Punktespiel der Saison dabei sein.


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