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Saisonvorbereitung – Lesen, was beim Top-Favoriten der 2. Liga geschieht

„Felix, ruf den Bruno an“, sagte Heribert Bruchhagen im Verlauf des Interviews mit der Frankfurter Rundschau. Es ist ein interessantes Interview auch für uns in Duisburg, weil sowohl einiges  zur zukünftigen  Spielstruktur der Eintracht zu lesen ist als auch zu finanziellen Bedingungen für Erfolg im professionellen Fußball. Zudem geht es nicht selten um die Gefühlslagen von Heribert Bruchhagen – bei Abstieg, Sportberichterstattung und Abschied von verdienten Spielern.

In einem Raum mit Bruno Hübners Neuem, als es um TV-Rechte ging

Nur selten berührt der Fußball mein Schreiben außerhalb dieses Blogs. Gestern war das anders, und prompt stand ich vor der Aufgabe mit Bruno Hübners Neuem einen Raum zu teilen. Der Mann kennt mich Gott sei Dank nicht. Was hätte das für peinliche Szenen geben können. Wer weiß, wozu ein Mann fähig ist, der Bruno Hübner an unserem großen Tag in Berlin zur Vereinbarung von Vertragsgesprächen angerufen haben soll. Weiß ich, wozu ich fähig bin?

Da saß Heribert Bruchhagen also auf einem Podium beim Medienforum.NRW und sollte die DFL-Meinung beim zukünftigen Verkauf der Fernsehrechte an der Fußball-Bundesliga zum besten geben. Die Fernsehrechte für die Übertragung von Bundesligafußball sind zwar noch für zwei Jahre bis zum Ende der Saison 2012/2013 vergeben, doch schon in diesem Jahr sollen neue Verträge festgezurrt werden. Von Anfang an machte Heribert Bruchhagen den Eindruck, als beginne auf dem Podium vorne die erste Runde der Verhandlung. Denn ebenfalls gestern wurde der Entscheid des Bundeskartellamts öffentlich, demnach eine Highlight-Verwertung im Internet ab 19 Uhr bei gleichzeitiger Free-TV-Verwertung erst ab 21.45 Uhr möglich wird. Bei so einem Verwertungs-Modell bliebe die ARD-Sportschau ohne Bilder vom Fußball.

Wie positioniert man sich in Verhandlungen? Man besinnt sich auch hier zunächst einmal auf das Zwischenmenschliche und macht dem Lieblingspartner schöne Augen. Da lobte also Heribert Bruchhagen den Pay-TV-Anbieter Sky in höchsten Tönen dafür, durch die samstägliche TV-Konferenz der Fußballspiele die Familien als Zuschauer der Fußball-Bundesliga gewonnen zu haben. Ich hatte immer gedacht, das mit den Familien und dem Fußball sei eine Idee in den 90ern gewesen. Neue Stadien brachten neue Zielgruppen. Aber eigentlich sind solche Überlegungen auch egal, weil Heribert Bruchhagen gegenüber dem ebenfalls anwesenden ARD-Sportkoordinator, Axel Balkausky,  nur die enge Verbundenheit der DFL mit Sky zeigen wollte. Das lief anders als mit Bruno Hübner. Da wurde dieses Mal nicht heimlich sondern vor allen Augen mit dem anderen Partner geflirtet. Das steigert die eigene Attraktivität ungemein. Heribert Bruchhagen hat´s echt drauf, und denkt natürlich an so etwa wie „Freunde bleiben wollen“, wenn er über die Sportschau redet und die ARD in höchsten Tönen für die vergangene Zeiten lobt. Aber wer weiß, vielleicht erweist sich die alte Braut doch noch als die bessere Partie, wenn sie erstmal noch genauer ihre Besitztümer bilanziert hat.

Schließlich geht es um die Frage, wer soll das viele Geld bezahlen, das nach Meinung der DFL die Fußball-Bundesliga als „Premiumprodukt“ wert ist. Verwertungsrechte findet auch Yahoo interessant. Dort will man durch die Erfahrung aus den USA und Großbritannien gestärkt aus der im Internet  bislang „schwach aufgestellten Fußball-Bundesliga“ ein besseres Internet-Angebot machen. Immer nur, wenn es sich rechnet. Doch wenn selbst kaum ein TV-Sender die bislang verlangten Geldsummen refinanzieren kann, halte ich es doch für sehr unwahrscheinlich, dass durch den  Verbreitungsweg per Internet und Smartphone-Applikation das entsprechende Geld verdient wird. Doch diese Einnahmen müssen sein, wenn die Liebe zur ARD als Rechteverwerter nurmehr noch glimmt.

Ich habe den Raum nach der Veranstaltung schnell verlassen. Ich musste einen Text schreiben, und heute dann noch diesen hier. Ich merke, das hat meinem Verhältnis zu Heribert Bruchhagen ganz gut getan.

Bruno Hübner kümmert sich um die Arbeitsbedingungen

Wer so plötzlich den Arbeitgeber wechselt wie Bruno Hübner, kann am neuen Arbeitsplatz nicht lange Ausschau halten, was alles zu tun ist. Da geht es gleich in die Vollen: Interview hier und Stellungnahme dort. Die gute Stimmung muss geschaffen werden. Denn Bruno Hübner gilt in Teilen des Umfelds von Eintracht Frankfurt angesichts der im Vorfeld gemutmaßten möglichen Besetzungen des Sportdirektors wohl als eine schwächere Lösung.

Für die gute Stimmung braucht es große Worte. Wir sind noch immer empfindlich in Duisburg. Deshalb versetzt seine „Herzensangelegenheit“ Eintracht uns noch einen kleinen Stich, auch wenn das nur auf der Internet-Seite von Eintracht Frankfurt steht. Wo, wenn nicht dort, ist der Raum für solche bekannten und ewig gleichen Sätze. Ich liebe dich, das will ein Mensch auch in der fünften Ehe noch hören.

Die gute Stimmung im Umfeld lässt sich auch durch Interviews verbessern, gerade wenn sich in diesem Interview klare Gedanken zu Eigenheiten und Qualitäten des Fußballs in der 2. Liga finden. Für uns fallen bei Bruno Hübners Interview mit der Frankfurter Rundschau aber auch noch ein paar Seitenblicke auf seine Arbeit beim MSV Duisburg ab. Wir müssen natürlich ein paar Abstriche bei seinen Aussagen vornehmen. Jeder Arbeitnehmer schönt an einem neuen Arbeitsplatz die Vergangenheit ein wenig. Jüngste Erfolge erhellen dann auch die durchwachsene Zeit der Anfänge mit. Bruno Hübner etwa kann sich heute kein Kompetenzgerangel mehr mit Heribert Bruchhagen vorstellen, schließlich habe er sich auch „gegen Walter Hellmich in Duisburg durchsetzen“ müssen, und Walter Hellmich sei „einer, der meint, alles besser zu wissen.“ Das ist uns aufmerksamen Beobachtern des MSV Duisburg wahrlich nicht verborgen geblieben. Bruno Hübner wird für sein Vorstellungsgespräch per Interview deshalb weder an die Personalie Markus Brzenska gedacht haben noch an die im Verantwortungsdreieck mit Walter Hellmich und Peter Neururer entschiedenen Spielerverpflichtungen, die mit dem damals öffentlich verbreiteten Konzept für den MSV Duisburg so gar nicht zusammenpassten. Man behält eben vor allem die schönen Momente der Vergangenheit in Erinnerung.

Dann müssen wir also mal ganz schnell b-planen

Wie oft gibt uns der Fußball die Gelegenheit zu großen Gefühlen. Wie schnell wechseln sie sich für uns Zuschauer ab. Wem es wann immer auch gelingt, dieses gesamte Spektrum der Gefühle von grenzenloser Begeisterung zu abgrundtiefer Enttäuschung stets fließend ausklingen zu lassen, ist ein begnadenswerter Mensch. Erlebt er doch in einem Spielfeld seines Lebens zutiefst wahre Gefühle, ohne im eigentlichen Leben dauerhaft Schaden zu nehmen. Gestern aber fürchtete ich beim Lesen der Pressemeldung vom MSV Duisburg, dass da bei mir in der nächsten Zeit erst einmal nichts ausklingen würde. Dabei ging es nicht einmal um ein Spiel. Mein Gefühl der Enttäuschung blieb so ernst, dass ich im ersten Augenblick nichts anderes hier habe reinstellen wollen als den Clip mit der jüngsten Hymne der Enttäuschten. Es ist nicht die Hymne meiner Generation, aber schon vor fünf Jahren konnte ich mich bei jüngeren Freunden in ihr wiedererkennen. Und gestern dachte ich in einem ersten trotzigen Aufwallen bei allem, was ich über Bruno Hübner und sein Verhältnis zum MSV Duisburg in den nächsten Wochen las, irgendsowas ähnliches wie Scheiß auf Freunde bleiben.

Natürlich verstehe ich sofort die Gründe, warum es Bruno Hübner zu Eintracht Frankfurt zieht. Die Nähe zur Heimat, die besseren finanziellen Möglichkeiten für die Arbeit, die lokale Marktführerschaft der Eintracht, was weiß ich, alles spricht für den zukünftigen Konkurrenten des MSV Duisburg in der 2. Liga. Ich glaube auch gerne, dass ihm der Entschluss schwer gefallen ist. Dennoch verschwindet nicht das Gefühl, hintergangen worden zu sein. Ich weiß selbst, so ein Gefühl wirkt angesichts dieses Geschehens im Unterhaltungsbetrieb Fußball  etwas lächerlich. Ich kann nichts dagegen tun.

Wenn ich lese, dass in der Zeit vor dem Pokalfinale die Verhandlungen zwischen Heribert Bruchhagen und Bruno Hübner geführt wurden, komme ich mir vor, als habe meine Freundin im Nebenzimmer mit nem Typen rumgemacht, während ich noch vom nächsten Sommerurlaub schwärme. Vielleicht ist das ungerecht, und normalerweise habe ich keine Schwierigkeiten damit, den Fußball als Wirtschaftszweig mit sehr eigenen Vertragsverhältnissen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern anzuerkennen. Doch wegen des Zeitpunkts und der Umstände der Kündigung von Bruno Hübner beim MSV Duisburg brauche ich noch etwas Zeit, meinen Sinn für Realismus wiederzufinden.

Nun muss sich der MSV Duisburg um einen Plan B kümmern, an den dort, laut Geschäftsführer Roland Kentsch, niemand gedacht hat. Mit unerwarteten Ereignissen rational umzugehen, das gehört zum Tagesgeschäft der MSV-Führung.  Dafür wird sie bezahlt. Einmal mehr vertraue ich auf die Kontakte von Roland Kentsch. Es wird sich ein Sportdirektor finden. Dieser Sportdirektor wird andere, aber hoffentlich genauso gute Kontakte wie Bruno Hübner haben. In der Enttäuschung von so vielen am MSV Duisburg Interessierten drückt sich auch gar nicht die Sorge aus, Bruno Hübner liesse sich nicht ersetzen. In dieser Enttäuschung zeigt sich das Wissen, für den Erfolg eines Vereins wie dem MSV Duisburg ist mehr nötig als das Abarbeiten von Aufgaben auf sportlicher Ebene.

Für den Erfolg eines Vereins wie dem MSV Duisburg braucht es einen Geist des Zusammenhalts, der von Menschen im Verein gelebt und nach außen getragen wird. Diese Menschen müssen in realistischer Weise voranweisende Gedanken in die Öffentlichkeit bringen. Bruno Hübner hat für mich diesen Realismus und den Plan für die Zukunft verkörpert. Diesen Wert für den Verein hat er ungeachtet seiner Spielerverpflichtungen bewiesen. Bislang haben sich weder Dieter Steffen noch David Karpathy in der Öffentlichkeit als Stimme des MSV Duisburg sonderlich stark positioniert. Der MSV Duisburg braucht aber eine Stimme, die dem Unternehmen MSV Duisburg ein Bild seiner selbst vermittelt.

Der Zusammenhalt scheint nun auch wieder gefährdet. Es wird spekuliert, welche weitere Geschichte hinter der Geschichte der Kündigung steht. Bruno Hübner selbst deutet Schwierigkeiten zwischen „Verein und Gmbh“ an. Die Kräfte im MSV Duisburg scheinen sich zunächst einmal wieder nicht zu bündeln. Wenigstens beruhigt mich an der Situation der schon fortgeschrittene Aufbau des Spielerkaders für die neue Saison. Für den Erfolg des MSV Duisburg ist das gegenseitige Vertrauen der sportlich Verantwortlichen aber genauso wichtig. Ich hoffe sehr, wenn Milan Sasic den zukünftige Sportdirektor kennenlernt, wird die Phase mit dem „Freunde bleiben“ schnell vergessen sein. Das kennen wir doch alle, wenn die Chemie stimmt, verblasst die Vergangenheit.  Dann können wir endgültig den Frankfurtern die Überlegung überlassen, ob sie nicht in Wahrheit Iggy Pop als Sportdirektor verpflichtet haben. Und ob der sich im deutschen Fußball gut auskennt?

Die Dreiklassengesellschaft

Funktionäre und wirtschaftlich Verantwortliche des deutschen Fußballs sprechen immer öfter davon, wie sich die Verhältnisse in den Ligen verfestigt haben. Zunächst waren es in meiner Wahrnehmung die Verantwortlichen solcher Bundesligavereine, die die Abstiegszone der Bundesliga frühzeitig hinter sich lassen wollten und sich dauerhaft auf einem sicheren Mittelfeldplatz etablieren wollten. Allen voran war das bei Eintracht Frankfurt Heribert Bruchhagen, der sich mit seinen öffentlichen Kommentaren zu den Zielen der Eintracht stets darum bemühte, die Erwartungen von Fans zu dämpfen. Aus einem anderen Beweggrund heraus benennt nun auch der Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung in einem Interview mit dem  Kicker zum gegenwärtigen Lizenzierungsverfahren die Bedingungen, unter denen die Vereine in den ersten beiden Ligen arbeiten:

Wir haben zwei Ligen, aber im Grunde reden wir über drei Tabellen. Die mittlere Tabelle beginnt bei Platz 13 der Bundesliga und geht bis Platz sechs der 2. Liga. Dort bewegen sich in der Regel Klubs, die nicht absteigen oder möglichst schnell aufsteigen wollen. In dieser Situation scheint die Gefährdung besonders hoch, tendenziell größere Risiken einzugehen. Es könnte daher sinnvoll sein, die Leitplanken enger zu setzen, selbstverständlich im Rahmen des gerade vom UEFA-Exekutivkomitee verabschiedeten Financial-Fairplay.

Die DFL hat deshalb eine Kommission eingesetzt, die Vorschläge zu einer Verschärfung des Lizenzierungsverfahrens erarbeiten soll. Was wirtschaftlich sinnvoll ist, wird Möglichkeiten zum sportlichen Erfolg weiter beschränken.


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