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Unternehmenskultur Hertha BSC?

Die Sportjournalisten stecken bei ihren Kommentaren zur Entlassung von Markus Babbel in dem Dilemma nicht recht Stellung beziehen zu können, weil ja niemand bei diesen Gesprächen zwischen Michael Preetz und Markus Babbel dabei gewesen ist. Hier steht übrigens in der Süddeutschen Zeitung noch einmal die Geschichte der Trennung in der Montagsversion.

Würde aber Partei ergriffen in den Kommentaren, müsste diese Parteinahme doch per ausführlicher Argumentation untermauert werden.  Dafür gibt es doch gar keinen Platz. So habe ich bislang nur recht allgemeine Aussagen gelesen, die zur Quintessenz  haben das Ansehen des Fußballs leidet oder auch das von Hertha BSC Berlin.

Allerdings gibt es auch Stimmen, die an das Zerwürfnis mit Lucien Favre erinnern und daraus vorsichtige Schlüsse zum Kommunikationsverhalten von Michael Preetz ziehen. Andererseits ging es damals nicht um die gewünschte Weiterverpflichtung sondern um die gewünschte Entlassung. Man kann aber ein wenig weiter zurück blicken und feststellen, unabhängig von der Person Preetz hat es schon einmal eine nun beobachtete Entwicklung bei einer Personalentscheidung gegeben. In Sebastian Deislers 2009 erschienenen Biografie „Sebastian Deisler – Zurück ins Leben“ heißt es, Dieter Hoeneß hätte ihn gebeten, den feststehenden Wechsel zum FC Bayern München nicht öffentlich zu machen. Die Entwicklung damals war identisch. Es gab Unruhe um Sebastian Deisler, bis Dieter Hoeneß mit einer Version des Wechsels an die Öffentlichkeit trat, die Sebastian Deisler zum Buhmann machte. Sebastian Deisler fühlte seine Loyalität missbraucht.

Sollte man da von einer generationsübergreifenden Tradition scheiternder Kommunikation sprechen? Darüber könnte in Berlin mal nachgedacht werden. Gut, dass wir in Duisburg ganz andere Probleme haben. Da bleiben der sportliche Bereich wenigstens außen vor und die Funktionäre beim Verkünden ihrer unterschiedlichen Wahrheiten unter sich.

Dürfen wir tatsächlich Valerie Domovchiyski willkommen heißen?

Weder in Duisburg noch in Berlin gibt es von den Vereinen schon eine offizielle Bestätigung. Die Journalisten der Berliner Morgenpost zeigen sich aber ganz nah dran an den eingeweihten Berliner Kreisen. Wir wollen ihnen glauben. Was gestern dort bereits in der Zeitung stand, wird im Blog der Morgenpost-Journalisten heute mit Zahlen unterfüttert. 450.000 Euro stehen im Raum, die der MSV Duisburg als Ablösesumme für den Bulgaren Valeri Domovchiyski Hertha BSC überweist. Willkommen im Zebrastall, Herr Domovchiyski. Dürfen wir das tatsächlich sagen? Noch verschleife ich die Ausprache Ihres Namens zum Ende hin ein wenig. Das wird aber, keine Sorge.

Ablösesumme! Ich habe erstmal bei Wikipedia nachgeguckt, was dieses Wort überhaupt bedeutet. Und wer in Duisburg kann noch auf Anhieb Zahlen mit mehr als fünf Ziffern fehlerfrei benennen? Das sieht so aus, als werden beim MSV Duisburg Pläne eingehalten. Der MSV Duisburg gibt einen Zweijahres-Vertrag einem Spieler, der in Berlin unter seinen Möglichkeiten geblieben ist. Viele der Fans dort bedauern immer noch, dass er zu wenig aus dem gemacht hat, was er eigentlich kann. Überfliegt man die Kommentare im Morgenpost-Blog und auch diesen Beitrag über Valeri Domovchiyski im  Hertha BSC Blog fällt auf, bei der Bewertung spielt die Einstellung des Spielers eine große Rolle. Dort finden die Berliner den Grund dafür, dass sich Domovchiyski trotz seines Könnens nicht durchgesetzt hat.  So ein Spieler passt perfekt zu Milan Sasics Werdegang im Fußball. Milan Sasic kann solche Spieler wieder erwecken.

Für mich ist das Wichtigste an der – so hoffen wir, tatsächlich wahr werdenden – Verpflichtung, dass ich beim MSV Duisburg Kontinuität der Arbeit erkenne. Auch wenn deutschlandweit nach dem Pokalfinale in den überregionalen Medien von Auflösung der Mannschaft geschrieben wurde, davon kann keine Rede sein. Es geht nämlich nicht nur um Spieler, die den Verein verlassen. Es gibt eine Idee, etwas vom einzelnen Spieler unabhängiges, dem im Verein gefolgt wird. Und so etwas wie diese Idee trägt den Kader. Es wird nicht an der gleichen Stelle wieder angefangen, wo sich der MSV Duisburg in der Sommerpause 2010 befunden hat. Der Verein samt Spielerkader sind weiter vorangekommen.

Wir sind Schmetterlinge, die mit ihren Flügeln schlagen

Auch Nachbetrachtungen zu einem Ligaspiel brauchen einen starken Gedanken, um den herum sich die Beobachtungen zum Spiel anordnen lassen. Den habe ich gestern für das Spiel des MSV Duisburg gegen Hertha BSC Berlin nicht gefunden, und ich bin mir nicht sicher, ob das heute der Fall sein wird. Es gibt zu viel, was mich vom Spiel selbst ablenkt. Unweigerlich bringe ich jedes Geschehen im Spiel mit dem DFB-Pokalfinale in Verbindung. Kaum steht ein Spieler des MSV Duisburg nach einem Foul nicht sofort wieder auf, schon hake ich innerlich den nächsten Ausfall eines Spielers ab. Wenn ich mich etwa an den Einsatz von Olivier Veigneau am Montagabend erinnere und an die Intensität seiner Spielweise, so lautet die beste Nachricht des Abends, es gibt keine weiteren Verletzten.

Es ist mir am Montag nicht mehr gelungen, im Moment des Abends zu bleiben. Ständig irritierten mich abschweifende Gedanken. Ich überlegte, ob auch Olivier Veigneau gehen würde. Wir wussten vor dem Spiel noch nichts von seiner Entscheidung, den Vertrag nicht zu verlängern. Sah ich Olivier Veigneau, sah ich die ungewisse Zukunft des Vereins. Ich dachte an Professionaliät, die ich immer wieder von Fußballern gefordert hatte, und dachte ebenfalls, nun lässt sich diese Professionalität beim MSV Duisburg erkennen. Olcay Sahan geht und versucht bis zum Abschied sein Bestes zu geben. Leihspieler wie Stefan Maierhofer kommen für ein Jahr und treten so auf, dass sie zum Publikumsliebling werden. Die Verantwortlichen des Vereins informieren stilvoll über die Zukunft der Spieler des Vereins, und gleichzeitig wird deutlich, die Mannschaft dieser Saison ist dabei, Vergangenheit zu werden. Da mischte sich Abschiedsmelancholie in die Überlegungen zum DFB-Pokalfinale in Berlin. Da mischte sich in die Überlegungen zum DFB-Pokalfinale eine leichte Unruhe durch die Gedanken an die nächste Saison. Da tauchte in der Unruhe die Verpflichtung von Emil Jula als beflügelnder Gedanke auf, und ach ja, das Spiel auf dem Platz unten lief ja auch noch.

Es war eigentlich ein Spiel, das mit einem Unentschieden hätte enden müssen. Die Berliner wollten eigentlich nicht  mehr als dieses Unentschieden, um danach aufgestiegen zu sein. Als sie aber in der ersten Halbzeit recht unvermittelt die Chance auf ein Tor erhielten, schlugen sie das Angebot nicht aus. So eine Chance kann sich in jedem Spiel ergeben, wenn Verteidiger des Gegners für einen Moment nicht an ihrem Platz sind. So Tore ergeben sich aus Spielsituationen, die wie ein Versuchsballon des Angriffs wirken. Warum nicht mal eine Flanke von rechts auf den hinteren Pfosten schlagen? Vielleicht bleiben die zwei Mann frei?  Und da sie dann frei blieben, wurde das Angebot zu einem Tor angenommen, und die Hertha war des Aufstiegs schon recht früh im Spiel ganz sicher.

Der MSV Duisburg war mit dem Unentschieden zwar nicht zufrieden, und die Mannschaft bemühte sich von Anfang an sehr, den Ball druckvoll in die gegnerische Hälfte zu bringen. Doch meist schon vor dem Strafraum unterband die Hertha jegliche Gefahr verheißende Spielaktion des MSV Duisburg. Spätestens im Strafraum aber war die Defensivleistung der Hertha dann fehlerlos. Nur in den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit konnte der MSV Duisburg mit sicherem Kombinationsspiel und aggressivem Pressing genügend Druck entwickeln, um die Defensive der Hertha zu verunsichern. Zwei Chancen nach Flanken wurden nicht genutzt. Die gesamte zweite Halbzeit investierte der MSV Duisburg viel. Die Mannschaft wollte den Ausgleich und wurde nicht belohnt, weil sie zwar bis zum Strafraum ansehlich spielte, danach aber keine Torgefahr entwickelte.

Die Mannschaft denkt wahrscheinlich weniger an das DFB-Pokalfinale als wir Fans. Man merkte, diese Mannschaft will auch in Liga-Spielen weiter gewinnen. Ich hingegen versuche aus den restlichen Spiele der Saison vor allem noch die kleinsten guten spielerischen Momente zu sammeln, um angesichts der vielen Ausfälle von Stammspielern nicht nur an ein Wunder von Berlin glauben zu müssen. Was mich am Montagabend erneut zufrieden stimmte, war der sich entwickelnde Kombinationsfußball des MSV Duisburg,  der gegen eine sehr gut deckende Berliner Mannschaft immer wieder ins Rollen kam. Da steht eine Mannschaft auf dem Platz, die mitspielen will und nicht nur auf die eine Chance durch den Standard setzen muss.

Allmählich frage ich mich auch, sollten wir nicht alle beginnen, diese Mannschaft stark zu reden? Da gehen dann weniger Allmachtsphantasien mit mir durch, als dass ich weiß, gerade in Zeiten von Verunsicherung wirkt das Lob als sinnvollstes pädagogische Prinzip der Veränderung. Dann denke ich, die Spieler wissen ohnehin, welche Fehler sie machen und wo ihre Schwächen im Moment immer wieder deutlich werden. Daniel Reiche wird wissen, dass sein Passspiel erneut durch Totalversagen bedroht war. Wie schon im Spiel gegen Aachen schenkte er den Ball zweimal ohne Not her. Ein Sportpsychologe wäre da vielleicht eine Option, aber vielleicht auch die Meinung, dass er eigentlich ballsicher genug ist für den ersten Pass aus der Abwehr heraus. Wenn er zudem Lob für sein eigentlich auch gutes Defensivverhalten erhielte, könnte er an die Leistung vom Beginn der Saison anknüpfen. So Sachen gehen mir durch den Kopf. Oder auch, dass wir uns auf David Yelldells Leistungen auf der Linie verlassen können. Es ist nicht nur zu spät in der Saison für die Einzelkritik, ich stehe auch auf schwankendem Boden und weiß nicht mehr, mit welchem Ziel ich hier schreibe. Wahrscheinlich hat das alles doch mit meinem Wunsch zu tun, an den Aussichten für den MSV Duisburg beim Pokalfinale in Berlin irgendetwas drehen zu können. Ich will beeinflussen – mit welchem Schmetterlingsflügelschlag auch immer.

Hoffentlich weiß Markus Babbel, wie er seine Kinder erzieht

Nach einem gewonnenen Spiel lässt sich natürlich erst recht ganz entspannt die Verwirrung beim unterlegenen Gegner betrachten. Doch schon beim Lesen der Vorberichterstattung zum Spiel von Hertha BSC Berlin gegen den MSV Duisburg hatte ich den Eindruck, in Berlin waren die Maßstäbe zur Bewertung von Charaktereigenschaften etwas durcheinander geraten. Ich hatte nur keine Zeit, dazu etwas zu schreiben.

Der Niederlage gegen den MSV Duisburg gingen ja schon andere schlechte Spiele von Herha BSC Berlin voraus, und Markus Babbel wurde in vielen Medien mit den Worten zitiert: „Wir wollen zu Hause wieder unser gutes Gesicht zeigen und dominant auftreten. Ich will die Gier sehen, die Punkte zu holen. Wenn wir das tun, dann werden wir auch gewinnen!“ Ich las das Wort Gier und zuckte kurz zusammen. Nun gut, dachte ich, das ist Fußball, und manchmal vergreift sich einer im Ton, wenn er meint, besonders energisch sein zu müssen. Doch nach der Niederlage haut Markus Babbel nun in dieselbe Kerbe: „Da war keine Gier, kein Engagement, keine Laufbereitschaft“, so wird er im Tagesspiegel zitiert.

Ich will für Markus Babbel hoffen, dass er das Wort Gier auf eine sehr eigene Weise versteht, wenn nicht würde ich mir als Anhänger von Hertha BSC Berlin ein wenig Sorgen um den sportlichen Erfolg meiner Mannschaft machen. Ich bin zwar nicht ganz so beckmesserisch beim Umgang mit Sprache wie so mancher Kollege, wer aber tatsächlich meint, Gier sei eine zu fördernde Eigenschaft im Menschen, dem möchte ich zu ein wenig Kindheitserinnerung raten. Herr Babbel, haben Ihre Eltern Sie etwa immer dazu ermuntert, sich den Teller noch voller zu machen als er schon war? Hieß es bei Ihnen zu Hause, Markus, jetzt sei doch mal etwas gieriger, du hast ja den Gästen noch etwas zu essen übrig gelassen? Das geht doch nicht, Markus, reiß dich mal am Riemen, und nimm Ihnen endlich alles weg. Klingt komisch, oder? Auch dann noch, wenn man die Gier später dann von erwachsenen Fußballspielern einfordert.

Versuch sich auch mit geschriebenen Worten heillos zu freuen

Freude und Glück wollen im Gegensatz zu den unangenehmen Gefühlen des Lebens einfach nur gelebt sein. Mit diesen angenehmen Gefühlen sind wir uns selbst genug. Statt erklärende Worte zu suchen, reichen uns einzelne Ausrufe der Begeisterung, wir jauchzen und fallen der Einfachheit halber ein in jahrzehntealte Fan-Gesänge. Es langt uns das Strahlen im Gesicht und das Teilen dieser Freude mit anderen. Erst allmählich stellt sich so etwas wie Erzählen ein, finden sich mehr Worte für das, was geschehen ist.

Am Anfang solcher Worte steht aber schon wieder nicht mehr als das Bild von dem Moment, als das mitfiebernde Bangen sich in überschäumende Freude verwandelt. Es ist der Moment, als ich vor dem PC aufspringe und mein Oberkörper Olcay Sahans Bewegung auf das Tor zu sehr angespannt und verzögert mitmacht. Es ist ein Bild, dem Erklärung und Deutung noch lange fremd sind. Olcay Sahan läuft mit dem Ball auf das Berliner Tor zu. Noch hat er einen Gegenspieler. Srdjan Baljak sprintet links von ihm herbei. Aber ist er nicht viel zu schnell für den ablegenden Pass? Nein! Baljak nimmt den Ball auf und mit, schießt und trifft ins Tor. Jaaa! Ja! Ja! Fünf Minuten vor Spielende das 2:0, das wird reichen für den Sieg bei Hertha BSC Berlin, bei dem Verein, der es wagt, auf seiner Webseite die eigene Zweitligazeit in dieser Saison herunterzuzählen. Wirkt das nicht viel zu siegessicher? Oder ist das einfach nur selbstbewusst? Ist diese ablaufende Zeit Ansporn oder Druck? Uns aus Duisburg kann es eigentlich egal sein, aber angesichts des gestrigen Spiels von Hertha BSC Berlin wirkt diese ablaufende Zeit auf mich eher wie eine Uhr im Action-Thriller, die den Zuschauern zeigt, wieviel Zeit dem Helden noch bleibt, um die Bombe zu entschärfen. Fragt sich, wer der Held in Berlin sein soll, der die Explosion der Hertha verhindern wird.

Solche Spiele habe ich in den letzten Jahren nämlich auch in der MSV-Arena gesehen. Da gab es eine Heimmannschaft, die unbedingt aufsteigen wollte, die aber immer weniger ein spielerisches Konzept besaß, um dem Gegner ebenbürtig zu sein. Da machte die Gastmannschaft im Mittelfeld den Raum geschickt eng und schaltete beeindruckend schnell von der Defensive auf die Offensive um. Da fluteten die Spieler der Gastmannschaft ein ums andere Mal vor das Tor der Heimmannschaft. So spielte der 1. FC St. Pauli in der letzten Saison in Duisburg, und ich hoffte damals, es könne für den MSV Duisburg am Ende noch gut ausgehen. Wir wissen, es kam anders. Noch viele andere Mannschaften konnten wir in Duisburg erleben, gegen die der MSV Duisburg kein Spielkonzept besaß. Und wir Fans vom MSV Duisburg redeten immer ärgerlicher über die Spielweise unserer Mannschaft so, wie es jetzt in Berlin geschieht – ob in Blogs bei Immer Hertha und dem Hertha BSC Blog oder etwa in den Kommentaren beim Tagesspiegel. Ich überfliege die Worte dort und erinnere mich noch so gut an diese ähnlichen Gefühle in Duisburg; an die Diskussionen über die grundsätzlichen Fehler von Trainer und Spielern;  ich erinnere mich an die Typen derer, die sich zu Wort meldeten: die verdammenden Apokalyptiker, die besonnenen Mahner oder die bis zum allerletzten Moment Hoffenden. Ich erinnere mich noch gut an dieses allmähliche Sich-Damit-Abfinden, dass Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander liegen.

Seit diesen Gefühlen in Duisburg sind ein paar Monate vergangen, und wieviel Freude macht es in dieser Saison der Mannschaft des MSV Duisburg bei ihrem Spiel zuzusehen –  beim Spiel wohlgemerkt. Denn diese Mannschaft zeigt mehr als Kampf und Laufbereitschaft. Das ist oft einfach schön anzusehen, wie der MSV Duisburg versucht, die Begegnung zu gestalten. Bei allem Erfolg gibt es natürlich auch Verbesserungspotential. Ich seufze etwa immer noch tief auf, wenn ich daran denke, wieviel früher der Sieg hätte feststehen können. Aber das sind die Gedanken für übermorgen. Heute soll an dieser Stelle der Moment des gestrigen Torjubels so lange wie möglich lebendig gehalten werden. Heute soll immer wieder neu auch das Bild mit einem Mal auftauchen, als Olcay Sahan nach seinem 1:0 auf Milan Sasic zuläuft und alle Mitspieler herbeiwinkt. Es soll dieser Ausdruck von Gemeinschaftlichkeit weiterwirken wie jene bewegenden Momente, in denen Milan Sasic an seine verstorbene Mutter dachte. Es sollen die eindrucksvoll lauten Gesänge der mitgereisten MSV-Fans weiter in unseren Ohren klingen, weil auch darin sichtbar wird, dass im und um den MSV Duisburg gerade etwas wächst, was so lange erhofft wurde. Morgen früh werde ich noch den ein und anderen Spielbericht lesen, und die Woche wird gut beginnen. Wenn ich dann an den Freitagabend denke, stelle ich mir vor, eigentlich könnte die Woche beim Spiel vom MSV Duisburg gegen den FSV Frankfurt doch ebenso gut wieder enden.

Patchworkfamilienfußballdynastie

Aus dem großen Fundus der bunten Geschichten erreicht uns dieses neue Wissen: Oliver Reck sorgt sich nicht um seinen 18jährigen Stiefsohn, der im Gegensatz zu vielen seiner Altersgenossen bereits nicht mehr zu Hause wohnt. Sein im Ruhrgebiet geborener Stiefsohn lebt jetzt nach Recherchen des Berliner Kurier in einer „Großstadt“. Wir wissen alle noch, wie groß die Sorgen der Landbevölkerung an der Ruhr in den 90er Jahren waren, als so viele Töchter und Söhne der einfachen Leute dort die etwa „500 Kilometer“ weite Reise auf sich nahmen, um mit dabei zu sein, den Moloch Berlin in die glanzvolle Weltmetropole der Zukunft zu verwandeln. So ein Wandel wird ja von ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen voran getrieben, und zum Bedauern einiger Großstädter konnte der Berliner Fußball im letzten Jahr seine Versprechen nicht einhalten. Der Abstieg aus der Bundesliga brachte die fußballerische Nähe von unzähligen Zweitligisten aus Kleinstädten und ländlichen Gebieten mit sich, und wahrscheinlich wirkt diese Nähe nun auf Hertha BSC zurück. Sie lässt das Umfeld dort so freundlich erscheinen, dass Oliver Reck seinen Stiefsohn Pierre-Michel Lasogga gut aufgehoben fühlt. Zwei Tore hat der 18jährige neulich gegen den VfL Bochum erzielt, und wenn ich Oliver Reck im Interview mit dem Berliner Kurier richtig verstehe, stärkt er ganz im Sinne einer unterstützenden Pädagogik seinen Stiefsohn für desssen weiteren persönlichen Erfolg. Allerdings ist er auch der Meinung, dieser persönliche Erfolg werde am 27. November in dem Zweitligaspiel der Großtstadt-Mannschaft seines Stiefsohnes nichts an den guten Aussichten ändern für die Mannschaft, die aus dem ländlichen Gebiet rund um die Mündung der  Ruhr in den Rhein anreist.

Gleich geht´s los

Wäre ich mein Trainer, wahrscheinlich würde ich mich erst in der zweiten Halbzeit einwechseln. Ich erklärte dann auf einer Pressekonferenz vor dem Spiel, nach der langen Schreibpause habe Kees Jaratz seinen Rhyhtmus noch nicht ganz wiedergefunden, um einen Text in gesamter Länge zu bewältigen. Er müsse langsam wieder an die Mannschaft herangeführt werden. Als Trainer wüsste ich natürlich, wie sehr Kees Jaratz das Spiel mit den Worten vermisst und wie schwer es ihm fällt, erst einmal auf der Ersatzbank Platz zu nehmen. Ich lobte Kees Jaratz für sein Verständnis und versicherte der Presse und aller Welt, wie sehr der Verein in Zukunft noch Kees Jaratz für ganze Text brauchen wird. Dann schwiege ich und überließ es dem Pressesprecher meines Vereins, nach Fragen zu fragen.

Mein Trainer hätte recht, nach der längeren Pause fehlt mir die Leichtigkeit und mein Instinkt. Ich denke zu viel. Wie der Fußballspieler nach einer Verletzungspause, frei vor dem Tor stehend, zu viele Optionen erkennt und die Chance vergibt, so taucht Gedanke um Gedanke auf und drängt darauf in Worte gefasst zu werden. Dabei vergebe ich überhastet Sinn und Bedeutung. Andererseits muss auch mal jemand Verantwortung übernehmen, gerade in einer Einzeldisziplin bleiben da nicht viele übrig. Denn um so eine Einzeldisziplin handelt es sich ja eigentlich hier, und bei so einem ersten Auftritt nach längerer Schreibunterbrechung kann ich auf den harmonischen Wortfluss nicht immer Rücksicht nehmen. Da muss auch mal ein Satz unvermittelt rausgehauen werden – als Duftmarke, wie unsere Sportreporter gerne sagen. Gleich geht´s nach Osnabrück. Das ist so ein Satz, der in seiner brachialen Durchsetzungskraft an Günter Netzers Sololauf mit anschließendem Torerfolg im DFB-Pokalfinale der Saison 1972/73 gegen den 1. FC Köln erinnert. Zumal er damals dem Trainer Hennes Weisweiler mit seiner eigenen Einwechslung während der Verlängerung vorgegriffen hat. In der Anekdote wird es zugespitzt erzählt, Netzer habe sich über ihn hinweggesetzt. So wird mir Günter Netzer zum Vorbild.

Antreten und losschreiben, egal was kommt. Irgendwie wird das Wort schon verwandelt – in Sinn. Denn Schreiben hat auch etwas von Mannschaftssport, weil erst im Vorgang des Lesens, das heißt mit Hilfe von Mitspielern, sich dieser Sinn ergibt. Leser machen mit Texten, was sie wollen.  Der Schreibende bleibt am Ende des Ganzen nicht mehr allein. Das beruhigt ein wenig und so stellt sich allmählich ein ansehnlicher Schreibfluss ein. All die vorbeigezogenen Einzelheiten der letzten Wochen muss ich dabei allerdings vernachlässigen. Mannschaftskapitän, Neuzugänge, Verwaltungsarbeit und Präsidentenfragen, all das wird erst nach und nach wieder Thema sein. Dann kümmer ich mich auch um die mir so lieben Kultur- und Strukturdebatten des Fußballs, wie sie gerade beim FC Schalke 04 und beim Hamburger SV mit unterschiedlichen Schwerpunkten geführt werden.

Heute geht es um den Saisonauftakt und Erwartungen. In dieser Saison kommt der MSV Duisburg als Antwort auf die Aufstiegsfrage nicht vor. Was die meisten von uns nach den Erfahrungen der letzten zwei Jahre doch sehr erleichtert. Mit Abstand wird Hertha BSC  als Favorit für den Aufstieg gehandelt. Da gibt es schon mal die eine Freude in dieser Saison namens, wenn Favoriten straucheln. Das tut mir leid für die Anhänger des Vereins, und ich habe überhaupt nichts gegen ambitionierte Hauptstadtvereine, die Freude ergäbe sich einzig aus dem Impuls der Überraschung. Bochum wird natürlich allein durch die Kraft des Aufstiegsroutiniers Friedhelm Funkel oben mit dabei sein. Einen beträchtlichen Vorteil hat ebenfalls der FC Augsburg mit seiner nahezu unveränderten Mannschaft. Auch der FC Augsburg wird oben mitspielen. Bei Fortuna Düsseldorf bin ich mir schon nicht mehr so sicher. Ich habe nun aber nicht mehr die Geduld, mich um weitere Vereine zu kümmern. Ich denke gerade nämlich an die eine Überraschungsmannschaft der Saison. Die gibt es fast in jeder Spielzeit der 2. Liag. Und der Platz ist per definitionem am Anfang der Saison unbesetzt. Ihr kennt mein unverbesserliches Wesen inzwischen und werdet ahnen, welcher Mannschaft ich liebend gerne diesen noch zu vergebenden  Beinamen verleihen möchte. Denn es wäre eine Überraschung, könnte die neu zusammen gestellte Mannschaft des MSV Duisburg oben mithalten. Ich erwarte das aber überhaupt nicht und werde mal sehen, was da zu sehen ist. Dauerkarte ist ebenso im Haus, wie die Fahrkarte nach Berlin mit Zwischenstation in Osnabrück. Denn wenn ich schon die ersten beiden Heimspiele verpassen werde, muss ich doch wenigstens beim allerersten Punktespiel der Saison dabei sein.

Einer, einer … einer ist bald raus

Wieviel angenehmer für das Wohlbefinden ist es doch, sich im Leben am richtigen Platz zu fühlen. Wieviel schlechter geht es den meisten doch, die das große Glück erst in der Zukunft sich erhoffen. Wir, beim MSV Duisburg, befinden uns gerade im Hier und Jetzt. Wir haben all jene Enttäuschungen schon hinter uns, die auf Hertha BSC samt Fans noch zukommen werden. Dort, bei Hertha BSC Berlin, ist alles Denken auf die Zukunft des Wiederaufstiegs ausgerichtet.

Wir – und damit meine ich, die Verantwortlichen im Verein, die Spieler im Trainingslager und uns Fans –  wir haben unsere Erwartungen mit der Wirklichkeit in Übereinstimmung gebracht. So kann jene zuversichtliche Atmosphäre entstehen, über die in den regelmäßigen tagebuchartigen Artikeln bei der Der Westen oder auch in der Rheinischen Post in den letzten Tagen zu lesen war. „Geht´s gut?“, wird gefragt. „Bajic will mit dem MSV Duisburg nach oben“. MSV-Trainer Sasic bastelt am Teamgeist. Oder Julian Koch freut sich auf seine Zeit in Duisburg. Man glaubt es wirklich, im Trainingslager gibt es eine „Mischung aus Arbeit und Spaß„. Solche Berichterstattung gehört natürlich zum Standardrepertoire der medialen Saisonvorbereitung. Wenn es in dieser Zeit nicht um die gute Laune des Kaders ginge, würde die Presseabteilung etwas falsch machen. Doch in diesem Jahr stört dieses Standard-Repertoire kein Missklang.

Und deshalb verfestigen solche Artikel die Stimmung wiederum. Sie schaffen einen Vorrat Zuversicht für die vielleicht auch kommenden schwierigeren Zeiten. Angesichts des neu zusammen gestellten Kaders konkretisiert sich als Ziel für den Erfolg ein einstelliger Tabellenplatz. Um das tatsächlich sorgenlos erreichen zu können, wäre die baldige Verpflichtung eines offensiven Mittelfeldspielers und eines hoffnungsvollen Stürmers allerdings nicht schlecht. Das aber nur am Rande, mir geht es ja mal wieder um die Stimmung. Als angenehm beim Ankommen in der Wirklichkeit erweist es sich nämlich zudem, dass wir dennoch auch frei sind für Überraschungen. Wir brauchen sie nicht für das Wohlbefinden, aber wenn sie denn kommen, diese Überraschungen, um so besser.

Wie anders muss es sich in Berlin anfühlen. Sich überraschen zu lassen, das ist für uns in Duisburg eine einfacher zu bewältigende psychische Aufgabe als jene, vor der Hertha BSC Berlin steht. Es ist ja ein Trugschluss, dass gelebte schmerzhafte Erfahrung, in diesem Fall der Abstieg, die Menschen sofort verändert. Vielleicht ist es bei einigen so, aber keinesfalls bei allen Menschen. Der Erfolg in einem Fußballverein ist aber abhängig vom Zusammenwirken vieler verschiedener Menschen, und wenn sich nur ein Teil von ihnen in der neuen Situation noch nicht eingefunden hat, wird es schwierig mit diesem Erfolg. Ich denke, Hertha BSC Berlin verabschiedet sich gerade aus dem Kreis der Aufstiegsfavoriten.

Im Selbstbild dieses Vereins hatte es in den letzten Jahren die 2. Liga nicht mehr gegeben. Jetzt spielen sie aber genau dort, wo sie eigentlich nie mehr hin wollten. Sie träumten nicht nur von ganz anderen Orten, an denen sie Fußball spielten. An ein paar dieser Orte haben sie sogar schon einmal vorbeigeschaut. Was für eine Zumutung muss das sein, sich jetzt mit einer ganz anderen Welt zu beschäftigen. Da rumpelt es nun schon zu Beginn der Saison kräftig, wenn Markus Babbel mangelnde Fitness seiner Spieler feststellen muss.

Vielleicht wäre noch was zu retten, wenn die Vereinsverantwortlichen Änis Ben-Hatira einen Berater-Vertrag geben würden. Änis Ben-Hatira würde dann auf einem Wochenendseminar eine Wandlungsgeschichte über sich  erzählen und seinen tiefen Fall als aufrüttelnde Mahung den Berliner Spielern mit auf den Weg geben. Paulus Ben-Hatira war einst Saulus, der sich in der 2. Liga allen anderen Spielern so überlegen fühlte. Er wusste tief in seinem Inneren, er hatte einen besseren Platz verdient als diesen Rasen in dieser Ruhrgebietsstadt. Er war U21-Europameister. Doch immer weniger Menschen teilten diese Meinung. Erst als selbst sein Trainer ihn nicht mehr aufstellte, rettete ihn eine Hüftoperation. Nun kann sich nicht der gesamte Kader von Hertha BSC Berlin vor der Saison an der Hüfte operieren lassen, um danach ganz von vorn anzufangen. Deshalb schimpft Markus Babbel schon jetzt. Ich denke, er wird noch oft schimpfen.

Es ist schwer für einen Verein, der sich als dauerhafter Erstligist fühlt, in der 2. Liga sofort wieder erfolgreich zu sein. Ich glaube, ein Favoritenplatz wird da im Laufe der Saison recht bald geräumt. Mal sehen, wer stattdessen da unterkommt. Wie gesagt, das Angenehme im MSV-Leben dieser Tage ist für mich, dass ich mir ganz entspannt auch mal eine Überraschung vorstellen kann.

Innere Betriebsamkeit, äußere Ruhe

Selbst wenn wir es uns in vielen Momenten einer laufenden Spielzeit nicht so richtig vorstellen können. Das Leben ist immer auch ein wenig mehr als Fußball, und Fußball ist immer auch ein wenig mehr als der MSV Duisburg. Weil es so ist, gäbe es eigentlich immer was zu schreiben, auch wenn über den Verein aller Vereine nicht viel Neues zu hören ist. Allerdings geht es mir gerade genauso wie dem MSV Duisburg. Ich weiß, es gibt das Datum, an dem das Tagesgeschäft unweigerlich weitergehen wird, doch im Moment besinne ich mich für den Zebrastreifenblog gerade auf alte Ziele und konzeptionelle Arbeit und die Frage, wie diese für mich grundsätzlichen Anliegen mit dem Tagesgeschäft in Zukunft zusammen zu bringen sind. Und so fehlen mir zurzeit die schnellen Worte.

Was gab es nicht alles für Vorhaben? Doch das Festhalten an Konzepten verlangt einfach mehr Zeit, um angestrebte Ziele zu erreichen, sei es der Aufstieg oder Texte mit Substanz zu anderen Themen als dem letzten und dem nächsten Spieltag. Die Ereignisse beim MSV Duisburg in der letzten Saison erforderten allerdings immer auch schnelles Bearbeiten, wenn ich dem hauptsächlichen Anlass dieses Blogs gerecht werden wollte. Gleichzeitig ist diese Notwendigkeit der schnellen Bearbeitung immer auch das einfachere Vorgehen um Worte für diesen Blog zu finden. Man sieht hoffentlich das Dilemma, mit dem sich auch jeder Absteiger aus der Bundesliga bestens auskennt. Konzepte schön und gut, doch das einzig mögliche Ziel nach einer Abstiegssaison, der sofortige Wiederaufstieg, ist mit großer Wahrscheinlichkeit nur durch schnelles Reagieren auf dem Spielermarkt erreichbar.

So lange genügend Geld vorhanden ist, scheinen dann Konzept und kurzfristiges Ziel sogar deckungsgleich zu sein. Vor zwei Wochen noch hieß es, die Schulden von Hertha BSC Berlin seien so hoch, dass aus der Erstliga-Mannschaft kaum Spieler gehalten werden können. Nun bleiben sogar Ramos und Raffael als Teil-„Achse des Aufstiegs„. Der Gedanke an das Geld wird in die übernächste Saison verschoben. Klappt es mit dem Aufstieg, wurde alles richtig gemacht. Klappt es nicht, … Aber an noch größere Schulden will bei dieser Hoffnung jetzt natürlich niemand denken.

Mit diesem von Hertha BSC Berlin angestrebten Balanceakt war der MSV Duisburg während der letzten zwei Jahre nicht erfolgreich. Im Augenblick hat man den Eindruck, nun schwebt der Verein an einem Sicherungsseil, dessen anderes Ende hinter die Kulissen führt. Wir wissen aber, dort hat Roland Kentsch die Kurbel der Drahtseilrolle fest in der Hand, und er bemüht sich, das Sicherhungsseil auf eine Höhe zu ziehen, von der aus der Verein sich wieder auf das Drahtseil begeben kann. Gut ausgestattet ist so eine Sicherungsvorrichtung aber nur mit einen zweiten Mann an der Kurbel, deshalb hat Roland Kentsch den Finanzfachmann Henrik Wiehl, einen Mitarbeiter aus Bielefelder Zeiten, zum Mitanpacken geholt.

Gleichzeitig steht Bruno Hübner in der Manege und beruhigt das Publikum, was auch von Journalisten dankbar aufgegriffen wird und aufmerksame Medienbeobachter angesichts identischer Texte darüber nachdenken lässt, ob die RevierSport bei Der Westen demnächst regelmäßig mit am Newsdesk sitzt. Wie schnell wird doch aus der platonischen Liebe einer Kooperation die verschmelzende Hingabe der Lebensgemeinschaft in der großen Familie des WAZ-Konzerns. Bruno Hübner belässt es nicht nur bei Ansprachen, er holt mit Julian Koch auch schon einen neuen Trapezkünstler in die Manege. Ich meine auch, Bruno Hübner findet sehr passende Worte für die Situation. Wie wir Finanzkrisen-Experten wissen, geht es in solchen Zeit immer um „Psychologie“. Es geht um die stimmige Rede über die Gefühlslage zwischen Besorgnis, Einsicht in notwendige Maßnahmen angesichts der Gegebenheiten und Hoffnung auf die Zukunft. In solch einer Situation geht es um Vertrauen, und Bruno Hübner ist der Mann beim MSV Duisburg, der weiß, dieses Vertrauen verspielt man durch Schönreden. So einen Mann brauchen wir Zuschauer, so lange wir das Sicherungsseil noch belastet sehen.

Hat sich eigentlich noch jemand am Samstag während des Endspiels der Champions League an zwei, drei Heimspiele des MSV Duisburg erinnert? Aachen, Kaiserslautern und wegen des Unentschiedens mit Abstrichen Oberhausen huschten mir immer wieder in den Kopf, als ich die vergeblichen Versuche des FC Bayern München sah, gefährlich vor das Tor von Inter Mailand zu kommen. Es gibt trotz des so großen Unterschieds in der spielerischen Qualität eine grundsätzliche Gemeinsamkeit, den das Spiel als Eindruck bei mir hinterlässt. Die eine Mannschaft versucht das Spiel in die Hand zu nehmen, die andere bewegt sich so perfekt organisiert im Gegenzug, dass es bei dem Versuch bleibt und sich kaum Torgefahr entwickelt. Dagegen ist man sich nach kurzer Zeit fast sicher, mindestens ein Konter dieser sehr gut organisierten Mannschaft wird durch ein Tor abgeschlossen. Das Endspiel im DFB-Pokal, eine Woche zuvor, gehörte hingegen einem anderen „Genre“ an und natürlich nicht, weil der FC Bayern München das Spiel gewann, sondern weil hier beide Mannschaften von Anfang an versuchten, das Spiel durch Ballbesitz zu gestalten. Was mich an die erste Halbzeit des Heimspiels gegen den FC St. Pauli erinnerte, in der der MSV Duisburg den Hamburgern wie die Bremer den Bayern hoffnungslos unterlegen war.

Lothar Niemeyer hat übrigens noch nicht auf meine Mail geantwortet, welche gemeinsame Zeit er mit Marcus Feinbier beim MSV Duisburg gehabt hat. Da bleibe ich am Ball.

Beim nächsten Abstieg Staatstrauer

Bei Spox.com lässt man komischerweise den Spätankömmling Chinedu Ede in einem Interview den Verlauf der Saison für den 1. FC Union Berlin kommentieren. Wahrscheinlich sind die Sätze zu Union aber nur das Vorspiel zum eigentlich wichtigen Thema „Gefühle beim Abstieg von Hertha BSC Berlin“. Chinedu Ede wuchs bekanntermaßen bei Hertha fußballerisch auf, ehe er zum MSV Duisburg wechselte. Doch wie bei sehr vielen Berlinern, von Deutschlands Fußballoffiziellen ganz zu schweigen, sind da weniger Emotionen zu holen als staatstragende Rationalität. Die deutsche Hauptstadt ohne Erstligafußball, wie „traurig“, aber Mitleid?, na ja, das hält sich in Grenzen. Gesteigert wurde solche formelhafte Trauer ja in der vergangenen Woche noch durch die journalistische Rekordfloskel „einmalig in Europa“, Hauptstadt ohne… . Und jedes Mal habe ich gedacht, das ist immer wieder ziemlich komisch, so ein Reden im Fahrwasser von Symbolpolitik,  wenn die zu den großen Worten gehörenden Inhalte im wirklichen Leben nur notdürftig verankert sind. In Duisburg gibt es übrigens gerade im Kulturhauptstadtjahr den einzigen größten Binnenhafen Europas, manche sagen sogar der Welt, ohne Erstligafußball. Auch ziemlich traurig!


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