Posts Tagged 'Hertha BSC'

Lars Windhorst und die Naturgesetze

Gestern präsentierte die Süddeutsche Zeitung im Sportteil die Krisen der Gegenwart in einem einzigen Satz, indem Hertha-Investor Lars Windhorst in einem Interview über einen weit verbreiteten Glauben sprach. Wahrscheinlich hat er recht, schließlich reguliert auch die Schwerkraft auf der Erde das Leben zum größtmöglichen Wohle aller überaus wirksam. 

Kalou und Verstraete bereiten Soziologen Freudenfeste

Der alte Soziologe in mir blickt in diesen Tagen aufgeregt von einer Ecke dieser Gesellschaft in die andere. Was gibt es nicht alles zu beobachten. Was bringt das Virus nicht alles an sozialen Mechanismen ans Licht, was sonst mühsam durch Umfragen und Statistiken nachgewiesen werden muss. Jetzt ist das in Echtzeit erlebbar. Es ist eine Hochzeit für qualitative Forschung. Beobachtung und Beschreibung sind in diesen Tagen mindestens ebenso gefragt wie die Erhebung statistischer Daten.

Habt ihr schon die Reaktion des 1. FC Köln auf das Verstraete-Interview neben die von Hertha BSC auf den Kalou-Clip gestellt, rufe ich den Kollegen laut zu? Auf jeden Fall was für eine Masterarbeit, die sich den Fußball als soziales Subsystem vornimmt. Bei beiden Profis ergibt sich dasselbe Problem für die Fußballwelt. Es gibt einen Konflikt  zwischen dem durch Corona notwendigen Bild des Fußballbetriebs für sein Weiterbestehen und dem wirklichen Verhalten der Teilnehmer in diesem Betrieb. Was bislang meist kulturkritisch betrachtet wurde und nur von einer Minderheit als Beschädigung des Fußballs als solchem wahrgenommen wurde, ist nun sofort ein Problem, das den Fußball in seiner Existenz angreift.

Fußballclubs sind Unternehmen, deren Angestellte natürlich keinesfalls sagen dürfen, was sie wirklich denken. Es lässt kein Unternehmen zu, dass Angestellte den Ruf des Unternehmens öffentlich diskreditieren. Zweifel am wirksamen Schutz der Angestellten durch den Fußballer Birger Verstraete schädigen also den Ruf des Unternehmens 1. FC Köln. Wenn ein Fußballer wie Birger Verstraete allerdings über Ängste spricht, die er momentan mit dem größten Teil der Menschheit teilt, wird es für das Unternehmen schwer, das Übertreten des Loyalitätsgebots so zu sanktionieren, wie es üblicherweise geschieht. Womöglich war sich Birger Verstraete nicht bewusst, dass er gegen das Loyalitätsgebot verstieß. Schließlich sprach er nur davon, was momentan alle bewegt. Der 1. FC Köln musste sich also lächerlich machen, indem er Übersetzungsfehler vorgab, um ein Missverständnis in den Raum zu stellen, das es nicht gegeben hat. Der gewohnte Umgang war nur an der Oberfläche in Kraft. In der Öffentlichkeit wurde diese Erklärung meiner Beobachtung nach nirgendwo hingenommen. Vor Corona wurden solche Maßregelungen auch schon wahrgenommen, aber heute stellen sie den Betrieb als Ganzes in Frage. Denn die Inhalte des Verstraete-Interviews werden von der Öffentlichkeit aufgenommen. Sie sind nicht als einzelne Fehlleistung isolierbar.

Auch beim Umgang mit dem Videoclip von Salomo Kalou sind die üblichen Maßstäbe nicht gültig. Sein Clip entstammt aus einer Zeit, in der die Fußballer als Ich-Unternehmen mit pseudoauthentischem Social-Media-Gedöns ihren Wert steigern. Vor Corona hätte er vielleicht mit dem Gehaltsgerede provoziert, aber eben auch eine Aufmerksamkeit bekommen, die seiner Ich-Marke zugute gekommen wäre. Nun gelten andere Regeln, weil der Überbau, der Fußballbetrieb, andere Regeln befolgen muss, um überhaupt noch eine Daseinsberechtigung zu haben. Das machte es für Hertha BSC notwendig, Kalou zu suspendieren. Salomon Kalou wird wahrscheinlich gar nicht vestehen, was er falsch gemacht hat. Schließlich hat er das gemacht, was Stars immer machen, nämlich sich selbst zu inszenieren. Alles distanzierende Gerede über Inhalte des Clips durch die Funktionäre des Betriebs ist unerheblich. Aus soziologischer Pespektive ist wichtig, was vor Corona dem Fußball als Unterhaltungsbetrieb diente, der pseudoauthentische Blick auf die Angestellten, das gefährdet den Betrieb als Ganzes heute. Was vor Corona allenfalls als isoliertes Fehlverhalten durch den Medienzirkus aufgenommen worden wäre und damit in den Unterhaltungsbetrieb integriert, steht heute außerhalb des Fußballbetriebs. Die Teilnehmer des Unterhaltungsbetriebs Fußball müssen einem gemeinschaftlichem Bild entsprechen, das es außerhalb des Unterhaltungsbetriebs in dieser Absolutheit nicht gibt.

Das Virus macht diese Gesellschaft zu einem Experiment, bei dem man nur die zu beobachtenden Parameter genau bestimmen muss und schon hat der nächste soziologische Vortrag oder Aufsatz seine Grundlage. Die Daten werden in den sozialen Medien frei Haus geliefert, und dann geht es nicht nur um den Fußball. Da geht es um wesentlich mehr, da geht es um die Demokratie in dieser Gesellschaft. Wo zeigen sich nun soziale Phänomene im Zentrum dieser Gesellschaft, die sonst in Randbereichen öffentlichkeitshungrig vor sich hindümpeln? Was hat dazu geführt? Welche Menschen verwerten Aufmerksamkeit ökonomisch? Welche Konzepte werden genutzt, um Wahrheit zu verbürgen? Welche Konzepte werden genutzt, um Authentizität herzustellen? Welcher Zusammenhang besteht zwischen beiden Kategorien?

Wer macht sich Skandalisierung für welche Zwecke zunutze? Wessen Werbeumsätze steigen mit welchen Methoden? Wo offenbart sich bei Grenzüberschreitungen das Regelwerk von Segmenten dieser Gesellschaft? Das sind alles interessante Fragen mit Blick auf die Verschwörungsfranktion mit Ken Jebsen & Co, mit Blick auf Politiker der kleinen Parteien, die bei der Krisenbewältigung zunächst von der Bildfläche verschwunden waren, mit Blick auf Unternehmen und Lobbyisten, die Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen wollen.

Gut, Politologen könnten sich da auch mal umschauen. Journalisten sowieso. Und nun an die Arbeit.

Die schönsten Fußballtorten der Welt – XXVIII – Hertha BSC

Mit freundlicher Unterstützung von „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben musspräsentiert der Zebrastreifenblog in loser Reihe die schönsten Fußballtorten der Welt.

Heute Abend ist Hertha BSC sehr nah daran, endlich einmal das DFB-Pokalfinale auch für die Profi-Mannschaft des Vereins zu einem ihrer Heimspiele  zu machen. Borussia Dortmund will das verhindern. Waren die Chancen der Hertha überhaupt jemals so gut wie heute Abend? So genau kenne ich die Vereinshistorie in Berlin nicht. Wir in Duisburg sind gerade auch mitten drin in einem solchen Hoffnungs-Szenario, bei dem etwas erreichbar scheint, was lange Zeit unvorstellbar war. Das spannt die Nerven an, und der tiefe Fall droht.

Sollte das Vorhaben nicht gelingen, hilft ablenkende Beschäftigung und Süßkram als Nervennahrung. Deshalb mein Service für den Niederlagenfall: die ausführliche Anleitung, um ein Fußballtortenkunstwerk im Zeichen der Hertha zu schaffen. Schon das Betrachten der Anleitungen wirkt meditativ und hilft, selbst Niederlagen nach Elfmeterschießen zu verarbeiten. Ich empfehle vor allem die Anleitung für den Schal.

Der Ball ist der Kuchen ist der Ball

So gelingt der Schal

So gelingt das Logo

 

 

Tortentalk

Saisonvorbereitung – Worte über und Tore der Neuzugänge: Thomas Bröker

Immer wieder mal machen Anliegerstädte des Rheins in NRW erste Schritte, um gemeinsam stark zu werden. Die „Rheinschiene“ wird dann beschworen. Die Zusammensetzung dieser „Rheinschiene“ variiert dabei. Mal sind es Köln und Bonn, die irgendetwas gemeinsam entwickeln wollen, mal Duisburg und Düsseldorf, mal gesellt sich Düsseldorf aber auch zu Köln und Bonn. Das Bemühen um diese gemeinsame Stärke ist gar nicht so einfach, weil in den Städten der Konkurrenzgedanke weiterhin recht lebendig bleibt.

Betrachtet man den Werdegang von Thomas Bröker, wüsste ich schon eine Perspektive nach seiner aktiven Zeit. Durch seine Erfahrungen als Fußballer in Köln, Düsseldorf und nunmehr Duisburg bietet er sich als Berater für solche „Rheinschienen“-Projekte geradezu an. Schließlich mögen sich die Fans dieser Vereine nicht besonders. So musste Thomas Bröker durch Leistung und Persönlichkeit überzeugen, womöglich Vorurteile überwinden, grundsätzliche Abneigungen vergessen machen und diplomatisch sein. Beste Beraterqualitäten.

Nimmt man die hochgeladenen Clips bei youtube zum Maßstab, hat Thomas Bröker in Düsseldorf die stärkste Zeit seiner Karriere erlebt. Auch wenn ich vor ein paar Tagen schon an ein Tor von ihm als Spieler des FC gegen den MSV habe erinnert. Es mag allerdings auch damit zusammen hängen, dass er in Düsseldorf zur Zeit des Aufschwungs der Fortuna Richtung Bundesliga spielte und deshalb seine Tore besonders gewürdigt wurden. Andere als Düsseldorfer Tore habe ich jedenfalls nicht gefunden. Verschossene Elfmeter aus der Kölner Zeit wollte ich jedenfalls zu Beginn seiner Saison in Duisburg nicht hier zeigen. Wir haben in Duisburg ja auch recht sichere Elfmeterschützen.

Bei Fortuna Düsseldorf hat er sich anscheinend so große Sympathie erspielt, dass ihm eigene kleine „Specials“ gewidmet wurden. Leider bestehen die vor allem aus dem Aufwärmen und nur aus wenigen Spielszenen. Deshalb habe ich das zweite „Special“ gar nicht erst hierhin geholt. Beim Aufwärmen zeigt sich spielerische Qualität nun doch eher selten.

Allerdings gibt es das ein oder andere Tor von Thomas Bröker im Netz zu finden. Im Juli 2011 verliert er im Spiel von Fortuna Düsseldorf beim VfL Bochum zunächst beim Dribbling den Ball nahe der Torauslinie. Nachdem die Kollegen den Ball sofort zurück erobert haben, erhält er eine zweite Chance. Sascha Dum ist damals im Getümmel auch dabei.

Aus der Zuschauerperspektive hinter dem Tor sieht sein Torschuss gar nicht mal gefährlich aus.

Fortuna Düsseldorf – KSC, September 2011, Thomas Bröker erzielt die Tore zum 3:1 und 4:1 – ab Minute 0.30

Fortuna Düsseldorf – FC Energie Cottbus, 15. November 2011

Dynamo Dresden – Fortuna Düsseldorf, April 2012, Endergebnis 2:1, Thomas Bröker erzielt den zwischenzeitlichen Ausgleich.

Als Höhepunkt dieser Torreihe erweist sich das Relegationsspiel zur Bundesliga Hertha BSC – Fortuna Düsseldorf, das 1:2 endete und in dem Thomas Bröker ein beeindruckendes Tor erzielte. Er zog in den Strafraum, setzte sich wuchtig gegen mehrere Spieler durch und erzielte den Ausgleich, mit dem das Spiel zugunsten von Fortuna kippte.

Der Duisburger Gerd Hennig – Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 10

Vor einiger Zeit habe ich begonnen, die Erinnerungen von FIFA-Schiedsrichter Gerd Hennig zu sichten. “Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter” hat Gerd Hennig diese Erinnerungen genannt, die ich nach und nach bearbeite und hier in loser Folge veröffentliche.

Heute geht es um das, was ein Schiedsrichter neben dem eigentlichen Fußballspiel in Berlin noch so erlebt.


Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 10
Von Gerd Hennig
Herausgegeben und bearbeitet von Kees Jaratz

Im April 1979 waren mein Team und ich angesetzt, das Bundesligaspiel zwischen Hertha BSC und Eintracht Frankfurt zu leiten. Meine Linienrichter waren Dieter Pauly aus Rheydt und Heinz-Theo Heymann aus Krefeld. Im Berliner Olympia-Stadion gewann die Hertha dieses Spiel 4:1.

Der DFB hatte uns zur Übernachtung den renommierten „Schweizer Hof“ angewiesen. Als wir freitags im Hotel eincheckten, stellten wir fest, dass im selben Domizil auch Dieter-Thomas Heck samt Familie weilte. Den Jüngeren muss man vielleicht sagen, Dieter-Thomas Heck moderierte die ZDF-Hitparade. Das war damals eine sehr populäre Musiksendung, die am frühen Samstagabend gesendet wurde und in der deutsche Schlager präsentiert wurden. Alle in der Hitparade auftretenden Künstler übernachteten ebenfalls in unserem Hotel.

Mein Linienrichter Dieter Pauly war trotz der Bedenken von uns beiden anderen erpicht darauf,  uns noch drei Eintrittskarten für die Abendveranstaltung zu beschaffen. Er schrieb einen kurzen Brief und ließ seine Bitte um Karten am Samstagmorgen im Schlüsselfach von Dieter-Thomas Heck hinterlegen. Zu unserer Überraschung erhielten wir nach unserem gemeinsamen Stadtbummel eine positive Antwort. Zudem bat mich der Moderator, in seine Suite zu kommen. Wir begrüßten uns und er versicherte mir, wir könnten gerne kommen. Zu seiner Ehefrau Ranghild gewandt sagte er noch: „Wir haben eigentlich keine Plätze mehr frei, aber daraus machen wir einen Gag.“

Dann wandte er sich wieder mir zu: „Das wird das erste Mal sein, dass eine meiner Sendungen mit einem Schiedsrichterpfiff eröffnet wird. Kommen Sie mit ihren Kollegen pünktlich in die UNION-Filmstudios. Da halte ich drei Plätze im Künstlerbereich für sie reserviert.“

Sofort nach dem Spiel im Olympia-Stadion fuhren wir mit dem Taxi zu den Studios. Dort bat mich Dieter-Thomas Heck auf die Sekunde genau auf eine Treppe zwischen den Zuschauern, damit ich mit einem unüberhörbaren Pfiff die allseits beliebte Sendung des ZDF startete. An diesem Abend traten in der Sendung unter anderem Heino, Gaby Baginsky sowie Tina York auf. Letztere ist die Schwester von Mary Roos.

Nach dem Ende der Show waren wir noch zu einem Bankett an Stehtischen im Forum des Studios eingeladen. So lernten wir beim amüsanten Plausch einige der Schlagerstars kennen. Gekrönt wurde dieser Tag, als ich zur mitternächtlichen Stunde im Foyer unseres Hotels noch zufällig Tina York begegnete. Schon als Jugendlicher hatte ich von ihr geschwärmt. Kurz wechselten wir ein paar Worte, und ich erhielt zu meiner großen Freude ein Autogramm.

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Hymnen auf Belek

Winterpausenlob

O Belek, in deutschkalten Wintern, du heilender Ort.
Wer deine so heiligen Rasen voll Glauben betritt,
dem fegst du die Hinrundenschuld und -fehler hinfort.

So viele gewannen durch dich ihren Glauben zurück.
Die Blinden erzielten die Tore  aus weiter Entfernung,
Die Lahmen erliefen sich Bälle und weinten vor Glück.

O Belek, wir werden dich immerzu  loben und preisen.
Du hilfst bei der Angst vor dem Abstieg und Meisterschaftssorgen.
O Belek, den Zweifelnden werden Siege im Spiel es beweisen.

 

Winterpausenlob (2015 dub remix)

O Belek, zuerst bei dir der SV Werder Bremen vom 6. bis 14. Januar.

Sonne, Tore  und  Erfolg.

O Belek, bei dir der VfL Borussia Mönchengladbach vom 8. bis 15. Januar.
O Belek, der DSC Arminia Bielefeld bei dir vom 9. bis 17. Januar.

Neuer Mann kommt gut. Neu ist gut, neu ist gut!

O Belek, der FC Augsburg bei dir vom 11. bis 19. Januar
O Belek, Hannover 96 bei dir vom 11. bis 20. Januar

Abstiegsangst. Abstiegsangst. Abstiegsangst.

O Belek, der 1. FC Kaiserslautern bei dir vom 12. bis 22. Januar.
O Belek, der FC St. Pauli bei dir vom 12. bis 22. Januar.

Der Geist im Team, der Trainingsspotter Muezzin.

O Belek, der SC Paderborn bei dir vom 13. bis 22. Januar.
O Belek, der BSC Freiberg bei dir vom 16. bis 23. Januar.

Über. Stark. Siege. Mut. Über. Stark.

O Belek, die SpVgg Greuther Fürth bei dir  vom 16. bis 24. Januar.
O Belek, Hertha BSC in Belek vom 18. bis 24. Januar.

Sonne, Tore  und  Erfolg.

O Belek, der 1. FC Nürnberg bei dir vom 19. bis 26. Januar.
O Belek, und auch die Offenbacher Kickers kommen vom 2. bis 9. Februar.

Alle kommen. Alle kommen. Alle hoffen. Alle hoffen.

Der Duisburger Gerd Hennig – Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 4

Unlängst habe ich begonnen, die Erinnerungen von FIFA-Schiedsrichter Gerd Hennig zu sichten. “Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter” hat Gerd Hennig seine Erinnerungen genannt. Ein großer Packen Papier liegt bei mir zu Hause – Handschriftliches und Ausdrucke. Nur nach und nach werde ich diese Erinnerungen bearbeiten können und hier in loser Folge veröffentlichen.

Heute geht es in den Erinnerungen hauptsächlich um das sehr spezielle Thema Schiedsrichterbetreuer, das im letzten Drittel mit kurzen Erzählungen über – sagen wir – ungewöhnliches Linienrichterverhalten einen unterhaltsamen Einschub erhält. Ich habe etwas länger überlegt, ob ich diese in ihrer Art sehr spezielle Würdigung der ehrenamtlichen Helfer auch in dieser Länge veröffentlichen soll. Bis mir klar wurde, dass diese persönlichen Worte Gerd Hennigs die Unterschiede des Bundesligafußballs der 1960er bis Anfang 1980er Jahre gegenüber dem von heute auf eine ganz eigene und besondere Weise deutlich machen.

Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 4
Von Gerd Hennig

Insgesamt habe ich 161 Spiele in der 1. Bundesliga geleitet. In Verbindung mit diesen zahlreichen gepfiffenen Begegnungen  dürfen natürlich auch die lebhaften Erinnerungen an die damals fungierenden Schiedsrichterbetreuer, Vereinsbeauftragten oder Kontaktpersonen für uns Schiedsrichter-Teams nicht vergessen werden. Sie waren für die möglicherweise am Spielort vorhandenen Probleme und deren Behebung zuständig.

Die genannten Vereine ordne ich ungefähr von Nord nach Süd. Da waren die besonders erwähnenswerten Vertreter bei Hertha BSC Lothar Pötschke und der inzwischen verstorbene, allseits bekannte Wolfgang Holst. Beide kümmenerten sich bestens um unsere Belange. Beim Hamburger Sportverein empfingen uns die echten Hanseaten und „Malteser-Freunde“ Werner Otto und Kurt Petersen, während der SV Werder Bremen damals das „Urgestein“ Richard Ackerschott mit seiner leider oftmals etwas zu fanatischen Frau Lilly aufbot. Bei Hannover 96 begrüßte uns das Lehrer-Ehepaar Seide mit ihrem drolligen Dackel Piefke.

Im großen, glorreichen Westen hatte mein langjähriger Teamgefährte und Linienrichter Manfred Uhlig mit objektiver Ehefrau beim BV 09 Borussia Dortmund das große Sagen, und beim FC Schalke 04 hielt der bekannte Ex-Bundesliga-Schiedsrichter Manfred Wichmann das „Zepter“ fest im Griff. Der Vfl 48 Bochum hatte mit Dieter Hagen – dessen Sohn auch aktiver Linienrichter im Oberhaus war – einen emsigen Vertreter, der oft von seinem Präsidenten, dem geselligen Ottokar Wüst, unterstützt wurde.

Bei der Schilderung müsste nunmehr der Niederrhein folgen, von dem ich leider nicht berichten kann, da ich selbst diesem Verband angehöre und zu Spielen der Gladbacher Borussia, von Fortuna Düsseldorf sowie von Rot-Weiss Essen und Rot-Weiß Oberhausen, geschweige denn als Duisburger beim damaligen Meidericher SV und heutigen MSV Duisburg nach den Statuten keine Ansetzung erwarten konnte. Obschon mich die Niederrhein-Derbys Mönchengladbach gegen Düsseldorf oder Essen gegen Oberhausen schon gereizt hätten.

Am Mittelrhein hatte „Mattes“ Valentin für Bayer 04 Leverkusen stets im Ramada-Hotel sein Domizil. Dagegen setzte der 1. FC Köln unterschiedliche Betreuer ein, wobei sie meist nur vor dem Spiel zu sehen waren. Während man in Leverkusen mit „Mattes“ nach der Begegnung noch in gemütlicher Runde beisammen saß, musste man sich beim Nachbarn in Köln zumeist mit den spärlichen Räumlichkeiten des Müngersdorfer Stadions begnügen. Was keine Kritik sein soll, sondern nur eine sachliche Feststellung.

Wenn wir nun weiter südlich wandern, stoßen wir auf den 1. FC Kaiserslautern, wo ich laut meiner Einsatzstatistik am häufigsten zu Gast war. Hier hatte der leider viel zu früh verstorbene Rudi Merk, der Vater von Dr. Markus Merk, mit dem „blonden Karl“ aus Frankenthal das absolute Kommando. Ich erinnere mich, dass ich am Tage der Premiere von Markus Merk als Schiedsrichter in der Bundesliga rein zufällig dort verweilte. „Heut’ peift der Ma´kus sein 1. Spiel in der Bundesliga!“ waren pfälzisch-originalgetreu seine Worte und sein Stolz war unübersehbar.

Zweimal war in Kaiserslautern das Organisationsgeschick von Rudi Merk besonders gefragt. Vor einer Ansetzung waren einmal meine zwei Linienrichter und ich zu einem kleinen Imbiss ins Kaiserslauterner Rathaus geladen. Dieser Imbiss fand in einer der oberen Etagen des Rathauses statt. Danach wollten wir mit dem Aufzug nach unten fahren. Dabei drückte mein stets zu Unfug aufgelegter Linienrichter Wolfgang Krutzke auf den roten Alarmknopf, und wir saßen in der Mitte der Abfahrt  fest. Unserem Schiedsrichter-Betreuer Rudi Merk trieb das natürlich den Schweiß auf die Stirn. An einem Samstag dauerte es zwangsläufig sehr lange, bis wir befreit werden konnten. Um noch frühzeitig im Stadion zu sein, bestellte Rudi sofort die Polizei, welche uns nach einem Zwischenstopp im Hotel mit Blaulicht noch so eben zur Anstoßzeit am „Betze“ ablieferte. Bei einer weiteren Ansetzung musste die Polizei noch einmal helfen. Eine morgendliche Weinprobe in Bad Dürkheim war etwas zu lang ausgefallen, so dass wir verspätet zum vereinbarten Treffpunkt vor dem Hotel erschienen. Erneut chauffierte uns die von Rudi benachrichtigte Polizei mit Blaulicht ins Stadion. Es blieb vor dem Spiel sogar noch Zeit für eine kalte Dusche.

Mein Linienrichter Wolfgang Krutzke war stets zu Streichen und Späßen aufgelegt. Im edlen Frankfurter Hof hatte er zum Beispiel während einer kurzen Mittagspause meine Zimmertür mit einer Blumenbank blockiert. Erst das Hotelpersonal mit großem Auftrieb konnte mich befreien. Vor dem Spiel von Kickers Offenbach gegen den Hamburger SV hatte dieses Unikum sogar einmal in einem unbeobachteten Moment aus dem Spielball die Luft herausgelassen. Erst der Hamburger Torwart Rudi Kargus stellte das fest, als er sich vor dem Einlaufen kurz den Ball zur Prüfung geben ließ. So musste der Heimverein, die Offenbacher Kickers, in aller Schnelle einen neuen Ball beschaffen, und das Spiel konnte erst mit 10 Minuten Verspätung beginnen. Seitdem habe ich den Spielball nach Betreten der Umkleidekabine sofort in meiner Sporttasche  sicher unter Kontrolle behalten.

Zurück zur Schiedsrichterbetreuung. Wechseln wir weiter in den Süden, wo Lutz Combe beim 1. FC Nürnberg eine gute Regie führte. Daran reichte nur noch der unverwüstliche Addy Weber beim FC Bayern München heran, der mit dem seinerzeitigen Geschäftsführer Walter Fembeck ein vorbildlicher und echter Freund der Schiedsrichter war. Beim zweiten Münchener Verein, dem TSV 1860, wechselten sich Jürgen Kamann und Franz-Xaver Wengernmayer in der Betreuung ab.

Die Verdienste der namentlich nicht aufgeführten Schiedsrichterbetreuer sind sicher nicht geringer, haben wir Teams uns doch überall sehr wohl gefühlt. Ich möchte betonen, dass meine Worte nur für alle schon tätigen oder noch interessierten neuen Kollegen Anregung und Motivation sein mögen.

 

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Kurze Weiterbildung zum Investement in ein Fußballunternehmen

Wir kochen in Sachen Finanzen beim MSV Duisburg sehr ausdauernd  im eigenen Saft. Was nicht abwertend gemeint ist, sondern sich alleine aus der Sache heraus ergibt. Die Lage ist einfach zu unübersichtlich, als dass ein Ortsfremder sich bei so was einmischen wird. Das gilt gerade für diejenigen mit den kleineren Summen Spielgeld, für die der MSV überhaupt von Interesse wäre, wie etwa jener belgische Unternehmer, der beim FC Carl Zeiss Jena gerade mal 2 Millionen Euro fürs erste brauchte, um 49,98 Prozent Anteile der FC Carl Zeiss Jena Fußball Spielbetriebs GmbH zu erhalten. Große Investoren wie das US-Finanz-Unternehmen KKR, das der Hertha gerade 61,2 Millionen Euro rübergeschoben hat, gucken sich den MSV gar nicht erst an.

Gerade das Geschäft in Berlin hilft aber jedem Fußballfan mit weiter reichendem Interesse am Fußball als Wirtschaftszweig sich in Sachen Finanzierung von professionellem Fußball weiter zu bilden. Mehrere Medien haben die möglichen Schwierigkeiten für die Hertha bei dem Geschäft thematisiert. Denn nichts anderes ist dieser Vorgang: ein Geschäft, bei dem KKR Geld verdienen will. Die Berichterstattung zu diesem Vorgang verhilft also zur Trennschärfe bei den in Fandiskussionen oft vermischten Begriffen Investor, Sponsor und Mäzen. In gebotener Kürze bei gleichzeitig hohem Informationsgehalt haben die Deutschen Wirtschafts Nachrichten den Vorgang durchleuchtet und das Risiko für die Hertha bei zu geringem sportlichen Erfolg  benannt. Die dort beschriebenen Risiken für die Hertha erinnern schon sehr an die gegenwärtige Lage in Duisburg. Es geht um ein anderes Niveau, die Konsequenzen sind dieselben, wenn Investor- und Vereinsinteresse nicht mehr deckungsgleich sind.

Die Vermischung der Begrifflichkeit in den Diskussionen kommt natürlich nicht von ungefähr. Gerade bei finanziell schwachen Fußballvereinen lassen die handelnden Personen ihr Geld dem Verein tatsächlich ja in unterschiedlichen Rollen zukommen. Walter Hellmich ist dafür ein bestes Beispiel. Er war mit seinem Unternehmen Sponsor und zugleich war er aber als Anteilseigner der Stadiongesellschaft indirekt auch Investor. Ob er je auch dem öffentlich gehandelten Mäzen entsprochen hat, ist mir unbekannt. Ob sich sein Engagement in erwartungslose Bereiche und die von Interesse geleiteten überhaupt  trennen lässt, scheint mir ohnehin fraglich zu sein.

Nachgereicht: Hertha-Trikots im Revier-Wahlkampf

Unlängst jährte sich Willy Brandts Geburtstag zum hundertsten Mal. Anlass für Erinnerung allerorten, diese umfassten natürlich das klassische Gedenktag-Pflichtprogramm in sämtlichen Medien. Distanzierte historische Einordnung als journalistischer Standard. Was aber auffiel, waren die vielen persönlich gefärbten Erinnerungen, die zusätzlich zu lesen waren. Vielen Menschen war es ein Bedürfnis von ihrem eigenen Erleben Willy Brandts zu erzählen. Noch einmal bewies sich auf diese Weise die besondere Persönlichkeit des Politikers.

Bei einer dieser persönlich gefärbten Erinnerungen habe ich eine interessante Randnotiz zum Fußball gefunden. Zwar war von Willy Brandts Sohn Matthias schon in mehreren Interviews zu lesen gewesen, dass sich sein Vater nicht für Fußball interessierte, was diesen und die SPD im Wahlkampf 1965 aber nicht daran hinderte, die Popularität des Fußballs zu nutzen – in Form von Werbegeschenken, Give-aways, wie sie heute heißen. Beim öffentlichen Wahlkampfauftritt Willy Brandts 1965  in Mülheim an der Ruhr konnte der Duisburger Publizist Werner Jurga als Kind so ein Werbegeschenk ergattern. Der Fußball war gut zu gebrauchen. Mit dem Hertha-Trikot aber konnte er als MSV-Fan nicht so viel anfangen.

Es ist doch interessant, dass damals Willy Brandt seine Identität als Berliner mit den Hertha-Trikots unterstreichen konnte. Heute käme das nicht mehr vor. Das Verhältnis von Politikern und Wählern hat sich verändert, völlig davon abgesehen, dass auch das Merchandising-Gewerbe im Fußball der Gegenwart einem Politiker bei jedem Auftritt in noch der kleinsten Kleinstadt das Trikot des lokalen Erfolgsvereins bereit stellen würde. Politiker der Gegenwart könnten es sich gar nicht mehr leisten, ein einziges, und damit nahezu immer das falsche Trikot im Werbegeschenkgepäck dabei zu haben. Statt des Statements zur eigenen Person hätten sie das Wohlgefühl des Wählers im Blick. Die  Gründe hierfür sind bei allen Beteiligten des Geschehens zu suchen.

Im Übrigen empfehle ich den Klick oben weiter zum Text von Werner Jurga. Sehr lesenswert.

Nur harte Kerle retten den Hamburger SV

Mit so einer erheiternden Zeitungsmeldung könnte jeder Tag beginnen. Gerade lese ich in einer dpa-Meldung der Süddeutschen Zeitung, welch Charaktereigenschaften inzwischen beim Hamburger SV gebraucht werden, allein nur, wenn ein Fußballer überlegt, dort einen Vertrag zu unterschreiben. Nicht zu klären ist die Frage, ob dpa- oder redigierender SZ-Journalist besondere Kenntnisse der Hamburger Verhältnisse haben oder einen Sinn für spitzen Humor. Vielleicht trifft ja beides zu.

Unter der Überschrift „Spielertausch geplant“ lese ich über die Hamburger Verhältnisse also folgendes:

Laut Bild-Zeitung will der HSV den norwegischen Mittelfeldmann Per Skjelbred für ein Jahr nach Berlin ausleihen, im Gegenzug soll Hertha-Stürmer Pierre-Michel Lasogga ausgeliehen werden. „Lasogga ist unerschrocken, er geht dahin, wo es wehtut“, sagte HSV-Sportchef Oliver Kreuzer über den U-21-Nationalspieler

Eindeutig harte Zeiten beim HSV. Aber das angstfreie Bekenntnis zur Wahrheit ist der erste Schritt auf dem Weg zur Rettung.

 

 

 


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