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Holger Stanislawski in der Pressekonferenz

Der Inhalt: Thomas Bröker fällt aus. Das Stadion wird mit wahrscheinlich etwas mehr als 40.000 Zuschauern für einen Freitag ziemlich voll. Die miserable Leistung des FC gegen Aalen soll nur ein Ausrutscher gewesen sein. Die Mannschaft wird versuchen, Gas zu geben, mutig zu spielen und das Spiel zu dominieren.

Wer diese hoffnungsfrohen Worte aus Köln im O-Ton hören will, bitte schön, etwas weiter unten. Nach  Auftaktwerbung und ein paar Sätzen zur FC-Unterstützung vom Jubiläumskonzert von „Arsch huh, Zäng ussenander!“  Diese Unterstützung wurde vom DFB etwas torpediert, als das Fußballspiel zeitgleich mit dem größten Teil des Konzerts angesetzt wurde. Wer ins Stadion geht, könnte die letzten anderthalb Stunden bis 22 Uhr noch mitbekommen. Bläck Föös und BAP wahrscheinlich.

Flüchtiges Nachvorneschauen

Im  Moment bin ich ganz froh, dass Fußball fast nur Europameisterschaft bedeutet. So Nebensächlichkeiten können im Hintergrund mitlaufen, während mich gleichzeitig die Arbeit an der Tastatur hält. Zwischen den Nebensächlichkeiten taucht dann aber immer schon auch die nächste Zweitliga-Saison auf. Und wenn ich dann Nachrichten, Interviews und Stellungnahmen überfliege, bemerke ich, wie vorsichtig sich die Menschen aus den Zweitliga-Vereinen in diesem Jahr äußern.

In Köln vergeht im Moment kaum ein Tag, an dem nicht Holger Stanislawski dem Kölner Stadt-Anzeiger ein Interview gibt zum FC, seinem Verhältnis zum Verein oder auch mal den Spielern. Da geschieht gerade ein 1a-Medien-Offensive, um der bekannten zur Hysterie neigenden Stimmung rund um den FC per präventiver therapeutischer Arbeit zu begegnen. Da wird vorgebeugt, um Erwartungen zu dämpfen. Im Umkehrsschluss bestätigen sich dadurch die Prognosen nach der letzten Saison. Natürlich will der Verein erfolgreich sein, aber was die nächste Saison angeht, da sind sie so was von unsicher beim FC, ob das was wird.

Und dann lese ich gestern, neben Ralf Rangnick wechselt auch der Trainer vom SC Paderborn Roger Schmidt  zu Red Bull Salzburg. Das wird schwer für den SC Paderborn in der nächsten Saison den überraschenden Erfolg des letzten Jahres zu wiederholen. Trainerwechsel in der Vorbereitungszeit, wichtige Spieler haben den Verein verlassen, da gibt es viel Neuanfang.  Beim MSV Duisburg werden dagegen die anstehenden Aufgaben ruhig abgearbeitet. Es gibt keine großen Veränderungen im Kader. Das geht mir also mal wieder durch den Kopf, und ich freue mich auf weniger Arbeit zu Beginn der nächsten Saison. Ich erwarte weiterhin nicht so viel und bleibe für für positive Entwicklungen des Saisonverlaufs grundsätzlich offen.

1. FC Köln nach Trennung von Erster Liga mit neuer Frisur

Wenn gefühlvolle Beziehungen zu einem Ende kommen, hilft es beim Abschiedsschmerz häufig, wenn wir aus uns einen anderen Menschen machen. Mancheiner überstand Trennungszeiten erheblicher besser, wenn er schon bald beim Friseur die Haare ließ. Da geht es dem 1. FC Köln nicht viel anders.  Der Abschied aus der Bundesliga ist nun fast drei Wochen her, und letzten Dienstag hat sich der Verein mit einer schicken neuen Frisur den Journalisten vorgestellt.

Die neue Frisur beim FC ist ein Bann, der über Worte verhängt wurde. Wer in den letzten Jahren so viel Ärger mit der großen Liebe Sportdirektor hatte, verliert einfach das Vertrauen. Welche Hoffnung hatte sich mit der Beziehung zu Volker Finke verknüpft. Doch der erwies sich mit den Jahren als mäkelnder Besserwisser. So einen mag keiner, selbst wenn er mal recht hat. Statt mit dem Sportdirektor möchte der FC nun mit dem „Leiter der Kaderplanung und des Transfermanagements“ versuchen, irgendwann die alte Beziehung zur Bundesliga wieder zu beleben. Der zuvor bei Hannover 96 als Chefscout engagierte Jörg Jakobs wurde dazu erwählt.

Doch unter der neuen Frisur soll sich auch das Denken völlig verändert haben. Jörg Jakobs wird anderes verantworten als seinerzeit Volker Finke. Dessen Aufgaben teilt sich Jörg Jakobs nämlich mit einem zweiten Mann dem „Leiter Sport“, namentlich Frank Schaefer, dem guten Gewissen des Vereins. Holger Stanislawski aber darf sich weiter Trainer nennen, macht aber dafür auch noch von der Arbeit Finkes was mit. Hieße sogar der Trainer nicht mehr Trainer,  hätte der FC gleich ein ganz anderes Leben beginnen können. Zumindest liegt die Vermutung nahe, ein wenig braucht ein Verein ebenso wie wir Menschen die Bindung an die eigene Vergangenheit. Sonst könnte der FC ganz haltlos werden und verwandelte sich gar tatsächlich etwa in den Karnevalsverein, als der er so oft geschmäht wurde. Selffulfilling Prophecy ist kein Gewäsch von Soziologie oder Sozialpsychologie.

Man weiß aber auch einfach einfach nicht, was letztlich richtig ist. Wieviele neue Frisuren führten wieder zu denselben Typen, die einen unglücklich machten. Sprich: es scheint da auch ungesunde Bindung an Vergangenheit zu geben, die durch neue Frisuren unbeeinflusst bleibt. FC-Präsident Werner Spinner erlebte das am Dienstag selbst. Da muss er noch einmal von der großen Liebe Sportdirektor erfüllt gewesen sein, und schon stand kurz von rosa Wolken umhüllt Jörg Schmadtke im Raum, während Jörg Jacobs sich neben Werner Spinner seine Gedanken machen durfte. So spitze ich mal einen Kommentar im Kölner Stadt-Anzeiger zu. Warten wir ab, ob die neue Frisur tatsächlich inneren Wandel nach sich zieht oder ob wir in einiger Zeit allesamt sehen, so richtig steht dem Verein die neue Frisur nicht. Kann vorkommen, ist normales Leben.

Fundstück I: Zurückhaltung beim Wiederaufstieg

Nun gibt es wieder einen Trainer beim 1. FC Köln. Holger Stanislawski versucht sich nach dem FC St. Pauli und der TSG 1899 Hoffenheim an einem dritten Typus Verein im professionellen Fußballbetrieb. Entgegen meiner Vermutung, spricht nun nicht einmal auch der andere der zwei Zweitligisten in meiner imaginären Stadt mit den benachbarten Stadtteilen Köln und Duisburg vom sofortigen Wiederaufstieg. Eigentlich dachte ich, diese Erkenntnis werde sich erst im Laufe der Saison unter größtem Ärger der FC-Anhänger durchsetzen. Nun beugt Holger Stanislawski diesem Ärger geschickt vor. Auf dem Stadtportal koeln.de wird wie folgt berichtet:

Ja, zurück in Liga eins, das ist das Ziel, aber nicht unbedingt sofort, nicht plötzlich und mit aller Gewalt. Denn zuvor steht an, aus ängstlichen und verängstigten Absteigern ein Team zu formen. So verstehen Stanislawski und die FC-Bosse den neuen Weg des Umbruchs, der am Geißbockheim auch ohne Lukas Podolski eingeschlagen werden soll.

Ich sage ja, da wird in der nächsten Saison ein direkter Aufstiegsplatz an einen lang verdienten Zweitligisten gehen. Wahrscheinlich ist nun Hertha BSC der abgestiegene Erstligist, der in der nächsten Saison wider besseren Wissens vom sofortigen Wiederaufstieg spricht. Dem 1. FC Kaiserslautern traue ich diesen Wiederaufstieg nach der langen Vorbereitungszeit auf den Abstieg am ehesten zu. Wie gesagt, ich denke bei all dem nicht an den anderen Zweitligisten in meiner imaginären Großstadt, bin aber für alle Entwicklungen offen.

Alles zur Ablenkung – samt Appell an Fans

Dann wollen wir mal die Wettervorhersagen ignorieren und uns sofort den wichtigen Dingen des Tages zuwenden. Der FC St. Pauli kommt nach Duisburg, und mit meiner leichten Unruhe schon am gestrigen Abend bin ich wahrscheinlich nicht alleine. Ein untrügliches Zeichen! Das Spiel ist wichtig. Das wissen wir alle, und wir wissen auch, danach kommen drei weitere, nicht weniger wichtige Spiele. So wird das Spiel heute Abend noch wichtiger. Ein Polster für einen möglichen und nicht unwahrscheinlichen Punktverlust in den nächsten drei Wochen zu schaffen, wäre schon nicht schlecht.

Aber wir wollen einmal gemeinsam mit den Spielern unseres Vereins aller Vereine auf die Worte sämtlicher Fußballtrainer dieser Welt hören und nur von Spiel zu Spiel denken. Denn nur das nächste Spiel ist – nämlich was? – natürlich  das schwerste. Die leichte Unruhe spüre ich aber auch, wenn ich an dieses Spiel alleine denke. Denn in beiden siegreichen Spielen des MSV Duisburg nach der Winterpause gab es auch jene schwachen Momente, die bessere Mannschaften als der FSV Frankfurt oder der FC Energie Cottbus vielleicht ausnutzen.

Nun gibt es im Fußball ein kompliziertes Zusammenspiel vieler Einflüsse, das die Leistung einer Mannschaft letztlich bestimmt. Und zu diesen Einflüssen gehört nun auch einmal der Gegner. Aber auch der Blick zum FC  St. Pauli gibt uns nicht viel mehr Sicherheit. Ob die Mannschaft zurzeit so ein besserer Gegner ist, lässt sich nach dem schwachen Spiel der Hamburger gegen Aachen nicht sagen. Und selbst wenn der FC St. Pauli dieser bessere Gegner wäre, könnte sich gerade deshalb eine fehlerlose Leistung des MSV Duisburg ergeben. Alle selbst beim Spiel gegen Frankfurt in der ersten Halbzeit sichtbaren Schwächen im Spielaufbau könnten dann verschwinden.

Im Grunde sind alle diese Gedanken also nicht viel mehr als ein wenig Ablenkung von der leichten Unruhe. Solche Ablenkung fördert dann die Konzentration auf die eigentliche Aufgabe um 18 Uhr und ist nur zu begrüßen. Deshalb gehört auch die Nachricht des Vereinswechsels von Sascha Mölders in die Spielvorbereitung von uns Fans. Da ist er gestern mal eben zum Dorge Kouemaha von Rot-Weiß Essen geworden. Dem MSV Duisburg soll´s recht sein. Meinetwegen soll er sogar noch Torschützenkönig der 2. Liga werden. Der FSV Frankfurt spielt noch gegen alle unsere Konkurrenten um den Aufstieg.

Wer sich während der Woche für den FC St. Pauli interessierte, richtete seine Aufmerksamkeit ja übrigens keineswegs auf das nächste Spiel. Da musste noch das Spiel gegen Alemannia Aachen weiter aufgearbeitet werden, weil der Trainer Holger Stanislawski mit Unmutsäußerungen von Teilen des Publikums überhaupt nicht zufrieden war und das auch meinungstark verkündete. Was macht man bei aufkommenden Konflikten nun am besten? Man redet miteinander. Was Holger Stanislawski hier über Wirkung und Notwendigkeit von Fan-Unterstützung sagt, hört sich sehr überzeugend an. Seine Worte kann sich das Fußballpublikum eines jeden Vereins zu Herzen nehmen. Geben wir also unserer Mannschaft Rückhalt. Sie hat sich das redlich verdient, und manchmal sind die spielerischen Unterschiede so gering, dass die Einheit von Publikum und Mannschaft den entscheidenden Vorteil bringen kann. Ich hoffe auf den 3:2-Sieg.

Will es St. Pauli im ersten von drei Jahren wissen?

Da verschafft sich eine Mannschaft gerade aber gehörig Respekt und lässt Worten des Trainers schnelle Taten folgen. Innerhalb von drei Jahren möchte der Trainer des FC St. Pauli Holger Stanislawski mit seiner Mannschaft in die Bundesliga aufsteigen. Spätestens seit dem 5:0-Sieg in Aachen gestern Abend sollte jeder wissen, Holger Stanislawski gehört nicht zu den Trainern, die mal eben auf die Pauke hauen, um die Stimmung in Mannschaft und Umfeld kurzfristig zu heben. Die Worte haben Substanz. Da meint es jemand ernst. So werden wir in Duisburg nach dem Spiel am nächsten Samstag gegen den FC St. Pauli bereits sehr früh in der Saison ein genaueres Urteil über die Dauerhaftigkeit der gegen Cottbus gesehenen Spielstärke des MSV Duisburg abgeben können.  Da können von beiden Mannschaften im Aufstiegsareal weitere Pflöcke gesetzt werden. Mit einem Unentschieden wäre ich angesichts der Frühform des FC St. Pauli zufrieden, obwohl ich im Tipp-Spiel natürlich immer auf einen MSV-Sieg setze. Sonst käme ich ja in einen Interessenkonflikt während des Spiels.


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