Posts Tagged 'Holstein Kiel'

Ach, wie schön war’s Favoriten-Leben

Seit gestern Abend höre ich ständig Hans Moser in Wien beim Heurigen sentimentale Lieder singen. Den Jüngeren unter euch muss ich wohl erzählen, dass Hans Moser so eine Art Weekly-Besetzung der 1960er-Jahre war. Das war ja eine Zeit des überschaubaren TV-Angebots, bei dem eines gewiss war, Hans Moser tauchte irgendwo immer auf. Dabei war der Mann schon tot. So höre ich seit gestern, wie Hans Moser in alkolgetränkter Melancholie von der Liebe in der schönen alten Zeit singt. Ob das tatsächlich so war, weiß ich gar nicht, aber ich war jung, wir hatten ja so wenig im TV, und so machte ich mir auch mit Hans Moser meine Vorstellung von der Welt. Wie anders war das dann doch später so mit der Liebe.

Wahrscheinlich singt mir Hans Moser seit gestern wegen dieser Ernüchterung durch den Kopf herum. Was war ich jung zu Beginn der Saison, was habe ich mir für Vorstellungen von der Fußballwelt MSV Duisburg gemacht, wie rosig sah die Zukunft aus, und wie wenig passte dieses Zukunftsbild gestern mit dem 0:0 gegen Holstein Kiel zusammen. Hurra, hurra, der alte MSV ist wieder da.

Dieser MSV aus dem Spiel gegen Kiel ist ein MSV, um den man zittern muss; ein MSV, bei dem bis in die letzten Minuten noch der Gegner ein Tor schießen kann. Ein MSV, dessen Spieler Schwierigkeiten haben, einen Pass auf fünf Meter an den Mann zu bringen. Ein MSV, dessen Spieler so wirken, als führt der Versuch des kontrollierten Spiels zu Zurückhaltung beim Einsatz und zu langsamen Denken. Fehler über Fehler waren in diesem Spiel von viel zu vielen Spielern des MSV zu sehen. Sogar Branimir Bajic machte nicht nur seinen oft gesehenen einen halblangen Standardfehlpass beim Spielaufbau, der mich nur noch minimal schreckt, sondern mehrmals verschaffte er mit seinen Aktionen am und im eigenen Strafraum seinen Mitspielern oder Mark Flekken Gelegenheit, Sofortmaßnahmen am Unfallort zu ergreifen, um torbedrohliche Lagen im letzten Moment zu beseitigen. Wenn selbst Branimir Bajic derart schwankt, kann man allerdings schon wieder hoffen, dass ein Fluch auf der Mannschaft gelegen haben muss. Ein Fluch, der vielleicht schon am nächsten Spieltag wieder gebannt ist.

In diesem Spiel war allenfalls in den ersten zwanzig Minuten noch etwas von dem bisherigen Selbstvertrauen der Zebras zu spüren. Allenfalls in dieser Zeit war Stabilität in der Spielanlage zu erkennen. Von da an zerbröselte diese Stabilität nach und nach. Gerade in der zweiten Halbzeit gab es Phasen, in denen es wild hin und her ging, und in diesem wilden Spiel lag der Vorteil klar auf Kieler Seite. Die größte Torchance des Spiels hatte Holstein Kiel in dieser zweiten Halbzeit. Auf oder kurz vor der Linie wurde ein Schuss der Kieler noch geklärt. Die linke Seite der Kieler bekam der MSV einfach nicht in den Griff. Immer wieder erfolgten dort gefährliche Angriffe, und der MSV kann von Glück sagen, dass Abschlussschwäche auch auf Kieler Seite kein Fremdwort ist. Ecken der Kieler schienen durchweg gefährlicher als die des MSV. Gab es klare Chancen vom MSV? Ich kann mich nur an den Lattentreffer in der ersten Halbzeit erinnern. Der Ball wäre aber niemals ins Tor gegangen, weil der Kieler Torwart zur Stelle war. Kurzum, mit dem Unentschieden können wir alle, die Mannschaft eingeschlossen, zufrieden sein.

Und mit Hans Moser singe ich jetzt erst einmal „Ich trag im Herzen drin ein Stückerl altes Favoriten-Dasein.“ Ich hoffe natürlich, dass ich schon nach dem Spiel gegen Erfurt das als lebendige Gegenwart wieder erleben kann und ich mich nicht länger an sentimetale Erinnerungen halten muss.

 

Saisonvorbereitung VI – 3. Liga: Bloggen, Podcast

Als der Abstieg des MSV Duisburg feststand, tröstete mich auch der Gedanke an das Auswärtsspiel der nun schon bald beginnenden Drittliga-Saison gegen den SC Paderborn. Auswärtsspiele dort in Paderborn enden für den MSV Duisburg kaum mal mit einer Niederlage, oft gibt es Siege. Diese Wahrscheinlichkeit half beim Blick in die Zukunft. Hinfallen, das kann immer passieren. Man muss nur wieder aufstehen, und dann ist es gut, wenn einem ein Krückstock gereicht wird, auf dem sich erst einmal aufstützen lässt.

Doch nicht nur die Auswärts-Bilanz gegen den SC Paderborn tröstete mich.  Erfahrungsgemäß dünnt sich ja die Blogger-Präsenz desto mehr aus, je weiter es in den Ligen nach unten geht. Der SC Paderborn aber wird ausdauernd und intensiv von Blog und dem inklusiven Podcast Schwarz und Blau – SC Paderborn 07 Blog begleitet. In dem Fall wird also das höherklassige Social-Media Niveau gehalten. Ich begann mich an die Dritte Liga wieder zu gewöhnen.

Zumal wir dort auch dem 1. FC Magdeburg begegnen, einem Verein mit einer großen und sehr aktiven Fanbasis. Der sehr gute Blog Nur der FCM! begleitet den Verein und bietet ebenfalls einen Podcast inklusiv. Schon früh ist bei Nur der FCM! die Grundlagenarbeit für einen Text wie meinen heute erledigt worden. „Social Media“ hieß es dort, und wer weiterklickt, findet für jeden Verein – so weit vorhanden – nicht nur Blogger sondern auch eine Twitter-Empfehlung sowie den Facebook- und Twitter-Link zu den Vereinen. Falls über einen Verein von einzelnen nicht gebloggt wird, gibt es alternativ den Hinweis auf Fanforen oder von Fans verantworteten Web-Seiten.

Auf alte Bekannte treffen wir auch. Über den SV Wehen Wiesbaden wird im Stehblog  geschrieben. Rot-Weiß Erfurt wird von stellungsfehler.de im Blick behalten. Zu Holstein Kiel oder, wie der Verein offiziell heißt, dem Kieler SV Holstein von 1900 haben Calcio Culinaria Kiel einiges zu sagen. Zudem gibt es einen Podcast zum Verein sogar mit einer eigenen Seite: 1912FM – Der Holstein Kiel Podcast.

Mehr individuelle Stimmen zu Drittligavereinen habe ich nicht mehr gefunden. Wie immer nehme ich eure Hinweise hier gerne auf.

Always look on the bright side of life

Das Leben ist zu kurz, und ich bin zu alt, um mir für längere Zeit die Laune verderben zu lassen. Vielleicht bin ich aber auch nur zu genervt von all dem, was ich im Stadion gesehen habe. Schneller Abstand muss her. Spruchbänder auf der Gegengerade, mit denen gegen die MSV-Erklärung Stimmung gemacht wird, überfliege ich und habe sie währenddessen bereits wieder vergessen. Hauereien von Duisburger Fans untereinander entwickeln sich zum Rahmenprogramm eines MSV-Spiels? Passen sich halt einige der Leistung der Mannschaft an. Alles nur ein großer Plumpaquatsch. Ich bin zu alt für schlechte Gefühle wegen zu vieler Nasen auf den Rängen, die sich selbst wichtiger nehmen als den Fußball vom MSV.

Ich bin zu alt für schlechte Gefühle, nur weil ich zudem noch ein Fußballspiel gesehen habe, bei dem sich die Spieler beider Seiten besser auf ein anderes Wettkampfziel als Tore geeinigt hätten. Wieviel unterhaltsamer wäre es gewesen, den Sieger anhand der Fehlerzahl im Spiel zu ermitteln. Wir hätten ein spannendes Basketballergebnis bejubeln können. Dazu noch B-Noten verteilt für Fehler von besonderer Komik und ausdrucksstarker Schönheit, schon ließe sich das 1:1-Unentschieden zwischen dem MSV Duisburg und Holstein Kiel in ein herausragendes Ergebnis der Saison verwandeln. Zu meinem großen Glück entstehen solche Bilder von einer freundlichen Welt beim MSV Duisburg wie selbstverständlich in mir und bringen meine gute Laune zurück. Ich brauche außerdem nur noch die Freunde auf dem Stehplatz um mich herum, den Rest mache ich nach der gemeinsam erlittenen Enttäuschung alleine.

Warum soll ich eine schlechte Mannschaftsleistung noch einmal genauer mit unterhaltsamen Worte beschreiben? Als ich noch sehr viel öfter Literaturkritiken schrieb, waren Verrisse eine meiner leichtesten Übungen. Doch gleichzeitig hielt ich jedes Wort über einen schlechten Roman für ein Wort zu viel. Schließlich braucht kein einziger schlechter Roman Aufmerksamkeit der Leser, die zudem ein Affront war gegenüber der Vielzahl der ungenannten guten Romane. Ich hingegen brauchte das Geld. Es war die Zeit ohne Internet und mit beschränktem Raum in den Medien. Ihr seht, welch komplizierte berufsethischen Fragen die Literaturkritik einfach glatt bügelt.

Beim Fußball liegen die Dinge für mich einfacher. Da hilft das Verschweigen schlechter Leistungen sogar dem Gegenstand meiner Kritik. Und weil der Gegenstand meiner Kritik gleichzeitig der meiner Zuneigung ist, kann ich nichts falsch machen. Meine unausgesprochen bleibenden harschen Urteile stabilisieren vielleicht die Zuschauerzahlen. Das sind Gedanken, an denen man sich freuen kann! Irgendwie muss es ja weitergehen. Was hilft es, das einmal mehr im Verlauf immer zufälliger wirkende Spiel vom MSV Duisburg gegen Holstein Kiel zu beschreiben? Warum sollte ich noch einmal daran erinnern, dass sich die erste vage Torchance aus dem Spiel heraus für den MSV in der 60. Minute ergab? Die Standards mussten es bringen und konnten es nur in engen Grenzen. Was soll man über den Kieler Rafael „Alle-auf-die-elf“ Kazior sich aufregen? Wäre er kein mäßiger Fußballer geworden, hätte er sich wohl als mäßig talentierter Schauspieler durchgeschlagen. Aber vielleicht sollten wir ihm geradezu danken,  sich als Ventil für Duisburger Frust geopfert zu haben. Komm gerne wieder, Rafael Sündenbock!

Mein Spaß am Basketballergebnis verschwände auch wieder, weil ich ja auf die guten Ansätze in der ersten Halbzeit hinweisen müsste, auf vereinzelt gelungene Kombinationen, bei denen nur der letzte oder auch schon vorletzte Pass misslang. Ich hätte den etwas stärkeren Kingsley Onuegbu erwähnen müssen, dem endlich einmal wieder die Bälle nicht allesamt versprangen. Dessen neue Schuhe schienen seine Klebekraft bei der Ballannahme auch hier in guten Ansätzen zurück gebracht zu haben. Aber gleich wie der Kieler Trainer Karsten Neitzel auf der Pressekonferenz von einem guten Spiel zu sprechen?

Als ich das gerade hörte, musste ich erstmal tief durchatmen. Wird Holstein Kiel demnächst von der NSA aufgekauft? Ist die Datenüberwachung der Kieler so weit fortgeschritten, dass sie in die Zukunft schauen können? Heute habe ich erst begonnen, meinen anderen Blick aufs Spiel niederzuschreiben, gestern schon wusste Karsten Neitzel davon? Mir gibt das zu denken. Verständlich, dass Karsten Baumann gegen so eine deutliche Wertung keine großen Einwände hat, nachdem er sich im Stadion laute „Baumann raus“-Rufe gefallen lassen musste. Mir missfällt auch die mangelnde Entwicklung der Mannschaft, und ich hätte gerne mehr Erklärung von Karsten Baumann, was da schief läuft. Dann könnte ich darauf vertrauen, dass er eine Vorstellung davon hat, wie er die Mannschaft weiter bringt. Bis jetzt ist an der Spielweise der Mannschaft das nicht deutlich zu erkennen. Aber ich finde auch, bis zum Ende der Saison wäre angesichts der Lage im letzten Sommer etwas mehr Demut auf den Rängen angebracht.

Vielleicht sind Karsten Neitzel, Karsten Baumann und ich ohnehin Brüder im Geiste. Wahrscheinlich heiße ich sogar in Wirklichkeit Karsten-Kees Jaratz, denn wir drei always look on the bright side of life. So lässt sich einem Spiel wie vom MSV Duisburg gegen Holstein Kiel viel Gutes abgewinnen. Ich kann nur jedem raten, das mal auszuprobieren, ist in jedem Lebensalter möglich, wie man dank Eric Idles Auftritten über die Jahre hinweg sieht.

Minimalistischer Kieler Bewegungsdrang lässt Zebras hoffen

Ethnologen, Soziologen und Sozialpsychologen hergehört – ein Projekt für euch: Was sagen die unterschiedlichen filmischen Umsetzungen der Stadt-Editionen von Pharell Williams‘ „Happy“ über die jeweiligen Stadtbewohner aus? Mein impressionistischer vorwissenschaftlicher Blick auf die „Kiel Edition“ macht mir als Anhänger des MSV Duisburg jedenfalls Hoffnung für das Spiel meines Vereins gegen Holstein Kiel heute.

Die Kieler scheinen in großer Zahl Bewegung als unangenehme Anstrengung zu empfinden. Minimalistische Regungen einzelner Körperteile begreifen sie als ausreichende Tanzbewegung zur Musik. Die Ausnahmen bestätigen die Regel. Wenn die Kieler Fußballer ähnlich drauf sind, sollten sie sehr viel größere Mühe haben als die Duisburger Fußballer ihren gesamten Körper in eine harmonische Bewegung zu bringen und gleichzeitig noch den Ball zu kontrollieren.

Ich erwarte also ein eckiges und unrund laufendes Spiel vom Gegner mit vielen Ballverlusten, während ich bei den Zebras auf Spielfluss hoffe. Heißt Meiderich nicht auch Zentrum der Dynamik und Geschmeidigkeit? Und war nicht der Ball der liebste Freund unserer Spieler neben den zehn anderen guten Freunden, die gerade mit auf dem Platz sind? Es sieht gut aus für den Sieg. Das bedächtige Schielen nach unten sollte bald ein Ende haben.

Wer übrigens nun daraus Schlüsse ziehen möchte, dass es eine „Duisburg-Edition“ von Happy noch nicht einmal gibt, dem sei gesagt: Es zeugt von innerer städtischer Größe, nicht jede daherkommende Mode sofort mitzumachen.

Alles ist gesagt – fast alles

Nach der 0:2-Pokalniederlage des MSV Duisburg gegen Holstein Kiel habe ich weiterhin wenig Worte. Im Gegensatz zur Berichterstattung in den lokalen Medien klingt der Spielbericht im Kicker übrigens gar nicht mal nach einer so schlechten Leistung des MSV Duisburg. Ich meine aber, das gilt höchstens für die erste Halbzeit und auch nur wegen der reduzierten Ansprüche im Moment. In der zweiten Halbzeit war es jedenfalls wieder ein Desaster. Eine Mannschaft, die so ungefestigt ist, wird absteigen. Das hat Milan Sasic zu verantworten.

Zu Milan Sasic ist alles gesagt. Er hat Qualitäten. Diese Qualitäten kann er aber, wie ich befürchtet hatte, offensichtlich nur mit speziellen Spielertypen zeigen. Anders kann ich das wiederkehrende Muster seiner Arbeit bei nun drei verschiedenen Vereinen nicht erklären. Es scheint mir auch unvorstellbar, dass er gegen den Zuschauerwillen seine Tätigkeit beim MSV Duisburg fortsetzen kann. Das gelingt ja nicht einmal, wenn Verwaltung und Spieler eines Vereins vom Trainer überzeugt sind. Was man beim MSV Duisburg von den Spielern sicher nicht sagen kann.

Es gibt diese als unbedingte Erfolgsvoraussetzung gepriesene Einheit im Verein nicht. Anscheinend eben schon gar nicht im Spielerkader. Diese Einheit herzustellen wird schwierig sein, weil die Spieler mit anderen Erwartungen zum Verein gekommen sind. Auch die Spieler sind enttäuscht. Und diese Enttäuschung sucht nach Auswegen. Deshalb staut sich Aggression mehr noch an als es schon bei normalen Misserfolgserlebnissen der Fall ist. Milan Sasics Umgang mit seinen Spielern bietet ihnen zudem die Gelegenheit viele Sündenböcke im Kader auszumachen.

Das Aus im Pokal ist heute schon nicht mehr so schmerzhaft wie gestern Abend. Ein wenig schmerzhafter ist schon der derzeitige Tabellenstand. Richtig schmerzhaft ist allerdings die Einsicht, meine Zustandsbeschreibungen über den  MSV Duisburg vom Anfang der Saison waren ein großer Irrtum. Der MSV Duisburg hat nicht die nächsten Schritte auf einem strukturierten Weg zurück nach oben gesetzt. Vielmehr hat der Verein dem Ziel den Rücken gekehrt. Der Verein rennt geradezu über den Startplatz hinaus zurück und scheint nicht mehr aufhören zu wollen bei diesem Laufen in die falsche Richtung.


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