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Der MSV Duisburg und die Unterhaltungsindustrie

Heute morgen formulieren sich drei verschiedene Texte in meinem Kopf. Mir ist noch nicht klar, ob sich diese drei Texte vereinen lassen. Versuchen wir es, vielleicht gibt es morgen eine Fortsetzung mit eigenem Auftritt für eines der drei Themen. Drei Identitäten in mir haben sich nämlich bemerkbar gemacht, während ich mir die Pressekonferenz zur Vorstellung von Pavel Dotchev und ein paar Reaktionen darauf angesehen habe.

Als MSV-Fan gab mir der Auftritt von Pavel Dotchev leise Hoffnung auf den Klassenerhalt. Weil ich von ihm und Ingo Wald zusammen mit allen, denen der MSV etwas bedeutete, in die Pflicht genommen wurde, nun nach vorne zu sehen, begann ich zu überlegen, ob dennoch eine Anmerkung zu Ivo Grlics einleitenden Worten der Entschuldigung angemessen ist. Denn dieser Versuch der Entschuldigung wirft trotz der auch von mir für nötig gehalten Beruhigung im Umfeld Fragen auf.

In dem Moment machte sich zudem ein unabhängiger Betrachter des Gegenwartsfußballs mit seinen Gedanken in mir bemerkbar, welche Positition der MSV in diesem Sport-Segment der Unterhaltungsindustrie einnimmt.

Und schließlich meldete sich auch noch der Soziologe in mir, der die Pressekonferenz als ein hervorragendes Beispiel für Entschuldigungsrituale dieser Gesellschaft ansah. These: Durch die sozialen Medien erhält die Glaubwürdigkeit der Entschuldigungs-Darstellung eine größere Bedeutung als Aufklärung und Verstehen. Gegenthese: Das war immer schon so.

Schauen wir also zuerst nach vorne. Pavel Dotchev lässt für mich keinen Zweifel daran, dass er die Situation einer Mannschaft im Abstiegskampf kennt. Anders als Gino Lettieri besitzt er damit die Grundqualifikation für seine Arbeit. Er weiß, was angesichts der weniger werdenden Spiele an Einfluss durch ihn möglich ist. Zudem bin ich sicher, die Spieler werden zu ihm mehr Vertrauen entwickeln als zu Gino Lettieri und damit auch auf dem Spielfeld freier im Kopf sein. Mehrmals zeigte sich seine besondere soziale Kompetenz auf der Pressekonferenz. Nicht nur band er in vielen Antworten Beteiligte des Vereins mit ein. Zudem musste er sich als erstes anhören, wie Ivo Grlic gefragt wurde, ob mit Uwe Schubert bis zum Saisonende nicht mehr Zeit für einen Neuaufbau geblieben wäre. Mehr Zeit, das ließ sich so verstehen, es könnte bessere Lösungen als Pavel Dotchev geben. Natürlich hätte jeder neue Trainer zu dieser Frage gute Miene gemacht. Mir geht es darum, wie entspannt Pavel Dotchev im Verlauf der PK die Frage noch einmal erwähnt. Damit lässt er sowohl sein Standing erkennen als auch sein Verständnis für den Journalisten. Gute Voraussetzungen, um die Einheit der Mannschaft zu erreichen. Was den Fußball selbst angeht, müssen wir abwarten. Mit meinem grundsätzlichen Optimismus kitzelt da eine – zugegeben – leicht übertriebene Fantasie. Mir gefiele eine Uwe-Neuhaus-Geschichte für Pavel Dotchev mit dem MSV. Späte Aufstiegserfolge für jemanden, den man bislang fast nur in einer Liga gesehen hat. Und nun: Für alle die nur nach vorne blicken wollen, wir lesen uns später wieder.

Denn Spoiler-Alarm: Ein vorläufig letzter Blick zurück.

Zugespitzt ließe sich über den Auftakt der Pressekonferenz sagen, das Volk der Fans hat die Demutsgeste laut gefordert. Das Volk der Fans hat sie erhalten. Ivo Grlic sagte, er habe einen Fehler gemacht und entschuldigte sich bei den Fans. Lassen wir mal die sprachlichen Feinheiten und die Frage nach der Authentizität beiseite. Wer hier länger liest, wird wissen, dass mir der Gedanke, Ivo Grlic müsse sich entschuldigen, sehr fremd ist. Er hat einen grundlegenden Fehler bei seiner Arbeit gemacht. Die Verpflichtung von Gino Lettieri ist aber nur der sichtbare Teil des Fehlers. Wenn Ivo Grlic sagt, die Verpflichtung sei ein Fehler gewesen, ist das banal. Die Entlassung machte den Fehler deutlich genug. Entscheidend bei der Selbsteinschätzung von Ivo Grlic sind also alleine die Überlegungen, die zur Verpflichtung geführt haben. Ohne Erklärung für Gründe der Verpflichtung können wir nicht einschätzen, ob solche Fehler nicht wieder passieren.

Wahrscheinlich aber kann derart offen in der Öffentlichkeit nicht gesprochen werden. Es wird also schwierig bleiben mit dem Vertrauen in Ivo Grlics Arbeit. Deshalb muss ein Teil des Vertrauens durch Ingo Walds Ausführungen über den geplanten Sportvorstand entstehen. Diese Ausführungen führen tief in eine Strukturdebatte, bei der sich der Verein, also seine Mitglieder, darüber klar werden muss, wo er sich im Unterhaltungsbetrieb Profifußball verortet.

Für Ingo Wald ist die Frage nicht beantwortet, ob ein Vorstand Sport im Verein MSV oder in der KGaA angesiedelt sein soll. Die Entscheidung hat Konsequenzen für die Position des MSV im Unterhaltungsbetrieb. Neulich schon habe ich auf die zwangsläufig sich ergebenden Widersprüche zwischen Vereinskultur und Unternehmenspraxis der Spielbetriebsgesellschaften hingewiesen. Immer wieder kommt es bei den größeren Vereinen zu Konflikten zwischen beiden Ebenen. Das beiden Einheiten gemeinsame Ziel Erfolg verdeckt nur die grundsätzlichen Unterschiede bei den jeweiligen Handlungsgrundlagen. Dabei gilt für mich die Faustregel, je kleiner der Verein und je niederklassiger, desto mehr rücken die Einheiten zusammen und entscheiden gemeinsam.

Momentan lässt sich beim VfB Stuttgart der in der Struktur angelegte Interessenkonflikt zwischen beiden Einheiten in Idealform erkennen. Auf der einen Seite gibt es das Unternehmen Fußball mit seinen Bedürfnissen nach Entscheidungshoheit und schnellen Prozessabläufen, auf der anderen Seite gibt es den Verein des Fußballs mit seinen Bedürfnissen nach Mitbestimmung und Einfluss auf die Fußball-Kultur im weitesten Sinn.

Die Frage nach der Zukunft von Ivo Grlic ist deshalb zugleich die Frage nach der Zukunft des MSV in diesem Profifußball, und zwar nicht, weil sportlicher Erfolg damit verbunden ist. Sehr viel grundsätzlicher geht es um die Zukunft. Es geht um die Bewertung, wieviel unternehmerische Unabhängigkeit ist für die Spielbetriebsgesellschaft realistisch. Dass solche Bewertung wiederum Auswirkungen auf die Vereinskultur und die Arbeit der Ehrenamtler im Vorstand hat, versteht sich von selbst.

Wegen solcher langfristigen Auswirkungen bei der Anstellung eines Vorstands Sport, scheint es mir sinnvoll, die Frage nach der Besetzung momentan zurück zu stellen. Denn ohne den Klassenerhalt wird sie hinfällig. Ich glaube nicht, dass Ingo Wald die Frage aus den Augen verliert.

Falls jemand die PK noch nicht gesehen hat.

Ein Muss: Der Mann fürs Planen unter Druck

Seit Sonntag können wir die berechtigte Hoffnung auf bessere Zeiten haben. Seit Sonntag brauchen wir nicht mehr nur auf das Glück zu hoffen. Seit Sonntag wächst mein Vertrauen, dass es dem Verein MSV Duisburg und seiner momentanen Mannschaft in den nächsten Wochen gelingt, wieder in ruhige Fahrwasser zu kommen.

Zunächst zeigte Ingo Wald mit seinem offenen Brief an die „MSV-Familie“ , wie man Zusammenhalt vorlebt. Ihm war klar geworden, dass er sich bei der Pressekonferenz zuvor in den Worten vergriffen hatte und entschuldigte sich. Angesichts des eigentlich zentralen Inhalts der Pressekonferenz hatte ich sogar verstehen können, wie es zu den für ihn ungewöhnlichen Worten der Distanzierung gegenüber MSV-Anhängern kommen konnte. Schließlich beschäftigte sich Ingo Wald in den letzten Wochen damit, die Existenz des MSV abzusichern. Die Übernahme der KG-Anteile durch Capelli garantiert das Überleben des MSV auch für den schlimmsten Fall, den Abstieg. Darüber hinaus drückte dieses Geld Vertrauen in die Arbeit beim MSV aus. Die Bedeutung dieses frischen Geldes wurde angesichts der Abstiegsgefahr und des Unfriedens um Gino Lettierie kaum mehr wahrgenommen. Damit wurde auch die zuvor geleistete Arbeit des Vorstands kaum gewürdigt. Wie lange haben wir im letzten Jahr schon über nötige Investoren gesprochen? In anderen Zeiten hätte diese Pressekonferenz als eine Erfolgsgeschichte erzählt werden können. Diese Möglichkeit gab es nicht mehr.

Zudem birgt schnelles öffentliches Antworten immer die Gefahr pauschaler Sätze. Ein wenig ging mir das im Gespräch mit Studio 47 ebenso, als ich am Freitag unter anderem zu den Aussichten für den MSV in einer möglichen Regionalligasaison befragt wurde. Das Gespräch beginnt bei Minute 1.00.

Ich greife dieses Gespräch deshalb auf, weil ich meinen Blick auf den Verein MSV Duisburg klarer fassen möchte. Oben habe ich zwischen Verein und Mannschaft aus guten Gründen unterschieden. Beim Blick auf die Mannschaft geht es um die mittelfristige Perspektive Klassenerhalt. Hoffnung gibt hier die Verpflichtung der neuen Spieler und des neuen Trainers. Für den Verein aber geht es um langfristige Strukturen. Die Hoffnung hier braucht allerdings noch ein paar Signale aus dem Verein, selbst wenn der offene Brief von Ingol Wald deutlich macht, wie er den MSV in der Stadtgesellschaft verortet sieht. Nicht nur ich denke bei den Signalen an die Arbeit von Ivo Grlic.

Den von Ingo Wald angesprochenen Zusammenhalt braucht der MSV mehr als die Unterhaltungsbetriebe in Bundesliga und Liga 2. Dieses Wort Zusammenhalt aber kommt aus den kulturellen Wurzeln des Vereinslebens. Bei solcher Bedeutung eines ideellen Werts für den Erfolg des Vereins wird es unweigerlich zu Widersprüchen in einem Sport kommen, der sich als Wirtschaftssegment Fußballunterhaltung etabliert hat. Wegen solcher Bedeutung ideeller Werte habe ich den MSV im Gespräch mit Studio 47 in einem Atemzug mit den Spitzenvereinen in der Regionalliga genannt.

Dieser Teil der Identität des MSV kann einerseits in Widerspruch zur angestrebten Professionalität geraten. Andererseits bedingt er die Möglichkeiten der Professionalität. Warum? Weil die immense Bedeutung zugleich ein Symptom des Geldmangels ist. Für das erhoffte Professionalitäts-Niveau auf sportlicher Ebene fehlt Geld, denn Strukturen brauchen Mitarbeiter, die bezahlt werden müssen. Mir geht seit Tagen ein Beispiel aus der Glitzer-Erfolgswelt des Fußballs nicht aus dem Kopf. Neulich habe ich gelesen, beim FC Bayern München gibt es eine Abteilung, die für Datenauswertung und Statistik verantwortlich ist. Diese Abteilung hat 20 festangestellte Mitarbeiter. 20! Diese Mitarbeiter analysieren Spiele und Spieler. Sie stellen Ranglisten auf. Sie arbeiten an Bewertungsgrundlagen und Entscheidungshilfen.

Zwar werden auch Ivo Grlic und das Trainerteam mit Statistiken arbeiten. Die Wahrscheinlichkeit, die falschen Spieler zu verpflichten, ist dennoch größer als beim FC Bayern München, und selbst beim FC Bayern schlagen nicht alle Spieler ein. Mir geht es dabei um den realistischen Blick auf die Mängel von Ivo Grlics Arbeit. Für mich offenbarte die Verpflichtung von Gino Lettieri vor allem den fehlenden konzeptionellem Blick. Die einzelnen Spielerverpflichtungen für sich genommen sehe ich angesichts der Bewertungsmöglichkeiten des MSV gar nicht so kritisch.

Deshalb halte ich es für besser, Ivo Grlic einen Mann für das Konzeptionelle beiseite zu stellen und ihn für die organisatorische Arbeit der Einzelverpflichtung zu behalten als mit einem völlig neun Mitarbeiter komplett neu anzufangen. Sportlich erfolgreich möchte jeder Verein sein. Schwierig wird es, wenn der sportliche Erfolg der Zukunft zugleich den Kredit für die Kostenstruktur der Gegenwart bedeutet. Diesen Zwang zum Erfolg hatte es für den MSV gegeben. Die Zufälligkeit des Fußballs macht Erfolg für Vereine wie den MSV weniger planbar als für Vereine aus der Bundesliga, selbst wenn das Personal keine Fehler macht. Ein Nachfolger von Ivo Grlic wird vor demselben Erfolgsdruck stehen. All die kleinen nun erfolgreichen Vereine sind kein Gegenbeispiel, weil sie in ihren Regionen meist die einzigen Profivereine sind. Ohne die große Konkurrenz in der Nachbarschaft ist es einfacher, erfolgreich zu sein. Mit einem neuen Mann würde es anders werden, ob es besser würde, weiß man vorher nicht. Wir wissen aber, dass Ivo Grlic bei der Verpflichtung einzelner Spieler schon oft richtig lag. Mein Schluss, auch angesichts der Vertragslage: Gebt Ivo Grlic einen Mann für das konzeptionelle Denken an seine Seite. Lasst ihn nicht alleine für die Planungen der nächsten Saison verantwortlich sein. Dann sehen wir weiter.

Hinter Hupen stehen Argumente

Manchmal lässt mich eine der Grundbedingungen des Unterhaltungsbetriebs Fußball verzweifeln. Manchmal ist genau dann, wenn ich mich um die Zukunft des MSV sorge, und die Grundbedingung lautet Emotionalität. Damit lässt sich jedes kritische Geschehen erklären und dementsprechend nichts.

Ich könnte zufrieden sein, weil genau das geschah, was ich gestern befürwortete und entgegen der Meldungen von der sicheren Entlassung Ivo Grlics auch vermutete. Ivo Grlic behält seinen Arbeitsplatz. Ingo Wald sieht momentan keinen Handlungsbedarf. Nun lässt sich trefflich wie die Fans im MSVPortal darüber spekulieren, was dieses „momentan“ bedeutet. Auch die Nachfrage zum Handeln im Sommer ließ Interpretationsspielraum. So ist das immer. Das stört mich alles nicht.

Was mir Sorgen bereitet, sind die nachfolgenden Sätze, mit denen er sich gegen die am Vortag vor dem Stadion protestierenden Fans richtet. Seine Worte machten das Hupen als Protest zu einer erwartbaren Begleitmusik, mit denen Verantwortliche eines Fußballvereins nun mal umgehen müssen. Damit nimmt er eine Erzählweise zur Stimmung unter den Fans auf, die auch Dirk Retzlaff in seinem Kommentar zur Entlassung von Gino Lettieri erwähnt. Die Verantwortlichen hätten die Stimmung unter den Fans unterschätzt und somit habe Gino Lettieri von Beginn an nicht die zweite Chance gehabt, die ihm zugestanden hätte. Das ist leider völlig falsch und eine Dolchstoß-Legende.

Gino Lettieri hatte die besten Bedingungen für seine Arbeit. Kein Publikum im Stadion störte ihn. Kein Publikum wurde unruhig, wenn die Mannschft schlecht spielte. Wo gab es den besagten Einfluss der Fans zu spüren? Hat er sich abends im Internet im MSVPortal die Worte der Fans durchgelesen, weil er sich endlich mal so richtig abgelehnt fühlen wollte? Wir leben in einer Zeit der Abschottung. Er hatte die besten Bedingungen für seine Arbeit, die ein Trainer jemals beim MSV gehabt hat. Deshalb war seine Arbeit in Reinheit zu erleben. Und deshalb macht mir diese Nebelwolke emotionale Fans Sorgen.

Die Stimmung unter den Fans bei Bekanntgabe der Verpflichtung hatte Gründe. Es gab sehr gute Argumente, die gegen ein zweites Engagement von Gino Lettieri sprachen. Diese Argumente waren sehr gewichtig, weil es nicht alleine um ein pauschales „der war beim ersten Mal nicht erfolgreich“ ging. Sofort war sein geradezu zwanghaftes Distanzieren von Misserfolgen seiner Mannschaft ein Thema. Sofort war sein pädagogisches Geschick ein Thema. Sofort war die Abkehr vom im Jahr zuvor gefassten Vorhaben Ausbildungsverein zu sein ein Thema. Sofort waren seine Fähigkeiten taktisch variabel zu spielen ein Thema. Das waren keine Emotionen, das waren sachliche Gründe.

Nun möchte Ingo Wald Ivo Grlic aus der Schusslinie nehmen, wenn er immer wieder betont, dass die Gremien entscheiden und entschieden haben. Wer aber hat in diesen Gremien so viel Kenntniss vom Fußball, dass er eigenständig die bis dato gesehene Arbeit von Gino Lettieri bewerten kann? Wie können wir uns das vorstellen? Gibt es Fachgespräche zu den Auswirkungen der Verpflichtung auf das Konzept? Gibt es Fachgespräche über das Fußball-Wissen von Gino Lettieri? Ich kann diese Gremiengespräche nicht beurteilen. Ich habe aber Mühe mir vorzustellen, dass dort auf Augenhöhe diskutiert wird. Als Fachmann des Fußballs sehe ich bei diesen Gesprächen nur Ivo Grlic in fortwährender Erklärung und Überzeugungsarbeit. Es wäre schön, wenn es anders wäre.

Ich kann mir den Druck nur annähernd vorstellen, unter dem Ingo Wald steht, um dem MSV Duisburg eine tragfähige Zukunft zu geben. Ich schätze seine Arbeit bislang sehr, seine sachliche, ausgleichende Art und sein immer offenes Ohr für Stimmen aus dem Fanumfeld. Gerade deshalb sorgen mich seine Worte zu den hupenden Fans. Sie sorgen mich, weil mit ihnen die Argumente der Fans hinter dem Nebel Emotionalität verschwinden. Sie sorgen mich, weil ich nicht erkennen kann, dass in besagten Gremien des Vereins der grundlegende Fehler, Gino Lettieri verpflichtet zu haben, in aller Wahrhaftigkeit bewertet wird. Wenn diese Sorgen zu groß werden, kann ich dann nur noch hoffen, sie entstehen vor allem deshalb, weil die Verantwortlichen beim MSV die Fallstricke von öffentlichem Sprechen nicht kennen; Fallstricke, die immer ausliegen, wenn nur die Emotion als Kritik wahrgenommen wird.

Ein Hashtag wird zum Hohn

Seit Anfang der Saison begibt sich der MSV Duisburg mit dem Hashtag #gemeinsam in die sozialen Medien. Getragen war dieser Hashtag vom Wissen im Verein, der MSV Duisburg braucht den Zusammenhalt, um die Saison angesichts der Corona-Bedingungen zu überstehen. Getragen war er vom Wissen, in schweren Zeiten müssen alle in und um diesen Verein zusammenstehen, sonst kann diese Zeit ohne große Einnahmen die Existenz des Vereins bedrohen. Getragen war dieser Wunsch nach Zusammenhalt auch von der unerfüllt gebliebenen Hoffnung auf den Aufstieg, der so lange fast sicher schien. Enttäuschung lässt sich gemeinsam leichter verarbeiten. Das Gemeinschaftsgefühl musste auch benannt werden, weil es keine Gelegenheit gibt, es im Stadion zu erleben. Wir müssen es bereden, besprechen. Vor allem aber müssen wir als Fans es im Verein durch das Handeln der Verantwortlichen erleben. Doch jetzt haben wir Gino Lettieri als Trainer. Ein Mann, der ein glückliches Leben führen muss, weil Schuld immer die anderen sind – #gemeinsam.

Ich hatte mich mit dieser widersinnigen Trainerverpflichtung abgefunden und gehofft, irgendwie die Saison zu durchstehen. Ich kann das nicht, wenn die einzige Reaktion von Gino Lettieri nach Niederlagen das Beschimpfen seiner Spieler ist. Hashtag gemeinsam, was für ein Hohn. Der MSV Duisburg zerlegt seine Integrität und alles an Vertrauen, was die Vereinsführung seit 2013 mühsam wiedergewonnen hat.

Wenn im MSVPortal sämtliche User, deren Stimmen ich in den unterschiedlichen Themen von Sport bis zu Finanzen seit Jahren als seriöse Beobachter des Vereins kenne, das Handeln im Verein nicht mehr nachvollziehen können, ist die Lage des MSV tatächlich dramatischer als 2013. Wenn im MSVPortal über die Lage des MSV substanziell und klüger nachgedacht wird als es durch die öffentlichen Äußerungen der Vereinsvertreter wahrnehmbar ist, offenbart das eine dramatische Krise im Verein. Ohnmächtig sehe ich, es fehlt im Verein das Personal, das die Grundvoraussetzung für die Bewältigung dieser Krise vorlebt.

Gemeinsam? Nein, da sind versagende Spieler. Wo ist der Sportdirektor, der den von ihm verpflichteten Trainer erinnert, was die Leitlinie dieser Saison war? Er müsste es sogar als Selbstschutz für den Erhalt seines Arbeitsplatzes machen, weil dieser Trainer kontinuierlich Spieler schlecht redet, die Ivo Grlic selbst verpflichtet hat. Aber, ach ja, Gino Lettieris Trainerpersönlichkeit war ihm ja bekannt. #gemeinsambeierfolg

Ohnmächtig sehe ich, wie das geschieht, was nicht nur ich nach der Nachricht von Gino Littieris Verpflichtung befürchtet hatte. Jetzt reagiert der Verein auf einen offenen Brief aus der Fanszene mit vielen Fragen. Aber in dieser Krise reicht der geplante Chat mit Ingo Wald, Peter Monhaupt und Ivo Grlic leider überhaupt nicht. Da werden dann Antworten gegeben, manche nachvollziehbar, manche werden auf Widerspruch stoßen. Vieles wird nicht zufrieden stellend beantwortet werden. Denn Wahrheiten müssten gesagt werden, die das gegenwärtige Arbeiten auf sportlicher Ebene gefährden. Ich denke an realistisches Einschätzen von sportlicher Leistungsfähigkeit des Kaders.

Neben solchen Antworten, die die Stimmung rund um den MSV im Zaum halten, braucht das Unternehmen MSV Führung von außen. Eigentlich kann dieses Unternehmen nämlich unter Corona-Bedingungen ruhiger arbeiten als in einer normalen Saison. Der Druck durch die Zuschauer bleibt ja aus. Die Folge solcher Möglichkeit des Arbeitens aber ist ein Vertrauensverlust in die sportliche Leitung, der nicht nur durch sportlichen Misserfolg erklärbar ist. Meine einzige Hoffnung für diese Saison ist die Offenheit von Ingo Wald für Kritik. Meine einzige Hoffnung ist seine Persönlichkeit und mein Wissen, dass er für Meinungen von seriösen Kritikern des MSV offen ist; dass er mit vielen dieser Kritiker im Austausch ist. Meine einzige Hoffnung für die Verhinderung des Niedergangs ergibt sich aus diesem Wissen.

Keine Angst vor dem FC-Bayern-Museum – Der MSV Museumsvereinsvorsitzende Volker Baumann im Interview

Museums-Verwirklicher
Volker Baumann (r.),
Thomas Heine

Beim Cup der Traditionen gab der MSV Museumsverein einen Eindruck von seinen Aktivitäten. Erste Impressionen von der kleinen Ausstellung zu den vier Pokalfinalen waren im Zebrastreifenblog schon zu sehen.  In den letzten Tagen In den letzten Tagen hatte ich Interviews mit den Sammlern Willi Blomenkamp, Detlef Luderer und  Wolfgang Berndsen veröffentlicht. Die drei engagieren sich im MSV Museumsverein.

Vorgestern kam nun Volker Baumann zu Wort, der Vorsitzende des Vereins MSV Museum. Er war treibende Kraft der Vereinsgründung, die sechs Jahre nach dem „MSV Museumswochenende“ in Buchholz erfolgte. Im ersten Teil des Interviews erklärte er, warum die Vereinsgründung wichtig war und welche Arbeit mit dem Aufbau eines MSV Museums verbunden ist. Heute erzählt Volker Baumann von den Begegnungen mit den Museumsmachern anderer Vereine und von der Haltung der Stadt Duisburg zu einem MSV Museum.

Zebrastreifenblog: In Dortmund gibt es mit BVB-Museum und DFB-Museum ja zwei gut besuchte Museen in der Nähe. Auch in Gelsenkirchen gibt es ein Museum. Gibt es auf solcher Seite womöglich Erfahrungen, von denen ihr profitiert könnt?

Volker Baumann: Auf jeden Fall, es gibt in Deutschland ein Netzwerk der deutschen Fußballmuseen und Archivare. Dort sind die Fußballvereine der 1., 2. Und 3. Bundesliga vertreten. Die Mitglieder treffen sich zweimal im Jahr. Es gibt Vorträge und man diskutiert miteinander, tauscht sich aus. Dort erhalten wir große Hilfe. Wirklich alle dort teilen ihre Erfahrungen, erklären, worauf in unserer Situation jetzt zu achten ist. Da hilft der Dortmunder dem Schalker, der 60er dem Bayern.

Man sieht natürlich auch die riesigen Unterschiede. Zwischen uns beim MSV zum Beispiel, wo alles ehrenamtlich passiert und einem FC Bayern, wo es eine gewisse Anzahl Festangestellte gibt. Dazwischen liegen Welten. Vor solcher Art Museum darf man sich nicht verschrecken lassen. Das ist eben so, trotzdem kann man auch von denen lernen.

Nach solchen Veranstaltungen wurde ich auch schon angeschrieben, von Union Berlin, vom SC Freiburg. Wir haben hier noch alte Stadionhefte von Spielen gegen den MSV, hieß es. Wir misten gerade aus. Wollt ihr die Hefte haben? Die wurden mir dann zugeschickt.

Wie steht die Stadt Duisburg zu dem Projekt „MSV Museum“?

Ich habe mit Herrn Krützberg, dem Kulturdezernenten, gesprochen. Die Stadt war natürlich eine der ersten meiner Ansprechstationen. Die sagten natürlich, Geld könnt ihr nicht von uns erwarten. Klar, Duisburg ist eine arme Stadt. Thomas Krützberg sagte aber auch, sie unterstützen gerne, sei es bei Räumlichkeiten, seien es Ideen für Kontakte.

So entstand die Verbindung zum Stadthistorischen Museum. Von dort habe ich zum Beispiel sämtliche Unterlagen zu der Ausstellung zum hundertjährigen Vereinsjubiläum einsehen dürfen, und mir wurde gezeigt, wie dort Ausstellungen gemacht werden.

Jetzt gibt es hier diese Ausstellung zu den vier Pokalfinalen. Gibt es schon weitere Vorhaben in der nächsten Zeit?

Im Landesarchiv NRW findet am 10. September, dem Tag des offenen Denkmals, eine Ausstellung zur Sportgeschichte des Ruhrgebiets statt. Dort werden wir als MSV Museum einige Vitrinen  bestücken. Außerdem werde ich 2018 mit einem Sporthistoriker aus Berlin, Zentrum für deutsche Sportgeschichte, eine Vortragsreihe zum Thema „DDR-Fußball und der MSV Duisburg“ mache. Solche Institutionen treten im Augenblick an uns deshalb heran, weil wir öffentlich präsent sind über unsere Homepage, über die Homepage des MSV und über die Gemeinschaften. Es wird auf unsere Arbeit reagiert und das hilft uns wiederum sehr, dass freut uns aber auch sehr. Denn das bedeutet, dass wir einiges richtig machen.

Habt ihr Interesse daran eure Sammlung zu erweitern, etwa wenn Menschen mit Fundstücken zum MSV nicht wissen wohin?

Sofort, einfach über unsere Homepage Kontakt mit uns aufnehmen und dann melden wir uns. Wir haben einen eigenen Archivraum, der abgeschlossen und versichert ist. Dort lagern wir Dinge, die uns zur Verfügung gestellt werden. Das wird auch mit einem Vertrag geregelt, sei es mit einer Schenkungsurkunde, wenn es eine Schenkung ist oder einem Leihvertrag, wenn es eine Leihgabe ist. Das wird alles juristisch einwandfrei geregelt. Wir haben einen Juristen bei uns im Vorstand.

Wenn jemand etwas für uns hat, wird das Exponat archiviert. Es wird aber nicht einfach nur eingelagert, wir wollen die Geschichte dahinter auch hören. Wir wollen wissen, wo das Teil herkommt, die Geschichte dahinter hören. Das gehört mit zum Exponat. Und wenn es in Vitrinen ausgestellt wird, steht dann dort natürlich „Schenkung von …“, keine Frage.

Wer das MSV Museum unterstützen will, findet auf der Seite des Museum alle nötigen Informationen. 

Das MSV-Museum hat eines der besten Archive Europas – Der MSV Museumsvereinsvorsitzende Volker Baumann im Interview

Museums-Verwirklicher Volker Baumann (r.), Thomas Heine

Beim Cup der Traditionen gab der MSV Museumsverein einen Eindruck von seinen Aktivitäten. Erste Impressionen von der kleinen Ausstellung zu den vier Pokalfinalen waren im Zebrastreifenblog schon zu sehen.  In den letzten Tagen hatte ich Interviews mit den Sammlern Willi Blomenkamp, Detlef Luderer und  Wolfgang Berndsen veröffentlicht. Die drei engagieren sich im MSV Museumsverein.

In der letzten Folge meiner kleinen Reihe kommt nun Volker Baumann zu Wort, der Vorsitzende des MSV Museumsvereins. Er war treibende Kraft der Vereinsgründung vor vier Monaten. Im ersten Teil des Interviews erklärt Volker Baumann, warum die Vereinsgründung wichtig war und welche Arbeit mit dem Aufbau eines MSV Museums verbunden ist. Den zweiten Teil des Interviews stelle ich übermorgen online. Darin geht es u. a. um die gegenwärtigen Kontakte zu anderen Museen und die Haltung der Stadt Duisburg zu dem Projekt

Zebrastreifenblog: Eine Ausstellung mit Sammelstücken rund um dem MSV Duisburg gab es mit dem „MSV Museumswochenende“ vor sechs Jahren in Buchholz. Schon damals war auf dieser Ausstellung ein zukünftiges MSV Museum im Gespräch. Sechs Jahre später wird nun ein MSV Museumsverein gegründet. Wie ist es dazu gerade jetzt gekommen?

Volker Baumann: Nach dem Museumswochenende im März 2011 haben sich im Grunde zwei Parteien unabhängig voneinander und ohne Wissen von dem Anderen Gedanken zu einem Museum gemacht. Da waren zum einen Wolfgang Berndsen und Holger Glücks von der Zebraherde, die es schließlich auch geschafft haben, dass der MSV Duisburg die Unterstützung für ein MSV Museum in die Präambel der aktuellen Satzung aufgenommen hat, und zum Zweiten Randolf Wiederer vom Fanomenal und ich, die sich als Privatpersonen Gedanken gemacht haben. Beide Gruppen wussten wirklich nichts voneinander. Dies war auch ein wenig den turbulenten Zeiten des MSV geschuldet. Ich wollte immer ein Museum, dass die hundertprozentige Unterstützung des MSV Vorstands hat, und da der MSV gerade in den vergangenen Jahren doch sehr turbulente Zeiten mit immer wechselnden Vorständen durchleben musste, kamen wir auch nicht wirklich weiter mit dem Museum.

So ein Museum muss unabhängig vom Verein gegründet werden, braucht aber die Unterstützung vom Verein. Nun haben wir mit Ingo Wald an der Vereinsspitze jemanden, mit dem ich mich zu einem ersten Gespräch habe treffen können. Er war offen für unsere Ideen und wusste nun auch von beiden Gruppen. So hat er uns vorgeschlagen, und das war natürlich sinnvoll, dass beide Gruppen sich erst einmal zusammensetzen. Also habe ich mit Holger Glücks und den anderen ein Treffen organisiert. Dabei haben wir sämtliche Ideen zusammengeschmissen und unsere Vorstellungen übereinander gelegt, um zu sehen, wie wir das Museum durch die Gründung eines Vereins vorantreiben können.

Ich habe dann zu einer Gründungsversammlung eingeladen und für die Besetzung des Vorstands engagierte Mitstreiter gefunden. Und es war schön, dass bei dieser Gründungsversammlung alle mir bekannten Sammler anwesend waren und das Gründungsprotokoll mit unterschrieben haben. Den Aufbau des Museums müssen wir auf der einen Seite strategisch angehen, auf der anderen Seite aber auch mit einer wirtschaftlichen Grundlage. Damit die Arbeit für das Museum eine Basis erhält, mussten wir den Verein gründen. Der Vorstand des MSV musste zudem hinter dem Verein stehen. Und nun müssen wir als Verein beweisen, dass die Idee Museum lebt.

Du stellst die Anwesenheit der Sammler bei der Gründungsversammlung so besonders heraus.

Ja, weil sie die Basis für das Museum legen. Wir haben mit Wolfgang Berndsen, Willi Blomenkamp, Detlef Luderer und Randolf Wiederer die Sammler, die letztlich aus der Geschichte des MSV die Unikate gesammelt haben, Spielberichte, Aufstellungen, Stadionzeitungen, Trikots, Plakate, Fotos und so weiter. Und das ab 1902. Wir haben mit dem MSV-Archiv eines der besten Archive Europas.

Der MSV ist natürlich ein Verein, der nur wenige Auszeichnungen hat. Deshalb sagt unser Leitspruch eigentlich das aus, was wir im Museum präsentieren wollen. „Geschichte erleben, Tradition bewahren, Zukunft gestalten“. Wir wollen die Geschichten des MSV Duisburg und der Stadt Duisburg aufarbeiten und erzählen. Damit bewahren wir unsere Tradition und geben sie weiter an die folgenden Generationen, also Zukunft gestalten.

In Duisburg kann man Geschichten erzählen. Das müssen wir als Museum machen. Wir haben keine großen Meisterschaften und damit Pokale, die wir ausstellen können. In der letzten Saison sind ja Gott sei Dank mal zwei Pokale gewonnen worden. Wir haben aber Unikate, die man nicht kaufen kann, wie etwa die Schuhe von Dietmar Linders aus dem Pokalfinale 1975. Nur so können wir ein Museum aufbauen, indem wir Geschichten erzählen.

Auch die Stadtgeschichte soll dann eine Rolle spielen. Wir haben schon über eine Ausstellung Stahlstandort Duisburg und der MSV nachgedacht – mit besonderem Blick auf die Spieler, die am Hochofen arbeiteten, wie Joachim Hopp oder Michael Bella etwa. Wir sehen auch einen Lehrauftrag für das Museum. Da gibt es viele Themen. Duisburger Hafen und MSV. Sportpark und MSV. Wir haben schon viele Ideen.

Gibt es denn bei euch im Verein jemanden, der bereits Erfahrungen mit Museumsarbeit hat?

Nein, den gibt es nicht. Noch nicht. Wir haben uns mit der Zeit schon viele andere Fußballmuseen angesehen. Eine Ausstellung einrichten, ist außerdem nur das eine. Das andere ist später das Museum in Betrieb zu halten. Das ist wieder etwas ganz anderes als ein Museum aufzubauen. Wir haben viele Ideen, aber die professionelle Hand eine Dauerausstellung einzurichten, fehlt noch im Moment. Wir brauchen etwa Innendesigner, um die Ausstellungsfläche zu kreieren. So eine reine Schau von Sammelstücken kann auch langweilig sein. Es nützt nichts, wenn ich alle Trikots von 1902 bis jetzt irgendwo aufhänge. Da kommen dann die Leute rein, gucken einmal rum und dann ist das Thema durch. Wir werden das anders angehen. Wir werden dieses Wissen uns beschaffen. Davon bin ich überzeugt.

Es wird also später mal einen festen Ort für das Museum geben, die Ausstellung wird eigene Räumlichkeiten irgendwo haben, und es wird auch Angestellte des Museums geben. Ein Museumsarchiv wird es geben, das gepflegt werden muss. Gibt es eine zeitliche Perspektive für euch?

Ich habe immer wieder erklärt, wenn wir in fünf Jahren unser Museum haben, bin ich glücklich. Wir brauchen auch locker ein bis zwei Millionen, um irgendwo Räumlichkeiten zu erwerben, zu bauen, oder eben ein tolles Konzept, wie wir Miete zahlen können. Die Standortfrage ist noch ungeklärt. Wir werden Angestellte haben müssen, die bezahlt werden wollen. Es gibt noch sehr viel Arbeit, mit der wir überhaupt noch nicht angefangen haben.

Das hat einen ganz bestimmten Grund: Wir sind ein wirklich junger Verein, existieren erst seit vier Monaten. Wir als Verein müssen uns nun erst einmal selbst finden. Jeder hat seine eigenen Vorstellungen, seine eigenen Ideen. Auch die müssen übereinander gelegt werden. Kompromisse müssen gemacht werden.

Gleichzeitig haben wir schon einen so hohen Zuspruch, dass damit erst einmal viel Arbeit gebunden ist. Wir brauchen zunächst ein bis anderthalb Jahre, um zu beweisen, dass wir ein seriöser Verein sind. Die Leute müssen merken, da entsteht wirklich etwas. Das sind nicht nur irgendwelche Spinner-Sammler, die sagen, wir gründen mal einen Verein. Die Leute sollen sehen, der Verein arbeitet wirklich im Sinne eines MSV Museum, im Sinne des Vereins MSV. Die Verantwortlichen im MSV Museumsverein machen wirklich etwas mit Sinn und Verstand. Das möchte ich bis Mitte nächsten Jahres schaffen. Und ich hoffe, dann können wir den nächsten Schritt machen und größere Sponsoren ansprechen.

Denn ohne die großen Sponsoren werden wir das Museum nicht finanziert bekommen. Ohne dass wir auch mal eine sechsstellige Summe erhalten, kann so ein Museum nicht auf seriöse Weise geführt werden.

Teil 2 des Interviews folgt übermorgen.

Wer das MSV Museum unterstützen will, findet auf der Seite des Museum alle nötigen Informationen. 

Vom Punktspiel zum Pokalkampf und wieder zurück

Das Spiel des MSV Duisburg heute gegen den SC Paderborn ist für beide Mannschaften von besonderer Bedeutung. Ob es für die Paderborner etwas weniger notwendig ist zu gewinnen als für die Zebras, vermag ich nicht genau zu sagen. Für Stephan der mit Schwarz und Blau ein Blog über den SC Paderborn schreibt und mit dem ich für den PaderCast sprach, geht es für beide Trainer in dem Spiel um ihren Arbeitsplatz.

Ob das in Duisburg so sein wird, lasse ich mal dahin gestellt. Nachdem Ivo Grlic sich im Reviesport-Interview als besonnener, seriös arbeitender Sportdirektor präsentierte, gibt es nun auch flankierend dazu die Meinungsäußerung von Präsidet Ingo Wald bei WAZ/NRZ im Vorbericht zum Spiel. Besonnenheit auch hier an aller erster Stelle, und zugleich lässt auch er keinen Zweifel an der Bedeutung des Spiels.

Ingo Wald guckt gerade mal im Kesselraum des MSV nach dem Rechten und sieht, er muss den Druck regulieren. Auch darin erweist sich der MSV dieser Tage als ein vorbildhafter Fußballverein. Denn mit diesem Spiel heute Abend können wir einmal mehr am Fußball lernen, mit den Widersprüchlichkeiten dieses Lebens umzugehen. Auch ich bin der Überzeugung, dass dieses Spiel heute Abend leicht den Charakter eines bissigen Pokalkampfs annehmen kann. Gleichzeitig geht mir aber durch den Kopf, vermeide bloß dieses Wort Pokalspiel, denn im Pokal hat der MSV im Gegensatz zu den Ligaspielen nicht so gut gegen den SC Paderborn ausgesehen. Ingo Wald löst dieses Problem elegant, indem er laut WAZ/NRZ das Spiel in eine ganze Reihe von wichtigen Spielen setzt: „Paderborn ist nicht das Endspiel, sondern eines von 25 Finalspielen um den Klassenerhalt für uns.“ Das Punktespiel ist im Pokalkampf zurück! Das kann doch nur gut enden.

Wie man aus aufgeblasenen Skandal-Bannern die Luft rauslässt

Eigentlich habe ich über dieses Banner, das im Spiel gegen den FC Schalke 04 hochgehalten wurde, nichts schreiben wollen. Mit Provokationen geht man in der Öffentlichkeit am besten um, indem man sie ins Leere laufen lässt.  Genauso geht man mit der Bearbeitung von Provokationen durch die Medien um. In großen Teilen sind diese Medien ja im Unterhaltungsbetrieb Fußball keine sachlichen Berichterstatter sondern Teilnehmer des Betriebs und befeuern Themen aus eigenem Interesse. Was den konstruktiven Umgang mit Provokationen natürlich erschwert.

Das Banner mit der Anspielung auf die Demenz-Erkrankung von Rudi Assauer in der Duisburger Fankurve war eine Steilvorlage für die B- oder C-Kategorie einer Skandalgeschichte. Da greift der Journalismus gerne zu in Zeiten, in denen der Fußball in dieser Gesellschaft von so großer Bedeutung geworden ist und zugleich eine Krankheit als Thema berührt wird, die seit Jahren von öffentlichem Interesse ist, mit der viele schon zu tun hatten und vor der viele Menschen Angst haben. Besser geht es nicht, es gibt ein wehrloses Opfer und die Bösen. Wie leicht kann man sich über diesen Vorfall empören. Wie gerecht fühlt sich diese Empörung an. Empörung lässt sich auch genießen. Wie lebendig macht sie, und wie sehr möchte man als Journalist für seine Leser doch auf der richtigen Seite stehen. Beifall ist gewiss.

Ich wollte all das ignorieren, weil morgen schon die nächste Sau durch Fußballdeutschland getrieben wird. Da war ich sicher. Da musste ich gar nichts machen. Ich habe weder in Bielefeld auf einen Mannschaftsbus geschossen, noch war ich in Osnabrück, um ein Feuerzeug auf den Schiedsrichter zu werfen.

Nun schreibe ich dennoch, einzig und allein, weil ich meinem Verein den Rücken stärken will, weil ich Sorge habe, die Verantwortlichen dieses Vereins haben zu große Angst vor diesen Schlagzeilen, die nichts anderes sind als mediale Reflexe im Fußballunterhaltungsbetrieb. Wenn ich in WAZ/NRZ die Schlagzeile lese, MSV-Boss Wald kündigt nach Assauer-Banner Konsequenzen an, möchte ich ihm zurufen, mache dir keinen Kopf. Ihr habt euch sofort nach dem Spiel entschuldigt. Ihr hattet ein gutes Krisenmanagement. Auch wenn mir schon der Ton von Bernd Maas auf der Pressekonferenz nach dem Spiel  nicht selbstbewusst genug klang. Ich weiß aber, wie schwer es ist, den richtigen Ton in solch einem Moment zu treffen. Die Entschuldigung ist angenommen, und nun ist aber auch gut.

Geschmacklosigkeiten sind kein Verbrechen. Geschmacklosigkeiten sind Grenzüberschreitungen in sozialen Zusammenhängen, und  solche Grenzüberschreitungen versucht man normalerweise in Gesprächen zu bewältigen. Unaufgeregt muss man den Banner-Machern sagen, was ihr da gemacht habt, war nicht so komisch, wie ihr es euch beim Machen vielleicht gedacht habt. Ihr habt auf Kosten eines Schwächeren euren Witz versucht. Vielleicht gibt es sogar Orte für diesen Witz und Menschen, die diesen Witz hätten machen können. Ich weiß das nicht. Ich weiß nicht mal, ob ich solch einen Witz selbst machen würde. So etwas handelt eine Gesellschaft situativ aus. In diesem Stadion am Samstag war das Banner fehl am Platz. So könnte man es den Machern sagen, und eine Konsequenz könnte sein, sich direkt bei Rudi Assauer zu entschuldigen. Und dann wäre es auch an dieser Stelle gut.

Liebe Verantwortliche beim MSV, geht doch nicht in die Empörungsfalle, die euch ein Teil der Medien gestellt hat. In sportlichen Fragen folgt ihr doch auch nicht jedem populistischen Aufschrei. Weigert euch, über das Stöckchen zu springen, das euch von den Journalisten des Funke-Konzerns hingehalten wird. Seid selbstbewusst. Das öffentliche Bild vom MSV hat durch das Banner keinen Schaden genommen. Sorgt euch nicht. Wie gesagt, die nächste Sau wartet auch im Pott-Dorf schon.

Die erwartungsvolle Spannung nach der Winterpause

Anfang dieser Woche meldete sich bei mir Oliver Leiste, der für die Mitteldeutsche Zeitung über den Halleschen FC berichtet. In Köln riefen sie daraufhin alle, was für eine schöne Tradition. Schließlich sprachen wir schon einmal mehr miteinander, als es für den Kölner und seiner Vorstellung von Tradition nötig ist. Zum vierten Mal spielt der MSV Duisburg um Punkte gegen den Halleschen FC. Hoffentlich ist es das letzte Mal, ging mir durch den Kopf, während wir uns am Telefon begrüßten, und nur einen Moment später hing eine leise Unhöflichkeit in der Luft. Denn diesen Satz hatte einer von uns beiden gerade ausgesprochen, und dieser eine war ohne Zweifel ich. Es ist aus mir einfach als allererstes herausgeplatzt. Der Schaden war aber nicht groß. Inzwischen weiß ich, meine Hoffnung war eine Steilvorlage für seinen Vorbericht in der Mitteldeutschen Zeitung.

Nicht wenigen von euch, deren Zuneigung dem MSV Duisburg gilt, wird es ähnlich gehen. Die Anspannung vor diesem Spiel spüre ich jedes Mal, wenn ich mit jemandem über den MSV rede. Diese Anspannung ist größer, als es nach einer Winterpause in den letzten Jahren jeh war. Um so klarer die Zielvorgabe erkennbar ist, desto größer wird die Hoffnung und entsprechend mächtiger droht zugleich Enttäuschung. Wenn wir beim MSV Duisburg von Fallhöhe sprechen können, so wissen wir, es ist tatsächlich ganz ernst mit dem Vorhaben, aufzusteigen.

Dabei gelingt es dem MSV Duisburg im Moment sehr gut, die Stimmung in und rund um den Verein in der Balance zu halten und gleichzeitig Selbstvertrauen sowie positive Energie auszustrahlen. Das beeindruckt deshalb, weil die Wahrheiten, so weit es irgend geht, auf dem Tisch liegen. Spieler bekennen sich entschieden zu ihrem Aufstiegswillen. Die sportlich Verantwortlichen halten sich etwas zurück, erinnern an Schwierigkeiten auf diesem Weg und bremsen dennoch nicht die Hoffnung auf Erfolg aus. Die Verwaltung in Person von Ingo Wald spricht die finanziellen Folgen eines Nichtaufstiegs ohne Alarmismus an. So wissen wir, die von Ivo Grlics in den Raum gestellte Aussicht von einer Saison Spielraum gibt es weiterhin. Dennoch würde es 2015/2016 schwieriger.

Alles in allem ist der Boden für den Erfolg bereitet. Die Verpflichtung von Martin Dausch war die erste Nachricht, die in der Winterpause als klares Bekenntnis zum Aufstieg gedeutet werden konnte. Die in den Testspielen gezeigten Leistungen gaben weitere Fingerzeige. Pierre De Wit kann wieder spielen. Kingsley Onuegbu scheint die spielerische Klasse seiner ersten Monate in Duisburg zurück gewonnen zu haben und, und, und. Wegen all dem ist meine Anspannung vor dem Spiel gegen Halle so groß. Erst in diesem Spiel wird es wieder ganz echt. Erst in diesem Spiel zeigt sich, was aus all den Simulationen des Wettkampfs in der Winterpause in die Wirklichkeit hineingebracht werden kann.

Bei all dem darf nicht vergessen werden, in den anderen Vereinen wurde auf ähnliche Weise versucht, dem Ziel Aufstieg näher zu kommen. Auch Halle etwa hat Testspiele gewonnen, den mannschaftlichen Zusammenhalt weiter gestärkt und sucht den Erfolg. Am liebsten wäre mir, diesem ersten Eindruck eines anspruchsvollen Gegners folgte im Spiel jene Ernüchterung, die sich beim Betrachten der Pressekonferenz des Vereins einstellt. Was für ein Premier-Pay-TV-Vorspann begegnet dort dem ganz normalen Fußballalltag.

Für die guten Zukunftspläne fehlt nur noch die Lizenz

Ich könnte es sehr kurz machen und es bei Genesungswünschen und der Hoffnung auf die baldige vollständige Gesundheit von Ingo Wald belassen. Falls in dieser Welt sich besondere Kraft und Energie durch den Zuspruch von Menschen entwickeln kann, so bündelt sich seit gestern diese von vielen Anhängern des MSV Duisburg verströmte Kraft und Energie  für einige Zeit auf den neuen Vereinspräsidenten des MSV Duisburg. Wer nur flüchtig die Stimmen von MSV-Anhängern in den sozialen Netzwerken überfliegt, findet die Wünsche für die baldige Gesundheit von Ingo Wald überall.

Diese Wünsche sind mehr als die üblichen Reflexe auf die Nachricht von der Erkrankung Ingo Walds. Diese Wünsche gelten einem Mann, der mit seinem ersten öffentlichen Auftritt als Vereinspräsident des MSV Duisburg auf beeindruckende Weise jegliche Zweifel an den Umständen und der Folgerichtigkeit dieses Wechsels hat ausräumen können. Ich könnte es also sehr kurz machen und Ingo Wald alles Gute für die kommenden Wochen wünschen.

Jede weitere Überlegung über die Zukunft des MSV Duisburg und den ebenso überzeugenden Ausführungen des Geschäftsführers Peter Mohnhaupt ist ohnehin davon abhängig, ob der Verein eine Lizenz für die 3. Liga erhält. Niemand sollte sich übrigens über die Insolvenz-Gefahr erschrecken, und die auch als Artikel-Überschriften bei WAZ/NRZ oder Rheinische Post ausgesprochene Wahrheit als Neuigkeit empfinden. Die drohende Insolvenz ohne Drittliga-Lizenz war schon im letzten Jahr Thema und nichts hat sich an dem Handlungsrahmen des MSV Duisburg geändert.

Statt es sehr kurz zu machen, mache ich es aber normal lang, weil ich meinem Eindruck wenigstens zwei Argumente für meine Zuversicht mitliefern will. Denn natürlich melden sich nach dieser Pressekonferenz Erinnerungen an andere hoffnungsvolle Worte der Vergangenheit auf anderen Pressekkonferenzen. In diesen Erinnerungen fehlt aber eines, was dieses Mal bei den Worten von Ingo Wald, Markus Räuber und Peter Mohnhaupt immer mitklang. Jeder Ausblick hatte eine konkrete Bindung an die Realität der Gegenwart. Ingo Wald etwa war in der Presse mit Stellungnahmen zur Lage zitiert worden, die einige MSV-Interessierte als unglücklich ansahen. Er bereinigte diese Irritationen, indem er seine in der Presse zitierten Äußerungen in den konkreten Zusammenhang brachte. Er erklärte sich und gab damit zu erkennen, wie und wann er das Vertrauen in ihn und die Verantwortlichen gefährdet sieht. Diese Umsicht stimmt mich zuversichtlich.

Natürlich sind auch gängige Worte des Aufbruchs zu hören gewesen. Alles andere würde in der Situation des MSV Duisburg bei einem neuen Geschäftsführer verwundern. Peter Mohnhaupt verband diese Worte des Aufbruchs aber stets mit Sätzen zur Realität. Seine Worte zeigten, hier hat sich jemand in kurzer Zeit ein stimmiges Bild vom MSV Duisburg gemacht. Dem entsprechen Peter Mohnhaupts konkrete Ansätze, wie der MSV Duisburg sich in der kommenden Zeit in der Öffentlichkeit präsentieren will. Auf mich wirkt es so, als plane er einen guten Weg im widerspruchsreichen Terrain, auf dem ein Fußballverein sich als Wirtschaftsunternehmen der Unterhaltungsindustrie präsentiert. Wenn dann später einmal das Weitertragen des falschen, aber unausrottbaren englischen Genetiv-Apostrophs in dem angedachten Claim „Rudi’s Riegel“ Wirklichkeit geworden ist und der MSV Duisburg tatsächlich wirtschaftlich gesundet ist, will ich auch nicht genervt die Augen verdrehen, sondern einfach nur konsequent in diesen Räumen „Rudis Riegel“ schreiben.

Fürs erste hoffe ich aber auf nicht mehr als das Schließen der Finanzlücke im Etat der kommenden Saison, um in der Folge vom DFB die Linzenz für die 3. Liga zu erhalten.

 


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