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Von einer Traumdeutung

Während der Winterpause schien ich die bedrohliche Lage für den MSV von mir fern gehalten zu haben. Seit Ende November habe ich mit mir selbst und meiner Gesundheit genug zu tun. Aber das Verdrängte arbeitet weiter im Unbewussten. Jetzt träume ich schon vom MSV, und dieser Traum letzte Nacht war zwar kein Alptraum, gehörte aber doch zu diesen unangenehmen nächtlichen Bedrückungen, bei denen du eine diffuse, wenig konkrete Gefahr spürst. Eine Gefahr, die zudem zur Wirklichkeit des Erlebten nicht passt.

Solche Traumzeit verbringst du in Unruhe und Anspannung. Du weißt, es ist etwas zu erledigen und ein Ziel zu erreichen. Du weißt nicht, ob das gelingt. zumal dir nicht von Anfang klar ist, welchem Ziel du überhaupt folgst. Ich war unterwegs in mir unbekannten Straßen und wusste, zu einer bestimmten Zeit sollte ich an einem bestimmten Ort sein. Ich schritt voran, kannte aber als Träumender noch nicht die Handlung. Die begann ich zu ahnen, als ein Bus mit MSV-Fans an mir vorbeifuhr und auch auf dem Fahrradweg nebenan immer wieder Radfahrer im Trikot vorbeipreschten. Auf dem Bürgersteig weit vor mir sah ich dann auch Fans im Trikot, und da fiel mir ein, ich musste (!) ins Stadion. Dieses Muss bedeutete, gelänge es mir nicht, würde ich etwas Entscheidendes verpassen. Was genau blieb unkonkret.

Ich beschleunigte meinen Schritt, hatte unterdessen gleichzeitig plötzlich auch ein Fahrrad dabei. Ich stieg auf und fuhr innerhalb kurzer Zeit zum Stadion. Von meinem Gefühl her fuhr ich zur Arena. Den riesigen Fahrradparkplatz – etwa dort wo sich eigentlich die Jugendherberge befindet – hatte ich noch nie gesehen. Hunderte Fahrräder standen dort in einem wilden Durcheinander. Kurz zweifelte ich, mein Fahrrad jemals wiederzufinden und schloss es dennoch in großer Eile irgendwo ab. Schon beim Weggehen hatte ich den Überblick verloren, wo es stand. Ein weiteres unangenehmes Gefühl. Ich hastete Richtung Stadion, das sich im Gegensatz zur Wirklichkeit wie eine Burg auf einer ummauerten Anhöhe befand. Der direkte Weg führte steil nach oben über eine gepflasterte Wand, die hin und wieder ein paar Vorsprünge bot. Niemand versuchte natürlich an dieser Steilwand hoch zu rennen. Außer mir und ein paar Jugendlichen. Ich nahm Anlauf, machte einen Versuch, kam aber längst nicht zum ersten Vorsprung. Diese Steilwand würde ich nicht schaffen. Auch nur zwei der Jugendlichen waren erfolgreich.

Genervt ging ich noch einmal zurück Richtung Fahrradparkplatz, wo mir an dessen Rand überhaupt erst klar wurde, dass mein Ziel das Spiel des MSV gegen Havelse war. Ich problematisierte es nicht weiter, dass ich mich in Duisburg befand, während das Spiel in Havelse stattfand. Andere Fans gingen schließlich auch ins Stadion. Allerdings waren wir alle anscheinend auch zu spät, denn aus dem Transistorradio eines neben mir stehenden Fans hörte ich eine Reporterstimme den Namen Bouhaddouz rufen in diesem bekannten Ton, in dem Reporter eine vergegebene Chance kommentieren. Ich beeilte mich also doch ins Stadion zu kommen und ging zu dem Serpentinenweg, auf dem fast alle nach oben liefen. Er war so schmal, dass alle einzeln nacheinander laufen mussten.

Ich war sehr erleichtert, als ich in diesem Moment aufwachte und merkte, bis zum Spiel vom MSV gegen Havelse ist noch was Zeit. Der Traum allerdings erzählt symbolhaft die Lage des MSV momentan. Träume darf man natürlich nicht eins zu eins deuten. Aber in mir als Handelnder in diesem Traum handelt auch ein Ivo Grlic, da handeln die Spieler, da handel ich auch stellvetretend für alle sich sorgenden und diskutierenden Fans. Dieses Handeln folgt einem inneren Drang ohne Kenntnis des konkreten Ziels. Es ist oft reaktiv, folgt spontanen Eingebungen und hat häufig etwas Desorientiertes. Handelnde sind zu spät und müssen sich sehr anstrengen, um hoch zu kommen. Abkürzungen durch direkte, unkonventionelle Wege gibt es für kaum jemanden. Wer nicht weiß, wieso der MSV in der zweiten Saison nacheinander in der Dritten Liga gegen den Abstieg spielt, sollte in Zukunft meinen Traum lesen.


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Alles Gute für 2022 mit der Blog-Tabellenspitze von 2021!

Sicher bin ich mir nicht, ob ich wie stets meine Wünsche für das neue Jahr mit einem Rückblick auf die meistgelesenen Texte des letzten Jahres verbinden soll. Am besten wäre es doch, nur nach vorne zu sehen. Dieses alte Jahr konnten wir doch ziemlich vergessen. Als ob es uns nur dieselben Sorgen um den MSV wie im Jahr davor gebracht hätte. Es gab ja einige andere, etwas gewichtigere Miseren mehr. Wenigstens in Sachen Bewältigung der Pandemie lässt sich beim Blick auf die nächste Zeit mit Christian Drosten Mut schöpfen. Mit den Folgen für diese Gesellschaft werden wir allerdings noch etwas länger zu tun haben. Was gäbe ich aber um einen Christian Drosten für den MSV, der in klarer, nachvollziehbarer Weise Risiken benennt, Entwicklungen unter bestimmten Bedingungen beschreibt und für die nahe Zukunft leichte Zuversicht erkennen lässt. Diese Zuversicht beim MSV fällt inzwischen auch mir schwer.

Zwei Jahre nacheinander haben meine Wünsche für die Fußballer der Zebras und für die Verantwortlichen nicht gefruchtet. So gerate ich nicht nur beim Rückblick ins Grübeln, selbst das Wünschen droht mir zur leeren Geste zu werden. Zumindest beim Wünschen in Richtung Verein, bei euch anderen mag es ja besser gewirkt haben. Deshalb: Alles Gute für  2022! Auf dass euch gelingt, was ihr erhofft in diesem neuen Jahr.

Für euch Fußballer des MSV und für euch Verantwortliche auf allen Ebenen halte ich natürlich auch einen Wünsche-Sack bereit. Darin gibt es vor allem eins: Wünsche zu Siegen und Erfolg. Wir machen es in diesem Jahr aber anders. Ihr nehmt bei Gelegenheit. Vielleicht helfen die Wünsche auf diese Weise mehr.

Nun zu den meistgelesenen Texten des letzten Jahres im Zebrastreifenblog. Eines steht fest: Das Jahrzehnt der BVB-Fußballtorten ist vorbei. Seit Jahren liefen sie schon nur außer Konkurrenz auf den vorderen Plätzen mit. Nun sind wohl alle BVB-Fans einmal bebacken. Eine neue kulinarische Attraktion muss her.  Dennoch gibt es weiterhin einen Beitrag außer Konkurrenz. Google schickt seit einigen Jahren bei Spielen von Arminia Bielefeld die Fans der jeweiligen Gegner zu meinem Anekdoten-Text darüber, wie die Bielefelder Alm zu ihrem Namen kam. Mal schauen, wann Fußballdeutschland genug Expertenwissen der besonderen Art kennt und auch dieser Text aus der Spitzengruppe verschwindet.

Die Texte auf Platz fünf bis drei dokumentieren die Krise beim MSV über das gesamte Jahr hinweg und mit unterschiedlichen Themen. Diese Krise ist so grundlegend, dass ich in meinen Texten sämtliche Bereiche rund um Sport, Fans und Verein aufgegriffen habe. Platz 5 belegt Nicht MSV, nur ich, ich, ich beim Pfiff.  Zu lesen ist mein runter geschriebener Ärger über die unsäglichen Pfiffe gegen Dominik Schmidt nach seiner Einwechslung im Spiel gegen Meppen. Auf Platz 4 befindet sich mein Kommentar zur Jahreshauptversammlung, so weit ich sie besuchen durfte: Der MSV, der Presseausschluss und geleistete Arbeit. Auf Platz 3 steht ein Text vom Beginn des Jahres, der weiter aktuell ist und für dessen „Muss“ eigentlich im  Laufe der nächsten Tage eine Nachricht versprochen war. Ein Muss: Der Mann fürs Planen unter Druck. Allerdings braucht man viel Fantasie, um den Platz neben oder über Ivo Grlic zu finden für die zusätzliche sportliche Kompetenz beim MSV.

Auf den ersten beiden Plätzen aber befinden sich Texte, die uns aus den gegenwärtigen Sorgen führen.  Platz 2 zeigt, wie sehr uns Erfahrungen als Fan des MSV aus der Vergangenheit interessieren. Im Fangedächtnis des MSV Duisburg sammel ich seit Jahren Erinnerungen, bei denen der MSV eine besondere Rolle spielte. Hans F., Jahrgang 38, erzählte mir Von Auswärtsfahrten in den 50ern und Kloppereien.

Mit einem großen Vorsprung befindet sich auf Platz 1 ein Text, der das große Bedürfnis von uns MSV-Fans nach ablenkendem, unterhaltsamen Spaß aufzeigt. Ein für mich kurios klingender Ticker-Eintrag beim Kicker vom Spiel KFC Uerdingen gegen den VfB Lübeck im März ließ mich eine satirische Meldung verfassen: Dritte Liga testet Regeländerung – Tim Albutat als erster betroffen.

Zum Schluss nun muss ich wiederholen, was letztes Jahr bei der Gelegenheit schon hier stand: Hoffen wir auf den Klassenerhalt. Hoffen wir auf ein Wiedersehen im Stadion, für das der Klassenerhalt die sportlichen Voraussetzungen schafft. Ich hoffe aber auch auf  den sportlichen Erfolg  – und das ist neu in diesem Jahr, weil das Buch von Tina Halberschmidt und mir im Oktober erschienen ist -,  weil Fans ohne Sorgen sich auch mal wieder für Bücher über den MSV interessieren könnten. Auf dass die Lachtherapie als Lektürefolge von MSV Duisburg. Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten nicht mehr gebraucht werden muss. Habt ein gutes Jahr. Bleibt gesund!

Der MSV, der Presseausschluss und geleistete Arbeit

Immer wieder lehrt uns der Fußball, wie widersprüchlich wir Menschen in der Welt sind. Wir selbst empfinden das meist nicht so. Für uns selbst erzählen wir unsere Geschichten völlig folgerichtig. So kann ich gut verstehen, warum gestern zu Beginn der Jahreshauptversammlung des MSV ein Mitglied zwei Anträge stellte. Zum einen sollten Bild- und Tonaufnahmen grundsätzlich verboten werden. Vor allem ging es hier um die Kameras der RTL-Dokumentation über den MSV. Zum anderen sollten die Journalisten der Printmedien gebeten werden, nach den Berichten der Vorstände die Jahreshauptversammlung zu verlassen. An der Aussprache, also die Fragen und die Kritik der Mitglieder, die ja normalerweise auch Anhänger der Zebras sind, sollten Journalisten nicht teilnehmen dürfen. Wenn schmutzige Wäsche gewaschen wird, sollte das nicht an die Öffentlichkeit, um den Ruf des Vereins nicht zu schädigen. Die Mitgliederversammlung nahm beide Anträge unter großem Beifall an. Wie gesagt, ich verstehe das Anliegen gut, obwohl ich beim Einlass meinen Presse- und keinen Mitgliedsausweis gezeigt habe. Nach den Berichten der Vorstände bin ich also gegangen und habe mir meine Gedanken gemacht.

Mir zeigten diese Anträge einmal mehr die Widersprüchlichkeit, in der wir Anhänger eines Fußballvereins leben. Ich rede jetzt nur vom Ausschluss der schreibenden Kollegen. Unbezahlte Unterhaltungsware werden für RTL empfinde ich auch nicht als erstrebenswertes Ziel einer Jahreshauptversammlung. Vereinsmitglieder haben also gesprochen. Was ihr gutes Recht ist. Zu einem professionellen Fußballunternehmen passt dieser Ausschluss der Tagespresse allerdings nicht. Ein professionelles Unternehmen informiert über Diskussionen von Interessierten und positioniert sich offen gegenüber kritischen Stimmen. Immer wieder treffen diese beiden Welten Unternehmen und Verein aufeinander. Einen gleichgewichtigen Ausgleich beider Welten gibt es nicht. Mal wird die eine Welt des Unternehmertums im Vordergrund sein, mal die andere des amateurhaften Vereinslebens. Mal wird an den Vereinsvorstand der eine Maßstab angelegt, mal der andere.

Wenn ich das Geschehen unabhängig vom Fußball und dem MSV betrachte, macht es mir leider ein paar Sorgen. Steckt in diesem Antrag doch das Misstrauen gegenüber der Institution des Journalismus, das ich aus politischen Zusammenhängen kenne und eben dort seine gesellschaftliche Wirkung entfaltet. Dieses Misstrauen zersetzt die bürgerliche Öffentlichkeit und damit Zusammenhalt. Ich wünsche mir sehr, dass dieses Misstrauen wieder schwindet, weil es nicht grundsätzlich gerechtfertigt ist. Wir haben eine vielfältige Medienlandschaft mit unterschiedlichen Stimmen. Auch ich habe die Jahreshauptversammlung verlassen müssen. Ich war nicht böse drum. Ich hatte mir ohnehin nicht vorstellen können bis maximal halb eins dort zu bleiben. Ich verdiene hier kein Geld. Da muss dann alles passen, um Zeit aufzuwenden. Zwar habe ich nicht die Reichweite der Printmedien dieser Region, dennoch werde ich wahrgenommen. Ich habe mehr Raum für meine Wertungen. Ich habe einen eigenen Blick. Ich denke, ich urteile sehr differenziert. Auch dieser andere Blick konnte die Aussprache nicht beobachten. Wie gesagt, ich verstehe gut die Beweggründe. Es gibt aber eine andere Perspektive, über die es lohnt nachzudenken.

Nun aber kurz zu zwei Berichten. Der Vorsitzende Ingo Wald erklärte die Arbeit der letzten zwei Jahre, sprach von der großen Enttäuschung über den verpassten Aufstieg und erläuterte die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Capelli. Die wichtigste Botschaft seiner Worte lautete: Wir haben an den Strukturen gearbeitet, so dass die vor zwei Jahren verkündete Mitteilung, der MSV überlebe in Liga 3 nicht länger als zwei Jahre, überholt sei. Das Zeitfenster für ein Überleben in Liga 3 ist größer geworden. Zwei, drei Jahre blieben jetzt Zeit, um den Aufstieg in Liga 2 zu schaffen.

Als Ivo Grlic zu seinem Bericht ans Rednerpult ging, buhten die Mitglieder. Man darf ihm abnehmen, dass dieser Gang schwer war und diese Ablehnung ihn trifft. So viel zum Menschlichen, das er anschließend immer wieder mal erwähnte. Das allerdings ist das grundsätzliche Problem bei seiner Arbeit. So klar war das gestern erkennbar. Denn vor allem das Menschliche kam zur Sprache in Sachen Gino Lettieri. Er wusste, er musste auf die Verpflichtung zu sprechen komrmen.

Was er sagte, ließ nicht erkennen, ob er den eigentlichen Fehler bei dieser Verpflichtung wahrnahm. Er scheint tatsächlich zu glauben, Gino Lettieri sei gescheitert, weil er in Duisburg von den Anhängern so viel „Gegenwind“ erhalten habe. Das war schon bei dessen Entlassung das Hauptthema. Darum geht es aber gar nicht, wenn ich Ivo Grlics Beweggründe verstehen will. Es gab keine Zuschauer im Stadion. Der Mann konnte in Ruhe arbeiten, auch wenn überall Unverständnis herrschte. Ivos Grlics oberflächliches Argument für die Verpflichtung war der einmal schon vorhandene Erfolg Lettieris beim MSV und dass er den Verein kannte. Die erste Entlassung Lettieris schien für Ivo keine Rolle mehr zu spielen. Zehn Verletzte hätte er damals im Kader gehabt.

Einem Nebensatz nur ließ sich indirekt entnehmen, ob sich Ivo Grlic Gedanken über die Rolle Lettieries bei der weiteren Entwicklung des Vereins gemacht hatte. Sinngemäß sagte Ivo, welchen Fußball er spielen ließe, darüber könne man ja streiten. Nein! Darüber kann man eben nicht streiten, weil darüber nicht gesprochen wurde. Doch Ivo Grlic muss sich um Spielideen von Trainern kümmern, weil er für die sportlichen Belange zuständig ist. Das ist eine der entscheidenden Stellschrauben für die Entwicklung des Vereins. Habe ich die Worte dazu überhört?

Wenn er dagegen über Spielerverpflichtungen spricht, ahne ich, dass er sich auf sicherem Terrain bewegt. Bei einem Spieler lassen sich einfacher Bewertungen vornehmen als bei einem Trainer. Die Datenlage bei Spielern ist viel umfangreicher und lässt sich klarer auf vergleichbare Zahlenwerte herunterbrechen als bei einem Trainer. Dessen Arbeit müsste umfassend analysiert werden, um seine Fähigkeiten zu bewerten. So ein Trainer-Profil muss wahrscheinlich immer erst erstellt werden. Ich habe gestern von Ivo Grlic nicht erfahren, dass diese Arbeit beim MSV vorgenommen wird. Das bereitet mir weiter große Sorgen. Wenigstens beschränken sich die nur auf den MSV. Gesamtgesellschaftlich betrachtet haben diese Trainerverpflichtungen wohl keine Auswirkungen.

Die Stimmungsreaktions-PK

Gute Laune und der MSV haben sich gerade eine Paar-Auszeit genommen. Die On-Off-Beziehung von beiden kennen wir ja schon länger. Aber manchmal kommt das doch wieder unerwartet. Erneut der Abstand, um zu sich selbst zu finden. Schon wieder Zeit für Treffen mit Freundinnen und Freunden, die einen verstehen. Schon wieder intensive Beziehungsgespräche. Das dauert dann bei so einer Therapiesitzung vulgo Pressekonferenz auch länger als die üblichen 15 bis 20 Minuten.

Eines lässt sich vorab feststellen. Die Verantwortlichen beim MSV wissen um die brisante Stimmung unter den Anhängern und sie versuchen darauf zu reagieren. Sie nehmen die Fans ernst. Deshalb war Ivo Grlic an der Seite von Pavel Dotchev bei der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen die Würzburger Kickers. Jeder scharfe Kritiker der Verantwortllichen müsste darüber zufrieden sein. Wenn diese Welt die beste aller Welten wäre, entspannte sich jetzt die Stimmung und wir könnten sachlich über Inhalte sprechen. Da sie es nicht ist, wird nur ein Sieg gegen Würzburg zur Entspannung führen.

Dabei hat Pavel Dotchev auf der Pressekonferenz eine grundsätzlichen Kritik an ihm entkräftigen können. Zu emotionslos wirkt er auf viele MSV-Fans. Diese Pressekonferenz sahen wir ihn von Anfang an in kämpferischer Stimmung. Wir können nur rückschließen, ob er in dieser kämpferischen Weise auch bei Ansprachen vor der Mannschaft motivierend wirken kann. Lethargisch ist er jedenfalls nicht. Auch Ivo Grlic hat seine Sache grundsätzlich gut gemacht. Nicht oft wirkt er zuletzt bei angespannter Stimmung um den Verein so souverän wie in diesem Fall.

Allerdings wurde er auch nichts gefragt, was seine Arbeit als Sportdirektor konkret in Frage gestellt hätte. Ganz allgemein gefragt, ob er irgendwas falsch bei der Vorbereitung gemacht haben, wird jeder etwas erfahrende Mensch antworten, niemand könne immer alles richtig machen. Was soll man da schon anderes sagen? Und Corona war für ihn ein sicheres Terrain, weil alle geimpft sind, Hyginiemaßnahmen eingehalten werden und Infektionen nun einmal dennoch geschehen können. Wer diese Corona-Infektionen beim MSV zum Anlass nahm, die Arbeit dort zu kritisieren, folgt dem Irrglauben dieser Gesellschaft, das Schicksal komplett kontrollieren zu können. Deshalb braucht diese Gesellschaft immer Schuldige. Das erleichtert die Hoffnung, man selbst werde niemals von Leid betroffen sein.

Zurück zur PK. Machmal bringt mich dieses Starren auf die emotionalen Seiten des Fußballs zum Verzweifeln. So sehr bewegte sich das Sprechen immer wieder hin zur Psyche. Wie niedergeschlagen sind alle gerade? Die eigene Mannschaft, der Gegner? Was haben Sie für die Stimmung gemacht? Und schon reden wir über Bauchgefühl und Küchenpsychologie. Pavel Dotchev machte mir die Möglichkeiten eines Vereins wie dem MSV unfreiwillig deutlich. Er hat mit Ivo überlegt, ob sie Szenen des Spiels aus Dortmund mit den Fehlern der Spieler noch einmal zeigen oder nicht. Beide entscheiden aufgrund eigener Erfahrungen. Die Unterhaltungsunternehmen Fußball der Oberklasse haben für solche Entscheidungen eine Abteilung Psychologie, in der basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen Anleitungen gegeben werden, wie Spieler ihre Fehler konstruktiv verarbeiten. Wir sehen, dieses Wissen ist in einem Verein wie dem MSV zufällig vorhanden. Es fehlt einfach das Geld, um es dauerhaft im Verein zu speichern. Pavel Dotchev mag dennoch die richtige Entscheidung getroffen haben. Der nächste Trainer dann vielleicht nicht. Oder auch umgekehrt.

Nun haben wir dennoch auch Fakten rund um die Defensivabteilung erfahren. Wir haben bestätigt bekommen, dass Fehler geschehen und die möglichst nicht geschehen sollen. Wir haben von der Bedeutung von Marvin Bakalorz, Moritz Stoppelkamp und Aziz Bouhadouz erfahren. Wir haben immer wieder über einzelne Spieler gesprochen. Mich wundert, dass eine entscheidende Frage einfach nicht gestellte wurde. Wieso wirkt die Mannschaft so planlos in der Offensive? Das ist eigentlich die einzige Frage, die mich interessiert hätte. Die anderen Fragen konnte sich im Grunde jeder selbst beantworten.

Natürlich ist es wichtig, dass die Verantwortlichen das Offensichtliche auch selbst einordnen und Zeitungen dann darüber schreiben können. Aber manchmal träume ich davon, dass einmal ganz sachlich über den ominösen Matchplan gesprochen wird. An der Stelle lichtete sich kein Nebel. Aber es war ja auch eine Stimmungsreaktions-PK, und Stimmung beantwortet man mit Stimmung. Was gut gelungen ist. Die Menschen hinter dem Trainer und dem Sportdirektor wurden erkennbar. Mir ihrer Energie, die sie in der täglichen Arbeit aufbringen. Was vielleicht hilft. Sicher helfen 3 Punkte gegen Würzburg. Auch das habe ich deutlich als Botschaft von Pavel Dotchev gehört und ebenfalls zuvor schon gewusst.

Der MSV Duisburg und die Unterhaltungsindustrie

Heute morgen formulieren sich drei verschiedene Texte in meinem Kopf. Mir ist noch nicht klar, ob sich diese drei Texte vereinen lassen. Versuchen wir es, vielleicht gibt es morgen eine Fortsetzung mit eigenem Auftritt für eines der drei Themen. Drei Identitäten in mir haben sich nämlich bemerkbar gemacht, während ich mir die Pressekonferenz zur Vorstellung von Pavel Dotchev und ein paar Reaktionen darauf angesehen habe.

Als MSV-Fan gab mir der Auftritt von Pavel Dotchev leise Hoffnung auf den Klassenerhalt. Weil ich von ihm und Ingo Wald zusammen mit allen, denen der MSV etwas bedeutete, in die Pflicht genommen wurde, nun nach vorne zu sehen, begann ich zu überlegen, ob dennoch eine Anmerkung zu Ivo Grlics einleitenden Worten der Entschuldigung angemessen ist. Denn dieser Versuch der Entschuldigung wirft trotz der auch von mir für nötig gehalten Beruhigung im Umfeld Fragen auf.

In dem Moment machte sich zudem ein unabhängiger Betrachter des Gegenwartsfußballs mit seinen Gedanken in mir bemerkbar, welche Positition der MSV in diesem Sport-Segment der Unterhaltungsindustrie einnimmt.

Und schließlich meldete sich auch noch der Soziologe in mir, der die Pressekonferenz als ein hervorragendes Beispiel für Entschuldigungsrituale dieser Gesellschaft ansah. These: Durch die sozialen Medien erhält die Glaubwürdigkeit der Entschuldigungs-Darstellung eine größere Bedeutung als Aufklärung und Verstehen. Gegenthese: Das war immer schon so.

Schauen wir also zuerst nach vorne. Pavel Dotchev lässt für mich keinen Zweifel daran, dass er die Situation einer Mannschaft im Abstiegskampf kennt. Anders als Gino Lettieri besitzt er damit die Grundqualifikation für seine Arbeit. Er weiß, was angesichts der weniger werdenden Spiele an Einfluss durch ihn möglich ist. Zudem bin ich sicher, die Spieler werden zu ihm mehr Vertrauen entwickeln als zu Gino Lettieri und damit auch auf dem Spielfeld freier im Kopf sein. Mehrmals zeigte sich seine besondere soziale Kompetenz auf der Pressekonferenz. Nicht nur band er in vielen Antworten Beteiligte des Vereins mit ein. Zudem musste er sich als erstes anhören, wie Ivo Grlic gefragt wurde, ob mit Uwe Schubert bis zum Saisonende nicht mehr Zeit für einen Neuaufbau geblieben wäre. Mehr Zeit, das ließ sich so verstehen, es könnte bessere Lösungen als Pavel Dotchev geben. Natürlich hätte jeder neue Trainer zu dieser Frage gute Miene gemacht. Mir geht es darum, wie entspannt Pavel Dotchev im Verlauf der PK die Frage noch einmal erwähnt. Damit lässt er sowohl sein Standing erkennen als auch sein Verständnis für den Journalisten. Gute Voraussetzungen, um die Einheit der Mannschaft zu erreichen. Was den Fußball selbst angeht, müssen wir abwarten. Mit meinem grundsätzlichen Optimismus kitzelt da eine – zugegeben – leicht übertriebene Fantasie. Mir gefiele eine Uwe-Neuhaus-Geschichte für Pavel Dotchev mit dem MSV. Späte Aufstiegserfolge für jemanden, den man bislang fast nur in einer Liga gesehen hat. Und nun: Für alle die nur nach vorne blicken wollen, wir lesen uns später wieder.

Denn Spoiler-Alarm: Ein vorläufig letzter Blick zurück.

Zugespitzt ließe sich über den Auftakt der Pressekonferenz sagen, das Volk der Fans hat die Demutsgeste laut gefordert. Das Volk der Fans hat sie erhalten. Ivo Grlic sagte, er habe einen Fehler gemacht und entschuldigte sich bei den Fans. Lassen wir mal die sprachlichen Feinheiten und die Frage nach der Authentizität beiseite. Wer hier länger liest, wird wissen, dass mir der Gedanke, Ivo Grlic müsse sich entschuldigen, sehr fremd ist. Er hat einen grundlegenden Fehler bei seiner Arbeit gemacht. Die Verpflichtung von Gino Lettieri ist aber nur der sichtbare Teil des Fehlers. Wenn Ivo Grlic sagt, die Verpflichtung sei ein Fehler gewesen, ist das banal. Die Entlassung machte den Fehler deutlich genug. Entscheidend bei der Selbsteinschätzung von Ivo Grlic sind also alleine die Überlegungen, die zur Verpflichtung geführt haben. Ohne Erklärung für Gründe der Verpflichtung können wir nicht einschätzen, ob solche Fehler nicht wieder passieren.

Wahrscheinlich aber kann derart offen in der Öffentlichkeit nicht gesprochen werden. Es wird also schwierig bleiben mit dem Vertrauen in Ivo Grlics Arbeit. Deshalb muss ein Teil des Vertrauens durch Ingo Walds Ausführungen über den geplanten Sportvorstand entstehen. Diese Ausführungen führen tief in eine Strukturdebatte, bei der sich der Verein, also seine Mitglieder, darüber klar werden muss, wo er sich im Unterhaltungsbetrieb Profifußball verortet.

Für Ingo Wald ist die Frage nicht beantwortet, ob ein Vorstand Sport im Verein MSV oder in der KGaA angesiedelt sein soll. Die Entscheidung hat Konsequenzen für die Position des MSV im Unterhaltungsbetrieb. Neulich schon habe ich auf die zwangsläufig sich ergebenden Widersprüche zwischen Vereinskultur und Unternehmenspraxis der Spielbetriebsgesellschaften hingewiesen. Immer wieder kommt es bei den größeren Vereinen zu Konflikten zwischen beiden Ebenen. Das beiden Einheiten gemeinsame Ziel Erfolg verdeckt nur die grundsätzlichen Unterschiede bei den jeweiligen Handlungsgrundlagen. Dabei gilt für mich die Faustregel, je kleiner der Verein und je niederklassiger, desto mehr rücken die Einheiten zusammen und entscheiden gemeinsam.

Momentan lässt sich beim VfB Stuttgart der in der Struktur angelegte Interessenkonflikt zwischen beiden Einheiten in Idealform erkennen. Auf der einen Seite gibt es das Unternehmen Fußball mit seinen Bedürfnissen nach Entscheidungshoheit und schnellen Prozessabläufen, auf der anderen Seite gibt es den Verein des Fußballs mit seinen Bedürfnissen nach Mitbestimmung und Einfluss auf die Fußball-Kultur im weitesten Sinn.

Die Frage nach der Zukunft von Ivo Grlic ist deshalb zugleich die Frage nach der Zukunft des MSV in diesem Profifußball, und zwar nicht, weil sportlicher Erfolg damit verbunden ist. Sehr viel grundsätzlicher geht es um die Zukunft. Es geht um die Bewertung, wieviel unternehmerische Unabhängigkeit ist für die Spielbetriebsgesellschaft realistisch. Dass solche Bewertung wiederum Auswirkungen auf die Vereinskultur und die Arbeit der Ehrenamtler im Vorstand hat, versteht sich von selbst.

Wegen solcher langfristigen Auswirkungen bei der Anstellung eines Vorstands Sport, scheint es mir sinnvoll, die Frage nach der Besetzung momentan zurück zu stellen. Denn ohne den Klassenerhalt wird sie hinfällig. Ich glaube nicht, dass Ingo Wald die Frage aus den Augen verliert.

Falls jemand die PK noch nicht gesehen hat.

Ein Muss: Der Mann fürs Planen unter Druck

Seit Sonntag können wir die berechtigte Hoffnung auf bessere Zeiten haben. Seit Sonntag brauchen wir nicht mehr nur auf das Glück zu hoffen. Seit Sonntag wächst mein Vertrauen, dass es dem Verein MSV Duisburg und seiner momentanen Mannschaft in den nächsten Wochen gelingt, wieder in ruhige Fahrwasser zu kommen.

Zunächst zeigte Ingo Wald mit seinem offenen Brief an die „MSV-Familie“ , wie man Zusammenhalt vorlebt. Ihm war klar geworden, dass er sich bei der Pressekonferenz zuvor in den Worten vergriffen hatte und entschuldigte sich. Angesichts des eigentlich zentralen Inhalts der Pressekonferenz hatte ich sogar verstehen können, wie es zu den für ihn ungewöhnlichen Worten der Distanzierung gegenüber MSV-Anhängern kommen konnte. Schließlich beschäftigte sich Ingo Wald in den letzten Wochen damit, die Existenz des MSV abzusichern. Die Übernahme der KG-Anteile durch Capelli garantiert das Überleben des MSV auch für den schlimmsten Fall, den Abstieg. Darüber hinaus drückte dieses Geld Vertrauen in die Arbeit beim MSV aus. Die Bedeutung dieses frischen Geldes wurde angesichts der Abstiegsgefahr und des Unfriedens um Gino Lettierie kaum mehr wahrgenommen. Damit wurde auch die zuvor geleistete Arbeit des Vorstands kaum gewürdigt. Wie lange haben wir im letzten Jahr schon über nötige Investoren gesprochen? In anderen Zeiten hätte diese Pressekonferenz als eine Erfolgsgeschichte erzählt werden können. Diese Möglichkeit gab es nicht mehr.

Zudem birgt schnelles öffentliches Antworten immer die Gefahr pauschaler Sätze. Ein wenig ging mir das im Gespräch mit Studio 47 ebenso, als ich am Freitag unter anderem zu den Aussichten für den MSV in einer möglichen Regionalligasaison befragt wurde. Das Gespräch beginnt bei Minute 1.00.

Ich greife dieses Gespräch deshalb auf, weil ich meinen Blick auf den Verein MSV Duisburg klarer fassen möchte. Oben habe ich zwischen Verein und Mannschaft aus guten Gründen unterschieden. Beim Blick auf die Mannschaft geht es um die mittelfristige Perspektive Klassenerhalt. Hoffnung gibt hier die Verpflichtung der neuen Spieler und des neuen Trainers. Für den Verein aber geht es um langfristige Strukturen. Die Hoffnung hier braucht allerdings noch ein paar Signale aus dem Verein, selbst wenn der offene Brief von Ingol Wald deutlich macht, wie er den MSV in der Stadtgesellschaft verortet sieht. Nicht nur ich denke bei den Signalen an die Arbeit von Ivo Grlic.

Den von Ingo Wald angesprochenen Zusammenhalt braucht der MSV mehr als die Unterhaltungsbetriebe in Bundesliga und Liga 2. Dieses Wort Zusammenhalt aber kommt aus den kulturellen Wurzeln des Vereinslebens. Bei solcher Bedeutung eines ideellen Werts für den Erfolg des Vereins wird es unweigerlich zu Widersprüchen in einem Sport kommen, der sich als Wirtschaftssegment Fußballunterhaltung etabliert hat. Wegen solcher Bedeutung ideeller Werte habe ich den MSV im Gespräch mit Studio 47 in einem Atemzug mit den Spitzenvereinen in der Regionalliga genannt.

Dieser Teil der Identität des MSV kann einerseits in Widerspruch zur angestrebten Professionalität geraten. Andererseits bedingt er die Möglichkeiten der Professionalität. Warum? Weil die immense Bedeutung zugleich ein Symptom des Geldmangels ist. Für das erhoffte Professionalitäts-Niveau auf sportlicher Ebene fehlt Geld, denn Strukturen brauchen Mitarbeiter, die bezahlt werden müssen. Mir geht seit Tagen ein Beispiel aus der Glitzer-Erfolgswelt des Fußballs nicht aus dem Kopf. Neulich habe ich gelesen, beim FC Bayern München gibt es eine Abteilung, die für Datenauswertung und Statistik verantwortlich ist. Diese Abteilung hat 20 festangestellte Mitarbeiter. 20! Diese Mitarbeiter analysieren Spiele und Spieler. Sie stellen Ranglisten auf. Sie arbeiten an Bewertungsgrundlagen und Entscheidungshilfen.

Zwar werden auch Ivo Grlic und das Trainerteam mit Statistiken arbeiten. Die Wahrscheinlichkeit, die falschen Spieler zu verpflichten, ist dennoch größer als beim FC Bayern München, und selbst beim FC Bayern schlagen nicht alle Spieler ein. Mir geht es dabei um den realistischen Blick auf die Mängel von Ivo Grlics Arbeit. Für mich offenbarte die Verpflichtung von Gino Lettieri vor allem den fehlenden konzeptionellem Blick. Die einzelnen Spielerverpflichtungen für sich genommen sehe ich angesichts der Bewertungsmöglichkeiten des MSV gar nicht so kritisch.

Deshalb halte ich es für besser, Ivo Grlic einen Mann für das Konzeptionelle beiseite zu stellen und ihn für die organisatorische Arbeit der Einzelverpflichtung zu behalten als mit einem völlig neun Mitarbeiter komplett neu anzufangen. Sportlich erfolgreich möchte jeder Verein sein. Schwierig wird es, wenn der sportliche Erfolg der Zukunft zugleich den Kredit für die Kostenstruktur der Gegenwart bedeutet. Diesen Zwang zum Erfolg hatte es für den MSV gegeben. Die Zufälligkeit des Fußballs macht Erfolg für Vereine wie den MSV weniger planbar als für Vereine aus der Bundesliga, selbst wenn das Personal keine Fehler macht. Ein Nachfolger von Ivo Grlic wird vor demselben Erfolgsdruck stehen. All die kleinen nun erfolgreichen Vereine sind kein Gegenbeispiel, weil sie in ihren Regionen meist die einzigen Profivereine sind. Ohne die große Konkurrenz in der Nachbarschaft ist es einfacher, erfolgreich zu sein. Mit einem neuen Mann würde es anders werden, ob es besser würde, weiß man vorher nicht. Wir wissen aber, dass Ivo Grlic bei der Verpflichtung einzelner Spieler schon oft richtig lag. Mein Schluss, auch angesichts der Vertragslage: Gebt Ivo Grlic einen Mann für das konzeptionelle Denken an seine Seite. Lasst ihn nicht alleine für die Planungen der nächsten Saison verantwortlich sein. Dann sehen wir weiter.

Hinter Hupen stehen Argumente

Manchmal lässt mich eine der Grundbedingungen des Unterhaltungsbetriebs Fußball verzweifeln. Manchmal ist genau dann, wenn ich mich um die Zukunft des MSV sorge, und die Grundbedingung lautet Emotionalität. Damit lässt sich jedes kritische Geschehen erklären und dementsprechend nichts.

Ich könnte zufrieden sein, weil genau das geschah, was ich gestern befürwortete und entgegen der Meldungen von der sicheren Entlassung Ivo Grlics auch vermutete. Ivo Grlic behält seinen Arbeitsplatz. Ingo Wald sieht momentan keinen Handlungsbedarf. Nun lässt sich trefflich wie die Fans im MSVPortal darüber spekulieren, was dieses „momentan“ bedeutet. Auch die Nachfrage zum Handeln im Sommer ließ Interpretationsspielraum. So ist das immer. Das stört mich alles nicht.

Was mir Sorgen bereitet, sind die nachfolgenden Sätze, mit denen er sich gegen die am Vortag vor dem Stadion protestierenden Fans richtet. Seine Worte machten das Hupen als Protest zu einer erwartbaren Begleitmusik, mit denen Verantwortliche eines Fußballvereins nun mal umgehen müssen. Damit nimmt er eine Erzählweise zur Stimmung unter den Fans auf, die auch Dirk Retzlaff in seinem Kommentar zur Entlassung von Gino Lettieri erwähnt. Die Verantwortlichen hätten die Stimmung unter den Fans unterschätzt und somit habe Gino Lettieri von Beginn an nicht die zweite Chance gehabt, die ihm zugestanden hätte. Das ist leider völlig falsch und eine Dolchstoß-Legende.

Gino Lettieri hatte die besten Bedingungen für seine Arbeit. Kein Publikum im Stadion störte ihn. Kein Publikum wurde unruhig, wenn die Mannschft schlecht spielte. Wo gab es den besagten Einfluss der Fans zu spüren? Hat er sich abends im Internet im MSVPortal die Worte der Fans durchgelesen, weil er sich endlich mal so richtig abgelehnt fühlen wollte? Wir leben in einer Zeit der Abschottung. Er hatte die besten Bedingungen für seine Arbeit, die ein Trainer jemals beim MSV gehabt hat. Deshalb war seine Arbeit in Reinheit zu erleben. Und deshalb macht mir diese Nebelwolke emotionale Fans Sorgen.

Die Stimmung unter den Fans bei Bekanntgabe der Verpflichtung hatte Gründe. Es gab sehr gute Argumente, die gegen ein zweites Engagement von Gino Lettieri sprachen. Diese Argumente waren sehr gewichtig, weil es nicht alleine um ein pauschales „der war beim ersten Mal nicht erfolgreich“ ging. Sofort war sein geradezu zwanghaftes Distanzieren von Misserfolgen seiner Mannschaft ein Thema. Sofort war sein pädagogisches Geschick ein Thema. Sofort war die Abkehr vom im Jahr zuvor gefassten Vorhaben Ausbildungsverein zu sein ein Thema. Sofort waren seine Fähigkeiten taktisch variabel zu spielen ein Thema. Das waren keine Emotionen, das waren sachliche Gründe.

Nun möchte Ingo Wald Ivo Grlic aus der Schusslinie nehmen, wenn er immer wieder betont, dass die Gremien entscheiden und entschieden haben. Wer aber hat in diesen Gremien so viel Kenntniss vom Fußball, dass er eigenständig die bis dato gesehene Arbeit von Gino Lettieri bewerten kann? Wie können wir uns das vorstellen? Gibt es Fachgespräche zu den Auswirkungen der Verpflichtung auf das Konzept? Gibt es Fachgespräche über das Fußball-Wissen von Gino Lettieri? Ich kann diese Gremiengespräche nicht beurteilen. Ich habe aber Mühe mir vorzustellen, dass dort auf Augenhöhe diskutiert wird. Als Fachmann des Fußballs sehe ich bei diesen Gesprächen nur Ivo Grlic in fortwährender Erklärung und Überzeugungsarbeit. Es wäre schön, wenn es anders wäre.

Ich kann mir den Druck nur annähernd vorstellen, unter dem Ingo Wald steht, um dem MSV Duisburg eine tragfähige Zukunft zu geben. Ich schätze seine Arbeit bislang sehr, seine sachliche, ausgleichende Art und sein immer offenes Ohr für Stimmen aus dem Fanumfeld. Gerade deshalb sorgen mich seine Worte zu den hupenden Fans. Sie sorgen mich, weil mit ihnen die Argumente der Fans hinter dem Nebel Emotionalität verschwinden. Sie sorgen mich, weil ich nicht erkennen kann, dass in besagten Gremien des Vereins der grundlegende Fehler, Gino Lettieri verpflichtet zu haben, in aller Wahrhaftigkeit bewertet wird. Wenn diese Sorgen zu groß werden, kann ich dann nur noch hoffen, sie entstehen vor allem deshalb, weil die Verantwortlichen beim MSV die Fallstricke von öffentlichem Sprechen nicht kennen; Fallstricke, die immer ausliegen, wenn nur die Emotion als Kritik wahrgenommen wird.

Ratlos machen Teufelskreise beim MSV

Eines ist für mich klar, in jedem anderen Unternehmen außerhalb der Fußballbranche hätte mit der Entlassung von Gino Lettieri auch Ivo Grlic den Arbeitsplatz verloren. Eine vergleichbare Fehlentscheidung wie dessen Verpflichtung vor drei Monaten würde nirgendwo ohne Folgen bleiben. Das kann die Versetzung innerhalb des Unternehmens sein oder gar die wohlbekannte einvernehmliche Trennung.

Wer in der Krise eines Unternehmens jemanden zur Problemlösung anstellt, der nirgendwo vorher irgendeine Kompetenz bewiesen hat für den Umgang mit solch Krisen und der dann alles schlimmer macht, verliert das Vertrauen der Geschäftsleitung. So viel könnte niemand erklären, um das Vertrauen in seine Entscheidungen wiederherzustellen. Und ich denke gar nicht daran, dass mit der Lettieri-Verpflichtung die Unternehmensphilosophie Ausbildungsverein MSV nebenbei in die Tonne gehauen wurde. Ich denke daran, dass Gino Lettieri die absolut nötige berufliche Kompetenz zur Bewältigung einer Krise komplett fehlt.

Gino Lettieri kann keinen Zusammenhalt herstellen, die grundsätzliche Voraussetzung, um Krisen zu bewältigen. Er selbst war während seines ersten Engagements nie verantwortlich für irgendein Handeln in den seinerzeit ebenfalls vorhandenen großen und kleinen Krisen. Wenn seine Mannschaft verlor, waren das immer die Spieler, die all seine guten Pläne zunichte gemacht hatten. Er hatte ihnen immer alles genau gesagt und trotzdem machten die Spieler die Fehler. So ein Mann wurde verpflichtet mit all den voraussehbaren Konsequenzen. Eine Mannschaft steht momentan nicht mehr auf dem Platz.

Ivo Grlic hätte also bei Krohne, wo Vereinsvorstand Ingo Wald ja Geschäftsführer ist, sicher nicht mehr die Kompetenzen wie vor seiner Personalentscheidung. Angesichts der öffentlich zugänglichen Informationen aber, sehe ich keine Möglichkeit zur Entlassung von Ivo Grlic zum jetzigen Zeitpunkt. Es entstünde eine Leerstelle, die nicht von jetzt auf gleich gefüllt werden kann. Wer soll die Leerstelle im Verein füllen? Zudem fehlt für eine Neuanstellung wahrscheinlich das Geld. Ein Teufelskreis. Sofort sind wir bei den Finanzen, den Besonderheiten der Fußballbranche im Allgemeinen sowie denen eines Vereins wie dem MSV.

RWO-Präsident Hajo Sommers hat neulich sehr drastisch deutlich gemacht, dass ein Abstieg aus der Zweiten Liga in die Dritte Liga eine finanzielle Katastrophe wegen der Fixkosten ist und Vereine, die aus der Regionalliga aufsteigen, es dagegen sehr viel leichter haben. Der MSV ist in dieser zugespitzten Absteiger-Situation, sie ist eine doppelte, weil der Aufstieg letzte Saison nicht gelang und die Kostenstruktur wahrscheinlich auf den Aufstieg ausgerichtet war.

Wo sollte der MSV also die übergeordnete sportliche Kompetenz hernehmen? Wo sollte das Korrektiv für Ivo Grlic herkommen? Wer sollte das bezahlen? Es hat ja anscheinend einen Plan gegeben, eine übergeordnete Position zu besetzen. Jetzt aber brennt es lichterloh. Das Feuer muss erstmal gelöscht werden, ehe alle wieder mit Ruhe perspektivisch denken können. Denn längst sind die Zweifel viel zu groß, ob der Verein überhaupt die Gelegenheit haben wird, im Hinblick auf die sportliche Entwicklung perspektivisch denken zu können.

Rational wäre es, Ivo bis zum Ende der Saison seine Arbeit machen zu lassen. Das ist schwierig angesichts der Stimmung unter den Fans. Wäre der Fußball eine normale Wirtschaftsbranche könnte so eine Lösung der Presse mitgeteilt werden und am Ende der Saison wären die Fakten da, um vernünftig zu entscheiden. Die Fußballbranche hat ihre Besonderheiten, von denen die Unzuverlässigkeit in Sachen sportlicher Erfolg eine der größeren Schwierigkeiten ist.

Wenn nun in Krisenzeiten ehemalige Spieler allerlei kritisieren, so ist das für den MSV seit 2013 mit Vorsicht zu genießen. Tomas Hajto erzählt von seiner größeren Verbundenheit mit Schalke, weil die ihm immer einen Blumenstrauß zum Geburtstag schicken. Da sind wir mehr beim Thema persönliche Eitelkeit. Jeder, der den MSV in den letzten Jahren verfolgte, wird sofort die Frage stellen, wer hätte sich um die persönliche Betreuung verdienter Spieler kümmern sollen? Alles eine Frage des vorhandenen Personals. Mir fallen sofort viele andere Spieler ein, die auch einen Blumenstrauß vom MSV verdient haben. Tomas Hajto ist im Grunde seines Herzens also ein selbstloser Wirtschaftsförder und denkt an den Jobmotor Geschäftsstelle MSV, wenn dort die zusätzlichen Mitarbeiter für die Blumensträuße eingestellt werden. Und das nötige Geld? Ein Teufelskreis.

Ernster ist schon Dietmar Hirsch zu nehmen, wenn er bei Facebook beklagt, ehemalige Profis vom MSV fänden zu wenig Gehör. Ernster deshalb, weil er nach seiner Spielerkarriere auch als Trainer und Vereins- bzw. Unternehmensgründer erfolgreich war und ist. Andererseits: Was war Ivo Grlic nochmal beim MSV, bevor er die sportliche Leitung übernahm? War der nicht mal Fußballprofi und Legende? Dunkel erinnern wir uns. Ganz so einfach ist das also auch nicht mit der Einbindung ehemaliger Profis. Die einen Profis haben die eine Meinung und jene Kompetenzen, die anderen sehen wiederum den Erfolg mit ganz anderen Mitteln und haben andere besondere Fähigkeiten. Ex-Fußballprofi-Sein langt also mal nicht als berufliche Qualifikation für eine Anstellung beim MSV. Er müsste ins unternehmerische Konzept des MSV passen. Das muss aber erstmal wieder aus der Tonne geholt werden, sobald der Ausgang der Saison feststeht. Dieser Ex-Fußballprofi müsste zudem einige planerische und strategische Fähigkeiten mitbringen. Die wiederum scheint Dietmar Hirsch zu besitzen. Unternehmerisch denken kann er anscheinend auch. Aber alles ist eine Frage der Finanzen. Wie aus dem bekannten Teufelskreis ausbrechen?

Mein Glaube braucht auch Fakten – Samt Tabellenrechner-Soll-Haben-Quatsch

Seit dem Spiel gegen die Viktoria bin ich wieder raus. Ihr wisst, mich regen diese Spiele des MSV am Fernseher einfach zu sehr auf, weniger wenn es schlecht läuft für den MSV, als wenn die Zebras schlecht spielen. Samstag war ich während des Spiels vom MSV gegen Halle kurz bei meiner Mutter. Im Nebenzimmer lief die Übertragung. Die beiden Gegentore hatte ich zum Glück nicht sehen müssen. Doch die Bewegtbilder zogen mich an. Hin und wieder wagte ich einen Blick.

Sofort war ich mit einem Fehlpass auf drei Metern konfrontiert. Beim nächsten Blick sah ich eine Balleroberung, der ein weiter Pass ins Nichts folgte. Ich sammelte noch einen Torschuss aus etwa zwanzig Metern, der vier, fünf Meter über das Tor ging; den Versuch unbedrängt zu einem völlig frei stehenden Mitspieler über 15 Meter abzuspielen, dieser Ball ging ins Aus; außerdem einen Eckball, der gefahrlos geklärt wurde.

Das war eine Zufallsauswahl, anscheinend zum falschen Zeitpunkt. Denn irgendwas haben die Zebras dann ja wohl doch richtig gemacht. Das Spiel endete schließlich mit 2:2. Wenn ich diese erfolgreicheren Versuche ein Tor zu erzielen im Wechsel mit diesen Fehlern der Mannschaft gesehen hätte, könnte ich heute wahrscheinlich kein Wort schreiben, zu sehr hätte ich mich aufgeregt.

Das muss ich glauben, wenn ich mir über so etwas Gedanken mache. So wie alle beim MSV laut Ivo Grlic an den Aufstieg glauben. Das sprang mir gerade im dahin ziehenden Timeline-Fluss ins Auge. Irgendwer hat es retweetet und natürlich weiß ich nicht, ob auch diese Sätze im Original aller Verleumdungsorgane, echt nur mit vier Buchstaben, erfunden sind. Ist in dem Fall aber auch egal. So oder ähnlich muss es natürlich ein Verantwortlicher des MSV vor den letzten zwei Spieltagen sagen.

Glauben ist ja etwas anderes als hoffen, das hat mehr Nachdruck. Ich selbst habe mit dem Glauben ein paar Schwierigkeiten. Ohne Nachweise für den Glauben tue ich mich schwer. Das muss was mit den Genen zu tun haben. Schon als Kind konnte mich deshalb der alte Ruhrorter Pastor, der den katholischen Religionsunterricht an der Grundschule verantwortete, nicht wirklich von seinem Verein überzeugen. Ich wollte Beweise.

Da dachte ich dann abends vor dem Einschlafen, du bist doch allmächtig, lieber Gott, also mach es mir ein bisschen einfacher, an dich zu glauben. Zeig mir, dass es dich gibt. Das sollte gar nichts Großes sein. Ich wäre schon zufrieden gewesen, wenn mein Ball am nächsten Morgen in der anderen Ecke vom Zimmer gelegen hätte. Das klappte schon mal nie. Ein anderes Mal wollte ich es ihm wohl einfacher machen. Ich dachte, vielleicht ist er eher bereit etwas zu machen, was er im Vorbeigehen bei sich zu Hause zeigt, so ein Himmelszeichen.

Doch nichts geschah da oben, während ich in den schwarzen Nachthimmel hinaufstarrte. So ließ ich es schlechten Gewissens mit dem Glauben. Andererseits kann es natürlich auch an dem unsympathischen Vertreter des Glaubens gelegen haben und seiner schwarzen Pädagogik. Mein Gott, was hat der Mann im Unterricht herumgeschrien. Wir waren so klein und er so jähzornig. Wie soll man denn bei so einem Mann auf die Idee kommen, er habe irgendwas anzubieten, was für das Leben hätte von Wert sein können.

In dieser Hinsicht ist Ivo Grlic gegenüber diesem damaligen Vertreter der katholischen Kirche im Vorteil. Ich wäre sehr geneigt, seinem Glauben anzuhängen. Andererseits fehlen mir auch in dem Fall wenigstens kleine Beweise für den Glauben. Es fehlt die überzeugende Leistung der Zebras, die mir und vor allem den Glaubensanhängern im MSV selbst sagt, ihr werdet im nächsten Spiel eine Mannschaft schlagen, die in diesem Corona-Special noch nicht verloren hat. Aber wer weiß, vielleicht werde auch ich in meinem Leben noch bekehrt. Ich möchte es so gerne glauben.

Wer noch noch nachschauen will, wie meine Tabellenrechner-Prognose am 33. Spieltag von der Realität abweicht, bitte schön. Vor der Klammer stehen die aktuell erreichten Punkte. In der Klammer stehen prognostizierte Platzierung und Punkte am Ende der Saison. Hinter der Klammer steht jene Punktezahl, die bislang von meiner Prognose abweicht und der sich daraus ergebende Tabellenplatz am Saisonende, sollten meine Prognosen nun alle eintreffen.

1. FC Bayern München II 64 (1. mit 70 P) +/- 0 = 1. mit 70 P

2. Würzburger Kickers 63 (2. mit 67 P) + 2 = 2. mit 69 P

3. Eintracht Braunschweig 61 (4. mit 66 P) + 1 = 3. mit 67 P

4. FC Ingolstadt 60 (7. mit 60 P) + 5 = 4. mit 65 P

5. MSV Duisburg 58 (3. mit 66 P) – 5 = 6. mit 61 P

6. Hansa Rostock 56 (5. mit 64 P) – 2 = 5. mit 62 P

7. Waldhof Mannheim 55 (6. mit 63 P) – 5 = 7. mit 58 P

8. SV Meppen 52 (12. mit 48) + 4 = 10. mit 52 P

9. TSV 1860 München 55 (8. mit 59) +/- 0 = 8. mit 59 P

10. SpVgg Unterhaching 50 (9. mit 56) – 3 = 9. mit 53 P

37. Spieltag

38. Spieltag

Die Jubiläumswochen – 4. September 2010 – Schon damals hat Ivo Grlic ein Gedicht verdient

Zehn Jahre Zebrastreifenblog – ein Anlass, um in den Jubiläumswochen bis zum Saisonstart zurückzublicken. Mit dem Text heute möchte ich Ivo Grlics Arbeit für den MSV würdigen. Allerdings geht es zunächst um seine Spielerkarriere. Denn noch habe ich kein Huldigungsgedicht auf die Arbeit von Ivo Grlic als Sportdirektor geschrieben. Notiz an mich selbst: Mach mal bald eins, verdient hat er es. Bis das Sportdirektoren-Gedicht fertig ist, hole ich deshalb das ihm gewidmete Spieler-Gedicht hervor. Es feiert Ivos Leistung als Freistoßschütze. In der Saison 2009/2010 spielte der MSV gegen den TSV 1860 München. Zuvor hatte Ivo per Freistoß gegen Rot Weiß Ahlen, wo Sascha Kirschstein im Tor stand, und gegen den VfL Osnabrück mit Tino Berbig im Tor, jeweils ein Tor erzielt. So stellte ich mir vor, welche Gedanken sich der Löwen-Torwart Gabor Kiraly über Ivo Grlic als Freistoßschützen wohl machte.

 

Gabor Kiraly bekommt langsam Angst – veröffentlicht am
4. September 2010

Wie kriegt es nur der Trainer
in alle Spielerköpfe rein?
In unser´m Strafraum foulen: Ja!
In Strafraumnähe aber: Nein!

Wie ändert er für´s Spiel in Duisburg
die Kampf-um-Ball-Normalität?
Das Grätschen nur nach Strafraumgrenze!
Nicht früh das Tackling, sondern spät!

Beim Sondertraining Defensivverhalten,
ist immer einer, der´s vergisst.
Doch nur der Elfer lässt mir Chancen.
Ein Freistoß macht mich zum Statist.

Was nutzt die Zehn-Mann-Freistoßmauer
bei Grlics Schüssen mit Effet?
Nichts ist zu sehen. Dann Ball im Tor
und IvoIvo-Ruf-Tournee.

So Ivo, Ivo: Das will keiner.
Da könnt ihr Tino Berbig fragen,
Kollege Kirschstein, wen auch immer.
Ein Torwart will das nicht ertragen.

Nach außen stark, Mund abgeputzt
und Grlic-Freistoß-Trauma innen.
Zu siebzehnt etwa nächstes Jahr
die Gruppentherapie beginnen?

Wie kriegt es nur der Trainer
in alle Spielerköpfe rein?
Wenn überhaupt kann ich in Duisburg
nur der Elfmetertöter sein.


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