Posts Tagged 'Ivo Grlic'

Zufrieden in der Sommerpause

Im Zebrastreifenblog herrschen gerade ruhige ZeitenDie Sommerpause ist dafür erst in zweiter Linie der Grund. Die Arbeit von Ivo Grlic entspannt mich vor allem und lässt mir Zeit für die Vorbereitung eines unterhaltsamen Abends zur Historie des Ruhrgebiets am Freitag, den 8. Juni um 19.30 Uhr bei Tausendundein Buch in Neudorf. 

Das Verkünden von Neuverpflichtungen in schneller Abfolge sofort nach dem letzten Spieltag zeigt einmal mehr, die Arbeit beim MSV Duisburg geschieht kontinuierlich auf die Zukunft hin gerichtet und hat eine langfristige Perspektive. Versucht wird das mit Sicherheit von fast allen Vereinen. Gelingen kann das nur, wenn Spieler dem Verein und den Verantwortlichen vertrauen. Nur dann sind Vereine wie der MSV Duisburg nicht grundsätzlich darauf angewiesen zu reagieren. Sie müssen nicht bei jedem Spieler abwarten, ob er nicht hofft, ein besseres Angebot zu bekommen. Nur dann überwiegt das Agieren, nur dann behält ein Verein die Handlungshoheit beim Kaderaufbau. Nicht die Not bestimmt dann das Handeln sondern der eigene Plan.

Wenn nach dem Verkünden der Neuverpflichtungen zudem Ivo Grlic der lokalen Presse ein Interview gibt, um schon jetzt die Perspektiven für die neue Saison abzustecken, gehört auch das zur Grundlage eines erfolgreichen Abschneidens des MSV in der kommenden Saison. Er betont, die zweite Saison nach dem Aufstieg sei die schwerere Saison und deshalb sei der Klasssenerhalt erneut das vorrangige Ziel. Damit kann ich leben. Einmal mehr weiß ich aber auch, mit diesem Wissen auf noch mehr hoffen ist jederzeit möglich.

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Impressionen vom Zebra-Traditionsmarkt nebst Niederrheinpokal-Realismus

Noch immer dauert es ein paar Tage, bis der MSV Duisburg im Spiel gegen Lotte hoffentlich den Schritt Richtung Aufstieg macht, den er in Aalen verpasst hat. Als Testspiel für mich als Zuschauer steht heute Abend das Niederrheinpokalhalbfinale gegen Rot-Weiß Oberhausen an. Ein weiteres Training gibt es bis Samstag nicht für mich. Ich bin gut vorbereitet für heute Abend, weiß aber noch nicht genau, wie dringend ich für den Samstag ein Vorzeichen brauche. Entsprechend wird meine Haltung im Spiel sein. Vielleicht werde ich auf eine Niederlage hoffen, damit kennen wir uns seit dem April 2015 als Vorprogramm zum Aufstieg aus. 

Wahrscheinlich ist in diesem Jahr die Stimmung unter den Anhängern des MSV auch deutlich entspannter als vor zwei Jahren. In diesem Jahr sollte doch fast allen bewusst sein, welche Bedeutung dieses Pokalspiel im Vergleich zum notwendigen Aufstieg hat. Das war vor zwei Jahren nicht der Fall. In diesem Jahr wissen die meisten trotz der aufkommenden Derby-Stimmung, der Aufstieg ist alles. Und der Niederrheinpokal? Wenn es denn mit dem entsprechenden vorsichtigen Engagement passen sollte, gut; ansonsten bitte, ihr Rot-Weißen, ab ins Finale. Außerdem sagt Ilia Gruev im Gegensatz zu Gino Lettieri damals klarer, was uns als Zuschauer in Oberhausen erwartet. Schauen wir also mal, und bis dahin könnt ihr euch ein paar Impressionen vom Zebra-Traditionsmarkt gestern ansehen. Erinnerungen wurden wach, und auf Reliquienhandel haben die Katholiken kein Monopol.

 

In der Warteschleife oder Sind Fußballer die Rockmusiker der Gegenwart?

Gott sei Dank, mir hilft bald wenigstens der Karneval bei diesem Warten auf das erste Spiel des MSV Duisburg nach der Winterpause. Ab dem Wochenende schon. Dann gehts nochmal zur Aftershow-Party der Stunksitzung, dann Pre-Wieverfasteloovend-Planung, dann Wieverfasteloovend-Heiligabend, dann Wieverfasteloovend, dann Geisterzug, Veedeslzoch, dann Spieltag. Endlich. Mich interessiert beim MSV zurzeit nichts. Wasserstandsmeldungen vom Training lege ich beiseite. Mich langweilten Dönekes aus Belek. Die Ergebnisse der Testspiele ließ ich an mir vorbeiziehen. Das Warten auf Tomané tarnte sich in meinem Warten perfekt. Das nennt der Biologe Evolutionsprinzip. Alles unwichtig. Ich denke an fünf Punkte Rückstand, an acht Punkte, an Bielefeld und versuche meine klitzekleine letzte Hoffnung beisammen zu halten während all des Wartens. Doch je länger ich warte, desto schwieriger ist es, sich nicht an das Spiel gegen den VfL Bochum zu erinnern. Warten ist nicht schön.

Das merkt gerade Ivo Grlic ganz besonders. Nicht mal er weiß, warum dieses Fax mit Unterschriften aus Portugal nicht in Duisburger Büroräume endlich reinzirpt – die Freigabe, damit Tomané auch mal einen Ball auf Meidericher Rasen berühren kann. Vom Runden im Eckigen wollen wir vorerst noch ganz schweigen. Wie aber kann man nun auf die Idee kommen, die Blockade durch den abgebenden Verein Vitoria Guimaraes dem MSV anzulasten? Auch nach langem Nachdenken komme ich einfach nicht darauf.  Peinlich ist an dem Vorgang für den MSV überhaupt nichts. Ärgerlich ist das und zwar deshalb, weil ein anderer Verein sich nicht an Verträge hält. So was geschieht. Normalerweise folgt dann der Rechtsweg, was dem MSV momentan nicht sehr viel weiter hilft. All das hat auch mit den finanziellen Möglichkeiten des MSV Duisburg zu tun. Jede Verpflichtung, die sich vom Durchschnittsleistungsniveau des Kaders abheben könnte, birgt ein Risiko. Ob das nun die potentielle Verletztungsanfälligkeit des Spielers ist oder das Geschäftsgebaren der Vertragspartner. Wäre das  nicht so, hätte der MSV keine Chance, diese Spieler zu verpflichten. Der Risikoabschlag macht das Geschäft erst finanzierbar.

Bei Übernachtungspreisen für Fußballvereine ist es seit einiger Zeit genau umgekehrt. Wenn Fußballvereine kommen, steigen die Preise wegen des Vandalismus-Risikos. Ob nun auf Fluren gepinkelt wird, Blumenkübel umgeschmissen werden oder Betten zu Bruch gehen, gerade in Wintertrainingslagern und bei Wochenendübernachtungen zum Saisonende lassen es manche Spieler gerne mal so richtig krachen. Einer muss es ja machen, seitdem der Rockmusikernachwuchs sich mehr dem Leistungsprinzip und der harten Arbeit verpflichtet fühlt als dem Rockmusiker-Rollenmodel der 60er und 70er Jahre. So bin ich Nick Proschwitz sehr dankbar. Wir brauchen solche konservativen Menschen zurzeit. Menschen, die zu alten Werten stehen, damit die Gesellschaft nicht auseinanderfliegt. Davon ab habe ich die Unruhe in Paderborn um seine heruntergelassene Hose mit gewisser Zufriedenheit beobachtet. So was stört die viel beschworene Einheit, und alles, was den Gegner schwächt, hilft dem MSV Duisburg weiter. Ein Hoch auf Nick Proschwitz‘ selbstlose Unterstützung des MSV Duisburg. Dazu ein Hoch auf Kleiderordnungen und Ilia Gruev. Bochum? War da was mit Bochum?

Applaus für ein Reviersport-Interview mit Ivo Grlic

Wer sich im Fußballgeschäft in Zeiten schlechter Ergebnisse öffentlich äußert, begibt sich aufs Hochseil, besonders dann, wenn er den einmal eingeschlagenen Weg seines Vereins weiter vertreten möchte. Einerseits müssen Gründe für die schlechten Ergebnisse angesprochen werden, ohne dass sie nach Ausreden klingen. Andererseits brauchen die gesprochenen Worte einen zuversichtlichen Klang, ohne die üblichen Klischees der Fußballersprache zu sehr zu beanspruchen. Das sind oft nur Nuancen der Sprache, denn wir alle wissen, ganz kommt niemand an solchen Klischees vorbei. Über den Fußball, gerade in erfolglosen Zeiten einer Mannschaft, ist wie über die Liebe fast alles schon einmal gesagt worden. Es kommt darauf an, solche Klischees anderes einzufärben.

Auf dieses Hochseil hat sich Ivo Grlic in einem Interview mit dem Reviersport begeben. Es ist überaus lesenswert, nicht weil er uns etwas Neues zu erzählen hätte, sondern weil er seine Sicht auf die derzeitige Lage, auf eine so seriöse und gleichzeitig Hoffnung machende Weise ausspricht, wie ich sie beim MSV Duisburg von einer sportlichen Leitung gerade nicht mehr erinnere. Vielleicht hatte Bruno Hübner ebenfalls das Potenzial, auf diese Weise mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Wir wissen aber auch, die Freiheit im Handeln hatte er nicht zu Zeiten der Präsidentschaft Walter Hellmichs.

Insofern gibt dieses Interview auch einen Einblick in die Arbeit des MSV auf der Verwaltungsebene. Wenn ein Sportdirektor sich derart äußert, verweist das auf eine gut funktionierende Arbeitsteilung, auf Rückhalt im Verein und auf Selbstbewusstsein der jeweiligen Mitarbeiter in den verschiedenen Arbeitsbereichen dieses Vereins. So ein Interview verweist auf eine gut funktionierende Binnenkommunikation. Es verweist auf ein gutes Gespür für Pressearbeit, für den richtigen Moment sich öffentlich zu äußern. All das ist notwendiges Fundament für den sportlichen Erfolg, auf den wir alle so sehr hoffen.

Mein Rückfall in die Dramasucht

Als ich Samstag vor dem Spiel des MSV gegen den FC Porto auf das Stadion zulief, beschlich mich plötzlich eine Sorge. Die Sonne schien. Die Leute um mich herum waren ausnahmslos gut gelaunt. Unaufgeregt wurde miteinander geredet. Entspannte Zufriedenheit lag in der Luft. Mit einem Mal verblassten alle Worte von Ivo Grlic und Gino Lettieri über den wahrscheinlichen Kampf gegen den Abstieg in der kommenden Saison. Mit einem Mal sah ich einen MSV der nahen Zukunft, der sich sehr schnell den Mittelfeldtabellenplatz dauerhaft sichert. Mit einem Mal sah ich mich vor einer Saison ohne Hoffnung auf den Anschluss nach oben und ohne Sorge vor dem Absturz zurück in die 3. Liga. Ich wurde unruhig. Ich spürte das Gipern meiner Dramasucht.

In den Wochen nach der Lizenzverweigerung hatte ich meiner Sucht abgeschworen. Ich lag mit dem MSV am Boden und sehnte mich nach Normalität. Angesichts des drohenden Zusammenbruchs schwor ich mir, zukünftig mit jeder mittelmäßigen Spielzeit zufrieden zu sein, wenn es überhaupt nur weiterginge. In der aufregenden Zeit vor dem Aufstieg habe ich offensichtlich einen Rückfall erlitten.

Anfang Juni hätte ich die Zeichen schon erkennen können. Längst war ich wieder zu einem Mann geworden, der ein „Kissen zur Sitzerhöhung“ nur kaufte, weil sein „unsachgemäßer Gebrauch“ große Gefahren erwarten ließ. „Keine Haftung“ wollte der Hersteller dafür übernehmen. Ein wohliger Schauer überkam mich, weil nur das „sorgfältige Lesen“ einer „Gebrauchsanleitung“  mich vor dem Lebensrisiko durch das „Kissen zur Sitzerhöhung“ wappnete. Dieses Kissen barg so viele Gefahren, dass man sie alle gar nicht behalten konnte. Deshalb wurde angeraten, die „Gebrauchsanleitung für „späteres Nachlesen“ aufzubewahren. Jedem, dem ich das Kissen weitergeben wollte, sollte ich auch die „Gebrauchsanleitung“ übergeben. Welch aufregende Zeiten waren von einem Kissen zu erwarten, das „kein Kinderspielzeug“ war und das nicht mehr verwendet werden durfte, wenn es „sichtbare Schäden“ aufwies. Ich war so weit, dass ich niemals wie verlangt  einen „Fachmann“ herangezogen hätte, um bei Schäden das Kissen zu reparieren. Wieder abgestiegen in die Tiefen meiner Dramasucht übernehme ich solche gefahrvollen Tätigkeiten selbst.

Aber erst vor dem Stadion war mir endgültig klar, wie sehr ich das Drama wieder brauche. Ich fürchtete das Gleichmaß des Gewinnens und Verlierens, bei dem es um nichts anderes als das Spiel der Gegenwart ginge. Ich wollte die großen Gefühle. Ich wollte die Intensität, die sich nur durch die Gefahr des Scheiterns ergibt. Ich wollte keine Abstiegsangst-Tranquilizer aus dem Neururschen Hausmittelversandhandel. Ich wollte, dass es in der nächsten Saison wieder um etwas Großes geht.  Zu Hause habe ich mir deshalb sofort mehrmals die Einschätzungen von Ivo Grlic und Gino Lettieri vorgenommen, dass es für den MSV in der kommenden Saison um nichts anderes gehen kann, als den Abstieg zu vermeiden. Noch besser wurde es dann mit der Saisonprognose beim Rotebrauseblogger. Für alle Zweitligamannschaften hat er die Endplatzierungen wohlbegründet zusammengestellt. Platz 15 bis 18 erwartet er für den MSV. Das ist mal ein Wort, für das ich in den nächsten Tagen immer einen Tab im Browser offen halte, um bei Entzugserscheinungen schnell drauf schauen zu können. So lange, bis neuer Stoff ins Haus kommt. Vielleicht schreibe ich den auch mal selbst. Es gibt ja noch ein anderes Ende der Tabelle. Auch Dramasucht braucht immer Nachschub.

Ausgezeichnet mit dem mediengeprüften Neururer-Siegel

Das hat man doch gerne, wenn der Ex über einen tratscht und gönnerhaft feststellt, doch, doch, die habe das Leben einigermaßen im Griff, scheint ganz gut klar zu kommen mit dem Neuen. Soll man zufrieden sein, wenn so ein Verflossener feststellt, man sei demnächst wahrscheinlich nicht ganz unten? Ist das nicht demütigend? Aber es ist ja nicht mal sicher, ob alle  Zuhörer überhaupt noch wissen, dass sie mal was miteinander hatten.

Der Peter hat nichts Böses im Sinn. Der Peter ist so. Der tratscht immer überall über alle, mit denen er mal was hatte. Der braucht das und findet immer  jemanden, der ihm die Bühne gibt für seinen Tratsch. Unterhaltsam soll er ja sein, und unterhaltsam, das muss heute, wenn es um Fußball geht wie bei Sport und Musik im WDR 2. So eine Redaktion möchte eben möglichst reibunglos und unaufwändig die Arbeit erledigt wissen, und beim Peter wissen sie, woran sie sind.

Als ich Samstag auf dem Weg nach Duisburg war, habe ich beim Zappen durch die Radiosender nur noch Peters abschließendes Urteil mitbekommen, mit dem Abstieg würden sie nichts zu tun haben. Die unglaublich aufgeräumte Moderatorin schmetterte daraufhin dem zweiten Gesprächspartner am Telefon irgendwas Erwartungsvolles entgegen, nach dem Motto: „Was sagen Sie denn jetzt dazu?“ Es klang nach: „Begeistert sie die frühe Rettung vor dem Abstieg nicht?“ Erst als Ivo zu sprechen begann, wusste ich das Urteil von Peter, dem Fußballgütesiegel-Verwahrer, hatte dem MSV gegolten. Ich musste Ivo bewundern, dass er der Moderatorin sachlich antwortete und ihr nicht durchs Telefon an die Gurgel ging.

Stattdessen ärgerte ich mich für ihn. Ich will von Peter Neururer kein einziges Wort mehr über den MSV Duisburg hören. Von jetzt auf gleich klang alles, was er gesagt hatte, so anmaßend für mich. Worte, die ich ja fast alle gar nicht gehört hatte. Ich war plötzlich mit dem MSV seine Ex, und ich fand es unverschämt, dass er es aus der Ferne wagte zu urteilen. Irgendwie hatte ich was Persönliches mit ihm. Vielleicht weil mir momentan ohnehin manches Geschehen im Fußball gehörig auf die Nerven geht. Vielleicht war Peter Neururer pötzlich mein Symbol für das Mediencredo, Fußball als Spaß- und Unterhaltungsangebot zu inszenieren. Mich nervt das. Mich nervt dieser pseudosachliche Umgang mit Peter Neururer, der seinen Werdegang als Trainer völlig außer Acht lässt. Mich nervt diese aufgesetzte Seriösität, wenn Urteile gewünscht sind und gleichzeitig klatschen alle Medienmacher nur begeistert in die Hände und rufen, unterhaltsam, wir preisen dich, unterhaltsam, wir loben dich, unterhaltsam, großer Peter.

Ich war auf dem Weg zum Spiel des MSV gegen den FC Porto. Viel will ich dazu gar nicht schreiben. Es war ein früher Abend zum Wohlfühlen für mich. Ich erwartete nichts und freute mich, wie der MSV in der ersten Halbzeit mithalten konnte. Ich finde nicht, dass das zu Beginn der zweiten Halbzeit noch anhielt. Direkt nach Wiederanpfiff war klar, nun war es nur noch eine Frage der Zeit bis der Führungstreffer des FC Porto fiel. Der Druck wurde größer.

Mithalten bedeutet, frühes Pressing machte dem FC Porto das Aufbauspiel schwer. Bälle konnten erobert werden und ein schnelles Spiel des FC Porto konnte meist unterbunden werden. Mithalten bedeutet auch, schnelles Umschaltspiel funktionierte gut. Ein Aufbauspiel aus der Abwehr heraus funktionierte gegen einen Gegner wie den FC Porto gar nicht. Dazu brauchten die Spieler des MSV zum einen zu viel Zeit, um Bälle unter Kontrolle zu bekommen. Jeder Ball, der einem Spieler des MSV nur ein wenig versprang, war schon ein toter Ball. Zum anderen fehlten überraschende Laufwege, die Räume öffneten. Die Defensive des FC Porto war zu gut organisiert.

Dennoch waren die Spieler des MSV Duisburg gegen diese sehr gute Defensive präsent. Alleine Zlatko Janjic stemmte sich nicht gegen diese stete attackierende Defensive. Er tauchte ab. Was wir auch aus der Hinrunde der letzten Saison kennen, wenn ein Spiel mal nicht so gut lief. Ich kann mir dennoch vorstellen, dass mit dieser Offensivleistung des MSV Gegner in der Zweiten Liga in Bedrängnis gebracht werden können. Die Defensiv als Grundlage des Mannschaftsspiel wirkte ohnehin schon sehr eingespielt. Wenn wir davon ausgehen, dass der MSV in dieser ersten Saison  meist nicht das Spiel wird machen müssen, scheinen mir die Voraussetzungen für ein Erreichen des selbst gesteckten Ziels nicht schlecht zu sein.

Bei einem immer überlegeneren Gegner konnte Michael Ratajczak zeigen, was er auf der Linie und im Fünfmeterraum kann. Solche überragende Torwartleistung kannten wir schon von ihm. Viel verblüffender für mich war die Entwicklung, die sein fußballerisches Können genommen hat. Seine Abschläge kamen fast immer dorthin, wo er hinspielen wollte. Er zeigte sich nicht nur entschlossener und mutiger beim Rauslaufen, sondern auch wenn er das Spiel schnell machen wollte. Ich hoffe sehr, dass dieses Können stabil bleibt. Ohne Neuverpflichtung wäre die Mannschaft mit einem Schlag sowohl defensiv als auch offensiv deutlich besser aufgestellt. Der 1. FC Kaiserslautern soll also am Freitag mal kommen.

Saisonabschluss Teil 2 – Das Heimspiel mit der langen Anreise

Leicht fällt 2015-05_einlaufes, von anderen etwas zu fordern, was einem selbst schwer von der Hand geht. Noch einmal etwas Gutes schaffen, wenn das eigentliche Ziel schon erreicht ist, ist ein Beispiel dafür. Die einen sollten Fußball spielen und gewinnen, was nur teilweise gelang. Nun will ich noch schreiben über diese Auswärtsniederlage, die wenig Gewicht hat, bei all der Freude über den Aufstieg. Es geht um Konzentration, um eine Aufgabe gut zu erledigen, deren Bedeutung sich bei genauem Hinsehen auflöst.

Die innere Einstellung lässt sich nicht leicht so hinbiegen, wie man sie haben will, so sehr wir uns alle anstrengen – die Fußballer des MSV Duisburg und ich. Das Auswärtsspiel beim SV Wehen Wiesbaden war ein Heimspiel mit langer Anreise. Von 9000 Zuschauern im Stadion kamen 8000, um den Aufsteiger MSV Duisburg zu feiern. Blau-weiß war nicht nur der Gästeblock hinter dem Tor, auch die Geraden, die eine zur Hälfte und die andere komplett, gehörten dem MSV Duisburg. Die Stimmung auf den Rängen war ausgelassen. Sie wurde befeuert durch Spieler in Aufstiegslaune, die mit mehr blau als blauweiß gefärbten Haaren zum Aufwärmen aufliefen. Nur die Bärte von Zlatko Janjic und Sascha Dum kamen farblich perfekt in weiß und blau zur Geltung. Ich wollte mich überraschen lassen, welche Auswirkungen das Feiern zu Beginn der Woche auf das Spiel haben würde.

2015-05_janjicNachteile im Fernduell mit Armina Bielefeld um die Meisterschaft waren nicht zu erwarten, feierten beide Mannschaften doch auf Mallorca sogar gemeinsam den fest stehenden Aufstieg. Doch als ich die Mannschaftsaufstellung sah, vermutete ich bestimmt nicht als einziger, mit dieser bis auf Branimir Bajic neu zusammengestellten Defensive würde ein Tor für einen Sieg nicht reichen. Außerdem erwartete ich ohne Martin Dausch wenig Dynamik beim Spiel nach vorne. Deshalb überraschte mich, wie druckvoll der MSV  die ersten zehn Minuten des Spiels anging. Die Mannschaft verkörpert inzwischen in jeder Besetzung den Geist des Aufstiegs. Wer so auftritt, weiß um die eigene Stärke. Nach vorne ging es schnell. Der Ball sollte rein in dieses Tor vom SV Wehen Wiesbaden. Die Wiesbadener Offensivversuche waren mit einer Ausnahme kurz nach Spielbeginn souverän unterbunden worden.

2015-05_bajicDu warst zu vorschnell, das sieht gut aus“,  so was Ähnliches ging mir durch den Kopf, als etwa in der zehnten Minute ein langer Wiesbadener Ball erneut abgefangen wurde. Halbherzig liefen die Wiesbadener die Duisburger Defensivspieler an, und gerade holte Christopher Schorch aus, um den Ball nach vorne zu schlagen. Stattdessen aber spielte er ihn punktgenau als etwas schwierig zu kontrollierenden Pass auf einen Wiesbadener Mittelfeldspieler. Besser hätten viele Stürmer als klassische Wandspieler den Konter auch nicht eingeleitet. Ich weiß nicht mehr, ob der Wiesbadener Spieler selbst am Flügel entlang marschierte oder einen Mitspieler schickte. Bilderbuchmäßig, sagt der Sportreporter gerne, wenn er von solch einem Konter spricht. Die Flanke kam, und weil Christopher Schorch den Wiesbadener Spieler im Sturmzentrum gut begleitete, übernahm er für ihn höflicherweise den Torschuss. Gelungenes Dreiecksspiel. Es stand 1:0, und ich merkte, ganz so egal war mir das Ergebnis doch nicht.

Ich kann dagegen nichts machen. Egal in welcher Sportart bei welchem Wettbewerb ich gerade unterwegs bin, egal ob ich selbst aktiv bin oder ob ich nur zuschaue, ich will, dass „meine“ Mannschaft gewinnt. Ich beginne mich zu ärgern, wenn Pässe nicht ankommen. Mich beschleicht Missmut, wenn ein Torschuss wieder daneben geht. Ich begann um meine Aufstiegsparty-Stimmung zu kämpfen. Dabei kam es mir zugute, dass neben mir zufällig ein alter Schulfreund saß. Vor dem Spiel gegen Kiel sind wir uns das erste Mal nach mehr als  30 Jahren über den Weg gelaufen, beim Auswärtsspiel gegen Wiesbaden schon wieder. Ein Zufall, der viel über die Zeit seit der Lizenzverweigerung erzählt. Denn im Netz tauschten wir uns schon seit dem Sommer 2013 wieder aus. So viele Anhänger des MSV Duisburg haben sich in den letzten zwei Jahren näher kennen gelernt, sind sich nach langer Zeit wieder begegnet und sind durch den Fußball beim MSV Duisburg in einem Kontakt, der über den Fußball hinaus wirkt.

2015-05_nach_1Mit der Führung der Wiesbadener verlor das Spiel des MSV Duisburg den kontinuierlichen Druck. Es gab noch zwei, drei Chancen zum Ausgleich. Die größte Chance in der ersten Halbzeit vergab Zlatko Janjic, der schön frei gespielt, halblinks alleine aufs Wiesbadener Tor zulief und sich anscheinend nicht recht entscheiden konnte, ob er schlenzen oder hart schießen sollte. Die Mischung macht´s, heißt es ja gern; in dem Fall machte sie es dem Torwart einfach, den Schuss zu halten.

2015-05_nach_2Die Chancen der Wiesbadener waren klarer, und nach meinem Gefühl waren es auch mehr. Gezählt habe ich sie nicht, und Gefühle können trügen. Sicher bin ich mir aber, dass sich zu Beginn der zweiten Halbzeit an meiner kaum vorhandenen Zuversicht auf den Ausgleichstreffer nichts änderte. Erst als als um die 55. Minute herum Kevin Scheidhauer, Martin Dausch und etwas später Michael Gardawski eingewechselt wurden, entwickelte die Mannschaft noch einmal Zug zum Wiesbadener Tor. Die klare Chance gab es nicht mehr. Kevin Scheidhauer verzog einen recht offenen Schuss  an der Strafraumgrenze. Das war es aber auch.

2015-05_nach_3Die Spieler hatten sich ohne Zweifel angestrengt. Während des Spiels war zu sehen, wie sie sich ärgerten über vergebene Chancen, über Fehler im Zusammenspiel, über slapstickartiges Zusammenprallen, wenn sie sich gegenseitig in den Weg liefen. Dann war die Pflicht erfüllt. Das letzte Spiel der Saison endete mit einer 1:0-Niederlage. An der guten Stimmung auf den Rängen hatte der Rückstand ohnehin nichts geändert. Das Spielfeld war in kurzer Zeit ins Blau der Aufstiegsshirts und in das Blau-Weiß von Schals und Trikots getaucht. Begeisterung gab es letzte Woche. Dieses Mal sah es mehr nach Spaß und Freude aus.

Noch einmal stieg die Mannschaft auf die Tribüne und feierte gemeinsam mit all denen, die ihren Platz auf dem Spielfeld eingenommen hatten. Noch einmal wurde versucht, die Ordnung aufrecht zu erhalten, indem die Anhänger der Zebras zurück auf ihre Plätze gebeten wurden. Noch einmal war das ein vergebliches Unterfangen. Und dieses Mal wurde gemeinsam gefeiert – ein Bild, das wir auch letzte Woche in Duisburg gern gesehen hätten. 2015-05_nach_4Die Wiesbadener Anhänger brauchten den Schutz der Polizeikette nicht. Wer immer auch vor den Wiesbadener Block lief, wollte ein Zeichen setzen – am Ende einer Saison sind wir alle eins, Menschen mit Spaß am Fußball und mit Einsatz für ihren Verein.


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