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Nun gesehen und für sehr gut befunden: The Other Chelsea

Weil der UEFA-Pokal seit der Saison 2009/2010 UEFA Europa League genannt wird, wurde Schachtar Donezk zum letzten Gewinner eben dieses UEFA-Pokals. Ich weiß gar nicht, ob mit dem Namen sich auch die Trophäe geändert hat. Muss ich später mal nachschlagen. Zurück zu Schachtar, was ukrainisch ist und auf russisch Schachtjor heißt. So wurde der Verein früher offiziell genannt, und dieses Früher klingt oft an in dem Film von Jakob Preuss „The Other Chelsea“. Denn dieses Früher ist in der Ukrainie überaus lebendig, weil die vor der „Orangenen Revolution“ stabileren Verhältnisse trotz ihrer demokratischen Defizite vielen im Osten der Ukraine in Zeiten wirtschaftlicher Not sehr attraktiv erscheinen.

Der Titel „The Other Chelsea“  ist eine kleine Mogelpackung. Aber wahrscheinlich schenkt er dem Film erst die Aufmerksamkeit, die er verdient. Es geht um Schachtar Donezk in dem Film, doch ist der Verein für den Autor vor allem ein Mittel der Dramaturgie. Es geht kaum um den Blick in den Verein und um seine Entwicklung unter dem Einfluss des Multimilliardärs und Mäzens Rinat Achmetow. Vielmehr verbindet der Verein die unterschiedlichen sozialen Sphären, in denen die von Jakob Preuss gezeigten Menschen leben. Jakob Preuss hatte das Glück, mit dem Verlauf des internationalen Wettbewerbs dem Film seine  Struktur geben zu können und mit dem Siegeszug von Schachtar für den Erfolg des Mäzens Achmetow ein filmisches Motiv zu erhalten.

„The Other Chelsea“ wirkt auf unterhaltsame Weise aufklärerisch. Wer diesen Film sieht, lernt die Ukraine kennen und beginnt das Leben der Menschen dort zu verstehen. Jakob Preuss begleitet den smarten, jungen Politiker und Stadtrat Kolja Lewtschenko in seinem Alltag. Mit ihm als Beispiel kann Jakob Preuss nicht nur die politischen Hintergründe in der Ukraine ausleuchten, zudem kann er mit dem Wohlstand des ehrgeizigen Stadtrats zudem die Abhängigkeit von wirtschaftlichem Erfolg und politischem Einfluss andeuten. Gespiegelt wird dieser Nahblick mit Bildern aus der Ferne auf eine ebensolche Verflechtung von Wirtschaft und Politik in einer anderen Dimension, wenn der inzwischen zum Präsidenten gewählten Wiktor Janukowytsch beim Besuch des Fußballs in der VIP-Lounge von Schachtar Donetsk zusammen Multimilliardär Rinat Achmetow gezeigt wird.

Für die wirtschaftlich weniger erfolgreiche Wirklichkeit steht die Kohlenmine der Stadt, die sich im Staatsbesitz befindet und für die Investoren benötigt werden. Wenn Jakob Preuss die dort arbeitenden Sascha, Walja und Stepanowitsch zeigt, fängt er oft berührende Sequenzen ein, in denen das abgeklärte Wissen um die als unveränderbar angesehenen Verhältnisse sich mischt mit der Verwirklichung des privaten Glücks. Vielleicht ist im Ruhrgebiet solche Mentalität mancherorts ebenfalls noch vorhanden, auch wenn sich die sozialen Zusammenhänge des Bergbaus und der Arbeiterschaft dort inzwischen nahezu aufgelöst haben. Mich erinnern einige Sequenzen rund um Sascha, Walja und Stepanowitsch jedenfalls an die Familienfeste der Kindheit, bei denen die Atmosphäre bestimmt wurde durch den Stolz der Erwachsenen auf ihre Arbeit, durch Erzählungen vom gefahrvollen Tun unter Tage oder an den Hochöfen und durch immer lauteren Spaß und Freude.  Gerade diese Freude wird durch eine bodenständige Lebensklugheit getragen, die es den Menschen damals im Ruhrgebiet und heute in der Ukraine ermöglicht trotz aller widrigen Umstände ihres Lebens im Alltag für Momente ihr Glück zu suchen.

„The Other Chelsea“ erhielt in diesem Jahr beim Max-Ophüls-Festival in Saarbrücken den Preis für den besten Dokumentarfilm. Wer den Film noch nicht gesehen hat, schnell weitergeklickt: Noch ist „The Other Chelsea“ in der ZDF Mediathek  zu finden.  Als DVD ist der Film aber auch erhältlich, wie auf der Seite mit zusätzlichen Informationen über „The Other Chelsea“ zu erfahren ist.


The Other Chelsea – FC Shakhtar Donezk in einem Dokumentarfilm beim ZDF

Es war 2008, als Ailton oder wahrscheinlich sein Berater mal wieder einen großherzigen Vereinsverantwortlichen fand, der nach Walter Hellmich sich mit dem Markennamen eines Fußballers vergangener Zeiten schmücken wollte. Im ukrainischen Donezk befand sich der neue Verein von Ailton, und ich musste vorhin erst mal nachschauen, ob nicht doch Schachtjor Donezk sein Verein gewesen ist – jener Verein, über den  in der Nacht von Montag auf Dienstag im ZDF ein 90-minütiger Dokumentarfilm zu sehen war.

Der früher russisch Schachtjor genannte Verein wird heute  ukrainisch Schachtar genannt oder, wie es in der englischen Schreibweise auf der Seite des Vereins steht Shakhtar, FC Shakhtar Donetsk. Ansehen konnte ich mir von der Dokumentation bislang leider nur etwa zehn  Minuten quer durch, und sie machten neugierig auf das ganze Stück. Autor der Dokumentation ist Jakob Preuss, der die „Orangene Revolution“ im Jahr 2004 als Wahlbeobachter erlebte. So geht es beim Blick auf den Fußballverein gleichzeitig um die Entwicklung der ukrainischen Gesellschaft und der Politik dort. Jakob Preuss mischt die Standardausdrucksformen von Dokumentationen, das Interview und die illustrierenden Bilder, mit kurzen Sequenzen, die durch die Ästhetik von Clips aus den Internetwelten bestimmt ist. Das wirkt spielerisch, ich bin an solchen Bildern hängengeblieben, und ich bin gespannt, wie sich diese Bilder in den Gesamtrhythmus des Films einfügen.

Ich weiß wieder nicht, ob die ZDF Mediathek den Dokumentarfilm länger als 14 Tage online stellen kann oder nicht. Neulich klickte ich zufällig mal auf einen älteren Link zur Mediathek und er funktionierte noch, obwohl der Beitrag auf der Startseite der  ZDF Mediathek nicht mehr zu finden war. Hier geht es zu „The Other Chelsea“ in die ZDF Mediathek. Im Netz findet sich zudem eine Seite mit zusätzlichen Informationen über „The Other Chelsea“. Der Film wurde in diesem Jahr beim Max-Ophüls-Festival in Saarbrücken mit dem Preis für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Ailton spielte natürlich nach seiner Zeit beim MSV Duisburg  nicht bei Schachtar sondern bei Metalurh Donezk.  Dort gab es die namensfixierten Männer, die entweder sportliche Qualitäten den Marketingqualitäten unterordneten oder per Zuruf  von Spielervermittlern für den Verein Entscheidungen trafen. Ailton muss ungefähr 27 Trainingseinheiten und drei Spiele dageblieben sein. Danach entschloss er sich zu einer weltweiten Abschiedstournee mit dem ambitionierten Titel:  „Der Sommer mit den sieben Mäzenen“. Es wurden drei Sommer, und vielleicht hängt Ailton gerade noch einen Sommer irgendwo in der Welt dran.

Update 4. Juli: Nun gesehen, besprochen und  für sehr gut befunden.


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