Posts Tagged 'John Verhoek'

Ein Fußball für St.Pauli- und Zebra-Fans

Wenn keine Tore in einem Spiel fallen und wir dennoch nicht gelangweilt sind, muss in diesem Spiel etwas zu erleben gewesen sein, für das sich der Fußball in seiner schon immer vorhandenen Weise lohnt. Das Spiel vom MSV Duisburg beim FC St. Pauli war das komplette Gegenmodell zum Fußball als Unterhaltungsprodukt. Es war ein Spiel für die Anhänger dieser zwei Mannschaften auf dem Platz. Es war ein Spiel ohne viele Torgelegenheiten. Es war ein Spiel voller Fehler, über die wir uns ärgern konnten. Es war ein Spiel, in dem wir dennoch immer wieder neu auf ein Tor hoffen konnten, ein Tor aus dem Nichts, wie es nun einmal im Zufallssport Fußball geschehen kann.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber dass mich dieses Spiel gepackt hat, macht mich für sämtliche Super-Hyper-Mega-Fantasie-Ligen mit irgendwelchen Super-Hyper-Mega-Stars als Zielpublikum ungeeignet. Gerade habe ich gelesen, die Generation der 20-30jährigen empfindet das aufgesplittete Fußballangebot als attraktiv. Ich weiß nicht, wer die Umfrage gemacht hat. Wahrscheinlich waren es die, die mit dem Unterhaltungsangebot Fußball nicht nur Geld verdienen wollen, sondern getreu dem Leitgebot unserer Welt Umsätze steigern und Profite maximieren wollen. Was mit einem Zufallssport nur unter erschwerten Bedigungen geschieht. Es sei denn, man kontrolliert immer mehr die Zufälle. Bei Klub-WM jedenfalls denke ich an Zirkus oder Wrestling und nicht mehr an einen Wettbewerb.

Der eine Punkt auf St. Pauli ist für mich ein Erfolg. Ich gehöre nicht zu der doch zahlreichen Anhänger-Fraktion, die mangelnden Mut beklagt und die vergebene große Chance auf drei Punkte bedauert. Ich habe keinen mangelnden Mut gesehen. Im Gegenteil, wenn ich diese Mannschaft in den letzten Spielen sehe, wie sie sich aus der eigenen Defensive mit kurzen Pässen ins Mittelfeld spielt, ob gegen starkes Pressing oder halbherziges Anlaufen, dann bin ich immer wieder vom Mut dieser Spieler beeindruckt. Da sehe ich, wie aus Mut Sicherheit geworden ist. Natürlich gab es im Verlauf des Spiels zwei bis drei Ballverluste auf dieser Strecke, die mich in Schockstarre fallen ließen. Aber diese verlorenen Bälle führten in diesem Spiel zu keinen großen Chancen der Hamburger.

Ich weiß, die Forderung nach mehr Mut bezieht sich auf das Offensivspiel. Doch mehr Offensivkraft bedeutet weniger Stabilität in der Defensive. Dieses Risiko muss in den Spielen gegen Ingolstadt und Sandhausen eingegangen werden. Gegen St. Pauli war dieses Risiko fehl auf dem Platz.

Die wirklich großen Chancen für St. Pauli hatte es nur in den ersten sechs Minuten gegeben. Einen Dreischritt haben wir gesehen von einer großen Chance über die sonst vom freien Alex Meier im Schlaf verwandelte Chance hin zum Billardball, der bei nur minimal veränderten Abprallwinkeln am Nauber- oder Wiedwaldkörper ins Tor getrudelt wäre. Damit war der Druck auf das Duisburger Tor aber fast schon vorbei. Danach gewannen die Zebras ihre Sicherheit und versuchten sich selbst im Spiel nach vorne.

Vor dem Tor von St. Pauli wurde das dann eine übersichtliche Angelegenheit. Der Ball kam einfach nicht in die Spitze zu John Verhoek. Wenn es Torgefahr gab, entstand sie durch Dribblings aus dem Mittelfeld heraus. Meist war es Cauly Souza, der sich beim Zug Richtung Tor versuchte. Sein Schuss ging auch an den ausgestreckten Arm von St. Paulis Defensivmann. Natürlich gab es schon genügend Elfmeterpfiffe in solchen Situationen. Der MSV bekam diesen Elfmeter nicht. Schiedsrichter nutzen Entscheidungsspielräume. Wahrnehmung ist individuell. Als Erklärung für die Entscheidung gab es wohl die Nähe des Verteidigers zum Schützen. Nun ja, diese Distanz war nicht wirkich nah, aber auch nicht deutlich weit. Wir Menschen legen Regeln aus, zum Nachteil des MSV in diesem Fall.

In der zweiten Halbzeit habe ich im Grunde genommen nur auf das Glückstor des MSV gehofft und das Glückstor St. Paulis befürchtet. Zwar versuchte St. Pauli mehr Druck zu entfachen. Es gelang ihnen nur nicht. Zwei Schüsse blieben das Ergebnis. Einmal war es noch wirklich gefährlich, doch Felix Wiedwald reagierte stark. Den zweiten Schuss brauchte er nur aufzunehmen. Ein freier Schuss genau auf Mann, den nehmen wir gerne.

Als Ahmet Engin für John Verhoek eingewechselt wurde, hoffte ich kurz auf die etwas andere Spielweise des MSV vor dem Strafraum. Harvard Nielsen war in die Mitte gerückt. Er ist wendiger als Verhoek, aber bei hohen Bällen natürlich weniger präsent. Doch Engin konnte sich am Flügel kaum durchsetzen. So kam es gar nicht erst zu Kombinationsversuchen mit Nielsen oder anderen Spielern vor dem Strafraum. Gefährlich wurde es für St. Pauli nicht mehr. Hans Albers mit seinem Trostlied musste nicht hervorgeholt werden.

In meinem Tabellenrechner war eine Niederlage verzeichnet. Der MSV ist nun einen weiteren Punkt im Plus. Wir wissen aber alle, entscheidender sind die Spiele gegen Ingolstadt und Sandhausen.

Zwölf unerhörte Aussagen über das Spiel von Jahn Regensburg gegen den MSV

  1. Ein gerechtes 1:1-Unentschieden im Spiel von Jahn Regensburg gegen den MSV Duisburg zeigt auch, warum die Heimmannschaft oben in der Tabelle steht und die Zebras unten. Gerade deshalb lässt das Unentschieden in Duisburg die Zuversicht zurückkehren gegen spielstärkere Mannschaften auch Punkte erringen zu können.
  2. Das Spiel war in der Schlussphase für Anhänger der Zebras wieder einmal gesundheitsbedrohlich. Vom zu hohen Blutdruck ganz zu schweigen, drohten Knochenbrüche den anderen Anhängern des MSV im Ostende um mich herum. Die Barhocker, auf denen sie saßen, hätte ich kurz vor dem Schlusspfiff fast weggetreten. Als die Zebras den Ball nicht aus dem Duisburger Strafraum rausbekamen, standen diese Barhocker mir bei meinen Befreiungsschlägen aus der Ferne doch sehr im Weg.
  3. Felix Wiedwald hat die Situation schließlich für die Mannschaft und uns alle geklärt. Zuvor schon hatte er zwei- oder dreimal (?) mit großartigen Reflexen todsichere Chancen der Regensburger zunichte gemacht. Bei undurchsichtigen Situationen im Strafraum hat er wahrscheinlich laut „Leo“ gerufen und „Jetzt lasst mich mal alleine machen. Lasst die endlich schießen.“ Wahrscheinlich hat er abends in Duisburg noch reihenweise allen möglichen fallenden Kram lässig aufgefangen. Und auch den Führungstreffer der Regensburger zum 1:0 hätte er bestimmt verhindert, wenn der Ball nicht durch einen in die Schussbahn rutschenden Spieler der Zebras abgelenkt worden wäre.
  4. Trotz der Vorteile für Regensburg in der ersten Halbzeit war die Führung des Jahn nicht unbedingt erwartbar. Den kontinuierlichen Druck auf das Duisburger Tor gab es nach der Anfangsphase nicht mehr. Doch in den ersten zehn Minuten des Spiels war der Qualitätsunterschied der Mannschaften offensichtlich. Die Defensive des MSV wurde ein ums andere Mal überwunden.
  5. Der MSV überstand die Anfangsphase und versuchte vor allem mit langen Bällen selbst ins Spiel zu kommen. Chancen ergaben sich keine. Cauly Souzas Schuss nach einem schnellem Umschaltspiel war für mich zu ungefährlich, um als wirkliche Chance durchzugehen. Im Grunde war dieser Abschluss bezeichnend für die Offensivkraft der Mannschaft. Es fehlte im und rund um den  Strafraum fast immer die Präzision bei Pässen, Ballverarbeitung und Schüssen.
  6. Entsprechend sahen die wenige Kontermöglichkeiten in der ersten Halbzeit bei Balleroberungen im Mittelfeld aus. Kam ein Spieler in Ballbesitz, legte er ihn sich zu weit vor.
  7. So wirkte der MSV in der ersten Halbzeit spielerisch unterlegen.
  8. Nach der Pause änderte sich das Bild, weil die Zebras aus langen Bälle in die Spitze halblange Bälle machten. Die Mannschaft entwickelte ein sicheres Kombinationsspiel aus der eigenen Hälfte heraus. Sie ließen die Regensburger laufen und gaben ihnen das Gefühl vergeblich pressen zu wollen.
  9. Dieses sichere Kombinationsspiel, manchmal gegen ein Pressing bis an die eigene Torauslinie, beeindruckte. Sowohl Gerrit Nauber als auch Tim Albutat erwiesen sich immer wieder als  nervenstark und ballsicher. Wenn hier die Vorwärtsbewegung im Blick ist, darf die Defensivleistung in der zweiten Hälfte nicht vergessen werden. Enis Hajri hatte ausgewechselt werden müssen. Doch Gerrit Nauber strahlt wieder jene Sicherheit und Ruhe aus, die wir in der letzten Saison von ihm kannten. Er gibt einem U19-Spieler wie Vincent Gembalis den Rückhalt für dessen Leistung.
  10. Der Qualitätsunterschied beider Mannschaften zeigt sich in der zweiten Halbzeit dadurch, dass die Spielkontrolle durch den MSV kaum Torchancen schaffte. Mit ähnlicher Überlegenheit schufen die Regensburger jedes Mal sehr große Torgefahr. Den Zebras  fehlte einmal mehr in der Spitze die Sicherheit des Zusammenspiels. Die nötige sehr schnelle Ballverarbeitung gelingt einfach nicht präzise genug.
  11. Der Ausgleich zuvor war durch einen Elfmeter gefallen. Der Torwart der Regensburger war in den eigenen Verteidiger und John Verhoek gesprungen, hatte zu fausten versucht und traf Verhoek am Kopf. Der Schiedsrichter pfiff Foul. Kevin Wolze zeigte sich nervenstark und verwandelt den Elfmeter sicher. Es war ein wichtiges Tor, nicht nur weil damit nach dem Abpfiff der Punkt gesichert wurde, sondern auch weil es den Aufwand der Mannschaft belohnte. Solch eine Belohnung für ein mutiges Kombinationsspiel kann weitere Stabilität bringen.
  12. Bei Angst vor dem Abstieg befragen Sie den Tabellenrechner von Kees Jaratz. Da ich die Ergebnisse für den MSV so schlecht wie möglich bei gleichzeitigem Klassenerhalt prognostiziert habe, befindet sich der MSV mit dem Unentschieden in Regensburg nun schon einen Punkt im Plus. Morgen werdet ihr sehen, wie gut das aussieht.

Verhoeks versteckte Kopfballstärke

Als Akutmaßnahme gegen Niederlagenschmerz war meine 5:1-Sieg-Fantasie für das Spiel gegen Heidenheim am letzten Sonntag  notwendig, als Einschätzung für den Spielverlauf morgen wirkt sie mit etwas Abstand vielleicht etwas zu optimistisch. Mein realistischer Freitagsblick sieht eine Krankmeldung nach der anderen beim MSV. Mein Realismus rät mir, nur noch auf knappe Siege zu hoffen. Vor allem hoffe ich dazu aber auf eine bislang noch nicht sehr offensichtliche Stärke von John Verhoek, die im Spiel gegen seinen Ex-Verein sich bemerkbar macht. Heidenheims ehemaliger Mannschaftskollege Marc Schnatterer kennt sie noch, so ist im Interview mit den Funkes zu lesen. Dass John Verhoek über die Schmerzgrenze hinaus für die Mannschaft alles gibt, habe ich in Duisburg auch schon gesehen. Doch seine Kopfballstärke, die ihn auszeichne? Das wäre mir jetzt nicht spontan eingefallen. Vielleicht war diese Kopfballstärke nicht erkennbar, weil zu ungenau in den Strafraum geflankt wird oder anders, als er es bis dahin kannte? Manchmal brauchen Stärken besondere Zusammenhänge. Manchmal müssen Stärken aber auch nur wieder entdeckt werden, gerade dann, wenn sie die ehemaligen Mannschaftskollegen fürchten.

Wenn montags schon das Wochenende ruft

An manchen Montagen beginnst du mit deiner Arbeit, und es könnte sofort schon wieder Freitag sein. Du weißt, besser als am Morgen auf dem Weg zur Arbeit wird es in dieser Woche nicht mehr werden. Denn an einem solchen Montag merkst du schon beim ersten Zupacken, das läuft nicht rund. Ihr kennt diese langwierigen Aufgaben, bei denen sich nicht ein einziges Mal zwischendurch ein Erfolgserlebnis einstellt? Aufgaben, für die du neulich extra auf eine Fortbildung geschickt worden bist. Natürlich fällt dir gerade an diesem Montag auf, dass einiges von dem nicht gelingt, was du im Grunde gut verstanden hast. Du hast es bei der Fortbildung immer wieder problemlos bewältigt, was dir vom Seminarleiter aufgetragen wurde.  Und nun brauchst du drei Anläufe, ehe nur ein Teil von dem klappt, was deine ganze Aufgabe ist. Wäre doch endlich wieder Wochenende.

Glaubt nur nicht, dass ich von den Spielern des MSV schreibe. Ich schreibe von mir. Was war das Spiel vom MSV bei Dynamo Dresden eine zähe Angelegenheit. Es war eine anstrengende Aufgabe das Spiel anzusehen, und am meisten Spaß hatte ich in Leipzig einen Tag vor dem Spiel und auf dem Weg ins Stadion, weil das Gelb der Dresdener im Pulk bei der Abendsonne ein schönes Bild abgab.

Aber vielleicht ist es den Spielern auf dem Rasen ja ähnlich ergangen nach dem Anpfiff und zwar nicht nur den Spielern des MSV. Zwei Mannschaften standen auf dem Platz, die ihren Erfolg mit einem neuen Spielsystem versuchten. Beiden Mannschaften war anzumerken, dass sie auf keinen Fall bei dieser Systemchoreografie patzen wollten. Wenn der MSV versuchte kein Risiko einzugehen, so versuchten die Dresdner, so gut wie kein Risiko einzugehen.

Beide Mannschaften ließen in der ersten Halbzeit aber Chancen des Gegners zu, die sich nicht aus dem Spielaufbau des Gegners entwickelten, sondern schlichtweg dadurch entstanden, dass die Mannschaften jeweils zu viel Vertrauen in die Spielkontrolle durch das eigene System besaßen. Die Außenbahnen waren für die Dresdner eine wunde Stelle in der ersten Halbzeit. Der MSV war etwas mehr in der Mitte anfällig. Chancen ergaben sich deshalb plötzlich aus vermeintlich ruhigen Spielsituationen heraus.

Es war nicht abzusehen, dass ein Tor durch kontinuierlichen Druckaufbau entstand, weder auf Dresdner noch auf Zebra-Seite. Allerdings gab es einen Unterschied zwischen beiden Mannschaften. Schnelligkeit im Spiel entstand beim MSV meist durch Einzelaktionen. Wenn sich die Gelegenheit zu schnellem Umschalten bot, wurden die Angriffe abgebrochen, fehlten überraschende Laufwege in Angriffsdrittel. Der spielerische Ansatz der Dresdner sah auch Schnelligkeit im Mannschaftsverband vor und das auch bei ruhenden Bällen.

Ein schnell ausgeführter Freistoß hatte zuvor schon für Gefahr gesorgt, der schnelle Einwurf führte dann in der ersten Halbzeit zum 1:0. In der zweiten Halbzeit hatte der MSV sogar die Chance zum Ausgleich. Einen Freistoß von Kevin Wolze wehrte der Dresdner Torwart glänzend ab, und ein Zufallsschuss von John Verhoek ging an die Latte. Das Spiel des MSV blieb allerdings Stückwerk. Um lange Bälle in die vorderste Reihe mühten sich zunächst Boris Tashchy, dann Stanislav Iljutcenko und John Verhoek meist vergeblich. Für kontrollierten Spielaufbau fehlte fast immer der Raum. Alles konzentrierte sich in der Mitte. Flügelspiel gab es so gut wie nicht mehr. Wenn dennoch geflankt wurde, geeschah das meist aus dem Halbfeld ins Nirgendwo.

Dennoch hatte der MSV bis zum Schlusspfiff die Chance auf den Ausgleich. Denn die Dresdner schlossen ihre Konter nicht genau genug ab und hielten die Zebras im Spiel. Schon einmal habe ich geschrieben, wie laut dieses Stadion auch bei ganz gewöhnlichen Punktespielen wird. Diese Lautstärke war zu Beginn des Spiels zu hören. Kurz vor Ende sollte der Schalldruck wohl den Ball den Dresdner in die Füße treiben. Das gelang, und die zähe Veranstaltung endete mit der Niederlage für die Zebras. Gut, dass das nächste Spiel an einem Samstag stattfindet. Zumindest die Wochenendlaune lässt mich auf ein besseres Ergebnis gegen Bochum hoffen.


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