Posts Tagged 'Jos Luhukay'

Der gute Ruf der Mannschaft und Rabattaktionen in der falschen Stadt

Den Respekt der Gegner hat sich die Mannschaft des MSV Duisburg schon mal erarbeitet. Im Blog der beiden Journalisten von der Berliner Morgenpost sind jedenfalls Trainerworte zu lesen, die wir vor einer Woche schon einmal ähnlich hörten. Wie für Thorsten Lieberknecht ist auch für Jos Luhukay der MSV „ein unangenehmer Gegner und sehr aggressiv“. Allerdings enthält sich Jos Luhukay jeglicher Rechtsdiskussion und veranschaulicht die Gefahr durch den Gegner nicht mit der sprichwörtlichen Randlage der Legalität, die dessen körperlichen Einsatz auszeichne.

Ich kann das gar nicht nachvollziehen. Für mich klingt das mehr nach vorbeugendem Klischeegebrauch für den Fall des eigenen Versagens bei gleichzeitiger PR-Arbeit in Richtung Schiedsrichtergespann. Wirkungsvoll, wie wir im letzten Spiel gesehen haben.

Neben der PR in Sachen Image des Gegners arbeiten andere Mitarbeiter der Hertha auch für einen höheren Zuschauerschnitt. Denn das Berliner Olympiastadion ist ein großes Stadion. 74.064 Sitzplätze bietet es laut Auskunft der Betreiber, und nur nach der auch möglichen Erweiterung gehen die 74.244 Zuschauer hinein, die man bei Wikipedia als Fassungsvermögen lesen kann. Was den Zeigefinger des Medienkompetenzvermittlers mit dem Aufschrei „siehste!“ nach oben zucken lässt. Also, auf dem Merkzettel mal wieder notieren: Leicht prüfbare Wikipedia-Angaben  gegenckecken! Komplizierte Dinge überlesen oder glauben.

Dieses große Stadion wirkt jedenfalls für die Verantwortlichen der Hertha zu oft zu leer in der Zweiten Liga. Deshalb gibt es Heimspielkarten immer wieder als Aktionsangebot. Auch für das Spiel der Hertha gegen den MSV gibt es solche Aktionen. Doch, bitte schön,  wer liebe Hertha kommt nicht in den Genuss einer solchen Rabattaktion und wer, liebe Hertha, hat nach dem letzten Spieltag eine solche Rabattaktion mehr als verdient? Ahnst, du liebe Hertha, wen ich meine? Dank welcher Mannschaft seid ihr nochmal Tabellenführer nach dem letzten Spieltag geblieben, obwohl ihr euer Spiel in Dresden vergeigt habt? Denkt mal kräftig nach. Und überlegt euch dann eine kluge Antwort auf die Frage, wer in den Genuss der Rabattaktion für den Rest der Woche hätte kommen müssen.  Müssen. Es sind nicht die Berliner.

Ich spreche nicht vom Gutschein für 13 Euro, bei dem sich auf der ITB der Partner DB nicht lumpen lässt. 2 Spiele für 1 heißt es da. Doch nicht nur zum MSV sondern auch noch zum Vfl nach Berlin kommen, das mach ich nicht. Aber in Duisburg Karten für 9 Euro unter die Leute bringen wie in den Berliner Media-Märkten, das wäre mal eine Geste gewesen. Liebe Hertha, du wirst schon sehen, was du davon hast. Eigentlich wäre ich ja mit einem Unentschieden zufrieden gewesen, aber wer so undankbar ist, dem wird nichts geschenkt.  Nicht mal ein Punkt. Eure nächst Rabattaktion könnt ihr schon mal planen. Niederlagen gefallen dem Berliner Publikum noch weniger als uns in Duisburg.

Da hilft es auch nicht mehr, wenn ihr Sandro Wagner vorschickt, um schön Wetter zu machen mit seiner guten Zeit in Duisburg. Und sagt hinterher nicht, niemand hätte euch gewarnt.

Mehr als Erfüllung einer Zielvorgabe

Nicht nur Milan Sasic musste vor dem Auswärtsspiel des MSV Duisburg beim FC Augsburg sehr schnell umplanen, als Ivo Grlic sich beim Aufwärmen das Knie verletzte. Auch in Duisburg wurden zu Beginn des Wintergrillens im städtischen Jugendzentrum die Pläne für die Live-Übertragung des Spiels über den Haufen geworfen, weil der Mann mit dem Beamer erkrankt war und nicht kommen konnte. Der Kader eines städtischen Jugendzentrums ist ebenso wenig breit aufgestellt wie der des MSV Duisburg. Der Ausfall eines einzigen Mannes kann das gesetzte Ziel leicht gefährden. Doch hier wie dort war man mit den übrig bleibenden Möglichkeiten nach dem Standhalten in ein paar kritischen  Momenten erfolgreich. Die Live-Übertragung  gab es etwa ab der 20. Minute über den 17-Zoll-Bildschirm eines PCs, obwohl die Verbindung des PCs zum Router zunächst sehr instabil war. Und die Mannschaft des MSV Duisburg erspielte sich das torlose Unentschieden in der zweiten Halbzeit souverän, nachdem die Augsburger Spieler zum Ende der ersten Halbzeit ihre letzten größeren Chancen nur unzulänglich nutzten.

Wenn man in einer Gruppe ein Fußballspiel auf einem kleinen PC-Bildschirm verfolgt, ist der Abstand zum Bildschirm doch beträchtlich und deshalb fallen detaillierte Urteile schwer. Ein Eindruck ergibt sich automatisch aus dem großen Ganzen und nicht aus der Bewertung einzelner Spieler. Vor allem fiel auf, wie entschlossen die Mannschaft des MSV Duisburg in der zweiten Halbzeit antrat, um im Spiel zu bleiben und frei nach dem Motto, Angriff ist die beste Verteidigung, den einzig möglichen Schluss aus den letzten zwanzig Minuten der ersten Halbzeit zu ziehen. Gefahr strahlte der FC Augsburg in dieser zweiten Halbzeit kaum mehr aus. Deutlich wurde das Bemühen des MSV Duisburg, durch die offensivere Spielweise Druck auf den FC Augsburg aufzubauen. Ebenso deutlich wurde aber auch, dass in der gegnerischen Hälfte bei vielen Angriffen ein Spieler in der Mitte gesucht wurde und natürlich nicht gefunden ward. Da stand niemand, der die Flankenläufe hätte verwerten können. Wirkliche Torgefahr ergab sich deshalb nur einmal überraschend. Ivica Banovic nahm einen aus dem Strafraum geschlagenen Ball auf und traf mit einem Schuss aus der Distanz den Pfosten. Zwei, drei Dribblings erreichten den Strafraum zwar, verebbten aber dort. Schließlich konnte kurz vor Spielschluss Srdjan Baljak nach einem Steilpass ebenfalls in den Strafraum dringen und wurde fast sofort von Gibril Sankoh von den Beinen geholt. Das war ein Foul im Strafraum und damit den Regeln gemäß ein Elfmeter. In vielen Spielen gibt es für den eigentlich fällig Elfmeterpfiff aber neben dem Foul auch atmosphärische Bedingungen. Die standen allesamt gegen den Elfmeterpfiff. Baljak hatte noch keinen Zug zum Tor, sondern war weiter in der Vorwärtsbewegung parallel zur Außenlinie. Bis zu dem Zeitpunkt fehlten zudem ganz deutliche Torchancen innerhalb des Strafraums vom MSV Duisburg. Das Spiel befand sich kurz vor Schluss mit dem Unentschieden in einem Gleichgewicht, das dem Spielverlauf entsprach. All das entschuldigt natürlich nicht den ausbleibenden Pfiff, sondern versucht ihn nur zu erklären.

Was mich aufgeregt hat, war auch gar nicht der ausgebliebene Elfmeterpfiff sondern die Geste von  Gibril Sankoh nach seinem Foul. Was geht in so einem Spieler vor, der den Körperkontakt gespürt haben muss und der Srjdan Baljak dennoch beschimpft? War Sankoh tatsächlich der Ansicht, Baljak habe sich fallen gelassen und er habe regelgerecht gegrätscht? Oder gehört das zu bewusster Stimmungsmache und zu den Versuchen den Schiedsrichter zu beeinflussen?  Diese Geste war mehr als das übliche Unschuldsgegreine nach dem Foulpfiff, weil Sankoh das Opfer Baljak für das Opfer-Sein auch noch angreift. Sankohs Geste entspricht dem Reden eines Jugendlichen, der auf der Straße vor anderen Jugendlichen dicke Hose macht und sie mit den Worten,  „du Opfer“ beschimpft. Sankoh überschreitet mit seiner Geste gegenüber Srdjan Baljak eine Grenze. Er zerstört Standards des kollegialen Umgangs. Wenn Jos Luhukay im Interview nach dem Spiel den Elfmeterpfiff als möglich beschreibt, arbeitet er auch gegen dieses Benehmen von Sankoh an. Hoffentlich mit Erfolg.

Das Unentschieden des MSV Duisburg gegen den FC Augsburg ist mehr als die Erfüllung einer Zielvorgabe. Schon ohne den Ausfall von Ivo Grlic hätten wir zufrieden sein können mit dem Unentschieden. Diese Mannschaft bewies aber mehr. Diese Mannschaft ist so in sich gefestigt, dass trotz kurzfristiger Umstellung  der Mannschaft und ungewohnter Positionen von Spielern im Mannschaftsgefüge als Notlösung sie zu einem strukturierten Spiel findet. Das Unentschieden ist zudem entgegen der Meinung Uwe Möhrles nach dem Spiel keineswegs durch eine Spielverhinderung erreicht worden. Diese Mannschaft des MSV Duisburg hat in der zweiten Halbzeit sehr wohl Zug nach vorne gehabt. Das waren nicht einzelne Konter, um Tore zu erzielen. Das war ein kontinuierliches Versuchen in den Strafraum des FC Augsburg zu gelangen. Dieser Punkt in Augsburg ist sehr verdient, und er hat sich vorhin, kurz vor halb vier, als ein noch wertvollerer Gewinn erwiesen. In dem Moment erzielte Arminia Bielefeld kurz vor Spielende im Spiel gegen den VfL Bochum den Ausgleich. Der MSV Duisburg ist oben sehr nah dran – auch an Platz 2. Bleibt mir mal wieder nur, mich weiterhin eine Woche lang am sorgfältigen Ausbalancieren von Hoffnung auf und Erwartung des Unaussprechlichen zu üben.

Vor dem Pokalspiel gegen den FC Augsburg

Dienstagabend ist Basketballabend. Das wisst ihr allmählich, und eigentlich hatte ich vor, meine guten Erfahrungen beim Spiel gegen Mönchengladbach zu wiederholen. Ich wollte auf Basketball verzichten. Gerade weil es sich im Gegensatz zum letztjährigen Pokalspiel gegen den TSV 1860 München bereits um das Achtelfinale handelt, war ich bereit, den Abend nicht in der Sporthalle zu beginnen, sondern sofort in die Kneipe am Deutzer Rheinufer zu gehen. Dort wollte ich bei der Pokalübertragung vor dem Fernseher auf meine Mitspieler warten. Zu meinem Glück spielt ja der FC bereits um 19 Uhr, so dass ich zumindest die zweite Halbzeit recht ausführlich hätte zu sehen bekommen. Nun haben wir heute ein Meisterschaftspiel und erhebliche Verletzungssorgen. Nicht nur Bernd Korzynietz plagen zurzeit Hüftbeschwerden, auch bei uns ist von grippalem Infekt über Kapselverletzungen an Fingern der rechten Hand bis hin zu Entzündungen der Sehnen an verschiedenen Körperteilen alles an Gründen vorhanden, dass Spieler nicht auflaufen können. Das MSV-Fieber ist da noch am leichtesten zu behandeln, deshalb muss ich in den sauren Apfel beißen und komme erneut erst zum Ende der zweiten Halbzeit vor den Fernseher.

Ich hoffe, zu dem Zeitpunkt steht es bereits 2:0 nach Toren von Larsen in der 51. Minute und Ben-Hatira in der 66. Wir werden noch einen Gegentreffer in der 74. Minute bekommen, damit sich für mich die letzten Minuten vor dem Fernseher auch lohnen. Es wird aber bei dem Ergebnis bleiben. Diese Voraussage an der Stelle hier stellt einen Versuch dar, weil meine Vorhersagekraft vor Auswärtsspielen gegenüber Einzelpersonen bislang nicht weiter wirkte. Vor wichtigen Spielen müssen auch einmal ungewöhnliche Wege gegangen werden.

Wer sich bis zum Abend noch ein wenig die Zeit vertreiben möchte, findet hier eine von der Augsburger Allgemeinen veröffentlichte Zeitungsbeilage anlässlich der Eröffnung des neuen Augsburger Stadions zu Beginn der Saison. Überfliegt man dort die Seiten, werden Erinnerungen wach. So ein Stadionneubau weckt Hoffnungen und beflügelt die Fantasie. Wir, in Duisburg, sind da mit unserem Stadion schon ein wenig in die Jahre gekommen. Bei uns in Duisburg ist ein erwachsenes Gefühl an die Stelle von jugendlichem Optimismus und naivem Ehrgeiz getreten. Ich weiß nicht genau, ob ich dieses erwachsene Gefühl Realismus oder Resignation nennen soll.  So ein neues Stadion schießt auf Dauer auch nicht mehr Tore als die gegnerische Mannschaft. So ein neues Stadion ist nämlich auch nur ein Bauwerk, das vor allem Fußballspieler mit Leben füllen müssen. Wir Zuschauer machen das ohnehin. Der Umgang mit Menschen ist aber nicht so leicht berechenbar wie der Umgang mit Baumaterial. Walter Hellmich kennt sich mit diesem Unterschied inzwischen bestens aus. Wie man bei dieser Pressekonferenz übrigens hören kann, hält Jos Luhukay viel vom MSV Duisburg. Im zweiten Clip antwortet er bei Minute 11:58 auf die Frage, „was macht Duisburg richtig gut?“ Wir hören „Erfahrung“ und „Torgefahr in allen Mannschaftsteilen“. Dann wollen wir mal hoffen, dass sich seine Einschätzung bewahrheitet.

Volkes Stimme trifft auf Einsehen

Spielbericht auf später verschieben, Tinas Brandmeldung nachlesen und mich dabei an den Spielanfang erinnern, als vor Spielbeginn nach dem ersten Bommer-Raus-Intermezzo kurz in unserer Runde die Frage aufkam, und dann? Luhukay fiel mir dazu ein. Nicht ganz ernst, aber bei genauem Hinsehen eigentlich ein Mann mit Perspektive. Denn dieser Trainer steigt gerne mit seinen Mannschaften auf, um dann unverzüglich oder kurz nach Saisonstart dem Nachfolger Platz zu machen. Gibt es eigentlich so was wie einen informellen Austausch zwischen den Vereinen? Was für ein Verhältnis pflegen wir mit Paderborn und Mönchengladbach? Und dem FC natürlich? Dort war Luhukay Co-Trainer unter drei verschiedenen Chefs von 2002 bis 2005. Sofort wird er noch ein wenig sympathischer, denn mir kölsche stonn zusammen, also, Hellmich und Hübner müssten bei der Vertragsgestaltung nur berücksichtigen, dass er nach dem Aufstieg maximal ein halbes Jahr bleibt. Tina berichtet übrigens, dass der Hollandse Nieuwe in spe bei uns gesehen wurde. Networking zwecks Arbeitsplatzsuche oder private Weiterbildung? Denn an nichts anderem lernt man besser als an dem, was nicht gelingt. Zu letzterem werde ich erst morgen früh mehr schreiben.


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