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Ata, Ennatz, Susi, Yyyves. 82 Köpfe des Revierfußballs – Kai Griepenkerl

Ata, Ennatz, Susi, Yyves – Namen, die vorsichtshalber erklärt werden sollen. Schließlich gibt es hier auch ganz junge Leser, die sich dem Revierfußball noch nicht in jedem Detail seiner Geschichte genähert haben. „Ata“, so wird Michael Lameck genannt, der Held des VfL Bochum von Anfang der 1970er bis Ende 1980er Jahre. „Ennatz“ – da schreien mir die meisten Leser hier nun ins Ohr: Bernard Dietz. Dieselbe Zeit, gleicher Heldenstatus, anderer Verein, ein jeder weiß genau, das ist der EM-ES-VAU. „Susi“: nicht so der Held seines Vereins wie die anderen zwei Spieler, wahrscheinlich einfach weil Borussia Dortmund von solchen Helden wie Michael Zorc mehr im Angebot hat als die kleineren Reviervereine; dennoch nicht weniger wichtig für seinen Verein, ob als Spieler in den 1980ern bis Ende der 1990er Jahre oder nun als Sportdirektor. Yyyves – kein Spitzname, sondern der Stadionschlachtruf des Publikums für Yves Eigenrauch, einem der „Eurofighter“ beim FC Schalke 04 und schon zu aktiven Zeiten während der 1990er Jahre jemand, der sich zuweilen quer zum Fußballbetrieb bewegte.

Vier Namen also, die für insgesamt 82 Fußballer stehen, die im Ruhrgebiet aufwuchsen oder die, wie etwa Klaus Fischer, im Ruhrgebiet zu großen Fußballern ihrer Vereine wurden.  In 29  Portraits und 53 Interviews bringt Kai Griepenkerl  den Lesern diese Fußballer näher. Die Länge der Interviews variiert zwischen ein bis drei Druckseiten, hinzu kommt, ob Portrait oder Interview, ein Foto des Fußballers. Kai Griepenkerl ist als freier Journalist im Sport unterwegs und bedient verschiedene Print-Medien, darunter auch den RevierSport. So wurden die meisten der Gespräche im Rahmen der RevierSport-Serie „Mein erster Platz“ geführt, in der prominente Revierfußballer zu ihren Anfängen zurückkehrten.

In solch kurzen Interviews geht es nicht darum, sich einem tieferen Grund bestehender Selbstbilder zu nähern. Hier kann jeder sich selbst so darstellen, wie er möchte. Es hängt also sehr vom jeweils Interviewten ab, ob das Gesagte mehr wird als ein anekdotisches Erinnern. Auch wenn der ein oder andere Fußballer die eigenen Erfahrungen in einen allgemeinen Zusammenhang bringt, meist wird aus dem Interview der Blick auf die Vergangenheit in O-Tönen. Es sind nicht nur die Namen aus der ersten Reihe vertreten. Doch außer bei Manfred Rummel und Hans Dörre, die in den 1960ern ihre große Zeit hatten, wurden meine Erinnerungen sofort bei allen Namen geweckt,  und so wird es wahrscheinlich jedem gehen, der sich seit Anfang der 1970er bis heute für Fußball und insbesondere den im Pott interessiert.

Als kleine Randnotiz sei noch erwähnt, wie sehr bei vielen dieser Fußballer das Vergessen werden von ihren Vereinen ein Thema ist. Das Leben im Verein geht weiter, die Karriere ist zu Ende und bald schon fühlt sich niemand mehr in diesen Vereinen für die Vergangenheit verantwortlich. Darin unterscheiden sich die großen Spieler früher nicht von all den Ehrenamtlern im Amateurbereich. So viel Einsatz, so viel Herzblut und der Alltag macht das schnell vergessen. Ob das für die professionalisiertere Gegenwart nicht mehr so ein populäres Thema sein wird? Wahrscheinlich werden doch nur noch wenige Fußballer der Gegenwart ein derart inniges Verhältnis zu einem Verein aufbauen, wie es früher die Regel war.

Das Editorial sei auch noch erwähnt. Natürlich sollen so einführende auch werbende Worte für das Buch werden. Eine Nummer kleiner darf es in Zukunft aber gerne sein, denn ein Satz wie „Interviews, die so noch nicht geführt, und Antworten, die so noch nicht gegeben wurden“, greift sehr hoch. Wortwörtlich stimmt das natürlich, weil nur Kai Griepenkerl genau diese Fragen stellte, auf die er genau diese Antworten erhielt. Doch die meisten Interviews sind kurz und das zentrale Thema bleibt verständlicher Weise die Fußballerkarriere der Befragten verbunden mit dem bekannten Nacherzählen von Momenten dieser Karriere. Was bestimmt interessiert, aber so einzigartig, wie es das Editorial verspricht, nun doch nicht ist.

Vermutet werden darf, die Worte passen zum ambitionierten Selbstverständnis, mit der die Reihe „Edition RevierSport“ gestartet wird. Schließlich soll auch das Hard-Cover gehobenes Lesegefühl wecken – bei entsprechendem höherem Preis. Ich bin neugierig, ob für dieses spezielle Buch im Randbereich des Fußballfan-Artikels dieses Preisniveau passt. Ich selbst habe bei solcher Art Interviewbuch eher das Taschenbuch vor Augen.

Kai Griepenkerl: Ata, Ennatz, Susi, Yyyves. 82 Köpfe des Revierfußballs. Klartext Verlag, Essen 2012. 204 Seiten. € 17,95.


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