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Der Zebra-Lottoschein war nicht mal ausgefüllt

Meine winzige Resthoffnung auf den Klassenerhalt des MSV hatte ich vor dem Spiel gegen den Karlsruher SC mit einer okkulten Beschwörung zu stärken versucht. Irgendwie sollte mein ganz persönliches Glück bei diesem Spiel als Vorbild für das Glück der Mannschaft wirken. Inzwischen erinnert mich das an einen alten Witz.

Ein sehr gläubiger Mann hatte große finanzielle Probleme und betete zu Gott: „Lieber Gott, bitte, lass mich im Lotto gewinnen.“
Die nächste Ziehung folgte, kein Gewinn. Das Auto wurde gepfändet.
Vor dem Wochenende betete er wieder: „Herr, bitte, lass mich im Lotto gewinnen.“
Ziehung, kein Gewinn. Die nächste Pfändung stand an. Eine Räumungsklage für die Wohnung flatterte ins Haus.
Verzweifelt betete der Mann wieder: „Lieber Gott, warum hast Du mich verlassen? Ich habe fast alles verloren. Für meine Familie kann ich nichts mehr zu essen kaufen. Ich war immer ein guter Christ. Habe ich schon ein einziges Mal um Hilfe gebetet? Bitte, lass mich nur dieses eine Mal im Lotto gewinnen. Dann sind wir gerettet.“
Plötzlich erfüllte eine donnernde Stimme den Raum: „Mein Sohn, verschaffe mir Gelegenheit. Gib endlich einen dieser Lottoscheine auch mal ab.“

Der Lottoschein des MSV Duisburg war die Leistung der Mannschaft. Mein persönliches Glück hatte gar keine Chance als Vorbild zu wirken. So ein Glück muss eine Mannschaft auch wahrscheinlich machen. Davon war sie weit entfernt. Die Mannschaft hat 1:0 verloren. Dieses eine Tor des KSC fiel in der ersten Minute beim ersten gegnerischen Angriff. Danach waren die Zebras am Boden. Wer ganz feine Offensivkraft-Wahrnehmungssensoren besitzt, konnte Mitte der zweiten Halbzeit einzelne Milli-µ Druck verzeichnen. Wir anderen resignierten. Ich dachte irgendwann, hoffentlich ist das bald hier zu Ende – nicht ohne jeden hohen Ball in den Strafraum zum Mittel gegen die eigene Resignation zu nehmen; nicht ohne jedem hohen Ball in den Strafraum mein Glück hinterher zu schicken. Genutzt hat es nichts.

Es ist müßig, über einzelne Spieler zu sprechen. Die Mannschaft hat in der ersten Halbzeit keinen Zugriff auf das Spiel gefunden und brauchte auch in der zweiten Halbzeit noch etwas Anlauf für die Milli-µ Druck. Die Spieler versuchten sich anzustrengen. Doch zu oft lief sowohl in der Defensive als auch in der Offensive diese Anstrengung ins Leere. Je nach Persönlichkeit entwickelten die Spieler dann ihr weiteres Spiel. Der eine wird wütend, der andere lethargisch und noch ein anderer zögerlich.

Aber halt, Kevin Scheidhauer muss ich noch erwähnen. Er stand in der Startelf, und seine Verunsicherung war bis auf die letzte Tribünenreihe zu erkennen. Ein Teil des Publikums hatte dazu beim Verlesen der Mannschaftsaufstellung beigetragen und damit ebenfalls früh in der Saison Drittliga-Reife bewiesen. Wie kann man einen Spieler vor dem Spiel auspfeifen? Selbst wenn dieses Pfeifen als Zeichen gegen die Trainerentscheidung hatte gemeint sein sollen. Kevin Scheidhauer kann das leider gar nicht unterscheiden. Der konnte solche Pfiffe nur auf sich beziehen. Die Last auf seinen Schultern war entsprechend größer als bei seinen Mitspielern. Wer das nicht gesehen hat, war blind. Kopf hoch, Kevin Scheidhauer, muss es nun heißen.

So stehen wir also im Abstiegskampf zusammen in Duisburg und können uns selbstgerecht das Spiel ansehen, weil wir das Versagen all dieser Spieler schon vorher gewusst haben. Dann wechselte Ilia Gruev Kevin Scheidhauer auch noch vier Minuten vor der Halbzeitpause aus. Um welches Zeichen zu setzen? Hätte das nicht noch bis zu Beginn der zweiten Halbzeit Zeit gehabt? Kevin Scheidhauer wurde also noch ein paar Extrapfiffen ausgesetzt. Ein Teil des Publikums hatte ein Ventil für seinen Zorn. An eine pädagogische Maßnahme möchte ich darüber hinaus nun gar nicht denken. Zu dem Zeitpunkt die Auswechlsung hat mir also ebenso wenig gefallen. Aber was weiß ich von Abstiegskampf? Ich hatte ja mit dem Gewinn meiner VIP-Karte nur Glück vor dem Spiel des MSV gegen den Karlsruher SC.

Gestern konnte ich mir nach dem Schlusspfiff nicht vorstellen, irgendein Wort über dieses Spiel schreiben zu können. Über meine Enttäuschung bei Nicht-Erreichen der gesteckten Ziele hatte ich in den zurückliegenden Jahren schon oft genug geschrieben. Nichts neues Unterhaltsames konnte ich meiner Enttäuschung abgewinnen, und reine Spielberichterstattung finde ich langweilig. Nun sind doch noch ein paar Worte zusammen gekommen. Zum Schluss nun fällt mir auch noch Würde ein. Wir alle, ob Spieler oder Zuschauer, sollten mit Würde die Saison zu Ende bringen. Ein frommer Wunsch, ich weiß.

Mit Glück zum Sieg

Nach dieser Woche stelle ich fest, meine Hoffnung ist kein psychischer Prozess. Meine Hoffnung ist anscheinend eine Funktion des vegetativen Nervensystems. Meine Hoffnung ist wie Hunger und Durst, ein komplexer Prozess des Körpers, gesteuert von Hormonen. Die Hoffnung kommt, wird immer stärker und muss dann erstmal wieder enttäuscht werden, damit sie verschwindet.

Mein Verstand beobachtet das alles ziemlich genervt und denkt, diese Hoffnung auf den Klassenerhalt vor dem Spiel gegen den Karlsruher SC darf doch nicht wahr sein.  Selbst wenn die noch so winzig ist, das ist mir zu viel. Bleiben wir doch mal realistisch nach der Niederlage gegen Arminia Bielefeld. Hört das denn nie auf?

Natürlich nicht, poltert alles Hoffnung tragende in mir. Das ist Fußball. Das ist der Sport, in dem bis zum Schlusspfiff, bis zum Saisonende immer noch manchmal alles möglich ist, selbst wenn eine Mannschaft am Boden liegt. Das ist der Sport, in dem der Zufall eine so große Rolle spielt – das Glück.

Versteht ihr, das Glück? Ich gewinne sonst so gut wie nie bei irgendwelchen Gewinnspielen, und entsprechend lange schon schaue ich mir ergebnislos jedes Jahr aufs Neue die Gewinnlisten vom Lions Club Adventskalender an. Nun wurde im letzten Dezember zum ersten Mal meine Losnummer gezogen, und der Gewinn war eine VIP-Karte des MSV ausgerechnet für das Spiel gegen den Karlsruher SC.

Ich gewinne sonst so gut wie nie was. Das kennen die Spieler in dieser Saison doch auch. Können die sich nicht einfach von morgen an bis zum Ende der Saison an meinem Glück ein Beispiel nehmen?

Der MSV braucht Streichresultate in einem Spiel

Fast hätte Stig mir vorhin, die Tastatur unter den Fingern weggerissen. Manchmal spreche ich eben in Gedanken so halblaut Sätze vor mich hin, bevor ich anfange zu schreiben. Ich probiere aus, wie es klingt, so was wie „allmählich gut ins Spiel gekommen während der ersten Halbzeit.“ Es ging natürlich um das Spiel vom MSV beim Karlsruher SC. Dann dachte ich noch, oder müsste nicht im Vordergrund der KSC stehen, der die Zebras immer mehr mitspielen ließ?

Währenddessen fauchte mich Stig schon an: „Hast du sie noch alle?“

Zwar habe ich mich inzwischen an seine raue Herzlichkeit gewöhnt, doch so grimmig ist er auch nicht jeden Tag.

„Und nächste Woche bist du dann wieder bei sieben Minuten, in denen die Mannschaft gezeigt hat, dass sie was kann. Stell dich doch gleich vor so ’ne Sponsorenwand. ‚An diese Leistung müssen wir im nächsten Spiel anknüpfen‘. Als Fußballerkatastrophe bist du ja schon lange genauso gut wie die.“

Die 2:0-Niederlage hat ihm mal wieder das Wochenende versaut. Jetzt sitzt er da am Tisch und zetert immer noch. In so einer Stimmung kann ich ihm nie helfen. Man muss ihn dann lassen.

Also, zum Spiel; bringen wir es hinter uns. Fast die gesamte erste Halbzeit gelang es dem MSV ein torloses Unentschieden beim Karlsruher SC zu halten. Das sah eigentlich gut aus, was die Mannschaft leistete. Nach der kurzen druckvollen Anfangsphase des KSC war es den Zebras gelungen, das Spiel zu beruhigen. Die Mannschaft wirkte in der Defensive zunehmend souverän. Selbstverständlich erwartete ich aber bei jedem Angriff des KSC einen entscheidenden Fehler. Beide Mannschaften arbeiteten bei der nachlassenden Offensivkraft des KSC Fuß in Fuß. Der Fehlpass wurde für einige Zeit zu einem gern genommenen spielerischen Mittel beider Mannschaften. Für fehlende Torraumaktionen des MSV waren allerdings die Duisburger alleine verantwortlich. Wie sollten Tore erzielt werden, wenn jeder konterähnliche Flankenlauf mit einer Reingabe im Nichts endete? Jede, wirklich jede Flanke flog über den Elfmeterraum hinaus ins Torwart-Traumland der Offensiv-Harmlosigkeit. Oft befand sich dort nicht einmal ein Spieler des MSV.

Dagegen wirkte die Defensive im Zweikampf stabil. Jedes Dribbling im eins gegen eins konnte aufgehalten werden, in fast jeden Kurzpass grätschte ein Bein hinein. Lange Bälle wurden erlaufen. Ich hatte dennoch weiter Angst vor dem Fehler. Denn einmal mehr war überaus deutlich, die Karlsruher Führung würde augenblicklich die endgültige Niederlage bedeuten. Im Auswärtsstadion wäre nicht noch einmal so etwas wie im Heimspiel gegen die Arminia möglich, das war klar. Der Fehler geschah kurz vor dem Halbzeitpfiff. Auf dem rechten KSC-Angriffsflügel trafen Torres und Bajic zusammen, und dieses Mal überwand Schnelligkeit das coole erfahrene Stellungsspiel. Die freie Flanke kam in den Strafraum, wo am kurzen Pfosten sich der Rest der MSV-Defensive versammelte, um die Mitte für irgendeinen aus dem Rückraum kommenden Karlsruher einladend frei zu lassen. Dieses Kopfballtor hätte sogar ich mit meiner Brille auf der Nase gemacht, ohne dass sie dabei beschädigt worden wäre.

Diese Tore frustrieren so ungemein, weil ihnen kein wirklicher Druckaufbau des Gegners vorangeht. Deshalb wirkt die Mannschaft in dieser 2. Liga auch komplett chancenlos. Dieses Tor fiel nicht nach einem individuellen Fehler. Viele  Spieler wirkten zusammen, angefangen vom Ballverlust im Spielaufbau bis hin zur Ordnung nach der Flanke. Weil diese Fehler selbst bei dieser grundsätzlich gelingenden defensiven Spielanlage geschehen, müsste die Mannschaft eigentlich offensiver spielen. Dann würde die Defensive allerdings anfälliger. Ein Teufelskreis. Man braucht Mut, um diesen Teufelskreis vom Anpfiff an zu durchbrechen. Allerdings braucht die Mannschaft dann auch Glück dazu.

Den Karlsruhener gab das Tor die Sicherheit für die zweite Halbzeit zurück. Wie zu erwarten war, konnten die Zebras dagegen ihre Spielaktionen Richtung Karlsruher Tor nicht in ein kontinuierliches druckvolles Offensivspiel verwandeln. Das zweite Tor des KSC fiel schon früh nach Wiederanpfiff. Die Niederlage war besiegelt. Dennoch gab es danach einige gelingende Einzelaktionen beim MSV, von denen eine sogar zum Elfmeter hätte führen müssen. Nico Klotz war etwa zehn Minuten vor Spielende innerhalb des Strafraums angespielt worden und wollte mit einer schönen Bewegung an seinem Gegenspieler vorbeiziehen; der aber drückte erst den Ball mit der Hand aus dem Strafraum und streckte sicherheitshalber auch noch sein Bein in den Lauf von Nico Klotz. Der Pfiff blieb aus. Ob ein Elfmeter was geändert hätte? Dass dieser ausgebliebene Elfmeterpfiff nach dem Spiel kaum zum Thema wurde bei Spielern, Gino Lettieri oder auch bei uns Zuschauern, zeigt, wie unterlegen sich Mannschaft und Verantwortliche des MSV gefühlt haben, wie unterlegen wir den MSV wahrgenommen haben.

Die Frage bleibt, wie gelingt der Mannschaft die Balance zwischen Offensive und Defensive? Jeder  neue Rückstand wird zu einer immer höheren Hürde. Wie kann es dieser Mannschaft gelingen in einem Spiel in Führung zu gehen? Wie kann sie offensiv genug sein, um mehr Tore zu erzielen als durch die momentan unweigerlich geschehenden Fehler in der Defensive hereingelassen werden? Natürlich fragt sich inzwischen fast das gesamte Duisburger Publikum, wieso Dustin Bomheuer besser sein soll als Thomas Meißner. Aber dieser Wechsel in der Defensive ist doch nur eine kleine Stellschraube. Fußball ist ein vom Zufall geprägter Sport. Ich beginne gerade sehr auf plötzliches Glück zu hoffen.

Der Stig sitzt da immer noch. Allmählich nervt das. Ich schreibe später zu Ende. Geht das Ding eben erst Montag online.

Endlich ist Kees weg. Ich bin’s, Der Stig, jetzt mal hergehört. Ich sage euch mal was. Egal, was Kees bis hierhin geschrieben hat. Der glaubt selbst nicht dran. Der gute Herr Jaratz hat letzte Woche den Mund nämlich verdammt zu voll genommen. Mehr Zebrastreifenblog für Gino Lettieri und so. Wenn ihr den Kees beim Spiel gegen den KSC gesehen hättet, wüsstet ihr auch Bescheid. Der zwingt sich. Der will  an die Möglichkeiten des MSV glauben. Das kommt nicht von selbst, versteht ihr? In Wahrheit bläst der jede noch so kleine gelungene Aktion zum Überfußball auf und er hofft und hofft und hofft. Fußball ist kein Springreiten. Da gibt es keine Streich-Halbzeiten. 90 Minuten dauert das Spiel. Und 90 Minuten kriegen die das nicht hin. Basta. Da gibt es nichts Positives, egal, was Kees schreibt. Fertig.

Saisonvorbereitung – Worte über und Tore der Neuzugänge: Thomas Bröker

Immer wieder mal machen Anliegerstädte des Rheins in NRW erste Schritte, um gemeinsam stark zu werden. Die „Rheinschiene“ wird dann beschworen. Die Zusammensetzung dieser „Rheinschiene“ variiert dabei. Mal sind es Köln und Bonn, die irgendetwas gemeinsam entwickeln wollen, mal Duisburg und Düsseldorf, mal gesellt sich Düsseldorf aber auch zu Köln und Bonn. Das Bemühen um diese gemeinsame Stärke ist gar nicht so einfach, weil in den Städten der Konkurrenzgedanke weiterhin recht lebendig bleibt.

Betrachtet man den Werdegang von Thomas Bröker, wüsste ich schon eine Perspektive nach seiner aktiven Zeit. Durch seine Erfahrungen als Fußballer in Köln, Düsseldorf und nunmehr Duisburg bietet er sich als Berater für solche „Rheinschienen“-Projekte geradezu an. Schließlich mögen sich die Fans dieser Vereine nicht besonders. So musste Thomas Bröker durch Leistung und Persönlichkeit überzeugen, womöglich Vorurteile überwinden, grundsätzliche Abneigungen vergessen machen und diplomatisch sein. Beste Beraterqualitäten.

Nimmt man die hochgeladenen Clips bei youtube zum Maßstab, hat Thomas Bröker in Düsseldorf die stärkste Zeit seiner Karriere erlebt. Auch wenn ich vor ein paar Tagen schon an ein Tor von ihm als Spieler des FC gegen den MSV habe erinnert. Es mag allerdings auch damit zusammen hängen, dass er in Düsseldorf zur Zeit des Aufschwungs der Fortuna Richtung Bundesliga spielte und deshalb seine Tore besonders gewürdigt wurden. Andere als Düsseldorfer Tore habe ich jedenfalls nicht gefunden. Verschossene Elfmeter aus der Kölner Zeit wollte ich jedenfalls zu Beginn seiner Saison in Duisburg nicht hier zeigen. Wir haben in Duisburg ja auch recht sichere Elfmeterschützen.

Bei Fortuna Düsseldorf hat er sich anscheinend so große Sympathie erspielt, dass ihm eigene kleine „Specials“ gewidmet wurden. Leider bestehen die vor allem aus dem Aufwärmen und nur aus wenigen Spielszenen. Deshalb habe ich das zweite „Special“ gar nicht erst hierhin geholt. Beim Aufwärmen zeigt sich spielerische Qualität nun doch eher selten.

Allerdings gibt es das ein oder andere Tor von Thomas Bröker im Netz zu finden. Im Juli 2011 verliert er im Spiel von Fortuna Düsseldorf beim VfL Bochum zunächst beim Dribbling den Ball nahe der Torauslinie. Nachdem die Kollegen den Ball sofort zurück erobert haben, erhält er eine zweite Chance. Sascha Dum ist damals im Getümmel auch dabei.

Aus der Zuschauerperspektive hinter dem Tor sieht sein Torschuss gar nicht mal gefährlich aus.

Fortuna Düsseldorf – KSC, September 2011, Thomas Bröker erzielt die Tore zum 3:1 und 4:1 – ab Minute 0.30

Fortuna Düsseldorf – FC Energie Cottbus, 15. November 2011

Dynamo Dresden – Fortuna Düsseldorf, April 2012, Endergebnis 2:1, Thomas Bröker erzielt den zwischenzeitlichen Ausgleich.

Als Höhepunkt dieser Torreihe erweist sich das Relegationsspiel zur Bundesliga Hertha BSC – Fortuna Düsseldorf, das 1:2 endete und in dem Thomas Bröker ein beeindruckendes Tor erzielte. Er zog in den Strafraum, setzte sich wuchtig gegen mehrere Spieler durch und erzielte den Ausgleich, mit dem das Spiel zugunsten von Fortuna kippte.

Chronistenpflichten: Die Niederlage im Pokalspiel

Viel gibt es am zweiten Tag nach der 0:1-Niederlage gegen den Karlsruher SC im DFB-Pokalspiel nicht mehr zu sagen. So einen Verlauf nehmen Pokalspiele. Die Mannschaft vom MSV Duisburg konnte nicht genügend Druck aufbauen, um dauerhaft gefährlich vor das Tor der Karlsruher zu kommen. Hinzu kamen altbekannte Schwächen im Angriffsspiel, wenn der Ball einmal in die vorderste Reihe gebracht wurde. Nicht umsonst kommen die Zebras im Ligabetrieb bislang nur auf eine einstellige Zahl erzielter Tore.  Den Karlsruhern ging es ähnlich. Das Spiel wirkte sehr im Gleichgewicht dieses torlosen Unentschiedens, und deshalb zeigte so eine gelb-rote Karte wie sie der Schiedsrichter des Spiels, Tobias Stieler, gegen Goran Sukalo gezogen hat,  eine Wirkung.

Sie war ein Impuls, auch wenn nicht sofort klar war, für wen sie den Vorteil bringen würde. Im offenen Spiel hätte vielleicht sogar die zusätzliche Kraft für einen Sieg des MSV Duisburg entfacht werden können. Dazu blieb aber zu wenig Zeit. Bei der Standardsituation hingegen war der KSC eindeutig im Vorteil. All das soll nicht von den Schwächen der Mannschaft ablenken. Das sind einfach bei ruhiger Überlegung spielbestimmende Faktoren. Ob der MSV Duisburg hätte besser spielen können, lässt sich danach immer noch diskutieren. Man sollte dabei aber berücksichtigen, durch die Ausfälle von Branimir Bajic und Benjamin Kern gab es keine eingespielte Verteidigung, und so wurde das Risiko größer, den Druck auf den KSC etwa mit stets offensiv agierenden Außenverteidigern zu erhöhen. Die Mannschaft spielt nicht stabil gut, so dass Ausfälle problemlos kompensiert werden können. Es ist aber weiß Gott nicht so, dass da Spieler auf dem Platz stehen, die sich nicht einsetzen und die zu wenig für den Erfolg im Spiel tun.

Zum Schiedsrichter ist inzwischen auch viel gesagt worden. Seine desaströse Leistung bringt es sogar zur prominenten Nachberichterstattung von unser aller Skandalzeitung BILD.  Noch einmal: man kann diese Schiedsrichterleistung als katastrophal bewerten, ohne sie als Entschuldigung für die Niederlage zu nehmen. Sie erinnerte mich an die Pokalwettbewerbe des Westdeutschen Basketballverbandes. Der Verband trägt diesen Wettbewerb mit einem interessanten Malus-System aus. Spielt eine Mannschaft in den Ligen höher als der ihr zugeloste Gegner, startet sie mit je 20 Punkten Rückstand pro höherer Spielklasse. Der MSV Duisburg trug am Mittwoch auch ein Malus mit durchs Spiel. Das war ohne Frage der Schiedsrichter. Ich freue mich auf die Zeit, wenn die Mannschaft wieder so gut spielt, dass sie so ein Malus problemlos wegsteckt.

Hoffen wir mit dem „Dicken“ auf einen neuen Tag, an dem einfach alles passt

Auch wenn es schwer fällt. Schiebt Julian Koch und Fortuna Düsseldorf mal eben kurz zur Seite. Einfach nur, um sich an den kommenden Dienstag, den 8. Mai, zu erinnern. Zwar endet die Liga-Saison am Sonntag, doch am Dienstag findet in der Arena das „Benefizspiel anlässlich Präsentation und Vorstellung des Bundesverband der Organtransplantierten“ (BDO) statt – den einen Klick weiter findet ihr die Seite zu diesem Spiel. 

Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass es in Duisburg noch jemanden gibt, der den Hintergrund dieses Fußballspiels nicht kennt. Den anderen sei erzählt:  die lebensbedrohliche Lungenerkrankung des Rekordtorschützen vom MSV Duisburg Michael Tönnies macht für ihn eine Lungentransplantation notwendig. In so einem Zustand des Wartens auf das passende Spenderorgan braucht ein Mensch nicht nur die ärztliche Versorgung, er braucht auch emotionale Unterstützung und psychische Kraft.

Michael Tönnies hat diese Unterstützung sowohl beim BDO als auch bei den Anhängern des MSV Duisburg gefunden. So ist für Michael Tönnies das Benefizspiel schon jetzt ein Erfolg, weil ihm die Anteilnahme an seinem Schicksal Hoffnung zurück gab. Am Dienstag nun tritt die Traditionsmannschaft des MSV Duisburg in der Schauinsland-Reisen-Arena gegen eine Auswahl ehemaliger Bundesligaprofis und Nationalspieler an.  Die  Namensliste ist lang: Klaus Fischer, Rüdiger Abramczik, Olaf Thon, Dieter Hecking, Andreas Rettig, Ivo Grlic, Uwe Weidemann, Ewald Lienen werden dabei sein, Bachirou Salou, Peter Neururer, Thomas Helmer und Thomas Strunz. Moderiert wird die Veranstaltung von Ulli Potofski, der seinerzeit auch das denkwürdige 6:2 gegen den KSC kommentierte bei dem Michael Tönnies den schnellsten Hattrick der Bundesliga-Geschichte erzielte.

Der Anstoss des Spiels findet um 19:02 Uhr statt. Karten zu Preisen zwischen 6 und 8 Euro sind an den bekannten Vorverkaufsstellen zu haben. Der Veranstalter bittet darum, diesen Vorverkauf auch zu nutzen, weil am Spielabend selbst nur drei Kassen geöffnet werden können. Der Aufwand soll so gering wie möglich gehalten werden, damit die Unkosten möglichst gering sind und der Gewinn möglichst groß. Der Überschuss kommt dem BDO zugute.

Im Spiel gegen den Karlsruher SC am 27. August 1991 passte für den von MSV-Fans „Dicken“ genannten Michael Tönnies alles. Fünf Tore insgesamt erzielte er, drei davon nacheinander innerhalb der ersten fünfzehn Minuten.

Hoffen wir mit Michael Tönnies auf den schnell kommenden nächsten Tag, an dem in seinem Leben wieder alles so gut wird wie damals.

Teilnahmsloses Grillen statt Paderborn-Support

Der Montag ist nach Freitagspielen des MSV Duisburg doch eigentlich der Tag für den resümierenden Spieltags-Artikel. Den vermisse ich heute bei DerWesten, stattdessen Lizenzvergabe und Nachbessern. Komme ich gleich noch zu. Eigentlich hatte Maurice Exslager nach dem dreckigen Unentschieden in Braunschweig nämlich eine Steilvorlage für so einen Die-Stimmung-nach-dem-Spieltag-Artikel gegeben. Ich suche die Stelle jetzt nicht mehr, aber ich glaube, er war es, der davon sprach, vielleicht träfen sich die jüngeren Spieler zum Grillen, um sich dabei das Spiel vom SC Paderborn gegen den Karlsruher SC anzusehen.

Hätte der SC Paderborn in Karlsruhe Unentschieden gespielt, hätten ja die Rechnereien mit den den zu vergebenden Punkten der letzten beiden Spieltage in Duisburg eingestellt werden können. Nun haben die Paderborner bei der vorzeitigen Sicherung des Klassenerhalts versagt. Die Mannschaft vom MSV Duisburg muss nächsten Sonntag gegen Aue also selbst ran, um die restlichen Punkte für Platz 3 einzufahren. Oder war es am letzten Spieltag gegen Düsseldorf? Der Ex- und Neu-Trainer vom 1. FC Köln Frank Schaefer wusste nicht umsonst, die letzten 3 Spieltage einer Saison sind besondere Spieltage, an denen alles möglich ist. Da verliert einer wie ich leicht den Überblick.

Sicher weiß ich aber, besser geht immer. Das weiß der Lokalsport bei DerWesten sonst auch. Die Modalitäten der Lizenzvergabe ließen nur keine Zeit für den sportnahen Montagsstimmung-Artikel. Deshalb habe ich mir die entsprechenden Schlagzeile dazu auch selbst gemacht. Man kann sich an schlechte Nachrichten gewöhnen und sie vermissen. Man darf doch mal vermuten, wahrscheinlich hätte die Paderborner Niederlage in Karlsruhe abgewendet werden können, wenn es ein wenig mehr Einsatz von Duisburger Seite gegeben hätte. Dem Paderborn-Support fehlte der Support aus Duisburg. Stattdessen Hard-Core-Grillen von teilnahmslos wirkenden Jung-Zebras, während die nicht spielenden Verantwortlichen des Vereins sich um nichts anders als ums Geld kümmerten. Da muss man doch schwarz sehen.

Aber nur ein bisschen aus Gewohnheit. Dann leuchtet das Licht am Ende des Tunnels um so heller. Als ich die Meldung Ende letzter Woche las, alle Vereine der Profi-Ligen hätten die DFL-Lizenz erhalten, einige müssten allerdings noch Auflagen erfüllen, war schon klar, der MSV Duisburg wird, wie das im Finanzfunktionärs-Deutsch heißt, nachbessern müssen. Nun läuft alles wie gehabt. Roland Kentsch gibt sich ruhig und zuversichtlich. Zahlen kursieren, ohne dass sie offiziell bestätigt werden.  Wir Zuschauer hoffen, alles wird gut ausgehen.

Ein wenig unterscheidet sich die Situation dann allerdings doch von anderen, weil MSV-Präsident Andreas Rüttgers schon zuvor das Gespräch mit Zuschauern und Unterstützern des MSV suchte und um Verständnis für das Handeln im Verein warb, wie hier im MSVPortal. Durch die Auflösung des Marketing-Vertrags mit Hellmich-Marketing gibt es einen grundsätzlich neuen Ansatz, zur Finanzierung des MSV Duisburg. Der trägt allerdings laut Andreas Rüttgers erst ab der übernächsten Spielzeit Früchte. Bis dahin wird der Haushalt immer eng kalkuliert sein. Andererseits gab es bislang kein Versprechen von Andreas Rüttgers, das nicht gehalten werden konnte. Es spricht nichts dafür seiner Arbeit und der von Roland Kentsch zu misstrauen.

Sicher nach Hause geirgendwast

Im sportlichen Bereich des MSV Duisburg kehrt allmählich Normalität ein. Der 3:1-Sieg gegen den Karlsruher SC entspricht dem, was angesichts der letzten Wochen und  was vor allem angesichts des Tabellenstandes erwartet werden konnte. Wenn ich allerdings die  Stimmen nach dem Spiel lese, war ich vor dem Anpfiff der Zeit etwas voraus. Da klingt bei den Spielern doch auch noch einmal etwas Erleichterung an. Ich hingegen war so entspannt und siegesgewiss wie schon lange nicht mehr ins Stadion gekommen, und das Slapstick-Tor in der 3. Minute bestätigte mein Gefühl auch schnell. Da fliegt ein Ball stundenlang in hohem Bogen vor das Tor, der Ball senkt sich und drei Männer prallen zusammen, während der Ball auf den Kopf des Mannes im blau-weiß gestreiften Trikots fällt. Zum Leidwesen der Karlsruher ist einer der drei Männer der Torwart der Mannschaft, der mutig fast bis an die Strafraumgrenze zum Fausten herausgelaufen ist und dabei Luftlöcher schlägt. So hat der Ball genügend Zeit über ihn hinweg ins Tor zu trudeln. Die Mischung aus Entgeisterung, Amusement und Freude über das Tor um uns herum ist auch nicht oft im Stadion zu sehen.

Was folgte war eine Halbzeit, in der dem KSC  nichts gelang. Gar nichts. Na gut, ein gefährlicher Kopfball ergab sich kurz vor der Halbzeitpause, damit Felix Wiedwald das Gefühl bekam, er müsste auch zum erhofften Sieg beitragen. So schlecht habe ich bislang keine andere Mannschaft in Duisburg gesehen. Wenn ein nach vorne gespielter Ball nicht direkt im Aus landete, so konnten ihn sich die Duisburger Spieler  erlaufen oder durch gutes Stellungsspiel abfangen. Das sah alles einfach aus und musste doch erst einmal konzentriert angegangen sein. Das Spiel nach vorne vom MSV war bemüht, blieb aber ohne kontinuierlichen, größeren Druck. Doch selbst das ergab Chancen, was mehr über die Defensive der Karlsruher aussagt als über die Offensive des MSV.

Die zweite Halbzeit gab uns dann noch eine Anschauung in Sachen Psyche von Mannschaften. Da standen die selben Spieler es KSC auf dem Platz und sie konnten sich zumindest für eine kurze Zeit daran erinnern, wie Fußball gespielt wird. Damit sie so richtig wieder alles im Kopf hatten, musste der MSV allerdings noch ein zweites Tor schießen. Emil Jula war erfolgreich. Danach steigerte sich die Fehlpassquote seiner Mannschaft. Bruno Soares hatte in dieser Phase in einem unbeobachteten Moment anscheinend seine Beine ausgeklinkt und von links auf rechts vertauscht wieder eingehängt. Anders habe ich mir die Streuweite seiner Pässe auf eine Entfernung von fünf Metern nicht erklären können.

Ich ließ  mich aus der Lethargie meiner Siegesgewissheit also doch noch rausholen, regte mich auf und begann angesichts des Anschlusstores der Karlsruher ein drittes Tor für unbedingt notwendig zu halten. Die Abwehrreihe des MSV machte jedenfalls zu diesem Zeitpunkt einen etwas unorthodoxen Eindruck. Da war Markus Bollmann, wahrscheinlich wegen einer Verletzung, ausgewechselt worden. Bei Flanken vor das Tor ging es drunter und drüber, sprich, gestern durfte man mit seiner Leistung zufrieden sein, mehr noch, als er ging, wurde die Mannschaft geschwächt. Wir konnten dankbar sein, dass bei den Karlsruhern Abschlussstärke im Moment auch nicht gerade zu den hervorragenden Eigenschaften der Mannschaft zählt.

Das Tor von Daniel Brosinski zum 3:1 war dann ein technisches Kabinettstück. Von der linken Seite hat er den Ball ins lange Eck geschlenzt. Sehr schön war das anzusehen, nachdem der Ball von ganz rechts über drei, vier Stationen an der Strafraumgrenze entlang gewandert war und man jedes Mal dachte, jetzt, mach es doch. Und tack, war der Ball noch einmal nicht auf sondern parallel zum Tor gespielt. Immer ungefährlicher schien die Schussposition und dann stand da doch Daniel Brosinski. Habe ich es schon einmal geschrieben? Ich glaube. Mir scheint er derjenige zu sein, der vom Trainerwechsel am meisten profitiert. Welch Wandel beim Selbstvertrauen ist nach der Entlassung von Milan Sasic bei ihm zu sehen.Verlierer gibt es durch den Wechsel allerdings auch. Kennt noch jemand Janos Lazok?

Wenn ich darüber hinaus, den Spielkommentar von Jörn Andersen lese, stelle ich fest, Trainer haben es auch schwer, sich zwischen Realität und Hoffnung mit Worten zu äußern. Man träumt dann gerne und hält sich an den wenigen Momenten des Spiels fest, in denen alles anders hätte werden können. So Momente gibt es so häufig bei Niederlagen. Wer aber die Mannschaft des KSC in der ersten Halbzeit gesehen hat, kann nur sagen, da muss viel zusammen kommen, damit diese Mannschaft im Moment nicht verliert. Der MSV ist da sehr viel weiter. Jetzt noch ein Unentschieden in Cottbus – ein wenig schiele ich natürlich auch auf mehr – und dann werden wir mit Gewissheit allmählich die nächste Saison planen können. Das sage ich im Hinblick auf die berühmten Verstärkungen in der Winterpause. Da sollte die erste Frage nach dem Zweck sein. Nach oben ist nichts mehr drin, das Mittelfeld scheint mir mit dieser Mannschaft als gesichert. Da braucht man also nicht überhastet irgendwelche halbgaren Hoffnungsträger gegen die Abstiegsangst verpflichten. Da braucht es Perspektive.

Spielvorbereitung FC Energie Cottbus samt letzter Schelte für die DFL

Vor dem Spiel gegen den FC Energie Cottbus denke ich noch kaum an den heutigen Abend. Ständig gehen mir Bilder des Halbfinal-Siegs im DFB-Pokal durch den Kopf. Das sei uns Fans aber gestattet. Schuld daran ist ohnehin die DFL mit ihrer verrückten Idee, den Saisonstart der 2. Liga so früh zu terminieren. Ich wiederhole mich, alles geht ineinander über. Die letzte Saison lappt noch ins Heute hinein, und aus der blieben von der DFB-Pokalrunde die lebendigere Erinnerungen als vom durchwachsenen Rückrunden-Ligabetrieb mit der 3:1-Auswärtsniederlage gegen den FC Energie Cottbus.

Ich sage es jetzt zum letzten Mal in diesem Jahr. Der 1. Weihnachtstag wird ja auch nicht drei Wochen vorverlegt, damit das Hochamt dieses Tages mehr Aufmerksamkeit gegenüber der Christmette am Heiligabend erhält. Nur, um das noch einmal klar zu stellen. Die DFL ist keine hoheitliche Verwaltungsinstitution, die vom Himmel gefallen ist. Der frühe Saisonstart wurde von den Vereinsvertretern im Entscheidungsgremium mit nur der Gegenstimme vom FSV Frankfurt beschlossen. Ich verstehe überhaupt nicht, welche wirtschaftlichen Folgen das diffuse Motiv „mehr Aufmerksamkeit für die 2. Liga“ haben soll. Denn alleine darum geht es dann ja doch. Irgendwie soll mehr Geld generiert werden durch die alleinige Präsenz des Zweitliga-Spielbetriebs in der Öffentlichkeit. Aber wie? Mehr Zuschauer werden nicht in die Stadien gehen, und die Fernsehgelder gibt es auch nur im Paket. Sponsoren, die für drei Wochen mal eben was Geld locker machen sollen? Es geht doch immer um langfristige Verträge. Ich verstehe den Gedankengang des DFL-Gremiums nicht. Schmiss da einer vielleicht nur das Wort Alleinstellung in den Raum, und das reichte schon aus? Dieses Wort Alleinstellung hat ja seit ein paar Jahren einen überaus guten Klang, wenn Gründe für wirtschaftlichen Erfolg gesucht werden und damit notwendige Voraussetzungen für den zukünftigen.

Aber FC Energie Cottbus! So heißt der Gegner heute Abend, und so richtig wissen wir nicht, woran wir sind. Einerseits sieht die Niederlage gegen den Karlsruher SC nach noch notwendiger Trainingsmehrarbeit aus, andererseits hatte Milan Sasic vor dem Spiel gegen den KSC ein gutes Gefühl. Für dieses Gefühl fanden auch wir Zuschauer mit dem Auftreten der Mannschaft in den Vorbereitungsspielen Argumente. Ich hoffe natürlich auf einen Sieg, aber dem Realisten in mir reicht nach meinem Eindruck vom Karlsruher Spiel schon eine Mannschaft, in der das Zusammenwirken aller besser funktioniert. Dann wäre ich auch mit einem Unentschieden zufrieden. Die Saison ist lang genug für eine Siegesserie, die erst später beginnt. Meinetwegen ab dem dritten Spieltag.

Zur weiteren Einstimmung für heute Abend sei auf den von youttube-Kanal von luetteyeah verwiesen. Dort findet sich dieser von großem Fan-Pathos getragene Kurzfilm rund um das Halbfinale im DFB-Pokal gegen den FC Energie Cottbus, 13 Minuten 8 Sekunden intensive Atmosphäre und abwechslungsreiche Bilder.

Auftaktspielschwäche und die Bedeutung eines Scherbenhaufens

Wenn die Sommerferien in Nordrhein-Westfalen noch nicht einmal begonnen haben, können Fußballspiele keine Meisterschaftsspiele sein.  Für den 3:2-Sieg des Karlsruher SC gegen den MSV Duisburg gibt es doch keine drei Punkte.  Das muss ein Irrtum sein. Das war kein Meisterschaftsspiel. Dafür war es zu früh. Für beide Mannschaften. Das war ein Vorbereitungsspiel für die Saison, in dem in der ersten Halbzeit ein großes Spektakel geboten wurde und in dem während der zweiten Halbzeit Spieler sich den Trainern beweisen wollten.

Da passte nicht viel zusammen in der Mannschaft des MSV Duisburg. Darüber sind wir uns alle einig. Als verteidigende Mannschaft war der MSV jederzeit für Fehler gut. Wahrscheinlich wäre mit Branimir Bajic zumindest die Abstimmung in der Abwehrreihe besser gewesen. Hätten die Außenverteidiger dann auch den Zweikampf besser aufnehmen können? Fußball ist ein komplexes Spiel, da dreht man an einem Rädchen, und Auswirkungen gibt es drei Stationen weiter. Ich habe das Spiel am PC gesehen und hatte den Eindruck, jederzeit ist alles möglich. Nach vorne wie nach hinten. Ein Ausgleich hätte ebenso fallen können wie das vierte Tor der Karlsruher.

Der Sieg des KSC war aber verdient. Die Mannschaft zerstörte das Aufbauspiel des MSV Duisburg besser, als es den Zebras umgekehrt gelang. Zudem wirkten Klemen Lavric und Alexander Iashvilli immer etwas torgefährlicher als die Angreifer des MSV Duisburg. Deutlich wurde aber auch, diese Mannschaft des MSV Duisburg brennt vor Ehrgeiz. Sie scheint große Ziele zu haben. Es wird in den nächsten Spielen interessant, wie dieser große Ehrgeiz mit dem anscheinend ebenso großen Verbesserungsbedarf des Zusammenspiels harmoniert. Was einerseits gut für die Zukunft ist, birgt Gefahr von großer Unzufriedenheit, solange es nicht halbwegs rund läuft.

Ein Anschlusstor ist für diese Mannschaft jedenfalls kein Grund zur Freude. Das gefällt mir. Nur-Zum-Ausgleich-Jubeln-Wollen Wolze kriegte nach seinem Tor zum 2:3 fast noch Ärger mit den Karlsruhern. Deren Verteider lag zappelnd über dem Ball mit im Tor. Kevin schob und zog ein wenig an dem Mann, um besser an den Ball zu kommen. Schon eilten andere Karlsruher herbei. Dabei versuchte Kevin Wolze nur, diesen Ball schnellstmöglich zum Anstoßpunkt zu bringen. Er kannte die besondere Regel dieses Spiels, auf die sich die Vereine geeinigt hatten. Tore sind nur vor der Halbzeitpause erlaubt.

So richtig warm bin ich mit dem Spiel nicht geworden. Aber es gibt ja auch noch ein Randthema, das mich sehr beschäftigt. Vasileios Pliatsikas, Billy genannt, gab der Sportredaktion von Der Westen nach seiner gelb-roten Karte noch eine Steilvorlage zu einer überdramatisierenden Schlagzeile. „MSV Duisburg steht zum  Start vor einem Scherbenhaufen“. Da hat sich jemand in der Redaktion allzu sehr verführen lassen von den Scherben, die Vasileios Pliatsikas  mit dem Tritt gegen eine Tür des Kabinentrakts hinterlassen hat. Zweimal muss ich nun ausholen und sagen: So nicht!

Liebe Der Westen-Redaktion, manchmal dürfen beste Pointen-Chancen nur die Zuschauer auf den Rängen nutzen. Journalisten haben leider die Sorgfaltspflicht, der Wirklichkeit bei diesen Pointen Rechnung zu tragen. Die Mannschaft des MSV Duisburg hat schlecht gespielt, keine Frage. Ein „Scherbenhaufen“ ist da dennoch, außer in seiner tatsächlichen Bedeutung, nirgendwo zu erkennen. Doch dieser „Scherbenhaufen“ in der Artikelüberschrift wird unweigerlich auch bildhaft verstanden und damit als Charakterisierung der Mannschaft. Zu einem“Scherbenhaufen“ kann aber erst etwas werden, was vorher als Ganzes vorhanden war. Dazu hatte die Mannschaft bislang keine Gelegenheit. Auch wer Artikelüberschriften so verführerisch und raffiniert wie möglich machen möchte, darf die Wirklichkeit nicht vergessen.

Und nun zu Vasileios Pliatsikas Tritt in eine Glastür und Milan Sasics Reaktion darauf. Ich hoffe sehr, diesen ersten im Artikel zitierten Worten von Milan Sasic auf Pliatsikas Wutausbruch folgen morgen weitere. Was Milan Sasic sagt, hört sich für mich so an, als müsse das hingenommen werden, wenn einer randalierend durch die Welt läuft: „‚Die Emotionen waren nicht zu viel, das ist Fußball‘, nahm der Kroate den Neuzugang in Schutz: ‚Billy ist ein heißblütiger Grieche. Wenn wir Leute mit solcher Mentalität holen, dann müssen wir uns darauf einstellen. Der Junge weiß, was er getan hat. Ich finde ihn super. Er ist charaktervoll und hat sich unter Tränen bei der Mannschaft entschuldigt.‘ Hoffentlich denkt Milan Sasic bei seinen Worten nur an das Verhalten des Spielers auf dem Spielfeld.

Letzte Saison hat mich schon einmal eine beschwichtigende Haltung zu randalierendem Unfug geärgert. Da war es Lukas Podolski, der in Leverkusen für Scherben sorgte. Ein Verhalten verstehen, bedeutet nicht zugleich, dieses Verhalten auch gut zu heißen. Es gibt so etwas wie Verantwortung für Fehler. Die Zerstörung fremden Eigentums wird in unserer Gesellschaft gemeinhin nicht gerne gesehen. Was lernen jugendliche Fußballanhänger in Duisburg aber, wenn sie den Spielbericht lesen. Sie lernen, ich darf jederzeit die Sau raus lassen, ich bin doch nur wütend.

Weiß Milan Sasic, dass Lehrern und Erziehern diese Standardantwort von Kindern aus den Ohren heraus hängt? Wie kannst du den Stuhl durch Klasse schmeißen? – Aber ich war wütend, der xy will mich nicht mitspielen lassen. Nocheinmal: Verstehen heißt nicht, akzeptieren. Milan Sasic kann seinen Spieler in Schutz nehmen, und dennoch dessen Verantwortung einfordern. Selbstverständlich müsste Vasileios Pliatsikas die Kosten für die Reparatur der Tür übernehmen, und das muss in der Öffentlichkeit auch gesagt werden. Das ist keine moralische Frage, sondern eine des bürgerlichen Rechts. Schutz des Eigentums nennt sich das. Sonst funktioniert Zusammenleben nicht. Wenn Fans sich entsprechend verhalten, wird das auch nicht akzeptiert. Was war das Geschrei groß, als Ende der letzten Saison die 600.000 Euro teure Spezialkamera in Frankfurt von einem Fan der Eintracht zerstört wurde. Aber der Fan gibt alles für seinen Verein. Er hat nur überreagiert, weil seine Eintracht absteigen wird. So Fans braucht der Verein. Hat Heribert Bruchhagen das irgendwo so gesagt ? Ich glaube nicht.

Zurück zum Kerngeschäft des MSV Duisburg, dem Fußball. Wir werden nun im Spiel gegen den FC Energie Cottbus sehen, ob die Art und Weise der Auftaktniederlage noch viel Trainingsarbeit bedeutet oder ob das Spiel der Mannschft nur eine vorübergehende Auftaktsspielschwäche war. Für die erste Variante habe ich als Trost übrigens schon den Verlauf der letzten Saison für den VfL Bochum parat.


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