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Der Umbruch bis ins Marketing hinein?

Gestern sprach ich ja schon nebenbei von der Psychologie eines Geschehens. Das lässt sich heute nahtlos fortsetzen. Marcel Herzog, Kevin Grund, Daniel Reiche, das sind drei Vertragsabschlüsse, die  an einem Tag verkündet werden. Das klingt gut, auch weil die Vertragsverhandlungen mit den einzelnen Spielern sehr unterschiedliche Voraussetzungen hatten. Marcel Herzog sprach sich am deutlichsten für den MSV Duisburg aus und kein anderer Verein war für die Öffentlichkeit im Gespräch. Das war bei Kevin Grund anders. Zwar war auch für ihn der MSV Duisburg erster Ansprechpartner, doch das Interesse von weiteren Vereinen wurde vertragsgesprächsbegleitend vermeldet. Von Daniel Reiche las ich nur einen Artikel über ein anfängliches Interesse des MSV Duisburg. Danach war nichts mehr zu lesen, wie es dort weiterging.

Drei Vertragsabschlüsse, die an einem Tag verkündet werden. Wie anders klingt das als die Meldungen von fehlgeschlagenen Vertragsabschlüssen vor der letzten Saison. Da geht es nicht um die zu erwartende Leistung der Spieler, sondern um die Stimmung, die sich im und um den Verein herum verfestigt. Es entsteht ein anderes Selbstbewusstsein im und um den Verein herum, wenn ein Spieler lieber beim MSV Duisburg bleibt als zu wechseln. Deshalb hat diese Meldung von drei Vertragsabschlüssen an einem Tag einen Wert über die reine Information hinaus. So eine Meldung schafft Stimmung.

Dazu passt die gestrige Pressemeldung vom Beginn des Dauerkartenverkaufs, die auch auf der MSV-Seite zu finden ist. Da hat sich jemand Gedanken gemacht, das lässt sich anerkennend feststellen. Nicht nur, dass ein Dauerkartenkauf bis zum ersten Heimspiel mit einer Verlosung von3 x 10 Logenkarten verbunden ist:

Dem Gewinner, wie bis zu neun weiteren MSV Fans seiner Wahl (Personen mit Stadionverbot ausgeschlossen), winkt der Besuch einer Loge, mit den damit verbundenen Vorteilen wie ausreichende Bewirtung vor und nach dem Spiel.

Diese Marketing-Aktion verbuche ich noch unter der Rubrik beliebiges Schrottschuss-Instrumentarium – ein Aktionismus, der in allen Branchen immer wieder gerne gezeigt wird, wenn „wir mal wieder was besonderes für unsere Kunden brauchen“. Es ist eine symbolische Geste für die Bestandskunden, die für Neukunden keine Relevanz hat. Ich jedenfalls kenne niemanden, den solch eine Verlosung in seiner Entscheidung für den Dauerkartenkauf beeinflusst. Dennoch halte ich solch eine symbolische Geste für notwendig!

Es muss nur etwas hinzukommen, und das geschieht in der nächsten Saison:

Neben den bereits bekannten Vorteilen beim Kauf einer Dauerkarte erhält jeder Dauerkartenkunde den exklusiven Schal „DAUERZEBRA“. Dieser Schal ist nicht käuflich zu erwerben, sondern wird nur an echte DAUERZEBRAS ausgegeben.

Ich hätte zwar ein anderes Wort gesucht, um die Dauerkartenkäufer zu benennen, doch halte ich diese Aktion für ein sehr gutes Vorhaben, das mehr als eine symbolische Geste ist. Der Dauerkartenkauf erhält auf diese Weise einen emotionalen Moment, der über die rein geschäftliche Transaktion hinaus geht. Darüber denken im Fußball der Gegenwart alle nach, wie passen das Geschäft und die Fußballwerte der Anhänger zusammen. Mit dem Schal, der sich nicht kaufen lässt, und der eine besondere Zugehörigkeit zum MSV Duisburg ausdrückt, gelingt diese so schwer herzustellende Einheit von Geschäft und Fußballwerten der Anhänger vorbildlich. Vielleicht wirkt sich der Umbruch der Mannschaft in allen Bereichen aus? Vielleicht deutet sich hier ein neuer Geist im Verein an? Die Finanzlage zwang zu einem Umbruch. Bislang war immer nur von der Mannschaft die Rede, vielleicht erleben wir den Umbruch nun auch auf anderen Ebenen des Vereins.

Allerdings muss ich auch noch erwähnen, all diese Zukunftsmusik wird nun angestimmt, obwohl es noch immer keine offizielle Bestätigung gibt, dass die Lizenz-Auflagen erfüllt wurden. Wir sehen, alles geschieht gleichzeitig und manches, was hinter den Kulissen geschehen ist, muss später nachgereicht werden, weil es Statuten und Regeln so vorschreiben. So will ich das mal deuten.

Alles wie gehabt – Die Zukunft kann beginnen

Genau so wie das Spiel gestern vom MSV Duisburg gegen den TSV 1860 München vor allem in der ersten Halbzeit aussah, hatte ich es mir nach Milan Sasics Ankündigung einer veränderten Heimtaktik vorgestellt. Ich hatte mir zudem allerdings auch noch ein Tor für den Verein aller Vereine vorgestellt. Nun, ja! Zwei Mannschaften machen hinten dicht und choreografieren immer wieder an der Mittellinie eine 20-Mann-Synchron-Tanzformation. Hin und wieder bricht einer aus der Gruppe aus und für einen Moment beschleunigt sich das Spiel in Richtung eines Tores, weil zwei bis drei Mitspieler es für eine gute Idee halten, mitzulaufen. Fast alle Gegenspieler sind dann ebenfalls dabei. Auf diese Weise ist es dem MSV Duisburg in der ersten Halbzeit sogar gelungen, sich etwas zu erarbeiten, was annähernd Torchance genannt werden kann. Wie wir es vom MSV Duisburg aber auch kennen, ergibt sich aus so einer einzelnen Möglichkeit keine Reihe. Es entsteht kein kontinuierlicher Druck. Die Mannschaft kehrte immer wieder in die Synchronformation an der Mittellinie zurück.  Mit zunehmender Spielzeit erschwerte der aufgeweichte Boden das Spiel beider Mannschaften dann immer mehr und die gleichförmige Bewegungen der Zwanzigmanngruppe löste sich in Kleingruppen auf.

Dem Münchner Torschützen Djordje Rakic erleichterte der Boden allerdings sein Spiel. Tom Starke wird nämlich im RevierSport zitiert, er habe „zu viel Matsche“ am Handschuh gehabt. Was als Erklärung dafür gelten soll, warum er den erst gefangenen Ball Rakic überließ. Es war ein kurioses Tor aus unserer Sicht von der Gegenseite aus. Wir sahen zwar eine torgefährliche Aktion, doch Tom Starke hatte doch den Ball gehalten. Aus der Ferne war danach keinerlei Unruhe oder schnelle Bewegung im Strafraum zu erkennen. Doch auf einmal hatte ein Münchner Spieler den Ball am Fuß und schon jubelten die Münchner Spieler.

In der zweiten Halbzeit war es aber klar, wenn in diesem Spiel ein Tor fallen sollte dann nur, weil irgendeiner der Spieler einen eklatanten Fehler machen würde. Dass es dann ein Duisburger Spieler sein musste, ist bitter. Einmal mehr haben wir die Grenzen dieser Mannschaft erlebt. Es ist ja nicht so, als hätten sich die Spieler nicht bemüht. Doch es fehlt dieser Mannschaft im Spiel nach vorne die Durchsetzungskraft. Ich erkenne bei meinem nicht sehr ausgeprägtem fußballtaktischen Wissen – vielleicht liest jemand mit und wir können das gemeinsam noch besser aufdröseln – also, mir scheint es bei Heimspielen für die Offensive der Mannschaft genau zwei taktische Möglichkeiten zu geben. Dummerweise führen beide mit nur geringer Wahrscheinlichkeit zum Erfolg. Eigentlich brauchen offensives Mittelfeld und Sturm zusätzliche Unterstützung für die Angriffsbemühungen. Das sind meist Vorstöße der Außenverteidiger. Haben die Außenverteidiger diese taktische Anweisung für das Spiel, entblößt die Mannschaft die Defensive gerade gegen Gegner mit einem gut organisierten Angriffsablauf zu sehr. Wird aber auf diese Vorstöße verzichtet, üben die Angriffe des MSV Duisburg zu wenig kontinuierlichen Druck auf den Gegner aus. Nur solch ein Druck führt aber zu Fehlern des Gegners. Deshalb muss auf den zufälligen Erfolg einzelner Spielaktionen gehofft werden.

Es bleibt Enttäuschung und die Suche nach etwas im Spiel, was die Stimmung hebt. Fündig werde ich bei Kevin Grund. Wenn ich mir seine Leistung in Erinnerung rufe, bekomme ich gute Laune. Nun wissen wir, auch beim MSV Duisburg gibt es zumindest einen dieser souveränen jungen Spieler, von denen ganz Deutschland bei den Erstligisten schwärmt. Das war beeindruckend, was er in seinem ersten Spiel im Profi-Betrieb gezeigt hat. Er war ballsicher, zeigte gutes Stellungsspiel, war antrittsschnell, sprintstark und bewies ein überlegtes Passspiel, wenn nach seiner  Balleroberung sofort wieder Druck auf ihn ausgeübt wurde. Ich denke schon wieder an die Zukunft und an eine Mannschaft, die sich auflöst. Da ist es gut, so einen Spieler mit Vertrag im Verein zu haben.


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