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Der Zebra-Lottoschein war nicht mal ausgefüllt

Meine winzige Resthoffnung auf den Klassenerhalt des MSV hatte ich vor dem Spiel gegen den Karlsruher SC mit einer okkulten Beschwörung zu stärken versucht. Irgendwie sollte mein ganz persönliches Glück bei diesem Spiel als Vorbild für das Glück der Mannschaft wirken. Inzwischen erinnert mich das an einen alten Witz.

Ein sehr gläubiger Mann hatte große finanzielle Probleme und betete zu Gott: „Lieber Gott, bitte, lass mich im Lotto gewinnen.“
Die nächste Ziehung folgte, kein Gewinn. Das Auto wurde gepfändet.
Vor dem Wochenende betete er wieder: „Herr, bitte, lass mich im Lotto gewinnen.“
Ziehung, kein Gewinn. Die nächste Pfändung stand an. Eine Räumungsklage für die Wohnung flatterte ins Haus.
Verzweifelt betete der Mann wieder: „Lieber Gott, warum hast Du mich verlassen? Ich habe fast alles verloren. Für meine Familie kann ich nichts mehr zu essen kaufen. Ich war immer ein guter Christ. Habe ich schon ein einziges Mal um Hilfe gebetet? Bitte, lass mich nur dieses eine Mal im Lotto gewinnen. Dann sind wir gerettet.“
Plötzlich erfüllte eine donnernde Stimme den Raum: „Mein Sohn, verschaffe mir Gelegenheit. Gib endlich einen dieser Lottoscheine auch mal ab.“

Der Lottoschein des MSV Duisburg war die Leistung der Mannschaft. Mein persönliches Glück hatte gar keine Chance als Vorbild zu wirken. So ein Glück muss eine Mannschaft auch wahrscheinlich machen. Davon war sie weit entfernt. Die Mannschaft hat 1:0 verloren. Dieses eine Tor des KSC fiel in der ersten Minute beim ersten gegnerischen Angriff. Danach waren die Zebras am Boden. Wer ganz feine Offensivkraft-Wahrnehmungssensoren besitzt, konnte Mitte der zweiten Halbzeit einzelne Milli-µ Druck verzeichnen. Wir anderen resignierten. Ich dachte irgendwann, hoffentlich ist das bald hier zu Ende – nicht ohne jeden hohen Ball in den Strafraum zum Mittel gegen die eigene Resignation zu nehmen; nicht ohne jedem hohen Ball in den Strafraum mein Glück hinterher zu schicken. Genutzt hat es nichts.

Es ist müßig, über einzelne Spieler zu sprechen. Die Mannschaft hat in der ersten Halbzeit keinen Zugriff auf das Spiel gefunden und brauchte auch in der zweiten Halbzeit noch etwas Anlauf für die Milli-µ Druck. Die Spieler versuchten sich anzustrengen. Doch zu oft lief sowohl in der Defensive als auch in der Offensive diese Anstrengung ins Leere. Je nach Persönlichkeit entwickelten die Spieler dann ihr weiteres Spiel. Der eine wird wütend, der andere lethargisch und noch ein anderer zögerlich.

Aber halt, Kevin Scheidhauer muss ich noch erwähnen. Er stand in der Startelf, und seine Verunsicherung war bis auf die letzte Tribünenreihe zu erkennen. Ein Teil des Publikums hatte dazu beim Verlesen der Mannschaftsaufstellung beigetragen und damit ebenfalls früh in der Saison Drittliga-Reife bewiesen. Wie kann man einen Spieler vor dem Spiel auspfeifen? Selbst wenn dieses Pfeifen als Zeichen gegen die Trainerentscheidung hatte gemeint sein sollen. Kevin Scheidhauer kann das leider gar nicht unterscheiden. Der konnte solche Pfiffe nur auf sich beziehen. Die Last auf seinen Schultern war entsprechend größer als bei seinen Mitspielern. Wer das nicht gesehen hat, war blind. Kopf hoch, Kevin Scheidhauer, muss es nun heißen.

So stehen wir also im Abstiegskampf zusammen in Duisburg und können uns selbstgerecht das Spiel ansehen, weil wir das Versagen all dieser Spieler schon vorher gewusst haben. Dann wechselte Ilia Gruev Kevin Scheidhauer auch noch vier Minuten vor der Halbzeitpause aus. Um welches Zeichen zu setzen? Hätte das nicht noch bis zu Beginn der zweiten Halbzeit Zeit gehabt? Kevin Scheidhauer wurde also noch ein paar Extrapfiffen ausgesetzt. Ein Teil des Publikums hatte ein Ventil für seinen Zorn. An eine pädagogische Maßnahme möchte ich darüber hinaus nun gar nicht denken. Zu dem Zeitpunkt die Auswechlsung hat mir also ebenso wenig gefallen. Aber was weiß ich von Abstiegskampf? Ich hatte ja mit dem Gewinn meiner VIP-Karte nur Glück vor dem Spiel des MSV gegen den Karlsruher SC.

Gestern konnte ich mir nach dem Schlusspfiff nicht vorstellen, irgendein Wort über dieses Spiel schreiben zu können. Über meine Enttäuschung bei Nicht-Erreichen der gesteckten Ziele hatte ich in den zurückliegenden Jahren schon oft genug geschrieben. Nichts neues Unterhaltsames konnte ich meiner Enttäuschung abgewinnen, und reine Spielberichterstattung finde ich langweilig. Nun sind doch noch ein paar Worte zusammen gekommen. Zum Schluss nun fällt mir auch noch Würde ein. Wir alle, ob Spieler oder Zuschauer, sollten mit Würde die Saison zu Ende bringen. Ein frommer Wunsch, ich weiß.

Eine Niederlage wie ein Unglück

Das Spiel des MSV Duisburg gegen RB Leipzig war zu Ende, und ich musste raus. Ich musste mich bewegen. Ich musste auf andere Gedanken kommen. 4:2 hatte der MSV verloren, nachdem die 2:1-Führung in der 80. Minute geglückt war; nachdem die Mannschaft in der ersten Halbzeit ein 1:1-Unentschieden gegen alle Wahrscheinlichkeiten gehalten hatte; nachdem RB Leipzig innerhalb der letzten 5 Minuten 3 Tore erzielte. Diese Niederlage des MSV Duisburg gegen RB Leipzig fühlte sich nach dem Schlusspfiff für mich wie ein großes Unglück an. Ich fuhr nach Altenberg, wo an diesem zweiten Adventswochenende traditionellerweise das halbe Umland zum Weihnachtsmarkt zusammenkommt.

Es war voll, ich sah ein paar Kölner Bekannte, doch das Unglück dauerte an. Ihr kennt diesen ungläubigen Schrecken vielleicht, wenn man mit etwas Gegenwärtigem beschäftigt ist und dann urplötzlich das verdrängte Geschehen wieder in den Sinn kommt? Ein Blick hin zum Altenberger Dom, und rumms sprang eine vier mir in den Sinn. Doch alles in mir sträubte sich an die Wirklichkeit der Niederlage zu glauben. Für einen winzigen Moment befand sich das Spiel dann in einem Niemandsland zwischen Ungeschehenem und Irrealem. Für einen winzigen Moment fühlte es sich so an, als hätte es diese Niederlage nie gegeben. Den twitternden Onlineredakteuren der Funke-Gruppe ging es übrigens ebenso.

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Dieser winzige Moment verging und mit großer Wucht traf mich erneut die Enttäuschung. RB Leipzig spielte in der ersten Halbzeit klar besser als der MSV, dennoch hielt der MSV mit sehr viel Glück und entschlossener Defensive dagegen. Die einzige Torchance nutzte Kevin Wolze mit einem wunderbaren Distanzschuss von knapp außerhalb des Strafraums zur Führung. Wenn man es sich recht überlegt, deutete sich schon in dieser ersten Halbzeit an, dass die Mannschaft mit einer Führung nicht gut klar kam. Sie hatte unverhofft einen Schatz in der Hand und von da an bekam sie Angst, diesen sagenhaften Schatz wieder zu verlieren. RB Leipzig spielte ungerührt weiter und versuchte sich im schnellen Kombinationsspiel in den Strafraum zu spielen. Das gelang für diese spielerische Überlegenheit eigentlich nicht oft genug. Was wiederum für die defensiven Qualitäten des MSV sprach.

Nach der Führung aber verschwand der kleine Rest Mut zur Offensive vollends. Vor dem Ausgleich hatte RB Leipzig vier oder fünfmal erfolglos versucht sich an die Strafraumgrenze zu spielen. Doch jeder vom MSV eroberte Ball wurde sofort wieder abgegeben. Überhastet gingen sämtliche kurzen Pässe direkt zurück zum Gegner. Es gab keine Atempause mehr für die Defensive und es war nur eine Frage der Zeit bis zum Ausgleich.

Als der Ausgleich gefallen war, war alles wieder gut. RB Leipzig spielte zwar überlegen weiter, doch Pässe des MSV kamen zumindest bei einer weiteren Station wieder an, ehe der Ball wieder verloren ging. So blieb genügend Zeit, um die Defensive wieder zu sammeln. Nach der Halbzeitpause wurde es noch besser. Thomas Meißner war für Giorgi Chanturia gekommen. Die spielerische Überlegenheit von RB Leipzig verpuffte nun fast vollends. Die Mannschaft kam aus dem Spiel heraus kaum mehr gefährlich vor das Duisburger Tor. War es eine klare Leipziger Chance noch, bei der dem MSV die Abschlussschwäche von David Selke beim Kopfball zu Hilfe kam? So konnte um das Unentschieden mit einer Hoffnung auf das gute Ende gezittert werden. Als dann Kevin Scheidhauer nach einem wunderbaren Konter über Tim Albutat sogar das 2:1 erzielte, schien diese Hoffnung noch berechtigter.

Fünf Minuten hielt die Führung. Dann kam die erste Ecke, nach der der Ausgleich fiel. Es schien mir so, als ob in dieser Standardsituation einfach zu viel Zeit blieb, in der die Spieler Angst vor Fehlern entwickeln konnten. Sie wirkten nicht entschlossen genug bei diesen Standards. Die Enttäuschung über den Ausgleich war der Mannschaft anzumerken. Noch einmal hatten sie diesen sagenhaften Schatz schon in der Hand gehabt, und nun wurde dieser Schatz der Mannschaft erneut entrissen. Deshalb war auch das Unentschieden kaum mehr zu halten, weil diese Enttäuschung die Konzentration gefährdete. Zwei Minuten später folgte der nächste Eckstoß und das Führungstor der Leipziger fiel. Der Schatz des Auswärtssieges war endgültig zum schönen Traum geworden, nicht einmal mehr ein Rest Goldstaub war geblieben. Das vierte Tor der Leipziger war nur noch das Sahnehäubchen für das Heimpublikum. Ein Ausgleich wäre nie und nimmer gelungen.

Angesichts des Spielverlaufs ist das Ergebnis eine große Enttäuschung, eben ein Unglück, das ich nicht wahrhaben wollte. Realistisch betrachtet habe ich mit keinem Punkt gerechnet. Also, Perspektivwechsel ist angesagt für die Mannschaft und für uns, damit berechtigtes Selbstvertrauen auch aus diesem Spiel gewonnen werden kann.

Zum ausführlichen, sehr guten Spielbericht aus Leipziger Sicht beim Rotebrauseblogger mit einem Klick

Goldglücklich à la vie en rose nach diesem Heimsieg

Wie schön, wenn einem das Mottolied für dieses Spiel des MSV Duisburg gegen den SV Sandhausen am selben Tag noch live gesungen wird. In Ruhrort war dieses Lied zu hören im ruhrKUNSTort. Dort spielten chazz, und als die Sängerin Ina Hiester den Piaf-Klassiker „La vie en rose“ anstimmte, schien es mir so, als sang sie das Lied allein für mich, weil ich dort in meinem MSV-Trikot mir alle Mühe gab, als Honigkuchenpferd nicht allzu viel Platz wegzunehmen. Es waren ohnehin schon so viele Menschen in der Gallerie.

La vie en rose – für das rosige Leben brauchen wir Anhänger des MSV Duisburg gerade niemanden, der uns umarmt, küsst und uns liebt. Das geht auch anders. So rosig wie in diesem Piaf-Chanson kann das Leben auch sein, wenn dem MSV Duisburg der so unbedingt notwendige Sieg gegen den SV Sandhausen gelingt. So rosig ist das Leben, weil dieser Sieg nicht schmutzig erkämpft wurde, sondern die Mannschaft ihn planvoll erarbeitete und letztlich klar erspielte. So rosig wird das Leben, weil wir zudem zwei der drei Tore als Entwicklung sehen konnten, als allmählichen Aufbau von Wahrscheinlichkeit, als Einlösen von Versprechen.

Dieser 3:0-Sieg fühlt sich so gar nicht nach dem Erfolg einer Mannschaft im Abstiegskampf an, und das ist nicht meinem Überschwang geschuldet. Ich weiß, an der Tabellensituation hat sich nichts geändert, und wenn nicht allmählich mal ein paar Mannschaften in der unteren Hälfte kontinuierlich verlieren, nutzen solche Siege nichts. Aber für den Moment fühlt sich dieser Sieg großartig und nach gesichertem Mittelfeld an.

Dieser Sieg fühlt sich deshalb anders an, weil der MSV Duisburg in der ersten Halbzeit zwei große Chancen besaß, um in Führung zu gehen und sie vergab. Ich erkläre die Begründung gleich. Ein Reflex vom guten Sandhausener Torwart verhinderte die Führung einmal, beim zweiten Mal war – so meine ich – ein Abwehrbein im allerletzten Moment dazwischen. Der Kopfball Richtung Innenpfosten nach einer Ecke fällt mir jetzt gerade auch noch ein. Also, waren es sogar drei Chancen. Wir sind es gewohnt in dieser Saison, dass solche großen Chancen selten sind. Weil sie ungenutzt blieben, schaffte der MSV bislang allenfalls ein Unentschieden. Das eben war gestern anders. Es ist normal im Fußballspiel, dass Chancen von einem Torwart zunichte gemacht werden. Dazu steht er im Tor, und gestern war es normal, dass der MSV sich dann weitere Chancen erspielte.

In dieser ersten Halbzeit hatte aber auch der SV Sandhausen zwei große Chancen in Führung zu gehen, ein Kopfball, ein Konter, einmal ging der Ball am Tor vorbei, einmal hielt Michael Ratajczak. Der Gegner war sehr, sehr schnell in seinem Umschaltspiel, im Aufgreifen eines möglichen Angriffs, sei es beim Einwurf, sei es beim Freistoß. Man sah so sofort, wie diese Mannschaft ihre Tore erzielt und welcher Gefahr der MSV begegnete. Es war ein ausgeglichenes Spiel in dieser ersten Halbzeit, und für den MSV war es schwer im kontrollierten Aufbauspiel die kompakte Defensive der Sandhausener zu durchdringen. Doch wieder fand die Mannschaft eine gute Balance dabei, dieses kontrollierte Spiel, bei dem sie nicht sehr erfolgreich ist, beizubehalten und es mit halblangen Bällen auf Kingsley Onuegbu abzuwechseln. Diese Rhythmuswechsel machten meine Hoffnung aus.

Nach der Halbzeitpause versuchten die Zebras weiter das Spiel zu bestimmen. Immer noch wirkte untergründig in mir die alte Angst vor dem kleinen Fehler im Mittelfeld, vor diesen schnellen Kontern der Sandhausener, die Angst vor einem Gegentor, das jegliche Spielkontrolle bis zu dem Zeitpunkt hätte nichtig machen können. In diesem Spiel aber nutzte der MSV die nächste große Chance. Nach einem Eckball wurde der zweite Ball erobert, die Defensive der Sandhausener war aufgelöst, Rolf Feltscher stand frei, James Holland sah ihn, spitzelte den Ball ihm zu und Feltscher schloss erfolgreich ab. Was für eine Erleichterung. Für das Vertrauen auf den Sieg war es aber viel zu früh im Spiel. Wir sehnten ein zweites Tor herbei.

Die Sandhausener öffneten nun ihre Defensive, und wie es sich für eine klassische Heimsieggeschichte gehört, entstand Raum für Konter. Zlatko Janjic erlief sich den etwas zu langen Ball auf den linken Flügel, setzte sich gegen seinen Mitspieler durch und hatte den Moment Zeit in Ruhe zu flanken. Nicht in die Mitte zum Kopfball als einfache Möglichkeit flankte er, nein, er flankte punktgenau über den Fünfmeterraum hinweg in den Lauf von Tim Albutat, der in den Ball grätschend per Dropkick zum 2:0 einschoss. Was für ein wunderbares Tor, welch Perfektion des Spiels von beiden Beteiligten. Ohnehin zeigte Zlatko Janjic an diesem Tag eine großartige Leistung. Immer wieder behauptete er im Mittelfeld souverän die Bälle, schuf Gefahr mit seinen Pässen und erlief viele zweite Bälle, als ob sein Ausgleichssport der 50-Meter-Sprint sei.

Auch nach dieser Zwei-Tore-Führung hielt der MSV den Druck hoch. Die Mannschaft zog sich nicht zurück, wie wir es so oft schon mit großem Zittern erlebt haben. Das gehört mit zur Botschaft dieses Spiels. Die Mannschaft will das Spiel bestimmen. Zu jeder Zeit. Zu jedem Spielstand. Die Mannschaft will aber nicht nur, sie kann es auch.

Thomas Bröker hätte schon das dritte Tor erzielen, als er im Fünfmeterraum auf dem Boden liegend einen Abpraller über das Tor befördert. So erzielte Zlatko Janjic erst kurz vor Spielende das 3:0 für den MSV. Auch dieses Tor war schön herausgespielt in einer Dreierkombination über Nico Klotz, der am rechten Flügel zwischen drei Mann den freien Raum für den Pass auf Kevin Scheidhauer findet, der daraufhin weiterleiten kann auf den links freistehenden Zlatko Janjic. Was „goldwichtig“ war, machte goldglücklich. Und wenn dann demnächst bitte die drei Stehplatzstufen hinter mir auch wieder gefüllt sind, brauche ich bei zukünftigen Heimsiegen auch keine Verletzungsgefahr mehr zu befürchten. Gestern brachte der Jubel vor mir beim zweiten Tor mich doch glatt zu Fall. Ist mir das überhaupt schon mal im Stadion passiert. Lasst Zuschauer um mich sein. Die Mannschaft und ich, wir brauche jede Unterstützung.

Kees Jaratz nach dem Spiel beim FC St.Pauli Radio – Versprochen ist versprochen

Versprochen ist versprochen, das Wort wird nicht gebrochen; auch wenn ich am Dienstag geschrieben habe, diese 2:0-Niederlage gegen den FC St. Pauli möglichst schnell vergessen zu wollen. Damit der Kopf frei wird für den erhofften Erfolg gegen den FSV Frankfurt. Bei dem Gespräch gestern Abend mit Michael Hein wurde das Ganze also noch einmal sehr viel lebendiger.

Wir beide haben das Spiel ähnlich gesehen, obwohl Michael im Stadion war und ich vor einem Fernseher. Leichte Unterschiede deuteten sich an, als es um die Chancenzahl in der ersten Halbzeit ging. Da musste ich in Michaels Wertung reingrätschen. Vor allem aber habe ich festgestellt, den Schiedsrichter hatte ich gar nicht wirklich im Blick. Mir war er bis auf den Elfmeterpfiff überhaupt nicht sonderlich aufgefallen. Er war eben anwesend und pfiff manchmal Foul, verteilt auf beiden Seiten. Für Michael hat er das gesamte Spiel über sehr schlecht gepfiffen.

Bei diesem Gespräch habe ich erst gemerkt, wie sehr mich meine Hoffnung auf Erfolg immer wieder abgelenkt hat in diesem Spiel. Ich war doch oft damit beschäftigt, gedankenverloren auf den Bildschirm zu starren, weil ein Angriff des MSV frühzeitig unterbrochen wurde oder eine der große Chancen doch kein Tor ergab.

Zum Podcast geht es mit dem Klick auf das ganz unmissverständliche Symbolbild.

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Bitter, bitterer, am bittersten

Seit gestern Abend versuche ich die Ruhe zu bewahren. Das hat absolute Priorität. Nur mit Ruhe stellt sich der Erfolg ein. Keine Sorge darf vor dem Anpfiff des nächsten Spiels in unseren Köpfen sein. Die Mannschaft, ich, wir alle auf den Rängen, wir müssen gerade das nächste Spiel so beginnen, als gäbe es keine Vorgeschichte. Wir müssen im Heimspiel gegen FSV Frankfurt diese verdammte 2:0-Niederlage gegen den FC St. Pauli vergessen haben. Wir müssen vergessen haben, wie die Mannschaft in Hamburg so lange hat mitgehalten und wie sie tatsächlich die Chance besaß, einen oder gar drei Punkte mitzunehmen nach Duisburg. Wir müssen vergessen haben, wie die Mannschaft alles gab, was ihr möglich war und sie dennoch erneut verlor. Sonst lähmt die Enttäuschung. Sonst wächst die Angst, ohnmächtig den Niederlagen ausgesetzt zu sein. Zwei Punktespiele nacheinander gab es das Versprechen auf Erfolg. Wir müssen diese Spiele so vergessen, als hätte es sie nie gegeben.

Es war kein schönes Spiel zwischen dem FC St. Pauli und dem MSV Duisburg. Es gab keinen Spielfluss, es gab kaum erfolgreiche Spielzüge, Kombinationen, egal ob im Kurzpassspiel oder mit langen Bällen. Vielleicht kombinierte St. Pauli etwas erfolgreicher im Mittelfeld. Fast immer war damit aber an der Strafraumgrenze des MSV Schluss. Im ganz engen Raum besaßen die Hamburger auch keine spielerischen Möglichkeiten mehr. Sie passten vielleicht genauer, schossen aber mindestens ebenso unpräzise wie der MSV. Das Spiel bestand vor allem aus vielen aufreibenden Zweikämpfen.

Die klareren Möglichkeiten, ein Tor zu erzielen, besaß sogar der MSV. So frei wie in der 2. Halbzeit Kevin Scheidhauer – und  war es Steffen Bohl? – tauchte genau ein Spieler St. Paulis vor dem Tor der Duisburger auf, und das war Lasse Soblech, als er den Elfmeter zum Führungstreffer St. Paulis in der 70. Minute einschoss. Selten wird ein Elfmeter dieser Art gepfiffen, und wenn, so nennt ihn alle Welt unberechtigt. Einerseits. Andererseits bewegte sich Dustin Bomheuer ungeschickt in dieser Situation und gab dem Schiedsrichter Anlass zu glauben, sein Ziel sei nicht der Kopfball gewesen, sondern der Körper des Gegenspielers, den er mit dem Gewicht seines ganzen Körpers zu Fall bringen wollte. Es wirkte nur so aus einer bestimmten Perspektive, und das ist eine Kleinigkeit, aber es sind genau diese Kleinigkeiten, die den MSV momentan scheitern lassen.

Im Grunde haben es die Zebras vom Anpfiff an gut gemacht. Sie haben kein Spiel aufkommen lassen. Läuferisch und kämpferisch waren sie präsent. Auch in der Offensive konnten sie auf dem Niveau mithalten. Mit dem Pfostenschuss von Andreas Wiegel gab es auch in dieser ersten Halbzeit die größere Chance für den MSV. In der Halbzeitpause der Sky-Übertragung wurde das auch von einem verletzten Pauli-Spieler anerkennend angemerkt. Er hoffte für die 2. Halbzeit auf das Durchsetzen der spielerischen Überlegenheit.

Mit Beginn der 2. Halbzeit wurde das Spiel tatsächlich offener. Bis zum Elfmeterpfiff war aber überhaupt noch nicht entschieden, welche Mannschaft durch diese Offenheit bevorteilt werden würde. Natürlich war es wahrscheinlicher, dass St. Pauli den größeren Nutzen zöge. Abschlussschwach waren sie bis dahin aber immer noch, und wie gesagt, es war Kevin Scheidhauer, der völlig frei zum Schuss kam, auch wenn nach der Flanke der Ball nur schwer zu nehmen war. In diesem offener werdenden Spiel wurde in einer Spielsequenz auch wieder erkennbar, wie anfällig eine aufgerückte Mannschaft des MSV für Konter ist.

Das Spiel hatte Schwung aufgenommen, auch der MSV bekam etwas Raum. Ein Angriff wurde druckvoll vorgetragen, im Strafraum abgewehrt und schon lief der Konter, gegen den die Defensive machtlos wirkte. Ein einziges Mal kam das vor. Das nur angemerkt für all diejenigen, die glauben, der MSV hätte offensiver agieren müssen. An der Stelle war deutlich zu sehen, warum das ein ganzes Spiel nicht gelingen kann.

In solch einem Spiel wie gestern gibt es nur wenige Torchancen. Wenn die nicht genutzt werden, darf kein Gegentor fallen, sonst geht das Spiel verloren. Dieses Gegentor fiel mit Hilfe des Schiedsrichters, der den Elfmeter pfiff. Das zweite Tor wäre eine unbedeutende Zugabe geworden, wenn es nur nicht wieder Michael Ratajczaks gegenwärtiges Leistungsvermögen in den Blick gerückt hätte. Bei solchen Schüssen aus einer Distanz von knapp außerhalb Strafraums macht er momentan oft keine gute Figur.

Zu dem Zeitpunkt spielte die Mannschaft des MSV schon nur zu zehnt. Andreas Wiegel hatte verletzt ausscheiden müssen. Das Wechselkontingent war ausgeschöpft. Die Verletztung erweist sich heute als Kreuzbandriss, und das ist die andere bittere Nachricht, weil Andreas Wiegel in seinem ersten Spiel nach der letzten langen Verletzung sich mit einer starken Leistung präsentierte. Die Verletztung war die Folge eines Fouls von Marc Rzatkowski, für das er die gelbe Karte erhielt. Damit war er gut bedient. Es war eines jener Fouls, bei denen im Ansatz klar ist, der Gegenspieler ist das Ziel und der soll das gefälligst spüren. Diese Verletzung steigert den bitteren Nachgeschmack der Niederlage ins Unerträgliche.

Vergessen wir das alles wieder. Nur so entsteht nicht das Gefühl von Vergeblichkeit. Nur so lässt sich das Glück trotz der kleinen Fehler im Spiel des MSV auch manchmal zwingen. Am besten am nächsten Sonntag schon.

Saisonabschluss Teil 2 – Das Heimspiel mit der langen Anreise

Leicht fällt 2015-05_einlaufes, von anderen etwas zu fordern, was einem selbst schwer von der Hand geht. Noch einmal etwas Gutes schaffen, wenn das eigentliche Ziel schon erreicht ist, ist ein Beispiel dafür. Die einen sollten Fußball spielen und gewinnen, was nur teilweise gelang. Nun will ich noch schreiben über diese Auswärtsniederlage, die wenig Gewicht hat, bei all der Freude über den Aufstieg. Es geht um Konzentration, um eine Aufgabe gut zu erledigen, deren Bedeutung sich bei genauem Hinsehen auflöst.

Die innere Einstellung lässt sich nicht leicht so hinbiegen, wie man sie haben will, so sehr wir uns alle anstrengen – die Fußballer des MSV Duisburg und ich. Das Auswärtsspiel beim SV Wehen Wiesbaden war ein Heimspiel mit langer Anreise. Von 9000 Zuschauern im Stadion kamen 8000, um den Aufsteiger MSV Duisburg zu feiern. Blau-weiß war nicht nur der Gästeblock hinter dem Tor, auch die Geraden, die eine zur Hälfte und die andere komplett, gehörten dem MSV Duisburg. Die Stimmung auf den Rängen war ausgelassen. Sie wurde befeuert durch Spieler in Aufstiegslaune, die mit mehr blau als blauweiß gefärbten Haaren zum Aufwärmen aufliefen. Nur die Bärte von Zlatko Janjic und Sascha Dum kamen farblich perfekt in weiß und blau zur Geltung. Ich wollte mich überraschen lassen, welche Auswirkungen das Feiern zu Beginn der Woche auf das Spiel haben würde.

2015-05_janjicNachteile im Fernduell mit Armina Bielefeld um die Meisterschaft waren nicht zu erwarten, feierten beide Mannschaften doch auf Mallorca sogar gemeinsam den fest stehenden Aufstieg. Doch als ich die Mannschaftsaufstellung sah, vermutete ich bestimmt nicht als einziger, mit dieser bis auf Branimir Bajic neu zusammengestellten Defensive würde ein Tor für einen Sieg nicht reichen. Außerdem erwartete ich ohne Martin Dausch wenig Dynamik beim Spiel nach vorne. Deshalb überraschte mich, wie druckvoll der MSV  die ersten zehn Minuten des Spiels anging. Die Mannschaft verkörpert inzwischen in jeder Besetzung den Geist des Aufstiegs. Wer so auftritt, weiß um die eigene Stärke. Nach vorne ging es schnell. Der Ball sollte rein in dieses Tor vom SV Wehen Wiesbaden. Die Wiesbadener Offensivversuche waren mit einer Ausnahme kurz nach Spielbeginn souverän unterbunden worden.

2015-05_bajicDu warst zu vorschnell, das sieht gut aus“,  so was Ähnliches ging mir durch den Kopf, als etwa in der zehnten Minute ein langer Wiesbadener Ball erneut abgefangen wurde. Halbherzig liefen die Wiesbadener die Duisburger Defensivspieler an, und gerade holte Christopher Schorch aus, um den Ball nach vorne zu schlagen. Stattdessen aber spielte er ihn punktgenau als etwas schwierig zu kontrollierenden Pass auf einen Wiesbadener Mittelfeldspieler. Besser hätten viele Stürmer als klassische Wandspieler den Konter auch nicht eingeleitet. Ich weiß nicht mehr, ob der Wiesbadener Spieler selbst am Flügel entlang marschierte oder einen Mitspieler schickte. Bilderbuchmäßig, sagt der Sportreporter gerne, wenn er von solch einem Konter spricht. Die Flanke kam, und weil Christopher Schorch den Wiesbadener Spieler im Sturmzentrum gut begleitete, übernahm er für ihn höflicherweise den Torschuss. Gelungenes Dreiecksspiel. Es stand 1:0, und ich merkte, ganz so egal war mir das Ergebnis doch nicht.

Ich kann dagegen nichts machen. Egal in welcher Sportart bei welchem Wettbewerb ich gerade unterwegs bin, egal ob ich selbst aktiv bin oder ob ich nur zuschaue, ich will, dass „meine“ Mannschaft gewinnt. Ich beginne mich zu ärgern, wenn Pässe nicht ankommen. Mich beschleicht Missmut, wenn ein Torschuss wieder daneben geht. Ich begann um meine Aufstiegsparty-Stimmung zu kämpfen. Dabei kam es mir zugute, dass neben mir zufällig ein alter Schulfreund saß. Vor dem Spiel gegen Kiel sind wir uns das erste Mal nach mehr als  30 Jahren über den Weg gelaufen, beim Auswärtsspiel gegen Wiesbaden schon wieder. Ein Zufall, der viel über die Zeit seit der Lizenzverweigerung erzählt. Denn im Netz tauschten wir uns schon seit dem Sommer 2013 wieder aus. So viele Anhänger des MSV Duisburg haben sich in den letzten zwei Jahren näher kennen gelernt, sind sich nach langer Zeit wieder begegnet und sind durch den Fußball beim MSV Duisburg in einem Kontakt, der über den Fußball hinaus wirkt.

2015-05_nach_1Mit der Führung der Wiesbadener verlor das Spiel des MSV Duisburg den kontinuierlichen Druck. Es gab noch zwei, drei Chancen zum Ausgleich. Die größte Chance in der ersten Halbzeit vergab Zlatko Janjic, der schön frei gespielt, halblinks alleine aufs Wiesbadener Tor zulief und sich anscheinend nicht recht entscheiden konnte, ob er schlenzen oder hart schießen sollte. Die Mischung macht´s, heißt es ja gern; in dem Fall machte sie es dem Torwart einfach, den Schuss zu halten.

2015-05_nach_2Die Chancen der Wiesbadener waren klarer, und nach meinem Gefühl waren es auch mehr. Gezählt habe ich sie nicht, und Gefühle können trügen. Sicher bin ich mir aber, dass sich zu Beginn der zweiten Halbzeit an meiner kaum vorhandenen Zuversicht auf den Ausgleichstreffer nichts änderte. Erst als als um die 55. Minute herum Kevin Scheidhauer, Martin Dausch und etwas später Michael Gardawski eingewechselt wurden, entwickelte die Mannschaft noch einmal Zug zum Wiesbadener Tor. Die klare Chance gab es nicht mehr. Kevin Scheidhauer verzog einen recht offenen Schuss  an der Strafraumgrenze. Das war es aber auch.

2015-05_nach_3Die Spieler hatten sich ohne Zweifel angestrengt. Während des Spiels war zu sehen, wie sie sich ärgerten über vergebene Chancen, über Fehler im Zusammenspiel, über slapstickartiges Zusammenprallen, wenn sie sich gegenseitig in den Weg liefen. Dann war die Pflicht erfüllt. Das letzte Spiel der Saison endete mit einer 1:0-Niederlage. An der guten Stimmung auf den Rängen hatte der Rückstand ohnehin nichts geändert. Das Spielfeld war in kurzer Zeit ins Blau der Aufstiegsshirts und in das Blau-Weiß von Schals und Trikots getaucht. Begeisterung gab es letzte Woche. Dieses Mal sah es mehr nach Spaß und Freude aus.

Noch einmal stieg die Mannschaft auf die Tribüne und feierte gemeinsam mit all denen, die ihren Platz auf dem Spielfeld eingenommen hatten. Noch einmal wurde versucht, die Ordnung aufrecht zu erhalten, indem die Anhänger der Zebras zurück auf ihre Plätze gebeten wurden. Noch einmal war das ein vergebliches Unterfangen. Und dieses Mal wurde gemeinsam gefeiert – ein Bild, das wir auch letzte Woche in Duisburg gern gesehen hätten. 2015-05_nach_4Die Wiesbadener Anhänger brauchten den Schutz der Polizeikette nicht. Wer immer auch vor den Wiesbadener Block lief, wollte ein Zeichen setzen – am Ende einer Saison sind wir alle eins, Menschen mit Spaß am Fußball und mit Einsatz für ihren Verein.

In Worten, Bild und Ton – Der MSV ist wieder da

auto_aufstiegVerdrängen oder intensiv bearbeiten – zwei Möglichkeiten, die das Leben bietet, um mit belastenden Erfahrungen umzugehen. Dabei hat das Verdängen nicht den besten Ruf bei den Lebenshilfe-Profis. Doch seitdem am Samstag das Spiel des MSV Duisburg gegen Holstein Kiel abgepfiffen wurde, arbeitet in mir anscheinend einiges daran, die Vergangenheit zu verdrängen. Anscheinend möchte ich mit einem Schlag jeden Fußball der 3. Liga vergesssen. Vielleicht habe ich auch mit dem Schreiben hier in den letzten zwei Jahren  genug bearbeitet von dem, was die Meldung vom Zwangsabstieg und dessen Folgen uns an unangenehmen Gefühlen bereitet hat. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, seitdem mit dem 3:1-Sieg des MSV der Aufstieg der Mannschaft in die Zweite Liga feststeht, fällt es mir schwer, mich an etwas anderes als an Jubeln und Begeisterung zu erinnern, geschweige denn dass ich über etwas anderes schreiben möchte. Denn dieses Schreiben hieße die Vergangenheit der 3. Liga noch einmal zum Leben erwecken.

Ich sehe einen leeren Rasen im ausverkauften Stadion. Das Spiel findet auf den Rängen statt. Dreimal wissen wir alle nicht wohin mit unserer Freude. Schemenhaft tauchen in diesen Momenten sogar blauweiß gestreifte Fußballspieler auf, die mitjubeln. Die erzielten Tore sind uns so selbstverständlich wie das Atmen. Auch darüber verlieren wir nur selten Worte. Dann wieder sehe ich sofort den Strom der Menschen auf das Spielfeld nach dem Abpfiff. Ich sehe irrwitziges Mienenspiel, ungelenkes Hüpfen und glücksvergessenes Tanzen. Ich höre unverständliches Stammeln und gegrölte Sätze, die Liedtexte sein sollen. Ich sehe Umarmungen, gezückte Handys, die ununterbrochen mitfilmen und mitfotografieren, was gerade geschieht. Sie nehmen Jauchzen und Schreien auf, komische Laute, die pures Glück sind. Raus, raus, raus, immerzu nur raus mit diesen ganzen überschwänglichen Gefühlen. Raus mit diesem Glück. Der MSV Duisburg ist der Grund. Der MSV ist wieder da, von der Elbe bis zur Isar, 2. Liga, wunderbar.

geschaeft_geschlossenAll das ist die Gegenwart meines Erinnerns. Alles andere ist in dieser Gegenwart schon die Vergangenheit der 3. Liga. Unwichtig geworden. Durchgangsstation. Allenfalls möchte mich ich noch an die erwartungsvolle Stimmung vor dem Spiel erinnern. In der Stadt machte sich wie im Juni 2013 die Bedeutung des Vereins bemerkbar. Nach zwei Jahren geschah das unter ganz anderen Vorzeichen. Wieviel Arbeit auf allen Ebenen steckte dahinter. Welche anders gelagerte Hoffnung konnte sich an diesem Tag zeigen. So früh waren die meisten von uns am Stadion. So früh waren die Stehplätze voll. So laut wie schon lange nicht mehr in diesem Stadion walzte ein Lied schon eine Stunde vor dem Anpfiff über den Rasen: „Werdet zur Legende, kämpfen ohne Ende für die Zweite Liga. EM – ES – VAU!“

Vielleicht ist dieses Fußballspiel aber auch verblasst, weil ich mir des Sieges so sicher war. Wenn ich vom Spiel sprach, erwahnte ich der Pflicht halber noch das Unentschieden als mögliches Ergebnis, das dem MSV auch noch alles offen hielt. Aber das Auftreten der Mannschaft in den letzten Spielen versprach etwas anderes. Diese Spieler hatten sich zu einem Spitzenteam gefunden. Wann haben wir in Duisburg, dieses Wort „Spitzenteam“ einmal ausgesprochen? Ich kann mich nicht daran erinnern, dass die Mannschaften der Zweitligaaufstiegsjahre ein derart großes Selbstbewusstsein ausgestrahlt haben. Wie sehr haben meine Freunde und ich uns in den letzten Jahren eine Mannschaft gewünscht, die das Spiel bestimmt und die ein Rückstand nicht aus der Bahn wirft.

traktor_fansIn den letzten Wochen der Saison konnten wir so eine Mannschaft erleben. Als ob es eines letzten Beweises bedurft hätte, geriet diese Mannschaft in dem entscheidenden Spiel gegen Holstein Kiel tatsächlich nach zehn Minuten in Rückstand. Michael Ratajczak hätte den scharf geschossenen Freistoß normalerweise halten können. Leicht war das nicht, aber auch nicht zu schwierig. Mannschaft und Zuschauer hatten etwas zu verdauen. Für meine Siegesgewissheit kam das Tor früh genug. Viel Zeit blieb, um das Spiel zu drehen. Denn eigentlich bestimmte der MSV in dem Moment dieses Spiel vollkommen. Von Anfang an drang die Mannschaft energisch auf ein Tor. Früh wurden die Kieler angegangen. Aggressiv gingen die Zebras in die Zweikämpfe. Um jeden Ball wurde intensiv gerungen. Jedem Ball wurde nachgegangen, selbst wenn die Chance ihn vor dem Aus zu retten noch so klein war.

Etwa zehn Minuten später war zu merken, der Druck des Anfangs auf das Kieler Tor war wieder vorhanden. Dieses Mal trieb Martin Dausch den Ball nach vorne. Die ganze Kieler Defensive zog er bei diesem beeindruckenden Antritt auf sich, um im perfekten Moment auf den frei gewordenen rechten Flügel zu spielen, wo Enis Hajri nachgerückt war und nun alleine auf das Kieler Tor zumaschieren konnte. Wer im Fußball gerne „ausgerechnet“ sagt, durfte das wieder machen. Ausgerechnet Hajri, den wir in Duisburg nicht als einen der ballsichersten Spieler kennengelernt hatten. Doch alleine aufs Tor zugehen ist etwas anderes als im defensiven Mittelfeld früh gepresst zu werden. Alleine behielt er die Nerven und verwandelte zum Ausgleich.

Begeisterung, die erste. Viel Zeit sich zu beruhigen blieb nicht. Der MSV fing den Angriffsversuch nach dem Wiederanstoß ab. Kingsley Onuegbu erhielt den Ball auf dem linken Flügel und trieb ihn nicht allzu schnell, aber wie in einem Hochsicherheitstrakt abgeschirmt Richtung Torauslinie der Kieler. Waren es vier, fünf, sechs Kieler, die er stehen ließ? Ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls erwarteten wir zweimal den Pass in die Mitte, und er ging einfach immer weiter unbeirrt Richtung Kieler Torauslinie. Dort zog er leicht nach innen, flankte genau, und der völlig frei stehende Michael Gardawski nickte per Kopf ein.

Begeisterung, die zweite. Viel Zeit sich zu beruhigen blieb nicht – wenn auch etwas mehr als nach dem Ausgleich. Wir alle spürten, nicht nur auf den Rängen wollte jeder die noch sicherere Führung. Auch die Mannschaft drängte weiter, als ob die Kieler Sparringspartner waren. Doch es war ernst. Es ging um den direkten Aufstieg. Der MSV spielte gegen eine Mannschaft, die in diesem Jahr noch nicht verloren hatte, eine Mannschaft, die viele ihrer Tore in den letzten Minuten erzielte, eine Mannschaft, die sich nicht aufgab. Deshalb war ein drittes Tor kein so schlechter Gedanke. Sechs Minuten dauerte es dieses Mal. Einwurf am linken Flügel durch Kevin Wolze, schneller Rückpass auf ihn, Flanke und dieses Mal macht Michael Gardawski das Tor mit dem Fuß.

12_mannAus Begeisterung wird Ekstase. So ließ sich der Rest des Spiels beruhigt angehen. Der Siegeswille der Kieler war zerbröselt. Kurz lebte er zu Beginn der zweiten Halbzeit noch einmal auf. Was auch daran lag, dass sich der MSV wie gewohnt zu sehr zurückzog und den Kielern die Initiative überließ. Doch in dem Spiel verließ sich der MSV nicht alleine darauf, dass aus dieser tiefer stehenden Defensive irgendwann mal ein Konter gelingt. In dem Spiel begann die Mannschaft nach etwa zehn Minuten der zweiten Halbzeit wieder höher zu verteidigen und vorbei war es mit dem Kieler Druck. Harmlos blieb die Mannschaft. Souverän sicherte der MSV bis zum Abpfiff den Vorsprung. Die bekannte Stärke der Kieler in der Schlussphase kam in Duisburg nicht zum Tragen.

Na, ein paar Erinnerungen an das eigentliche Spiel habe ich ja doch noch hervorkramen können. Manchmal muss man sich selbst ein wenig überlisten, dann klappt das auch mit den Bildern der Vergangenheit. Die Lebenshilfe-Profis nennen das dann Erinnerungsarbeit. Je intensiver diese Arbeit, desto freier für das Neue, Unbelastete, für die Begeisterung, für den Jubel, für die Zweite Liga. Der MSV ist wieder da.

Und nun wieder Begeisterung pur: Die sieben Minuten Übermacht MSV Duisburg mit dem sich überschlagenden Kommentar von ZebraFM – Großartig.

Fast ohne Worte – Der MSV ist wieder da

Wie oft werden wir die Geschichten dieses Tages noch erzählen müssen, damit wir das Gefühl haben, nun endlich hätten wir es wirklich geschafft? Wir hätten endlich ganz genaue Wörter gefunden, sie zu Worten gemacht und hätten nun so genau wie möglich beschrieben, wie es sich angefühlt hat in all den fantastischen Momenten dieses Tages, als der MSV Duisburg mit einem 3:1-Sieg gegen Holstein Kiel den Aufstieg besiegelte.

Es war ja nicht nur das Glück beim Schlusspfiff. Es war die sich steigernde Begeisterung, als innerhalb von sieben Minuten der Kieler Siegeswille zerbröselt wurde. Es war diese so klar erkennbare Bedeutung, die der MSV Duisburg an diesem Tag für die Stadt hatte. Es war die erwartungsvolle Spannung auf der Hinfahrt zum Stadion mit all ihren zufälligen Begegnungen zwischen Anhängern dieses MSV Duisburg, die aus ganz Deutschland nach Duisburg gekommen waren. Es ist die anhaltende Freude.

Ein paar Mal werde ich es noch erzählen müssen. Bis dahin sprechen erst einmal die Bilder.

Geschah das etwa auch in dieser Saison?

Die Saison mündet in die Vorfreude auf ein Endspiel um Platz 2 in der Dritten Liga. Der eine malt sich schon aus, wie er einen Sieg genießen würde. Der andere spürt nur die Aufregung vor dem Spiel. Und wieder ein anderer weiß nicht, wie er die Zeit bis zum Anpfiff morgen um 13.30 Uhr rumbringen soll. Vergessen ist jeder Zweifel in dieser Saison. Lese ich manchen meiner Sätze aus dem letzten Jahr nach kann ich kaum glauben, dass ich damit etwas beschreibe, was in derselben Saison dieses Endspiels um Platz 2 stattgefunden hat.

Wenn ich genauer nachdenke, kann ich mich natürlich erinnern, aber Freude und Begeisterung über die Siege der letzten Wochen haben die Enttäuschungen dieser Saison vollkommen ins Dunkel gestellt. Vor dem letzten Spiel der Hinrunde gegen den SV Wehen Wiesbaden habe ich zum Beispiel in einem Interview mit dem Wiesbadener  Stehblog etwas gesagt, was mir erst zeigt, Kingsley Onuegbu muss 2014 oft nicht gut gespielt haben. War da was? In wieviel Spielen stand er nicht mehr in der Anfangsformation? Mutig sagte ich: „Tatsächlich glaube ich nicht, dass Onuegbu so bald wieder regelmäßig spielt. Kevin Scheidhauer hat ihn erst einmal verdrängt.“ Meine Hoffnung auf den Aufstieg stärkte ich in diesen durchwachsenen Wintertagen mit Statistiken zur Hinrundenplatzierung der späteren Aufstiegsvereine. Alleine die Leistung der Mannschaft langte zur Zuversicht nicht.

Man muss sich auch noch einmal  an die Pfiffe nach der ersten Halbzeit – in welchem Heimspiel noch einmal? – erinnern.  Um von dieser Saison einen genauen Eindruck zu erhalten, wäre es auch gut, sich die Stimmungsschwankungen unter uns Anhängern genau anzusehen. Es gehört nämlich mit zu den sehr guten Leistungen dieser Saison, wie Ivo Grlic mit der Stimmung unter den Anhängern umgegangen ist. Zur rechten Zeit trat er mit Interviews und Stellungnahmen an die Öffentlichkeit, um den Druck auf Trainer und Mannschaft zu kanalisieren.

Wir müssen uns nur einmal daran erinnern, dass in der letzten Saison von den Vereinsverantwortlichen auf der Verwaltungsseite die Losung ausgegeben war: Diese erste Saison in der 3. Liga brauchen wir zu Konsolidierung. In der nächsten Saison zielen wir auf den Aufstieg. Das wurde schnell zu der Aussage, wir werden aufsteigen müssen. Nun kam mit Gino Lettieri ein neuer Trainer, und diese Botschaft hat entschärft werden müssen. Das geschah recht unauffällig und elegant.

Ivo Grlic und Gino Lettieri haben das Ziel Aufstieg nicht abgestritten. Sie haben es aber zunächst nicht in den Vordergrund gerückt. Im Zusammenspiel beider konnte Gino Lettieri zu Beginn der Saison sogar ganz zurückhaltend sein. Er konnte darüber nicht sprechen wollen. Danach blieb das Thema Aufstieg auf Seiten der beiden sportlich Verantwortlichen lange Zeit recht vage. Gleichzeitig kam auf der Jahreshauptversammlung von Seiten der Verwaltung die Losung, die Mannschaft muss noch nicht aufsteigen, doch in der nächsten Saison würde es schwieriger, die gegenwärtige Unternehmensstruktur des MSV Duisburg aufrecht zu erhalten. Aus dem unbedingten Zwang zum Aufstieg in dieser Saison wurde ein weicheres „Es-wäre-besser-wenn“. Wir sehen daran, wie genau in dieser Saison die Mosaikstücke zusammenpassten, wie wichtig es war, dass auf Vereinsseite immer wieder dasselbe kommuniziert wurde und dabei unterschiedliche Gewichtungen der Wirklichkeit vorgenommen werden konnten. Dieser Umgang mit der öffentlichen Stimmung war sehr gelungen. Der Druck auf die Mannschaft konnte reguliert werden, ohne den Ernst der Lage zu beschönigen.

Gelingen konnte das letztlich nur, weil die Mannschaft den Kontakt zu den Aufstiegsplätzen gehalten hat. Auf Niederlagen folgten Siege. Gino Lettieri hat dieses unbeirrte Zurückkommen im Vorbericht als eine Stärke der Mannschaft hervorgehoben. Hoffen wir darauf, dass diese Stärke für den Rest der Saison gar nicht mehr gezeigt werden muss und dass Enttäuschungen tatsächlich nur Vergangenheit bleiben.

Endspielbereit bei bestmöglicher Grundlage

Was wie der typische Parkplatz von einem der vielen Toys-Dingenskirchens Deutschlands aussieht, ist in Wirklicheit der inoffizielle Autobahnhof nahe der A3, Abfahrt Köln-Dellbrück. Die Disponenten der privaten Zebraverkehrsbetriebe hatten am Sonntag eine Verbindung von Bergheim nach Erfurt eingerichtet mit Zwischenstopp an diesem Zu- und Umsteigeplatz. Die wollte ich um etwa 8.30 Uhr nehmen. Der MSV Duisburg spielte bei Rot-Weiß Erfurt. Aber sonntags auf diesem menschenleeren Platz im Nirgendwo an der Bergisch-Gladbacher Straße einen Tag lang ein Fahrrad abzustellen, schien mir kein guter Gedanke. Präsentationsfläche und Mitnahmemarkt klangen mir ununterbrochen im Ohr.

So rollte ich auf der Suche  nach einem einigermaßen sicheren Abstellplatz auf dem benachbarten REWE-Parkplatz ein. Aus den Augenwinkeln bemerkte ich drei junge Männer an einem Auto und im selben Moment wurde ich mit „allez, allez MSV“ begrüßt, und, klar, fragt einer mit Wurzeln im Pott sofort trocken, ob ich meine, mit dem Fahrrad noch bis zum Anpfiff nach Erfurt zu kommen? Das klang nach Heimat. Wenn wir Anhänger des MSV Duisburg uns mit einer zweiten Direktverbindung Köln-Erfurt schon frühmorgens auf der Schäl Sick als Massenbewegung fühlen konnten, ließ das noch sehr viel mehr heimatliche Begegnungen in Erfurt erwarten, Wenig später hatte ich meinen Abstellplatz gefunden, die Fahrt konnte beginnen und all die Autos mit Zebrafans, denen wir auf dem Weg begegneten, steigerte die Vorfreude auf das Spiel.

Keine Frage, der Verkehrsstrom nach Erfurt zeigte, zur Rückkehr in die Zweite Liga war nicht nur die Mannschaft entschlossen. Anspannung spürte ich nicht. Seit einiger Zeit bin ich mir vor den Spielen sicher, das Vorhaben Aufstieg wird gelingen. Seit einiger Zeit bange ich aber auch um diese Sicherheit in den Spielen selbst immer wieder. Ich hoffte, auf eine schnelle sichere Führung, damit meine Nerven dieses Mal geschont blieben. Der MSV tat mir zunächst den Gefallen. Welch druckvolle erste Minuten zeigte die Mannschaft. Sie wollte dieses frühe Tor auch. Den Erfurtern blieb kaum Zeit, sich mit Ball und Spiel vertraut zu machen. Sie stopften Löcher und das meist vergebens. Eine Großchance vergab Kevin Scheidhauer mit einem halbgaren Schuss weit über das Tor. Kurz danach kam er er erneut zum Abschluss. Der Ball war sehr viel schwieriger zu nehmen, kam dafür aber auch genau aufs Tor. Der Erfurter Torwart klärte. Das 1:0 schien eine Frage der Zeit zu sein. Kingsley Onuegbu erzielte dann dieses Tor schon in der elften Minute und machte es zu einer Art persönlicher Leistungsschau. Der halbhohe Pass kam in seinen Lauf. Die perfekte Annahme, zusammen mit dem gleichzeitig an ihm abprallenden und niedersinkenden Abwehrspieler plus Torschuss bei leichter Verdrehung des Körpers gegen die eigentliche Laufrichtung, all das zusammen wirkte wie die Essenz seines Spiels. Großartig.

Weil die Erfurter alles in allem in der Offensive vollkommen harmlos blieben, selbst wenn sie das Mittelfeld einmal schnell überspielt bekamen, machte ich mir keine Sorgen. Einen steilen Pass allerdings brachten sie an den Strafraum. Der Erfurter Spieler kam ins Straucheln. Steffen Bohl war bei ihm und konnte nicht verhindern, dass dieses Straucheln zum Rutschen in den Strafraum wurde. Der Schiedsrichter überlegte einige Zeit, welche Zusammenhänge es gab und musste irgendetwas entscheiden. Da nahm er der Einfachheit halber den Elfmeter. So ungefähr sah der Verlauf dieser Spielszene aus. Beunruhigt hat mich dieser Elfmeter nicht. Wenn der Ausgleich fiele, war es für mich nur eine Frage der Zeit, bis der MSV erneut in Führung ginge. Es kam aber noch besser. Michael Ratajczak hielt den zentral geschossenen Ball. Der MSV führte weiter. Nun konnte die Mannschaft ohne Druck das zweite Tor nachlegen, so dachte ich. Doch weit gefehlt.

Vielleicht war die Erleichterung der Spieler über den gehaltenen Elfmeter zu groß? Vielleicht war kurz die Sorge aufgeblitzt trotz Überlegenheit könne doch etwas schief gehen? Aus der Sorge ergab sich vielleicht Vorsicht? Der MSV ließ die Erfurter jedenfalls mehr ins Spiel kommen. Passte die Erfurter den Ball im Mittelfeld quer, wurde einen Moment früher als in der Anfangsphase beim Anlaufen abgedreht. Eigene Pässe wurden überhastet aus gefährlichen Zonen gespielt. Es gab Momente des Spiels, in denen ein oder zwei Minuten von beiden Mannschaften Fehler auf Fehler geschahen, und Ballkontrolle die Eigenschaft einer anderen Sportart zu sein schien.

Da war es also wieder geschehen. Die Mannschaft und ich hatten unsere Sicherheit im Spiel verloren. Bei mir führt das inzwischen zu einer übersteigerten Bedrohungswahrnehmung. Je länger das Spielgeschehen offen wirkt, desto gefährlicher nehme ich jede Bewegung Richtung Tor des MSV Duisburg wahr. Gelangt ein Ball gar in den Strafraum falle ich in Schockstarre, die sich in Übersprunghandlungen löst. Meine Stadionnachbarn haben blaue Flecken auf den Rücken, anderen habe ich die Schultern mit meinem Angstsschweiß getränkt. Ein Lob den geduldigen Menschen, die mich durch ein Spiel begleiten.

Nach der Halbzeitpause kämpfte der MSV sehr darum, das Spiel wieder an sich zu reißen. Mit aller Kraft wollte die Mannschaft verhindern, dass die Erfurter noch druckvoller wurden. Das Spiel wirkte wahrscheinlich gerade wegen dieser Anstrengung nicht richtig flüssig, Der Mannschaft war es aber gelungen, die Ballkontrolle wieder zum Wort der Fußballersprache zu machen. Erneut ließen sich aber einzelne Pässe in die Schnittstellen der Defensive nicht verhindern. Michael Ratajczak stellte zwei Mal im eins gegen eins die Erfurter Stürmer und verhinderte den Ausgleich. Branimir Bajic klärte immer wieder souverän. Auch der MSV hatte seine Chancen. Kevin Wolze hob einen Freistoß knapp außerhalb des Strafraus  gefühlvoll über die Mauer. Der Ball ging an die Latte. Ein Kopfball von Steffen Bohl wurde auf der Linie geklärt. Meine Nervosität wuchs. So dringlich hoffte ich auf das erlösende zweite Tor.

Der King leitete dieses Tor ein. Wahrscheinlich wird der Erfurter Defensivmann niemals mehr glauben, er könne an seiner rechten Außenlinie in Ruhe den Ball nach vorne bringen, nur weil ein potientiell anlaufender Stürmer sich gerade in der Mitte befindet. Kühl wollte er sein, seine Automatismen abrufen. Doch dann kam der King. Wenn er als erster Mann der Defensive sprintet, sieht das nicht sehr schnell aus. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er einem Defensivspieler den Ball abjagen soll. Er soll den aufbauende Spieler irritieren, ihn zwingen, unpräzise abzuspielen. Doch offensichtlich hatte der Erfurter Spieler den King unterschätzt. Weniger sein Tempo als seinen Einsatzwillen. Er scheint nicht geglaubt zu haben, der King könne ernst machen. Mit einem Mal stocherte der ihm schon zwischen den Beinen  herum, und der Ball war erobert. Der schnelle Pass auf den heransprintenden Martin Dausch folgte. Der trieb ihn weiter Richtung Strafraum. Die Flanke kam wunderbar auf den mitsprintenden Zlatko Janjic und weil der in Dresden die Generalprobe für dieses Tor vermasselte, klappte die Erfurter Premiere um so besser. Was für eine Erleichterung. Das war der Sieg. Daran bestand kein Zweifel. Die bestmögliche Grundlage für das Endspiel um Platz 2 am nächsten Samstag war geschafft. Meinen Stehplatzkumpeln rate ich schon jetzt zu Schulterpolstern und Rückenpanzern.


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