Posts Tagged 'Kevin Wolze'

Wenn die Nachspielzeit zum Gesundheitscheck wird

Wenn ich noch zwei Stunden nach einem Fußballspiel Kopfschmerzen wegen meines zeitweilig viel zu hohen Blutdrucks habe, können wir bedenkenlos von einem aufregenden Fußballspiel sprechen. Wahrscheinlich brauche ich demnächst eine ärztliche Unbedenklichsbescheinigung, ehe ich ins Stadion gehe.

Aufregend war die 1:2-Niederlage des MSV gegen Fortuna Düsseldorf allerdings erst in der zweiten Halbzeit. Denn in dieser zweiten Halbzeit schaffte es der MSV als Mannschaft die individuelle Überlegenheit einzelner Düsseldorfer Spieler wett zu machen. Nachweis dieser individuellen Überlegenheit waren sowohl die präziseren und härteren Schüsse auf das Tor als auch das härtere und etwas sicherere Kurzpassspiel der Düsseldorfer. Der Vorteil der Düsseldorfer war nicht groß, er war aber vorhanden. Wegen dieses Qualitätsunterschieds führt die Fortuna die Zweitligatabelle an, und der MSV spielt oben zwar mit, aber hat weiterhin die 40, besser 42 Punkte im Blick, während wir im Stillen von einem Relegationsplatz träumen.

Kontrolliertes Spiel hieß in der ersten Halbzeit die Devise nach dem Spektakelfußball des Hinspiels. Dieses kontrollierte Spiel brachte für die Fortuna Schüsse aus der zweiten Reihe, die auf das Tor kamen. Schüsse, die auf das Tor kommen, können dann auch mal reingehen. So entstand das Führungstor der Düsseldorfer wenige Minuten vor dem Pausenpfiff. Einen hohen Abschlag in die Hälfte des MSV ließ Gerrit Nauber einmal auftitschen. Solche auftitschenden Bälle machen mir immer Sorgen. Sie sind oft unberechenbar. So machte nicht nur ein Düsseldorfer Spieler im direkten Zweikampf mit Gerrit Nauber Druck, ein zweiter Düsseldorfer Spieler konnte den nur schlecht geklärten Ball sofort aufnehmen. Die noch nicht wieder geordnete Defensive ließ zu viel Freiraum. Der Schuss aus der zweiten Reihe traf. Wenn ich in einer Schlagzeile von einem Sonntagsschuss lese, schüttel ich allerdings veständnislos den Kopf. Das war kein Sonntagsschuss. Das war einer von mehreren gefährlichen Schüssen. Die Düsseldorfer brauchen kein Glück für solche Schüsse. Die können das.

Demgegenüber stand eine Chance durch Ahmet Engin für den MSV, oder sagen wir, sich eröffnende Chance. Engin war in den Strafraum gezogen und versuchte quer zu legen statt selbst zu schießen. Das hätte eine große Chance werden können. So wurde der Konter nach Balleroberung im Mittelfeld nur etwas Halbgares.

Kurz nach dem Wiederanpfiff veränderte ein schneller Abwurf von Mark Flekken das Spiel. Aus diesem schnellen Abwurf entstand ein erster Angriff des MSV, der Fortunas Defensive durcheinander wirbelte. Von da an schwankte das Spiel hin und her. Während die Fortuna weiter auf die Schüsse von der Strafraumgrenze setzte, versuchten die Zebras immer wieder näher ans Tor zu kommen – mit schnellem Flügelspiel oder mit hohen Bällen. Als Kevin Wolze sich über den linken Flügel wunderbar durchgespielt hatte, war der Weg Richtung Tor frei. Nah an der Torauslinie, wurde er von den Beinen geholt. Der Elfmeterpfiff blieb aus. Blutdruckspitze, die erste. Kevin Wolze war in dem Fall mein Blutdrucksenker, weil er seiner Wut freien Lauf lassen konnte. Die gelbe Karte hatte er schon, ich fürchtete das Gelb-Rot. Sofortige Beruhigung war deshalb meine Devise. Vielleicht wirkte es auf das Spielfeld runter.

Kingsley Onuegbu wurde eingewechselt und erarbeitete sich seine Chance zum Ausgleich. Sein kunstvoller Seitfallrückzieher ging knapp am Tor vorbei. Auf der Gegenseite gab es einen Schuss gegen die Latte. Als kurz vor dem Abpfiff das 2:0 fiel, schien meine Gesundheit nicht mehr gefährdet. Doch weit gefehlt. Nach dem Anschlusstreffer durch Boris Tashchy zwei Minuten später kam erst die wirkliche Prüfung des Tages. In den vier Minuten Nachspielzeit war der Ausgleich tatsächlich zweimal möglich. Die erste Chance vom King wurde zur Ecke abwehrt, und es war klar, diese Ecke würde die letzte Spielaktión. Heute weiß ich nicht einmal mehr, ob der King bei seiner zweiten Chance nach dem Eckball köpfte oder schoss. Neben der Erinnerung an meine Kopfschmerzen ist nur meine Fassungslosigkeit geblieben, dass dieser Ball vom Torwart noch geklärt werden konnte.

So komme ich zu dem etwas merkwürdigen Eindruck, dass der Sieg der Fortuna einerseits in Ordnung geht, andererseits aber das Unentschieden verdient gewesen wäre.

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13 unvergessliche Anmerkungen zum Spiel des MSV gegen Heidenheim

  1. Ein Ausgleichstor in der 90. Minute nach einem Zwei-Tore-Rückstand fühlt sich für die ausgleichende Mannschaft und ihre Anhänger nach einem Siegtor an. Sechs Tore in einem Spiel machen den Besuch eines Stadions zu einem unterhaltsamen Freizeitangebot. Wie war der Endstand des Fußballspiels zwischen dem MSV Duisburg und dem 1. FC Heidenheim?
  2. Lasst uns doch endlich einen Moment mehr Zeit, um mit dem Ball unser Spiel aufzuziehen. Dieser Satz hing in der ersten Halbzeit immer klarer als eine große Gedankenblase auf Zebra-Seite über dem Rasen.
  3. Die Heidenheimer kauften den Zebras von der ersten Minute einen großen Teil ihres Schneids ab. Sie griffen früh an, standen hinten sehr sicher und schienen auf dem gesamten Spielfeld in der Nähe des Balls immer ein Mann mehr zu sein. Es war schnell deutlich, dieses Spiel wird nicht einfach für den MSV.
  4. Die Mannschaft des MSV stemmte sich mit aller Kraft gegen die drohende Überlegenheit der Heidenheimer. Für die engen Räume war das Kurzpassspiel des MSV meist nicht präzise genug.  Zudem gehörten lange, hohe Bälle fast immer den Heidenheimern dank ihrer Kopfballstärke.
  5. Ballverluste des MSV führten zu gefährlichen Offensivaktionen der Heidenheimer. Die Führung der Gäste zeichnete sich von Beginn an als mögliche Entwicklung des Spiels ab.
  6. Nach dem Rückstand kämpfte der MSV darum, im Spiel zu bleiben. Das misslang trotz des zwischenzeitlichen Ausgleichs. Ahmet Engin wurde nach schönen Pass im Strafraum gefoult. Kevin Wolze verwandelte den Elfmeter souverän.
  7. Die Hoffnung auf ein stabileres Spiel des MSV wurde enttäuscht. Heidenheim verhinderte weiter effektiv das Offensivspiel des MSV und brachte die im Mittelfeld eroberten Bälle schnell in die eigene Offensive. Ein zweites Tor fiel und ein drittes als Eigentor von Dustin Bomheuer. Eigentore sind besonders frustrierend, nehmen der eigenen Zuversicht noch mehr Kraft. Mit dieser Bürde ging der MSV in die Halbzeitpause.
  8. Nach dem Wiederanpfiff rangen beide Mannschaften wieder darum, das Spiel zu bestimmen. Es dauerte noch ein paar Minuten, ehe der Vorteil auf Seiten des MSV lag. Dort blieb er dann bis zum Schlusspfiff.
  9. Das Leben schreibt nicht immer die schönsten Geschichten. Sonst wäre der kitzelnde Wunsch Kevin Wolzes erhört worden. Treffe noch zum Ausgleich, raunte es verführerisch, nachdem Kevin Wolze ein zweites Mal erfolgreich gewesen war. Mit einem wunderbaren Volleyschuss traf er zum 2:3. Sein drittes Tor zum Ausgleich wollte aber nicht fallen, obwohl er es noch zweimal, dreimal (?) aus der Distanz per Brechstange versuchte. Die verführerische Stimme war in den Momenten etwas zu laut geworden. Er verkörperte aber den Willen, das Spiel zu drehen. Seine Willenskraft wirkte in die Mannschaft hinein, steckte das Publikum an, machte spürbar, in der zweiten Halbzeit ist noch alles drin.
  10. Die Kräfte der Heidenheimer schwanden. Unermüdlich rannte der MSV auf das Tor des Gegners zu. So kurz vor dem Abpfiff ging dem Ausgleich noch ein klar strukturierter Angriff voraus, bei dem Kingsley Onuegbu, am hinteren Pfosten stehend, wunderbar freigespielt wurde.
  11. In Duisburg kommen nur etwas mehr als 13.000 Zuschauer, wenn der MSV nach der Winterpause das erste Auswärtsspiel souverän gewinnt und als Aufsteiger auf dem 5. Tabellenplatz steht. Das ist enttäuschend. Aber es wäre zu kurz gedacht, wenn man dabei nur an den MSV und sein Publikum denkt. Diese Zuschauerzahl entspricht dem zwiespältigen Verhältnis, das viele Duisburger zu ihrer Stadt haben. Da Duisburger immer bereit sind, sich von der Wirklichkeit Duisburgs zu distanzieren, braucht diese Stadt besonders eindrückliche Beweise ihrer Erfolge.
  12. Ein Stehplatzsittengemälde: Selbst volltrunkene Vollidioten finden das Glück in der Liebe und schützenden Halt in der Ehe. Denn Ehefrauen von volltrunkenen Vollidioten trauen ihren Männern beim Griff zum vollen Bierbecher zu, dass sie wissen, was sie mit dem Becher tun werden. Mit hochrotem Kopf und keifender Stimme treten sie für ihren Ehemann ein, der sich nur noch undeutlich artikulieren kann. Sie wittern sogar Gefahr, wenn ich freundlich volltrunkene Vollidioten bitte, diesen Becher auszutrinken, statt ihn erneut in flacher Flugkurve auf die Menschen direkt vor ihm auszuschütten. Der Unmut der Zuschauer  entlang der flachen Schneise von etwa fünf Metern war groß gewesen. Ich hatte ihn schützen wollen vor weiterem Unbill. Er brauchte den Schutz nicht. Er hatte seine Frau. Welch hoffnungsfrohe Botschaft für den Wert einer Ehe gibt uns diese Begegnung mit einer fürsorglichen, an ihren Ehemann glaubenden Frau.
  13. Die Zuschauer, die nicht gekommen sind, fühlen sich übrigens durch das Unentschieden bestätigt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Denn siehe oben: Sie kommen nur, wenn der MSV für eine etwas längere Zeit besonders erfolgreich ist.

Mit Dynamik und Gefühl in das Winter Wonderland

Der MSV lehrt uns auch in dieser Saison etwas über das Leben. Neulich noch waren wir davon überfordert als Aufstiegsfavorit durch den Alltag zu gehen. Wir hatten keine passenden Gefühle. Wir wussten nicht, welche Erwartungen an ein Spiel die richtigen waren. Wir waren wie die Neureichen früherer Zeiten, die ihr Geld mal viel zu viel und mal viel zu wenig ausgaben. Wir waren mit den Erwartungen an die Mannschaft ganz oft ein wenig drüber. So wurden wir unzufrieden trotz Tabellenführung. Wir fanden keinen passenden Ausdruck für unsere Sorgen, dass die Mannschaft das unbedingt nötige Saisonziel verpassen könnte. Wir mussten erst lernen dem Favoritendasein zu vertrauen.

In dieser Saison zeichnet sich schon wieder etwas Neues ab. Ein paar Mal habe ich schon von meiner Entspanntheit im Stadion geschrieben. Immer wieder fällt mir auf, dass ein für mich in den letzten Jahrzehnten typisches MSV-Gefühl völlig fehlt. Es schwindet meine Sorge, in den letzten Minuten könne noch alles Erreichte gefährdet werden. Es schwindet meine Sorge das Saisonziel könne verfehlt werden. Über Jahre ging es in Duisburg immer dramatisch zu. Wenn wir ins Stadion gingen, schien sehr schnell immer alles auf dem Spiel zu stehen. Wir mussten unbedingt aufsteigen. Wir durften nicht absteigen. Und immer fielen Tore in den letzten Minuten.

Nun spielte der MSV gegen Dynamo Dresden und ich habe dieser Mannschaft vertraut, obwohl Moritz Stoppelkamp und Boris Tashchy fehlten. Ich wäre wegen dieser Ausfälle sogar mit einem Unentschieden zufrieden gewesen. Das ist ein Zeichen von Vertrauen in die Mannschaft. Denn ich bin mir des mittel- und langfristigen Erfolgs dieser Mannschaft sicher, so dass ich mögliche gegenwärtige Misserfolge einrechnen kann. Umso schöner ist der verdiente 2:0-Sieg gegen Dynamo Dresden. Das ist das neue MSV-Gefühl dieser Saison, die Bedrohung ist aus dem Spielverlauf geschwunden. Die Spannung im Spiel ist seit Jahren zum ersten Mal wieder eine durchweg angenehme Spannung.

Zwei Mannschaften mit ähnlicher Qualität haben sich gestern gegenüber gestanden. Zwei Mannschaften, deren Defensive gleich gut war, zwei Mannschaften, die im Offensivspiel sich ein wenig unterschieden. Dresden versuchte in Strafraumnähe etwas öfter das Kurzpassspiel, nachdem ein langer Ball das Mittelfeld überbrückt hatte oder die Mannschaft sich mühsam durch das Mitelfeld gespielt hatte. Der MSV suchte schneller den Abschluss und wollte mit weniger Pässen torgefährlich sein, nachdem der längere Ball gespielt worden war oder die Mannschaft sich mühsam durch das Mittelfeld gespielt hatte. Und dann gab es noch einen weiteren Unterschied. Für den MSV gab es das schnelle Flügelspiel auch ohne Flügelwechsel. Der Ball ging steil auf Ahmet Engin, und der nahm Tempo auf.

So war es klar, ein Tor würde nach einem Fehler fallen. Keine der beiden Mannschaften hatte die Möglichkeit, den Gegner auszuspielen. Der Fehler geschah auf Dresdner Seite kurz vor dem Halbzeitpfiff. Ein steiler Pass am linken Flügel auf Ahmet Engin rollte knapp an der Außenlinie entlang. Für einen winzigen Moment dachte der Dresdner Defensivspieler, der Ball geht ins Aus. Sein  Zögern war fast unmerklich. Es reichte aber zum entscheidenden Vorteil für Ahmet Engin im Sprint. Er zog am Defensivspieler vorbei Richtung Torauslinie, danach in die Mitte und passte zum hereinstürmenden Stanislav Iljutcenko. Das Führungstor fiel, angepfiffen wurde nicht mehr. Bis dahin hatte es schon zwei, drei gute Chancen für den MSV gegeben, während die Dresdner keine Torgefahr entwickeln konnten.

Nach dem Wiederanpfiff erwarteten wir ein ähnliches Auftreten der Dresdner wie von St. Pauli letzte Woche. Zum Glück, so dachten wir, gab es ja Gerrit Nauber, der erneut  souverän und ruhig die Defensive organisierte, dass es eine helle Freude war. Doch zunächst standen die Dresdner schwächer als in der ersten Halbzeit auf dem Platz. Der MSV drückte die Mannschaft sofort in die Defensive und versuchte, das zweite Tor zu erzielen. Diese Chance gab es, als Ahmet Engin erneut auf dem linken Flügel bei einem Konter davon zog. Besser lässt sich so ein Konter nicht spielen – bis auf den Abschluss des frei stehenden Fabian Schnellhardt, der den Ball mit der Sohle erwischte und nicht mit dem Spann. Der Ball kullerte dem Torwart in den Arm, und zum ersten Mal in dem Spiel blitzte für mich der Gedanke auf, hoffentlich rächt sich dieses Vergeben von Chancen nicht am Ende.

Tatsächlich wurden die Dresdner stärker. Dennoch war die Mannschaft nicht präzise genug im Abschluss. Einmal kam im Strafraum ein Dresdner zum freien Abschluss. Sein Schuss ging hoch am Tor vorbei. Dann kam der Auftritt des eingewechselten Lukas Daschner. Zunächst hatte er in der Rückwärtsbewegung etwas aufgeregt auf mich gewirkt, verständlich bei dem Spielstand und seiner geringen Erfahrung. Nun kam er an den Ball, trieb ihn kurz an der rechten Außenlinie entlang, um etwa auf Strafraumhöhe in die Mitte zu ziehen. Ein Abwehrspieler nach dem anderen versuchte ihn zu stellen, vergeblich, denn Daschner lief immer weiter an der Strafraumgrenze entlang auf die andere Seite. Wir warteten auf das Abspiel zum frei stehenden linken Flügel, doch dann kam das Foul.

Kevin Wolze trat zum Freistoß an, und wir wissen, dass er diesen Schuss aus der Entfernung über die Mauer kann. Die Dresdner bauten sehr optimistisch ihre Mauer in drei Meter Entfernung vom Freistoßpunkt auf. Der Schiedsrichter bat sie zurück. Kevin Wolze lief an und hob den Ball so weich und präzise über die Mauer knapp unter die Latte zum Endstand von 2:0 ins Tor. Ich zitterte nicht um den Sieg. Ich freute mich über diese souveräne Leistung des MSV. Auf diese Weise in die Winterpause zu gehen, macht Spaß, und ein wenig staunten wir nach dem Schlusspfiff noch über unser aller Entspanntheit und Vertrauen in diese Mannschaft. Für einen Moment waren wir mit diesem MSV auch ohne Schnee in einem Winterwunderland. Mit ein wenig Abstand ist das kein Wunder, sondern das Ergebnis von welcher Arbeit noch mal? Jetzt alle im Chor, weil es stimmt: von seriöser Arbeit. Winter Wonderland dürfen wir trotzdem fürs Gefühl mal singen.

Mein Eishockey-Spiel beim FC St. Pauli

Manchmal gehe auch ich ins Stadion, und der Fußball auf dem Rasen ist weniger wichtig als ich selbst. Denn ohne mich hätte dieser Fußball nicht stattgefunden. Gut, an die 30.000 Zuschauer dieses Spiels und bestimmt auch die Spieler selbst sind sicher anderer Meinung, aber dieses Spiel des MSV beim FC St. Pauli erinnerte mich an eine zutiefst existentielle Frage. Was die Menschheit seit Jahrtausenden als Problem des Erkennens zunächst philosophisch und dann auch naturwissenschaftlich hin und her bewegt, bearbeitete ich am Sonntagnachmittag bei St. Pauli im Stadion. Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Ich habe das gesamte Spiel gesehen, ohne alles gesehen zu haben – das Ausgleichstor zum 2:2 etwa, aber auch die vermeintlichen Fouls vor den Elfmetern auf der Gegenseite. Dieses Spiel vom MSV gegen St. Pauli hätte es für mich nicht gegeben, wenn ich nicht gesehen hätte, was ich nicht gesehen habe.

Es war wie beim Eishockey. Wer zum ersten Mal ein Eishockey-Spiel sieht, sieht auch nichts vom Spiel, weil der Blick des Betrachters der vom Puck gesteuerten Bewegung des Spiels zunächst fast immer hinterher hängt. Man muss das Spiel sehen lernen. Was beim langsameren Fußball genauso ist, aber nicht auffällt, weil wir meinen, es sei einfach, dem Ball zu folgen. Aber auch den Fußball muss man sehen lernen. Womit ich vor Jahrzehnten begonnen habe. Deshalb sah ich gestern, was meine Augen nicht haben wahrnehmen können. Das meiste hat mein Kopf erledigt und die fehlenden Momente des Spiels immer wieder ergänzt.

Als Spezie eines Herdentieres habe ich bei dieser Wahrnehmung die Hilfe der Herdenstimmung nutzen können. Hinzu kamen Eindrücke der Hamburger Voll- und Teilzeit-MSV-Anhänger, mit denen ich nun schon zum wiederholten Male im norddeutschen Raum einen Auswärtsspieltag des MSV verbracht habe. Alles in allem ergibt sich nun eine ansehnliche erste Halbzeit, in der der MSV das Spiel sicher in der Hand hatte. Souverän wurde dem Druck der Paulianer in den ersten zehn Minuten stand gehalten. Danach war deutlich, gegen diese MSV-Defensive fand St. Pauli kein Mittel. Die Souveränität von Gerrit Nauber wirkte in die Mannschaft hinein. Wir durften auf eine gelungene Offensivaktion mit Torerfolg warten oder uns auf ein Unentschieden einrichten.

So war die Führung durch das Elfmetertor von Kevin Wolze keine überraschende Folge dieses Spiels vom MSV, auch wenn wir den Elfmeterpfiff selbst mehr als willkommene Gabe sahen. Der Schrecken war dann groß, als Gerrit Nauber durch einen Schuss ausgeknockt wurde. Stabile Seitenlage auf dem Spielfeld kommt nicht häufig vor und ließ Schlimmes ahnen. Als er dennoch weiterspielte, war die Hoffnung auf sein Durchhalten groß.

Er kam nach dem Halbzeitpfiff nicht mehr aus der Kabine, und damit war klar, nun würde es sehr schwierig. Denn St. Pauli bestätigte die Vermutung, nach dem Wiederanpfiff mit sehr viel Druck aufzutreten. Die Defensive des MSV begann zu schwimmen, und unsere Hoffnung, dass die Mannschaft die normalerweise 10 bis 15 Minuten vermehrte Offensivkraft des Gegners in einer solchen Begegnung schadlos überstehen würde, schwanden schnell. Nicht nur der Ausgleich fiel, St. Pauli ging in Führung. Für den MSV bestand sofort die Möglichkeit, die Niederlage noch zu verhindern, weil sich St. Pauli nach dem Führungstor ebenfalls sofort wieder zurück zog. Die MSV-Defensive war entlastet, und die Mannschaft konnte auf den Ausgleich hin spielen. Vielleicht brachte die rote Karte gegen St. Paulis Spieler einen Vorteil. Sicher bin ich mir  nicht. Ich glaube, ein Ausgleich  wäre auch beim elf gegen elf möglich gewesen, so unermüdlich wie die Zebras sich Richtung Tor St. Paulis bewegten. Das Tor von Stanislav Iljutcenko habe ich mir dann wieder sehr lebendig vorgestellt.

Wie der MSV dieses Unentschieden erspielt hat, macht Freude. Diese Mannschaft reagiert variabel auf Spielstände und Spielsituationen. Diese Mannschaft strahlt eine Selbstsicherheit aus, die beeindruckt. Die Hektik des Spiels in der zweiten Halbzeit ging von den verunsicherten Paulianern aus. Die Zebras ließen sich davon nicht anstecken, sondern nutzten die dadurch entstehende Unruhe beim Gegner. Hoffen wir nur noch, dass Gerrit Nauber möglichst nächsten Spieltag wieder da ist. So weit möchte ich dann doch nicht selbst die Wirklichkeit in meinem Kopf herstellen müssen und ihn im Spiel gegen Dresden mir vorstellen, obwohl er nicht auf dem Spielfeld steht. Sonst wird meine Wirklichkeit dann mittelfristig so anders als die von euch, dass es schwierig werden könnte.

 

 

20 Anmerkungen zum MSV-Spiel gegen Union, die die Welt noch nie gesehen hat

  1. Ein knapper Sieg war mein Wunschergebnis vor dem Spiel. Mit einem Unentschieden wäre ich zufrieden gewesen. Nach dem Spiel waren beide Ergebnisse zugleich eingetreten. Das 1:1-Unentschieden fühlte sich nach einem Sieg an.
  2. Nur in den ersten 10 bis 15 Minuten ließ sich erkennen, warum Union Berlin mehr Punkte in der Saison hat gewinnen können als der MSV. In diesen Minuten: Mark Flekken, Fußballgott.
  3. Nach der Anfangsphase wurden die Berliner vorsichtiger. Ihnen war es nicht gelungen, das Offensivspiel konstant mit Ballbesitz zu entwickeln. Immer öfter mussten sie lange Bälle schlagen, die von der Zebra-Defensive souverän abgelaufen wurden.
  4. Die Berliner wurden vorsichtiger, weil die Zebras sich trotz des sehr guten frühen Pressings von Union immer wieder spielerisch befreien konnten. Gerade Cauly Souza und Fabian Schnellhardt hielten dem Druck auf engstem Raum stand. Sie behaupteten die Bälle in der eigenen Hälfte gegen drei, vier Gegenspieler nacheinander, um planvolles Spiel zu ermöglichen. So waren die Berliner gezwungen, sich auch um die eigene Defensive zu kümmern.
  5. Gute Chancen ergaben sich nicht für den MSV.
  6. Am Ende der Saison wird der MSV sich als Aufbau- und Weiterbildungsschule für Rechtsverteidiger im internationalen Fußballgeschäft einen Namen gemacht haben. Das neue Vereinsmotto: Rechts hinten fehlt euch noch ein Mann?/Wir zeigen jedem, dass er`s kann. Andreas Wiegel spielte sehr gut auf der für ihn ungewohnten Position.
  7. Trotz der wenigen Chancen war das Spiel nicht ereignisarm. Beide Mannschaften suchten den Weg nach vorne.
  8. In der Halbzeitpause stellte ich erstaunt fest, wie entspannt ich der weiteren Saison entgegen sah.
  9. Der entspannte Blick wurde durch überraschende Nervosität der Zebras nach dem Wiederanpfiff gestört. Von der Vorhalbzeitpausensicherheit war in den ersten Spielszenen nichts zu merken. Erst ein Eckball für Union brachte einen Moment der Ruhe und leider auch das Führungstor für die Gäste.
  10. Da statistisch betrachtet nur etwa jeder hundertste Eckball zu einem Tor führt, arbeitet der MSV in dieser Saison daran, dass die restlichen Vereine dieser Profifußballwelt sich auf andere Defensivaufgaben konzentrieren können als auf Eckbälle.
  11. Entspannung, ade. Starke Zweifel über den weiteren Verlauf des Spiels waren angesichts Torchancenmangel sofort vorhanden.
  12. Den MSV beeindruckte das Gegentor nicht. Zufrieden sahen wir, wie der Druck auf das Tor von Union zunahm. Viele Chancen ergaben sich weiterhin nicht.
  13. Die Enttäuschung war mangels Torchancen um so größer, als der King nach einer perfekten Flanke im Fünfmeterraum an der richtigen Stelle mit dem falschen Körperteil war. Mit dem Oberschenkel hat er den Ball am langen Pfosten nur neben das Tor setzen können.
  14. Kingsley Onuegbu oder Stanislav Iljutcenko in der Startelf? Zuschauerlärmen beim Wechsel lässt bei Anhängern Tendenz für Iljutcenko vermuten. Zebrastreifenblog-Kees weicht nicht von seiner unlängst geäußerten Meinung zu dieser Frage ab und freut sich auf die nicht enden werdenden Diskussionen zum Thema.
  15. Moritz Stoppelkamp schien entweder unzufrieden gewesen zu mit seiner Leistung oder mit dem Ertrag. Einen Elfmeter brauchte er zwar nicht zu schießen, beim Freistoß an der Strafraumgrenze übernahm er aber die Verantwortung und schoss deutlich über das Tor. Da der Freistoß nach Foul an Iljutcenko aber hätte ein Elfmeter sein müssen, ist dieser Fehlschuss nicht verwunderlich.
  16. Warum zog der eingewechselte Ahmet Engin immer schon früh in die zugestellte Mitte, obwohl er den freien Raum am Flügel vor sich hatte?
  17. Der Ausgleich fiel durch einen Kopfball von Stanislav Iljutcenko nach einer Flanke von Kevin Wolze, die recht lange in der Luft war. Nach Torgefahr hatte diese Flanke nicht ausgesehen. So fiel das Tor etwas überraschend und umso begeisterter war unser Jubel.
  18. In den letzten Minuten des Spiels sah nichts mehr nach Niederlage aus. Stattdessen gab es sogar eine sehr leise Hoffnung auf einen Sieg. Große Chancen sahen wir zwar nicht mehr, aber der MSV blieb am Ball. Die Psyche macht’s.
  19. Zwei Seiten einer Medaille: Unser Gefühl eines Sieges entspricht dem Gefühl der Spieler bei Union, verloren zu haben.
  20. Ein guter Sonntag für einen Anhänger des MSV.

Ihr seid nur ein Fastnachtsverein, Faschingsverein, Karnevalsverein

Eigentlich bin ich weder der Mann für Maskottchenbashing noch einer für Schmähgesänge. In den Räumen hier beschäftigt sich Der Stig gerne damit, doch nach dem 1:0-Sieg des MSV gehen mir diese Karnevalsteufelchen aus dem Vorprogramm beim FC Kaiserslautern nicht aus dem Kopf. Das mag an meiner kölschen Fasteloovend-Vertrautheit liegen, aber was machen diese Teufelchen aus der Fußtruppe eines Karnevalsumzugs nur auf dem Rasen beim 1. FC Kaiserslautern? Wie soll ein Verein der sein Vorprogramm dauerhaft mit dem Personal von Fastnacht, Fasching oder Karneval bestreitet nur die Klasse halten? Das wird sehr, sehr schwer, liebe Anhänger, Spieler und Verantwortliche aus Kaiserslautern. Diese Wahrheit muss ich euch leider ins Gästebuch schreiben. Von der Leistung eurer Mannschaft muss ich dabei gar nicht erst sprechen.

Denn erst einmal spreche ich über den MSV Duisburg. Wenn dieser Auftritt des MSV in Kaiserslautern die Balance ist, von der nach dem Braunschweig-Spiel Moritz Stoppelkamp gesprochen hat, müssen wir uns um nichts mehr Sorgen machen. In Zeitungsberichten wurde vor dem Spiel die erneute defensive Ausrichtung beider Mannschaften vermutet. Doch nichts da. Vom Anpfiff an war der 1. FC Kaiserslautern alleine auf dem Platz mit seiner defensiven Ausrichtung. Die Zebras zeigten sofort, in diesem Spiel auf dem Betzenberg wird das Aufbausspiel des Gegners wieder früh gestört, nicht schon in Strafraumnähe wie in den ersten Spielen, aber auf jeden Fall in dessen Defensivhälfte. Zudem wird auch schnell nach vorne gespielt, Sicherheitspässe werden nicht bei jeder Balleroberung gebraucht. Manchmal werden sie noch benötigt, nur um aus der Sicherheit heraus, das Spiel wieder zu beschleunigen. Diese Zebras wollten den Sieg. Das war von der ersten Minute an zu sehen. Zugute kam dem MSV die Verunsicherung bei den Spielern des 1. FC Kaiserslautern. Anhaltendes Selbstbewusstsein hat der Erfolg in den letzten beiden Spielen jedenfalls nicht gegeben.

Klare Chancen ergaben sich aus der Überlegenheit des MSV zunächst keine. Ein Schuss von Moritz Stoppelkamp, nachdem Boris Tashchy und Kingsley Onuegbu in gemeinsamer Arbeit einen hohen Ball in den Strafraum in den eigenen Reihen halten konnten. Geduld war gefragt. Ein Konter der Kaiserslautern machte in der Mitte der ersten Halbzeit einmal Angst. Da hieß es kurz durchatmen, mehr kam aber nicht. Die Defensive stand sicher. Jedem hohen Ball in Richtung Strafraum der Zebras wurde die Gefahr genommen. Andere Mittel fanden die Kaiserslauterner nicht. Das Spiel über deren Außen wurde durch Kevin Wolze und Enis Hajri nahezu komplett unterbunden.

Stattdessen bohrten die Zebras das Defensivbollwerk des Gegners unermüdlich an. Wenn es irgend ging, wurde das Kurzpassspiel versucht, oft waren die halblangen Bälle auf Kingsley Onuegbu oder Boris Tashchy das Mittel der Wahl, hin und wieder wurde das Flügelspiel über Moritz Stoppelkamp oder Cauly Souza gesucht. Die Mannschaft versuchte schnell zu spielen, ohne die Defensive zu entblößen. Ich rufe demnächst immer, da ist sie, die Balance, die Balance, wenn ich das beglückt sehe.

Zwischendurch: Heute geht es hier um das gesamte Spiel. Morgen bekommt der King einen eigenen Text. Das wird ein Plädoyer für Nachsicht. So viel sei schon mal verraten. Und dieses Plädoyer schreibe ich nicht aus Mitmenschlichkeit, sondern weil mein realistischer Blick auf die Möglichkeiten dieser Mannschaft das verlangt. Ich sehe zu viel Ärger über den King.

Ein Pass auf den durchstartenden Cauly Souza, der wird vom Torwart berührt und fliegt in hohem Bogen durch die Luft. Der Schiedsrichterpfiff und kurze Unsicherheit über die Entscheidung. Elfmeter, ja. Nun wissen wir, die Mannschaft braucht einen weiteren Elfmeterschützen. So weit wie Moritz Stoppelkamp über das Tor schoss, so groß war die Enttäuschung. Dabei dachte ich zunächst Enis Hajri würde schießen. Er hatte den Ball zurecht gelegt. Die Führung wäre verdient gewesen. Es blieb zur Pause beim torlosen Unentschieden.

Mit Beginn der zweiten Halbzeit wollten die Kaiserslauterner mutiger sein. Sie versuchten nun den MSV schon am eigenen Strafraum zu stören. Pressing konnte man das nicht nennen. Das war eher ein lästiges Herumwuseln, was die Zebras grundsätzlich gut beiseite wischten, auch wenn wir gebrannten Anhänger-Kinder immer das größtmögliche Unglück eines Gegentores vermuten. Gefährlicher wurde es für den MSV also zunächst nicht.

Erst nach dem Führungstor durch Dustin Bomheuer entstand so etwas wie Druck auf das Tor des MSV, auch weniger weil die Kaiserslauterner besser wurden als durch die Möglichkeit auf Seiten des MSV etwas zu verlieren. Wenn die Angst vor dem Ballverlust nur minimal größer wird, schon gibt es Situationen, in denen im Strafraum Hektik entsteht und der kurzfristige Verlust von Spielkontrolle. Alles kann dann möglich sein. Zwei-, dreimal sahen wir ein wildes Gebolze, um den Ball aus dem Strafraum zu bekommen. Dennoch hielten die Zebras weitest gehend die Spielkontrolle, wurde versucht Ruhe zu bewahren. Tim Albutat wurde nach seiner langen Verletzungspause zum ersten Mal wieder eingewechselt. Was eigentlich als Beruhigung gedacht war, machte mich schnell nervös. Er wirkte etwas desorientiert in dieser hektischen Schlussphase und ermöglichte zweimal Durchbrüche der Kaiserslauterner auf Strafraumhöhe. Er braucht momentan auf jeden Fall eine ruhige Spielphase, um wieder auf den Platz zu kommen. Vielleicht braucht die jeder Spieler nach so einer Verletzung.

Die Zeit verstrich zudem mit ein paar Aufgeregtheiten, die genutzt wurden, um Zeit von der Uhr zu nehmen. Natürlich holte sich Enis Hajri eine gelbe Karte ab, die fünfte. Was mich Böses für das Union-Spiel ahnen lässt. Der Schlusspfiff kam nicht als Befreiung vom Dauerdruck, aber doch als Rettung vor einem ungnädigen Schicksal, das wahllos Fanseelen ins Unglück stürzen kann.

 

 

 

 

 

 

Ab in die TOP 5 der ernüchternden Niederlagen

Nicht dass ich die Niederlage gegen den 1. FC Nürnberg hier verschweigen will. Gestern habe ich allerdings deshalb nichts geschrieben, weil zur mangelnden Zeit mein Unwillen hinzu kam, mich an das Spiel noch einmal zu erinnern. Stattdessen machte ich mir eine Arbeitsnotiz. Stelle die Top 5 der ernüchterndsten Niederlagen zusammen. Dieses Spiel gehört für mich dazu. Ich werde auch heute nicht mehr viel dazu schreiben. Wir blicken nach vorne. Ernüchternd ist es nämlich, wenn die Zebras das Spiel gestalten und dennoch zur Halbzeitpause 2:0 zurückliegen.

Der 1. FC Nürnberg musste für diese Führung viel weniger ins eigene Spiel investieren als der MSV. Sie brauchten nur abwartend zu spielen und wahrscheinlich hieß die Offensivtaktik gar nicht, suche den gefährlichen Abschluss aufs Tor. Ich bin sicher, die Stürmer versuchten die Zebras dazu zu zwingen, den Ball ins Toraus zu schießen. Diese Eckbälle waren die eigentliche Torchance. Sobald der Eckball in den Strafraum schoss (!), brannte es lichterloh im Strafraum. Die Geschwindigkeit der hereinfliegenden Bälle war ebenso beeindruckend wie die Präzision, mit der sie genau an die Stelle kamen, bei der der Torwart nicht genau weiß, ob er dort hin gehen soll oder nicht. Die Mannschaft wusste anscheinend um die Gefahr durch diese Ecken. So anderes als sonst versuchte sie mit einer geschlossenen Defensivreihe im Fünfmeterraum diese Ecken zu verteidigen. Vergeblich.

Was für ein Chance hatte Simon Brandstetter zur Führung. Er arbeitet, holt sich die Bälle, läuft in die freien Räume, ist schnell, anspielbar. Er stört als erster Defensivspieler seiner Mannschaft den Spielaufbau in der Hälfte des Gegners. Beim schnellen Abschluss im Strafraum kann er nicht variabel genug sein. Anstatt ein Tor von Simon Brandstetter zu bejubeln, fürchte ich jeden Eckball. Der MSV arbeitet daran, dass jede andere Mannschaft Europas demnächst entspannt Eckbälle des Gegners erwarten kann, damit die Statistik weiter stimmt, nur 1,27 Prozent aller Eckbälle seien erfolgreich.

Fünf bis zehn Minuten zu spät setzte der MSV in der zweiten Halbzeit auf die bedingungslose Offensive. Erst als Stanislav Iljutcenko in der 80. Minute eingewechselt wurde, geriet die Defensive der Nürnberger ins Schwimmen. Schon zuvor hatte der MSV nach dem Wiederanpfiff unermüdlich den Weg zum Tor gesucht, ohne gefährlich zu werden. Meine Ernüchterung wich erst, als in diesen Schlussminuten alles möglich schien, so sehr wurden die Nürnberger in der eigenen Hälfte eingeschnürrt. Ein Trudelball gegen die Latte, eine scharfe Flanke, an der Onuegbu und Iljutcenko um Zentimenter vorbei rutschten. Das Tor schien fast sicher gewesen zu sein. Schließlich in der Nachspielzeit, der zweifellose Elfmeter nach tölpelhaftem Einsteigen des Nürberger Defensivspielers. Kevin Wolze verwandelte sicher. Zu spät.

Wir nehmen auch aus diesem dritten Spiel der Saison mit, die Mannschaft kann ein Spiel gestalten. Sie kann sich Torchancen erspielen. Hätte Simon Brandstetter die Kaltblütigkeit von Kingsley Onuegbu, erzielten wir in jedem Spiel mindestens ein Tor. Was nicht heißt, dass er alleine nur für die Torchancen zuständig ist. Seine sind zwangsläufig nur die größten Chancen. Die Mannschaft besitzt eine grundsätzlich stabile Defensivreihe mit einer verwundbaren rechten Seite. Das sind die Voraussetzungen für die Spiele der nächsten Wochen. Jetzt möchte ich nur noch den ersten Sieg der Saison. Das sollte machbar sein bei diesen Voraussetzungen.


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