Posts Tagged 'Kingsley Onuegbu'

20 Anmerkungen zum MSV-Spiel gegen Union, die die Welt noch nie gesehen hat

  1. Ein knapper Sieg war mein Wunschergebnis vor dem Spiel. Mit einem Unentschieden wäre ich zufrieden gewesen. Nach dem Spiel waren beide Ergebnisse zugleich eingetreten. Das 1:1-Unentschieden fühlte sich nach einem Sieg an.
  2. Nur in den ersten 10 bis 15 Minuten ließ sich erkennen, warum Union Berlin mehr Punkte in der Saison hat gewinnen können als der MSV. In diesen Minuten: Mark Flekken, Fußballgott.
  3. Nach der Anfangsphase wurden die Berliner vorsichtiger. Ihnen war es nicht gelungen, das Offensivspiel konstant mit Ballbesitz zu entwickeln. Immer öfter mussten sie lange Bälle schlagen, die von der Zebra-Defensive souverän abgelaufen wurden.
  4. Die Berliner wurden vorsichtiger, weil die Zebras sich trotz des sehr guten frühen Pressings von Union immer wieder spielerisch befreien konnten. Gerade Cauly Souza und Fabian Schnellhardt hielten dem Druck auf engstem Raum stand. Sie behaupteten die Bälle in der eigenen Hälfte gegen drei, vier Gegenspieler nacheinander, um planvolles Spiel zu ermöglichen. So waren die Berliner gezwungen, sich auch um die eigene Defensive zu kümmern.
  5. Gute Chancen ergaben sich nicht für den MSV.
  6. Am Ende der Saison wird der MSV sich als Aufbau- und Weiterbildungsschule für Rechtsverteidiger im internationalen Fußballgeschäft einen Namen gemacht haben. Das neue Vereinsmotto: Rechts hinten fehlt euch noch ein Mann?/Wir zeigen jedem, dass er`s kann. Andreas Wiegel spielte sehr gut auf der für ihn ungewohnten Position.
  7. Trotz der wenigen Chancen war das Spiel nicht ereignisarm. Beide Mannschaften suchten den Weg nach vorne.
  8. In der Halbzeitpause stellte ich erstaunt fest, wie entspannt ich der weiteren Saison entgegen sah.
  9. Der entspannte Blick wurde durch überraschende Nervosität der Zebras nach dem Wiederanpfiff gestört. Von der Vorhalbzeitpausensicherheit war in den ersten Spielszenen nichts zu merken. Erst ein Eckball für Union brachte einen Moment der Ruhe und leider auch das Führungstor für die Gäste.
  10. Da statistisch betrachtet nur etwa jeder hundertste Eckball zu einem Tor führt, arbeitet der MSV in dieser Saison daran, dass die restlichen Vereine dieser Profifußballwelt sich auf andere Defensivaufgaben konzentrieren können als auf Eckbälle.
  11. Entspannung, ade. Starke Zweifel über den weiteren Verlauf des Spiels waren angesichts Torchancenmangel sofort vorhanden.
  12. Den MSV beeindruckte das Gegentor nicht. Zufrieden sahen wir, wie der Druck auf das Tor von Union zunahm. Viele Chancen ergaben sich weiterhin nicht.
  13. Die Enttäuschung war mangels Torchancen um so größer, als der King nach einer perfekten Flanke im Fünfmeterraum an der richtigen Stelle mit dem falschen Körperteil war. Mit dem Oberschenkel hat er den Ball am langen Pfosten nur neben das Tor setzen können.
  14. Kingsley Onuegbu oder Stanislav Iljutcenko in der Startelf? Zuschauerlärmen beim Wechsel lässt bei Anhängern Tendenz für Iljutcenko vermuten. Zebrastreifenblog-Kees weicht nicht von seiner unlängst geäußerten Meinung zu dieser Frage ab und freut sich auf die nicht enden werdenden Diskussionen zum Thema.
  15. Moritz Stoppelkamp schien entweder unzufrieden gewesen zu mit seiner Leistung oder mit dem Ertrag. Einen Elfmeter brauchte er zwar nicht zu schießen, beim Freistoß an der Strafraumgrenze übernahm er aber die Verantwortung und schoss deutlich über das Tor. Da der Freistoß nach Foul an Iljutcenko aber hätte ein Elfmeter sein müssen, ist dieser Fehlschuss nicht verwunderlich.
  16. Warum zog der eingewechselte Ahmet Engin immer schon früh in die zugestellte Mitte, obwohl er den freien Raum am Flügel vor sich hatte?
  17. Der Ausgleich fiel durch einen Kopfball von Stanislav Iljutcenko nach einer Flanke von Kevin Wolze, die recht lange in der Luft war. Nach Torgefahr hatte diese Flanke nicht ausgesehen. So fiel das Tor etwas überraschend und umso begeisterter war unser Jubel.
  18. In den letzten Minuten des Spiels sah nichts mehr nach Niederlage aus. Stattdessen gab es sogar eine sehr leise Hoffnung auf einen Sieg. Große Chancen sahen wir zwar nicht mehr, aber der MSV blieb am Ball. Die Psyche macht’s.
  19. Zwei Seiten einer Medaille: Unser Gefühl eines Sieges entspricht dem Gefühl der Spieler bei Union, verloren zu haben.
  20. Ein guter Sonntag für einen Anhänger des MSV.
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Eine Lanze brechen für den King

Heute begrüße ich alle Freunde  der Mittelalterszene, die bei dieser Überschrift leuchtende Augen bekommen.  Google, sei Dank. Allerdings geht es auch heute um Fußball, und Clickbaiting ist nicht mein Metier. Kingsley Onuegbu ist nun einemal der King, und seine Leistung in den letzten beiden Spielen braucht  Einordnung. Denn zweimal nun hat sein Auftritt bei vielen Anhängern der Zebras harsche Kritik hervorgerufen. Ich hingegen finde, er verdient besondere Anerkennung. Schließlich stellt er sich mit seinen spielerischen Möglichkeiten auf eine Weise in den Dienst der Mannschaft, die ihn schlechter aussehen lässt, als er ist. Für Ilia Gruevs Versuch die Defensive zu stabilisieren und gleichzeitig Offensivkraft zu schaffen, gibt es im Moment keine Alternative neben ihm. Warum?

Die Defensive hat Ilia Gruev gestärkt, indem er die Mannschaft nicht mehr so hoch spielen lässt wie in der ersten Phase der Saison. Der Aufbau des Gegners wird entsprechend später gestört, die Defensivspieler des Gegners werden nicht mehr früh angelaufen. Das bedeutet zugleich, die Schnelligkeit beim Gegenpressing hat nicht mehr die Bedeutung wie zuvor. Für das System der ersten Saisonphase hatten sowohl Stanislav Iljutcenko als auch Simon Brandstetter wegen ihrer Grundschnelligkeit klare Vorteile gegenüber Kingsley Onuegbu.

Die Verstärkung der Defensive hat nun selbstverständlich auch Auswirkungen auf die Spielweise in der Offensive. Sehr viel häufiger als in der ersten Saisonphase muss die Mannschaft aus einer statischen Spielsituation den Ball in Tornähe bekommen. In einer statischen Spielsituation aber sind fast immer hohe Bälle, ob lang oder halblang geschlagen, das Mittel der Wahl. Bei diesen Bällen ist der „King“, selbst wenn er keine Topleistung früherer Tage zeigt, deutlich die erste Wahl gegenüber den beiden anderen Offensivspielern. Selbst wenn ihm die sofortige Ballkontrolle nicht gelingt, beschäftigt er immer die Defensive des Gegners. Der Gegner braucht meist zwei Spieler um ihn vom Ball zu trennen. Sicher, momentan sieht der King oft ungelenk aus, springen ihm die Bälle öfter fort als in seinen besten Zeiten beim MSV. Dennoch sehe ich keine Alternative zu seinem Spiel, so lange das Kurzpassspiel und Flügelspiel nicht so erfolgreich ist, dass halblange und lange Bälle die Ausnahme bleiben können.

Ilia Gruev musste bei seinem Versuch, die Defensive zu stabilisieren, einen Kompromiss eingehen. Er verzichtete auf Dynamik in der Offensive, um Präsenz beim statischen Spiel zu gewinnen. Kingsley Onuegbu arbeitet und arbeitet. Wenn er springt, sieht das oft nicht gut aus und dennoch besetzt er den Raum an genau dieser Stelle so, dass sich die Defensive im Zentrum an ihm orientiert. Dann geht es um die zweiten Bälle. Die müssen Beute der anderen Spieler sein. Selbst dem langen Ball zum Konter rennt der King hinterher im Wissen, ihn so gut wie nie erreichen zu können. So bleibt die gegnerische Defensive nie ohne Beschäftigung. Darum geht es, und Kingsley Onuegbu nimmt es in Kauf, schlecht auszusehen. Noch einmal: er spielt so gut, wie er kann. Was wir sehen, ist ein Kompromiss, den die erste Saisonphase verlangt. Kingsley Onuegbu verdient denselben Beifall wie der Rest der Mannschaft. Denn er füllt eine Lücke, die kein anderer Spieler des Kaders bei genau dieser Spielweise ausfüllen könnte.

Ihr seid nur ein Fastnachtsverein, Faschingsverein, Karnevalsverein

Eigentlich bin ich weder der Mann für Maskottchenbashing noch einer für Schmähgesänge. In den Räumen hier beschäftigt sich Der Stig gerne damit, doch nach dem 1:0-Sieg des MSV gehen mir diese Karnevalsteufelchen aus dem Vorprogramm beim FC Kaiserslautern nicht aus dem Kopf. Das mag an meiner kölschen Fasteloovend-Vertrautheit liegen, aber was machen diese Teufelchen aus der Fußtruppe eines Karnevalsumzugs nur auf dem Rasen beim 1. FC Kaiserslautern? Wie soll ein Verein der sein Vorprogramm dauerhaft mit dem Personal von Fastnacht, Fasching oder Karneval bestreitet nur die Klasse halten? Das wird sehr, sehr schwer, liebe Anhänger, Spieler und Verantwortliche aus Kaiserslautern. Diese Wahrheit muss ich euch leider ins Gästebuch schreiben. Von der Leistung eurer Mannschaft muss ich dabei gar nicht erst sprechen.

Denn erst einmal spreche ich über den MSV Duisburg. Wenn dieser Auftritt des MSV in Kaiserslautern die Balance ist, von der nach dem Braunschweig-Spiel Moritz Stoppelkamp gesprochen hat, müssen wir uns um nichts mehr Sorgen machen. In Zeitungsberichten wurde vor dem Spiel die erneute defensive Ausrichtung beider Mannschaften vermutet. Doch nichts da. Vom Anpfiff an war der 1. FC Kaiserslautern alleine auf dem Platz mit seiner defensiven Ausrichtung. Die Zebras zeigten sofort, in diesem Spiel auf dem Betzenberg wird das Aufbausspiel des Gegners wieder früh gestört, nicht schon in Strafraumnähe wie in den ersten Spielen, aber auf jeden Fall in dessen Defensivhälfte. Zudem wird auch schnell nach vorne gespielt, Sicherheitspässe werden nicht bei jeder Balleroberung gebraucht. Manchmal werden sie noch benötigt, nur um aus der Sicherheit heraus, das Spiel wieder zu beschleunigen. Diese Zebras wollten den Sieg. Das war von der ersten Minute an zu sehen. Zugute kam dem MSV die Verunsicherung bei den Spielern des 1. FC Kaiserslautern. Anhaltendes Selbstbewusstsein hat der Erfolg in den letzten beiden Spielen jedenfalls nicht gegeben.

Klare Chancen ergaben sich aus der Überlegenheit des MSV zunächst keine. Ein Schuss von Moritz Stoppelkamp, nachdem Boris Tashchy und Kingsley Onuegbu in gemeinsamer Arbeit einen hohen Ball in den Strafraum in den eigenen Reihen halten konnten. Geduld war gefragt. Ein Konter der Kaiserslautern machte in der Mitte der ersten Halbzeit einmal Angst. Da hieß es kurz durchatmen, mehr kam aber nicht. Die Defensive stand sicher. Jedem hohen Ball in Richtung Strafraum der Zebras wurde die Gefahr genommen. Andere Mittel fanden die Kaiserslauterner nicht. Das Spiel über deren Außen wurde durch Kevin Wolze und Enis Hajri nahezu komplett unterbunden.

Stattdessen bohrten die Zebras das Defensivbollwerk des Gegners unermüdlich an. Wenn es irgend ging, wurde das Kurzpassspiel versucht, oft waren die halblangen Bälle auf Kingsley Onuegbu oder Boris Tashchy das Mittel der Wahl, hin und wieder wurde das Flügelspiel über Moritz Stoppelkamp oder Cauly Souza gesucht. Die Mannschaft versuchte schnell zu spielen, ohne die Defensive zu entblößen. Ich rufe demnächst immer, da ist sie, die Balance, die Balance, wenn ich das beglückt sehe.

Zwischendurch: Heute geht es hier um das gesamte Spiel. Morgen bekommt der King einen eigenen Text. Das wird ein Plädoyer für Nachsicht. So viel sei schon mal verraten. Und dieses Plädoyer schreibe ich nicht aus Mitmenschlichkeit, sondern weil mein realistischer Blick auf die Möglichkeiten dieser Mannschaft das verlangt. Ich sehe zu viel Ärger über den King.

Ein Pass auf den durchstartenden Cauly Souza, der wird vom Torwart berührt und fliegt in hohem Bogen durch die Luft. Der Schiedsrichterpfiff und kurze Unsicherheit über die Entscheidung. Elfmeter, ja. Nun wissen wir, die Mannschaft braucht einen weiteren Elfmeterschützen. So weit wie Moritz Stoppelkamp über das Tor schoss, so groß war die Enttäuschung. Dabei dachte ich zunächst Enis Hajri würde schießen. Er hatte den Ball zurecht gelegt. Die Führung wäre verdient gewesen. Es blieb zur Pause beim torlosen Unentschieden.

Mit Beginn der zweiten Halbzeit wollten die Kaiserslauterner mutiger sein. Sie versuchten nun den MSV schon am eigenen Strafraum zu stören. Pressing konnte man das nicht nennen. Das war eher ein lästiges Herumwuseln, was die Zebras grundsätzlich gut beiseite wischten, auch wenn wir gebrannten Anhänger-Kinder immer das größtmögliche Unglück eines Gegentores vermuten. Gefährlicher wurde es für den MSV also zunächst nicht.

Erst nach dem Führungstor durch Dustin Bomheuer entstand so etwas wie Druck auf das Tor des MSV, auch weniger weil die Kaiserslauterner besser wurden als durch die Möglichkeit auf Seiten des MSV etwas zu verlieren. Wenn die Angst vor dem Ballverlust nur minimal größer wird, schon gibt es Situationen, in denen im Strafraum Hektik entsteht und der kurzfristige Verlust von Spielkontrolle. Alles kann dann möglich sein. Zwei-, dreimal sahen wir ein wildes Gebolze, um den Ball aus dem Strafraum zu bekommen. Dennoch hielten die Zebras weitest gehend die Spielkontrolle, wurde versucht Ruhe zu bewahren. Tim Albutat wurde nach seiner langen Verletzungspause zum ersten Mal wieder eingewechselt. Was eigentlich als Beruhigung gedacht war, machte mich schnell nervös. Er wirkte etwas desorientiert in dieser hektischen Schlussphase und ermöglichte zweimal Durchbrüche der Kaiserslauterner auf Strafraumhöhe. Er braucht momentan auf jeden Fall eine ruhige Spielphase, um wieder auf den Platz zu kommen. Vielleicht braucht die jeder Spieler nach so einer Verletzung.

Die Zeit verstrich zudem mit ein paar Aufgeregtheiten, die genutzt wurden, um Zeit von der Uhr zu nehmen. Natürlich holte sich Enis Hajri eine gelbe Karte ab, die fünfte. Was mich Böses für das Union-Spiel ahnen lässt. Der Schlusspfiff kam nicht als Befreiung vom Dauerdruck, aber doch als Rettung vor einem ungnädigen Schicksal, das wahllos Fanseelen ins Unglück stürzen kann.

 

 

 

 

 

 

Ab in die TOP 5 der ernüchternden Niederlagen

Nicht dass ich die Niederlage gegen den 1. FC Nürnberg hier verschweigen will. Gestern habe ich allerdings deshalb nichts geschrieben, weil zur mangelnden Zeit mein Unwillen hinzu kam, mich an das Spiel noch einmal zu erinnern. Stattdessen machte ich mir eine Arbeitsnotiz. Stelle die Top 5 der ernüchterndsten Niederlagen zusammen. Dieses Spiel gehört für mich dazu. Ich werde auch heute nicht mehr viel dazu schreiben. Wir blicken nach vorne. Ernüchternd ist es nämlich, wenn die Zebras das Spiel gestalten und dennoch zur Halbzeitpause 2:0 zurückliegen.

Der 1. FC Nürnberg musste für diese Führung viel weniger ins eigene Spiel investieren als der MSV. Sie brauchten nur abwartend zu spielen und wahrscheinlich hieß die Offensivtaktik gar nicht, suche den gefährlichen Abschluss aufs Tor. Ich bin sicher, die Stürmer versuchten die Zebras dazu zu zwingen, den Ball ins Toraus zu schießen. Diese Eckbälle waren die eigentliche Torchance. Sobald der Eckball in den Strafraum schoss (!), brannte es lichterloh im Strafraum. Die Geschwindigkeit der hereinfliegenden Bälle war ebenso beeindruckend wie die Präzision, mit der sie genau an die Stelle kamen, bei der der Torwart nicht genau weiß, ob er dort hin gehen soll oder nicht. Die Mannschaft wusste anscheinend um die Gefahr durch diese Ecken. So anderes als sonst versuchte sie mit einer geschlossenen Defensivreihe im Fünfmeterraum diese Ecken zu verteidigen. Vergeblich.

Was für ein Chance hatte Simon Brandstetter zur Führung. Er arbeitet, holt sich die Bälle, läuft in die freien Räume, ist schnell, anspielbar. Er stört als erster Defensivspieler seiner Mannschaft den Spielaufbau in der Hälfte des Gegners. Beim schnellen Abschluss im Strafraum kann er nicht variabel genug sein. Anstatt ein Tor von Simon Brandstetter zu bejubeln, fürchte ich jeden Eckball. Der MSV arbeitet daran, dass jede andere Mannschaft Europas demnächst entspannt Eckbälle des Gegners erwarten kann, damit die Statistik weiter stimmt, nur 1,27 Prozent aller Eckbälle seien erfolgreich.

Fünf bis zehn Minuten zu spät setzte der MSV in der zweiten Halbzeit auf die bedingungslose Offensive. Erst als Stanislav Iljutcenko in der 80. Minute eingewechselt wurde, geriet die Defensive der Nürnberger ins Schwimmen. Schon zuvor hatte der MSV nach dem Wiederanpfiff unermüdlich den Weg zum Tor gesucht, ohne gefährlich zu werden. Meine Ernüchterung wich erst, als in diesen Schlussminuten alles möglich schien, so sehr wurden die Nürnberger in der eigenen Hälfte eingeschnürrt. Ein Trudelball gegen die Latte, eine scharfe Flanke, an der Onuegbu und Iljutcenko um Zentimenter vorbei rutschten. Das Tor schien fast sicher gewesen zu sein. Schließlich in der Nachspielzeit, der zweifellose Elfmeter nach tölpelhaftem Einsteigen des Nürberger Defensivspielers. Kevin Wolze verwandelte sicher. Zu spät.

Wir nehmen auch aus diesem dritten Spiel der Saison mit, die Mannschaft kann ein Spiel gestalten. Sie kann sich Torchancen erspielen. Hätte Simon Brandstetter die Kaltblütigkeit von Kingsley Onuegbu, erzielten wir in jedem Spiel mindestens ein Tor. Was nicht heißt, dass er alleine nur für die Torchancen zuständig ist. Seine sind zwangsläufig nur die größten Chancen. Die Mannschaft besitzt eine grundsätzlich stabile Defensivreihe mit einer verwundbaren rechten Seite. Das sind die Voraussetzungen für die Spiele der nächsten Wochen. Jetzt möchte ich nur noch den ersten Sieg der Saison. Das sollte machbar sein bei diesen Voraussetzungen.

Die 11FREUNDE-Redaktion fragt – Kees Jaratz antwortet

Zurück in der 2. Liga – das heißt auch mehr Berichterstattung über den MSV durch die versammelten Fußballmedien und mehr Arbeit für mich. Wie gewohnt in den letzten Zweitliga-Jahren der Zebras landete nämlich die E-Mail  mit ein paar launigen Fragen aus der 11FREUNDE-Redaktion im Posteingang. Im Bundesliga-Sonderheft erscheinen dann die Antworten, die von den Erst- und Zweitligabloggern zurückgesendet werden. Ein paar Seiten kostenloser Content für 11FREUNDE. Damit kennen wir uns aus. Für euch nun exklusiv die Sonderedition Jaratz zum MSV des 2017er 11FREUNDE-Jahrgangs.

Die nächste Saison wird eventuell legendär, weil…

nicht nur der Klassenerhalt früh feststeht und die Teilnahme am Pokalfinale den Anfang einer langjährigen Erfolgsära bedeutet, sondern auch der 50-Millionen-China-Deal im Winter – siehe unten – den Verein endgültig saniert

Wenn ich an die vergangene Saison denke, dann…

…haben alle im und um den MSV mit anfänglich sehr überlegener Spielweise und der Tabellenführung seit Spieltag neun samt Drittliga-Meisterschaft eine völlig neue Erfahrung des Dauer-Favoriten-Daseins gemacht. Dennoch wurde die Tradition nicht verraten, uns auf den Rängen bis zum Abpfiff am Erfolg zweifeln zu lassen. Tradition! Wichtig!

Auf diesen Videobeweis-Fauxpas freue ich mich besonders:

Foul ist Foul, auch wenn die foulenden Abwehrspieler klein und viele sind während der gefoulte Spieler alleine sowie athletisch und groß ist wie Kingsley Onuegbu. Würde ich gerne im Videobeweis mal sehen.

Für 50 Millionen in Richtung China verlässt uns im Winter…

…Physio, Greenkeeper und zwei Ticketing-Mitarbeiter. An Fußballer aus Deutschland traut sich nach Modeste-Deal-Fast-Scheitern gerade niemand ran.

Mein Verein muss an den DFB Strafe zahlen, weil…

Beim Pyro-Abo sind wir wie alle dabei. Dazu plädiere ich für Sonderstrafen bei Mickie-Krause-Auftritten vor einem Spiel.

Die neue Vereinshymne sollte komponiert werden von…

Von niemandem. Reden wir nicht drüber, weil Hymnenkram schon immer gegenüber dem Besten vom Besten enttäuscht. Muss ich mehr sagen als Zebratwist?

Aus unserem Team unverzichtbar für Jogi Löw ist in Russland…

Wie Confed-Cup und U21-Euro zeigen, deutsche Fußballspieler hat Jogi Löw ja mehr als genug. Einen Spieler wie Branimir Bajic aber hat er nicht. Mit seinen fast 38 Jahren gibt er inzwischen durch die Aura seines Auftretens auch von der Bank aus Sicherheit bis in alle Ecken des Spielfelds. Wenn es nötig ist, auch auf dem Spielfeld präsent. Großartiger Mann. Deshalb Nationalitäten-Sondersstatus für den Bosnier Bajic.

Fußball schön und gut, aber Weltmeister würde unsere Truppe in…

Textsicherheit beim deutschen Party-Schlager der Gegenwart, der aufklärenden Arbeit des nigerianischen Schlagersammlers und -forschers Kingsley Onuegbu sei Dank.

Auswärts schmeckt gut: Die beste Bratwurst gibt es in…

Überall dort, wo Auswärtssiege den Blick aufs Wesentliche lenken und Geschmackssinne vernebeln.

Jetzt reicht’s: Das müsste passieren, damit ich nicht mehr ins Stadion gehe…

Ich interessiere mich schon jetzt kaum mehr für die Bundesliga oder Champions League. Aber als wandelnder Zuschauer-Widerspruch wird sich das natürlich sofort ändern, wenn mein Verein in die Nähe des nächst möglichen Erfolgs kommt. Sprich: ich weiß nicht, was passieren müsste.

Dieser Filmtitel beschreibt meinen Klub perfekt…

Zurück in die Zukunft

Dieser Twitter-Account ist für Fußballfans unverzichtbar…

Zu viele, um einen zu nennen. Schaut selbst.

Zweite Liga ist eh viel schöner als Bundesliga, weil…

…mich Bundesliga kaum mehr  interessiert. Siehe oben. Und Union Berlin und St. Pauli immer eine Reise wert ist, dabei Bochum und Düsseldorf um die Ecke liegen und die Chance zum Bundesligaaufstieg greifbar nahe ist. Denn siehe oben.

Das ist die zweitklassigste Zweite Liga seit…

…der MSV vor zwei Jahren schon einmal nach dem Zwangsabstieg wieder aufstieg und die Klasse nicht halten konnte. Deshalb beste Aussichten in dieser Saison. Siehe oben.

In der Relegation scheitert diesmal…

…nicht der MSV. Denn die Grammatik der Ruhrgebietssprache verbietet es, das Verb scheitern zusammen mit dem Kürzel MSV zu gebrauchen.

Und wenn ihr nun ganz andere Antworten gewusst hättet, ich bin gespannt. Nachspielzeit in den Kommentaren.

Ohne Aufstiegszwang gewinnt sich’s leichter

Der MSV Duisburg wollte Meister der 3. Liga werden. Damit das auf jeden Fall gelingt, musste das Spiel gegen den FSV Zwickau gewonnen werden. Anscheinend war mit dem Druck während nur eines Spiels leichter umzugehen als mit dem grundsätzlichen Druck aufsteigen zu müssen. Beim 5:1-Sieg gegen den FSV Zwickau zeigte die Mannschaft eine glänzende Leistung. Mit diesem Sieg schloss sich der Kreis dieser Saison. Denn solch souveräne Spiele hatten wir zu Beginn der Spielzeit ebenfalls schon gesehen.

Das Selbstbewusstsein der Mannschaft war für jeden erkennbar. Es drückte sich im unbedingten Offensivspiel aus. Der FSV Zwickau war allerdings auch bereit, das Spiel mit zu gestalten. Diese Zwickauer agierten nicht defensiv, sondern suchten ebenfalls ihre Chance im Angriff. So wurde diese Begegnung auch deshalb ein attraktives Fußballspiel, weil die Zwickauer etwas riskierten. Vielleicht müssen wir uns für den Rückblick auf die Saison dieses Spiel vergegenwärtigen und das Zwickauer Offensivspiel. Vielleicht werden wir dann milder mit der Vorsicht dieses MSV während der Saison, eine Vorsicht, die so schnell den Eindruck einer behäbigen Spielweise hinterließ.

Vor dem Spiel herrschte allerorten eine entspannte Stimmung. Früher als bei den anderen Ligaspielen strömten wir alle zum Stadion. Am Bahnhof die Begegnung mit den schon am Freitag angereisten Zwickauern. Der Gästeblock war voll für die weite Anreise. Was die Bedeutung des Vereins in Zwickau zeigt. Eine Bedeutung, die auch wir in Duisburg für den MSV kennen und die uns um diesen Verein während der Saison hat Zittern lassen. Nun waren wir entspannt, weil das Überleben des Vereins in der Größe, die wir uns ersehnen, nur durch den Aufstieg mögich gewesen war. Das einzig wirklich wichtige Ziel dieser Saison war erreicht. Jetzt ging es darum, die gute Laune zu bestärken.

Die Mannschaft tat uns den Gefallen. Die Spieler wollten Meister werden. Der Rückstand in der 16. Minute irritierte nur bis zum Wiederanstoß. Sofort nahm der MSV das Heft wieder in die Hand und suchte seine Chance auf den Ausgleich. Die Räume für Kombinationsspiel waren da. Schnelles Spiel über die Flügel gelang, und so ein schnelles Flügelspiel führte nur drei Minuten später zu einem scharfen Pass in den Strafraum, wo Andreas Wiegel trotz enger Deckung direkt abschloss. So selbstbewusst kann er also auch spielen. Sein zweites Tor zur Führung kurz vor der Pause schien folgerichtig. Ein weiter Pass in die Spitze, den er sich erläuft, um den Torwart zu umkurven und einzuschieben.

Die Stimmung wurde noch entspannter. Munter ging es nach der Halbzeitpause hin und her. Schöne Aktionen einzelner Spieler waren zu sehen. Wenn Dustin Bomheuer auf Höhe des eigenen Strafraums den Ball nicht wegschlägt, sondern nach Dreieckspiel noch einen Haken schlägt, um den angreifenden Stürmer aussteigen zu lassen, wissen wir, wie sicher sich diese Spieler  alle waren. Von Fabian Schnellhardt erwarten wir solch Selbstbewusstsein und bewundern seine minimalen Bewegungen  bei der Ballannahme, mit denen er seine Gegenspieler ins Leere laufen lässt.

Enis Hajris Kopfballtor zum 3:1 war ein Sinnbild für seine letzten Spiele. Sein Wille war in diesen letzten Wochen vor dem Aufstieg zu einem Tragpfeiler der Mannschaftsleistung geworden. Die Wucht dieses Kopfballs hatten wir zuvor schon gesehen gegen Frankfurt, gegen Lotte – mit unterschiedlichem Erfolg. Nun machte er den Sieg sicherer. Und nur eine Minute später erhöhte Kingsley Onuegbu lehrbuchmäßig ebenfalls per Kopf nach einer Janjic-Flanke. Solche Spielaktionen sahen nun alle leicht aus. Diese Spieler auf dem Feld waren im Kopf frei geworden. Was wir sahen war nun die reine Freude am Spiel. Wir auf den Rängen feierten und freuten uns noch über das Tor vom eingewechselten Kevin Wolze kurz vor Schluss.

In dieser entspannten Freude wurde schließlich der Drittligameister MSV Duisburg gefeiert. Die Saison war für uns alle emotional anstrengend gewesen. So oft hatte uns das Spiel dieser Zebras enttäuscht. Für die Spieler war es aus anderen Gründen emotional anstrengend. Es gab kaum Spielraum für Fehler. Am letzten Spieltag haben wir alle gemeinsam unser Leben mit dem Fußball des MSV wieder zurecht gerückt. Dieser 5:1-Sieg war in gewisser Weise ein Vergessen der Überlebensnotwendigkeiten, ein Vergessen von all dem, was diese Saison so schwer hat werden lassen. Dieser Sieg war ein Seelenbalsam für uns alle. Auf diese Weise können wir der 2. Liga entgegensehen. Wir wissen alle, wie schwer es wird, die Klasse zu halten. In guter Stimmung aber ist die Zuversicht einfach viell größer.

Kleine Anekdote am Rande: Im Moment des Abschieds vom MSV-Ausstatter bekomme ich zufällig mit, eines von vielen Uhlsport-Werbegesichtern gewesen zu sein. Kees Jaratz auf dem Werbefoto eines Sportartikelherstellers ist nun auch Geschichte. Ich überlege noch, warum das ein gutes Vorzeichen für die kommende Saison ist.

 

Alle auf den Zaun, alle auf den Zaun…

Drittligameister MSV Duisburg, so leicht die Stimmung im Stadion, so leicht das Spiel der Mannschaft. Ohne Druck gelingt ein glänzender 5:1 Sieg gegen Zwickau. Mehr Worte gibt es morgen. Heute wird auch hier noch einmal nur gefeiert.

Der MSV ist wieder da, der MSV ist wieder da, der MSV ist wieder da, der MSV ist wieder da.

Und natürlich ist es so schon immer gewesen…

 


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