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Wenn Fußball doch nur ein Ergebnissport wäre

Es gab mal eine Zeit, in der in deutschen Wohnzimmern millionenfach die Eheratgeber des Bertelmann Leserings standen. Männer und Frauen wussten noch, wohin sie gehörten. Er ging in die feindliche Welt hinaus, um mit harter Arbeit das Geld zu verdienen. Sie kümmerte sich um den Haushalt und sorgte für die Kinder. Der Eheratgeber dieser Zeit verrät, auch diese Paare hatten es schwer.

Wenn er erschöpft von der Arbeit nach Hause kam und sich nach Ruhe sehnte, brauchte sie Zuwendung nach einem Tag, an dem sie außer mit den Kindern mit niemandem sonst gesprochen hatte. Er verstand nicht, wieso sie unzufrieden war. Sie hatte doch alle Zeit der Welt, konnte machen, was sie wollte. Er dagegen schuftete, um den Wohlstand der Familie zu sichern. Dort, wo sie jetzt waren, wären sie ohne seine Arbeit niemals hingekommen. Sie dagegen vermisste nicht mehr als ein kleines Zeichen, dass auch er etwas fühlte in dem gemeinsamen Leben. Sie wollte mit ihm zusammen lachen, liebevoll sein, vielleicht auch weinen, all das spüren, was ihr wichtig war.

Vielleicht sollten wir alle beim MSV uns die alten Eheratgeber des Bertelsmann Leserings ansehen. Wir erleben gerade eine Saison, die mich an eine Ehe der 50er Jahre erinnert. Wir auf den Rängen sehnen uns nach Gefühl. Dort auf dem Spielfeld und auf der Trainerbank geht es um das Ergebnis. Wir auf den Rängen sehen den Moment des Spiels. Dort auf dem Rasen und auf der Trainerbank steht das Ziel für die gesamte Saison im Mittelpunkt.

Was für eine widerspruchsreiche Saison erleben wir gerade. Fünf Spieltage vor Saisonende kommen nur etwa 12.800 Zuschauer ins Stadion, um einen weiteren wichtigen Schritt Richtung Aufstieg zu erleben. Dann gewinnt der MSV Duisburg das Spiel gegen den FSV Frankfurt nach 0:2-Rücksstand mit 3:2. Zudem führt der MSV Duisburg mit 6 Punkten Abstand auf den Relegationsplatz weiter die Tabelle an. Diese Tabellenführung gibt es seit dem 9. Spieltag. Die Stimmung rund um den Verein ist dennoch so, als würden wir seit Wochen vergeblich auf den Relegationsplatz schielen.

Das liegt natürlich auch an den gezeigten Leistungen der Mannschaft, und dass der Fußball nicht ausschließlich eine rationale Sache ist. Es geht eben nicht immer nur um das Ergebnis. Auch ich konnte mich nach dem Spiel gestern nicht richtig freuen. Die erste Halbzeit hatte meine Stimmung auf eine Weise in den Keller gebracht, dass dazu mehr als ein in acht Minuten heraus gespielter Sieg nötig gewesen wäre. Hätte die Mannschaft so einen Eheratgeber mal gelesen, hätte sie nach dem Führungstor noch ernsthaft versucht, ein weiteres Tor zu erzielen. Damit erst wäre die erste Halbzeit halbwegs in Vergessenheit geraten. Doch mit dem weiteren Verlauf bis zum Schlusspfiff machte sich die Sicherheit als notwendiges Spielkonzept wieder deutlicher bemerkbar und brachte die erste Halbzeit sogar wieder in Erinnerung.

Hätten allerdings auch wir auf den Rängen den Eheratgeber schon gelesen, könnten wir vielleicht besser verstehen, dass ohne das erfolgreiche Erledigen der Arbeit, sprich das Erreichen des Saisonziels, unser Ärger über das Ausbleiben eines emotionalen Spiels ganz von selbst verschwinden wird, weil auch dem MSV das Verschwinden in die sportliche Bedeutungslosigkeit droht. Sicherheit ist womöglich für diese Saison kein schlechter Gedanke.

Natürlich passt das Bild der 50er-Jahre-Ehe nicht vollkommen. Sobald die sportliche Leistung in den Blick gerät, geht es nicht mehr um gegenseitiges Verstehen sondern nur noch um die Leistung. In der ersten Halbzeit mangelte es dem MSV an allem, was für den Sieg eines Fußballspiels nötig ist. Wenn fast bei jeder Ballberührung eines Zebras die Sicherheit als erklärtes Spielprinzip im Kopf vorhanden zu sein scheint, entsteht kein Offensivdruck. Wie soll die Mannschaft so ein Tor erzielen? Hinzu kamen zwei Gegentore, bei denen die Defensive der Zebras so gut wie nicht vorhanden war. Bei so einem Spielstand ist Sicherheit als Spielkonzept nicht ganz gelungen gewesen.

In der zweiten Halbzeit sah man, wie das gelingen kann. Der vornehmliche Gedanke der Spieler schien nun nicht mehr die Sicherheit zu sein, sondern die Bewegung Richtung gegnerisches Tor. Die Offensivaktionen selbst unterschieden sich gar nicht so sehr von denen in der ersten Halbzeit. Alles geschah nun nur schneller und damit wurden die Frankfurter vor Probleme gestellt. Der FSV hatte nicht mehr jedes Mal die Zeit, die Defensive zu formieren, und nur dann macht so eine Defensive Fehler. Enis Hajri hatte schon in der ersten Halbzeit einige Flanken in den Frankfurter Strafraum geschlagen. Sie blieben ungefährlich. In der zweiten Halbzeit war das anders. So eine Flanke aus dem Halbfeld schlug er erneut. Vergeblich kam der Torwart aus seinem Tor heraus, und so fiel ein Kopfballtor fast ähnlich dem von Zlatko Janjic in Halle. Ein Tor, was in der 2. Liga eher selten fällt, weil die Flanke so lange in der Luft ist, und die Defensivspieler samt Torwart sicherer spielen.

Auch beim zweiten Tor zwang der Offensivdruck des MSV zu einem noch gewichtigeren Fehler. Tugrul Erat setzte sich am rechten Flügel mit rasantem Sprint durch. Die scharfe Flanke  in den Rücken der Defensive halbhoch vor das Tor folgte. Diese Art Flanken sind immer gefährlich. Wenn ein gegnerischer Verteidiger den Ball ins eigene Tor bringt, nehmen wir das ohne Murren, aber mit zwiespältigem Gefühl, weil auch damit die Leistung des MSV nicht alleine dasteht. Im Grunde war dieses Spiel ein Sinnbild für die Saison, bei der wir uns immer auch auf die Misserfolge der Gegner verlassen können. Das Führungstor durch Enis Hajri per Kopf nach einer Ecke war dagegen ein deutliches Zeichen für den Willen zum Sieg. So wuchtig ging er zum Ball, so sehr rannte er seine Freude aus sich heraus.

Die Frankfurter waren schockiert. Sie hätten weiterem Druck nicht stand gehalten. Dazu kam es nicht. Der Fußball war nach der Führung wieder zur rationalen Sache geworden. Wenn Fußball nur ein Ergebnissport wäre, hätten wir alle zusammen den Sieg nach dem Schlusspfiff unbändig gefeiert. Doch Emotionen spielen im Fußball eine ebenso große Rolle. Das haben schon die Eheratgeber des Bertelmann Leserings Ende der 50er Jahre gewusst.

Von der Nervosität des Streamzuschauers war bei den Zebras nichts zu spüren

Eine Mannschaft, die so ein Spiel wie das beim Chemnitzer FC gewinnt, steigt auf.  Diesen ersten Satz wage ich kaum zu schreiben. Die vier sieglosen Spiele des MSV Duisburg hängen mir noch nach. Doch immer wieder schaffe ich es mit ein wenig Abstand vom Spieltag, einen kühlen Blick auf den Saisonverlauf zu werfen. Immer wieder sehe ich Spiele, die bei einer Mannschaft mit einer gewissen Tradition des Erfolgs zu keinem anderen als diesem ersten Satz zwingen. Der MSV Duisburg hat keine Tradition des Erfolgs, meldet sich gestern nach dem Spiel sofort eine andere Stimme in mir, und deshalb heißt das gar nichts. Genau, sagte ich, du hast ja so recht und jetzt halt bitte den Mund. Ich höre dir einfach nicht mehr. Ich zitter doch ohnehin genug, wenn ich diese Zweifellosigkeit eines solchen ersten Satzes öffentlich zur Schau stelle.

Diese andere zweifelnde Stimme in mir hatte beim Spiel des MSV Duisburg in Chemnitz allerdings jede andere Stimme der Zuversicht meist unhörbar gemacht. Der MSV Duisburg hat beim Chemnitzer FC zwar mit 3:2 gewonnen, aber entscheidende Momente des Spiels habe ich erst in der Zusammenfassung gesehen, obwohl der Livestream die ganze Zeit lief. Hinge der Aufstieg von meiner Leistung als Zuschauer ab, wäre gestern der erste große Vorrat Felle davon geschwommen. Ich habe Nerven gezeigt.  Das Führungstor von Andreas Wiegel hatte mir nur vermeintliche Sicherheit gegeben. Welch schöner Außenristpass von Fabian Schnellhardt in den freien Raum hat dieses Tor ermöglicht. Welch fussballerischer Genuss sind die Spielaktionen von Fabian Schnellhardt so oft.

Doch dann fiel der Ausgleich zum 1:1, und es gab kein Halten mehr für mich. Wahrscheinlich habe ich sogar den Rückstand verantwortet, weil ich mir den Freistoß der Chemnitzer nicht mehr konzentriert genug angesehen habe. Wahrscheinlich habe ich die Mannschaft mit meiner Nervosität auf unerklärliche Weise angesteckt, so unaufmerksam wirkten die Spieler bei diesem Freistoß der Chemnitzer. Alleine, weil die Mannschaft den Komplettausfall von mir als Zuschauer später aufgefangen hat, gab es noch eine Chance. Ich selbst habe am Spiel kaum mehr teilgenommen. Hätte ich auf dem Spielfeld gestanden, hätte ich in Ballnähe nur vorgegeben, einen Pass erhalten zu wollen. Wann immer es möglich gewesen wäre, hätte ich mich hinter meinen Gegenspielern versteckt. Ich wäre viel gelaufen, das schon, aber möglichst so, dass ich unanspielbar geblieben wäre.

Die Mannschaft vom MSV aber glaubte weiter an den möglichen Erfolg. Sie wusste um die Bedeutung des Spiels für den weiteren Saisonweg. An der Freude der Spieler war das zu erkennen, als Mark Flekken den letzten Eckball der Chemnitzer aus der Luft herunterholte und damit den Sieg gleichsam in der Hand hielt. Es war daran zu erkennen, wie Stanislav Iljutcenko bei dem Eckball davor seine Genugtuung über den zu einer erneuten Ecke abgewehrten Ball in die Luft schrie.

Vorher war diese Mannschaft aber in Rückstand geraten, und ich nahm mein Joggingprogramm in der Wohnung auf. Bewegung führt zu Spannungsabbau. Die Mannschaft aber wollte den Ausgleich, das sah ich in den Momenten, wenn ich mal einen Blick auf den Laptop warf. Sie wollte den Ausgleich so lange, bis Simon Brandstetter es Andreas Wiegel gleich machte. Beide sind in der bisherigen Saison nicht durch eine gute Chancenverwertung oder grundsätzlich gute Entscheidungen am Ende ihres Ballführens aufgefallen. Beide schienen ihrer fußballerischen Intuition nicht ganz zu vertrauen. In diesem Spiel war es anders. Beide behielten die Nerven, beiden kam das eigene Denken bei ihrem Spiel nicht in die Quere. Brandstetter gelang das Tor nach einem Pass in den freien Raum von Tugrul Eral. Ich habe den Ausgleich nicht mal in der Zeitlupe gesehen, weil ich gerade sehr weit vom Stream weggelaufen war.

Auch das Führungstor habe ich nicht gleich gesehen, sondern nur die aufgeregte Sprecherstimme gehört. Zurück kam ich zur Zeitlupe, um mein Joggingprogramm mit lang anhaltenden Sprungkraftübungen abzuwechseln. Erneut war es Tugrul Erat, der mit einem schönem Fallrückzieher den Ball parallel zur Torauslinie vor das Tor brachte, wo Kingsley Onuegbu am hinteren Pfosten stand und den Ball problemlos über die Linie bringen konnte. Von da an kämpfte auch ich wieder an meinem Platz als Stream-Zuschauer. Von da an hielt ich die Nervorsität wieder aus. Mit dem Schlusspfiff bahnte sich der erste Satz dieses Textes seinen Weg in meinem Kopf. Die andere Stimme in mir hörte sofort auf zu jubeln und begann irgendwas auf mich einzureden. Ich habe bis heute morgen nicht richtig hingehört.

Charmemangel auf der Bezirkssportanlage in Bremen

img-20170305-wa0002Wenn an einem Sonntagmittag die Zebraherde im Wesermarschland zusammenkommt, genießen viele sonst vereinzelt im Norddeutschen lebende Zebras das Herdengefühl. Letztes Jahr in Braunschweig hatte ich das Hamburger Zebra kennengelernt. Ein gebürtiger Norddeutscher, seit jeher MSV-Fan, hatte seine vier Freunde, allesamt Anhänger anderer Vereine, für einen Spieltag zu Zebras gemacht. Das wurde gestern wiederholt. Herdenzuwachs für einen Tag, und da Hamburger in Bremen bekanntlich lebensfeindlichen Bedingungen begegnen, habe ich die fünf vorsichtshalber wieder schützend begleitet. Wir Zebras sind soziale Wesen.

20170305_131224_burst01_resizedDie Wanderbewegung aus dem Pott war zudem recht groß, alles in allem ein Versprechen auf ein schönes Auswärtsspiel. Allerdings machte die Begegnung gegen Werder Bremen II vor allem eines deutlich, der MSV muss aufsteigen. Der MSV spielte gegen  Werder auf Platz 11 des Werder-Geländes, ein Leichtathelikstadion. Platz 11 gleicht einer Bezirkssportanlage, die den Charme des bodenständigen Fußballs verliert, wenn zu viele Auswärtsfans kommen. Dann ist vom Spiel auf dem Rasen nicht mehr allzu viel zu sehen, weil zum Bezirkssportanlagen-Charakter die Sicherheitsarchitektur eines Zweitligastadions hinzu kommt. Zäune vor und neben dem Gästerang versperren die freie Sicht. Abtrennende Zeltplanen kommen hinzu. Alles nicht wirklich schön. Was lobe ich mir das Stadion in Lotte mit seinem Amateurfußballcharme, selbst wenn der Rasen dort einiges zu wünschen übrig lässt.

20170305_140426_resizedWir waren spät im Stadion, standen nicht sehr gut, entsprechend schlecht war meine Sicht aufs Spielfeld. So wurde das Spiel für mich zu einer Art Comic. Einzelne Spielszenen reihten sich aneinander, oft blieben Lücken. Ein Gesamteindruck entstand nur beschwerlich. In der ersten Halbzeit hatte der MSV das Spiel recht sicher im Griff, ohne kontinuierlich sehr großen Druck auf das Werder-Tor erzeugen zu können. An eine große Chance von Kingsley Onuegbu kann ich mich erinnern. Das war es auch schon. In der zweiten Halbzeit begann der MSV mit dem deutlich erkennbaren Vorhaben, das Spiel zu gewinnen. Der Druck auf das Tor von Werder wurde größer. Immer öfter wirkten die Angriffe gefährlich. Allerdings kann ich diesen Eindruck auch vielleicht nur deshalb bekomme haben, weil ich das Tor Werders nun besser sehen konnte.

20170305_144304_hdr_resizedDas Führungstor schien aber nicht nach einem kontrollierten Angriff nahe, sondern weil Stanislav Iljutcenko einem Ball auf den Torwart nachging. Er holte ihn sich zurück, das Tor schien für einen Moment leer, doch die Bremer Feldspieler machten die Hoffnung zunichte. Die Chance war dahin. Es gab weitere Chancen, doch einmal mehr erwies es sich, wie schwierig es für Stürmer in dieser 3. Liga ist aus dem Spiel heraus ein Tor zu erzielen. Hinten sicher stehen ist die Hauptaufgabe in dieser 3. Liga, denn eine Möglichkeit für den Gegner kann sich jederzeit ergeben. So wie kurz vor Spielende, als auch Werder dann fast das Führungstor erzielt hätte. Verdient wäre das nicht gewesen. Insofern ist diese große Chance für Werder zugleich Mahnung zur Zufriedenheit mit diesem einen Punkt.

Die Konstanz beim Punkten macht den MSV so überlegen in dieser Saison20170305_155937_resized. Keine andere Mannschaft in der Liga besitzt diese Konstanz. Deshalb gibt es die zehn Punkte Vorsprung auf Platz 4 und acht auf Platz 3. Zwei Punkte wurden an diesem Spieltag auf Platz 3 verloren, aber wir können allmählich beruhigt ob dieser Momentaufnahme sein. Allmählich können wir daran glauben und es aussprechen, dass der Vorsprung auf Platz weiter wachsen wird. Wir wissen es nicht, aber es ist sehr wahrscheinlich.

Wenn das Versprechen auf ein Spitzenspiel gehalten wird

20170224_174242_resizedFreitagsspiele der Dritten Liga beginnen üblicherweise um 19 Uhr. Das Spiel des MSV Duisburg gegen den 1. FC Magdeburg war für 18.30 Uhr angesetzt. Die Spiele der Zweiten Liga werden zu dieser Zeit angepfiffen. War der Karneval der Grund? Ein Drittligaspiel im Zweitliga-Kostüm? Letztlich führten die Einlasskontrollen bei den Gästefans zu Schlangen vor den Stadiontoren, und das Spiel begann erst um 18.45 Uhr – genau die Hälfte Strecke zwischen den beiden Anstoßzeiten der Ligen. Die Dritte Liga lugte im Zweitligagewand hervor.

Ich mag solch zufälligen Begebenheiten, die symbolisch aufladbar sind. Wahrscheinlich haben sich Drehbuchautor und Regisseur des Weltenlaufs gedacht, wir müssen an diesem Abend etwas ganz besonders deutlich machen. So viel wies bei diesem Spiel schon auf eine kommende Saison in der höheren Liga hin und gleichzeitig wurde die Gegenwart immer in Erinnerung gehalten. Auch das Spiel selbst blieb nicht durchweg auf dem hohen Niveau der ersten Halbzeit. In der zweiten Halbzeit wirkte das Zweitligakostüm etwas derangiert. Etwas, wohlgemerkt.

20170224_184428_resizedIn dieser ersten Halbzeit hingegen habe ich nach etwa 15 Minuten auf die Spielzeituhr gesehen und konnte es nicht glauben, wie kurz erst gespielt war. Das Spiel fühlte sich nach mindestens zehn Minuten mehr Spielzeit an, so hoch war das Tempo, so viel geschah auf beiden Seiten. Der MSV kombinierte sich Angriff um Angriff Richtung Magdeburger Tor, während die Magdeburger ihre Offensivaktionen meist mit schnellem Umschalten und anschließendem langen Ball für den Flügelwechsel versuchten. Diese Magdeburger Angriffe sahen zunächst gefährlich aus, weil die Spieler auf der anderen Seite manchmal recht lange unbedrängt Richtung Strafraum ziehen konnten. Torchancen ergaben sich dennoch nicht. Entweder störten die Zebras erfolgreich oder der Abschluss war zu ungenau.

Auch der MSV blieb ohne Tor, obwohl ich bei vier Angriffsaktionen die Arme schon halb hochgerissen hatte. Die größte dieser Chancen ergab sich aus einer schnellen Kombination über den rechten Flügel bei einem Konterspiel. Die Defensive der Magdeburger wurde stehen gelassen, als sei sie nicht vorhanden. Die Flanke kam hoch in den Lauf von Kingsley Onuegbu, der frei köpfen konne und es nicht schaffte, den Ball nach unten zu drücken.

Dieser Angriff war lehrbuchmäßig vorgetragen und die Enttäuschung war größer als bei den Aluminiumtreffern zuvor und später, weil von unserer rechten Stehplatzecke auf der Köpi aus die freien Räume in der anderen rechten Spielfeldhälfte so genau zu erkennen sind. Diese freien Bahnen liegen genau vor uns. Wenn dann die Spieler des MSV auf dem rechten Flügel das machen, was wir von unserer Stehplatzecke aus als Möglichkeit zur großen Chance erkennen, wächst die Hoffnung auf den Erfolg mit jeder Sekunde sehr viel mächtiger als bei jeder Spielaktion an einer anderen Stelle des Spielfelds. Im Grunde bin ich bei solchen Spielzügen der realen Spielzeit voraus. In meinem Kopf gibt es schon das flüchtige Bild des erfolgreichen Kopfballs, das erst durch den Ball zerstört wird, der über die Latte fliegt.

20170224_184655_burst01_resizedIn dieser ersten Halbzeit habe ich nicht nur auf ein Tor des MSV gehofft, ich habe den Fußball auf dem Rasen als gelingenden Sport genossen. Das können wir nicht oft über Spiele in der MSV-Arena sagen. Ich kann mich nicht daran erinnern, nach einem torlosen Unentschieden schon einmal derart zufrieden aus dem Stadion gegangen zu sein. Der klare Vorsprung als Tabellenerster trägt diese Zufriedenheit natürlich zusätzlich. Wir alle, die wir oft fast unser ganzes Leben mit dem MSV verbracht haben, machen in dieser Saison  immer wieder neue, ungewöhnliche Erfahrungen mit unserem Verein.

Diese erste Halbzeit fühlte sich sehr nach einer Zweitliga-Welt an. Nicht nur die spielerische Qualität beider Mannschaften war der Grund, der Gästeblock trug mit seinem Support dazu maßgeblich bei. Was dort auf der anderen Seite variantenreich und in großer Geschlossenheit zu sehen und zu hören war, zählt sicher zu den beeindruckendsten Auftritten von Gästefans in Duisburg.

20170224_194942_burst01_resizedIn der zweiten Halbzeit konnte der MSV das Spiel nicht mehr so bestimmen wie in den ersten 45 Minuten. Das Spiel war ausgeglichener. Zwar versuchten beide Mannschaften weiter, das Tempo hoch zu halten, doch kam es auf beiden Seiten nicht mehr zu wirklicher Torgefahr. Durch das höhere Tempo als in anderen Spielen erwarteten wir dennoch immer wieder eine Möglichkeit für den Torschuss auf beiden Seiten. Aber scheingefährlich war das Spiel nur in der zweiten Halbzeit.

Erst in den letzten fünf Minuten konnte der MSV noch einmal kontinuierlich die Magdeburger in die Defensive drücken. Gerade als wir uns auf die obligatorische Nachspielminute einrichten wollten, pfiff der Schiedsrichter ab. Dieser Pfiff kam plötzlich und unerwartet. Eingerichtet hatte ich mich noch nicht mit dem Ende des Spiels. So hing ich kurze Zeit in der Luft, ehe wieder diese Zufriedenheit zurück kam. Ein Spitzenspiel hatten wir gesehen. Manchmal stimmen Fußballsprachenstandards im wahrsten Sinn des Wortes.

Lesenswerte Worte aus Magdeburger Perspektive zu Anfahrt der Fans, Erfahrungen mit dem Sicherheitskonzept und natürlich zum Spiel selbst finden sich beim Blog Nur der FCM! – mit einem Klick.

Auch mal nur die Pflicht erfüllen

20170217_182041_burst01_resized_mIn Frühlingslaune hatte ich Mitte der Woche die Bahnkarte nach Mainz gebucht. Die Sonne schien, und draußen wärmte es sich auf 15 Grad auf. Am Freitag war es dann so frühlingshaft doch nicht mehr, weder den Tag über beim Spaziergang durch Mainz noch am Abend beim Spiel des MSV gegen die U23 von Mainz 05. Es ist eben Februar. Allerdings regnete es nicht an dem Tag trotz grauem Himmel. So war es nicht zu kalt. 20170217_174126_burst01_resized_mFür diesen Monat blieb immer noch gutes Ausflugswetter, auch wenn es einen nicht unbedingt in Hochstimmung versetzte. Insofern passte das Wetter perfekt zum Spiel des Abends. Schließlich sahen wir einen 2:0-Sieg beim Tabellenletzten; einen Sieg, dessen Grundlage in der ersten Halbzeit gelegt wurde; einen Sieg, der in der zweiten Halbzeit mehr recht als schlecht über die Zeit gebracht wurde.

Zufrieden fuhr ich nach Hause und wusste dabei eines, die Stimmung wird noch besser werden, wenn das Verfolgerduell zwischen Magdeburg und Osnabrück am nächsten Tag abgepfiffen ist. Jedes Ergebnis in diesem Spiel würde ein gutes Ergebnis für den MSV sein.

20170217_183613_burst01_resized_mWenn auf die 18.000 Plätze eines Stadions sich nur etwas mehr als 1.800 Zuschauer verteilen, kommt einem der Anblick aus dem Gästeblock heraus ins Stadionrechteck ziemlich trostlos vor. Gut, dass sich mindestens die Hälfte dieser Zuschauer um mich herum befand und lautstarke Heimspielatmosphäre die Normalität eines Fußballspiels in der 3. Liga wieder in Erinnerung brachte. Zu dieser Normalität gehören Trainerwarnungen wie die von Ilia Gruev vor dem trügerischen Bild einer Tabelle, damit eine Mannschaft auf dem letzten Platz dieser Tabelle nicht unterschätzt werden sollte.

Die ersten Minuten des Spiels zeigten, wie notwendig solche Warnungen sind. Die U23 von Mainz 05 spielte mutig nach vorne, wirkte aggressiv und entschlossen zum Abschluss. Ein Distanzschuss an die Latte war das Ergebnis, weil das Defensivverhalten des MSV in diesen ersten Minuten zu nachlässig war. Das änderte sich nach diesem Lattenschuss und die Zebras übernahmen die Spielkontrolle. Die Mainzer wurden in ihre Hälfte gedrängt. Angriff um Angriff wurde ruhig und kontrolliert vorgetragen. Der Druck auf die Mainzer Defensive war hoch. Die Mainzer machten immer häufiger Fehler.

Der Führungstreffer durch Dustin Bomheuer fiel nach einem Freistoß von rechts nahe der Strafraumgrenze. Andreas Wiegel schlug den Ball präzise in den Lauf von Dustin Bomheuer, der frei und wuchtig einköpfte. Lehrbuchmäßig. Besser geht es nicht. Nur drei Minuten später fiel das 2:0 durch ein sehr schönes Tor von Kingsley Onuegbu. Der Pass kam in seinen Lauf halbhoch in den Strafraum hinein. Wunderbar nahm er den Ball an, um ihn am Gegenspieler vorbeizulupfen. Dabei kam er vom direkten Weg aufs Tor ab, rechts Richtung Strafraumrand, was ihn nicht daran hinderte, den halbhohen Ball in feiner Drehung aufs Tor zu bringen. Auch dieses Tor war ein Lehrbuchbeitrag in Sachen Ballannahme und Schusstechnik. Trotz sicherer Führung gaben sich die Zebras nicht zufrieden. Sie wollten ein drittes Tor. Doch zwingende Chancen blieben bis zur Halbzeitpause aus.

Nach der Halbzeitpause blieben dann 45 Minuten, um sich an die Warnung von Ilia Gruev zu erinnern und gleichzeitig zu erkennen, warum die Mainzer am Tabellenende stehen. Von Spielkontrolle durch die Zebras konnte nun keine Rede mehr sein. Die Mainzer spielten offensiver und brachten nun ihrerseits immer wieder Angriffe bis in den Strafraum vom MSV oder dessen Nähe. Dennoch blieb die Mannschaft für diese Vielzahl von Angriffen zu harmlos. Pässe waren nicht präzise und Schüsse auf das Tor von Marcel Lenz waren mit einer Ausnahme leicht zu klären. Marcel Lenz spielte, weil Marc Flekken sich beim Training verletzt hatte.

20170217_205248_resized_mSo abgeklärt das nachträgliche Fazit auch wirken mag, leicht anzusehen war diese zweite Halbzeit bis etwa zur 80.Minute nicht. Es gab ja keine Garantie für erfolglose Mainzer Angriffe. Weil auch nicht erkennbar wurde, dass die Zebras die Spielkontrolle zurückgewinnen konnten, war diese zweite Halbzeit eine lästige Pflichtaufgabe mit zwischenzeitlichem Ärger, mancher Sorge und immer wieder bestätigter Erleichterung über eine Mainzer Mannschaft, die nur beim ersten Blick gefährlich wirkte. In den letzten zehn Minuten kehrte aber Ruhe ein. Die Mainzer resignierten ein wenig, die Zebras wirkten wieder sicher. Meine Zufriedenheit machte sich wieder bemerkbar.

Als nun am Wochenende die Ergebnisse der Mannschaften auf Platz 2 bis 4 den Spieltag komplettierten, wurde meine Laune, wie erwartet, noch besser. Dieses Tabellenbild mit neun Punkten Vorsprung des MSV auf Platz 3 stimmt doch sehr zuversichtlich. Wie passend, dass am nächsten Spieltag nun der FC Magdeburg zum Heimspiel kommt. Den MSV in seinem Lauf hält nicht der Letzte noch der Zweite der Tabelle auf. Ich suche schon mal vorsichtig nach passenden Schlagzeilen für das kommende Wochenende.

20170217_142023_resized_mFür die Zeit, bis ich wirklich an Schlagzeile und Spielbericht arbeiten kann, beschäftige ich mich vielleicht mit einem Bildungsangebot, auf das ich in Mainz bei meinem Spaziergang gestoßen bin. In diesem traditionsreichen Mainzer Lehrinstitut wird seit Jahren gute Arbeit in einer Nische unseres Bildungskanons geleistet. Wer dort Kurse buchen möchte, wende sich vertrauensvoll an mich. Ich leite die Anfrage dann weiter.

Vorher emotional – Nachher rational – Teil 2: Ein Spiel hat glücklicherweise zwei Halbzeiten

Gerade eben hallte der Name Tönnies noch durch das Stadion, und die Kraft des Rufens aller auf den Rängen hatte das Leben wieder gegenwärtig gemacht. Dieses Leben forderte in den nächsten Momenten Leistung und Anstrengung. Dieses Leben war das Spiel des MSV gegen den VfL Osnabrück, auf dessen Anpfiff wir nun alle warteten. Die MSV-Hymne erklang, und schließlich kamen die Mannschaften auf das Spielfeld. Doch noch einmal wurde der normale Ablauf eines Spieltags mit einer Schweigeminute für Michael Tönnies unterbrochen. Die schon überwunden geglaubte Ergriffenheit kroch noch einmal heran. Dann begann das Spiel, und ehe ich mich versah, führte der VfL Osnabrück. Ich war auf keinen Fall schon richtig im Spiel angekommen. Ich hatte weder die Großchance des MSV kurz zuvor mit der entsprechenden Aufregung gesehen, noch ärgerte ich mich über den Rückstand.

Wie schon gestern in dem Text über die Trauerfeier für Michael Tönnies geschrieben, ich fühlte mich krank, gehörte womöglich eigentlich eher ins Bett und nahm alles nur gedämpft wahr. Aber wenn ich den Verlauf des Spiels sehe, klingt für mich noch etwas anderes plausibel. Vielleicht beschäftigten mich wie eben die Spieler des MSV die Momente vor dem Spiel noch, sodass es uns in unserer jeweiligen Leistung auf dem Stehplatz und Rasen beeinträchtigte. The show must go on, sagen die Bühnenkünstler und liefern ihr Unterhaltungsprogramm gegen alle Widrigkeiten ihrer Leben ab, wenn es sein muss. So ein Ligaspiel ist trotz aller Unterhaltungsaspekte dieses Fußballbetriebs etwas anderes, wenn eine kollektive Stimmung im Stadion entstanden ist, eine Stimmung, die so gar nichts mit der notwendigen Einstellung für einen Wettbewerb zu tun hat. Vielleicht kann so ein Spiel doch nicht so unbeeinträchtigt begonnen werden, weil eine Mannschaftsleistung im Sport mit ihren vielen Einflussgrößen eben sehr viel abhängiger von Stimmungen ist als ein stets gleiches Bühnenprogramm.

Die Mannschaft des MSV wirkte in der ersten Halbzeit häufig zu langsam im Kopf und nicht aggressiv genug im Kampf um die zweiten Bälle. Nicht die Grundhaltung war das Problem. Die Spieler setzten sich ein, gingen lange Wege und versuchten zum einen  ein Kombinationsspiel, das oft über die Flügel kam. Zum anderen wurde immer wieder auch vergeblich der lange Ball auf Simon Brandstetter versucht, der Meter um Meter rannte und dabei oft im letzten Moment den entscheidenden Schritt in die falsche Richtung machte. Der Passgeber wird seinen Anteil daran haben. Der MSV versuchte die Spielkontrolle zu bewahren, so weit es ging, aber viel zu oft ging es nur sehr kurz. Systematisch sollte der Ball in den Strafraum gebracht werden. Zur Not musste es eben auch noch einmal hinten rum gehen. Torgefahr entstand so nicht. Die Zebras waren unterlegen, die Osnabrücker schneller im Kopf und beim Kombinationsspiel ballsicherer. Sprints in der Offensive waren meist nicht vergeblich. Bälle kamen dorthin, wo sie gut verarbeitet werden konnten. Die Chancen auf ein weiteres Tor für die Osnabrücker ergaben sich. Die Defensive des MSV hatte viel Arbeit. Der Halbzeitpfiff kam und vereinzelte Zuschauerpfiffe folgten. Für mich war das vollkommen übertrieben und ein Rückfall in alte Mäkelzeiten des Duisburger Publikums.

Zunächst sah es nach Wiederanpfiff nicht so aus, als hätte die Halbzeitpause die vorhandene Stimmung unterbrochen. Zwar war Kingsley Onuegbu eingewechselt worden, doch es war nicht erkennbar, wie die Zebras torgefährlich werden wollten. Immer noch gelangen die Kombinationen nicht präzise genug. Stattdessen schlug Fabian Schnellhardt einen Freistoß zielgenau in den Strafraum und Dustin Bomheuer köpfte zum Ausgleich. Mit diesem Ausgleich wirkte das Spiel des MSV befreit. Nun erst brachte die Offensivkraft des MSV die Osnabrücker Gelassenheit im Defensivspiel ins Wanken. Dennoch ist es bezeichnend für die Möglichkeiten dieses Tages, dass auch das Führungstor für den MSV aus einer recht statischen Situation heraus fiel. Kingsley Onuegbu nahm einen Einwurf mit dem Rücken zum Tor auf halblinker Position an der Strafraumgrenze an. Sich selbst den Ball vorlegen, drehen und der Schuss ins lange Eck ergaben eine einzige fließenden Bewegung, ein wunderbares Stürmertor, Lehrbuchmaterial. Der MSV drang auf das dritte Tor. Es gab die Chancen und sie wurden nicht genutzt.

Weil der MSV weiter offensiv spielte und überlegen blieb, schien mir der Sieg wahrscheinlich, sicher ist er natürlich nie. In der Nachspielzeit kamen die Osnabrücker noch einmal druckvoll vor das Tor der Zebras. Der Ausgleich fast mit dem Schlusspfiff hatte als Drohung in der Luft gehangen. Zu viel Hektik und Durcheinander war plötzlich in der Hälfte des MSV entstanden. Enttäuschend war dieser Ausgleich dennoch, eine Enttäuschung, die für mich nicht lange anhielt, weil mein Verstand mir ein paar Auswege anbot. Der Vorsprung von drei Punkten in der Tabelle etwa war unverändert geblieben. Was wir erleben mussten, hatten die Osnabrücker beim Hinspiel schon hinter sich. Und gerecht war dieses Unentschieden auch. Was mit der Trauerfeier höchst emotional begonnen hatte, endete mit einem sehr rationalen Umgang mit dem Ergebnis.

Welch Überraschung – auch der Gegner will gewinnen

Nach dem 0:0-Unentschieden des MSV Duisburg gegen den Halleschen FC ist es mal wieder an der Zeit, sich von der Leistung des MSV beim Schreiben unabhängig zu machen. Sonst hätte ich nämlich keine Lust, mehr als zwei Sätze über dieses Spiel zu schreiben. Mal sehen, ob ich den Inhalt, die Worte über eine schlechte Leistung des MSV, auch in der Form zum Ausdruck bringen kann? Irgendeine Freude muss ich mir mit dem Spiel bereiten, und wenn schon nicht der Mannschaft das Kunstvolle auf dem Spielfeld gelingt: Selbst ist der Mann.

Wenn ich also hier nicht nur mit Worten beschreibe, sondern zudem in der Form des Textes wiederhole, wie der MSV gestern aufgetreten ist, muss ich Worte und Sätze lange Zeit kontrollieren. Den sicheren Hauptsatz ziehe ich Nebensatzkonstruktionen vor. Leider kann ich sie nicht immer vermeiden, dann geht manches Anschlusswort ins… Inhaltlich gehe ich auch wenig Risiko. Überrascht bin ich allerdings jetzt kurz nach Beginn dann auch. Verlangt tatsächlich jeder Satz volle Konzentration und Anstrengung?

Früh schon Ball auf Flekken-Tor. Rumstehen Zebras. Ergebnis Pfosten. Abschlag. Das sollte doch als Zusammenfassung von diesen ersten Minuten des Spiels genügen. Aber es ist unglaublich. Von Anfang an brauchen wohl klingende Sätze die richtige Einstellung. Zudem gibt es sogar Sätze, die gleichen dem Halleschen FC. Die wollen mehr als  ein sicheres Ergebnis einfahren. Es gibt Sätze, denen sind die bislang überzeugenden Texte in diesem Blog völlig egal. Solchen Sätzen reicht es nicht, Teil des Zebrastreifenblogs zu sein. Sie verstecken sich nicht. Sie vertrauen auf ihre eigene Kraft. Ratlos stehe ich da und weiß nicht, wie ich auf solche Sätze mit meiner Satzkontrolle reagieren soll. Die stehen frei im Raum und suchen ihre Chance gelesen zu werden.

So richtig gelingt es mir nicht, das schlechte Spiel des MSV auch in der Form abzubilden. Wahrscheinlich würdet ihr aufhören zu lesen, wenn es mir gelänge. Hier braucht ihr ja nicht auf den Schlusspfiff zu warten und hättet die Hoffnung ein glücklicher Satz könne den Text am Ende retten. Im Spiel habe ich immer die Hoffnung auf dieses glückliche Tor, zumal Kingsley Onuegbu nach seiner Einwechslung recht überzeugend auftrat. Schon lange war er nicht mehr so ballsicher wie gestern. Wenn ein Licht in diesem Spiel zu sehen war, dann er. Zehn Minuten mehr Risiko im Spiel reichten aber nicht aus, um erfolgreich zu sein.

Mit einer einzigen Szene aus der ersten Halbzeit lassen sich etwa 80 Minuten des Spiels zusammen fassen. Um die 40. Minute herum ergab sich eine Kontermöglichkeit für den MSV. Der Ball war in der eigenen Hälfte abgefangen worden. Die Spieler des HFC befanden sich fast alle in der Hälfte des MSV. Wahrscheinlich war es Andreas Wiegel auf dem rechten Flügel, der den Ball nach vorne trieb. Ich weiß es nicht mehr genau. Halblinks sprintete ein weiterer Spieler des MSV mit. Während sämtliche Spieler des HFC nach hinten sprinteten, joggten zwei Zebras im Mittelfeld ihren Mitspielern hinterher, und die Viererkette plus zwei defensive Mittelfeldspieler schritten von der Strafraumhöhe aus gemächlich Richtung Mittellinie und schauten sich an, was da vorne nun passierte. Sie sahen, wie die zurückgesprinteten Spieler aus Halle ihre Räume besetzten. Im Ansatz war zu sehen, zwei konternde Zebras alleine hätten gar nicht erst losrennen müssen. Vergeudetete Kraft. Sinnlose Rennerei. Ein halbherzig ausgeführter Konter.

Die Mannschaft des MSV wirkte in diesem Spiel lange so, als sei sie überrascht, dass der HFC keine Angst vor ihr hat. Die Spieler kamen nicht damit zurecht, dass der Gegner früh den Spielaufbau störte, wenn möglich. Denn der HFC suchte fortwährend seine Chancen in der Offensive. Damit hatten die Zebras anscheinend nicht gerechnet. Die Angriffsbemühungen des HFC wurden zu spät energisch unterbunden. Zu oft standen die Spielers des Gegners frei im Strafraum. Das Spiel des HFC wirkte variabler als das des MSV. Führte das frühe Pressing des HFC zu keinem Erfolg, zog sich die Mannschaft in die gut organisierte Defensive zurück.

Für das kontrollierte Spiel des MSV fehlte es an schnellen Bällen in freie Räume, an überraschenden Spielzügen – ein Ergebnis des unzureichenden Zusammenspiels von Mittelfeld und Offensive. Zu statisch war das kontrollierte Spiel. Erst als in der Schlussphase immer mehr halblange Bälle ins Angriffsdrittel des Spielfelds geschlagen wurden, kam ein wenig Offensivkraft auf. Thomas Bröker konnte sich zuweilen durchsetzen. Der King sicherte die Bälle, passte und konnte ablegen. Dauerdruck auf das Tor des HFC entstand dennoch nicht. Eine große Chance gab es noch, doch Stanislav Iljutcenko schoss am Tor vorbei.

Am Tabellenstand änderte sich trotz des torlosen Unentschieden nichts. Die Konkurrenz spielt auch nicht dauerhaft erfolgreicher. Unruhig werde ich dennoch. Seit drei, vier Spieltagen scheinen die Spieler des MSV auf etwas zu vertrauen, was nicht mehr vorhanden ist. Spielerische Dominanz kommt nicht von alleine. Der Respekt der Gegner scheint geringer geworden zu sein.


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