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Abschiede, ein Sieg und der rastlose Aytekin

Was gibt es zwei Tage nach dem 2:0-Sieg über den FC St. Pauli im letzten Spiel der Saison noch zu schreiben? Wir haben Sommerpause. Die Mannschaft sei auf Mallorca, las ich gestern. Der Sieg rundete eine Saison, wie wir sie nicht erwartet hatten. Vom letzten Juli bis vorgestern bot der Verein unserer Herzen uns jede emotionale Befindlichkeit eines Fußballfan-Lebens. Wir durften staunen über fußballerische Klasse der Mannschaft, die dennoch verlor. Dann konnten wir uns mit den gesammelten Siegen einen entspannten Ablauf der Restspielzeit vorstellen. Wir wurden immer erfolgreicher und durften heimlich oder auch laut von einem Aufstieg reden. Aber was wäre eine Saison ohne eine Serie von Misserfolgen nach schlechtem Spiel? Unsere Gefühle wären nicht vollständig angesprochen gewesen. Die Sorge vor dem Abstieg bot uns die Mannschaft ebenso noch wie die entspannte Sommerlaune auf der Zielgerade der Saison.

Was soll ich also noch über ein nicht mehr so wichtiges Spiel schreiben? Meine gute Laune hält an. Allenfalls nervt schon jetzt die Dauer der Sommerpause. Was für eine Zeit des Stillstands und welch klägliche Versuche des Fußballunterhaltungsbetriebs, sie mit nebensächlichen Wettbewerben wie dieses Jahr in Russland der WM zu füllen.

Die Abschiede gehen mir allerdings noch durch den Kopf, bei denen es ja nur um Spieler ging, von denen die sportlich Verantwortlichen glauben, ihre Leistungsstärke reiche nicht mehr für die kommende Saison. Bei diesen Abschieden wurde offensichtlich, wie gut es den sportlich Verantwortlichen, Ilia Gruev und dem Trainerteam sowie Ivo Grlic gelingt, im Kader ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu  entwickeln. Davon ab trägt auch die Vereinsführung dazu bei. Es kommt nicht von ungefähr, wenn die Ersatzspieler die Verabschiedungszeremonie in der Pause begleiten. Das ist nur eines der Zeichen für die Stimmung im Kader. Darin steckt eine gerichtete Energie, die der Leistung einer Mannschaft zugute kommt. Diese Abschiede wurden gut bewältigt. Keine falschen Töne ließen sich vernehmen, und dass auch Kingsley Onuegbu in seinem Königsgewand während der Halbzeitpause noch einmal eine besondere Würdigung erhielt, war eine gelungene Geste.

Das Spiel gegen den FC St. Pauli fühlte sich in der  ersten Halbzeit sehr nach einem Freunschaftsspiel zwischen zwei gleichwertigen Gegnern an. Eine Führung für St. Pauli war genauso wahrscheinlich wie eine für den MSV. Keine Frage, dass das 1:0 durch Moritz Stoppelkamp nach der Ecke in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit uns sehr viel besser gefiel. Er lief zur rechten Zeit in den leeren Raum. Das war ein typisches Tor für ihn, dank dieser Verbindung von Erfahrung und spekulierender Bewegung, die man dann Instinkt nennt.

In der zweiten Halbzeit sah es nur kurz so aus, als wolle St. Pauli sich für den Ausgleich noch anstrengen. Immer mehr überließen sie dem MSV den Ball für deren Offensivaktionen. Alleine am Spielfeldrand schien St. Paulis Trainer Markus Kauczinski sich nicht zufrieden geben zu wollen. Er kämpfte darum, Einfluss auf seine Spieler zu nehmen. Vielleicht legte er damit eine Grundlage für die unerklärliche Rudelbildung in der Nachspielzeit. Friedlich plätscherte das Spiel dahin, bis die Nachspielzeit angezeigt wurde und den Spielern St. Paulis anscheinend dann erst auffiel, dass sie nicht ewig Zeit haben, ein Tor zu erzielen. Erst regte sich Markus Kauczinski noch einmal auf. Dann geriet Moritz Stoppelkamp mit einem Spieler St. Paulis aneinander, der während des eigenen Angriffs bis zur Mittellinie beim gemeinsamen Trab mit Stoppelkamp unentwegt auf ihn einschimpfte. Als dann der Ball noch einmal in das Areal von beiden kam, gab es kein Halten mehr. Hoch die Tassen und alle kamen zum gemeinsamen Aufregen hinzu. Geschubse hier, Geschubse da. Was für eine kuriose Entwicklung.

Der Schiedsrichter, Deniz Aytekin, hatte das schnell wieder im Griff, und damit komme ich zu seiner besonderen Leistung. Ich habe noch nie bewusst ein ganzes Spiel unter seiner Leitung wahrgenommen. Der Mann läuft und läuft und läuft. Ist er während des Spiels einmal stehen geblieben? Konnte er die Beine still halten, als er in der Nachspielzeit Markus Kauczinski ermahnte? Oder trabte er auf der Stelle? Ununterbrochen ist er in Bewegung. Er pfeift einen Freistoß, läuft nur kurz an die Stelle der Ausführung und vertraut darauf, dass sämtliche Regularien von den Spielern eingehalten werden. Es war natürlich fast die gesamte Zeit ein einfaches Spiel für ihn, aber sein ständiges Kreises auf dem Platz ist sehr eigen und auffällig, wie ein Mensch gewordener Radar zur Spielüberwachung. Was ihm ja bestens gelingt.

Wer sich so spät aufregt und nicht merkt, dass er das macht, nur weil er verliert, wird sofort bestraft. Das 2:0 kurz vor dem Schlusspfiff war eine gelungene erzieherische Maßnahme für den FC St. Pauli. Ob sie gewirkt hat, werden wir nächste Saison sehen, und ich muss jetzt schauen, wie ich die Zeit der Sommerpause rumkriege. Ich finde schon was. Keine Sorge.

Das Abschiedsspiel für den Tabellenrechner

Dieses Foto enthält fast alles, was über diese Saison des MSV Duisburg erzählt werden muss. Dieses Foto zeigt das Endergebnis eines eindrucksvollen Spiels vom MSV Duisburg gegen den SSV Jahn Regensburg. Mit diesem 4:1-Sieg haben die Zebras so viele Punkte gesammelt, dass sie zwei Spieltage vor Saisonende mit dem Abstieg nichts mehr zu tun haben.

Dieses Foto zeigt aber auch eine Anzeigetafel, die in Teilen ausgefallen ist. Der oberste schwarze Balken war schon vor 14 Tagen im Heimspiel erschienen. Der untere schwarze Balken erschien im Laufe des gestrigen Spiels. Diese Anzeigetafel ist das Sinnbild für die finanziellen Möglichkeiten, mit denen der MSV Duisburg in dieser Saison die Klasse gehalten hat. Der MSV ist für die Instandhaltung der Anzeigetafel verantwortlich. Es fehlt das Geld, sie schnell zu reparieren, sie gar auszutauschen, weil sie in die Jahre gekommen ist. Mit dieser Anzeigetafel wird offenbar, was im Ligaalltag angesichts des über viele Wochen sehr guten Spiels des MSV Duisburg immer wieder vergessen wurde. Der MSV Duisburg muss die Wettbewerbsfähigkeit mit beschränkten finanziellen Mitteln erlangen. Diese Bedingungen machen eine ruhige, kontinuierliche Arbeit absolut notwendig. Der Vorstand des MSV, die sportlich Verantwortlichen, namentlich Ivo Grlic und Ilia Gruev stehen für diese Ruhe und den Glauben, dass sich das auszahlt.

Der MSV wollte gestern von der ersten Minute an den Sieg. Chance um Chance erspielten sich die Zebras. Als Cauly Souza sich am linken Strafraumrand, fast schon an der Torauslinie fantastisch gegen zwei Regenburger durchsetzte, sowie einen weiteren tunnelte, habe ich schon das vermeintliche Tor bejubelt. Der geschlenzte Schuss von ihm wurde vom Torwart abgewehrt, doch Dustin Bomheuter kam frei zum Kopfball und aus meiner Perspektive konnte ich es nicht verstehen, wieso dieser Kopfball neben dem Pfosten landete. Die TV-Aufnahmen haben dann gezeigt, wie schwer dieser abgewehrte Ball mit dem Kopf zu nehmen war. Der Offensivdruck hielt an. Wir fürchteten aber das präzise Konterspiel der Regensburger. Doch die Zebradefensive hämmerte nahezu jeden Ball mit Gefahrenpotential notfalls in die Tribüne oder in die gegnerische Hälfte zurück. Bei diesen Defensivaktionen hörte ich geradezu Ilia Gruev, der seine Spieler einschwor, nicht das winzigste Risiko einzugehen, sobald der Gegner Tempo aufnahm.

Die zweite Halbzeit begann, ohne dass der MSV mit dem Druck nachließ. Halblange Bälle ins Zentrum sorgten ebenso wie das schnelle Flügelspiel für Druck. Das Führungstor durch Gerrit Nauber ergab sich nicht aus einer zwingenden Kombination. Wie Boris Tachchy sich den Freistoß am rechten Flügel angelte, wirkte noch nicht gefährlich. Doch er leitete sofort hoch an den hinteren Pfosten weiter, wo Gerrit Nauber einköpfte.

Der baldige Ausgleich irritierte mich nur wenig, da mein Tabellenrechner nicht mehr als ein Unentschieden erwarten ließ. Die Zebras aber wollten mehr. Ein langer Ball in die Hälfte der Regensburger. Der Torwart kommt heraus, von unserer Ecke aus schien er den Ball sicher klären zu können, doch Stanislav Iljutcenko brachte den Fuß etwas schneller an den Ball. Herumgespitzelt und ins Tor geschoben, die erneute Führung.

Dieses Mal kamen die Regensburger nicht sofort wieder mit verstärkter Kraft. Ich empfand die sich abzeichnende Niederlage als gerecht, nicht nur weil der MSV das Spiel überlegen gestaltet hatte, sondern auch weil die Härte der Regensburger in weiten Teilen aus Nickligkeit bestand. Selbst in aussichtslosen Situationen wurden Spieler des MSV gecheckt, als seien wir beim Eishockey. Außerdem verdient keine Mannschaft einen Erfolg, deren Trainer einen sehr jungen Balljungen wütend anfährt, obwohl der so schnell wie er konnte, den Ball einem Regensburger an der Seitenlinie zuwarf. Schnell war diesem Trainer nicht schnell genug, als er fürchtete seine Mannschaft könne verlieren.

Zu dem Zeitpunkt hatte Moritz Stoppelkamp bereits das 3:1 mit einem wunderbaren Schuss aus dem Lauf heraus erzielt. Das vierte Tor erzielte kurz vor Spielende der eingewechselte Ahmet Engin nach einem klugen Pass vom eingewechslten Kingsley Onuegbu. Vorher schon hatte das Feiern begonnen. Vorher schon hatte es geheißen, nie mehr 3. Liga.

Wenn die Nachspielzeit zum Gesundheitscheck wird

Wenn ich noch zwei Stunden nach einem Fußballspiel Kopfschmerzen wegen meines zeitweilig viel zu hohen Blutdrucks habe, können wir bedenkenlos von einem aufregenden Fußballspiel sprechen. Wahrscheinlich brauche ich demnächst eine ärztliche Unbedenklichsbescheinigung, ehe ich ins Stadion gehe.

Aufregend war die 1:2-Niederlage des MSV gegen Fortuna Düsseldorf allerdings erst in der zweiten Halbzeit. Denn in dieser zweiten Halbzeit schaffte es der MSV als Mannschaft die individuelle Überlegenheit einzelner Düsseldorfer Spieler wett zu machen. Nachweis dieser individuellen Überlegenheit waren sowohl die präziseren und härteren Schüsse auf das Tor als auch das härtere und etwas sicherere Kurzpassspiel der Düsseldorfer. Der Vorteil der Düsseldorfer war nicht groß, er war aber vorhanden. Wegen dieses Qualitätsunterschieds führt die Fortuna die Zweitligatabelle an, und der MSV spielt oben zwar mit, aber hat weiterhin die 40, besser 42 Punkte im Blick, während wir im Stillen von einem Relegationsplatz träumen.

Kontrolliertes Spiel hieß in der ersten Halbzeit die Devise nach dem Spektakelfußball des Hinspiels. Dieses kontrollierte Spiel brachte für die Fortuna Schüsse aus der zweiten Reihe, die auf das Tor kamen. Schüsse, die auf das Tor kommen, können dann auch mal reingehen. So entstand das Führungstor der Düsseldorfer wenige Minuten vor dem Pausenpfiff. Einen hohen Abschlag in die Hälfte des MSV ließ Gerrit Nauber einmal auftitschen. Solche auftitschenden Bälle machen mir immer Sorgen. Sie sind oft unberechenbar. So machte nicht nur ein Düsseldorfer Spieler im direkten Zweikampf mit Gerrit Nauber Druck, ein zweiter Düsseldorfer Spieler konnte den nur schlecht geklärten Ball sofort aufnehmen. Die noch nicht wieder geordnete Defensive ließ zu viel Freiraum. Der Schuss aus der zweiten Reihe traf. Wenn ich in einer Schlagzeile von einem Sonntagsschuss lese, schüttel ich allerdings veständnislos den Kopf. Das war kein Sonntagsschuss. Das war einer von mehreren gefährlichen Schüssen. Die Düsseldorfer brauchen kein Glück für solche Schüsse. Die können das.

Demgegenüber stand eine Chance durch Ahmet Engin für den MSV, oder sagen wir, sich eröffnende Chance. Engin war in den Strafraum gezogen und versuchte quer zu legen statt selbst zu schießen. Das hätte eine große Chance werden können. So wurde der Konter nach Balleroberung im Mittelfeld nur etwas Halbgares.

Kurz nach dem Wiederanpfiff veränderte ein schneller Abwurf von Mark Flekken das Spiel. Aus diesem schnellen Abwurf entstand ein erster Angriff des MSV, der Fortunas Defensive durcheinander wirbelte. Von da an schwankte das Spiel hin und her. Während die Fortuna weiter auf die Schüsse von der Strafraumgrenze setzte, versuchten die Zebras immer wieder näher ans Tor zu kommen – mit schnellem Flügelspiel oder mit hohen Bällen. Als Kevin Wolze sich über den linken Flügel wunderbar durchgespielt hatte, war der Weg Richtung Tor frei. Nah an der Torauslinie, wurde er von den Beinen geholt. Der Elfmeterpfiff blieb aus. Blutdruckspitze, die erste. Kevin Wolze war in dem Fall mein Blutdrucksenker, weil er seiner Wut freien Lauf lassen konnte. Die gelbe Karte hatte er schon, ich fürchtete das Gelb-Rot. Sofortige Beruhigung war deshalb meine Devise. Vielleicht wirkte es auf das Spielfeld runter.

Kingsley Onuegbu wurde eingewechselt und erarbeitete sich seine Chance zum Ausgleich. Sein kunstvoller Seitfallrückzieher ging knapp am Tor vorbei. Auf der Gegenseite gab es einen Schuss gegen die Latte. Als kurz vor dem Abpfiff das 2:0 fiel, schien meine Gesundheit nicht mehr gefährdet. Doch weit gefehlt. Nach dem Anschlusstreffer durch Boris Tashchy zwei Minuten später kam erst die wirkliche Prüfung des Tages. In den vier Minuten Nachspielzeit war der Ausgleich tatsächlich zweimal möglich. Die erste Chance vom King wurde zur Ecke abwehrt, und es war klar, diese Ecke würde die letzte Spielaktión. Heute weiß ich nicht einmal mehr, ob der King bei seiner zweiten Chance nach dem Eckball köpfte oder schoss. Neben der Erinnerung an meine Kopfschmerzen ist nur meine Fassungslosigkeit geblieben, dass dieser Ball vom Torwart noch geklärt werden konnte.

So komme ich zu dem etwas merkwürdigen Eindruck, dass der Sieg der Fortuna einerseits in Ordnung geht, andererseits aber das Unentschieden verdient gewesen wäre.

20 Anmerkungen zum MSV-Spiel gegen Union, die die Welt noch nie gesehen hat

  1. Ein knapper Sieg war mein Wunschergebnis vor dem Spiel. Mit einem Unentschieden wäre ich zufrieden gewesen. Nach dem Spiel waren beide Ergebnisse zugleich eingetreten. Das 1:1-Unentschieden fühlte sich nach einem Sieg an.
  2. Nur in den ersten 10 bis 15 Minuten ließ sich erkennen, warum Union Berlin mehr Punkte in der Saison hat gewinnen können als der MSV. In diesen Minuten: Mark Flekken, Fußballgott.
  3. Nach der Anfangsphase wurden die Berliner vorsichtiger. Ihnen war es nicht gelungen, das Offensivspiel konstant mit Ballbesitz zu entwickeln. Immer öfter mussten sie lange Bälle schlagen, die von der Zebra-Defensive souverän abgelaufen wurden.
  4. Die Berliner wurden vorsichtiger, weil die Zebras sich trotz des sehr guten frühen Pressings von Union immer wieder spielerisch befreien konnten. Gerade Cauly Souza und Fabian Schnellhardt hielten dem Druck auf engstem Raum stand. Sie behaupteten die Bälle in der eigenen Hälfte gegen drei, vier Gegenspieler nacheinander, um planvolles Spiel zu ermöglichen. So waren die Berliner gezwungen, sich auch um die eigene Defensive zu kümmern.
  5. Gute Chancen ergaben sich nicht für den MSV.
  6. Am Ende der Saison wird der MSV sich als Aufbau- und Weiterbildungsschule für Rechtsverteidiger im internationalen Fußballgeschäft einen Namen gemacht haben. Das neue Vereinsmotto: Rechts hinten fehlt euch noch ein Mann?/Wir zeigen jedem, dass er`s kann. Andreas Wiegel spielte sehr gut auf der für ihn ungewohnten Position.
  7. Trotz der wenigen Chancen war das Spiel nicht ereignisarm. Beide Mannschaften suchten den Weg nach vorne.
  8. In der Halbzeitpause stellte ich erstaunt fest, wie entspannt ich der weiteren Saison entgegen sah.
  9. Der entspannte Blick wurde durch überraschende Nervosität der Zebras nach dem Wiederanpfiff gestört. Von der Vorhalbzeitpausensicherheit war in den ersten Spielszenen nichts zu merken. Erst ein Eckball für Union brachte einen Moment der Ruhe und leider auch das Führungstor für die Gäste.
  10. Da statistisch betrachtet nur etwa jeder hundertste Eckball zu einem Tor führt, arbeitet der MSV in dieser Saison daran, dass die restlichen Vereine dieser Profifußballwelt sich auf andere Defensivaufgaben konzentrieren können als auf Eckbälle.
  11. Entspannung, ade. Starke Zweifel über den weiteren Verlauf des Spiels waren angesichts Torchancenmangel sofort vorhanden.
  12. Den MSV beeindruckte das Gegentor nicht. Zufrieden sahen wir, wie der Druck auf das Tor von Union zunahm. Viele Chancen ergaben sich weiterhin nicht.
  13. Die Enttäuschung war mangels Torchancen um so größer, als der King nach einer perfekten Flanke im Fünfmeterraum an der richtigen Stelle mit dem falschen Körperteil war. Mit dem Oberschenkel hat er den Ball am langen Pfosten nur neben das Tor setzen können.
  14. Kingsley Onuegbu oder Stanislav Iljutcenko in der Startelf? Zuschauerlärmen beim Wechsel lässt bei Anhängern Tendenz für Iljutcenko vermuten. Zebrastreifenblog-Kees weicht nicht von seiner unlängst geäußerten Meinung zu dieser Frage ab und freut sich auf die nicht enden werdenden Diskussionen zum Thema.
  15. Moritz Stoppelkamp schien entweder unzufrieden gewesen zu mit seiner Leistung oder mit dem Ertrag. Einen Elfmeter brauchte er zwar nicht zu schießen, beim Freistoß an der Strafraumgrenze übernahm er aber die Verantwortung und schoss deutlich über das Tor. Da der Freistoß nach Foul an Iljutcenko aber hätte ein Elfmeter sein müssen, ist dieser Fehlschuss nicht verwunderlich.
  16. Warum zog der eingewechselte Ahmet Engin immer schon früh in die zugestellte Mitte, obwohl er den freien Raum am Flügel vor sich hatte?
  17. Der Ausgleich fiel durch einen Kopfball von Stanislav Iljutcenko nach einer Flanke von Kevin Wolze, die recht lange in der Luft war. Nach Torgefahr hatte diese Flanke nicht ausgesehen. So fiel das Tor etwas überraschend und umso begeisterter war unser Jubel.
  18. In den letzten Minuten des Spiels sah nichts mehr nach Niederlage aus. Stattdessen gab es sogar eine sehr leise Hoffnung auf einen Sieg. Große Chancen sahen wir zwar nicht mehr, aber der MSV blieb am Ball. Die Psyche macht’s.
  19. Zwei Seiten einer Medaille: Unser Gefühl eines Sieges entspricht dem Gefühl der Spieler bei Union, verloren zu haben.
  20. Ein guter Sonntag für einen Anhänger des MSV.

Eine Lanze brechen für den King

Heute begrüße ich alle Freunde  der Mittelalterszene, die bei dieser Überschrift leuchtende Augen bekommen.  Google, sei Dank. Allerdings geht es auch heute um Fußball, und Clickbaiting ist nicht mein Metier. Kingsley Onuegbu ist nun einemal der King, und seine Leistung in den letzten beiden Spielen braucht  Einordnung. Denn zweimal nun hat sein Auftritt bei vielen Anhängern der Zebras harsche Kritik hervorgerufen. Ich hingegen finde, er verdient besondere Anerkennung. Schließlich stellt er sich mit seinen spielerischen Möglichkeiten auf eine Weise in den Dienst der Mannschaft, die ihn schlechter aussehen lässt, als er ist. Für Ilia Gruevs Versuch die Defensive zu stabilisieren und gleichzeitig Offensivkraft zu schaffen, gibt es im Moment keine Alternative neben ihm. Warum?

Die Defensive hat Ilia Gruev gestärkt, indem er die Mannschaft nicht mehr so hoch spielen lässt wie in der ersten Phase der Saison. Der Aufbau des Gegners wird entsprechend später gestört, die Defensivspieler des Gegners werden nicht mehr früh angelaufen. Das bedeutet zugleich, die Schnelligkeit beim Gegenpressing hat nicht mehr die Bedeutung wie zuvor. Für das System der ersten Saisonphase hatten sowohl Stanislav Iljutcenko als auch Simon Brandstetter wegen ihrer Grundschnelligkeit klare Vorteile gegenüber Kingsley Onuegbu.

Die Verstärkung der Defensive hat nun selbstverständlich auch Auswirkungen auf die Spielweise in der Offensive. Sehr viel häufiger als in der ersten Saisonphase muss die Mannschaft aus einer statischen Spielsituation den Ball in Tornähe bekommen. In einer statischen Spielsituation aber sind fast immer hohe Bälle, ob lang oder halblang geschlagen, das Mittel der Wahl. Bei diesen Bällen ist der „King“, selbst wenn er keine Topleistung früherer Tage zeigt, deutlich die erste Wahl gegenüber den beiden anderen Offensivspielern. Selbst wenn ihm die sofortige Ballkontrolle nicht gelingt, beschäftigt er immer die Defensive des Gegners. Der Gegner braucht meist zwei Spieler um ihn vom Ball zu trennen. Sicher, momentan sieht der King oft ungelenk aus, springen ihm die Bälle öfter fort als in seinen besten Zeiten beim MSV. Dennoch sehe ich keine Alternative zu seinem Spiel, so lange das Kurzpassspiel und Flügelspiel nicht so erfolgreich ist, dass halblange und lange Bälle die Ausnahme bleiben können.

Ilia Gruev musste bei seinem Versuch, die Defensive zu stabilisieren, einen Kompromiss eingehen. Er verzichtete auf Dynamik in der Offensive, um Präsenz beim statischen Spiel zu gewinnen. Kingsley Onuegbu arbeitet und arbeitet. Wenn er springt, sieht das oft nicht gut aus und dennoch besetzt er den Raum an genau dieser Stelle so, dass sich die Defensive im Zentrum an ihm orientiert. Dann geht es um die zweiten Bälle. Die müssen Beute der anderen Spieler sein. Selbst dem langen Ball zum Konter rennt der King hinterher im Wissen, ihn so gut wie nie erreichen zu können. So bleibt die gegnerische Defensive nie ohne Beschäftigung. Darum geht es, und Kingsley Onuegbu nimmt es in Kauf, schlecht auszusehen. Noch einmal: er spielt so gut, wie er kann. Was wir sehen, ist ein Kompromiss, den die erste Saisonphase verlangt. Kingsley Onuegbu verdient denselben Beifall wie der Rest der Mannschaft. Denn er füllt eine Lücke, die kein anderer Spieler des Kaders bei genau dieser Spielweise ausfüllen könnte.

Ihr seid nur ein Fastnachtsverein, Faschingsverein, Karnevalsverein

Eigentlich bin ich weder der Mann für Maskottchenbashing noch einer für Schmähgesänge. In den Räumen hier beschäftigt sich Der Stig gerne damit, doch nach dem 1:0-Sieg des MSV gehen mir diese Karnevalsteufelchen aus dem Vorprogramm beim FC Kaiserslautern nicht aus dem Kopf. Das mag an meiner kölschen Fasteloovend-Vertrautheit liegen, aber was machen diese Teufelchen aus der Fußtruppe eines Karnevalsumzugs nur auf dem Rasen beim 1. FC Kaiserslautern? Wie soll ein Verein der sein Vorprogramm dauerhaft mit dem Personal von Fastnacht, Fasching oder Karneval bestreitet nur die Klasse halten? Das wird sehr, sehr schwer, liebe Anhänger, Spieler und Verantwortliche aus Kaiserslautern. Diese Wahrheit muss ich euch leider ins Gästebuch schreiben. Von der Leistung eurer Mannschaft muss ich dabei gar nicht erst sprechen.

Denn erst einmal spreche ich über den MSV Duisburg. Wenn dieser Auftritt des MSV in Kaiserslautern die Balance ist, von der nach dem Braunschweig-Spiel Moritz Stoppelkamp gesprochen hat, müssen wir uns um nichts mehr Sorgen machen. In Zeitungsberichten wurde vor dem Spiel die erneute defensive Ausrichtung beider Mannschaften vermutet. Doch nichts da. Vom Anpfiff an war der 1. FC Kaiserslautern alleine auf dem Platz mit seiner defensiven Ausrichtung. Die Zebras zeigten sofort, in diesem Spiel auf dem Betzenberg wird das Aufbausspiel des Gegners wieder früh gestört, nicht schon in Strafraumnähe wie in den ersten Spielen, aber auf jeden Fall in dessen Defensivhälfte. Zudem wird auch schnell nach vorne gespielt, Sicherheitspässe werden nicht bei jeder Balleroberung gebraucht. Manchmal werden sie noch benötigt, nur um aus der Sicherheit heraus, das Spiel wieder zu beschleunigen. Diese Zebras wollten den Sieg. Das war von der ersten Minute an zu sehen. Zugute kam dem MSV die Verunsicherung bei den Spielern des 1. FC Kaiserslautern. Anhaltendes Selbstbewusstsein hat der Erfolg in den letzten beiden Spielen jedenfalls nicht gegeben.

Klare Chancen ergaben sich aus der Überlegenheit des MSV zunächst keine. Ein Schuss von Moritz Stoppelkamp, nachdem Boris Tashchy und Kingsley Onuegbu in gemeinsamer Arbeit einen hohen Ball in den Strafraum in den eigenen Reihen halten konnten. Geduld war gefragt. Ein Konter der Kaiserslautern machte in der Mitte der ersten Halbzeit einmal Angst. Da hieß es kurz durchatmen, mehr kam aber nicht. Die Defensive stand sicher. Jedem hohen Ball in Richtung Strafraum der Zebras wurde die Gefahr genommen. Andere Mittel fanden die Kaiserslauterner nicht. Das Spiel über deren Außen wurde durch Kevin Wolze und Enis Hajri nahezu komplett unterbunden.

Stattdessen bohrten die Zebras das Defensivbollwerk des Gegners unermüdlich an. Wenn es irgend ging, wurde das Kurzpassspiel versucht, oft waren die halblangen Bälle auf Kingsley Onuegbu oder Boris Tashchy das Mittel der Wahl, hin und wieder wurde das Flügelspiel über Moritz Stoppelkamp oder Cauly Souza gesucht. Die Mannschaft versuchte schnell zu spielen, ohne die Defensive zu entblößen. Ich rufe demnächst immer, da ist sie, die Balance, die Balance, wenn ich das beglückt sehe.

Zwischendurch: Heute geht es hier um das gesamte Spiel. Morgen bekommt der King einen eigenen Text. Das wird ein Plädoyer für Nachsicht. So viel sei schon mal verraten. Und dieses Plädoyer schreibe ich nicht aus Mitmenschlichkeit, sondern weil mein realistischer Blick auf die Möglichkeiten dieser Mannschaft das verlangt. Ich sehe zu viel Ärger über den King.

Ein Pass auf den durchstartenden Cauly Souza, der wird vom Torwart berührt und fliegt in hohem Bogen durch die Luft. Der Schiedsrichterpfiff und kurze Unsicherheit über die Entscheidung. Elfmeter, ja. Nun wissen wir, die Mannschaft braucht einen weiteren Elfmeterschützen. So weit wie Moritz Stoppelkamp über das Tor schoss, so groß war die Enttäuschung. Dabei dachte ich zunächst Enis Hajri würde schießen. Er hatte den Ball zurecht gelegt. Die Führung wäre verdient gewesen. Es blieb zur Pause beim torlosen Unentschieden.

Mit Beginn der zweiten Halbzeit wollten die Kaiserslauterner mutiger sein. Sie versuchten nun den MSV schon am eigenen Strafraum zu stören. Pressing konnte man das nicht nennen. Das war eher ein lästiges Herumwuseln, was die Zebras grundsätzlich gut beiseite wischten, auch wenn wir gebrannten Anhänger-Kinder immer das größtmögliche Unglück eines Gegentores vermuten. Gefährlicher wurde es für den MSV also zunächst nicht.

Erst nach dem Führungstor durch Dustin Bomheuer entstand so etwas wie Druck auf das Tor des MSV, auch weniger weil die Kaiserslauterner besser wurden als durch die Möglichkeit auf Seiten des MSV etwas zu verlieren. Wenn die Angst vor dem Ballverlust nur minimal größer wird, schon gibt es Situationen, in denen im Strafraum Hektik entsteht und der kurzfristige Verlust von Spielkontrolle. Alles kann dann möglich sein. Zwei-, dreimal sahen wir ein wildes Gebolze, um den Ball aus dem Strafraum zu bekommen. Dennoch hielten die Zebras weitest gehend die Spielkontrolle, wurde versucht Ruhe zu bewahren. Tim Albutat wurde nach seiner langen Verletzungspause zum ersten Mal wieder eingewechselt. Was eigentlich als Beruhigung gedacht war, machte mich schnell nervös. Er wirkte etwas desorientiert in dieser hektischen Schlussphase und ermöglichte zweimal Durchbrüche der Kaiserslauterner auf Strafraumhöhe. Er braucht momentan auf jeden Fall eine ruhige Spielphase, um wieder auf den Platz zu kommen. Vielleicht braucht die jeder Spieler nach so einer Verletzung.

Die Zeit verstrich zudem mit ein paar Aufgeregtheiten, die genutzt wurden, um Zeit von der Uhr zu nehmen. Natürlich holte sich Enis Hajri eine gelbe Karte ab, die fünfte. Was mich Böses für das Union-Spiel ahnen lässt. Der Schlusspfiff kam nicht als Befreiung vom Dauerdruck, aber doch als Rettung vor einem ungnädigen Schicksal, das wahllos Fanseelen ins Unglück stürzen kann.

 

 

 

 

 

 

Ab in die TOP 5 der ernüchternden Niederlagen

Nicht dass ich die Niederlage gegen den 1. FC Nürnberg hier verschweigen will. Gestern habe ich allerdings deshalb nichts geschrieben, weil zur mangelnden Zeit mein Unwillen hinzu kam, mich an das Spiel noch einmal zu erinnern. Stattdessen machte ich mir eine Arbeitsnotiz. Stelle die Top 5 der ernüchterndsten Niederlagen zusammen. Dieses Spiel gehört für mich dazu. Ich werde auch heute nicht mehr viel dazu schreiben. Wir blicken nach vorne. Ernüchternd ist es nämlich, wenn die Zebras das Spiel gestalten und dennoch zur Halbzeitpause 2:0 zurückliegen.

Der 1. FC Nürnberg musste für diese Führung viel weniger ins eigene Spiel investieren als der MSV. Sie brauchten nur abwartend zu spielen und wahrscheinlich hieß die Offensivtaktik gar nicht, suche den gefährlichen Abschluss aufs Tor. Ich bin sicher, die Stürmer versuchten die Zebras dazu zu zwingen, den Ball ins Toraus zu schießen. Diese Eckbälle waren die eigentliche Torchance. Sobald der Eckball in den Strafraum schoss (!), brannte es lichterloh im Strafraum. Die Geschwindigkeit der hereinfliegenden Bälle war ebenso beeindruckend wie die Präzision, mit der sie genau an die Stelle kamen, bei der der Torwart nicht genau weiß, ob er dort hin gehen soll oder nicht. Die Mannschaft wusste anscheinend um die Gefahr durch diese Ecken. So anderes als sonst versuchte sie mit einer geschlossenen Defensivreihe im Fünfmeterraum diese Ecken zu verteidigen. Vergeblich.

Was für ein Chance hatte Simon Brandstetter zur Führung. Er arbeitet, holt sich die Bälle, läuft in die freien Räume, ist schnell, anspielbar. Er stört als erster Defensivspieler seiner Mannschaft den Spielaufbau in der Hälfte des Gegners. Beim schnellen Abschluss im Strafraum kann er nicht variabel genug sein. Anstatt ein Tor von Simon Brandstetter zu bejubeln, fürchte ich jeden Eckball. Der MSV arbeitet daran, dass jede andere Mannschaft Europas demnächst entspannt Eckbälle des Gegners erwarten kann, damit die Statistik weiter stimmt, nur 1,27 Prozent aller Eckbälle seien erfolgreich.

Fünf bis zehn Minuten zu spät setzte der MSV in der zweiten Halbzeit auf die bedingungslose Offensive. Erst als Stanislav Iljutcenko in der 80. Minute eingewechselt wurde, geriet die Defensive der Nürnberger ins Schwimmen. Schon zuvor hatte der MSV nach dem Wiederanpfiff unermüdlich den Weg zum Tor gesucht, ohne gefährlich zu werden. Meine Ernüchterung wich erst, als in diesen Schlussminuten alles möglich schien, so sehr wurden die Nürnberger in der eigenen Hälfte eingeschnürrt. Ein Trudelball gegen die Latte, eine scharfe Flanke, an der Onuegbu und Iljutcenko um Zentimenter vorbei rutschten. Das Tor schien fast sicher gewesen zu sein. Schließlich in der Nachspielzeit, der zweifellose Elfmeter nach tölpelhaftem Einsteigen des Nürberger Defensivspielers. Kevin Wolze verwandelte sicher. Zu spät.

Wir nehmen auch aus diesem dritten Spiel der Saison mit, die Mannschaft kann ein Spiel gestalten. Sie kann sich Torchancen erspielen. Hätte Simon Brandstetter die Kaltblütigkeit von Kingsley Onuegbu, erzielten wir in jedem Spiel mindestens ein Tor. Was nicht heißt, dass er alleine nur für die Torchancen zuständig ist. Seine sind zwangsläufig nur die größten Chancen. Die Mannschaft besitzt eine grundsätzlich stabile Defensivreihe mit einer verwundbaren rechten Seite. Das sind die Voraussetzungen für die Spiele der nächsten Wochen. Jetzt möchte ich nur noch den ersten Sieg der Saison. Das sollte machbar sein bei diesen Voraussetzungen.

Die 11FREUNDE-Redaktion fragt – Kees Jaratz antwortet

Zurück in der 2. Liga – das heißt auch mehr Berichterstattung über den MSV durch die versammelten Fußballmedien und mehr Arbeit für mich. Wie gewohnt in den letzten Zweitliga-Jahren der Zebras landete nämlich die E-Mail  mit ein paar launigen Fragen aus der 11FREUNDE-Redaktion im Posteingang. Im Bundesliga-Sonderheft erscheinen dann die Antworten, die von den Erst- und Zweitligabloggern zurückgesendet werden. Ein paar Seiten kostenloser Content für 11FREUNDE. Damit kennen wir uns aus. Für euch nun exklusiv die Sonderedition Jaratz zum MSV des 2017er 11FREUNDE-Jahrgangs.

Die nächste Saison wird eventuell legendär, weil…

nicht nur der Klassenerhalt früh feststeht und die Teilnahme am Pokalfinale den Anfang einer langjährigen Erfolgsära bedeutet, sondern auch der 50-Millionen-China-Deal im Winter – siehe unten – den Verein endgültig saniert

Wenn ich an die vergangene Saison denke, dann…

…haben alle im und um den MSV mit anfänglich sehr überlegener Spielweise und der Tabellenführung seit Spieltag neun samt Drittliga-Meisterschaft eine völlig neue Erfahrung des Dauer-Favoriten-Daseins gemacht. Dennoch wurde die Tradition nicht verraten, uns auf den Rängen bis zum Abpfiff am Erfolg zweifeln zu lassen. Tradition! Wichtig!

Auf diesen Videobeweis-Fauxpas freue ich mich besonders:

Foul ist Foul, auch wenn die foulenden Abwehrspieler klein und viele sind während der gefoulte Spieler alleine sowie athletisch und groß ist wie Kingsley Onuegbu. Würde ich gerne im Videobeweis mal sehen.

Für 50 Millionen in Richtung China verlässt uns im Winter…

…Physio, Greenkeeper und zwei Ticketing-Mitarbeiter. An Fußballer aus Deutschland traut sich nach Modeste-Deal-Fast-Scheitern gerade niemand ran.

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Beim Pyro-Abo sind wir wie alle dabei. Dazu plädiere ich für Sonderstrafen bei Mickie-Krause-Auftritten vor einem Spiel.

Die neue Vereinshymne sollte komponiert werden von…

Von niemandem. Reden wir nicht drüber, weil Hymnenkram schon immer gegenüber dem Besten vom Besten enttäuscht. Muss ich mehr sagen als Zebratwist?

Aus unserem Team unverzichtbar für Jogi Löw ist in Russland…

Wie Confed-Cup und U21-Euro zeigen, deutsche Fußballspieler hat Jogi Löw ja mehr als genug. Einen Spieler wie Branimir Bajic aber hat er nicht. Mit seinen fast 38 Jahren gibt er inzwischen durch die Aura seines Auftretens auch von der Bank aus Sicherheit bis in alle Ecken des Spielfelds. Wenn es nötig ist, auch auf dem Spielfeld präsent. Großartiger Mann. Deshalb Nationalitäten-Sondersstatus für den Bosnier Bajic.

Fußball schön und gut, aber Weltmeister würde unsere Truppe in…

Textsicherheit beim deutschen Party-Schlager der Gegenwart, der aufklärenden Arbeit des nigerianischen Schlagersammlers und -forschers Kingsley Onuegbu sei Dank.

Auswärts schmeckt gut: Die beste Bratwurst gibt es in…

Überall dort, wo Auswärtssiege den Blick aufs Wesentliche lenken und Geschmackssinne vernebeln.

Jetzt reicht’s: Das müsste passieren, damit ich nicht mehr ins Stadion gehe…

Ich interessiere mich schon jetzt kaum mehr für die Bundesliga oder Champions League. Aber als wandelnder Zuschauer-Widerspruch wird sich das natürlich sofort ändern, wenn mein Verein in die Nähe des nächst möglichen Erfolgs kommt. Sprich: ich weiß nicht, was passieren müsste.

Dieser Filmtitel beschreibt meinen Klub perfekt…

Zurück in die Zukunft

Dieser Twitter-Account ist für Fußballfans unverzichtbar…

Zu viele, um einen zu nennen. Schaut selbst.

Zweite Liga ist eh viel schöner als Bundesliga, weil…

…mich Bundesliga kaum mehr  interessiert. Siehe oben. Und Union Berlin und St. Pauli immer eine Reise wert ist, dabei Bochum und Düsseldorf um die Ecke liegen und die Chance zum Bundesligaaufstieg greifbar nahe ist. Denn siehe oben.

Das ist die zweitklassigste Zweite Liga seit…

…der MSV vor zwei Jahren schon einmal nach dem Zwangsabstieg wieder aufstieg und die Klasse nicht halten konnte. Deshalb beste Aussichten in dieser Saison. Siehe oben.

In der Relegation scheitert diesmal…

…nicht der MSV. Denn die Grammatik der Ruhrgebietssprache verbietet es, das Verb scheitern zusammen mit dem Kürzel MSV zu gebrauchen.

Und wenn ihr nun ganz andere Antworten gewusst hättet, ich bin gespannt. Nachspielzeit in den Kommentaren.

Ohne Aufstiegszwang gewinnt sich’s leichter

Der MSV Duisburg wollte Meister der 3. Liga werden. Damit das auf jeden Fall gelingt, musste das Spiel gegen den FSV Zwickau gewonnen werden. Anscheinend war mit dem Druck während nur eines Spiels leichter umzugehen als mit dem grundsätzlichen Druck aufsteigen zu müssen. Beim 5:1-Sieg gegen den FSV Zwickau zeigte die Mannschaft eine glänzende Leistung. Mit diesem Sieg schloss sich der Kreis dieser Saison. Denn solch souveräne Spiele hatten wir zu Beginn der Spielzeit ebenfalls schon gesehen.

Das Selbstbewusstsein der Mannschaft war für jeden erkennbar. Es drückte sich im unbedingten Offensivspiel aus. Der FSV Zwickau war allerdings auch bereit, das Spiel mit zu gestalten. Diese Zwickauer agierten nicht defensiv, sondern suchten ebenfalls ihre Chance im Angriff. So wurde diese Begegnung auch deshalb ein attraktives Fußballspiel, weil die Zwickauer etwas riskierten. Vielleicht müssen wir uns für den Rückblick auf die Saison dieses Spiel vergegenwärtigen und das Zwickauer Offensivspiel. Vielleicht werden wir dann milder mit der Vorsicht dieses MSV während der Saison, eine Vorsicht, die so schnell den Eindruck einer behäbigen Spielweise hinterließ.

Vor dem Spiel herrschte allerorten eine entspannte Stimmung. Früher als bei den anderen Ligaspielen strömten wir alle zum Stadion. Am Bahnhof die Begegnung mit den schon am Freitag angereisten Zwickauern. Der Gästeblock war voll für die weite Anreise. Was die Bedeutung des Vereins in Zwickau zeigt. Eine Bedeutung, die auch wir in Duisburg für den MSV kennen und die uns um diesen Verein während der Saison hat Zittern lassen. Nun waren wir entspannt, weil das Überleben des Vereins in der Größe, die wir uns ersehnen, nur durch den Aufstieg mögich gewesen war. Das einzig wirklich wichtige Ziel dieser Saison war erreicht. Jetzt ging es darum, die gute Laune zu bestärken.

Die Mannschaft tat uns den Gefallen. Die Spieler wollten Meister werden. Der Rückstand in der 16. Minute irritierte nur bis zum Wiederanstoß. Sofort nahm der MSV das Heft wieder in die Hand und suchte seine Chance auf den Ausgleich. Die Räume für Kombinationsspiel waren da. Schnelles Spiel über die Flügel gelang, und so ein schnelles Flügelspiel führte nur drei Minuten später zu einem scharfen Pass in den Strafraum, wo Andreas Wiegel trotz enger Deckung direkt abschloss. So selbstbewusst kann er also auch spielen. Sein zweites Tor zur Führung kurz vor der Pause schien folgerichtig. Ein weiter Pass in die Spitze, den er sich erläuft, um den Torwart zu umkurven und einzuschieben.

Die Stimmung wurde noch entspannter. Munter ging es nach der Halbzeitpause hin und her. Schöne Aktionen einzelner Spieler waren zu sehen. Wenn Dustin Bomheuer auf Höhe des eigenen Strafraums den Ball nicht wegschlägt, sondern nach Dreieckspiel noch einen Haken schlägt, um den angreifenden Stürmer aussteigen zu lassen, wissen wir, wie sicher sich diese Spieler  alle waren. Von Fabian Schnellhardt erwarten wir solch Selbstbewusstsein und bewundern seine minimalen Bewegungen  bei der Ballannahme, mit denen er seine Gegenspieler ins Leere laufen lässt.

Enis Hajris Kopfballtor zum 3:1 war ein Sinnbild für seine letzten Spiele. Sein Wille war in diesen letzten Wochen vor dem Aufstieg zu einem Tragpfeiler der Mannschaftsleistung geworden. Die Wucht dieses Kopfballs hatten wir zuvor schon gesehen gegen Frankfurt, gegen Lotte – mit unterschiedlichem Erfolg. Nun machte er den Sieg sicherer. Und nur eine Minute später erhöhte Kingsley Onuegbu lehrbuchmäßig ebenfalls per Kopf nach einer Janjic-Flanke. Solche Spielaktionen sahen nun alle leicht aus. Diese Spieler auf dem Feld waren im Kopf frei geworden. Was wir sahen war nun die reine Freude am Spiel. Wir auf den Rängen feierten und freuten uns noch über das Tor vom eingewechselten Kevin Wolze kurz vor Schluss.

In dieser entspannten Freude wurde schließlich der Drittligameister MSV Duisburg gefeiert. Die Saison war für uns alle emotional anstrengend gewesen. So oft hatte uns das Spiel dieser Zebras enttäuscht. Für die Spieler war es aus anderen Gründen emotional anstrengend. Es gab kaum Spielraum für Fehler. Am letzten Spieltag haben wir alle gemeinsam unser Leben mit dem Fußball des MSV wieder zurecht gerückt. Dieser 5:1-Sieg war in gewisser Weise ein Vergessen der Überlebensnotwendigkeiten, ein Vergessen von all dem, was diese Saison so schwer hat werden lassen. Dieser Sieg war ein Seelenbalsam für uns alle. Auf diese Weise können wir der 2. Liga entgegensehen. Wir wissen alle, wie schwer es wird, die Klasse zu halten. In guter Stimmung aber ist die Zuversicht einfach viell größer.

Kleine Anekdote am Rande: Im Moment des Abschieds vom MSV-Ausstatter bekomme ich zufällig mit, eines von vielen Uhlsport-Werbegesichtern gewesen zu sein. Kees Jaratz auf dem Werbefoto eines Sportartikelherstellers ist nun auch Geschichte. Ich überlege noch, warum das ein gutes Vorzeichen für die kommende Saison ist.

 

Alle auf den Zaun, alle auf den Zaun…

Drittligameister MSV Duisburg, so leicht die Stimmung im Stadion, so leicht das Spiel der Mannschaft. Ohne Druck gelingt ein glänzender 5:1 Sieg gegen Zwickau. Mehr Worte gibt es morgen. Heute wird auch hier noch einmal nur gefeiert.

Der MSV ist wieder da, der MSV ist wieder da, der MSV ist wieder da, der MSV ist wieder da.

Und natürlich ist es so schon immer gewesen…

 


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